Twin Peaks Kommentare

Mysterythriller, Drama, Kriminalserie 1990 - 1991

Kritiken (4) — Serie: Twin Peaks

Flibbo: Wie ist der Film?

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Für diesen Kommentar würden einige Leute den Autor wahrscheinlich am liebsten (*Trommelwirbel*) LYNCHen (*Tusch!*). Nichtsdestotrotz: „Twin Peaks“ ist eine ob ihrer Traumsequenzen und zahlreicher sonstiger Markenzeichen astronomisch überbewertete Serie. Auch durch die gut gezeichneten Charaktere und immer wieder kehrenden Handlungsorte, die man bald ins Herz schließt, verleitet „Twin Peaks“ fast unweigerlich dazu, die zahlreichen Längen, die unnötigen Nebenhandlungen und die holprige Weiterführung nach der Aufklärung des Mordes, um den es ursprünglich geht, einfach zu vergessen und sich die Anzahl sowie Intensität der Cliffhanger im Gedächtnis zu vervielfachen. Irgendwie schaffte es der eine oder andere gewitzte inszenatorische Einfall immer wieder, ganze Folgen, die eher nur so vor sich hin plätschern, aufzuwiegen. Ganz besonders aus dem Schneider ziehen konnte die Serie sich dadurch, dass sie nie zu einem richtigen Ende kam, mit dem man unter Umständen hätte unzufrieden sein können. So bleibt in den Köpfen ein anbetungswürdiges Mysterium.

Diese schleichende Musik zwischen Kitsch und Coolness, die den Vorspann seltsam geheimnisvoll und fast hypnotisch macht – nach einer Weile überspringt man den immer gleichen, langweiligen Vorspann nur noch. Ähnlich verhält es sich mit der Serie an sich. Ein imposanter Anfang, und dann lässt es irgendwann nach. Wie wohl jede Serie hat auch „Twin Peaks“ gewisse Durchhänger, vielleicht aber sogar mehr als normal. Dafür gibt es eben hier und da diese magischen Momente. Und es kommt wohl auch einfach auf dieses familiäre Feeling an, nachdem man selbst Twin Peaks kennen gelernt hat. Man überlegt hin und her, wer für einen selbst die Miss Twin Peaks wäre und steht in Gedanken an der Seite des sich perfekt ergänzenden Ermittler-Paares, bestehend aus Kleinstadt-Sheriff und FBI-Agent. Die Hotelerbin Audrey sagt zu Special Agent Cooper einmal, dass es nur ein Problem mit ihm gäbe: Er sei perfekt. Wohl nie hat diese Umschreibung besser auf einen Serienprotagonisten gepasst. Cooper ist die perfekte Hauptfigur in einer Serie mit Höhen und Tiefen, mal spannend, mal fad, mal lustig, mal unheimlich, mal irgendwas dazwischen. Perfekt? Nein. Seiner Zeit voraus? Vielleicht. Gut? Ja.

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Hitmanski: It's just a film, Reihe Sie...

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Gäbe es ein Reisebüro, welches Ferien ins Reich der Filmlandschaften vermitteln würde, dann ständen meine zukünftigen Urlaubsinvestitionen schon fest:
Zum einen ein Kurztrip nach Pandora zwecks neuen, blauem Katzenhaar-Bettvorleger, ein Erlebnisurlaub nach Springfield zum Abgleich der eigenen Lebensphilosophie mit der von Homer und zu guter Letzt ein One-Way-Ticket nach Twin Peaks, meinem persönlichen Florida.

Es sind nicht die schier unzählbare Anhäufung von Cliffhangern, die vielen clever ineinander verstrickten Plots, die vielen kleinen Geheimnisse, die einen bei der Stange halten und regelrecht süchtig machen - es ist die Sympathie, die zum einen die Autoren Lynch und Frost, aber auch der Zuschauer selbst diesem Panoptikum aus schrägen Persönlichkeiten und Orten entgegenbringt. "Twin Peaks" ist nicht einfach ein Serien-Schauplatz, es ist ein in sich funktionierender Mikrokosmos, dem man für 29 wundervolle Folgen beiwohnen darf, als hätte man selbst ein Häuschen inmitten von Douglas-Tannen.
Ein durch und durch gelungenes Konzept, denn auf diese Weise sehe ich den Verantwortlichen auch den kleinen Durchhänger inklusive seiner unnützen und teilweise albernen Kleinststories zwischen der Enthüllung des Mörders und dem Staffelfinale nach, die einem in der zweiten Season heimsuchen.

Einen gewissen Hang zur Mystik sollte man schon mitbringen ,für seine Reise in die Stadt des schwarzen Kaffees, des Kirschkuchens und der zerbrochenen Badezimmerspiegel; keineswegs abschrecken lassen sollte man sich aber vom "Akte X"-Vergleich (ja, ich zähle zu denjenigen, die den "X-Files" so garnichts abgewinnen können): Außer oberflächlichen Gemeinsamkeiten, wie der Tatsache, dass Duchovny auch hier (in der einzig wirklich guten Rolle seines bisherigen Lebens) auftaucht, gibt es nämlich nur wenig Vergleichbares - Lynchs magnus opus ist in Quintessenz (vorallem in den ersten 1,5 Staffeln) mehr Krimi-Soap-Opera denn Außerirrdischen-Hokuspokus.

Nichtsdestotrotz kann man natürlich den prägenden Einfluss von "Twin Peaks" und seiner Geheimnisse auf den Rest der nachfolgenden Mystery-Serien nicht verleugnen - noch ein weiterer guter Grund, warum man diese Serie zumindest einmal gesehen haben sollte.

Am Rande: Ans Herz zu legen ist allen Interessenten zwecks katastrophal gemasterter deutscher Synchro-Tonspur, die englische Sprachfassung...

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Hitmanski

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Man lernt eben nie aus :P


Schmax

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Apropo man lernt nie aus. Müsste es nicht magnum opus heißen?


Kubrick_obscura: CinemaForever, arte

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Ein Fernsehmonument, trotz der schwächelnden 2. Staffel, die sich dennoch zum Ende hin wieder zu alter Größe hoch spielen konnte. Ganz besonders die letzte Folge mit gefühlten 3 Cliffhangern pro Minute gibt der Serie eine eigenartige Geschlossenheit, die zum avantgardistischen Ton dieser Serie stimmte, obwohl sich Lynch und Frost das wohl anders gewünscht hätten.

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Kubrick_obscura

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das solltest du wirklich!


Arakune: Das Manifest, CinemaForever...

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Eine legendäre Serie, die selbst heute immer noch Maßstäbe setzt. Die Atmosphäre ist einfach unglaublich; die Musik von Mastermind Angelo Badalamenti ist die perfekte Untermalung für diese Perle der Serienkunst; die Charaktere sind extrem charmant und wirken in keiner einzigen Szene lächerlich (trotz ihres [manchmal] fragwürdigen Kleidungsstiles); die Story bietet so viele Nebenplots und ist dermaßen spannend, dass man sich die Serie mindestens noch ein zweites Mal ansehen müsste, um alle Details zu entdecken (wobei ich glaube, dass da selbst ein zweites Mal nicht ausreicht); sie hat Bob, die wahrscheinlich gruseligste Serienfigur, die es je gab; und natürlich Kyle MacLachlan als Special Agent Dale Cooper. Einfach nur meisterhaft! Ich würde fast sagen, das war die Rolle seines Lebens.
Kurz und knapp: Man darf sich "Twin Peaks" wirklich nicht entgehen lassen, denn es ist vermutlich die beste Serie aller Zeiten. Die Mutter von Akte X und co. Und dafür werde ich David Lynch und Mark Frost auf Ewigkeiten lieben. Hach, ich könnte noch lange so für "TP" weiterschwärmen, ohne der Serie auch nur annähernd gerecht zu werden.
Seht lieber selbst und lasst euch vom Zauber der Wälder von Twin Peaks packen und mitreißen. Euch wird die Reise gefallen...

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Kommentare

über Twin Peaks

MurmelTV

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9.0Herausragend

Juhu! Ein Ende, das gefällt!

Davon mal abgesehen ist "Twin Peaks" eine grandiose Serie mit vielen wunderbaren Charakteren, die man direkt ins Herz schließt. Besonders Dale Cooper hat es mir angetan, als ultra netter und fröhlicher Zeitgenosse mit einer Vorliebe zu schwarzen Kaffee und leckeren Kuchen. Ein FBI Agent, der sich sofort in das kleine, unscheinbare, aber mit Mysterien überhäufte Dort namens Twin Peaks verguckt hat.

