Batzman - Batzmans Kommentare zu Filmen

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Men in Black 3

5.5Geht so

Es ist nicht so, dass MIB3 wirklich schlecht wäre. Er ist nur einfach nicht besonders gut, dafür dass er nach so langer Zeit ein Franchise zurückholt, dass wir ehrlich gesagt nicht sonderlich vermisst haben. Im wesentlichen verlässt er sich darauf die alten Gags (Wurmwesen, Promis als Aliens, Blitzdingsbumse) zu recyceln, lediglich eine gewisse zynische Härte, der gestiegene Brutalitätsgrad und der Hang zu Sentimentalitäten deuten an, dass wir uns nicht mehr in den frühen Noughties befinden.

Herausragend ist natürlich die Performance von Josh Brolin, der Tommy Lee Jones "K" brilliant channelt und ihm dennoch ein paar neue Facetten abgewinnt. Will Smith ist... nunja Will Smith, der sich wieder auf seine Motormouth-Performance früherer Jahre besinnt, damit aber auch mit dazu beiträgt, dass der Film reichlich angestaubt daherkommt. Versuchten die letzten Einträge in den Scream- und Die Hard-Franchise zumindest irgendwie anzuerkennen, dass seit der letzten Folge verdammt viel Zeit vergangen ist und das in irgendeiner Form zu thematisieren und mit dem Alter der Figuren zu spielen, wirkt es bei MIB3 als habe Sonnenfeld lediglich ein Script wiedergefunden, dass seit 2004 irgendwo in der Schublade lag.

Originellstes Element und wahrscheinlich der stärkste Bösewicht der bisherigen Serie ist Boris the Animal, der vom Design und seiner Präsenz durchaus überzeugen kann. Leider ist der ganze Zeitreisestory in dem er steckt so holperig und unelegant, dass ich mich abwechselnd über die verschenkten Möglichkeiten und die selbst im Serien-Kontext überdimensionalen Plotlöcher ärgerte.

Austin Powers und Back to the Future haben gezeigt wie gut Zeitreisen in einer Komödie funktionieren und welche Möglichkeiten sie bieten, doch abgesehen von den Retro-Aliens die in der MIB-Zentrale herumrennen (ein Gag der in Joe Dantes Looney Tunes: Back in Action auch schon vorkam) und einer halbherzigen Rassismus-Szene ist die Zeitreise im wesentlichen verschenkt. Brolin ist toll aber man amüsiert sich eher über seine TLJ-Imitation, als darüber was tatsächlich passiert. Denn sobald man anfängt auch nur oberflächlich über die eigentliche Handlung nachzudenken, fällt auf wie nachlässig sie konstruiert ist und wie doof das ganze im Grunde ist.

Dass Sonnenfeld krampfhast versucht diesen 90er Jahre Figuren der MIB, die alleine auf Coolness und Gags gebürstet sind plötzlich emotionale Tiefe und sogar noch einen Schlusstwist zu verpassen, stösst ebenfalls leicht sauer auf, denn es wirkt gewollt und knirscht ganz gewaltig. Statt dass sich die Story am Ende schliesst und man das Gefühl bekommt, hier wurde tatsächlich ein Bogen geschlagen der die drei Filme verbindet, bleibt das Gefühl es soll Gefühl und Geschlossenheit erzeugt werden, dass so nicht existiert. Die MIB-Filme waren immer Style-over-substance, die Figuren immer Comic-Gestalten ohne echte Entwicklung und Tiefe, es ging immer um Gags und Action. Aus diesen Holzschnitten plötzlich warmherzige Lebewesen zu machen, während gleichzeitig sowenig Entwicklung zu sehen ist und immer noch dieselben paar Standard-Gags wiedergekäut werden, lässt mit einem bizarren Gefühl zurück.

Enttäuschend ebenfalls, dass die Tricks bestenfalls durchschnittlich sind und oft eher wirken wie eine ambitionierte TV-Serie, als wie ein Sommer-Blockbuster der 225$ Millionen gekostet hat.

Genügsame Fans die Smith lieben, bekommen eine solide One-Men-Show und Dienst nach Vorschrift, aber wer sich ein bißchen mehr erhofft wird wohl, wie ich, mit der Frage zurückbleiben, warum genau es notwendig war die MIB aus dem Ruhestand zu holen.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Snow White and the Huntsman

4.0Uninteressant

Wer hätte gedacht, dass Mirror Mirror tatsächlich der bessere der beiden Wittchen-Filme dieses Jahr sein würde. Denn im Grunde klang es ja ganz cool eine erwachsene Fassung des klassischen Märchens zu drehen. Doch selbst ohne den direkten Vergleich zum trashig-beschwingten Wittchen von Tarsem scheint Kristen Stewarts Mär mit dem Jägersmann ein veritabler Griff ins Klo. Was nicht ausschließlich dran liegt, das die in anderen Filmen bessere und im Grunde ja auch erzsympathische Stewart hier über die gesamte Laufzeit dreinblickt wie die ein mürrisches Kaninchen.

Viel schlimmer als der zugegeben etwas beschränkte mimische Ausdruck Schneewittchens ist die Inszenierung durch einen ehemaligen Werberegisseur, der vielleicht ganz passable Bilder hinbekommt, aber keinerlei Gespür für Dramaturgie, Tempo und vor allem interessante Charaktere hat. Und bei Gott: Was muss sich dieser Film, der über weite Strecken den Eindruck vermittelt er wäre eigentlich lieber Herr der Ringe, so wahnsinnig ernst nehmen? Dafür dass die Story doch sehr brav an der Vorlage klebt und weder spannende Wendungen noch originelle Neuinterpretationen zu bestaunen sind, gefällt sie sich viel zu sehr im tragischen Gestus der sonst eher Holocaustbewältigungsfilmen vorbehalten ist.

Wer lacht fliegt raus, kein Hauch Ironie oder Humor hilft über die hölzernen Performances hinweg - und so hölzern wie Chris Hemsworth spielt, wäre er wohl besser als Förster, denn als Jägersmann besetzt worden. Die wirklich furchtbareste Leistung des Films liefert allerdings jemand ab, von dem man es nicht erwartet hätte: Charlize Theron. Nichts gegen Overacting oder cartoonige Interpretationen eines Bösewichtes - die Rolle fordert das ja durchaus heraus - aber die innige Ernsthaftigkeit mit der Charlize sich hier einen Wolf kreischt erinnert böse an Laientheater oder die ersten Folgen einer Daily-Soap, wenn die Schauspieler noch nicht wissen, dass niemand vorhat sie jemals ernstzunehmen. Mit einem Kostüm geschlagen dass aussieht als stamme es aus einem dieser Berliner Schrott-Kunst-Hinterhöfe in denen aus alten Schrauben hässliche Mänchen zusammengeschweisst werden, krakelt und grimmassiert sich Charlize mit derselben Subtilität durch ihre Szenen, wie eine Tourette-Patienten der im vollbesetzten Bus die Fruchtblase platzt. Was eine durchaus interessante Auseinandersetzung mit Jugendwahn und einer geschundenen Psyche sein könnte, ist in diesem Film nur grell, laut und zum Kichern einladend, wenn das Quecksilbermännchen mal wieder aus Ankleidespiegel plätschert.

Dabei scheint es ja sogar sowas wie einzelne gute Ideen gegeben zu haben: Die an den Disney-Klassiker erinnernde horrible Flucht Schneewittchens durch den Wald (der diesmal eher banal als halluzinogenes Kifferparadies daherkommt), das mit phantasievollen Kreaturen besetzte Fehenland, die kauzigen Zwerge (schauspielerisch eindeutig das Highlight - auch wenn die prominenten, digital-geschrumpften Mimen nicht den Charme der echten Short Actors haben die in Mirror, Mirror oder Time Bandits spielten) - doch was nützen gute einzelne Ideen wenn sie zu nichts führen.

