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Die skurrilen Familien des Wes Anderson

Ines Walk (Ines Walk), Veröffentlicht am 24.05.2012, 08:50

Ab heute könnt ihr euch Moonrise Kingdom von Wes Anderson in den Kinos anschauen. Wieder hat der Regisseur etwas Besonderes auf die Leinwand gebannt, sein skurriler Blick auf die Menschheit nimmt abermals gefangen.

Moonrise Kingdom Moonrise Kingdom © Tobis

Heute startet Moonrise Kingdom von Wes Anderson in unseren Kinos, der noch letzte Woche das Festival Cannes eröffnete. Die Kritiker feiern den Film, in dem wieder das große Thema Wes Andersons durchscheint: skurrile Familien. Gern kehrt er in die Kindheit seiner Protagonisten zurück, schaut auf familiäre Beziehungen, aus denen sich seine Figuren nicht befreien können. Seine Filme sind bevölkert von Menschen mit exzentrischen Macken und verschrobenen Ansichten, die er liebevoll und verspielt, auf frische und witzige Weise porträtiert. Nie blickt er herablassend auf die Fehler seiner Protagonisten, sondern gesteht ihnen ihre eigene, ganz individuelle Lebensweise zu.

In der Tragikomödie Die Royal Tenenbaums sehen wir drei hochbegabten Kindern – einem Finanzgenie, einer Schriftstellerin, einem Tennisspieler – dabei zu, wie sie ihre Talente verschleudern, sich selbst betrügen und ihr Leben zu einem einzigen Desaster wird. Die Familie der Tenenbaums ist seltsam deformiert, Chas (Ben Stiller), Richie (Luke Wilson) und Margot (Gwyneth Paltrow) könnten nicht skurriler sein, aber sie werden noch getopt von Royal Tenenbaum (Gene Hackman), der als Familienoberhaupt dem Ganzen die Krone aufsetzt. Er ist in allem wichtigtuerisch, als Taugenichts, als Charmeur und als Schwindler, sucht aber letztlich nur die Zuneigung seiner Familienmitglieder. Alle Figuren erlitten Verletzungen in der Vergangenheit, die sie aber über die Jahre geschickt kompensiert haben. Mit einem skurrilen und exzentrischen Tick verstecken sie die Wunden und tragen sie so für alle öffentlich zur Schau: Das Leben und der Alltag erscheinen dann viel weniger aussichtslos. Die Royal Tenenbaums sind eine eigentümliche Familie, die wir als Zuschauer lieben können, aber als Verwandtschaft wegen ihrer depressiven und neurotischen Art wohl eher weitläufig umgehen würden.

Mit Anleihen aus Familien- und Abenteuergeschichten sowie dem Vater-Sohn-Drama inszeniert Wes Anderson auch Die Tiefseetaucher. Das Panoptikum absonderlicher Charaktere in nicht minder absonderlichen Situationen ist hier geradezu erdrückend. Über allen schwebt der sensible und an sich zweifelnde Ozeanograph Steve Zissou (Bill Murray), der schon bessere Tage gesehen hat. Jede Figur macht der anderen ein wenig das Leben zur Hölle, alle sind sie Gefangene von familiären Bindungen. Keiner kann sich aus ihnen befreien. Auch in Darjeeling Limited geht es um das Psychogramm einer Familie. Hier sind es drei Brüder, die schon seit mehreren Jahren kein Wort mehr miteinander wechseln, sich aber auf nach Indien machen, um ihre Mutter (Anjelica Huston) zu sehen. Getarnt als Selbstfindungstrip präsentieren uns Francis (Owen Wilson), Jack (Jason Schwartzman) und Peter (Adrien Brody) ihre zahlreichen verschrobenen Macken.

Der aktuelle Film von Wes Anderson ist an der Küste Neuenglands im Jahre 1965 angesiedelt und erzählt von zwei Zwölfjährigen (gespielt von Kara Hayward und Jared Gilman), die sich verlieben und in die Wildnis durchbrennen. Die Erwachsenen in Gestalt von Pfadfinderführer Edward Norton, Insel-Sheriff Bruce Willis, Sozialarbeiterin Tilda Swinton und den Eheleuten Bill Murray und Frances McDormand nehmen die Verfolgung auf. Wieder wird hier eine Familiengeschichte präsentiert, die den amerikanischen Traum torpediert. Zwar mögen sich alle irgendwie, aber harmonisch und liebevoll geht es nicht gerade zu. Da steckt viel Witz und auch viel Wahres drin. Auch Moonrise Kingdom ist wieder bevölkert mit skurrilen Figuren, die an ihren Familien-Angehörigen verzweifeln. Der Liebe zueinander tut dies aber keinen Abbruch.