Geheimnisvoll, intelligent erzählt, spannend, ergreifend und (fast) durchgehend packend inszeniert. Hier und da gibt es in der zweiten Staffel leider einige Längen, sowie Erzählstränge, die in meinen Augen nicht so viel Aufmerksamkeit benötigt hätten. Auch wenn das vielleicht das ist, was Twin Peaks auszeichnet: Es passiert so viel in diesem kleinen Ort, so viel, dass vieles nur nebenbei passiert, kleine Nebengeschichten, die die Stimmung abrunden.

Definitiv eine Serie, die man gesehen haben muss, wenn man Mysteriethrillern auch nur ein klein wenig abgewinnen kann. Zu stark sind die Aufnahmen und der Sog, der einen in diese Welt zieht, dank der grandiosen Kamera und dem stets passenden Soundtrack.

Das Ende gehört ganz nebenbei zu dem besten, was ich seit langem gesehen habe. "Endstufe" würde manch einer sagen!

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Oehli

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9.5Herausragend

Wie soll man bei dieser Serie eine ordentliche Bewertung schreiben ohne zu spoilern ...
Twin Peaks zieht einen gleich in den ersten Sekunden in seinen Bann, vor allem wenn Special Agent Dale Cooper zum ersten Mal auftritt und Diane spricht. Jede Folge endet so offen und beinahe perfekt, dass man gezwungen ist, sich die nächste Folge anzusehen. Zu Anfang klingt die Story platt .. totes Mädchen gefunden .. Mörder wird gesucht. Aber Twin Peaks ist anders. Ich weiß nicht genau, wie es David Lynch und Mark Frost es geschafft haben, aber es funktioniert und das beinahe perfekt. Die Serie beinhaltet einfach so vieles und geht dabei, wie bei Lynch üblich, ins Übernatürliche, was schon nach den ersten Folgen und vor allem ab Coopers Traum zu merken ist. Man fiebert mit jedem Charakter mit und fühlt sich einfach wohl in dem kleinen Örtchen Twin Peaks. Die erste Steffel ist durchgehend perfekt insziniert, bringt Spaß und macht Lust auf mehr. So beginnt auch die 2. Staffel jedoch wird sie, nachdem der Mörder gefunden ist, etwas langatmig. Man hätte durchaus ein paar Sachen streichen können, wie zum Beispiel James Aufenthalt in dem anderen Ort, komme nicht auf den Namen, wenn er überhaupt genannt wurde. Auch Nadine stört ab und zu und Bens "Wahnsinn" hätte man auch durchaus kürzen sollen. Aber gerade zum Ende hin ( Windom Earl und die schwarze Hütte) ist wieder weltklasse. Der Schluss ist radikal, ergreifend und tragisch.
Man hat es mich gestört, dass Twin Peaks nicht fortgesetzt wurde! Wer will denn nicht wissen, was aus Cooper wird ?! Was mit Audrey passiert ist ?! Traurig .. traurig...
Letztendlich meine absolute Lieblingsserie mit kleinen Aussetzern in der 2. Staffel.
Ein Muss!

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Mr.English

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James:"Seit wann rauchst du?"[...] Donna:" Es hilft mir ruhiger zu werden"; James:" Seit wann bist du unruhig?" Donna:" Seit ich rauche denke ich!"

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jeffcostello

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10.0Herausragend

"Wissen sie warum ich schnitze, Sheriff?"
"Nein, wieso?"
"Ich finde es passt zu einer Stadt in der die Leute bei Gelb auf die Bremse, anstatt aufs Gas treten."
David Lynch bewegt sich mit seiner legendären Serie Twin Peaks quer und ständig wechselnd durch alle nur erdenklichen Genres, von der Soap Opera bis hin zum Myster Thriller lässt sich die Serie nie festlegen, erfindet sich ständig selbst neu und bleibt Folge für Folge aufregend. Unzählige mal bedeutungsvolle mal bedeutungslose Nebenhandlungsstränge werden werden aufgenommen, geben der Serie immer wieder eine neue, oftmals unerwartete Note, manchmal werden sie fortgesetzt und manchmal einfach fallen gelassen, aber alle bereichern das von David Lynch und Mark Frost geschaffene Universum, ein Mikrokosmos des Wahnsinns der ständig durch die Machenschaften seiner Einwohner unterzugehen droht, ein kleines groteskes, surreales und abstraktes Abbild der wirklichen Welt.
Um die Aufklärung des Mordes an Laura Palmer, die eigentlichen Prämisse der Serie, geht es nur sehr zweitrangig (ursprünglich wollte Lynch den Mord ganz unaufgeklärt lassen), es geht darum zu den dunklen, bedrohlichen Wahrheiten hinter der schönen Fassade vorzudringen, das Bild der scheinbar idyllischen Kleinstadt Twin Peaks zu zerstören, ihr ihre scheinbare Unschuld zu nehmen. Lynch inszeniert die Serie unterfüttert mit einer beständigenden, düsteren Grundstimmung großartig unterstützt von Angelo Badalamentis atmosphärischem Soundtrack, manchmal schwelgerisch schön und manchmal düster-schaurig.
Die große Meisterschaft von Lynchs Serie ist ihre große Menschlichkeit, so abwegig die Vorgänge manchmal auch erscheinen mögen bewahrt sich die Serie immer ihre ehrliche Menschlichkeit, die Figuren sind großartige komplexe Charaktere, nicht stumpf unterteilt in Gut und Böse, ambivalente Personen, voller Hoffnungen und Träume, die sie verzweifelt beschützen wollen, vor dem drohenden Untergang.
In nur 2 Staffeln gelang Twin Peaks sich als eine der Besten und Wichtigsten Fernsehserien aller Zeiten u positioniere und David Lynch schuf damit sein großes Meisterwerk

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FranklinFlyer

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geh einfach nochmal auf "kommentar schreiben"


jeffcostello

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Ja, gewöhnlich funktioniert das so, bei Serien scheint es aber komischerweise nicht möglich zu sein.


GamarnaNebel

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10.0Herausragend

Die von Mark Frost und David Lynch konzipierte Fernsehserie, welche von einer mysteriösen US-amerikanischen Kleinstadt und ihren Bewohnern handelt, bietet einen schwer zu definierenden Genremix.

Zum Teil ist sie eine Seifenoper voller Intrigen und Affären, die sich an den damals populären Edelsoaps (Dallas, Denver Clan) orientiert.
Auffällig ist die für Soap Operas typische Zopfdramaturgie, die die Folgen in verschiedene Sequenzen mit unterschiedlichen Handlungssträngen unterteilt, die nie gleichzeitig aufgelöst werden, sodass ständig ein Handlungsfaden offen bleibt.
Die Serie spielt mit den Genrekonventionen, bedient sie teilweise, um sie sogleich zu brechen und parodiert sie (vor allem in der fiktiven Serie „Einladung zur Liebe“, die von den Bewohnern der Stadt gebannt verfolgt wird). Die Charaktere sind komplexe Figuren, die häufig überraschen, ohne dass ihre Handlungen irgendwann beliebig wirken.

Stark hervor stechen auch die Einflüsse des Film Noir.
Die Suche nach dem Mörder der High School Schülerin Laura Palmer bildet (zumindest bis gut zur Hälfte der Serie) den roten Faden, von dem ausgehend man die Bewohner der Stadt kennen lernt.
Dies erinnert an die Filme der schwarzen Serie, in denen das Aufdecken eines Verbrechens ebenfalls der Ausgangspunkt ist, von dem aus die handelnden Personen erforscht werden.
Auch die Verwendung bestimmter Motive (die Femme Fatale) und Namen (der Name Laura verweist beispielsweise auf Otto Premingers gleichnamigen Film) zeigt die Einflüsse deutlich auf.

Auch Thriller- und Horrorelemente sind deutlich vertreten. Letztere vor allem in der Gestalt des Bob.

Weitere starke Merkmale des Werkes sind der skurrile Humor und, vielleicht das bemerkenswerteste, der Surrealismus, der vor allem in den Traumsequenzen bzw. den Szenen in der Schwarzen Hütte auffällt.