Episodische Szene reiht an die nächste und lediglich die zunehmende Leichtigkeit mit der die angeblichen Gefahren überwunden werden, hat einen gewissen perversen Unterhaltungswert. Wenn Stewart einen Brückentroll anmault und dieser dann abhaut ist das an unfreiwilliger Komik schwer zu toppen.

Doch der Film will ja ernst und dramatisch sein und verkompliziert die schlichte Story unnötig, ohne dass dies der Spannung wirklich zuträglich wäre. Das schale Prinzen-Bubi ist im wesentlichen überflüssig und der Bruder der bösen Königin ist so blass und vergessenswert, dass man sich in jeder Szene erinnern muss, dass er ja eine der großen Bedrohungen des Films darstellt.

Im Schlusskampf darf Kristen dann mal etwas aufdrehen, aber wirklich retten kann sie das ganze freudlose Spektakel auch nicht mehr. Es bleiben nur ein paar nette Designs, einige okay Tricks (die spröde Phantomarmee z.B.) und ansonsten jede Menge Langeweile.

Wer wirklich eine düstere und grimmigere (sic!) Variante des Stoffes sehen will ist wohl immer noch mit dem Sigourney-Weaver-TV-Film aus dem Jahr 1997 besser bedient und wer einfach zwei Stunden in eine fluffige Märchenwelt abtauchen möchte, soll sich ruhig mal an Mirror, Mirror wagen.. oder ganz einfach den Disney-Film gucken.

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sweetForgiveness

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"Wer lacht fliegt raus..."...da wäre bei unserer Sneak spätestens nach der Szene mit dem weißen Pferd der Saal leer gewesen. Toller Kommentar zu einem brutal schlechtem Film


lieber_tee

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Grandios-toll geschrieben. Musste oft grinsen. Ist, wie so viele Kommentare von dir, besser als der Film...Glaube ich.


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Der Diktator

5.5Geht so

Trotz einiger sehr schöner Gags und Ideen, bleibt Der Diktator weit unter seinen Möglichkeiten. Wie schon bei Brüno wird oft reiner Shock-Value (der in der dritten Wiederholung dann auch eher zum genervten Augenrollen denn zum Lachen animiert) vor die Satire gestellt.

Das ist schade, denn in ein paar Szenen - besonders am Anfang und am Ende - lässt Cohen erkennen, wie gut der Film hätte werden können, wenn er sich statt auf Pipikakamumu-Witze auf satirische Breitseiten beschränken würde. Doch leider traut er sich das nicht, will vielleicht auch die Teenie-Zuschauerschaft nicht überfordern und serviert deswegen banale Scherze - die oftmals nicht sehr gut getimed sind.

Das hier im Gegensatz zu Borat und Brüno auch noch alles inszeniert ist rettet nichtmal mehr der WTF-Faktor die derberen Einlagen des Films. In seinen improvisierten Momenten überzeugte gerade Borat oft durch die Konfrontation realer Personen mit Cohens-Kunstfigur. In der Inszenierung geht dieser Reiz verloren und bleibt im Zweifel dann nur laue Zote. Für jeden gelungenen Gag wie den Helikopterflug oder Aladeens süffisante Schlussrede vor der UNO, gibt es dutzende Kalauer und Promi-Cameos die mal mehr mal weniger gelungen sind, aber selten wirklich laut lachen machen.

Natürlich ist es schwer massentaugliche Unterhaltung zu bieten und gleichzeitig politisch-relevante Satire zu produzieren. In Borat ist dies, trotz aller nachträglicher Kritik, durchaus gelungen. In Brüno verfehlten Cohen und sein Stammregisseur Larry Charles das Ziel schon wesentlich häufiger und enthüllten weniger heimliche Homophobie als die verständliche Reaktion normaler Menschen auf eine extrem nervige Schwuppe. Die gelungenen Passagen von Brüno waren denn auch eher in der Modewelt angesiedelt, wo übereifrige Eltern oder strunzdumme Models in ihrer Ignoranz vorgeführt wurden.

Der Diktator enthüllt leider nichts, denn er hat keine realen Ziele und zu wenig Ambitionen. Absehbare Gags wie die Umbenennung vieler Worte in "Aladeen" werden auf Minuten ausgebreitet, wo sie als kleiner Sidegag viel besser funktioniert hätten. Und Cohen ist sichtlich drauf bedacht seine unbestreitbaren Talente nicht durch andere überschatten zu lassen. Egal ob Ben Kingsley, John C. Reily oder Anna Faris - keiner darf mehr sein als Stichwortgeber für den nicht endenwollenden Schwall an politisch unkorrekten Gags die Cohen ausspuckt.

Doch wo Borat ein in gewisser Weise naiver Simpel war, dessen überwältigende Freundlichkeit ein erfrischendes Gegengewicht zu seinen rassistischen, sexistischen Aussprüchen bot und ihn letztlich doch irgendwie liebenswert erscheinen ließ, da bleibt Aladeen ein Kotzbrocken der es auch im Zusammenspiel mit der sympathischen Anna Faris nicht schafft, dass der Zuschaer sich im Nahe fühlt. Im Gegenteil, seine Art beschädigt die anderen Figuren, denn es bleibt unverständlich warum sich ein Frau wie Faris Zoey für ihn interessiert oder gar in ihn verliebt. Was den ganzen "Prinz aus Zamunda-goes-Asshole"-Plot noch überflüssiger macht als er es ohnehin schon ist.

Trotz seiner schlanken Spielzeit von unter 90min wirkt Der Diktator leider oft gestreckt, weil nicht wirklich viel passiert. Ob Dissidenten, Stars oder Polizisten - Themen werden gestreift ohne dass wirklich irgendeine Aussage gemacht wird. Klar die Referenzen auf echte Diktatoren sind hübsch, aber wieviel mehr gäbe es zu sagen zum Umgang der Industrieländer mit Diktaturen, wieviel Zündstoff bietet die jüngere und ältere US-Geschichte die selbst genug Diktatoren zur Macht verholfen und sie instrumentalisiert hat. Doch das alles interessiert Cohen und Charles nicht wirklich, sie begnügen sich damit eine schillernde Figur wie Aladeen zu erschaffen - und vertrauen darauf, dass reiner Klamauk und schockierende Sprüche irgendwie genug sein werden. Doch wenn die PR-Kampagne des Films besser ist und mehr Substanz hat als der Film (und die Werbung für den Diktator war wirklich extrem gelungen - angefangen bei gefakten Webauftritten Wadiyas, über den Stunt auf der ITB bis hin zu diversen Bestechungsversuchen der Journalisten (Wadiyanische Dollarbündel, gefakte Golduhren, Barscheck aus Wadiya) dann läuft irgendwas falsch. Böswillig könnte man sagen: Team America hat mit Kim Jong Marionetten-Il bessere Satire abgeliefert, von Chaplins Klassiker ganz zu schweigen.

