Jetzt kann ich es festlegen: Ich halte ihn für einen Künstler, deren Werke einer genauen Betrachtung mehr als würdig sind, über die man ganze Dissertationen schreiben könnte. Einfach ausgedrückt: Der denkt sich was bei dem, was er tut.
Das Lynch’sche Motivrepertoire wird auch in „Lost Highway“ wieder voll ausgeschöpft: Janusköpfige Figuren, Referenzen an Film Noir und das Gesamtkunstwerk Kalifornien, scheinbar episodische Strukturen, der langsam eindringende Surrealismus. Die Kameras schleichen an Wänden entlang wie in „Mulholland Drive“, das Drehbuch behandelt das Thema Sexualität so komplex wie in „Eraserhead“.
Das Erfreulichste an ihm ist die enge Anbindung seiner Kunst an die Gegenwart. Lynch nutzt die Bilder unserer Generationen: Kamera, Schlüsselbund, Auto, Telefon, den Highway. Die inhaltliche Aufladung von Objekten beherrscht Lynch meisterhaft.
Immer sind es mystische Gestalten, die den Schlüssel zum vorliegenden Werk darstellen, da wir sie, bewusst ihrer Menschlichkeit beraubt, einfacher als Allegorie definieren können: Schuld/Sühne, Mord/Selbstmord, Schicksal/Zufall… In „Eraserhead“ hatten wir die singende Frau, in „Mulholland Drive“ den Cowboy und den Mann hinter Winkie’s, hier ist es der von Robert Blake dargestellte namenlose Mann, der „Hehler“, der „Freund von Dick Laurent“, der Anrufer. Der mit der Kamera drauf hält, wenn die Menschen fallen, und damit gleichermaßen als Protokollant und Spiegel arbeitet. Robert Blake spielt den Satan aus dem Buch Hiob, der Gott beweisen will, dass der Mensch schlecht ist. Und wer ist Dick Laurent wirklich? „Dick Laurent ist tot“, das erinnerte mich sofort an die berühmte Phrase eines noch berühmteren Philosophen. Und wie ist Alice/Renee zu sehen? Die Muse für Freds dunklen Triebe oder das Göttliche, das Unerreichbare, Auslöser für Freds Hamartia?
Wenn „Mulholland Drive“ vom Triumph des Schicksals erzählt hat, erzählt „Lost Highway“ dann vom "Tod" des Schicksals, was einen Kollaps des Lebens zur Folge hat? Und wenn „Eraserhead“ ebendiesen Kollaps so elegisch zu Grabe getragen hat, wieso wird er dann in „Lost Highway“ so ekstatisch zelebriert, dass die Fahrt in die Hölle eine mit Rockmusik und gleißendem Licht gefüllte Sündenorgie ist? Und…? Und…?
Dieser Kommentar ist voller Fragezeichen, genau wie mein Kopf nach „Lost Highway“.
Mein dritter Lynch in diesem Winter. Meine dritte Verbeugung vor ihm.
Stellt euch eine wunderschöne Symphonie vor, aus zarten Streich- und wohligen Blasinstrumenten, von Bach, Vivaldi oder Haydn vielleicht, oder die Sorte Orchestralstück, die zu Beginn von Blockbustern gespielt wird.
Und dann stellt euch vor, man spiele das Stück rückwärts ab.
Die Klänge werden zerstückelt. Aus den Streichinstrumenten werden Sägen, aus den Bläsern ein elegisches Durcheinander á la Dark Wave. Das liebliche Stück wird perversiert, etwas Neues entsteht, etwas Dunkles, antimelodiöses und sehr Bedrückendes. Ihr entdeckt eine neue Welt, eine Welt hinter dem Vorhang, entdeckt dass hinter der Bühne eine Spiegelversion ihrer selbst existiert, ein marodes, in feuchten Schatten liegendes Stück Parkett, auf dem eine deformierte Schönheit ein schaurig schönes Lied singt. "In Heaven everything is fine", die Einladung ist verlockend, aber noch seid ihr in dieser Welt gefangen, in dem umgekehrten Lied, im Albtraum.
Willkommen in "Eraserhead", dem sperrigen, anstrengenden Wiegenlied für den Menschen im Angesicht des postmodernen Untergangs.
...und ich muss mir den text noch 1 oder 2 mal durchlesen um die verbindung ganz herzustellen...aber jetzt schon mal ein: Danke :)
Nicht mein Lieblings-Lynch...aber dazu ist er auch gar nicht gemacht denk ich...
Bitte! Sorry falls ich mich im Satzbau wieder vergaloppiert habe. :D Den Vergleich fand ich wegen den beiden sehr ähnlichen Stimmungen... Die unheimliche Unmelodiösität, die versetzten Zeiten, die Gratwanderung zwischen bedrückenden Lärm und einer düsteren Elegie, die sich in ebenjenem Lärm versteckt... Man merkt es bestimmt, der Film hat mich weggefegt. Und wie du sagst, ein Film der eher neugierig-morbide Faszination erzeugt als Liebe.
Oh Andie....dieses Musikwissen hab ich gar nicht (zumindest nicht in diesem Bereich)...lass dich da nicht verunsichern oder so! Ich mag es erstmal so ewig arg wenn das persönliche Herz mit seinen Worten spricht...und das hat es da ja getan :) Und als Gimmick kann weiter über deine Vergleich nachdenken...schön schön!
Als die Opening Credits anrollen und ich Amerikanern mittleren Alters beim Gesellschaftstanz zusehe, habe ich nicht die leiseste Ahnung, was auf mich zukommt. Ich erwarte sogar zunächst ungeduldig den Erstauftritt von Serienkiller Dennis Hopper, aus mangelnder Kenntnis von Lynchs Filmographie (kein Witz). "Mulholland Drive", das weiße Blatt Papier.
Der Name David Lynch ist so sehr mit dem Begriff des Surrealismus verbunden, dass ich natürlich viele auf den ersten Blick unerklärbare Einzelheiten wahrnehme, die Raum für freie künstlerische Deutung lassen. Dennoch glaube ich, dass der Film mehr eine vertrackte Detektivgeschichte ist, mit vielen offenen Enden, aber in seinem Herzen eben doch eine halbwegs verfolgbare Story über Sünde, Tod und Liebe im Sündenpfuhl Hollywood. "Mulholland Drive", der Thriller.
Und dann schnürt Lynch ihn zu, den Strick, den er mir in den vergangenen Minuten vorsichtig um den Hals gelegt hat. Die zweite Hälfte des Films stellt alles auf den Kopf, und ich beginne zu begreifen - oder versuche es zumindest. In meinem Schädel wächst eine Analyse heran, ein Verdacht, obwohl mein Verstand nun heillos überfordert ist. Ich vermute, ich fürchte, ich habe regelrecht Angst, dass Lynch das tut, was ich erwarte. Und er tut es, geht sogar darüber hinaus. Horror ist dann am Schrecklichsten, wenn du eine Handvoll Sekunden vorher schon weißt, dass er passieren wird. "Mulholland Drive", der Film gewordene Alptraum.
Der wahre Horror ist zu diesem Zeitpunkt jedoch noch in den Startlöchern - und sprintet nach vorne, sobald der Film vorbei ist. Dann braue ich mir Interpretationen zusammen, psychoanalytisch größtenteils, und realisiere die Tiefe, die Lynch hinter einer einzigen Kameraeinstellung zu verstecken fähig ist. Schockmomente hin oder her, in den Wirren dieses Films wartet eine schreckliche Wahrheit darauf, entdeckt zu werden. Seit Max Ernst war ich nicht mehr gedanklich so sehr auf ein einzelnes surrealistisches Werk fokussiert. "Mulholland Drive", das perfekte Puzzle.
Moderne Künstler bekommen nicht selten den Vorwurf, dass ihre Werke nicht mehr sind als wahl- und ziellos kreierte Kaleidoskope, in denen nur die Überinterpretierenden einen Sinn finden können. Aber das ist bloß eine Ausrede für die, die nicht gerne Detektiv spielen. Ich hingegen bin gerne der Suchende. Die Geschichte von Betty plus Rita wird mich noch lange beschäftigen.