Abgesehen vom Pilotfilm (ca. 90 Minuten lang) und der Auftaktfolge zur zweiten Staffel (ebenfalls ca. 90 Minuten lang) handelt es sich ausschließlich um Folgen von ca. 45 Minuten Länge.
Die erste Staffel, bestehend aus dem Pilotfilm und sieben Folgen, ist etwas homogener als die folgende, was damit zusammenhängt, dass Lynch und Frost auch die Inhalte der Folgen, für die sie nicht selbst das Drehbuch schrieben, streng vorgaben und es praktisch kaum Handlungsstränge gab, die sich nur über wenige Folgen erstreckten.
Die erste Staffel geht nahtlos in die zweite über, jedoch gibt es in dieser auch viele kleinere Geschichten, die nur wenige Folgen andauern.
Dies ist zum Teil wohl dem Umstand geschuldet, dass deutlich mehr Folgen (22) zu füllen sind.
Nach der Auflösung des Mordes an Laura Palmer, und dem damit einhergehenden Verlust des wichtigsten Handlungsstrangs (der einem die einzelnen Bewohner der Stadt erst näher brachte), dauert es ein wenig, bis die Serie wieder an Fahrt gewinnt.
Alles endet in einen starken Finale.
Leider konnte einige Dinge nicht restlos aufgelöst werden, da eine dritte Staffel zwar geplant war, jedoch nicht zustande kam.
Andererseits passt der offene Schluss auch hervorragend zum mysteriösen Stil der Serie.

Trotz des hohen Niveaus der Serie stechen einige Episoden qualitativ noch etwas heraus.
So wurden die besten von David Lynch (der Pilotfilm und die Folgen 2, 8, 9, 14 sowie die finale Folge) bzw. Mark Frost (das vor Cliffhangern überbordende Finale der ersten Staffel) inszeniert.

Die Figuren sind vielschichtig und die Rollen gut besetzt, sodass es schwer fällt, jemanden herauszuheben.

Den stärksten Eindruck hinterlässt allerdings Kyle Maclachlans F.B.I. Special Agent Dale Cooper.
Der geniale Ermittler, der sich neben seiner an Sherlock Holmes erinnernden Beobachtungs- und Kombinationsgabe auch auf seine Intuition und esoterische Methoden verlässt, versprüht stets Optimismus und zeigt eine geradezu kindliche Freude, wenn es um die simplen Freuden des Lebens geht.

In der Serie wimmelt es geradezu von einzigartigen, vielschichtigen Charakteren.
Um nur einige weitere zu nennen:
Audrey Horne, gespielt von Sherilyn Fenn, die jugendliche Femme Fatale, die im Grunde ihrer Herzens eine empfindsame Seele ist; ihr Vater Benjamin Horne (Richard Beamer), der reiche, intrigante Hotelbesitzer; Leland Palmer (Ray Wise), der verzweifelte Vater der ermordeten Laura Palmer; Donna Hayward, die beste Freundin der Ermordeten, die den Täter um jeden Preis entlarven will.

Angelo Badalamentis stimmungsvolle Musik trägt entscheidend zur mysteriösen Atmosphäre der Serie bei.

Die deutsche Übersetzung ist manchmal etwas holprig und ungenau, insgesamt jedoch recht ordentlich. Die Synchronsprecher sind passend gewählt und zeigen eine gute Leistung.

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WalterPinkman97

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3.0Schwach

Ich halte die Serie "Twin Peaks", aus heutiger Sicht, für überbewertet. Ich habe mir vor einer Woche, ohne überhaupt vorher eine Episode gesehen zu haben, die "Twin Peaks - Definitive Gold Box Edition" für 49 Euro gekauft. Ich vertraute auf die Meinungen der Community auf IMDb und co. wurde jedoch bitter enttäuscht. Mieser Soundtrack, dilettantische Schauspieler und unsympathische Charaktere, mit Ausnahme von "Agent Cooper" auf den man hätte den Hauptfokus der Serie mehr hätte richten sollen. Oftmals kam es mir auch so vor als würde ich eine alte Seifenoper anschauen. Was die surrealen Träume und Visionen angeht habe ich in "Six Feet Under" und "Carnéval" bessere gesehen und die auch oft hochgelobte Kameraführung hat mich gar nicht beeindruckt. Trotz all dem habe ich bis Folge 14: Doppelspiel
(Double Play) durchgehalten. Aufgrund des sehr gelungenen Pilotfilmes und der wie ich zugeben muss interessanten Atmosphäre gebe ich der Serie trotzdem 3 Punkte.

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ataleofmemories

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ich weiß nicht, ich kann mich einfach nicht damit anfreunden und hab mir mehrere folgen angesehen, ich fand es einfach nur langweilig.. aber special agent cooper gefiel mir dennoch sehr, der viel zu wenig vorkommt, meiner meinung nach.

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ProsperDune

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10.0Herausragend

1) Albert Rosenfield.
-- "While I will admit to a certain cynicism, the fact is that I am a naysayer and hatchet-man in the fight against violence. I pride myself in taking a punch and I'll gladly take another because I choose to live my life in the company of Gandhi and King. My concerns are global. I reject absolutely: revenge, aggression and retaliation. The foundation of such a method... is love. I love you Sheriff Truman."

2) Special Agent Dale Cooper.
-- "I'm going to let you in on a little secret. Every day, once a day, give yourself a present. Don't plan it. Don't wait for it. Just let it happen. It could be a new shirt at the men's store, a catnap in your office chair, or two cups of good, hot black coffee. "

2 1/2) Diane
-- Der beste Freund des Menschen ist sein Diktiergerät.

3) Major Garland Briggs. (Don S. Davis ♥)
-- "[I fear] The possibility that love is not enough."

4) Gordon Cole. (David Lynch ♥)
-- "I PLAN ON WRITTING AN EPIC POEM ABOUT THIS GORGEOUS PIE."

5) Pete Martell. (Jack Nance ♥)
-- "The lonesome foghorn blows..."

6) Log Lady.
-- "Sometimes - well, let's say all times - things are changing. We are judged as human beings on how we treat our fellow human beings. How do you treat your fellow human beings? At night, just before sleep, as you lay by yourself in the dark, how do you feel about yourself? Are you proud of your behavior? Are you ashamed of your behavior? You know in your heart if you have hurt someone - you know. If you have hurt someone, don't wait another day before making things right. The world could break apart with sadness in the meantime."

7) Deputy Hawk.
-- "One woman can make you fly like an eagle, another can give you the strength of a lion, but only one in the Cycle Of Life can fill your heart with wonder and the wisdom that you have known a singular joy."

8) Andy.
-- "I'm a whole damn town!"

9) Harold Smith.
-- "Je suis une âme solitaire."

10) Bob.
-- Das Böse. [SPOILER: Es lässt mich nicht los, dass es siegt. Was ist, wenn die schwarze und die weiße Hütte derselbe Ort sind?]

11) Der Fichtenmarder!

[ . . . ]

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ProsperDune

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[ SPOILER ] Und er nimmt es ja sehr gut auf, dass sich Lucy am Ende für Andy entscheidet. Zudem wählt er die "richtige" Miss Twin Peaks, er ließ sich nämlich nicht von Mrs. Milford verführen. Dick ist ein totaler Vollidiot, aber ein herzensguter, obwohl er das nicht so oft zeigt. :)


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Klar. Eindimensionale Charaktere gibt es bei Lynch ja sowieso nicht.


Shuif

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Vorhersage 10 P.
Werd der Serie wohl mal ein Versuch geben.

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Velly

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Serien-Vorhersagen sind in der Regel meist etwas übertrieben. Aber 10 Punkte für Twin Peaks geht ohne Zweifel in die richtige Richtung ♥


Shuif

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Vorhersagen treffen bei mir meistens nicht ganz zu, aber die ganzen guten Bewertungen haben mich neugierig gemacht :)


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10.0Herausragend

Spoiler! Diesen Kommentar bitte auf garkeinen Fall lesen, wenn ihr die Serie noch sehen wollt!!!
Atemberaubend, einfach nur atemberaubend.
Die mit Abstand beste Serie, die ich jemals in meinem Leben gesehen habe. Ich bin ziemlich betrübt, dass es jetzt vorbei ist, aber eigentlich darf ich das bei diesem grandiosen Ende garnicht sein.
Den Machern gelingt es die Serie zu einem perfekten Schluss zu führen, so und nicht anders musste sie enden. Jede Episode, die nach der jetztigen Endszene gedreht worden wäre, hätte sehr viel kaputt gemacht, denn so, wie es jetzt ist spielt sich das unvorstellbare Grauen, dass durch BOBs letzten Triumphzug ausgelöst wurde im Kopf des Zuschauers ab, er kann in seinem Kopf die Geschichte weiterspinnen und selbst ausmalen, was noch alles in Twin Peaks geschehen wird und somit weiß ich, dass TWIN PEAKS noch sehr lange in meinem Kopf herumschwirren wird und ich mich noch sehr viel mir der Serie auseinandersetzten werde. Die Welt, die David Lynch und Mark Frost hier kreiert haben hat mich nämlich nicht, wie bei vielen anderen Filmen und Serien kalt gelassen und ist teilnahmslos an mir vorbeigezogen, nein diese Welt hat mich ganz fest ergriffen und vollkommen vereinnahmt, sie wirkt wie ein besserer 3D-Film, bei dem man wirklich mitten im Geschehen steckt, mit beiden Füßen ganz real in Twin Peaks steht, alle Charaktere wirklich vor sich hat und ihnen ins Angesicht blick, jeden Traum von Special Agent Dale Cooper wirklich erlebt, selbst mit ihm die Schwarze Hütte besucht und bei allem, was sich dort abspielt wirklich dabei zu sein, selbst von BOB besessen ist oder von ihm terrorisiert wird und vor ihm vor Angst erstarrt, selbst den Kirschkuchen isst und den "verdammt guten Kaffee" trinkt, die Atmosphäre des Städtchens Twin Peaks mit dem ganzen Körper spührt, all die Gerüche, Geschmäcker, Geräusche und die wunderschöne Natur wahrnimmt, als wäre man wirklich dort. Ich kann ganz ohne Übertreibung sagen, dass ich noch nie so intensiv und tief in eine andere Welt abgetaucht bin. Mag sein, dass es euch verrückt, freakig, oder wie auch immer vorkommt, aber ich muss sehr oft über TWIN PEAKS nachdenken, selbst im Traum ließ sie mich nicht los und so kommt es, dass ich das ein oder andere Mal von dieser Serie geträumt habe (Ok, ich glaube, irgendetwas stimmt wirklich nicht mit mir.)