Cohen ist verdammt talentiert, ohne Zweifel, aber er sollte aufhören sein Publikum zu unterschätzen und sich in Zukunft wieder etwas mehr anstrengen, wenn er nicht irgendwann auf dem Niveau von Hangover 2 landen will.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Das gibt Ärger

4.5Uninteressant

Manche Ideen sehen auf dem Papier oder sogar noch im Trailer besser aus, als sie dann im fertigen Film sind. Dieser Streifen von Hit-and-Miss-Regisseur McGee, der von den legendären MAD-Spy-vs-Spy-Cartoons inspiriert wurde, fällt leider in diese Kategorie, denn eigentlich hätte man aus der Idee doch gerade mit der Besetzung zumindest einen passablen Popcorn-Streifen machen müssen. Leider lässt das Skript die passable Inszenierung meistens im Regen stehen, da helfen auch elaborierte Plansequenzen und andere originelle Kamerasperenzchen recht wenig. So sehr sich Chris Pine und Tom Hardy bemühen – so wirklich knistert es zwischen ihnen und der unterforderten Reese nicht und meist wünscht man sich, die beiden würden weiter Jagd auf Supergangster Til Schweiger machen, anstatt sich im freudlosen Beziehungskrieg nervige Streiche zu spielen, die alle eher hüftlahm daherkommen.

Weder Fisch noch Fleisch ist dieses Werk keine Actionkomödie, keine Romcom und kein spannender Agentenfilm sondern ein episodenhafter Bastard aus allem, der über die gesamte Spielzeit ziemlich ereignislos dahinplätschert und nur deswegen irgendwann vorbei ist, weil die Putzfrau noch den Kinosaal feucht durchwischen muss. Schade, denn ab und an blinken Ansätze von Unterhaltsamkeit auf – doch leider hat der Film seinen besten Moment gleich im Intro, wenn Schweiger mit Fallschirm seiner Festnahme entkommt. Der Rest ist ein Fest verpasster Möglichkeiten, die selbst bei einem Fluff-Filmer wie McG ziemlich enttäuschen.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über 21 Jump Street

7.5Sehenswert

Ein sehr zwiespältiges Vergnügen. 21 Jump Street hat unglaublich ärgerliche und unlustige Gags zu bieten, egal ob gemeinsame Kotzversuche auf dem Klo oder die umzigste Drogenhalluzination mit “hillarious implications”. Und ganz ehrlich: Channing Tatum versprüht immer ein wenig den Charme eines freundlich-tumben Türstehers einer Dorfdisko. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn der Film hat auch einige der witzigsten Momente in einer Cop-Komödie seit langem und versprüht oft dann Meta-Ebenen-Charme, wenn man sich schon fast damit abgefunden hat, hier nur wieder eine debile Klamotte zu sehen.

“Es gibt keine neuen Ideen mehr, die machen einfach die ganze alte Scheisse von früher neu und hoffen dass es keiner merkt”, sagt der schwarze Vorgesetzte von Jonah Hill und Tatum und weiß ganz genau, dass er auch nur ein wandelndes Klischee ist mit seiner freundschaftlich cholerischen Art. Der Film benennt seine Klischees und legitimiert so ihre Nutzung, veralbert sie aber auch im nächsten Moment wieder, wenn die beiden Bullen feststellen müssen, dass es auf der Schule nicht mehr so ist wie früher. Statt simpler Gruppen wie Jocks, Nerds, Cheerleader sind plötzlich alle so tolerant, aufgeschlossen und liberal. Und wenn man einen schwarzen, schwulen Jungen zusammenschlägt ist man plötzlich nicht mehr der “Coole” sondern ein brutaler Proll. “Ich gebe Glee die Schuld”, kommentiert der Film diesen Umstand und ist damit schon wieder auf der Metaebene. Alles ist so wie man es kennt und dann doch ganz anders. Autos explodieren nicht, Drogendealer wollen eigentlich nur gute Kumpel sein und die Nerds sind die angesagten Typen (dass YouTube-Star-Nerd Dax Flame in einer größeren Nebenrolle zu sehen ist, verwischt geschickt die Grenzen zwischen Realität und Fiktion). Wo sich die alte Serie in Zeigefingermoral und After-School-Special-Cheesieness flüchtete, wird hier alles zum Abschuss freigegeben, was in Buddy-Movies zu den klassischen Tropen gehört. Zielsicher ist das Script aus der Feder des “Scott Pilgrim”-Co-Autors Michael Bacall dabei nicht immer, doch irgendwie schaffen es er und die “Cloudy with a chance of Meatball”-Regisseure es dennoch, dass am Ende die positiven Eindrücke gewinnen.

SPOILER SPOILER

Und wenn auch platte Gags wie abgeschossene Genitalien durchaus verzichtbar gewesen wären, genau wie ein Großteil des Gross-Out-Humors – macht ein starkes Cameo kurz vor Schluss vieles wieder wett und entlässt letztlich dann doch ganz zufrieden aus dem Kino.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Dark Shadows

7.0Sehenswert

Nach dem eher enttäuschenden “Alice im Wunderland” ist “Dark Shadows” wieder ein Schritt in die richtige Richtung für Burton. Wobei der episodisch und etwas unfokussiert schlingernde Film es sicher schwerer haben wird sein Publikum zu finden, denn die trashige Billig-Soap auf der das ganze basiert, dürften nichtmal in den USA noch viele der heutigen Kinozuschauer kennen. Live gedreht und mit Schnürsenkel-Budget wurde das ganze nach einem biederen Start erst zum Erfolg, nachdem die Macher begannen übernatürliche Elemente einzuführen, allen voran den Vampir Barnabas. Die Mischung aus Intrigen, großen Gefühlen, Magie, Geistern, Werwölfen und hölzernem Spiel besitzt schon einen sehr eigenen Charme der die Zuschauer damals für über 1000 Folgen an den Bildschirm bannte.

Gemessen daran ist die Verfilmung mit all ihren Schwächen durchaus unterhaltsam geraten. Das überspitzte Spiel aller Beteiligten (großartig wie immer: Chloe Moretz) macht viel Spaß, das 70er Jahre Setting verstärkt die skurrile Atmosphähre und der beständige Wechsel zwischen Pathos, Drama, Klamauk und überraschender Brutalität zieht doch irgendwie in den Bann. Das die Dramatugie dabei streckenweise ganz schön durchhängt und es nie wirklich spannend wird, kann allerdings auch kaum bestritten werden. Es macht Spaß die Figuren miteinander agieren zu sehen, die Bilder sind wie stets bei Burton schön anzuschauen und eine Musical-Nummer inkl. Gastauftritt von Alice Cooper, die zu seinem Ballad of Dwight Fry montiert ist, verfehlt ihre Wirkung nicht. Überhaupt verblüfft es, dass Cooper sich selbst immer noch einigermaßen Glaubwürdig spielen kann – aber er war wohl schon immer die hässlichste Frau auf Erden.

Was Burton nicht schafft – und vielleicht mit Blick auf Sequels auslässt – ist es alle Figuren angemessen durchzuerzählen. Helene Bonhams Carter ist natürlich das offensichtliche Setup für Teil 2. aber dennoch hätte ich von ihr gerne mehr gesehen, genau wie von Chloe Moretz als abgefucktem Teenie die am Anfang zwei wirklich geniale Auftritte hinlegt, dann aber in den Hintergrund tritt. John Lee Miller als nichtsnutziger Bruder ist ebenfalls ziemlich verschwendet und auch aus Bella Heathcottes Vicky hätte man mehr rausholen können. Denn abseits der Behauptung knistert es zwischen ihr und Depp mal so gar nicht. Im wesentlichen spielt sich die Handlung zwischen Depp, der wunderbaren Michelle Pfeiffer und Eva Green ab, deren Böse Hexe nicht schlecht ist, aber auch etwas mehr gute Wortgefechte mit Depp vertragen könnte.

Insgesamt wagt sich der Film nie ganz aus seiner Safety Zone heraus, traut sich nicht das erkennbare Potential wirklich voll auszuschöpfen. Der Showdown, der wie eine Mischung aus “Der Tod steht ihr gut” und dem “Geisterschloss” wirkt ist okay, aber auch hier wieder nicht so mitreissend, wie man ihn sich erhoffen würde. Das der Coda dann mal eben den kompletten inhaltlichen Konflikt der Twilight-Reihe in 90Sek abhandelt, ist dann allerdings doch wieder ganz witzig.

