Twin Peaks - Kritik

US · 1990 · Mysterythriller, Kriminalserie, Drama · 2 Staffeln · 30 Episoden
Du
  • 8 .5

    Anfangs gefiel mir die Serie sehr sehr gut, aber irgendwann wurde es zuviel Lynch.

    • 5

      kam ich irgendwie nicht mit klar :/

      • 10
        Heckenritter 19.04.2017, 20:52 Geändert 19.04.2017, 22:54

        Weißt du eigentlich, warum wir Träume haben?

        Acetylcholine Neuronen beschießen das Vorderhirn mit Impulsen
        sehr hoher Voltzahl. Diese Impulse werden zu Bildern, diese Bilder
        werden zu Träumen. Aber! Niemand weiß, warum wir gerade diese
        Bilder dazu benutzen.
        Agent Cooper ist hinlänglich bekannter Verfechter der Ansicht, durch
        Trauminkubationen nach tibetischer Inspiration Antworten auf seine
        Fragen zu erlangen, ein Spiel das dem transzentendalen Mediationsprofi
        und Traumtieftaucher Lynch gefällt. Widerlegt scheint mir die alteThese
        Träume wären ein reines Zufallsprodukt neuronaler Prozesse, die Fetzen
        aus meinem Unterbewußtsein zurückspiegeln. Nach einem Besuch in
        dem Supermarkt meiner Wahl gelangte ich zu einer tiefschürfenden
        Erkenntnis. In mir brodelte bewaffneter Widerstand gegen den
        Generalverdacht unter meinem Rucksack im Einkaufswagen würde
        ich womöglich eine Packung mittelalten Gouda verstecken. In Gedanken
        nach dieser sich immer wiederholenden Demütigung beim einkaufen möglicherweise zu stehlen, sprühte ich mir Silberspray auf die
        Zahnreihen, brüllte "SEID MEINE ZEUGEN" und lieferte mir mit der
        piepstimmigen Kassiererin einen bitteren Kampf auf Leben und Tod.
        Davon hatte ich zwei Tage zuvor geträumt! Ein Déjà Vu. Zweifelsohne
        ein Beweis für die Ansicht von Hirn- und Traumforschern die
        Großhirnrinde (Cortex) würde eben jene zufälligen Gedankenschnipsel
        aussortieren und halbwegs sinnvollen Interpretationen zuordnen. Oder
        vielleicht doch nur die verfrühte Traumumdeutung eines Wachtraums in
        meinem Bewußtsein? "Die Eulen sind nicht, was sie scheinen!"

        Fest steht jedenfalls, dass David Lynch für die verschlungenen Pfade in
        meinem Kopf einen goldenen Schlüssel besitzt, mit der er die Türen in
        der uneinnehmbaren Festung zu dunkel sarkastischen
        Widersprüchlichkeiten aufschließt, die schon lange darauf warteten
        endlich ins Bewußtsein zu entfleuchen. Nur sind es Lynchs Träume und Vorstellungen in Gestalt, Klang, und Farbe, nicht meine. Ein betörender
        Zauberer ist er, der die Samen höchst unwahrscheinlicher Wachrealität
        in meinem Kopf ausstreut ähnlich einer belgischen Frau Holle in Sicherheitsverwahrung mit grimmigem Schalk im Nacken.

        Durch die Finsternis des zukünftig Vergangenen sehnt der Magier
        sich nach Licht. Nach einem Weg heraus zwischen zweierlei Welten.
        Feuer, zieh mit mir...