Eine vollständige Interpretation habe ich nicht gefunden. Dafür aber meinen neuen Lieblingsregisseur. "Mulholland Drive", das Meisterwerk.
(Das folgende Zitat sich bitte in der nur denkbar coolsten Stimme der Radiogeschichte vorstellen)
- „Das war die Partridge Family mit „Doesn’t Somebody Want to be Wanted” gefolgt von Edison Lighthouse mit „Love Grows where my Rosemary Goes”. Und weiter geht’s mit K-Billys Super-Oldie Hitparade der 70er Jahre!”
Was geschah vor diesen Worten?
Acht Leute sitzen in einem Café und unterhalten sich. Die Kamera erfasst nie das Gesamtbild, sondern streift scheinbar wahllos zwischen den Personen umher und lässt uns der Reihe nach einen Blick auf die Figuren erhaschen, die wir in den kommenden 90 Minuten begleiten werden. Sechs der Acht tragen schwarze Anzüge mit dunklen Krawatten, dünner als ein Strohhalm, und so gleich ihre Kleidung ist, so unterschiedlich sind ihre Charaktere. Einer von ihnen wird von Quentin Tarantino höchstpersönlich verkörpert: Mr Brown, der eine herrliche Neuinterpretation eines Madonna-Hits zum Besten gibt. Dass Tarantino in seiner ersten gedrehten Szene auch noch schauspielerisch präsent ist, gleicht einer Demonstration seiner Selbst an das Publikum: In seiner zukünftigen Karriere wird er wie Mr Brown sein – der offensive, ekstatische, perverse Geschichtenerzähler, dem es diebische Freude bereitet, selbst die schwachsinnigsten Stories zu erzählen.
Was geschieht nach diesen Worten?
Tarantino liefert ein Intro ab, vor dem ich mich niederknien möchte. Wenn zu einem lässigen Song das allererste Mal die Worte „A Film by Quentin Tarantino“ auf der Leinwand erscheinen, weiß man: Da kommt was Großes auf uns zu. Mr White, Mr Pink, Mr Blonde, Jo Cabot, sie alle sind - es darf kein anderes Wort hierfür geben – coole Säue. Der Film legt hier eine herrlich aufrichtige Coolness und Maskulinität zutage, wie sie nur Anfang der 90er erzeugt werden konnte, noch vor der großen Welle der Selbstironie, die das Jahrzehnt mit sich brachte. „Reservoir Dogs“ ist mit Machos und harten Jungs bevölkert, aber es ist den schauspielerischen Leistungen der Darsteller zu verdanken, dass diese Figuren an Tiefe und Glaubwürdigkeit gewinnen. Jedes einzelne Mitglied des Casts spielt so gut, dass es unsinnig wäre, einen von ihnen hervorzuheben.
.
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- „Hast du mal K-Billys Hitparade der 70er Jahre gehört? Das ist meine Lieblingssendung.“
Was geschah vor diesen Worten?
Der Überfall auf den Diamantenladen, den die sechs Anzugträger begehen sollten, ist fürchterlich schief gelaufen: Einer von ihnen endet mit einer Kugel im Kopf, einer mit einer Kugel im Bauch, einer geht nebenbei mal verloren. Wie das passieren konnte? Wir erfahren es nur häppchenweise aus den Mündern der Überlebenden. Das Konzept, das auslösende Ereignis im Film nie zu zeigen: Aus finanzieller Sicht clever, aus drehbuchtechnischer Sicht brillant. Was zum Teufel ist da passiert? Und wer ist der Verräter? Diese beiden Fragen dominieren das Kammerstück, das wir hier präsentiert bekommen. Mr White und Mr Pink, sich umkreisend wie hungrige Straßenköter, während Mr Orange auf dem Boden liegend langsam und qualvoll verblutet, und Mr Blonde, dessen Einstieg in die Szene pures Dynamit ist. Die moralischen Kontraste zwischen den Figuren werden gesetzt. Mr White, der unvernünftige Moralist; Mr Pink, der Vernünftige ohne Moral; und Mr Blonde, der auf Vernunft und Moral gleichermaßen pfeift. Diese ersten zwei Akte des Films sind in Hochspannung getränkt und nach wie vor das Großartigste, was Tarantino in seinem bisherigen Schaffen auf die Leinwand gezaubert hat.
Was geschieht nach diesen Worten?
5 Minuten, in denen Tarantino einiges über sich klarstellt: Er liebt es, in seinen Filmen literweise Blut fließen zu lassen, aber was er noch mehr liebt als orgiastische Gewalt, ist das Zitieren von Film- und Popkultur. Und das Wichtigste: Er mag in seiner kommenden Karriere als Regisseur ab und zu qualitative Ausrutscher erleiden und die Grenze zwischen gutem und schlechtem Trash des Öfteren überschreiten, aber in der Kreierung von Kultszenen wird er in den nächsten zwei Jahrzehnten ungeschlagen bleiben. Der Mann weiß, wie man spezielle Momente des Films so außergewöhnlich inszenieren muss, dass sie sich ins Gedächtnis des Zuschauers brennen, das gilt nicht erst seit Samuel L. Jacksons BigKahuna-Burger, sondern bereits seit dem Anblick der massigen Gestalt Michael Madsens, der gefühlvoll zu „Stuck in the Middle with You“ die Hüften schwingt.
.
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- „Ich bin ein Bulle... Es tut mir leid.“
Was geschah vor diesen Worten?
Der dicke, unförmige Knoten aus Information und Unwissenheit, der uns nach der ersten Szene ins Gesicht schlagen wurde, wird nun langsam aufgelöst. Wir erfahren die Hintergründe des Verräters, die Vorbereitungen der sechs Ganoven auf die Stunde Null, und erleben, wie der Verräter seine vermeintlichen Verbündeten um die Finger wickelt. Hier treffen wir sie wieder, die Fähigkeit des Mr Tarantino, selbst Nichtigkeiten mit größter Leidenschaft zu erzählen. Die alleinstehenden Rückblicke und Einzelszenen, die wir nun geboten bekommen, offenbaren nicht immer ihren Sinn, aber es ist dem Talent des Regisseurs zu verdanken, dass wir selbst bei dem gefühlten zwanzigsten Rückblick am Ball bleiben.
Was geschieht nach diesen Worten?
Die moralischen Differenzen zwischen den Figuren hat zur klassischen, fast absurden Katastrophe geführt, und als der Abspann anrollt, fühlen wir uns wie nach einem Shakespeare-Stück: „Die Tragödie ist eine Geschichte, die mangels lebender Charaktere endet.“, so viel sei gesagt, der Bodycount des Finales wird selbst für Tarantino überraschend hoch sein. Die weitaus größere Überraschung ist aber die Emotionalität, die in diesen letzten Minuten erreicht wird; dank den beiden betreffenden Schauspielern so gelungen, dass selbst eine gewisse Romantik nicht abgestritten werden kann. Denn das ist der Grund, warum „Reservoir Dogs“ in meinen Augen die volle Punktzahl verdient hat. Der Film bleibt nicht (nur) ein reines Feuerwerk aus Coolness und Style wie „Pulp Fiction“ und seine circa 1000 Kopien, sondern er hat tatsächlich ein Herz – ein so großes wie es keine Kreation aus Tarantinos Feder jemals wieder haben sollte.
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Was bleibt noch zu sagen?
Ja, der Film ist in etwa so verschachtelt wie dieser Kommentar. Ja, er ist ein Inferno von einem Film, in dem die Hunde nicht nur bellen, sondern auch beißen. Ja, er ist der unleugbare Beweis für das Genie, das irgendwo in Tarantinos Schädel steckt. Und ja, er ist nach wie vor der beste Film des Quentin Tarantino, unerreicht in moralischer und emotionaler Tiefe. Und ja, er ist mein Lieblingsfilm.