Ein gemischtes Vergnügen, dass durch die schauspielerischen Leistungen, einige schräge Momente, tolle Musikauswahl und Sets beeindruckt, aber schwerer zu genießen ist als beispielsweise Barry Sonnenfelds “Addams Family”-Sequel, mit dem es zwangsläufig verglichen werden wird. Doch wo die Addams Family aus Monstern besteht, die mit sich im Reinen sind und sich nur wundern warum sie irgendjemand seltsam finden könnte, haben wir in Dark Shadows normale Menschen die angesichts ihrer monströsen Probleme aus der Bahn geworfen werden und genau wissen, dass die Umwelt sie nicht akzeptieren wird. Sie sind nicht liebevoll schräg, sie sind seltsam und wären gerne normal. Das rückt ihre menschlichen Probleme mehr in den Mittelpunkt und so ist Dark Shadows auch eher Denver Clan mit Vampiren, als The Munsters Today. Das muss man mögen und tatsächlich ein bißchen Goodwill mitbringen und bereit sein sich auf dieses Schuss Durchschnittlichkeit einzulassen, der diesen Film mehr durchweht als jeder Todeshauch.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Spieglein Spieglein - Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

7.5Sehenswert

Es stimmt also: Die Vermutung Tarsem könnte mit dem richtigen Drehbuch und seinem unbestreitbaren visuellen Talent mal einen guten Film abliefern. Mirror, Mirror ist der Film der Brothers Grimm hätte sein sollen: Visuell beeindruckend, mit schrägem Humor, Zwergen und trotz hyperkitschigem Look tatsächlich nie ernsthaft kitschig. Der Humor ist größtenteils doppelbödig erwachsen, ohne Kinder völlig vor den Kopf zu stoßen.

Julia Roberts macht einen guten Job als Witch-Bitch, auch wenn sie nicht an die Boshaftigkeit einer Michelle Pfeiffer rankommt. Lilly Collins als Snow ist genau die richtige Mischung aus Selbstbewusstsein und Charme, Nathan Lane ist eh immer sehenswert. Armie Hammer ist ein herrlicher Trottelprinz und die Zwerge sind mindestens so weird und witzig wie in Time Bandits, von dem der Film einiges an Inspiration übernommen hat.

Das der Story zum Ende hin etwas die Luft ausgeht und der Showdown irgendwo im Nichts verpufft, geschenkt, denn eine Bollywood-Tanznummer im Abspann rettet dieses knuffig-fluffige Märchen und sorgt dafür, dass man gut gelaunt das Kino verlässt.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Headhunters

7.5Sehenswert

Nach einem ironisch-beschwingten Heist-Start eskaliert der Film schnell zu einem gnadenlosen Jagd-Thriller, der die Glaubwürdigkeit zwar mehr als einmal ganz gehörig strapaziert, aber dank der grimmigen Over-the-Top-Inszenierung die gesamte Laufzeit gut unterhält. Die Plot-Wendungen sind schon ganz schön trashig, aber irgendwie fügt sich doch alles zu einem spannenden Ganzen zusammen. Die gute Besetzung, allen voran Aksel Hennie als Komplex geplagter Hempfling Roger, der über sich selbst hinaus wachsen muss, begeistert und lässt mitfiebern. Das alle Figuren ambivalent gehalten sind und niemand so rundum sympathisch ist, schadet der rasanten Angelegenheit dabei keineswegs. Ein weiterer sehenswerter Weirdo-Movie aus Norwegen.

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über American Pie - Das Klassentreffen

2.5Ärgerlich

Öfftz. Nachdem die Regisseure ja doch sehr sympathische Zeitgenossen waren und ich den letzten Harold & Kumar-Film durchaus witzig fand, tut es mir fast leid American Pie eine so schlechte Bewertung zu geben. Doch es hilft nichts: Der Film ist langweilig, die Gags sind abgestanden, der Humor ist unglaublich verklemmt und eine Entwicklung scheint seit Teil 1 nicht stattgefunden zu haben. Es hat fast etwas mitleidiges, wie sehr der Film nostalgische Gefühle beschwört und dabei nicht nur originelle neue Ideen vermissen lässt, sondern überschätzt wie gut die alten Filme waren. Die US-Antwort auf die isrealisch-deutsche "Eis am Stiel"-Serie war immer pubertäres Kicherkino mit zu alten Darstellern, doch damals konnten die R-Rated-Momente zumindest noch für ein "ohoho wie gewagt"-Hüsteln sorgen.

Nachdem die Epigonen wie "Hangover" die (haha) Latte mittlerweile immer tiefer und tiefer gelegt haben, wirken die Scherze in Reunion schon sehr betulich und angestaubt. Zumal die Figuren jetzt auch nicht wirkliche Sympathiebolzen sind, an deren Schicksal einem irgendwas liegen würde. Stiffler ist immer noch ein asoziales Arschloch und es erschreckt etwas, wie sehr er am Ende zum missverstandenen Best Buddy verklärt wird, wie selbstverständlich es als Sieg gefeiert wird, wenn er dem unamerikanischen ekligen Ausländer der sein Boss ist (und der natürlich ein Schwächling mit kleinem Schwanz ist, der nur die Heißen Weißen Weiber flachlegen will) Schläge androht und ihn so auf seinen Platz verweist. Das es keine 10min bis zum ersten Schwulenwitz dauert und der Humor auch ansonsten eher auf dem Niveau von "Ich scheisse in eine Kühlbox" bleibt, macht die Sache nicht erträglicher. Schade auch um Jims Dad und Stifflers Mom - wahrscheinlich noch die unterhaltsamsten Charaktere des Films, die insgesamt vergeudet werden und im Abspann eine Fremdscham-Szene hinlegen, die man Menschen ihres Alters gerne erspart hätte.

Wer damals glaubte es sei ulkig, wenn ein 22jr seinen Lümmel in einen Kuchen schiebt, der wird wahrscheinlich auch hier wieder gut bedient. Wer seinen zotigen Humor etwas abgefahrener und origineller mag, schaut sich vielleicht doch nochmal Harold & Kumars 3D Christmas an.

Kritik im Original 7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 5 Antworten

hrxuuuu

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Hangover ist reine frechheit wenn man ihn mit American Pie vergleicht. Hangover ist deutlich schwächer als American Pie.


Tobe Berg

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Was willst du den für eine Entwicklung erwarten? Ok, die Charaktere sind gealtert und das für mich recht glaubwürdig. Aber eins waren die Teile schon immer, mit plattem Humor gesegnet. Große Innovationsmöglichkeiten sehe ich da nicht. Ich finde American Pie funktionert nach schwächeren letzten Teilen wieder recht gut. Wohingegen ich eher meine Probleme mit indisch akzentuirten Buddy-Movies habe. Die American Pie vom Humor her noch nie das Wasser reichen konnten.


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über John Carpenter's The Ward

4.5Uninteressant

Oh John. Wie gerne würde ich seinen ersten Kinofilm seit über zehn Jahren mögen, aber leider ist The Ward tatsächlich ein erschreckend abgenudelter und spannungsfreier Abklatsch von besseren Werken. Was nichtmal an den Schauspielern oder der Kameraarbeit liegt, die solide Arbeit verrichten. Es ist die unoriginelle Inszenierung, der Rückzug auf schlappe Buh-Effekte und verschämte Gore-Momente, die verhindern das bei The Ward je sowas wie Spannung aufkommt. Der Plot-Twist den man auch schon dutzendfach besser gesehen hat, verpufft ungenutzt genau wie das Interesse des Zuschauers an den Figuren. Shame und schade, wenn ein so wunderbarer Regisseur wie Carpenter so ödes Zeug abliefert. Vielleicht sollte er doch lieber wieder TV-Arbeiten Masters of Horror drehen, denn die Werke waren deutlich interessanter als das was er hier hinlegt.