        Vielleicht ist dies ein Beispiel besser darauf zu verzichten, in dem
        Traumhaus unserer bizarren Kreativität nach weiteren Türen zu
        suchen und verstörende Anomalien aus unserem Kopf
        herauszuschälen, die sich hartnäckig weigern in kognitive
        Gedankenschubladen gepresst zu werden. Die Reise nach Twin Peaks
        ist eine Erfahrung der gegensätzlichen Empfindungen und
        beunruhigenden Stimmungsschwankungen voller gackernder
        und abgründiger Mysterien in den Handlungen der Menschen in
        diesem Ort, in ihren Motiven, in ihren Gesichtern. So würde ich mir
        das Himmelreich der Kuchen vorstellen! Angeblich sind über 30%
        aller Menschen nicht fähig, sich je an Träume zu erinnern oder die
        Existenz von Träumen zu registrieren. Nicht mal Schäume sind für viele
        Träume. David Lynch ist zum Glück für alle da verborgene Gelüste ins
        Bewußtsein zu pflanzen und essentielle Weisheiten des Lebens
        auszuformulieren . "Wer erfindet so einen Unsinn wie Diät-Lasagne?"
        Eine sehr berechtigte Frage. "Ich verrate ihnen ein kleines Geheimnis.
        Jeden Tag, einmal täglich muss man sich etwas schenken. Nicht planen,
        nicht darauf warten, nur ganz einfach wahr. ....
        ...oder zwei schöne, große schwarze Tasse Kaffee wie diese hier.
        Mann, wie tut das gut. " Hoffentlich schmeckt der mitternachtsschwarze
        Kaffee nicht nach Fisch Agent Cooper! Wiederkehrende Motive brüllender
        Komik die sich selbst in den Schwanz beißen und vor lachen daran
        ersticken. David Lynch liebt es seine hervorgezerrten Träume zu
        realisieren, die wir aufschlürfen dürfen und die Traumdeutung
        höchstselbst vollziehen. "Agent Cooper, die Probleme unserer ganzen
        Industriegesellschaft sind sexueller Natur." Das habe ich schon immer
        gewusst! Nur leider beantwortet es nicht die alles entscheidende Frage in
        den Bildern schlichter Formen und übersättigter Farben.
        "Laura Palmers Tod hat jeden Mann, jede Frau, jedes Kind berührt, weil
        Leben hier etwas bedeutet, jedes Leben. Ich dachte diese Einstellung
        gäbe es auf dieser Welt nicht mehr, aber es gibt sie hier mitten in Twin
        Peaks". Wer hat Laura Palmer umgebracht? Diese quälende Frage kann
        nur der Küchleinjunkie vom FBI beantworten und wohl kaum die verhornt besoffenen Wikinger in Gestalt isländischer Geschäftsleute.
        "Eine große Gruppe sehr geisteskranker Menschen wohnt in meinem
        Stockwerk."

        Der Ausflug mit Agent Cooper in die vermeintlich idyllische Kleinstadt
        ist voller Traumtänzer, Alpträumen und Frauen unserer Träume.
        Eine stete Wanderung der Traumseelen. Schönheit und Hässlichkeit,
        Sonne und Schatten. Kristallklare Visionen unser gewünschten
        Lebenswirklichkeit und ein rhytmisches abtauchen in finstere Schluchten,
        nach jeder Folge fällt es schwerer zurück ans Licht zu kriechen,
        dankbarerweise Weise wird man vom skurrilen Humor der Gegensätze
        und Kirschkuchen angeschoben. Ein Trip der sinnlich verunsichernden
        Erfahrungen bei denen ich mich oft frage, wieviel davon bereits in
        meinem Unterbewusstsein vorhanden war und in Träumen ausgelebt
        wurde, ehe Twin Peaks 1991im Fernsehen lief. Was dieses Traumwerk
        von Serie aus David Lynchs kränkelnd witzigem Verstand wirklich ist, kann
        niemand besser als der Sheriff und Bookman Harry S. Truman
        zufriedenstellend erklären.

        "Twin Peaks ist was besonderes, weit weg von der Welt, das wissen
        sie. Und genauso wollen wir es auch haben. Aber es gibt eine Kehrseite
        der Medaille und die ist auch etwas besonderes, vielleicht ist das der
        Preis den wir für die guten Sachen zahlen müssen. Da draußen gibt es
        etwas Böses. Etwas völlig Fremdartiges in den alten Wäldern. Nennen
        sie es wie sie wollen, eine Dunkelheit, ein Wesen, es nimmt viele
        viele Formen an aber.... dieses Böse gibt es schon so lange wie wir
        überhaupt denken können."

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        • 10
          (VincentVega) 16.04.2017, 19:08 Geändert 17.04.2017, 03:01

          Erste Staffel so gut wie beendet und ich glaube ich habe mich verliebt, in David Lynch, Mark Frost und in Audrey Horne (Sherilyn Fenn). <3
          Einfach in diese komplett verrückte Kleinstadt namens Twin Peaks und seine Bewohner.

          Jetzt habe ich noch knappe 5 Wochen um die zweite Staffel zu gucken um dann pünktlich in die dritte Staffel einsteigen zu können.

          9
          • 10

            David Lynch, 10/10, *hechel*, bald zweite Serie, Meisterwerk!
            Alleine schon weil man mit einem Twin Peaks Tshirt auf einer Feier immer eine tolle Person zum reden findet.

