filmschauer - filmschauers Kommentare zu Filmen

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filmschauer
über Tatort: Feuerteufel

7.0Sehenswert

Unruhige Zeiten am sonntäglichen Abend. Wir haben erst April, aber nun schon die dritte Premiere eines neuen Tatort-Ermittlergespanns. Nach den mindestens diskutablen Auftritten von Striesow, Schweiger & Co. war allerdings das Debüt eines gewissen Wotan Wilke Möhring und seiner Kollegin Petra Schmidt-Schaller im Vorfeld etwas in den Hintergrund gerückt. Mein Eindruck jedoch, dass gerade bei diesen beiden relativ wenig schief gehen könnte, wurde nach der ersten Folge nicht getäuscht. "Feuerteufel" von Özgür Yildirim erweist sich als eine gelungene Einführungsepisode, die eine gute Balance zwischen dem seltsamen Todesfall im Zuge eines Autobrands samt, nun ja, annehmbarer Auflösung, den innerstädtischen Problemen Hamburgs sowie einem ersten Einblick in das Leben der Kommissare findet. Dass Schmidt-Schaller noch ein wenig zurückstecken muss, ist sicherlich der Geschichte geschuldet, bietet allerdings noch viel Potential für die Zukunft. Möhrings Falke ist wie erwartet nicht unbedingt pflegeleicht für seine Mitmenschen, bleibt in der Figurenzeichnung jedoch mit seinen Ecken und Kanten plausibler als vergleichbare Tatort-Kollegen aus anderen Städten. Erhöhter Milchkonsum und weitere Laster gepaart mit einem funktionierendem Maß an Street Credibility, warum nicht? Diese unangepasste, aber auch deshalb nicht unsympathische Ermittlerrolle passt absolut zu Möhring, genauso wie der Film Yildirims Handschrift trägt, die bekanntlich auch härtere Milieu-Szenen aus seiner Heimatstadt gerne mal beinhaltet. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Geschichten, wo auch immer sie dann spielen werden.

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Hornblower

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Hat mir gefallen, wie Yildirim dem ganzen Tatort "Street Credibility" verliehen hat.


filmschauer

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Wird in dem Kontext spannend zu sehen sein, ob dies auch bei den nächsten Tatort-Folgen der Fall sein wird, wenn mal kein Yildirim hinter der Kamera steht. Aber Möhrings gelegentliche Wutanfälle gegen alles und jeden kennt man ja schon aus anderen Filmen mit ihm und ließe sich sicherlich geschickt in weiteren Krimi-Geschichten integrieren lassen. ;)


filmschauer
über Blutiges Blei

5.5Geht so

Tonino Valerii wird wohl auf ewig mit dem Namen Sergio Leone verbandelt bleiben. Selbst in jenen Filmen, mit denen Leone nichts zu tun hat, erscheint es in nicht wenigen Momenten überdeutlich, wo Valerii sozusagen zur Schule in Sachen Regie gegangen ist. In "Blutiges Blei" sind es diverse Beispiele, wie sowohl der fast formatfüllende Kopf einer Figur als auch eine weite Aufnahme auf eine einzige Kameraeinstellungen passen können. Diese oder andere Merkmale wie eine nette Hintergrundmelodie der Marke Bacalov oder die inszenierten Actionszenen mit Schussgarantie beweisen: der kultige Hauch des Italowesterns lebt auch hier erneut gut auf. Was nicht einmal selbstverständlich ist, weil der eigentliche Inhalt deutlicher als andere Genrevertreter Bezug auf die amerikanische Geschichte nimmt. Die Zeit vor und nach der Ermordung des US-Präsidenten Garfield 1881 als Grundthema ist in Anbetracht des Produktionsdatums des Films natürlich nicht zufällig gewählt worden. Ausgerechnet Giuliano Gemma in einer nicht zu hundert Prozent passenden Rolle ist es nun, der als rächender Gerechtigkeitskämpfer uns Zuseher durch diese Geschichte führt, die sich nicht ganz so packend darstellt wie erhofft. Das gebotene Spektakel ist mindestens solide, ohne jedoch den Schuss Originalität zu bieten, der in der Vielzahl an Italowestern dann doch nötig wäre, um eine prominentere Position einzunehmen. Der politische Ansatz ist zwar dabei eine prinzipiell stimmige Idee, erreicht aber in der Gestaltung nicht die Tragweite, wie es etwa ein Corbucci oder besonders ein Sollima mit ihren Werken meisterhaft schufen. "Blutiges Blei" bleibt somit nur akkurates Genrekino, das speziell durch handwerkliche Finessen noch reizvoll genug ist, um auch über manch inhaltliche Schwäche hinwegzusehen. In Anbetracht dessen, was Valerii sonst noch abgeliefert hat ("Der Tod ritt dienstags" oder "Mein Name ist Nobody"), muss das Wort 'Ernüchterung' zumindest erwähnt werden.