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Tytus

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@Batzman Dito irgendwie gibt es bei Carpenter viele unterdurchschnittliche Filme und dann einfach Geniale. Der hier ist nicht Genial XD


Baumkopf Holzfaust

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ja klar, aber wie alt ist "The Thing"? UNd Christine ist mein Favorit bei seinen Sachen. Aber seit 20 Jahren macht er eigentlich nur noch Mist.


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Marvel's The Avengers

8.5Ausgezeichnet

Boy, that was fun. Ich bin kein Superhelden-Fan. Ich lese ab und an mal ein Comic, kenne die bewegte Historie der meisten Helden aber eher durch Recherche in Wikipedia und der großen Marvel-Encyclopedie als durch eigenes Schmöckern Hefte. Mein Überblick über die unzähligen Reboots, Crossovers und Re-Imaginations, Alternate Timelines usw. ist eher fragmentarisch. Ich schaue mir Superhelden-Filme an und einige mag ich und andere nicht. Deswegen mag mir vergeben sein, wenn mir nicht alle Abweichungen, Kanonverstösse und ähnliches auffallen an denen sich die Hardcore-Fans aufreiben mögen: Ich mochte den Film als Film verdammt gerne. Als Film, der zugegeben die gewaltige Bürde trägt durch fünf Vorgänger-Streifen von sehr unterschiedlicher Qualität gehyped worden zu sein. Von großartig (Iron Man 1) über gut (Captain America), zu okayish (Iron Man 2), bis vergessenswert (Thor, Hulk) war eine Menge dabei und alleine das Joss Whedon sich der Aufgabe gestellt hat, diese ganzen sehr unterschiedlichen Figuren in einem Film vereinen zu wollen gebührt ihm Respekt.

Das er es aber tatsächlich geschafft hat einen Film abzuliefern, der besser ist als alle seine Vorgänger, der es schafft jeder einzelnen Figur gerecht zu werden und dabei eine simple, aber smart-erzählte Geschichte zu präsentieren, kann man ihm kaum genug danken. Was ich nach den lamen Trailern kaum zu hoffen wagte: The Avengers ist gut. Richtig gut. Okay, ich atme mal eben in eine Tüte und beruhige mich, aber es passiert selten, dass ein so gehypter Film tatsächlich soviel Spaß macht.

Vorbei ist die Zeit der jammerigen, wehleidigen Superhelden, vorbei die Zeit des “grittigen Realismus” a la Nolan. The Avengers scheut nicht vor Drama und Pathos zurück, vergisst aber nie seine Comic-Wurzeln und das diese Kombination von Superhelden eben auch albernes Potential hat. Whedon flüchtet nicht davor, er thematisiert es und macht diese Welt dadurch umso glaubhafter. Das er mit Ensemble-Casts umgehen kann und ein Meister des Hyper-Dialoges ist, in dem die Pointen hin und herfliegen und Popkultur-Referenzen völlig beiläufig benutzt werden, wissen wir seit Buffy, Dollhouse und Firefly (und natürlich auch Doctor Horribles Sing-Along-Blog). Hier wendet er seinen Schreibstil auf das Avengers-Team an und es ist eine wahre Freude zu sehen, wie sich die unterschiedlichen Charaktere anfrotzelen, abwägen, herausfordern und umwerben. Dabei ist ihm hoch anzurechnen, dass er der Verlockung widerstanden hat, den Film zu einer “Iron Man und seine Freunde”-Show zu machen. Natürlich ist Robert Downey Jr. die fleischgewordene Coolness und hat einige der besten Dialoge im Film (etwa wenn er zu einem überflüssigen, riskanten aber sehr witzigen Zwiegespräch mit Loki seinen Anzug auszieht) – aber die anderen Figuren haben ebenso markante Szenen. Black Widows Introduktion bei einem Verhör oder ihr Gespräch mit Bruce Banner. Ihre Scharade mit der sie Loki austrickst. Bruce Banners Plänkeleien mit Tony Stark und Captain America. Captain Americas naive Art, in der er sich erst langsam an die Neuzeit gewöhnt und die meisten Anspielungen nicht kapiert – und die Coolness mit der er Stark die Stirn bietet und zum strategischen Anführer der Avengers wird. Agent Colsons Fanboy-Momente und sein Last Stand gegen Loki, Captain Americas Ausflug nach Stuttgart, Nick Fury kleine Manipulationen und seine Auseinandersetzung mit seinen Bossen, Iron Mans und Thors witziger Clash… die unterschiedlichen Momente des Final Fights. Es gibt unzählige erinnernswerte Szenen, kleine Gags, große Pointen und epische Bilder (auch wenn die Spezialeffekte genau genommen eher durchschnittlich sind und garantiert keine neuen Maßstäbe setzen).

Trotz der ganzen einzelnen Momente, wirkt der Film wie aus einem Guß, statt wie eine Nummernrevue, denn die ganzen Fragmente fügen sich ohne Durchhänger zu einem großen zusammen. Was auch am glaubwürdigen Schurken liegt: Die Entscheidung Loki, gespielt von Tom Hiddlestone, zum Megaschurken aufzujazzen, ist nach der eher schwachbrüstigen Bedrohung die er in Thor entfachte kein No-Brainer. Doch er funktioniert, was ebenso Whedons Skript, wie Hiddlestones Performance zu verdanken ist. Loki ist smart, stark, witzig, wahnsinnig, getrieben und überaus ambivalent. Ein faszinierendes Monster mit tragischen Facetten und einem kranken Humor. Das er der Adoptivbruder des immer etwas tumb wirkenden Thor ist, sorgt für zusätzliche Reibung und Unterhaltungswert.

Und als wäre das nicht genug sorgt der Film für eine weitere Überraschung: The Hulk works. Finally. Nach Ang Lees ambitioniert-interessanten Fehlschlag und dem unentschlossenen Edward Norton-Vehikel wurde mit Mark Ruffalo endlich ein idealer Darsteller für Banner gefunden, der dessen neurotisch-linkische Seite ebenso überzeugend verköprert wie die in ihm schlummernde Agressivität. Überraschender und wichtiger ist allerdings: Ruffallo funktioniert nicht nur als Banner sondern auch als Hulk. War es bisher immer der Tiefpunkt des Films wenn die quietschgrüne Wutmaschine herumhüpfte wie in einem Videospiel, ist er diesmal endlich ein funktionierendes Element dieser Comic-Welt dessen Szenen ebenso spannend wie witzig sind. Man glaubt ihm seine Gefährlichkeit, wenn er Black Widow verfolgt und die halbe SHIELD-Zentrale demoliert, man lacht mit ihm, wenn er beiläufig Thor wegditscht und Loki… zeigt was ein Hulk drauf hat. Die Animation ist besser als in den Vorgängern, aber auch die Physik des Hulks und die Art wie er erzählerisch eingesetzt wird stimmt einfach. Aus Tony Stark eine coole Sau zu machen ist keine Kunst. Aber den Hulk (der abermals von Lou Ferigno gesprochen wird) zum Teil eines Teams zu machen ist wirklich bemerkenswert. Genauso wie das surreal-phantastische Element der Schlussschlacht, wenn sich die seltsame Armee Lokis mit halbmechanischen Kaulquappen-Monstern durch New York kämpft. Das ist Comic, so wie man es sich vorstellt und wünscht.