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Kommentare

über Die skurrilen Familien des Wes Anderson


Wissen

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Der Film war einfach nur toll. Die Charaktere an Skurrilität kaum zu übertreffen und die schauspielerische Leistung aller Stars einfach nur grandios!
An dieser Stelle nochmal danke Moviepilot für die tolle Preview letzten Dienstag in Dortmund!

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Grimalkin

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"Moonrise Kingdom" wird mir sehr gefallen, da bin ich mir sicher. Wes Anderson hat mich bisher noch nie enttäuscht. :D

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prixen

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War damals so begeistert von The Royal Tenenbaums das ich meine Facharbeit über den Film geschrieben hab :)

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Vier

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Ich schlage vor, das Wort "skurril" in "Wes Anderson" umzubennen, da er das Wort mittlerweile mehr definiert, als das Wort ihn.

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Sheeeeep

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Moonrise Kingdom kommt ganz nah an meinen persönlichen Liebling Rushmore heran! Die Art von Film ist sicherlich nicht jedermanns Sache, doch ich kann damit viel anfangen :)

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Mein Senf

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Wes Anderson Filme sind wie Bier. Eigentlich schmecken sie nicht mal besonders gut, aber wenn man sich nur oft genug überwindet, dann prickelt und spritzelt es irgendwann ganz gewaltig. Dann lernt man sie nicht bloß nur zu schätzen, sondern zu lieben und kann gar nicht mehr aufhören, bis man freudetrunkend...

Ich habe mich irgendwie bis heute nicht an Bier gewöhnt obwohl ich mir wirklich viele Wes-Anderson-Film angeschaut habe.

Ich glaube auch wirklich, dass Leute seine Filme nicht nur aus irgendeinem seltsamen intellektuellen Überlegenheitsgefühl (nach dem Motto: Ja, der hat so einen gaaaaanz leise intelligenten Humor, den nicht jeder gleich versteht) gut finden bzw. gut finden wollen. Sie mögen seine Filme, finden sie witzig und besonders und auch immer ein bisschen bedeutend. Wenn ich seinen Filmen etwas abgewinnen kann, dann wohl nur die Tatsache, dass Geschmäcker der Menschen wohl doch ziemlich verschieden sind. Das ist gut, denn das bedeutet, dass wir nicht alle gleichgeschaltet sind...

...aber...

...ich mag seine Filme nicht. Ich kann sie sogar nicht ausstehen. Ich finde sie unlustig, langweilig und prätentiös. Ich finde es doof, dass er immer gleich ein ganzes Arsenal an Top-Schauspielern bindet, die in der Zeit viel bessere Sachen machen könnten. Ich mache Wes Anderson darüber hinaus persönlich, dafür verantwortlich, Bill Murray das Schauspielern abgewöhnt hat. Jetzt denkt Bill Murray, es reiche vollkommen aus, nur noch skurril schweigend durch Szenen zu latschen.

Was mache ich falsch mit Wes Anderson? Fehlt mir ein Gen oder so? Ich verstehs einfach nicht. Gibt es für so etwas eigentlich eine Facebook-Gruppe? Ich muss da rein, oder sie gründen.

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torsam

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Schön geschrieben!


Mein Senf

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@TheSundanceKid: Ja, verdammt! Ich will Bier auch lieben. Schon allein wegen der baldigen EM. Aber bei Budnikowsky gibt es genialerweise abgefüllte Weinschorle in 0,3l-Flaschen. Die schlepp ich dann immer ersatzweise ins Kino.
@Torsam: Danke :-)


doctorgonzo

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Ich freue mich immer wieder auf jeden neuen Anderson Mumpitz. Und die ersten Bilder und Eindrücke, die ich hierüber sammeln durfte, sind verheißungsvoll.

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Le Samourai

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Ganz toll, Ines. So was möchte ich hier lesen! :)
Hab jetzt endlich alle sieben Andersons durch und muss sagen, dass ich ihn für den derzeit kreativsten, außergewöhnlichsten und eigenwilligsten Filmemacher halte.
Wem die Tenenbaums oder Life Aquatic gefallen, kann bedenkenlos ein Ticket für Moonrise Kingdom lösen!

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Prechtl

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Ich sehe, dass ich noch eine Menge nachholen muss was Wes Anderson angeht.

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