Im wie üblich inszenierten Heist-Movie
führen die üblichen Good Guys
gegen den üblichen Bad Guy
den üblichen großen Coup aus,
überwinden auf dem Weg dorthin die üblichen Hindernisse,
(wobei alle Logiklöcher von den üblichen technischen Tricks gestopft werden)
und klappern die üblichen Stationen der Vorbereitung ab, inklusive der obligatorischen „Nee ich mach da nicht mit – Okay, jetzt doch“-Rekrutierung.
Und am Ende wird der übliche schlaue Twist serviert.
„The Italian Job“ riecht streng nach „Ocean’s Eleven“ – genauer, nach dessen zweitem Sequel „Ocean’s Thirteen“: Beides Filme, die versuchen, die Banalität ihrer Handlung (und Existenz an sich) mit 1. Einer locker-leichten Präsentation und 2. Einem müde inszenierten Racheplot zu überspielen. In beiden Fällen klappt’s nicht so recht.
Im italienischen Job ist immerhin die Truppe der gutherzigen Robin Hoods kleiner gehalten: Mos Def und Seth Green als Comic Reliefs, Donald Sutherland darf mal wieder den weisen Grandpa zum Besten geben und Jason Statham brilliert als Jason Statham. Charlize Theron und Mark Wahlberg agieren beide mit der Mimik eines Laufstegmodels und der Intensität einer Schaufensterpuppe. Selbst Edward Norton (der aus Vertragspflicht in diesem Film gelandet ist) bleibt erschreckend lasch. Sehr schade, kennt man doch von allen Genannten so viel Besseres.
„The Italian Job“ ist nicht mal schlecht. Sondern irgendwo unnötig, selbst wenn er kein Remake wäre. Ein aalglatter Snack für zwischendurch, ohne Ecken, Kanten, Flächen, Akzente, Aussage oder im Gedächtnis bleibenden Momenten.
Den halben Punkt drauf gibt es wegen lovely Seth Green und den drei feschen Mini-Coopern.
Seine Leistung in "The Assassination of..." war beachtlich, und seine Einstellung zur Boulevardpresse ist auch sehr sympathisch, also: nur rein mit ihm.
Tolle Serie und wunderbarer Konzept- und Stilcocktail. Dass eine Serie von gerade mal 14 Folgen so viele Fans hat, sagt viel über die Qualität besagter Serie aus.
Bespickt mit allen Zutaten des modernen Indie-Drogenfilms - seien es die tarantinoesken Figuren, die an Videoclips orientierte Schnittechnik oder die Spannungsarmut des eigentlichen Plots -, deklassiert "Spun" seine Genrekollegen gnadenlos, indem er uns die Realität des Junkielebens ins Gesicht drückt. Und zwar diesmal im Extended Cut, unzensiert, ohne auch nur einmal wegzusehen. Die Ekstase auf den Gesichtern der Junkies wird ebenso eingefangen wie eigen-(und unfrei-)willige Sexpraktiken.
Dass dieses stakkatische Hin und Her aus Licht und Schatten, surreal-vollkommenem Glück und schmutziger Wirklichkeit so gut funktioniert, liegt vor allem an den durch die Bank weg grandiosen Darstellern. Allen voran Brittany Murphy, die mir hier wieder mal bewusst macht, dass ich ihr Gesicht auf der Leinwand immer mehr vermisse. Wenn Murphys Figur Nikki mit strahlendem Lächeln ihren Rausch genießt, toppt das in seiner Intensität sogar "Requiem for a Dream".
Abgefuckter, rotziger, und vor allem: ehrlicher als viele Filme dieser Art. Für andere Werke ist der Drogenrausch ein Stilmittel, dieser Film jedoch wird selber zum 100-minütigen Rausch.
Kindliche Liebe, Bruderliebe, Jugendliebe, unerwiderte Liebe, die Liebe zur Gewalt, die Liebe zu Drogen. Treue Freunde, Verräter, Fehden, Rache. Sex, Vergewaltigung, Raub, Blutbäder.
All diese Motive, die wir sonst aus Mafiadramen kennen, werden uns hier in der Cidade de Deus auf beeindruckende Weise vorgeführt.
"City of God" beginnt rasant: Eine Horde von minderjährigen Kriminellen jagt frenetisch einem Huhn hinterher, das soeben dem Schlachtermesser entkommen ist. Schließlich kesseln sie es auf offener Straße ein. Zwischen Jägern und Gejagtem eingeklammert: Der Junge Buscapé, die einzige gute Seele in der Stadt Gottes und unser Führer in diesem furiosen Epos.
Das Tempo der ersten Sequenz drosselt der Film danach nur noch minimal. Zu viel hat Regisseur Mereilles in den nachfolgenden 2 Stunden zu erzählen. Zu viele Figuren bevölkern seine Geschichte, alle einzigartig in ihrem Weg durch den Plot und alle mit großer Authentizität gespielt. Es ist fast erschreckend, wie der Film "mal so nebenbei" in einem kurzen Nebenplot von einem Einzelschicksal erzählt, das genügend Stoff für einen eigenständigen Film bieten würde.
Drei Jahrzehnte dürfen wir erleben, die stilistisch nicht unterschiedlicher sein könnten: Die 60er Jahre mit einer romantisierten Westernballade, danach die 70er, wie man sich die 70er eben vorstellt: Bunte Shirts, blauer Himmel, Abhängen mit Freunden am Strand, "Kung Fu Fighting" in der Disko. Ein abrupter Schnitt führt uns in die 80er in kühlem Blaustich, und ab da geht es bergab. "City of God" endet so gnadenlos und impulsiv wie die Jagd auf das Huhn im Intro.
"City of God" ist mein Lieblingsfilm, einer, der mich überwältigt zurückgelassen hat.
Ist ein beispielloser Cocktail aus verschiedensten Themen, Konflikten und Gefühlen.
Ist keine fingerzeigende Milieustudie á la "Seht nur, wie schlecht es denen dort geht! Die armen Kinder!", sondern ein modernes Antimärchen, mal dunkel und depriminierend, mal mit lebensbejahendem Enthusiasmus.
Ein Film, der nicht nur die dramatischen Verratsakte aus den Pate-Filmen, nicht nur die tragischen Einzelschicksale der Scorsese-Gangsterdramen, nicht nur die stilistische Perfektion der Ritchie-Filme, nicht nur die unvergesslichen Figuren aus Tarantinos Feder hat. Sondern ein Mix all dessen ist.
"City of God" hat einfach alles. Und ist deshalb der einzige Film, bei dem ich es wage, das Prädikat "Perfekt" zu verleihen.
Skandalfilme bewerten ist nicht leicht. Gerade "Baise-moi" ist einer dieser Werke, die nach dem "Love it or hate it"-Schema rezensiert werden; das zeigen die meisten Kommentare hier. Auch ich bin mir unsicher. Was soll ich jetzt eintragen, 0 oder 10 Punkte? Ist der Film jetzt verzweifelt nach Skandal heischender Rotz oder nihilistische Milieustudie?
Gewissermaßen beides. Ich traue dem Film zu, dass in der dilettantischen Inszenierung, den grottigen Darstellern und der an Billigporno erinnernden Optik Kalkül liegt. Ob das jetzt als Kunst durchgeht, muss halt jeder für sich entscheiden.
Die vor Skandaleifer triefende Story zeigt uns zwei abgefuckte Gestalten in irgendeiner französischen Stadt. Ihr Leben besteht aus Sex, Drogen, Misshandlungen, Vergewaltigungen: die üblichen Verdächtigen. Manu und Nadine, beide Prostituierte, müssen eine Menge durchmachen, bis sie zwei zeitlich simultane, unverschuldete (?) Morde aus ihrem Drecksloch von Leben reißen und sie zueinander finden. "Thelma & Louise" in der 2000er-Ära. Die Frauen begehen einen Ausbruchsversuch aus der sie zerstörenden Gesellschaft, indem sie zur Waffe greifen und einen nicht enden wollenden Racheakt beginnen. Mach kaputt, was dich kaputt macht.