Doch was ist es, dass TWIN PEAKS so besonders macht ?

Ein Grund dafür ist natürlich die trügerische Idylle, die LYNCH und Frost hier kreiert haben. Auf dem ersten Blick (also nach den ersten Paar Episoden) wie die perfekte Idylle. Wunderschön gelegen, ruhig und friedlich, von der Hektik und den Wirren der Außenwelt ist nichts zu spüren, Alte Tugenden, wie Moral und Anstand haben noch einen Wert, die Menschen sind allesamt rechtsschaffend, freundlich und gut und das Grauen, welches die übrige Welt bisher immer und immer wieder erschütterte haben diesen Ort nicht im mindesten berührt. Twin Peaks ist wie ein vollkommen von der Außenwelt abgeschnittenes Paradies, eine Oase des Guten in einer ansonsten verdorbenen Welt. Doch nach und nach merkt man immer mehr, dass dieser Schein trügt und dass die Idylle und Fassade ist. Die Menschen hier sind genau so verdorben, geldgierig, skrupellos und kriminell, wie anderswo. Auch hier regiert das Geld, auch hier kann man niemandem trauen, auch hier geht man über Leichen um an sein Ziel zu kommen, auch hier steckt in jedem Menschen ein Monster, auch hier nutzt man andere aus, manipuliert sie und lockt sie in den Hinterhalt, auch hier sind Mord, Drogenhandel, Intrigen und Gewalt an der Tagesordnung, auch hier darf man niemandem den Rücken zudrehen, weil man Gefahr läuft, dass einem ein (sinnbildlicher) Dolch in den Rücken gestoßen wird. Und hier sind wir schon bei einer anderen Sache, die TWIN PEAKS so unfassbar genial macht: Die wundervoll ausgearbeiteten Charaktere. Hinter so gut, wie jedem Charakter lauern metertiefe Abgründe, die teilweise erst ganz spät und ganz unvermittelt zu Tage treten, jeder Charakter steckt ganz tief in einem Gewirr aus undurchdringlichen Verstrickungen, die jedoch immer irgendwie mit Intrigen, Betrug oder anderen kriminellen Machenschaften zu tun haben, die Verbindungen zwischen den einzelnen Charakteren sind hochkomplex und für den Zuschauer nicht leicht zu durchdringen, doch hierdurch entsteht natürlich auch eine große Faszination, da man immer tiefen in das Gewirr hineingezogen wird und das Fortlaufen der Serie bietet keine Lösung sondern eine noch viel größere Zahl an Knoten. Genial ist auch, dass die Serie zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar oder klischeehaft wirkt, die Anhäufung von Abgründen ist niemals platt und konstruiert sondern stets sehr realitätsnah und echt, genau so wie die Menschen in Twin Peaks sind die Menschen auch im richtigen Leben. Selbstverständlich spielen Lynch und Frost hier mit den Erwartungen der Zuschauer, denn von sympathischen und gut wirkenden Charakteren werden Abgründe und Machenschaften offenbart, die man vorher niemals für möglich gehalten hat und zu Beginn durchtrieben und hinterhältig wirkende Charaktere stehen am Ende als Witzfiguren oder zahme Lämmer dar, die nicht ansatzweise so gefährlich sind, wie man dachte. Fest steht, dass jeder in Twin Peaks durch unmoralische Mittel, wie Verrat und Betrug zum Ziel kommen, manchmal im größeren und manchmal im kleineren Rahmen, aber die Methoden sind stets die gleichen. Die Figuren in Twin Peaks sind so wie das Leeben in unserer Welt: verwirrend und betrügerisch.
All das hebt die Figuren jedoch deutlich von sonstigen Film/Serien-Charakteren ab, sie sind viel komplexer und tiefgründiger, sie sind viel echter, sie handeln wie richtige Menschen und wirken deshalb auch wie richtige Menschen und als solche nimmt man sie auch als Zuschauer wahr, wie richtige Menschen, die man schon lange kennt und einem deshalb irgendwie ans Herz gewachsen sind trotz als der Abgründigkeit und Boshaftigkeit (selbst eher unbedeutende Nebenrollen, wie z.B. Deputy Hawk) und deshalb verübelt man es der serie kein bisschen, dass es neben den Ermittlungen zu Laura Palmers Tod und der nachfolgenden Suche nach der Schwarzen Hütte noch etliche andere Handlungsstränge gibt, man begrüßt es viel eher. Ganz besonders stechen hier natürlich die beiden einzigen wirklichen Sympathieträger der Serie Special Agent Dale Cooper und Sheriff Hary S. Truman heraus. Besonders ersterer ist meiner Meinung nach einer der inspirierendsten Film/Serien-Charaktere überhaupt und mit seiner freundlichen aber bestimmten Art, seiner ansteckenden Euphorie, seinem Glauben an das Gute im Menschen, seiner erfrischenden Andersartigkeit und seiner entschiedenen Suche nach der Wahrheit, bei der er jedoch niemals außer Acht lässt, dass es noch etwas außerhalb der menschlichen Horizonts, etwas Übernatürliches gibt mein neuer absoluter Lieblingscharakter. Er personifiziert in einer verdorbenen Welt das Gute.

Eine weitere fasziniernde Sache an TWIN PEAKS ist natürlich BOB und die schwarze bzw. weiße Hütte. Twin Peaks wird nicht nur durch seine Abgründigkeit von innen aufgefressen, es steht zudem unter ständiger Bedrohung von außen, denn in den das Städtchen umgebenden Wäldern lauert das absolut Böse, hier dargestellt durch die schwarze Hütte. Der Eingang zur schwarzen sowie zur weißen Hütte liegt in den Wäldern von Twin Peaks, die schwarze Hütte ist ein Ort des Schreckens der durch Gefühle, wie Furcht und Angst und die weiße Hütte ein paradiesischer Ort der durch Liebe geöffnet werden kann. Die schwarze Hütte strahlt eine ungeheure Bedrohung und Macht aus, jemand der sich diese zu Nutze macht, kann damit die Schreckensherrschaft über die Welt übernehmen. Einer der Geister, der die schwarze Hütte bewohnt, ist BOB. Ein wesen dass ein ungeheures, perverses Vergnügen am Leid der Menschen hat und einen unstillbaren Drang verspürt zu morden und zu zerstören. BOBs einzige Erfüllung ist es einen Menschen zu quälen und ihm zu schaden. Zudem scheint BOB unaufhaltbar und unbesiegbar zu sein, denn er dringt in den Körper eines Menschen ein und ergreift Besitz von ihm, so das er fortan seinen Körper kontrollier und sein grausames Spiel treiben kann. Immer wieder terrorisiert er in Form ihres Vaters die Schülerin Laura Palmer heim und sucht sie Nachts auf um sie zu vergewaltigen. Diese wird dadurch vor allem seelsich verstört und geht immer mehr zu Grunde, BOB quälte sie fast ihr gesamtes Leben lang.
Der Geist BOB stellt hier das personifizierte Böse dar, etwas, dass ganz ohne Gefühle mordet, vergewaltigt und foltert aus reinem Vergnügen. Besonders gefährlich an BOB ist jedoch die Tatsache, dass man ihn nicht besiegen oder wenigstens zurückdrängen kann. Er ist körperlos, dringt ganz unvermittelt in das Leben eines Menschen ein, kontrolliert den Körper, vergiftet sein Heim, terrorisiert das Umfeld und man kann sich nicht vor ihm schützen, man ist ihm wehrlos ausgeliefert, es gibt kein Mittel um BOB wieder aus seinem Leben zu verbannen und den Schaden den er anrichtete ist unwiderruflich. Letztendlich gelingt es ihm sogar von Dale Cooper, dem personifizierten Guten Besitz zu ergreifen, das Böse siegt also endgültig über das Gute und der weg für BOBs Schreckensherrschaft ist somit frei, nichts kann ihn jetzt mehr aufhalten. Das schlimmste ist wahrscheinlich aber, dass es jeden treffen kann. Jemand, wie der Geist BOB macht Halt vor nichts und Niemandem, denn er kennt keinen Mitleid, keine Moral und keine Grenzen. Ich muss sagen, dass Lynch und Frost hier meine ultimative Horrorvorstellung umsetzten: Das unvermittelte und unaufhaltbare Eindringen des Bösen in das sichere Heim, dass jeden heimsuchen kann, weil das Böse vor niemandem halt macht und selbst stärker und mächtiger als das Gute ist. Ich denke auch in diesem Punkt, ist TWIN PEAKS sehr nahe an der Realität, denn auch in unserer Welt siegt das Böse immer wieder über das Gute.