            • 9
              Authentic 05.04.2017, 12:10 Geändert 10.04.2017, 02:21

              Das Böse ist aus seiner Asche erwacht und hat Hunger.

              • 9

                Günstig die Komplettbox gekauft und dann erstmal genüsslich im Regal verstauben lassen. Vor 2 Wochen hab ich dann angefangen. Jetzt sind es noch 4 Episoden (und dann alle Extras die es gibt) und was soll ich sagen? Mich hat im Leben noch keine Serie so in ihren Bann gezogen. Durch und durch großartig, und ich bin jetzt schon gespannt, wie es ausgeht <3

                10
                • Da ja demnächst die neue Staffel startet, habe ich mich jetzt mal an die Serie herangewagt.
                  Nach 4 Folgen habe ich es nicht mehr ertragen weiter zu schauen und hab dann einfach auf Wiki die Auflösung und weiteren Verlauf der Handlung nachgelesen.
                  Jetzt ärgere ich mich darüber :-)

                  • 8 .5

                    Schon Jahre hier und versäumt, diese Serie zu bewerten. Fauxpas.

                    10 Punkte. Ein Meisterwerk.

                    4
                    • 3

                      In memoriam of the fucking time I wasted with this shit.

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                      • 8 .5
                        kid charlemagne 15.01.2017, 03:59 Geändert 15.01.2017, 17:32

                        Als TWIN PEAKS 1990 aufkam, war es zuerst einmal nur eine freche Arthouse -Antwort auf die damaligen Soaps. TWIN PEAKS verband zum ersten Mal Soaps mit Satire und dem surrealistischen Horror eines David Lynch.
                        War schon eine Pionierleistung. An TWIN PEAKS haben sich auch der Rest der Mischpoke, wie Tarantino, Rodriguez, die Coen-Brüder u. v. a. damals orientieren können.
                        Aber die Serie ist zu lang geraten, die Highschool-Romanzen zu schmalzig.
                        Die letzten Folgen versumpfen im Komödiantischen. Der Humor bleibt zwar recht schräg, aber das verstörend Mysteriöse der Story bleibt auf der Strecke.
                        Schon allein die Performance des Beau Billy Zane war so langweilig und überflüssig, dass man sich, spätestens nach seinem Abgang, fragte : Heh, wozu war der jetzt da ? TWIN PEAKS unterscheidet sich da kaum noch von den Soaps, die die Serie ursprünglich persiflieren wollte.
                        Abgesehen von ein paar missglückten Anbiederungen an die damalige (ebenso heutige) brave Teenie - Popcorn - Klientel, kann TWIN PEAKS aber mit einer ganzen Palette von intressanten Figuren und exzellenten Schauspielern aufwarten. Allen voran Ray Wise, als so einer Mischung aus James Stewart und Klaus Kinski.
                        In der allerletzten Folge führt zwar der Master of Celebration, David Lynch himself, nochmals Regie, und kommt an mit einem Bauchladen voller surrealer Gadgets, aber da ist es schon zu spät.
                        Wenn TWIN PEAKS jetzt fortgesetzt wurde, bin ich auf alle Fälle interessiert, aber ich befürchte : Tote sollte man ruhen lassen.

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                        • 0

                          Schnaaaaarch

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                          • 5

                            Ich habe bisher die erste Staffel komplett und 9 Folgen der 2. Staffel gesehen. Diese Serie langweilt mich immer mehr. Ich habe mir eigentlich vorgenommen auch die 2. Staffel komplett zu gucken, aber irgendwie interessiert mich Twin Peaks immer weniger. Ich habe immer das Gefühl, eine uralte Serie aus den 70ern zu schauen, Twin Peaks ist sehr in die Jahre gekommen. Sie kann mit modernen Serien wie z.B. Fringe, Breaking Bad, Dexter, Game of Thrones, The Walking Dead, Sons of Anarchy, Person of Interest etc. qualitativ nicht mithalten, sogar Lost ist um Längen besser. Alles wirkt bei Twin Peaks völlig altbacken und in die Länge gezogen. Die schauspielerischen Leistungen sind hölzern und schwach, einfach lächerlich skurril.Twin Peaks ist wirklich verdammt kalter Kaffee aus dem letzten Jahrtausend!
                            Ich habe schon so viel Zeit in diese Serie investiert und müsste sie eigentlich auch zu Ende gucken, aber viel Freude habe ich an der Serie nicht. Ich bin immer froh, wenn eine Folge zu Ende geht.
                            Die Serie ist jetzt nicht ein totaler Käse, manche Szenen sind recht lustig und skurril, teilweise kommt sogar etwas Spannung auf, aber meistens ist Twin Peaks für mich eher Zeitverschwendung.