Hauptziel von Manu und Nadine sind Männer, die bösen Wesen, die für ihr schlimmes Leben verantwortlich sind. Bei ihren Morden werden sie immer wahlloser, haben erst Sex mit ihnen, töten anschließend auf brutalste Weise. 50% des Filmdialogs sind obszöne Beschimpfungen, mit denen die Frauen ihre Opfer erniedrigen. Dabei werden sie selbst zu immer maskulineren Figuren. Irgendwann ist die Wandlung abgeschlossen, und sie haben komplett den Charakter ihrer früheren Misshandler adaptiert.
Ab einem gewissen Punkt dreht sich der Film im Kreis. Sex, Mord, Sex, Mord, Sex, Mord. Selten blitzen Momente auf, in denen die Beziehung der beiden Frauen vertieft wird. In diesen Dialogen kommen jedoch einmal mehr die Schwächen des Films hervor, die schlechten Darstellerleistungen und die verkorkste Regie, von einem Drehbuch darf man kaum sprechen (auch weil viel Text in "Baise-moi" improvisiert ist). Es bleibt dabei: Mehr zu bieten als den erwähnten Rausch der Aggressionen hat der Film leider nicht. Manu und Nadine bleiben Zweckmittel.
Was genau macht jetzt den Film sehenswert?
Mich hat dieser impulsiv-pubertäre Mix aus Obszonität und Gewaltfantasien fasziniert. "Baise-moi" zieht seinen Fatalismus knallhart durch. Nicht dieser selbstkritische Pessimismus der Bush-Ära, sondern essentieller. Gewaltsehnsüchte und Destruktivität in ihrer reinsten Form.
Wenn man "Baise-moi" also schon nicht wegen seiner (fragwürdigen) Qualität für sehenwert hält, dann jedoch als Zeitdokument. Als Produkt der 21st-Century-Filmära, in der Tabus endgültig keinen Platz mehr finden.
Übrigens: Der Film hat mit Porno nun echt nix zu tun. Wer in dem Hin und Her zwischen Swingersex und anal eingeführten Pistolenkugeln, sowie eregierten Penissen und abgebissenen Penissen (!) so was wie Erotik findet, muss schon einen sehr krassen Fetisch haben.
"Flüstern des Meeres" ist einer der Ghibli-Filme, über die man weniger hört. Der englische Name "Ocean Waves" gibt uns im Grunde die perfekte Beschreibung für den Film, denn müsste ich die gerade gesehenen 70 Minuten auf ein Verb reduzieren, wäre es: dahinplätschern.
Die Plotstruktur ist nach den Schablonen für Coming-of-Age-Schülerdramen gezeichnet und traut sich leider an keinem Punkt, die Grenzen des Konventionellen zu übertreten. Das Problem haben viele Genrekollegen, aber gerade wenn man bedenkt aus welchem Studio dieses Filmchen kommt hätte man mehr erwarten können als "ganz nett". Unter Zuhilfename vieler Zeitsprünge begleiten wir die drei Hauptfiguren (Everyguy, Nerd, "die Neue") in ihren zwei finalen Schuljahren und sehen zu, wie sie im üblichen Dreieck der (un-)erwiderten Liebe zirkulieren. Derweil macht die Spannungskurve einen unschönen Zickzackkurs.
Sobald man jedoch seine Erwartungen hinsichtlich der Story herunterschraubt (passierte bei mir nach dem dahinkriechenden Ende des 1. Akts), kann man sich tief in die Couch zurücklehnen und den Film genießen. Denn, und das kann ich "Ocean Waves" nicht absprechen, der Stil ist auf seine japanische Art sehr schön. Sowohl das Städtchen am Meer als auch Tokio sind wunderbar gezeichnet, weich und kontrastfrei. Die Figuren ebenso. Eye Candy ganz ohne Explosionen.
Also: Auch wenn der Film aufgrund des nicht vorhandenen Ghibli'schen Fantasie-Overkills wohl in einer Collection Box ziemlich aus der Reihe tanzen dürfte, einen Blick riskieren ist nicht falsch. Denn "Ocean Waves" bietet in der Tat den selben Effekt wie das Betrachten des Meeres: Viel Abwechslung darf man nicht erwarten, aber der Anblick hat doch etwas Schönes, Beruhigendes. (Und wer starrt schon nicht gerne mal gedankenverloren ins Meer, einfach so.)
Was gibt man einem Film, der nicht allzu viel mehr zu bieten hat als ein rekordverdächtig ekelhaftes Szenario, aber diese Widerwärtigkeit brillant zu inszenieren weiß? Und das - wie schön - ohne die Splattergeilheit bestimmter Genrekollegen.
Trotzdem, "The Human Centipede" ist absolute Geschmackssache. Lobend wären da noch die Leistung von Hauptdarsteller Dieter Laser (creepy Doctor) und die ganz nette Multilingualität, die ordentlich Atmosphäre schafft. Hauptattribut des Films bleibt aber das Konzept: Drei Menschen, an After und Mund zu einem Wesen zusammengenäht, das sich anschließend wimmernd durch den zunehmend abflachenden Plot schleppt. Das Ende ließ mich dann mit einem Gefühl jenseits von gut und böse zurück. Hunger bekam ich zumindest den Rest des Tages nicht mehr...
Diesen albtraumhaften Mix aus Ass-to-mouth und "Iiiiih, Skalpelle! Operationen! Fiese Ärzte!" kann man sich durchaus mal genehmigen. Wenn nicht wegen einem ausgeprägten Gore-Fetisch, dann zumindest als cineastisches Erlebnis, denn das ist der Film allemal. Ekel ist das neue Horror.
Deine Kommentare
__Andie
Kommentare 2012/02/28 08:57:18
Blair Witch. Selten hatte ich vor einer Ecke mehr Angst.
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__Andie
über Lost Highway 2012/01/08 00:24:11
Mein dritter Lynch in diesem Winter.
Jetzt kann ich es festlegen: Ich halte ihn für einen Künstler, deren Werke einer genauen Betrachtung mehr als würdig sind, über die man ganze Dissertationen schreiben könnte. Einfach ausgedrückt: Der denkt sich was bei dem, was er tut.
Das Lynch’sche Motivrepertoire wird auch in „Lost Highway“ wieder voll ausgeschöpft: Janusköpfige Figuren, Referenzen an Film Noir und das Gesamtkunstwerk Kalifornien, scheinbar episodische Strukturen, der langsam eindringende Surrealismus. Die Kameras schleichen an Wänden entlang wie in „Mulholland Drive“, das Drehbuch behandelt das Thema Sexualität so komplex wie in „Eraserhead“.
Das Erfreulichste an ihm ist die enge Anbindung seiner Kunst an die Gegenwart. Lynch nutzt die Bilder unserer Generationen: Kamera, Schlüsselbund, Auto, Telefon, den Highway. Die inhaltliche Aufladung von Objekten beherrscht Lynch meisterhaft.
Immer sind es mystische Gestalten, die den Schlüssel zum vorliegenden Werk darstellen, da wir sie, bewusst ihrer Menschlichkeit beraubt, einfacher als Allegorie definieren können: Schuld/Sühne, Mord/Selbstmord, Schicksal/Zufall… In „Eraserhead“ hatten wir die singende Frau, in „Mulholland Drive“ den Cowboy und den Mann hinter Winkie’s, hier ist es der von Robert Blake dargestellte namenlose Mann, der „Hehler“, der „Freund von Dick Laurent“, der Anrufer. Der mit der Kamera drauf hält, wenn die Menschen fallen, und damit gleichermaßen als Protokollant und Spiegel arbeitet. Robert Blake spielt den Satan aus dem Buch Hiob, der Gott beweisen will, dass der Mensch schlecht ist. Und wer ist Dick Laurent wirklich? „Dick Laurent ist tot“, das erinnerte mich sofort an die berühmte Phrase eines noch berühmteren Philosophen. Und wie ist Alice/Renee zu sehen? Die Muse für Freds dunklen Triebe oder das Göttliche, das Unerreichbare, Auslöser für Freds Hamartia?