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filmschauer
über Sabrina

7.5Sehenswert

Der Name ist Programm. Sabrina hier, Sabrina dort. Jedermann lässt sich durch ihre Gegenwart ein wenig verzaubern - doch allerdings erst, sobald sie nach vollzogenem Auslandsaufenthalt nun eine selbstbewusste Frau statt das scheue Mädchen darstellt. Billy Wilder präsentiert anno 1954 nicht die unbedingt herkömmliche Coming-of-Age-Geschichte, sondern stellt sowohl die anvisierten Männer aus reichem Hause in Long Island als auch den Zuschauer nach kurzer Einleitung und französischem Intermezzo vor vollendete Tatsachen. Hier ist sie, die adrette Heimkehrerin, passend dargestellt durch eine gewisse Audrey Hepburn, die nun ihre Ziele klar gesetzt zu haben scheint: den früheren Schwarm in Gestalt von Playboy David (William Holden in einer doch relativ wenig beneidenswerten Invaliden-Rolle), der auch gleich alles stehen und liegen lässt während der x-ten Gartenparty. Da könnte die Geschichte schon ihr Ende nehmen, wäre da nicht noch das personifizierte Kontrastmittel zu David in Form seines nicht gerade ähnlichen Bruders Linus.

Ein weiteres Mal, bei dem man womöglich die Begriffe Romantik und Bogart - speziell nach jener Einführung seines Charakter in diese Geschichte - bei äußerer Betrachtungsweise nicht unbedingt verknüpfen würde, wären da nicht Wilders Regiekünste und eine große Portion schauspielerisches Vermögen der Beteiligten. Genau diese wenig gezielte Zusammenkunft von Sabrina und Linus mit ihrer anfänglichen Unverbindlichkeit macht den gestiegenen Reiz dieses Films aus, bei dem man sich zurecht fragen kann, ob dies auch mit einem Cary Grant als ursprüngliche Linus-Besetzung funktioniert hätte. Sicherlich, aber anders wahrscheinlich. "Sabrina" bleibt durchweg leichtfüßig, weiß allerdings auch an wenigen Stellen kleine nachdenkliche Töne über etwaige Lebenskonzepte anzureißen. Auch wenn das Werk plottechnisch etwas hinter Wilders breitem Pool an meisterlichen Filmen minimal zurücksteht, lohnt sich doch das (Wieder-)Entdecken dieses schönen Klassikers. Insbesondere jeder Audrey-Fan wird in diesem Falle wunschlos glücklich werden.

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filmschauer
über Tatort: Trautes Heim

6.0Ganz gut

Bei der mittlerweile sehr niedrigen Erwartungshaltung, die die Kölner Tatort-Spezis in den letzten Monaten heraufbeschwört haben, ist "Trautes Heim" immerhin ein erster Schritt in die richtige Richtung. Heraus aus der müden Krimi-Durchschnittskost, hinein in einen ungleich verheißungsvolleren Plot-Konstrukt (die Betonung liegt auf Konstrukt), der vielleicht etwas zu viele Glaubwürdigkeitspunkte flöten gehen lässt, dafür jedoch auf ziemlich gradlinige Weise seinen sich darbietenden Spannungsmomenten vertraut. Was diesen Krimi allerdings womöglich länger im Gedächtnis verweilen lässt, ist nicht mal der Whodunit selbst mit seiner hochdramatischen sowie tränenreichen Auflösung (nicht unbedingt nett gemeint), sondern der entscheidende Plottwist zuvor, der überhaupt erst den zu Beginn aufgeworfenen Unstimmigkeiten ein konkretes Bild ermöglicht. Ehegattensplitting bekommt hier eine ganz neue Bedeutung, könnte man vergnüglich spotten. Genau diese delikate Situationsbeschreibung mit ihren grotesken Folgen macht jedoch überaus Laune, die sich über die gesamten 90 Minuten erstreckt, wobei auch Schenks knackige Oneliner gewiss einen kleinen Anteil haben. Dieses Mal gönne ich den beiden Kommissaren ihr Feierabendwürstchen.