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                            • 10

                              Ich möchte hiermit mal wieder die Gelegenheit ergreifen und euch auf einen eher unbekannten, aber dennoch spannenden Podcast über "Twin Peaks" hinweisen. Von drei englischen "Gelehrten" gehostet, offenbaren hier sich nochmal ganz neue, interessante Sichtweisen und Lesearten der Serie, welche sympathisch und humorvoll vorgetragen werden und das Fan-Herz höher schlagen lassen. Momentan sind sie bereits mitten in der zweiten Staffel der Serie zu Gange.
                              Also: Reinhören und selber überzeugen! :)
                              http://diane.libsyn.com/

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                              • 1 .5

                                So, erste Staffel gesehen. Man war das langweilig. Somit kann ich als geheilt entlassen werden.

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                                • 10
                                  Pyro 91 14.06.2016, 12:59 Geändert 14.06.2016, 13:02

                                  Hallo liebe "Twin Peaks"-Freunde!
                                  Kürzlich bin ich auf einen sehr spaßigen und faszinierenden Twin Peaks-Podcast gestoßen, den ich euch nicht vorenthalten will. Es handelt sich hierbei um einen Spoilercast, der im Recap-Stil aufgezogen ist und das Feedback der Zuhörer immer mehr integriert, wodurch sich ein hochspannender Dialog entwickelt. Sehr zu empfehlen für jeden der Twin Peaks liebt und die Serie gerne Szene für Szenen auseinandernimmt und jedes Detail faszinierend findet!
                                  Davon spreche ich: http://sparkwoodand21.libsyn.com/webpage/2014/11
                                  In Ergänzung zur Besprechung der Serie werden auch "Fire walk with me", "Missing Pieces" und die erschienenen Bücher zur Serie in Angriff genommen. Später kommen dann noch liebenswerte Gespräche mit Hardcore-Fans hinzu.
                                  Viel Spaß damit! :)

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                                  • 7 .5

                                    Leider nur 7,5.
                                    Problem: Die erste Staffel fand ich sehr sehr sehr sehr gut 10 Punkte.
                                    Leider hat mir die zweite Staffel nicht gefallen. Nur 5 Punkte für die.
                                    Die zweite Staffel war mir zu sehr Soap-Opera und die zweite Geschichte nach der Auflösung fand ich ehrlich gesagt langweilig.

                                    Würde mir statt einer Fortsetzung der Serie lieber eine neue 2. Staffel wünschen.
                                    Also zum Finale von Staffel eins zurückkehren und die Geschichte von dort aus anders weitererzählen.

                                    Sehr schade, denn die 1. Staffel habe ich SEHR gemocht.

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                                    • „Ich hätte gerne zwei Eier, und zwar hart. Ich weiß, sagen Sie nichts, es ist schlecht für die Arterien, aber alte Gewohnheiten sind hartnäckig und genauso hart möchte ich die Eier! Speck? Super knusprig, fast verbrannt, halb verkohlt!“

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                                      • 8 .5

                                        “Aunt Sarah? Uncle Leland? What is that smell? It smells like something burning!”

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                                        • 10

                                          Twilight Zone, Twin Peaks und X-Files sind die Wegbereiter vieler Filme und auch heutiger Serien.
                                          3 Elternteile und viellleeeeeeeeee Kinder sind raus gekommen.
                                          Solche Serien werden leider nie wieder kommen.....

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                                          • 9
                                            SchlitzerMcGurk 27.03.2016, 21:10 Geändert 27.03.2016, 21:11