Wenn „Mulholland Drive“ vom Triumph des Schicksals erzählt hat, erzählt „Lost Highway“ dann vom "Tod" des Schicksals, was einen Kollaps des Lebens zur Folge hat? Und wenn „Eraserhead“ ebendiesen Kollaps so elegisch zu Grabe getragen hat, wieso wird er dann in „Lost Highway“ so ekstatisch zelebriert, dass die Fahrt in die Hölle eine mit Rockmusik und gleißendem Licht gefüllte Sündenorgie ist? Und…? Und…?
Dieser Kommentar ist voller Fragezeichen, genau wie mein Kopf nach „Lost Highway“.
Mein dritter Lynch in diesem Winter. Meine dritte Verbeugung vor ihm.
bedenklich? 9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
__Andie
über Eraserhead 2011/12/11 22:36:25
Stellt euch eine wunderschöne Symphonie vor, aus zarten Streich- und wohligen Blasinstrumenten, von Bach, Vivaldi oder Haydn vielleicht, oder die Sorte Orchestralstück, die zu Beginn von Blockbustern gespielt wird.
Und dann stellt euch vor, man spiele das Stück rückwärts ab.
Die Klänge werden zerstückelt. Aus den Streichinstrumenten werden Sägen, aus den Bläsern ein elegisches Durcheinander á la Dark Wave. Das liebliche Stück wird perversiert, etwas Neues entsteht, etwas Dunkles, antimelodiöses und sehr Bedrückendes. Ihr entdeckt eine neue Welt, eine Welt hinter dem Vorhang, entdeckt dass hinter der Bühne eine Spiegelversion ihrer selbst existiert, ein marodes, in feuchten Schatten liegendes Stück Parkett, auf dem eine deformierte Schönheit ein schaurig schönes Lied singt. "In Heaven everything is fine", die Einladung ist verlockend, aber noch seid ihr in dieser Welt gefangen, in dem umgekehrten Lied, im Albtraum.
Willkommen in "Eraserhead", dem sperrigen, anstrengenden Wiegenlied für den Menschen im Angesicht des postmodernen Untergangs.
bedenklich? 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 4 Antworten
ElMagico 2011/12/11 22:47:19
Antwort löschen...und ich muss mir den text noch 1 oder 2 mal durchlesen um die verbindung ganz herzustellen...aber jetzt schon mal ein: Danke :)
Nicht mein Lieblings-Lynch...aber dazu ist er auch gar nicht gemacht denk ich...
__Andie 2011/12/11 22:55:12
Antwort löschenBitte! Sorry falls ich mich im Satzbau wieder vergaloppiert habe. :D Den Vergleich fand ich wegen den beiden sehr ähnlichen Stimmungen... Die unheimliche Unmelodiösität, die versetzten Zeiten, die Gratwanderung zwischen bedrückenden Lärm und einer düsteren Elegie, die sich in ebenjenem Lärm versteckt... Man merkt es bestimmt, der Film hat mich weggefegt. Und wie du sagst, ein Film der eher neugierig-morbide Faszination erzeugt als Liebe.
Alle 4 Antworten zeigen
ElMagico 2011/12/11 23:10:45
Antwort löschenOh Andie....dieses Musikwissen hab ich gar nicht (zumindest nicht in diesem Bereich)...lass dich da nicht verunsichern oder so! Ich mag es erstmal so ewig arg wenn das persönliche Herz mit seinen Worten spricht...und das hat es da ja getan :) Und als Gimmick kann weiter über deine Vergleich nachdenken...schön schön!
__Andie 2011/12/12 17:32:27
Antwort löschenDa kann ich nur dankend mein Cap ziehen. :)
__Andie
über Mulholland Drive 2011/12/05 22:30:41
Als die Opening Credits anrollen und ich Amerikanern mittleren Alters beim Gesellschaftstanz zusehe, habe ich nicht die leiseste Ahnung, was auf mich zukommt. Ich erwarte sogar zunächst ungeduldig den Erstauftritt von Serienkiller Dennis Hopper, aus mangelnder Kenntnis von Lynchs Filmographie (kein Witz). "Mulholland Drive", das weiße Blatt Papier.
Der Name David Lynch ist so sehr mit dem Begriff des Surrealismus verbunden, dass ich natürlich viele auf den ersten Blick unerklärbare Einzelheiten wahrnehme, die Raum für freie künstlerische Deutung lassen. Dennoch glaube ich, dass der Film mehr eine vertrackte Detektivgeschichte ist, mit vielen offenen Enden, aber in seinem Herzen eben doch eine halbwegs verfolgbare Story über Sünde, Tod und Liebe im Sündenpfuhl Hollywood. "Mulholland Drive", der Thriller.
Und dann schnürt Lynch ihn zu, den Strick, den er mir in den vergangenen Minuten vorsichtig um den Hals gelegt hat. Die zweite Hälfte des Films stellt alles auf den Kopf, und ich beginne zu begreifen - oder versuche es zumindest. In meinem Schädel wächst eine Analyse heran, ein Verdacht, obwohl mein Verstand nun heillos überfordert ist. Ich vermute, ich fürchte, ich habe regelrecht Angst, dass Lynch das tut, was ich erwarte. Und er tut es, geht sogar darüber hinaus. Horror ist dann am Schrecklichsten, wenn du eine Handvoll Sekunden vorher schon weißt, dass er passieren wird. "Mulholland Drive", der Film gewordene Alptraum.
Der wahre Horror ist zu diesem Zeitpunkt jedoch noch in den Startlöchern - und sprintet nach vorne, sobald der Film vorbei ist. Dann braue ich mir Interpretationen zusammen, psychoanalytisch größtenteils, und realisiere die Tiefe, die Lynch hinter einer einzigen Kameraeinstellung zu verstecken fähig ist. Schockmomente hin oder her, in den Wirren dieses Films wartet eine schreckliche Wahrheit darauf, entdeckt zu werden. Seit Max Ernst war ich nicht mehr gedanklich so sehr auf ein einzelnes surrealistisches Werk fokussiert. "Mulholland Drive", das perfekte Puzzle.
Moderne Künstler bekommen nicht selten den Vorwurf, dass ihre Werke nicht mehr sind als wahl- und ziellos kreierte Kaleidoskope, in denen nur die Überinterpretierenden einen Sinn finden können. Aber das ist bloß eine Ausrede für die, die nicht gerne Detektiv spielen. Ich hingegen bin gerne der Suchende. Die Geschichte von Betty plus Rita wird mich noch lange beschäftigen.
Eine vollständige Interpretation habe ich nicht gefunden. Dafür aber meinen neuen Lieblingsregisseur. "Mulholland Drive", das Meisterwerk.
bedenklich? 11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten
JohnnyKee 2011/12/05 23:26:54
Antwort löschenFantastic!
Alle 3 Antworten zeigen
hoffman587 2011/12/06 12:57:34
Antwort löschenSchöner Kommentar. :)
Lynch ist nunmal der Größte. ;) *?*
__Andie 2011/12/06 20:40:45
Antwort löschenGrazie euch beiden. :D
__Andie
Kommentare 2011/10/21 09:09:47
Der Goldpokal für die bizarrste Fantasie geht aber an den Arzt aus "The Human Centipede".
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__Andie
Kommentare 2011/10/05 10:00:52
T-Rex sofort vorgemerkt, klingt nach episch schlechtem Trash.
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__Andie
über Reservoir Dogs 2011/10/01 17:13:48
(Das folgende Zitat sich bitte in der nur denkbar coolsten Stimme der Radiogeschichte vorstellen)
- „Das war die Partridge Family mit „Doesn’t Somebody Want to be Wanted” gefolgt von Edison Lighthouse mit „Love Grows where my Rosemary Goes”. Und weiter geht’s mit K-Billys Super-Oldie Hitparade der 70er Jahre!”