Interessant, wenn auch beiläufig eingewoben, sind die kleinen Momente in denen der Film zwischen all der gelungenen Popcorn-Unterhaltung mal wieder Autoritäten hinterfragt und Seitenhiebe verteilt. Vor allem SHIELD und Nick Fury kommen nicht wirklich gut weg, mit ihrer radikalen “Der Zweck heiligt die Mittel”-Vorgehensweise, die nicht nur Tony Stark mehrfach hinterfragt. Fury ist ein Manipulator, der beiläufig die weltweite Überwachung initiert und die Avengers auch mal mit geschickten Lügen dazu bringt, zu machen was er für richtig hält. Whedon kennt seine Vorlagen und auch wenn er nicht die epische Breite eines “Civil War” hat um moralische Grundsatzfragen zu diskutieren, verklärt er (wie in seinen Rewrites zu Captain America) nie den Pathos der Weltenrettung zum absoluten Freibrief. Wenn die Avengers am Ende weiterhin eine Gruppe von Einzelgängern sind, die lieber sich selbst gehorchen als einem Oberbefehlshaber, dann ist das auch eine Message von Eigenverantwortung und Unabhängigkeit die sympathisch ist.

Joss Whedon, der schon bekundet hat ein Sequel drehen zu wollen, das kleiner und anders ist als dieser Film, hat einmal mehr bewiesen was er drauf hat und nach dem absehbaren Erfolg dieses Films hoffentlich auch wieder genug Backing um eigene Projekte finanziert zu bekommen. Und nach dem Durchhänger Iron Man 2, freue ich mich jetzt tatsächlich wieder auf den dritten Teil.

Spider-Man und der Dunkle Ritter müssen sich verdammt anstrengen, wenn sie dem Genre dieses Jahr noch irgendwas wirklich interessantes hinzufügen wollen.

Kritik im Original 30 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 4 Antworten

Snakeeater

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@ Batzman: ich hätte nie gedacht das ich das mal sagen aber verdammt, du hast so was von recht!!!
Es gibt nur eine kleine Sache wo ich wiederspreche. Tony Stark ist doch mehr im Film zu sehen als alle anderen der Superhelden. Genau genommen...ist er immer am Start. Was aber nicht weiter schlimm ist und dem Film auch keinen abbruch tut!


Kritik2punkt0

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alter schreibst du viel !!!!!!!!!!!!


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Chronicle - Wozu bist du fähig?

7.5Sehenswert

Die lange erwartete positive Überraschung im Found Footage-Bereich. Das Genre das in den letzten Jahren genervt hat wie kein anderes, bekommt jetzt endlich mal wieder einen ansehbaren Beitrag. Chronicle, mit einem Mikrobudget gedreht (zumindest für Hollywood-Verhältnisse) bietet gute Schauspieler, ordentliche Dialoge und eine ausgewogene Mischung aus Witz und Drama. Der Showdown lässt es ordentlich krachen und bietet originellere Bilder als so mancher Big-Budget-Film, die Tricks sind effektiv und zielgerichtet - es gibt vieles was an Chronicle überzeugt und Spaß macht.

Natürlich holpert die Logik und die Story an ein paar Stellen und auch wenn er der beste Found-Footage-Film seit langem ist, plagt ihn sein eigenes Gimmick nach dem ersten Drittel schon ganz gewaltig. Größter Haken des Films ist, dass einen immer wieder das gefühl befällt, die Macher suchen ständig Loopholes um die "Found Footage"-Prämisse zu umgehen. Da werden unnötige Bloggerfreundinnen eingeführt, die wahllos alles mitdrehen um Gegenschüsse zu bekommen, der Hauptdarsteller lässt die Kamera fliegen um kinogerechte Fahrten zu rechtfertigen und für die Multiperspektive im Finale wird einfach jede verfügbare Kamera irgendwie in die Story gebogen. Dass das Bildmaterial qualitativ selten mit der verwendeten Kamera korrespondiert und es nie wirklich plausibel gemacht wird, warum die Hauptfigur überhaupt alles mitfilmt (er scheint nicht wirklich vorzuhaben mit dem Material irgendetwas anzufangen) und die YouTube-Kultur auch nicht verstanden wurde, versteht sich da fast von selbst.

Das ruiniert nicht den Spaß an diesem kurzweiligen Film mit seinen sympathischen Hauptdarstellern, stellt aber die Frage warum sich die Macher selbst das Leben so schwer machen. Denn diese männliche Version von Carrie hätte auch ohne die ganzen Found-Footage-Sperenzchen genug zu bieten um wirklich gut zu unterhalten. Und würde er vor dem aufgezwungenen Epilog enden, wäre er wirklich super.

Trotzdem angucken: Denn einen besseren Film um ambivalente Nachwuchs-Superhelden, der ganz zurecht die Frage stellt, ob die Kräfte nicht in erster Linie für selbstsüchtige Zwecke benutzt würden, werdet ihr vor den Avengers nicht zu sehen bekommen.

Kritik im Original 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten

schalli

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Na SUPER! Jetzt bin ich noch gespannter auf den Film...


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Jesus Henry Christ

7.5Sehenswert

Teilweise etwas sehr auf skurril getrimmter, aber dennoch glänzend besetzter, witziger und erfreulich unsentimentaler Film über einen hochbegabten Jungen auf der Suche nach seinem biologischen Vater. Michael Sheen mal wieder völlig anders als man ihn kennt und Toni Collete als überforderte Mutter, viele witzige Ideen, optische Gags, schwarzer Humor und überbordende Ideen machen den Film kurzweilig und liebenswert. Auch die Jungdarsteller können überzeugen - sie sind altklug ohne nervig oder auf pure Niedlichkeit reduziert zu werden. Sehenswert!

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Game Change

8.0Ausgezeichnet

Ebenso unterhaltsam wie erschreckend und erhellend, führt der brillant gespielte Film nochmal die ganze Farce vor Augen, die Sarah Palin ist. Der durchaus satirisch-angehauchte Film macht dabei nie den Fehler sie zu verharmlosen und ihre Gefährlichkeit zu unterschätzen. Julianne Moore ist dabei erschreckend nahe am Original in allen Nuancen. Sie spielt sie nicht nur als tumbe Blinse, sondern auch als manische Populistin, die sich mit Chuzpe und Berechnung durchsetzt. Sehenswert!

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Juan of the Dead

7.5Sehenswert

Was wie die Idee für einen Fun-Trailer anmutet, entpuppt sich als sehr witziger, origineller und spassiger Low-Budget Film, der dem dahinsiechenden Zombie-Genre wieder ein paar neue Ideen verpasst. Neben originellen Splatterszenen (Stichwort: Drahtseil und Harpune) und einprägsamen Charakteren (die nicht alle bedingungslos sympathisch sein wollen), überrascht der Film mit den kleinen Einblicken in die kubanische Realität und Mentalität. Die Pacing-Schwächen und die episodische Natur des Films, der den ganz großen dramaturgischen Bogen vermissen lässt, werden durch den schieren Enthusiasmus und Ideenreichtum aufgewogen. Und offenkundig sind Komparsen in Kuba leichter zu finden, denn selten waren in einem Low-Budget-Film soviele Zombie-Massenszenen zu sehen, die dem ganzen an vielen Stellen ein angemessen apokalyptisches Gefühl vermitteln.

