Robert Bresson

Beteiligt an 14 Filmen (als Drehbuch und Regisseur)

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Robert Bresson
Geburtstag: 25. September 1901
Todestag: 18. Dezember 1999
Geschlecht: männlich
Anzahl Fans: 22

Robert Bresson gilt als “Einzelgänger” unter den französischen Filmregisseuren, da sein Werk nur schwer in eine bestimmte Filmrichtungen einzuordnen ist. Bekannt ist er vor allem für ‘Lancelot, Ritter der Königin’ (1973).

Robert Bresson wurde 1901 in der französischen Provinz geboren. Erst in den 1930er Jahren kam er zum Film und arbeitete zunächst als Drehbuchautor für Rene Clair und andere.

Sein erster Kurzfilm entstand 1934 (‘Les affaires publiques’), 1943 folgte mit ‘Les anges du péché’ sein erster Langfilm, ein religiöses Drama. Bresson gilt als Anhänger des Jansenismus.

In den 60er Jahren tat sich Bresson als ein neuer Regisseur der Zeit hervor, der weder zur Nouvelle Vague noch zum kommerziellen Kino gezählt werden kann. Seine Inspiration holte er sich neben der Religion auch aus der Literatur: Bernanos inspirierte ihn zu ‘Le journal d’un curé de campagne’ (1951) und Mouchette (1967). Dostojewski wiederum zu ‘Der Prozess der Jeanne D’Arc’ (1961), ‘Zum Beispiel Balthasar’ (1965) und ‘Une femme douce’ (1969), sowie Tolstoi zu ‘L’argent’ (1983). Am bekanntesten ist jedoch Bressons Film ‘Lancelot, Ritter der Königin’ (1973) über die Ritter der Tafelrunde. Ein weiterer bedeutender, surrealistischer Film ist Pickpocket (1959).

Robert Bresson starb am 18. Dezember 1999 in hohem Alter in Paris.

Stil

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen im Internet

Robert Bresson in der Wikipedia (dt.)

Quellen

Faulstich. Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink, 2005. S. 185f.