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filmschauer
über Der Himmel soll warten

4.0Uninteressant

Manchmal ist es eine wundersame Entdeckung, wenn ein vielversprechendes Werk von gestern für sich quasi neu entdeckt wird. In anderen Fällen jedoch weiß man ziemlich schnell, dass jener Film genauso schnell wieder bei einem in Vergessenheit geraten wird. "Der Himmel soll warten" wird wahrscheinlich genau zu dieser Kategorie gehören. Es waren gewiss nicht die zahlreichen Oscar-Nominierungen von einst, die im Vorhinein auf ihn aufmerksam gemacht haben. Auch nicht unbedingt, dass Warren Beatty hier das erste Mal bei der Regie mitarbeitet. Vielmehr ist es der Ausgangspunkt der Geschichte, welcher mein Interesse spontan geweckt hat. Vorher (1941) wie nachher (2001) würde dieses ursprüngliche Bühnenstück in etwas unterschiedlicher Form auf die Leinwand gebracht werden, 1978 sollte es nun ein ehrgeiziger Football-Spieler sein, der mal versehentlich kurz an der Himmelspforte anklopft, bevor er in einem anderen Körper zurück auf die Erde geschickt wird.

Aber obwohl Warren Beattys Charme viel wert sein, kompensiert es nicht die leider sehr altbacken wirkende Umsetzung dieses möglichen Komödienkrachers. Denn so richtig lustig wird es leider nur ganz selten und Beattys Präsenz in der ungewohnten Unternehmerhaut eignet sich tendenziell wenig dafür, dass man aus dem Schenkelklopfen nicht mehr heraus kommt. Scheinbar ist es die konkrete Adaption mit dieser ganzen Figurenkonstellation, die aus heutiger Sicht weniger gut funktioniert als damals. Zu allem Übel entfernt sich der Film, je länger er dauert, von dieser Komödienecke und versucht obendrein, noch etwas Gefühl und Moral in den Topf zu schmeißen. Man spürt zwar schon, dass der Plot von seiner Struktur Potential besäße (was ich anhand der beiden anderen Filmversionen in Zukunft noch prüfen könnte), die 1978er Version allerdings erfüllt die gesteckten Hoffnungen auf ein durchweg himmlisch-unterhaltsames Filmvergnügen zu wenig, als dass mich dieser Streifen noch länger in meiner cineastischen Gedankenwelt herumspuken wird.

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filmschauer
über Bis das Blut gefriert

8.0Ausgezeichnet

Hier spukt's! Zumindest, wenn man sich darauf einlässt. In "Bis das Blut gefriert" ist das die nicht unwichtige Vorüberlegung, auf die sich gewissermaßen das komplette Filmkonzept stützt. Ein altes, großes Gebäude, ein verlassenes Umland, eine mysteriöse Vergangenheit und eine klassische Schwarz-Weiß-Bebilderung mit visuell ansprechenden Ideen bilden zwar die genretypischen Grundlagen, woraufhin vier Quasi-Laboranten das Grauen erkunden. So weit, so normal womöglich. Dass Robert Wise' Film allerdings weitaus weniger plakativ und direkt wie andere Genre-Kollegen die Charaktere und auch den Zuschauer mit diversen Schockmomenten konfrontiert, verwundert allerdings dann doch. Somit kommt das obligatorische Nägelkauen weniger quantitativ als qualitativ zur Anwendung. Der Clou ist dabei besonders, dass die Personen während der Zeit in diesem Haus verschiedene Konzeptionen verkörpern, wie man mit diesem Ort und den unheimlichen Vorkommnissen umgeht.

Hervorstechend ist sicherlich die Protagonistin Eleanor Lance (herrlich irritierend gespielt von Julie Harris), die anhand des sehr viel benutzten Voice-Overs für uns einen schwer zu fassenden Seelenstriptease vollführt, wohingegen der Rest in dieser Beziehung zurückstehen muss. Die zweite wichtige Säule bildet der Professor, der die rein wissenschaftliche Sichtweise in diese Spuk-Geschichte einbringt. Die letzten beiden Personen sind hingegen eher herkömmliche Charaktere in diesem Metier, bereichern das Vierer-Ensemble jedoch mit etwas Ironie, sofern es gerade angebracht erscheint. Es ist folglich kein ganz so herkömmlicher Streifen seiner Art mit den handelsüblichen Haunted-House-Schauwerten, erzeugt durch die angesprochene Psychologisierung aber seine Weise ungemein viel Charme und Atmosphäre. Und darum muss man kein Auge zu viel zudrücken, um diesen Genre-Klassiker auch heute noch in seiner Gänze genießen zu können.