Was geschah vor diesen Worten?
Acht Leute sitzen in einem Café und unterhalten sich. Die Kamera erfasst nie das Gesamtbild, sondern streift scheinbar wahllos zwischen den Personen umher und lässt uns der Reihe nach einen Blick auf die Figuren erhaschen, die wir in den kommenden 90 Minuten begleiten werden. Sechs der Acht tragen schwarze Anzüge mit dunklen Krawatten, dünner als ein Strohhalm, und so gleich ihre Kleidung ist, so unterschiedlich sind ihre Charaktere. Einer von ihnen wird von Quentin Tarantino höchstpersönlich verkörpert: Mr Brown, der eine herrliche Neuinterpretation eines Madonna-Hits zum Besten gibt. Dass Tarantino in seiner ersten gedrehten Szene auch noch schauspielerisch präsent ist, gleicht einer Demonstration seiner Selbst an das Publikum: In seiner zukünftigen Karriere wird er wie Mr Brown sein – der offensive, ekstatische, perverse Geschichtenerzähler, dem es diebische Freude bereitet, selbst die schwachsinnigsten Stories zu erzählen.
Was geschieht nach diesen Worten?
Tarantino liefert ein Intro ab, vor dem ich mich niederknien möchte. Wenn zu einem lässigen Song das allererste Mal die Worte „A Film by Quentin Tarantino“ auf der Leinwand erscheinen, weiß man: Da kommt was Großes auf uns zu. Mr White, Mr Pink, Mr Blonde, Jo Cabot, sie alle sind - es darf kein anderes Wort hierfür geben – coole Säue. Der Film legt hier eine herrlich aufrichtige Coolness und Maskulinität zutage, wie sie nur Anfang der 90er erzeugt werden konnte, noch vor der großen Welle der Selbstironie, die das Jahrzehnt mit sich brachte. „Reservoir Dogs“ ist mit Machos und harten Jungs bevölkert, aber es ist den schauspielerischen Leistungen der Darsteller zu verdanken, dass diese Figuren an Tiefe und Glaubwürdigkeit gewinnen. Jedes einzelne Mitglied des Casts spielt so gut, dass es unsinnig wäre, einen von ihnen hervorzuheben.
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- „Hast du mal K-Billys Hitparade der 70er Jahre gehört? Das ist meine Lieblingssendung.“
Was geschah vor diesen Worten?
Der Überfall auf den Diamantenladen, den die sechs Anzugträger begehen sollten, ist fürchterlich schief gelaufen: Einer von ihnen endet mit einer Kugel im Kopf, einer mit einer Kugel im Bauch, einer geht nebenbei mal verloren. Wie das passieren konnte? Wir erfahren es nur häppchenweise aus den Mündern der Überlebenden. Das Konzept, das auslösende Ereignis im Film nie zu zeigen: Aus finanzieller Sicht clever, aus drehbuchtechnischer Sicht brillant. Was zum Teufel ist da passiert? Und wer ist der Verräter? Diese beiden Fragen dominieren das Kammerstück, das wir hier präsentiert bekommen. Mr White und Mr Pink, sich umkreisend wie hungrige Straßenköter, während Mr Orange auf dem Boden liegend langsam und qualvoll verblutet, und Mr Blonde, dessen Einstieg in die Szene pures Dynamit ist. Die moralischen Kontraste zwischen den Figuren werden gesetzt. Mr White, der unvernünftige Moralist; Mr Pink, der Vernünftige ohne Moral; und Mr Blonde, der auf Vernunft und Moral gleichermaßen pfeift. Diese ersten zwei Akte des Films sind in Hochspannung getränkt und nach wie vor das Großartigste, was Tarantino in seinem bisherigen Schaffen auf die Leinwand gezaubert hat.
Was geschieht nach diesen Worten?
5 Minuten, in denen Tarantino einiges über sich klarstellt: Er liebt es, in seinen Filmen literweise Blut fließen zu lassen, aber was er noch mehr liebt als orgiastische Gewalt, ist das Zitieren von Film- und Popkultur. Und das Wichtigste: Er mag in seiner kommenden Karriere als Regisseur ab und zu qualitative Ausrutscher erleiden und die Grenze zwischen gutem und schlechtem Trash des Öfteren überschreiten, aber in der Kreierung von Kultszenen wird er in den nächsten zwei Jahrzehnten ungeschlagen bleiben. Der Mann weiß, wie man spezielle Momente des Films so außergewöhnlich inszenieren muss, dass sie sich ins Gedächtnis des Zuschauers brennen, das gilt nicht erst seit Samuel L. Jacksons BigKahuna-Burger, sondern bereits seit dem Anblick der massigen Gestalt Michael Madsens, der gefühlvoll zu „Stuck in the Middle with You“ die Hüften schwingt.
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- „Ich bin ein Bulle... Es tut mir leid.“
Was geschah vor diesen Worten?
Der dicke, unförmige Knoten aus Information und Unwissenheit, der uns nach der ersten Szene ins Gesicht schlagen wurde, wird nun langsam aufgelöst. Wir erfahren die Hintergründe des Verräters, die Vorbereitungen der sechs Ganoven auf die Stunde Null, und erleben, wie der Verräter seine vermeintlichen Verbündeten um die Finger wickelt. Hier treffen wir sie wieder, die Fähigkeit des Mr Tarantino, selbst Nichtigkeiten mit größter Leidenschaft zu erzählen. Die alleinstehenden Rückblicke und Einzelszenen, die wir nun geboten bekommen, offenbaren nicht immer ihren Sinn, aber es ist dem Talent des Regisseurs zu verdanken, dass wir selbst bei dem gefühlten zwanzigsten Rückblick am Ball bleiben.
Was geschieht nach diesen Worten?
Die moralischen Differenzen zwischen den Figuren hat zur klassischen, fast absurden Katastrophe geführt, und als der Abspann anrollt, fühlen wir uns wie nach einem Shakespeare-Stück: „Die Tragödie ist eine Geschichte, die mangels lebender Charaktere endet.“, so viel sei gesagt, der Bodycount des Finales wird selbst für Tarantino überraschend hoch sein. Die weitaus größere Überraschung ist aber die Emotionalität, die in diesen letzten Minuten erreicht wird; dank den beiden betreffenden Schauspielern so gelungen, dass selbst eine gewisse Romantik nicht abgestritten werden kann. Denn das ist der Grund, warum „Reservoir Dogs“ in meinen Augen die volle Punktzahl verdient hat. Der Film bleibt nicht (nur) ein reines Feuerwerk aus Coolness und Style wie „Pulp Fiction“ und seine circa 1000 Kopien, sondern er hat tatsächlich ein Herz – ein so großes wie es keine Kreation aus Tarantinos Feder jemals wieder haben sollte.
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Was bleibt noch zu sagen?
Ja, der Film ist in etwa so verschachtelt wie dieser Kommentar. Ja, er ist ein Inferno von einem Film, in dem die Hunde nicht nur bellen, sondern auch beißen. Ja, er ist der unleugbare Beweis für das Genie, das irgendwo in Tarantinos Schädel steckt. Und ja, er ist nach wie vor der beste Film des Quentin Tarantino, unerreicht in moralischer und emotionaler Tiefe. Und ja, er ist mein Lieblingsfilm.