Zu guter Letzt bleibt dann natürlich noch der Inszenierungsstil der TWIN PEAKS zu einem fast übermenschlichen Meisterwerk macht. Einerseits die warme, trügerische orange-braune Farbgebung in Twin Peaks und andererseits die Träume und Visionen von Dale Cooper, sowie die schwarze Hütte, welche wie ein Mysterium, etwas, das den menschlichen Horizont übersteigt, etwas das so wirkt, als sei es nicht von dieser Welt. Wie ein Ort voller Mysterien, Geheimisse und Wunder, aber auch voll Grauen, Verdorbenheit und Qualen. Generell sagen mir auch die Mystery-Elemente sehr zu und ich mag es, das hier längst nicht alles beantwortet wird und einige Frage offen bleiben.

Ich kann es nur nochmal sagen, TWIN PEAKS ist und bleibt für mich die beste Serie überhaupt, ich kann garnicht sagen, ob ich jemals soetwas großartiges gesehen habe. Ich brenne darauf noch mehr von david Lynch zu sehen, wenn seine Spiele auch nur ansatzweise so genial sind, wie TWIN PEAKS werde ich sie lieben, das weß ich. Gut, dass ich mir MULHOLLAND DRIVE und LOST HIGHWAY schon gekauft habe.

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Ich sehe mir die Serie gerade zum 2. Mal an und finde die Hälfte nachdem aufgedeckt wurde, wer Lauras Mörder war kein bisschen schlechter, dass alles davor. TWIN PEAKS ist für mich sowieso nicht nur Laura Palmers Tod und die damit zusammenhängenden Ermittlungen, es ist soviel mehr: Die Suche nach Bob und der schwarzen Hütte, Windom Earle, der Werdegang von Dale Cooper in Twin Peaks, das Peckard-Werk und das Ghostwood-Projekte, Das One-eyed Jack's, Nadines Geisteskrankheit, Donna und James Liebesgeschichte und ihre Suchee nach ihrem leiblicchen Vater, Lucys Versuche den richtigen Vater für ihr Kind zu finden usw. das alles sind Nebenplots, die so unglaublich amüsant, liebevoll und detailreich ausgearbeitet und spannend sind, dass sie für mich absolut zur Serie dazugehören und ich absolut nichts dagegen habe, wenn sie -nachdem der Hauptplot um Lauras Tod ja weggefallen ist- noch übrigbleiben und weitergeführt werden. Ich begrüße es sogar!
Allein wegen Dick Tremayne liebe ich die zweite Hälfte der 2. Staffel (obwohl da natürlich noch viel geniales hinzukommt, der meiner Meinung nach dafür sorgt, dass in der Serie kein Qualitätsbruch zu spüren ist).


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Ich weiß, das ist absolute Meinungssache, aber ich möchte die Serie auf keinen Fall anders haben, als sie jetzt ist.


Audreyfan

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10.0Herausragend

"I have no idea where this will lead us, but I have a definite feeling it will be a place both wonderful and strange."

Mit einem Vogel fing alles an. Hättet ihr mich vor einem Monat gefragt, ich hätte euch gesagt, dass Serien etwas für zwischendurch sind, etwas, das man guckt, wenn die Zeit zu knapp ist für einen Film. Ich hatte mir schon das ganze Jahr vorgenommen, Twin Peaks zu schauen und da erschien es natürlich als passend, dass arte die Serie komplett durchhechelte. Dann war es soweit: Die Eltern in Urlaub, satt vom späten Mittagessen und so noch genügend Energie um ein paar Folgen dieser hochgelobten Serie zu schauen. Die erste Staffel endete dann irgendwann mitten in der Nacht. Aber von vorne.
Ein süßer Vogel erscheint auf dem Bildschirm, sein Köpfchen zuckt zweimal, während die Intromelodie erklingt. Die Musik ist sehr beruhigend, mittlerweile entspanne ich mich sofort, wenn ich sie höre, werde glücklich und meine Konzentration steigt - vielleicht sollte ich die Melodie als Weckerton benutzen, wenn die Schule wieder anfängt. Es werden entspannte, ruhige Bilder von Twin Peaks gezeigt. Das Sägewerk, der Wasserfall...und es breitet sich eine friedliche Stimmung aus. Nur dass in Twin Peaks alles andere als Frieden herrscht. Twin Peaks ist eins diese naiven Städtchen mitten in der Natur, in der jeder jeden kennt und es wahrscheinlich so langweilig ist, dass man sich in öden Momenten wünscht, es möge doch bitte etwas passieren. Es passiert. Laura Palmer, ein beliebtes junges Mädchen, wird ermordet aufgefunden und ein anderes Mädchen, Ronette Pulaski, stolpert traumatisiert und sichtlich zugerichtet über eine Brücke. Der Mord hebt die ganze Stadt aus den Angeln. Das FBI wird hinzugezogen und Agent Dale Cooper macht sich auf nach Twin Peaks um das Geheimnis des Mordes zu lüften...
Ich will gar nicht so viel über die Story schreiben, weil es einerseits zu viel wäre und man anderseits am besten gar nichts über die Serie wissen sollte, bevor man sie schaut. Viel lieber will ich mich auf die Charaktere und den Stil der Serie konzentrieren, weil es auch die beiden Dinge sind, die mir am allermeisten an Twin Peaks gefallen haben.
Der Stil von Twin Peaks ist ein brillanter Misch aus Seifenoper, amerikanischen Krimis und Lynchs eigener Genialität. Jedesmal, wenn der Vorspann läuft, habe ich das Gefühl eine ruhige Welt zu betreten, aber es wird immer chaotischer, immer verrückter, surrealistischer. Twin Peaks war vielleicht mal eine ruhige Kleinstadt. Aber wie man so schön sagt, wo Licht ist, ist auch Schatten, beziehungsweise, je lieber es scheint, desto böser ist es in Wirklichkeit. Willkommen in der Welt von Twin Peaks!

"Damm good coffee!"

