Dieser Mann ist sowohl für existenzphilosophische Denkansätze wie auch für die gegenwärtige Filmwelt mindestens so relevant wie für die Science-Fiction-Literatur, auf die er zu Lebzeiten reduziert wurde. In seinen Romanen verarbeitete Philip K. Dick nämlich Fragen, die ein jedes Individuum tangieren: Was macht den Mensch menschlich, und inwieweit entspricht unsere Wahrnehmung der - vermeintlich - objektiven Realität? Dabei hat er sich nie zu theoretisch-trockenen Diskursen im Stile der großen Philosophen oder allzu weltfremden Fantastereien der Hard-SF-Autoren hinreißen lassen; stattdessen sind Dicks Figuren allzu menschliche Antihelden, die sich in Szenarien wiederfinden, die skurril anmuten, aber trotz Zukunfts-Setting nie den Bezug zu unserer tatsächlichen Gesellschaft verlieren.
Hollywood kümmert sich nun seit rund dreißig Jahren um die visuelle Weiterverarbeitung der dickschen Ideen - mit Resultaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. "Blade Runner" etwa interpretiert die Vorlage sehr frei und schafft es zumindest, ihr im einzigartigen Design gerecht zu werden. "Total Recall" rückt den immanent unterhaltenden Trash-Faktor in den Vordergrund, während in "Minority Report" nicht viel mehr als uninspiriertes Blockbuster-Kino übrig bleibt. Empfehlen möchte ich vor allem "A Scanner Darkly", der in Keanu Reeves, Woody Harrelson und Robert Downey Jr. einen geschmackssicheren Cast vorweist und in Form und Inhalt am ehesten mit Dicks Werken vergleichbar ist. Erwähnenswert ist an dieser Stelle natürlich auch die Vielzahl an Filmen, deren Plot von Dick mindestens inspiriert zu sein scheint: "Matrix", "Die Insel", "In Time" etc - first and foremost aber "Die Truman Show".
Alles in allem ist Philip K. Dick meines Erachtens einer der kreativsten, scharfsinnigsten und meist unterschätzten Autoren überhaupt. Der Comic-Autor Art Spiegelman hat es mal sehr passend ausgedrückt: "Was Kafka für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war, war Philip K. Dick für die zweite."
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über Philip K. Dick
Kommentar schreibenbrainchild 2011/12/18 17:54:36
Kommentar löschenDieser Mann ist sowohl für existenzphilosophische Denkansätze wie auch für die gegenwärtige Filmwelt mindestens so relevant wie für die Science-Fiction-Literatur, auf die er zu Lebzeiten reduziert wurde. In seinen Romanen verarbeitete Philip K. Dick nämlich Fragen, die ein jedes Individuum tangieren: Was macht den Mensch menschlich, und inwieweit entspricht unsere Wahrnehmung der - vermeintlich - objektiven Realität? Dabei hat er sich nie zu theoretisch-trockenen Diskursen im Stile der großen Philosophen oder allzu weltfremden Fantastereien der Hard-SF-Autoren hinreißen lassen; stattdessen sind Dicks Figuren allzu menschliche Antihelden, die sich in Szenarien wiederfinden, die skurril anmuten, aber trotz Zukunfts-Setting nie den Bezug zu unserer tatsächlichen Gesellschaft verlieren.
Hollywood kümmert sich nun seit rund dreißig Jahren um die visuelle Weiterverarbeitung der dickschen Ideen - mit Resultaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. "Blade Runner" etwa interpretiert die Vorlage sehr frei und schafft es zumindest, ihr im einzigartigen Design gerecht zu werden. "Total Recall" rückt den immanent unterhaltenden Trash-Faktor in den Vordergrund, während in "Minority Report" nicht viel mehr als uninspiriertes Blockbuster-Kino übrig bleibt. Empfehlen möchte ich vor allem "A Scanner Darkly", der in Keanu Reeves, Woody Harrelson und Robert Downey Jr. einen geschmackssicheren Cast vorweist und in Form und Inhalt am ehesten mit Dicks Werken vergleichbar ist. Erwähnenswert ist an dieser Stelle natürlich auch die Vielzahl an Filmen, deren Plot von Dick mindestens inspiriert zu sein scheint: "Matrix", "Die Insel", "In Time" etc - first and foremost aber "Die Truman Show".
Alles in allem ist Philip K. Dick meines Erachtens einer der kreativsten, scharfsinnigsten und meist unterschätzten Autoren überhaupt. Der Comic-Autor Art Spiegelman hat es mal sehr passend ausgedrückt: "Was Kafka für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war, war Philip K. Dick für die zweite."
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