Die technische Umsetzung ist dabei durchwachsen, passt aber immer ins sympathische Gesamtbild. Der Soundtrack unterstützt die chillige Gesamtatmosphäre die auch die Splatter-Szenen eher humorvoll als grauenhaft wirken lässt. Die Besetzung konzentriert sich wohltuend auf eine Handvoll Charaktere, die natürlich Karikaturen sind, sich aber genau das Quentchen Menschlichkeit bewahren, die es braucht um mit ihnen mitzufiebern, wenn sie mal wieder von Untoten umringt, hilflos herumstolpern.Irgendwo zwischen Dead Island, Ghostbusters und (dem eindeutig als Vorbild fungierenden) Shaun of the Dead erschafft Regisseur Alejandro Brugués einen eigenständigen Film, in dem das Land Kuba genauso Hauptdarsteller ist wie der Antiheld Juan.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten

natural born zombie

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Ich hätt`s nicht schöner sagen können.
Batzman, langsam werde ich Fan von Deinen Komentaren!


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Die Frau in Schwarz

7.5Sehenswert

Hammer ist wieder da. Unter dem alten Namen der britischen Horror-Schmiede entstehen seit einer Weile neue Filme und langsam läuft das Studio wieder zu früherer Form auf. In extrem stimmungsvollen, wunderschönen Bildern wird wird hier eine klassische Geisterstory erzählt, die zwar keine neuen Akzente setzt, aber die bekannten Muster sehr effektvoll neu erzählt.

Daniel Radcliffe macht seine Sache ganz gut, haut zwar nicht um und steht etwas im Schatten von Ciarán Hinds, der die Aufmerksamkeit bindet, sobald er auftritt, trotzdem mag ich Radcliffe den jungen Familienvater abnehmen. Viel Dialog gibt es nicht, der Film beginnt langsam und braucht gut 20 Minuten ehe er auf Touren kommt, doch irgendwann hat er die Zuschauer unmerklich gepackt. Die Romanverfilmung nimmt sich Zeit Stimmung aufzubauen, sich mit der kühlen Atmosphäre, der Landschaft und den Dorfbewohnern anzufreunden. Lange stille Einstellungen geben genug Raum, um die wenigen, gut platzierten Schockeffekte voll zur Wirkung zu bringen.

Klar wir kennen es im Grunde alles: Die eigenbrödlerischen Dorfbewohner, die dunklen Geheimnisse, die raue Küstenlandschaft, die creepige Atmosphäre eines verlassenen Hauses und die Geisterschemen die immer knapp Jenseits des Augenwinkels auftauchen. Regisseur James Watkins besinnt sich sehr bewusst auf die Tugenden des klassischen Geisterfilms, ignoriert den Trend zum Folterporno, nimmt moderne Inspiration beim Asiakino und formt daraus ein homogenes Ganzes. Ob das etwas angekitscht-depressive Ende, in Veränderung der Buchvorlage, die beste Idee war, darf diskutiert werden, aber ab davon funktioniert der Film wunderbar und sorgt für altmodisch-effektvollen Grusel auf hohem handwerklichen Niveau.

11 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten

moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Iron Sky

7.5Sehenswert

Trash wie er sein soll. Iron Sky schafft es tatsächlich die Erwartungen zu erfüllen, die die Teaser vor 3 Jahren geweckt haben. Böse Nazis, dumme Amis, holde Heldinnen und ein Bad Motherfucker, der sich als fotogenes Model entpuppt, der nur zufällig auf dem Mond gelandet ist. Götz Otto hat sichtlich Spaß an seiner Schurkenrolle, Julia Dietze ist ideal als die unschuldige Blondine mit dem guten Herzen, Kym Jackson eine herrliche Bitch und Chris Kirby ein sehr sympathischer Schwarzer Weißer.

Udo Kier macht aus seinen wenigen Szene das Beste, genau wie Tilo Prückner. Die Tricks sind irgendwo zwischen Sky Captain und Star Trek und genau richtig für diese Art Film, die Musik von Laibach passt wie Faust aufs Auge und die Handlung ist simpel genug um auf einen Bierdeckel zu passen. Was fasziniert sind die vielen kleinen optischen Gags, die mal subtilen, mal brachialen Seitenhiebe auf die Realität und der durchweg trashkonforme Tonfall, den man in der Konsequenz zuletzt bei Planet Terror, Machete und Hobo with a Shotgun erleben durfte.

Iron Sky macht Spaß und unterhält in seinem Deutsch/Englisch-Mix bestens, überrascht wieviel Spektakel ein Film für um die 8 Millionen Euro bieten kann und macht eindeutig Lust auf mehr Filme von den durchgeknallten Finnen.

18 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 5 Antworten

kahaujiko

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so, jetzt wird der auf jeden fall geguckt^^


MrModicum

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Perfekt, dann gehe ich gerne noch ein zweites mal rein :D


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
zum Artikel Will Smith goes funky

Musste kurz den unsychronisierten Trailer zum Vergleich checken, aber diesmal ist die Synchro unschuldig: Der Trailer ist auch im Original nicht lustig. Und wieso sehen die Tricks noch genauso käsig aus, wie in Teil 1?

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moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Die Tribute von Panem - The Hunger Games

5.0Geht so

Den Hype mal beiseite lassend, hat der Film leider nicht so richtig viel zu bieten. Was nicht unbedingt an der ausgenudelten Story liegt, denn Todesduelle und Überlebenskampf sind ewige Themen, die durchaus in Variation immer wieder und wieder erzählt werden können. Und vielleicht ist es mit Panem ja wie mit den Potter-Filmen, die man auch nur wirklich verstand, wenn man die fehlenden Elemente aus Kenntnis der Romanvorlage ergänzt. Das will ich nicht ausschliessen, als reiner Film hat dieser erste Teil der Hunger Games für mich jedoch so gar nicht funktionieren wollen.

Die Kamera wackelt in der Art wie in schlechten Found Footage-Filmen Realismus angetäuscht werden soll und die Action (so sie denn vorkommt) wird in hektische Schnitte und Closen aufgelöst, die mehr verbergen als erhellen. Willkommen in PG13-Country in dem die Grundprämisse eines Kids bringen sich gegenseitig um nicht wirklich thematisiert wird. Wie sovieles andere auch. Als reine Filmfigur bleibt Hauptdarstellerin Katniss (gespielt von Jennifer Lawrence die im Grunde mit dem gleichen Muffelgesichtsausdruck den kompletten Film relativ emotionsfrei durchspielt) herzlich eindimensional. Weder erfahren wir wer sie ist, wie sie denkt, ob sie denkt - noch offenbart sie über das Retten ihrer Schwester hinaus irgendwelche Qualitäten die sie menschlich interessant machen. Sie redet kaum, sie wirkt beständig angenervt und solange ihr nicht irgendwer sagt was sie tun soll ("zieh dich fesch an, begeister das Publikum, spiel eine Romanze, beeindrucke die Jury, Schmeiss das Wespennest runter") kommt sie auch nicht wirklich aus dem Quark. Das die Chemie zwischen ihr und Peeta-Darsteller Josh Hutcherson sich unter der µ-Grenze befindet, mag im Zeichen ihrer gespielten Liebe beabsichtigt sein, ändert sich aber den kompletten Film nicht und lässt den Charakter des Jungen schon ehe er sich mit Tarnborke bepinselt so blass erscheinen, dass er fast mit dem Hintergrund verschwimmt. Von charmlosen Testosteron-Bolzen Liam Hemsworth der eh nur 5min Screeentome hat ganz zu schweigen - er ist mindestens so fade wie sein Bruder Thor.