Neben der schon erwähnten tollen Stilmischung sind es vor allem die ganzen Protagonisten, die Twin Peaks zu so etwas Besonderem machen. Sie alle geben Twin Peaks das Herz und die Seele. Obwohl die Beziehungen aufgebaut sind wie in einer Seifenoper und sie sich mit alltäglichen Dingen plagen wie Liebe, häusliche Gewalt, Betrug, Ehrgeiz, Kummer, rutscht das Ganze kaum in Klischees ab und die Charaktere sind bis ins Tiefste ausgearbeitet.
Neben der ermordeten Laura Palmer, die die ganze Zeit wie ein Unglücksengel über allem schwebt, steht Dale Cooper im Mittelpunkt des Geschehens. Er ist einer der liebenswertesten Charaktere, die ich je gesehen habe. Ich könnte ihm wirklich stundenlang zuhören. Er trinkt seinen Kaffee schwarz wie die mondlose Nacht, hebt die Hand um die Kellnerin am Fortgehen zu stoppen und erzählt ihr dann mit strahlendem Lächeln, dass ihr Kaffee absolut perfekt ist. Er liebt Kuchen und Donuts, wobei in der Serie bis auf ein paar Ausnahmen eigentlich immer süßes Zeug gegessen wird. Cooper ist eigentlich einer dieser immer dargestellten Agenten, gefasst, intelligent, furchtlos und vorausschauend. Trotzdem ist er anders als alle anderen. Vielleicht liegt es an seinem Hang zu spirituellen Dingen und andersartigen Ermittlungsideen. Er ist einfach offen für unterbewusste Dinge und gehört auf keinen Fall zu den Menschen, die nicht an die Bedeutungskraft von Träumen glauben. Er gerät nicht in Panik, wenn surrealistische Dinge passieren, sondern kriegt große Augen und schaut sich aufmerksam und staunend um. Auch er hat Schwächen und Ängste, die vor allem mit seinem Ex-Partner Windom Earle zusammenhängen.
Unterstützt wird Cooper von Agent Albert Rosenfield, ein ebenso intelligenter Mann, wie auch großmauliger. Anfangs kassiert er für seine Bemerkungen ein paar Ohrfeigen, aber dann gewinnt er Twin Peaks auf seine eigene Art und Weise lieb. Er erinnert mich irgendwie an eine provokantere Version von Saul Goodman aus Breaking Bad, ich weiß auch nicht recht wieso. Vielleicht hat sich Breaking Bad ein bisschen inspirieren lassen, vielleicht kommt auch einfach in jeder amerikanischen Serie ein DEA-Experte vor. Wie es auch ist, in Twin Peaks gebührt diese Ehre ganz Agent Dennis, ehm Denise, Bryson. Ein Licht geht auf, wenn er den Raum betritt und er ist ohne Zweifel der sympathischste Transvestit in der Film- und Fernsehgeschichte. Auch Lynch selber hat einen unvergleichbaren Auftritt als schwerhöriger Regional Chef Gordon Cole und ich frag mich, wie kommt Lynch bloß auf sowas? Einfach herrlich.
Die örtliche Polizei ist aber mindestens genauso wunderbar wie das FBI. Sheriff ist Harry Truman und auch wenn es Momente der Unprofessionalität gibt, wirkt er so wie ein Sheriff wirken sollte: Vertrauenswürdig, mutig und treu. Ergänzt wird sein Team durch Deputy Tommy Hill und Deputy Andy Brennan. Zweiterer ist mein Liebling von der Twin Peaks - Polizei. Er wirkt genauso wie die Stadt ziemlich naiv und unbedacht, versprüht aber wahre Leidenschaft, wenn es um die Liebe geht. Und die heißt in seinem Fall Lucy Moran. Sie ist die Empfangsdame mit wilder Frisur und einer piepsigen Stimme, die mir normalerweise auf die Nerven gehen würde, aber in dem Zusammenhang einfach nur süß ist. Wie bei Seifenopern üblich gibt es immer unzählig viele Handlungsstränge. Neben dem Geheimnis um Laura Palmer ist der Handlungsstrang um Lucy und ihren beiden Verehrern Andy und Richard einer davon. Lucy ist nämlich schwanger, aber weiß nicht von wem und rätselt wen von den beiden sie wirklich liebt und als Vater für ihr ungeborenes Kind will.
Ein weiterer Handlungsstrang spielt sich im Sägewerk ab. Dort leben Josie Packard, Catherine und Pete Martell. Josie ist die Besitzerin seitdem ihr Mann Andrew verunglückt ist. Sie ist eine hübsche Asiatin und eine der ersten Personen, die gezeigt wird, schließlich wird Laura Palmer von Pete Martell entdeckt. Außerdem hat sie eine Affäre mit dem Sheriff und ist nicht das, was sie zu sein scheint.
Catherine Packard ist eine tyrannische Frau, die am liebsten selber Besitzerin wäre, um eigene böse Pläne zu verwirklichen. Sie dominiert jeden in ihrer Umgebung und strahlt für mich trotz allem keine Unsymphatien aus, viel mehr umgibt sie eine bewundernswerte Aura, der man sich nicht entziehen kann.
Ihr Konkurrent ist Benjamin Horne, Besitzer des Hotels in dem Cooper lebt, eines Warenhauses und des Bordells One-Eyed Jack's, zu dem die Handlung früher oder später führen wird. Außerdem ist er der Vater von Audrey Horne und Johnny Horne.
Johnny ist geistig gestört und wird von Dr. Jacoby betreut, eine schrille Persönlichkeit, der vor allem in der ersten Staffel nur Glanzmomente hinlegt.
Audrey, neben Cooper meine liebste Figur der Serie wirkt zuerst wie ein verwöhntes, arrogantes Mädchen, entwickelt sich aber prächtig. Sie ist ebenso furchtlos wie Cooper und weiß wie sie sich selber einsetzt, um ans Ziel zu kommen. Sie zeigt aber auch, dass sie ihre Schwächen hat und ein Herz, das gebrochen werden kann. Ihr Auftreten gleicht dem einer Femme Fatale und die Namensauswahl erweist sich als gut ausgewählt, schließlich steckt in ihrer Nasenspitze (und auch in den Bogen ihrer Augenrauen) mehr Sex-Appeal als viele Frauen am ganzen Leib besitzen. Es sticht vielleicht nicht gleich hervor, aber es ist da (frei von Audrey Hepburn zitiert). Im Laufe der Serie versteht sie sich immer besser mit Donna Hayward, die früher die beste Freundin von Laura war. Sie ist mit James zusammen, der davor mit Laura zusammen war. Dieser Handlungsstrang ist so ziemlich das Einzige, was mir bei Twin Peaks missfällt. Anfangs ist es zwar nett romantisch, aber spätestens nach Donnas Wandlung zur rauchenden Möchtegern-Femme-Fatale nervt das Gesülze der beiden extrem.
Neben der Polizeiwache, dem Hotel und dem Sägewerk ist auch das Café, geleitet von Norma Jenning, ein wichtiger Handlungsort. Hier trinkt Cooper seinen ersten Kaffee, hier werden wichtige Gespräche geführt, hier verliebt man sich bei einem Stück Kuchen. Norma Jenning, die unter der überfürsorglichen Dominanz ihrer Mutter leidet und deren Mann im Knast sitzt, ist ehemalige Miss Twin Peaks und führte mit Laura ein Essen-auf-Rädern-Unternehmen. Sie hat zudem eine Affäre mit Ed Hurley, dem Vater von James und dem Ehemann von der rothaarigen Frau mit Augenklappe und Superkräften Nadine.
Zudem ist bei Norma auch Shelly Johnson angestellt, die eine Affäre mit Bobby Brigs hat. Dieser war mit Laura zusammen. Durch seine jugendlichen Rebellionen hat er öfters Streit mit seinem Vater Major Briggs. Unglücklicherweise ist die hübsche Shelly mit Leo verheiratet, der sie immer wieder schlägt und auch versucht umzubringen. Obwohl ich allen Grund hätte Leo zu verachten, empfinde ich in manchen Momenten doch Mitleid mit ihm.
Im Laufe der zweiten Staffel kommt auch Normas Schwester Annie nach Twin Peaks. Sie verleiht Cooper eine komplett neue Lebensfreude, die beiden verlieben sich. Doch es gibt da immer noch eine Vergangenheit und die heißt Windom Earle.
Neben all den aufgezählten Charakteren gibt es noch viele andere, wie zum Beispiel die Log Lady, der gut aussehende John Wheeler, der mysteriöse Pierre Tremond und man denke auch an die ganzen originellen geheimnisvollen Charaktere aus Coopers Träumen. Sie alle zu erfassen mit ihren Beziehungen, Aktionen und Auswirkungen würde locker ein ganzes Buch beanspruchen und jeder von ihnen wäre das auch wert.

"The owls are not what they seem."

Twin Peaks. Das könnten siebzehn Tage beziehungsweise dreizig Folgen Urlaub in einer Bilderbuch-Kleinstadt gewesen sein. Doch nichts ist so wie es scheint. Lynch scheut dem Unterbewussten nicht, das hat er noch nie getan. Die Protagonisten scheinen gar nicht so naiv zu sein, wie das Städtchen es vorgibt, denn sie leugnen nie das es nicht vielleicht doch da draußen etwas Böses ist. Es wird nie die Frage gestellt, ob es Geheimnisse gibt, es gibt sie einfach. Und sie müssen gelüftet werden. Oder?
Lynch zerstört die friedliche Atmosphäre, die der Vorspann suggeriert und lässt mich auf skurrile und liebenswerte Charaktere treffen. Er lässt Nebenplots entstehen, nur um sie gemein zu zerstören, er lässt Menschen 180-Grad-Wendungen machen und richtet meine Gänsehaut auf. Begleitet von einem Soundtrack, der stets die weiße Fahne schwenkt, suchte ich nach dem nächsten Moment und gäbe es da nicht noch das sogenannte Real Life und menschliche Bedürfnisse wie Hunger hätte ich die Serie noch schneller durchgeschaut. Das Vögelchen blieb immer dasselbe. Es zuckte zweimal und ich wusste: Es geht weiter. Immer tiefer in das dunkle Chaos der Welt, das nicht nur in Großstädten existiert sondern auch in idyllischer Natur. Vielleicht auch hier bei mir. Ja, vielleicht ist da draußen etwas. Ein Geheimnis, das niemand wissen kann, ohne dabei seine Seele zu lassen. Ein Geheimnis, das uns schlecht träumen lässt, unsere Welt aus den Angeln hebt, unsere Liebsten schreien und uns sterben lässt. Die Frage ist doch nicht, ob es so etwas gibt, sondern eher warum es so etwas nicht geben sollte. Vielleicht ist das die Offenbarung, die man immer in Filmen und anderen Serien sucht, die Weltbilderweiterung. Twin Peaks hat mir noch ein wenig mehr die Augen geöffnet für das Verrückte in dieser Welt. Und falls ich jemals Zweifel hatte an geheimnisvollen Dingen wie Aliens, Parallelwelten und bedeutungsvollen Träumen, nun, dann habe ich jetzt nur noch Zweifel an meiner eigenen Wahrnehmung. Denn Twin Peaks lässt nicht nur Cooper gegen seine Ängste kämpfen, sondern auch den Zuschauer. Jeder hat doch Angst, dass seine heile Welt zerstört wird.
Schon morgen könnte es soweit sein.
Danke, David Lynch für diese Serie *?*