                                            Die ganzen Meldungen über ein mögliches Comeback von Twin Peaks brachten mich dazu endlich mal einen Blick auf diese Serie zu riskieren, da ich sie bis vor kurzem tatsächlich noch nie gesehen hatte. Selbst wenn das Comeback in die Hose gehen sollte, hat es für mich also schon mal etwas positives gehabt, denn Twin Peaks hat mich wirklich begeistert: Die Serie ist ein völlig schräger Mix aus Grusel, Mystery, Seifenoper-Kitsch, skurillem Humor und zahlreichen anderen Stilmitteln und Genres. Auch der Aufbau der Handlung ist ähnlich schräg, um Konventionen wird sich hier überhaupt nicht geschert, aber genau das ist eine der schönen Eigenschaften dieser seltsam wunderbaren Serie.
                                            Ich liebe in dieser Serie wirklich jeden einzelnen Charakter, seien es die zahlreichen weiblichen Charaktere, von denen eine schöner und aufregender ist als die andere, der Major (und seine deutsche Synchro), Mr. Horn, Leland Palmer, die durchweg aufrechte Polizei der Kleinstadt, die schrägen FBI Kollegen, die ab und zu vorbeischauen und natürlich Agent Cooper. Selten habe ich einen so seltsamen aber gleichzeitig so durch und durch liebenswerten Seriencharakter erlebt. Hat Kyle MacLachlan eigentlich nach Twin Peaks Kaffe-Werbung gedreht? Die behaglichen Momente voll Donuts, Kirschkuchen und Kaffe, die sich zwischen die gruseligen oder tristen Momente mischen fand ich auch immer ganz besonders klasse. DAS IST EIN GANZ HERRVORGENDER KAFFE!
                                            Wenn dann auch noch Heather Graham und Dave Duchovny kurz vorbeischauen, kann es auch nicht schaden. Und der total verrückte Bob, der die Risse in der Kleinstadtidille zu klaffenden Löchern werden lässt, sorgt für effektive Schockmomente. Die Szenen mit dem Zwerg und dem Riesen haben mich genau wie das nervenzerrende Finale lange beschäftigt. Das bei diesem wilden Genremix und der etwas unstrukturierten Erzählweise es das ein oder andere Mal hakt, ruckelt, und holpert kann man Twin Peaks meiner Ansicht nach mit Leichtigkeit verzeihen. Für mich ist Twin Peaks eine sehr gelungene und mutige Bereicherung für die TV-Landschaft und eine "Kult"-Serie, die man sich auch heute noch gut geben kann, wenn man mal etwas Abwechslung, Spannung und (subtilen) Humor sucht. Zum Rätseln gibt es auch jede Menge und nach dem Finale dann umso mehr.
                                            9/10 herrvoragenden Kaffes!
                                            ACHTUNG SPOILER AB HIER:
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                                            Wie interpretiert ihr das Finale? Wo ist eigentlich die Weiße Hütte? Was ist denn nun mit den Eulen? Klar das es Lynch eher um ein effektives, rätselhaftes Ende ging und er selbst auch nicht alle Antworten parat hatte, aber die vielen Anspielungen auf Doppelgänger, stachen ja doch deutlich heraus. Meine These wäre ja gewesen, dass Cooper die ganze Zeit selber Windom Earl ist, aber dazu passen leider einige wenige Szenen und Dialoge nicht, auch wenn ich die Idee interessant finde.

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                                            • 9

                                              Völlig durchgeknallte mysteriöse Serie - mal super super, mal super super nervig - aber das Finale reißt alles raus und wird bei nicht wenigen Leuten dazu führen, die Fernbedienung in den Bildschirm zu schmeißen... wohlan!

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                                              • ?

                                                klasse Serie

                                                • 8 .5
                                                  fridolin.eisenstein 15.01.2016, 14:33 Geändert 15.01.2016, 14:33

                                                  Ich weiß nicht ob ich diese ewigen kitschigen Romanzen-Einlagen alleine am Feierabend überstanden hätte. Aber als "Event" mit nem Kumpel und Bier hat das echt Spaß gemacht.
                                                  Die Serie bietet Humor, Dialogwitz, leider jede Menge Kitsch, aber dann auch wieder Krimi & Mystery...keinen Horror. Es gibt 2-3 Szenen (+ Finale) die allerdings wirklich etwas verstörend wirken (sollen und das auch schaffen).
                                                  Selten solche schrulligen Charaktere gesehen: das ist defintiv das Highlight.
                                                  Ist nicht gut gealtert leider.