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Prechtl 2011/10/01 17:50:27
Antwort löschenSuper Kommentar, jetzt hab ich Lust bekommen, mir den Film nochmal zu Gemüte zu führen :)
JohnnyKee 2011/10/01 18:31:05
Antwort löschenICH WILL DEN JETZT SEHEN! ^^
__Andie 2011/10/02 19:23:02
Antwort löschenDann hab ich bei euch beiden ja mein Ziel erreicht :D
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Prechtl 2011/10/07 21:40:22
Antwort löschenJa hast du. Nach der zweiten Sichtung ist der Film glatt 2 Punkte nach oben gerutscht und zu einem neuen Lieblingsfilm geworden :)
__Andie 2011/10/09 18:18:00
Antwort löschensehr schön!:)
__Andie
über The Italian Job - Jagd auf Millionen 2011/08/15 14:33:22
Im wie üblich inszenierten Heist-Movie
führen die üblichen Good Guys
gegen den üblichen Bad Guy
den üblichen großen Coup aus,
überwinden auf dem Weg dorthin die üblichen Hindernisse,
(wobei alle Logiklöcher von den üblichen technischen Tricks gestopft werden)
und klappern die üblichen Stationen der Vorbereitung ab, inklusive der obligatorischen „Nee ich mach da nicht mit – Okay, jetzt doch“-Rekrutierung.
Und am Ende wird der übliche schlaue Twist serviert.
„The Italian Job“ riecht streng nach „Ocean’s Eleven“ – genauer, nach dessen zweitem Sequel „Ocean’s Thirteen“: Beides Filme, die versuchen, die Banalität ihrer Handlung (und Existenz an sich) mit 1. Einer locker-leichten Präsentation und 2. Einem müde inszenierten Racheplot zu überspielen. In beiden Fällen klappt’s nicht so recht.
Im italienischen Job ist immerhin die Truppe der gutherzigen Robin Hoods kleiner gehalten: Mos Def und Seth Green als Comic Reliefs, Donald Sutherland darf mal wieder den weisen Grandpa zum Besten geben und Jason Statham brilliert als Jason Statham. Charlize Theron und Mark Wahlberg agieren beide mit der Mimik eines Laufstegmodels und der Intensität einer Schaufensterpuppe. Selbst Edward Norton (der aus Vertragspflicht in diesem Film gelandet ist) bleibt erschreckend lasch. Sehr schade, kennt man doch von allen Genannten so viel Besseres.
„The Italian Job“ ist nicht mal schlecht. Sondern irgendwo unnötig, selbst wenn er kein Remake wäre. Ein aalglatter Snack für zwischendurch, ohne Ecken, Kanten, Flächen, Akzente, Aussage oder im Gedächtnis bleibenden Momenten.
Den halben Punkt drauf gibt es wegen lovely Seth Green und den drei feschen Mini-Coopern.
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__Andie
Kommentare 2011/08/10 13:58:04
Seine Leistung in "The Assassination of..." war beachtlich, und seine Einstellung zur Boulevardpresse ist auch sehr sympathisch, also: nur rein mit ihm.
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__Andie
Kommentare 2011/07/26 13:09:55
Mit viel persönlichem Bezug, so muss das sein. Herausragend!
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__Andie
Kommentare 2011/07/25 16:31:14
So wie die damals das Darth-Maul-Spinoff geplant hatten? Ha.
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__Andie
Kommentare 2011/07/19 12:11:23
Tolle Serie und wunderbarer Konzept- und Stilcocktail. Dass eine Serie von gerade mal 14 Folgen so viele Fans hat, sagt viel über die Qualität besagter Serie aus.
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__Andie
über Spun 2011/07/16 00:55:30
Bespickt mit allen Zutaten des modernen Indie-Drogenfilms - seien es die tarantinoesken Figuren, die an Videoclips orientierte Schnittechnik oder die Spannungsarmut des eigentlichen Plots -, deklassiert "Spun" seine Genrekollegen gnadenlos, indem er uns die Realität des Junkielebens ins Gesicht drückt. Und zwar diesmal im Extended Cut, unzensiert, ohne auch nur einmal wegzusehen. Die Ekstase auf den Gesichtern der Junkies wird ebenso eingefangen wie eigen-(und unfrei-)willige Sexpraktiken.
Dass dieses stakkatische Hin und Her aus Licht und Schatten, surreal-vollkommenem Glück und schmutziger Wirklichkeit so gut funktioniert, liegt vor allem an den durch die Bank weg grandiosen Darstellern. Allen voran Brittany Murphy, die mir hier wieder mal bewusst macht, dass ich ihr Gesicht auf der Leinwand immer mehr vermisse. Wenn Murphys Figur Nikki mit strahlendem Lächeln ihren Rausch genießt, toppt das in seiner Intensität sogar "Requiem for a Dream".
Abgefuckter, rotziger, und vor allem: ehrlicher als viele Filme dieser Art. Für andere Werke ist der Drogenrausch ein Stilmittel, dieser Film jedoch wird selber zum 100-minütigen Rausch.
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__Andie
über City of God 2011/07/05 22:25:01
Kindliche Liebe, Bruderliebe, Jugendliebe, unerwiderte Liebe, die Liebe zur Gewalt, die Liebe zu Drogen. Treue Freunde, Verräter, Fehden, Rache. Sex, Vergewaltigung, Raub, Blutbäder.
All diese Motive, die wir sonst aus Mafiadramen kennen, werden uns hier in der Cidade de Deus auf beeindruckende Weise vorgeführt.
"City of God" beginnt rasant: Eine Horde von minderjährigen Kriminellen jagt frenetisch einem Huhn hinterher, das soeben dem Schlachtermesser entkommen ist. Schließlich kesseln sie es auf offener Straße ein. Zwischen Jägern und Gejagtem eingeklammert: Der Junge Buscapé, die einzige gute Seele in der Stadt Gottes und unser Führer in diesem furiosen Epos.
Das Tempo der ersten Sequenz drosselt der Film danach nur noch minimal. Zu viel hat Regisseur Mereilles in den nachfolgenden 2 Stunden zu erzählen. Zu viele Figuren bevölkern seine Geschichte, alle einzigartig in ihrem Weg durch den Plot und alle mit großer Authentizität gespielt. Es ist fast erschreckend, wie der Film "mal so nebenbei" in einem kurzen Nebenplot von einem Einzelschicksal erzählt, das genügend Stoff für einen eigenständigen Film bieten würde.
Drei Jahrzehnte dürfen wir erleben, die stilistisch nicht unterschiedlicher sein könnten: Die 60er Jahre mit einer romantisierten Westernballade, danach die 70er, wie man sich die 70er eben vorstellt: Bunte Shirts, blauer Himmel, Abhängen mit Freunden am Strand, "Kung Fu Fighting" in der Disko. Ein abrupter Schnitt führt uns in die 80er in kühlem Blaustich, und ab da geht es bergab. "City of God" endet so gnadenlos und impulsiv wie die Jagd auf das Huhn im Intro.
"City of God" ist mein Lieblingsfilm, einer, der mich überwältigt zurückgelassen hat.
Ist ein beispielloser Cocktail aus verschiedensten Themen, Konflikten und Gefühlen.
Ist keine fingerzeigende Milieustudie á la "Seht nur, wie schlecht es denen dort geht! Die armen Kinder!", sondern ein modernes Antimärchen, mal dunkel und depriminierend, mal mit lebensbejahendem Enthusiasmus.
Ein Film, der nicht nur die dramatischen Verratsakte aus den Pate-Filmen, nicht nur die tragischen Einzelschicksale der Scorsese-Gangsterdramen, nicht nur die stilistische Perfektion der Ritchie-Filme, nicht nur die unvergesslichen Figuren aus Tarantinos Feder hat. Sondern ein Mix all dessen ist.
"City of God" hat einfach alles. Und ist deshalb der einzige Film, bei dem ich es wage, das Prädikat "Perfekt" zu verleihen.
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Shorty06 2011/07/06 08:07:24
Antwort löschenwunderbar geschrieben :)
__Andie 2011/07/06 18:39:22
Antwort löschendanke:)
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Jack_Torrance 2011/07/08 10:22:33
Antwort löschenToller Kommentar !
__Andie 2011/07/14 22:57:00
Antwort löschenman dankt :D
__Andie
Kommentare 2011/06/27 14:43:10
Wird sowieso gut, ich vertraue den Coens.