"I'm going to let you in on a little secret. Every day, once a day, give yourself a present. Don't plan it. Don't wait for it. Just let it happen."

http://planetofpictures.blogspot.com/2013/08/twin-peaks-us-1990-1991-david-lynch.html

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Pyro 91

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Ed Hurley ist allerdings der Onkel von James, nicht der Vater. :)


Audreyfan

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Oh, dann hat das meine Erinnerung falsch behalten, leider kann man Serienkommentare nicht ändern, sonst würde ich das sofort tun :)


Crispin

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9.5Herausragend

Staffel 1 ist mit abstand das beste was je fürs Fernsehen gemacht wurde. Dafür ganz klar 10 Punkte. Staffel 2 fängt genauso gut an allerdings geht nach der enthüllung des Mörders der Serie die Luft aus, erst zum ende hin findet die Serie zu anfänglicher Stärke zurück. 9 Punkte
Fazit: Insgesamt 9,5 Punkte für eine der besten Serien aller Zeiten.

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Nagelfar

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10.0Herausragend

Deine Freunde über Twin Peaks:

Hauptstädter — vorgemerkt
DonChris — vorgemerkt
Le Samourai — Herausragend (10.0)
schildkrötenmann — Herausragend (10.0)
urfaust — Herausragend (10.0)
Vier — Herausragend (10.0)
hoffman587 — Herausragend (10.0)
frink — Herausragend (10.0)

Vorbildlich.

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Nagelfar

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Tu das :)


schokone

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Oh, ich fehle noch.


BulletToothHony

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10.0Herausragend

Lass dich in den Bann ziehen...

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Pyro 91

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10.0Herausragend

SPOILER
Dale Cooper, ein Held.
-
Seitdem ich die Serie vor vier, fünf Jahren entdeckt habe, ist es inzwischen Pflicht für mich geworden sie mir einmal, manchmal sogar zweimal im Jahr anzusehen. Gestern beendete ich meinen siebten Durchlauf der Serie und wieder einmal tut es mir leid, dass ich so schnell durch die Folgen gehetzt bin und nun wieder mindestens ein Jahr warten muss, um sie mir nicht kaputtzuschauen.
Ich denke, wir alle wissen, dass die Serie mit der Enthüllung des Mörders einen schweren Schlag erlitten und sich danach nur noch schwer wieder gefangen hat. Innerhalb weniger Episoden veränderte sich der Ton und Inhalt so stark und aus hypnotischen Arthouse-Horror wurde plötzlich "Twin Peaks"- Die Sitcom mit gelegentlichen düsteren und magischen Szenen, die allerdings recht rar gesät waren. In den letzten fünf, sechs Episoden sahen die Dinge allerdings wieder deutlich besser aus, aber es dauert dennoch bis zum Serienfinale, bis wir wieder den unterschwelligen Terror und die intuitive Magie zu spüren bekamen, die David Lynch so großartig und mühelos herbeizaubern konnte.
Nun, warum sehe ich mir die Serie trotzdem immer wieder an und skippe nicht über eine schlechte Episode? Nun, davon abgesehen, dass die Post-Laura Palmer-Folgen die ein oder andere Überraschung zu bieten haben (Andrew Packard lebt?, Leo erwacht aus dem Koma, Windom Earle (!) etc.), läuft es für mich am Ende doch größtenteils auf die Genialität des Dale Cooper-Charakters hinaus.
Seitdem ich Kyle MacLachlan zum ersten Mal in seiner Rolle sah, war ich fasziniert von diesem exzentrischen, idealistischen FBI-Agent und ich denke, seine Figur ist auch schuld dran, dass ich mit 16 anfing Kaffee zu trinken und für gut zu befinden. :D
Doch Cooper ist noch viel mehr für mich. Wenn ich meinen Sinn im Leben definieren müsste, würde ich sagen, dass ich hier bin, um nach der Wahrheit zu suchen und - noch viel wichtiger - sie zu verstehen (jetzt bitte das "Akte X"-Theme abspielen xD).
Cooper ist ein Mann, der äußerst präzise und logisch vorgeht, aber es dennoch nicht vernachlässigt auf seine Gefühle und Intuition zu hören, wodurch er ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten in Betracht zieht und seinen Mitmenschen und schwierigen Situationen mit einer offenen Einstellung gegenübertritt.
Dale Cooper und - später in der Serie - Major Briggs sind für mich zutiefst inspirierende und dennoch nicht anbiedernde Vorbilder, die beide mit dem Bewusstsein leben, dass es etwas da draußen gibt, das viel mächtiger und größer ist, als sie beide jemals erfassen könnten. Dennoch suchen sie nach der Wahrheit und versuchen ihr Leben nach ihren eigenen, höchsten Idealen zu leben und vor allem täglich an sich und ihren Beziehungen zu ihren Mitmenschen zu arbeiten. Eine vielsagende Szene zwischen den beiden findet spät in der Serie statt: Cooper bittet Briggs um Informationen über Windom Earles Beteiligung am Projekt "Blue Book". Briggs sagt, dass er Cooper gern helfen würde, es aber gewisse moralische Implikationen gibt, die es für ihn zu berücksichtigen gilt. Es wäre leicht für ihn diese Informationen einzusehen, aber seine Loyalität gegenüber seiner Arbeitsstelle und den Leuten, die daran beteiligt sind, lässt dies nicht so einfach zu, es sein denn, es wäre ihm dadurch möglich unschuldige Leben zu retten.
Cooper versteht diese Ansicht volkommen und respektiert und schätzt die hohen Ideale seines Gegenübers. Er braucht dieses Material dringend, erlaubt sich aber nicht gegen Major Briggs´Ideale zu verstoßen, geschweige denn ihn dazu zwingen, diese über Bord zu werfen.
Es sind Charaktere wie Cooper und Briggs und sporadische Momente der Wärme, Akeptanz und Liebe in der Serie, die jeden Sieg des Bösen (Madeleines Tod, Leland Palmers Besessenheit und BOBs letzter Triumph) nur noch niederschmetternder und intensiver machen, gleichwohl aber auch die Kehrseite der Medaille präsentieren.
Das Gute kann nicht ohne das Böse existieren und umgekehrt. In "Twin Peaks" ist das Böse allgegenwärtig. Wir sehen es in seiner "abgeschwächten" Form durch Leo Johnsons Drogenhandel oder Ben Hornes Manipulationen, aber auch in seiner hässlichsten Ausprägung in Form von BOB und "the evil that men do". Wie viel Leland Palmer vom Missbrauch seiner eigenen Tochter wusste, ist unklar, aber Tatsache ist, dass er durch "seine" Taten nicht nur ihren Körper, sondern auch ihre Seele irreperabel geschädigt hat. Das ist das schwarze Herz von "Twin Peaks": Inzest.
Warum ist ein Wesen wie BOB, das eigentlich nur ein Mann mit langen, ungewaschenen Haaren ist und eine Jeansjacke trägt, so gruslig und abstoßend?
Für mich ist es die Vorstellung, dass BOB jahrelang im Haus der Palmers gelebt und sich in all der Zeit daran erfreut und genährt hat, dass ein Vater seine Tochter in regelmäßigen Abständen missbraucht, was diese schließlich so verzweifelt werden ließ, dass sie ihren eigenen Tod akzeptiert hat, um den Kreis des Missbrauchs zu durchbrechen (Leland scheint auch Opfer von Missbrauch gewesen zu sein).
Es ist der Gedanke, dass BOB sich Leland´s Gesicht nur wie eine Halloween-Maske übergezogen hat, wodurch es ihm möglich war, unbemerkt seine Schandtaten auszuführen, während Leland in der Welt da draußen das Gesicht des allseits beliebten, mitfühlenden Familienvater trug.
Die "Black Lodge" und ihre Agenten exisitert nur um Unschuld zu korrumpieren und sich an der Furcht ihrer Opfer zu erfreuen, damit sie ihr Garmonbozia erhalten und weiter bestehen können.
Das Böse in "Twin Peaks" lauert, wägt seine Optionen ab und versucht dabei ein Höchstmaß an Angst und Terror zu verbreiten. Wenn BOB der Sinn danach stehen würde, könnte er einen Menschen nach den anderen bewohnen und ins Verderben führen, doch stattdessen kostete er jahrelang das Leid seines jungen, unschuldigen Opfers aus und freute sich über die Wellen, die seine grausamen Taten schlagen.
Selbst Cooper, der das Gute in Person verkörpert, versagt schließlich im Kampf gegen BOB, obwohl er ausschließlich aus noblen und selbstlosen Motiven handelte.
Dies erinnert mich an die Szene, in der Major Briggs unter Windom Earles Droge seine größte Angst enthüllte: "The possibility that love is not enough."
Ja, was dann? Wir alle suchen nach der Liebe, versuchen uns selbst zu lieben und Beziehungen zu anderen zu Menschen zu knüpfen bzw. die bereits bestehenden zu pflegen und dem Geheimnis der Liebe etwas näher zu kommen. Wie kann wahre Liebe definiert werden? Ist es nur ein Gefühl, dass sich nicht eindeutig belegen lässt? Werden wir es sofort merken oder wird es uns erst nach einiger Zeit klar werden? Lieben wir andere wirklich oder nur einige Eigenschaften an ihnen, die wir an uns selbst schätzen? Gibt es überhaupt selbstlose Liebe, die nichts vom anderen fordert, aber gleichzeitig gibt? Vielleicht sorgt ein momentaner Rausch an Sinneseindrücken nur für eine glückliche Erinnerung an eine bestimmte Person, die wir ständig wiederholen wollen? Ist der Gedanke Liebe analytisch betrachten zu wollen grundsätzlich eine schlechte Idee? Oder ist uns Menschen nur völlig bewusst, dass wir immer allein mit uns selbst sein werden und der Wunsch nach zwischenmenschlicher Interaktion einfach ein rein instinktives Verhalten ist, um unsere Existenz bestätigt zu bekommen und die Illusion aufrechtzuerhalten, dass wir nicht alleine sind?
Cooper entschied sich selbstlos dafür die Black Lodge aufzusuchen um Annie zu retten und er wäre sogar bereit dafür gewesen für sie seine Seele zu opfern. Nicht nur sein Leben, nein, seine Seele. Obwohl wir nicht wissen, was uns nach unserem Tod erwartet, glaube ich zumindest daran, dass es für unsere Seele auf eine weitere Reise gehen wird -womöglich ohne unsere menschlichen Gedanken und Gefühlen - doch mit dem Bewusstsein, dass das noch nicht alles gewesen sein kann.
Cooper hingegen erlaubt es seinem Erzfeind seine Seele für das Leben von Annie zu nehmen, ohne zu wissen, ob dies nun auch das Ende seiner metaphysischen Existenz bedeutet. Kann im Namen der Liebe ein größeres Opfer gebracht werden?