                                                  • 8
                                                    Dergestalt 10.01.2016, 03:36 Geändert 10.01.2016, 12:17

                                                    Sehr spät, aber besser als nie komme ich endlich zu meiner großen Lynch-Wissenslücke. Und sie ist geschlossen - endlich! Aber auch gleich eine Korrektur, denn die Serie bloß auf Lynch zu reduzieren, wäre den vielen anderen Kreativköpfen dahinter nicht nur unfair gegenüber, sondern auch irreführend. Klar, steckt hier einiges an Lynch drin, aber auch sehr viel Untypisches. Vor allem sind es die vielen liebevoll schrulligen Charaktere und die romantisch-rustikale Stimmung, die man in Lynchs Hauptwerk vergeblich sucht. Sogar die vergleichsweise geerdete Kleinstadthymne "Blue Velvet" war mehr elegant als lieblich, viel düsterer als dieses Kleinod. Ja, wie Leitfigur Dale Cooper darf sich der Zuschauer in Twin Peaks langsam einleben und lernt bald dessen ganz eigene, wunderbare Luft atmen. Neben jedem dunklen Aspekt steht ein heller, teils gehen diese Aspekte sogar ineinander über. Das vermögen sowohl die vielschichtigen Charaktere als auch die dynamische Inszenierung. So changiert die Stimmung der Serie, in ihren besten Momenten fließend, zwischen Idyll und Albtraum. Und genau hier ist Lynch schließlich zu finden.

                                                    Denn ihm geht es doch immer um das Surreale und er findet es im tieforiginären Amerika, der Folklore, in Twin Peaks. Im Kleinsten setzt er an: an den netten Schubladen, den putzigen Holzscheiten, den schönen Eulen und tranformiert sie langsam ins Irreale bis Unheimliche - und siehe, die Welt zieht mit. Ja, in seinen besten Momenten merkt der Zuschauer gar nicht, wie sich die scheinbar bodenständige Welt Twin Peaks' langsam verändert, denn der Holzboden bewegt sich, verrutscht, die Erde darunter wird sichtbar. Ja, man darf wühlen. Und was zum Vorschein kommt, ist dann ganz fremd, gehört als Irdisches aber doch zu uns - das Unbewusste.

                                                    SPOILERGEFAHR

                                                    So viel erst einmal zum Charme und geistigen Kern der Serie. Kein Wunder, dass bei diesem genial-konzipierten Cocktail alle in Verzückung geraten. Und ich sage es auch: "Twin Peaks" ist herausragend, spannend, bis heute andersartig und ein berechtigter Klassiker. Ungebrochen komme ich mit dieser Begeisterung jedoch nicht mit. Während Staffel 1, gerade auch aufgrund des kompakten Umfangs, ohne Durchhänger mitnimmt, wenn auch nicht überwältigt, bringt Staffel 2 zwar zu Beginn die großartigsten Begegnungen und den stärksten Spannungsaufbau, aber auch einen erheblichen Bruch in der Dynamik. Denn kaum ist es soweit, kaum ist gelüftet, wer der Mörder ist, ist die Spannung verschwunden. Hell und Dunkel driften lose auseinander und können für sich genommen nur noch teils überzeugen. Das Helle geht mit langweilig-uninspirierten, häufig auftretenden Comic-Abrissen wie Lucy/Andy/Dick mehr ins Gagheischende und nimmt auf abrupte Weise spannendere Konstellationen aus dem Fokus (Donna - James, Ben - Jerry, Anyone - Laura). Das Dunkle hingegen verabschiedet sich weitgehend vom vage-düsteren Symbolkabinett und wird zum schematisierten Kampf von Gut und Böse, bei dem nur manch groteskes Overacting etwas aufrütteln kann. Die unmittelbar erscheinende Surrealität eines Lynch verschwindet dabei zugunsten fahler Mysteryspekulationen und skurril-netter Situationskomik quasi vollkommen. Erst im Finale, das vom Meister selbst inszeniert ist, kehrt sie zurück und kreiert ein wahnsinniges Kabinett, faszinierend und gruselig wie seine Meisterstreiche "Lost Highway" und "Mulholland Drive". Rücksichtslos zersägt er dabei, beinahe als sei er unzufrieden mit der Entwicklung seiner Serie, das ganze Filmuniversum und lässt den Zuschauer irritiert zurück. Dark Lodge instead of Twin Peaks - eine Aussicht auf seine harmoniefreien späteren Filme. An sich stehe ich drauf - für die Serie wäre es vielleicht aber gesünder gewesen, hätte man den Rest gleichmäßiger mit einer solchen Surrealität durchdrungen.

                                                    So bleibt Staffel 2 und damit auch "Twin Peaks " in Teilen doch schematisch bis uninspiriert und das ist für so ein visionäres Projekt schon ein hartes Urteil. Aber nur dieses eine Urteil, sehr viel anderes spricht für die Serie: Konzept, Schauspiel, Atmosphäre, Wiedererkennungswert und vor allem diese Mischung, dieses Stück Lynch, das zwar nicht alles, aber jede Menge ist.

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