Dabei hätte die Story ja Potential. Die Nebenrollen sind durch die Bank interessant und vielversprechend besetzt. Woody Harrelson mag nicht so versifft und versoffen sein wie im Buch, spielt durch pure Präsenz aber die Jungdarsteller in jeder Szene komplett an die Wand. Lenny Kravitz macht das Beste aus seiner kleinen Rolle als Modeschwuppe und Sutherland, Bently und Toby Jones sind genau wie Stanley Tucci und Elisabeth Banks schillernde Figuren, über die man gerne mehr erfahren würde. Und auch wenn die ersten 45min des Films inhaltlich eher fades Geplänkel sind, das wirkt wie die Glamour-Berichte die bei exklusiv und EXTRA über DSDS zu sehen sind (viel Home-Story und kein Singen), unterhalten sie immer noch besser als die eigentlichen Hunger Games. Denn Kids die durch den Wald rennen sind leider nicht wirklich spannend - und ohne die tolle Supporting-Cast setzt noch schneller das große Gähnen ein, wenn sich wieder mal die Frage stellt: Wofür braucht dieser Film für sowenig Handlung so wahnsinnig viel Zeit? Viel Zeit in der nachgedacht werden kann und sich zumindest dem buchunkundigen Zuschauer Fragen aufdrängen. Wie zum Beispiel: Was ist das ganze für ein bescheuertes Weltkonzept? Neben dem Konstrukt der Hunger Games wirkt sogar Death Race und Running Man noch plausibel und wohldurchdacht. Was sollen die Spiele? Wieso halten sie Distrikte von der Rebellion ab? Warum muss das ganze wie American Idol präsentiert werden, wenn jeder weiß das es Zwang ist? Warum lässt der Tod von dutzenden Kids die Distrikte scheinbar kalt und warum flippen sie aus und machen Bürgerkrieg, nur weil das kleine Mädchen stirbt das mit Katniss ca. 4min Screentime hatte, nachdem Katniss sie beerdigt und die Drei Bier Bitte-Geste macht?

Und warum soll ich als Zuschauer länger um einen Charakter trauern, als dieser tatsächlich auf der Leinwand zu sehen war, geschweige denn, dass er außer Kulleraugen irgendeine Tiefe bekommen hätte. Und warum gibts angeblich Nahrungsmangel in einer Welt die aus grünen Wäldern und Feldern besteht? Und wieso ist man auf so primitive Distrikte im Steinzeitlook angewiesen, wenn man die technologie besitzt ein gigantisches Game-Holodeck zu bauen. Und wieso besteht das Finale aus dreimal hin und her-rennen und digitalen Hütehunden die Katniss und Peeta aufs Dach einer Trailer-Park-Burg jagen? Und letztlich... why should I care?

Gary Ross ist zweilfelsfrei ein sympathischer Typ und echter Fan der Romane - aber sein Film ist schaumgebremstes Langweilerkino mit flachen Figuren, die an keiner Stelle zum mitfiebern oder mitleiden motivieren. Technisch ist es bis auf die furchtbare Wackelkamera durchschnittlich bis solide, wenn man vom CGI-Matte-Look von Kapitol-City absieht. Die Innendekos sind durchaus schick anzusehen und Kostüme, wie Make-Up und Frisurendesigns neckisch bis sehenswert. Panem fühlt sich nicht hingeschludert an, es ist kein runtergekurbelter Film. Aber wie Twilight bleibt es letztlich recht formalhaftes Kinderkino ohne Eier.. und schlimmer ohne echte Seele. Denn ohne eine glaubhafte, funktionierende Welt wird nie klar wofür es sich zu kämpfen lohnt. Das zusammengeklaute Motiv-Stückwerk das die Welt von Panem darstellt, ist einfach zu unschlüssig in seiner Vision, zu wischi-waschi um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und wer Daniel Radcliff mangelndes Talent vorwirft, der hat die blassen Hauptdarsteller dieses Films noch nicht gesehen.

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schorsch gaggo

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Ich hab mir echt viel erwartet von dem Film, wie du Sagst --> eigentlich könnte man aus der Story elend viel rausholen... aber leider trifft jedes Wort deiner Kritik zu!


Hans Em.

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Da kann ich nur sagen: ja, ja und ja. Tatsächlich war es so. Auch wenn ich mich zu einer 6 hinreißen ließ, bleibt festzuhalten - ohne das Buch sonderlich gemocht zu haben, muss man diesem Film angesichts des Sujets Blutarmut in jeder Hinsicht attestieren. Und das Buch hatte wenigstens noch ein paar Konserven auf Lager ..


moviepilot / Fünf Filmfreunde (Batzman)
über Best Exotic Marigold Hotel

7.5Sehenswert

Filme kommen kaum Feelgoodiger daher als dieser Streifen vom "Shakespeare in Love"-Regisseur John Madden. Er setzt auf den Slumdog-Millionär-Location-Charme, spart die finsteren Seiten Indiens aber dabei wohlwollend aus. Es bleibt freundliches Gewusel, skurriler Lärm, liebenswertes Lächeln und fantastische Bilder. Und das ist für die märchenhafte Art in der diese Story erzählt wird, auch völlig in Ordnung, denn auch wenn es an der Oberfläche um Indien und seine Kultur geht, ist der Film letztlich doch urbritisch und lebt vom Aufeinandertreffen seine exzentrisch-liebenswerten Charakte.

Und neben den optischen Schauwerten des Landes sind es die schauspielerischen Schauwerte, die den Film funktionieren lassen. Wann hat man schonmal die Chance so viele ehrenwerte alte Humpel auf der Leinwand genießen zu dürfen. Maggie Smith, Judi Dench, der göttliche Bill Nighy, Tom Wilkinson, Penelope Wilton, Celia Imrie und Ronald Pickup sind einfach eine Freude anzusehen. In ihren zerfurchten Gesichter spiegelt sich soviel Leben, Witz, Power und Emotion, dass es manchmal ausreicht sie nur zu beobachten um das Gefühl zu haben, etwas über ihre Figuren zu erfahren.

Dev Patel als Jung-Hotelmanager der sich seiner Familie beweisen will, darf hier endlich wieder seine komischen Talente ausleben und ist wie gewohnt liebenswert und im Zusammenspiel mit dem rüstigen Renten-Ensemble sehr unterhaltsam. Seine dahingestammelten Sätze, die furchtbare Ereignisse in unglaubliche Euphemismen hüllen sind sprachakrobatische Kleinode. Und Bill Nighy muss eigentlich nur etwas anschauen und ist schon extrem komisch dabei. Seine Love-Story zu Judi Dench, Wilkinsons verschollene Romanze, Neuanfang, Tod, Sex und Freundschaft - das ist alles nicht brüllend originell und klassisches Futter eines Ensemble-Films. Es lebt weil es gut getimed und gespielt ist und die Figuren einfach auf ihre Weise unglaublich sympathisch sind - selbst Penelope Wilton als dauernörgelnde Frau Nighys, wird nie zur Karikatur sondern bleibt menschlich und in gewisser Weise auch von der warmherzigen, melancholischen Tragik durchzogen, die den Film letztlich erdet.

Das einige Konflikte zu simpel aufgelöst werden (gerade am Ende wenn Sonny seine Mutter umstimmt) oder das der schwule Charakter des Films praktischerweise wegstirbt, nachdem sein Erzählstrang zuende ist - das sind kleine Lässlichkeiten, die den Film genau wie seine durchgängige Knuffigkeit davor bewahren ganz groß und perfekt zu sein. Doch für das was er sein möchte, fluffig-herzliches Wohlfühlkino, macht er seine Sache extrem gut. Und beweist vor allem: Das gute Schauspieler oft der beste Special-Effect sind.

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Batzman

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Wie meinen? Ich hab dem Film doch 7.5 Punkte gegeben.


filmfreak554

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Wurde komischerweise nicht angezeigt. Jetzt scheinbar schon.