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__Andie
über Baise Moi - Fick mich! 2011/06/12 23:14:30
Skandalfilme bewerten ist nicht leicht. Gerade "Baise-moi" ist einer dieser Werke, die nach dem "Love it or hate it"-Schema rezensiert werden; das zeigen die meisten Kommentare hier. Auch ich bin mir unsicher. Was soll ich jetzt eintragen, 0 oder 10 Punkte? Ist der Film jetzt verzweifelt nach Skandal heischender Rotz oder nihilistische Milieustudie?
Gewissermaßen beides. Ich traue dem Film zu, dass in der dilettantischen Inszenierung, den grottigen Darstellern und der an Billigporno erinnernden Optik Kalkül liegt. Ob das jetzt als Kunst durchgeht, muss halt jeder für sich entscheiden.
Die vor Skandaleifer triefende Story zeigt uns zwei abgefuckte Gestalten in irgendeiner französischen Stadt. Ihr Leben besteht aus Sex, Drogen, Misshandlungen, Vergewaltigungen: die üblichen Verdächtigen. Manu und Nadine, beide Prostituierte, müssen eine Menge durchmachen, bis sie zwei zeitlich simultane, unverschuldete (?) Morde aus ihrem Drecksloch von Leben reißen und sie zueinander finden. "Thelma & Louise" in der 2000er-Ära. Die Frauen begehen einen Ausbruchsversuch aus der sie zerstörenden Gesellschaft, indem sie zur Waffe greifen und einen nicht enden wollenden Racheakt beginnen. Mach kaputt, was dich kaputt macht.
Hauptziel von Manu und Nadine sind Männer, die bösen Wesen, die für ihr schlimmes Leben verantwortlich sind. Bei ihren Morden werden sie immer wahlloser, haben erst Sex mit ihnen, töten anschließend auf brutalste Weise. 50% des Filmdialogs sind obszöne Beschimpfungen, mit denen die Frauen ihre Opfer erniedrigen. Dabei werden sie selbst zu immer maskulineren Figuren. Irgendwann ist die Wandlung abgeschlossen, und sie haben komplett den Charakter ihrer früheren Misshandler adaptiert.
Ab einem gewissen Punkt dreht sich der Film im Kreis. Sex, Mord, Sex, Mord, Sex, Mord. Selten blitzen Momente auf, in denen die Beziehung der beiden Frauen vertieft wird. In diesen Dialogen kommen jedoch einmal mehr die Schwächen des Films hervor, die schlechten Darstellerleistungen und die verkorkste Regie, von einem Drehbuch darf man kaum sprechen (auch weil viel Text in "Baise-moi" improvisiert ist). Es bleibt dabei: Mehr zu bieten als den erwähnten Rausch der Aggressionen hat der Film leider nicht. Manu und Nadine bleiben Zweckmittel.
Was genau macht jetzt den Film sehenswert?
Mich hat dieser impulsiv-pubertäre Mix aus Obszonität und Gewaltfantasien fasziniert. "Baise-moi" zieht seinen Fatalismus knallhart durch. Nicht dieser selbstkritische Pessimismus der Bush-Ära, sondern essentieller. Gewaltsehnsüchte und Destruktivität in ihrer reinsten Form.
Wenn man "Baise-moi" also schon nicht wegen seiner (fragwürdigen) Qualität für sehenwert hält, dann jedoch als Zeitdokument. Als Produkt der 21st-Century-Filmära, in der Tabus endgültig keinen Platz mehr finden.
Übrigens: Der Film hat mit Porno nun echt nix zu tun. Wer in dem Hin und Her zwischen Swingersex und anal eingeführten Pistolenkugeln, sowie eregierten Penissen und abgebissenen Penissen (!) so was wie Erotik findet, muss schon einen sehr krassen Fetisch haben.
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Mr.Film 2011/06/17 19:45:12
Antwort löschenArgh, ich les ihn jetzt erst, schön geschrieben :)
__Andie 2011/06/18 00:15:13
Antwort löschenDanke :D ist definitiv einen Blick wert.
__Andie
über Flüstern des Meeres - Ocean Waves 2011/06/12 00:22:23
"Flüstern des Meeres" ist einer der Ghibli-Filme, über die man weniger hört. Der englische Name "Ocean Waves" gibt uns im Grunde die perfekte Beschreibung für den Film, denn müsste ich die gerade gesehenen 70 Minuten auf ein Verb reduzieren, wäre es: dahinplätschern.
Die Plotstruktur ist nach den Schablonen für Coming-of-Age-Schülerdramen gezeichnet und traut sich leider an keinem Punkt, die Grenzen des Konventionellen zu übertreten. Das Problem haben viele Genrekollegen, aber gerade wenn man bedenkt aus welchem Studio dieses Filmchen kommt hätte man mehr erwarten können als "ganz nett". Unter Zuhilfename vieler Zeitsprünge begleiten wir die drei Hauptfiguren (Everyguy, Nerd, "die Neue") in ihren zwei finalen Schuljahren und sehen zu, wie sie im üblichen Dreieck der (un-)erwiderten Liebe zirkulieren. Derweil macht die Spannungskurve einen unschönen Zickzackkurs.
Sobald man jedoch seine Erwartungen hinsichtlich der Story herunterschraubt (passierte bei mir nach dem dahinkriechenden Ende des 1. Akts), kann man sich tief in die Couch zurücklehnen und den Film genießen. Denn, und das kann ich "Ocean Waves" nicht absprechen, der Stil ist auf seine japanische Art sehr schön. Sowohl das Städtchen am Meer als auch Tokio sind wunderbar gezeichnet, weich und kontrastfrei. Die Figuren ebenso. Eye Candy ganz ohne Explosionen.
Also: Auch wenn der Film aufgrund des nicht vorhandenen Ghibli'schen Fantasie-Overkills wohl in einer Collection Box ziemlich aus der Reihe tanzen dürfte, einen Blick riskieren ist nicht falsch. Denn "Ocean Waves" bietet in der Tat den selben Effekt wie das Betrachten des Meeres: Viel Abwechslung darf man nicht erwarten, aber der Anblick hat doch etwas Schönes, Beruhigendes. (Und wer starrt schon nicht gerne mal gedankenverloren ins Meer, einfach so.)
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__Andie
Kommentare 2011/05/27 13:50:33
Großartiger Film und seiner Zeit weit voraus.
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__Andie
Kommentare 2011/05/18 16:19:04
Völlig unnötiger Reboot #185216756129.
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__Andie
über Human Centipede - Der menschliche Tausendfüssler 2011/05/10 22:42:38
Was gibt man einem Film, der nicht allzu viel mehr zu bieten hat als ein rekordverdächtig ekelhaftes Szenario, aber diese Widerwärtigkeit brillant zu inszenieren weiß? Und das - wie schön - ohne die Splattergeilheit bestimmter Genrekollegen.
Trotzdem, "The Human Centipede" ist absolute Geschmackssache. Lobend wären da noch die Leistung von Hauptdarsteller Dieter Laser (creepy Doctor) und die ganz nette Multilingualität, die ordentlich Atmosphäre schafft. Hauptattribut des Films bleibt aber das Konzept: Drei Menschen, an After und Mund zu einem Wesen zusammengenäht, das sich anschließend wimmernd durch den zunehmend abflachenden Plot schleppt. Das Ende ließ mich dann mit einem Gefühl jenseits von gut und böse zurück. Hunger bekam ich zumindest den Rest des Tages nicht mehr...
Diesen albtraumhaften Mix aus Ass-to-mouth und "Iiiiih, Skalpelle! Operationen! Fiese Ärzte!" kann man sich durchaus mal genehmigen. Wenn nicht wegen einem ausgeprägten Gore-Fetisch, dann zumindest als cineastisches Erlebnis, denn das ist der Film allemal. Ekel ist das neue Horror.
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LokisSon 2011/06/09 00:43:09
Antwort löschenSchöner Kommentar! :-)
__Andie 2011/06/12 00:47:50
Antwort löschenbesten dank :D