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2 Kommentare

über Robert Bresson

Jenny von T

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Ein Genuss ex post: Robert Bresson, der Einzelgänger unter den Franzosen, verlangt mehr Sitzfleisch ab als irgendein anderer Regisseur, den ich kenne. Die große Erleuchtung stellt sich (da hilft auch google nicht!) erst Tage, Wochen oder gar Monate nach Sichtung seiner Filme ein, dafür aber umso heftiger. Insoweit genießt er unter meinen favorisierten Filmschaffenden eine Ausnahmestellung, die mir ein ums andere Mal ein riesiges Maß an Respekt abtrotzt.
Wären Anglizismen damals schon in Mode gewesen, für Bresson wäre vermutlich der begriffliche Stempel "substance over style" erfunden worden. Sein Stil ist gekennzeichnet durch einen konzentrierten Minimalismus; Wirklich jeder Filmmoment enthält eine wichtige Information für den Zuschauer, jede Sekunde der Unaufmerksamkeit erweist sich regelmäßig als verheerend. Damit bewerkstelligte Bresson kein Bisschen weniger als das Ad-Absurdum-Führen konventioneller Sehgewohnheiten auf die denkbar konsequenteste Art und Weise: Schmerzlich macht er uns e contrario – also durch das Hervorheben der Bedeutung eines Effekts durch dessen Verzicht - bewusst, wie sehr wir eigentlich nicht lediglich nach erzählerischer Kohärenz, sondern auch mundgerechter Bekömmlichkeit lechzen, indem Bresson jeglicher Ausschmückung (Closeups, Kamerafahrten, Einblendungen, Rollenbesetzung mit Stars usw.) eine Absage erteilte. Die schier unerträgliche Konsequenz: Einordnung UND Bewertung des Gezeigten bleiben komplett und vorbehaltslos dem Betrachtenden überlassen. Film als – formal - Aneinanderreihung nüchterner Handlungen.
Selbst der äußerst spärliche Einsatz von Musik diente Bresson an den jeweiligen Stellen nicht als Zierde, sondern als dekonstruktives Element, um sogleich eine strikte Trennung zwischen Bild und Ton herbeizuführen und uns über das Hinterfragen von Wertungskategorien hinausgehend zur Reflexion über grundlegende Rezeptionsstrukturen zu animieren – aus meiner Sicht gezielter und effektiver als die zeitlich parallele Nouvelle Vague-Bewegung (zumindest bei Godard verkehrte sich nach – zugegeben - streitbarer Ansicht "substance over style" ja gerne auch mal fließend in "style over substance"), und der "Erfolg" (= Buhrufe in Cannes u.ä.) sollte ihm Recht geben.
Kurz gesagt: Jenes Verständnis, welches so manch anderer Regisseur seinem Publikum aufwendig durch Blenderei erleichtert, um sich bloß nicht unbeliebt zu machen, steht bei Bresson nicht etwa am Ende, sondern ganz am Anfang seiner Überlegungen - er setzt es voraus. Kein Wunder also, dass ihm lange die verdiente Anerkennung verweigert wurde, und gerade in Zeiten großer Seifenblasen-Blockbuster erscheint mir ein Rückbesinnen auf Bressons puristisches Filmverständnis, welches dieser Tage wenigstens seinem Wesen nach noch bei Regisseuren der Güteklasse eines Michael Haneke anzutreffen ist, umso essentieller und wünschenswerter.
Obgleich Bresson mit seinem Werk nach eigenen Angaben einen intuitiven und keinen intellektuellen Wahrnehmungserfolg bezweckte, ist letztendlich doch ein Gleichklang festzustellen, denn zu behaupten, er hätte in Einvernehmen mit seiner inszenatorischen Bescheidenheit (bei maximalem Ergebnis) nichts zu sagen gehabt, wäre geradezu anmaßend.
Bressons Filme (er war seinerseits Jansenist) sind durchdrungen von einer feinfühligen Spiritualität, die auf den ersten Blick unterkühlt anmuten mag, bei näherem Hinsehen jedoch einen starken, wenn nicht gar sinnstiftenden humanitären Kern aufweist. Seine Protagonisten scheinen oft geradewegs dazu verdammt, an einem schweren, quasi vorherbestimmten Schicksal (also beispielsweise extrem trostlosen sozialen Gegebenheiten) zu scheitern, sind aber dennoch nie zum Objekt degradiert, sondern verfügen – und das ist ein beinahe romantisches Zugeständnis – über einen genuinen freien Willen und finden über diesen Weg am Ende der Tage häufig eine Form von Erlösung, obgleich auch diese in ihrer jeweiligen Ausgestaltung mit den heutigen postmodernen Vorstellungen des durschnittlichen Rezipienten von Glück und Befreiung oftmals kaum konform gehen wird.
Robert Bresson lässt sich mithin aus allen Blickwinkeln heraus als – und das im besten aller Sinne - altertümlicher Künstler beschreiben, den man im Falle eines ernsthaften Interesse an Filmen eigentlich NICHT ignorieren DARF, so unkonsumierbar er auch sein mag. Zu radikal hat Bresson gängige Erzählstrukturen auf ihr absolutes Wesen heruntergebrochen und dadurch freigelegt, wie Narration im splitternackten Urzustand aussieht. Vor dem erdrückenden Hintergrund cineastischen Krachs, Bombasts und hanebüchener Ablenkungsmanöver scheint dieses Bild akut im Begriff, in Vergessenheit zu geraten.
Die traurige Tatsache, dass (meines Wissens) bis heute kein einziger seiner Filme eine deutsche Veröffentlichung erfahren hat, erschwert die Auseinandersetzung, soweit sie denn erfreulicherweise in Angriff genommen wird, zwar ungemein, aber wenn ein Regisseur jede Odyssee wert ist, dann Bresson – dem Medium zuliebe, denn eines steht fest: Ohne Bresson ginge das Kino am Stock.