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BulletToothHony

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Fantastischer Kommentar. Obwohl ich glaube, dass Cooper wusste was passiert - als er aufwacht fragt er ja noch ob es Annie gut geht. Und dann die manische Wiederholung des letzten Satzes bedeutet für mich BOBs Häme über Coopers Selbstlosigkeit und Entscheidung... Vielleicht ist es auch einfach mein Wunschdenken, aber in Dales "Andenken" wünsche ich mir doch sehr, dass es so ist. :)


Pyro 91

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Danke. :) Ich hab da auch ein paar Ideen. ;)
Ich glaube auch, dass BOB sich in der letzten Szene einfach hämisch darüber freut, dass er nun den Helden des ganzen Stückes erwischt hat und nun seinen Wirtskörper dafür benutzen kann, um noch größeren Schaden in der Welt anzurichten.
Die Szene mit der Zahnpasta finde ich richtig effektiv, da Cooper dabei den "guten" Inhalt aus der Tube quetscht und dadurch nichts mehr übrig lässt. Was zuvor noch nützlich und "shiny" war, ist jetzt nur noch eine leere, unbrauchbare Hülle, genau wie Cooper.
Mit dem "How´s Annie"-Spruch macht BOB sich darüber lustig, dass Cooper geglaubt hat, er könne Annie retten und durch Liebe über die Macht der Black Lodge siegen.
Die Frage ist jetzt, ob Cooper als "Gesamtpaket" mit BOB im Leib in der Welt herumirrt, oder ob der "gute" Cooper nun im Red Room wartet und der "böse "Doppelgänger jetzt da draußen sein Unwesen treibt.


natedb

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10.0Herausragend

Diese Serie ist einfach nur richtig cranker, sicker shit.
Alleine der Vorspann, die Musik... Hypnotisch.
DIE Mystery-Serie überhaupt, albtraumhafte Visionen, Schwermut, Melancholie, Abstraktion, merkwürdiger Humor, Suspense! Einfach Lynch!
Eigentlich kann man sie kaum beschreiben, man muss sie sehen!
So wunderschön und einzigartig, dass es an Perversion grenzt.
Ein Kommentar zu diesem Meilenstein war schon lange überfällig, doch jetzt wo ich dabei bin, weiß ich gar nicht was ich zu dieser Serie schreiben soll, denn sie macht mich schlichtweg sprachlos.
Liebe
Wow
Ich bin wieder im Twin-Peaks-Fieber ♥

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Le Samourai

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Yes! Das größte Kunstwerk der Fernsehgeschichte.


natedb

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!!!!!!!!!!! JA !!!!!!!!


johnathan.hannig

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10.0Herausragend

Atemberaubend, einer der Besten Serien die je gedreht wurde. Fast schon schade das sie "nur" 2 Staffeln hat, den man entwickelt Sympathien für die verschiedenen Charaktere. Manchmal vergisst man sogar die Haupthandlung weil man so vertieft in den Dialogen oder Geschehnissen ist.

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Lady3Jane

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8.5Ausgezeichnet

Absolut skurrile Serie, die ihren jedoch Kultstatus absolut zu recht innehat. Wer sich von der 80erjahre Seifenoper-artigen Verpackung nicht abschrecken lässt, lernt viele verschrobene und durchgeknallte Charaktere kennen und lieben (oder in manchen Fällen auch hassen), deren Storylines sich immer wieder in den bizarrsten Konstellation kreuzen. Dazu die geniale Bildsprache von David Lynch und unnachahmliche Musik von Angelo Badalamenti.
Schade nur die zweite Staffel gegenüber der ersten etwas schwächer daherkommt, trotz großartiger Gastdarsteller.

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Ichundso

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Erste Folge gesehen. Hooked. Bessere Hälfte ebenfalls. Ich glaube, da liegt eine schöne Zeit vor uns.

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Pyro 91

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Und schon komplett durchgeschaut?^^ Oder Albträume von dem da bekommen: http://3.bp.blogspot.com/_j_u518lHGJY/SuhVljPSELI/AAAAAAAAZM8/9T15fu2FhxA/s400/tpep1_129.jpg
:)


Denny Crane

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1)Ja 2)ich schaffte es bis eben,ganz gut,die träume zu verdrängen


Zwiebel88

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9.0Herausragend

Geniale Serie, die leider kurz nach der Mitte für eine Zeit lang etwas einbricht, gegen Ende aber wieder an Qualität gewinnt. Mysteriös, spannend, lustig, skurril und gruselig zugleich. Und dazu gespickt mit tollen Figuren. Und selbstverständlich mit typischen Lynch-Momenten, die einen immer wieder umhauen können.

Fire walk with me direkt bestellt und gespannt!

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Zwiebel88

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Falls die Antwort nicht zu spät kommt und du schon weiter geschaut hast: Ja es lohnt sich auf jeden Fall noch. Die letzten paar Folgen sind erstklassig und das kleine Tal der "Langeweile" wert, das man in den Folgen davor durchschreiten muss ;)


Milano90

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Nein ich habe noch nicht weitergeguckt. Wenn das so ist dann werde ich mich wohl mal wiede ranmachen. Bin bei E17 sie hätten das mit Lauras Mörder ruhig bin zum Ende durchziehen können. :( Nimmt einem irgendwie die Spannung aus der Sache. Aber du sagtest ja das es besser wird. :)



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