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Jenny von T

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@ Dude und Jack: Lieben Dank!, aber bitte nicht so übertreiben...
@ Sigmund: Ich weiß was du meinst. Nach Bresson betrachtet man jeden Augenwischer-Film (bewusst oder unbewusst) nochmal aus einem strengeren Blickwinkel heraus, und zwar selbst dann, wenn man dieser Art von künstlerischem Selbstverständnis à la Bresson schon vorher tendenziell zugeneigt war. Er sensibilisiert ungemein, auf mehreren Ebenen.
Gern geschehen für die Links! Freut mich sehr, dass ich dir damit ein Geschenk machen konnte. :-)))


Tyler__Durden

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Um dich von einer traurigen Tatsache entledigen zu können: Von Bresson gibts sogar ganze drei Filme in einer dt. Veröffentlichung. Sogar seine berühmten "Notizen zum Kinematographen" gib es in einer dt. Übersetzung. Da hat man es als Bresson Interessierter also Anfangs gar nicht so übel.


Sigmund

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In fünf Jahren MP hat noch niemand einen Kommentar zu Robert Bresson geschrieben?
Bresson-Filme gelten zwar als schwierig, aber eigentlich kann man sich ihnen recht einfach und in jedem Alter nähern (außer vielleicht DER TEUFEL MÖGLICHERWEISE, der bis auf sein grandioses Ende ein ganz harter Brocken ist): Man sollte jedoch eine möglichst große Portion aufrichtige Neugier für menschliche Belange mitbringen und sich darauf einstellen, dass auf herkömmliche Kategorisierungen geradezu komplett verzichtet wird. Aus diesem Grund sind Bresson-Filme die Mutter dessen, was normalerweise als „anstrengend“ bezeichnet wird. Sie entziehen sich so mancher erzählerischen Konvention und fordern eine Neubewertung auch solcher Dinge, die wir längst einer oberflächlichen Eindeutigkeit zugeordnet hatten.
Bresson scheint die falschen Töne zu hassen wie kaum ein anderer. Er vermeidet Beschönigungen und die Anbiederung, mit der fast alle Filmemacher versuchen dem Zuschauer zu gefallen (meistens zum Preis der süßen Lüge, die wir gerne in Kauf nehmen, die wir sogar brauchen um unsere holzschnittartigen Weltbilder zu bestätigen).
Bresson sucht die Wahrheit hinter all dem Schleier, und er treibt es mit seiner inszenatorischen Kompromisslosigkeit so weit, dass man sich auf seine unverstellte Sprache erst ganz neu einlassen muss. Trotzdem oder auch gerade deswegen kann ich seine Filme nicht hoch genug anpreisen, denn wie nur den größen Künstlern gelingt es Bresson einen einzigartigen Blick auf die tieferliegende Schönheit und eben auch auf jene Hässlichkeit zu werfen, die mit bloßem Auge nicht zu sehen sind.

P.S.: Für Einsteiger empfehle ich DAS GELD, PICKPOCKET oder EIN ZUM TODE VERURTEILTER IST ENTFLOHEN. Danach BALTHASAR, MOUCHETTE und DER PROZESS DER JEANNE D'ARC. Und dann die anderen...

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Schlegel

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"Pickpocket" ist wahrscheinlich der süffigste Einstieg, sofern man das bei Bresson sagen kann, fast ein Genrefilm mit seinen ausgeklügelten Taschendiebstählen.


Sigmund

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Stimmt. Wobei wahrscheinlich EIN ZUM TODE VERURTEILTER... noch der konsensfähigste Film ist, da er in seinen fast klassischen Gefängnis-Ausbruch Sequenzen einen geradezu hitchcockschen Suspense aufkommen lässt.
Übrigens ging es mir bei fast allen Bresson Filmen so, dass sie sich erst in der Nachwirkung voll entfaltet haben. In Punkten ausgedrückt: Direkt nach dem Anschauen habe ich z.B. MOUCHETTE oder auch BALTHASAR so um die 8 Punkte eingestuft. Inzwischen muss ich mich arg zusammenreißen, dass ich ihnen nicht eine 10 verpasse.
Dieses Nachreifen kommt in dem Maße bei mir normalerweise selten vor, und es spricht denke ich, ebenfalls für die Tiefe und die nachhaltige Kraft von Bressons Filmen.


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