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JackoXL

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Qulität vor Quantität, so ist es. Die spärlichen, üblichen, Haunted-House-Momente sind so genial gemacht, eine Blaupause für den ganzen lahmen Geister-Schock-Unsinn, der heute so überstrapaziert wirkt.


filmschauer

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Weniger ist manchmal eben mehr, so groß und spektakulär das häusliche Ambiente inkl. potentieller Schocker-Möglichkeiten auch wirken mag. Die Grenze dabei zwischen Effektivität und nervigem Selbstzweck (bspw. bei der inflationären Benutzung von Jump-Scares) ist in diesem Genre sowieso ziemlich eng gemessen aus meiner Wahrnehmung. Allerdings bleibt dieser Teilbereich des Horrorfilms weiterhin so etwas wie mein Favorit und ich bin immer wieder dankbar, wenn sich bei heutigen Filmen etwaige Perlen auffinden lassen. Nur ist die Suche manchmal ziemlich mühsam. ;)


filmschauer
über Tatort: Wer das Schweigen bricht

5.5Geht so

Das war sie also, die letzte Folge mit Nina Kunzendorf alias Conny Mey. Obwohl diese Tatsache seit Monaten bekannt ist, wirkt es immer noch sehr schade, dass diese wunderbare Kombination mit Joachim Król als Steier nun der Vergangenheit angehören wird. Die gemeinsame Zeit ist und bleibt ein origineller Hingucker, da hier die emotionale Tragweite zwischen beiden jedes Mal aufs Neue ausgelotet wird. Dieser Stärke sind sich die Macher bewusst und nutzen diesen Aspekt nochmal stark aus, was angesichts des plötzlichen Abschieds verständlich erscheint. Allerdings gibt es in "Wer das Schweigen bricht" natürlich auch einen Fall zu lösen, der durch die unliebsame Ermittlung im Gefängnismilieu zuerst schnell auf eine wenig erbauliche Atmosphäre baut (anbei eine ästhetische Warnung an die Fußfetischisten unter uns). Die generelle Spannungskurve mag zwar nicht gerade rekordverdächtig erscheinen, jedoch rechtfertigt das nur bedingt den unverkennbaren Wechsel der erzählerischen Prioritäten. Denn ab einem bestimmten Punkt geht es fast nur noch um Meys Fortgang. Diese beiden unterschiedlichen Themenkomplexe harmonieren leider nur wenig - zu Lasten eines wirklich überzeugenden Krimis, da die restliche Geschichte des Mordfalls beinahe zu Staffage wird, was dieser eigentlich nicht verdient hätte. Wer jedoch zuallererst einen guten Einblick in das Innenleben von Mey und besonders auch den notorisch leidenden Steier bekommen will, wenn die Trennung naht, wird durch manch ikonischen Moment sicherlich nicht enttäuscht werden. Nun ja, machen Sie's gut, Frau Mey!

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filmschauer
über Serpico

8.0Ausgezeichnet

Es ist nicht mal allzu lang her, da war New York City nicht die wunderschöne, florierende Stadt, die heute fast jeden in den Bann zieht - egal, ob man schon mal dort war oder nicht. Vor rund 40 Jahren gab es ein anderes NYC auf den Straßen zu sehen: dreckig, verarmt und kriminell. Doch man müsste lügen, würde man nicht genau deshalb die besten und spannendsten Kino-Geschichten erwarten. Der ehrenwerte Sidney Lumet, ein Kind dieser Stadt, hatte sich nicht nur einmal an unbequeme Themen gewagt, die an diesem Ort ihr Zentrum haben. In "Serpico" geschieht dieses Aufreißen einer tiefen Wunde auf Basis einer realen Person. Jener Frank Serpico war ein paar Jahre zuvor zwischenzeitlich das Enfant terrible der New Yorker Polizei. Dies äußerte sich neben dem modischen Aspekt auch anhand seines Egos und dem Idealtraum einer korrekten Polizeiarbeit. Sein bitterlicher und zugleich kämpferischer Weg durch die Schikanen dieses Apparats, der durch Korruption und anderen Krankheiten regelrecht zernagt erscheint, bildet gemeinsam mit einer erzählerischen Klammer die Grundlage für Lumets packenden Streifen. Bemerkenswert ist, wie systematisch dieser Zerreißprozess von statten geht, den der Regisseur gewohnt nüchtern und punktgenau inszeniert. Hochglanzbilder wird man hier gewiss nicht auffinden. Zugleich lässt sich dieser beispielhafte Widerstandskampf auch generalisieren, was moralische Ansprüche und Gerechtigkeitssinn innerhalb einer Organisation betrifft. Davon abgesehen kann "Serpico" nicht ohne den Namen Al Pacino genannt werden, der diesen Film mit seiner Präsenz fast alleine stemmen kann. Er überstrahlt sämtliche Mitstreiter, was allerdings auch passenderweise mit der isolierten Stellung Serpicos bei seinem Kampf einhergeht. Und er schafft es, dass man als Zuschauer über zwei Stunden gebannt diesem bedrückenden Portrait folgt, bei dem Erfolg und Scheitern leider kein direkter Widerspruch sein muss. Ein starker Vertreter aus der Blütezeit des New Hollywood.

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filmschauer

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Jepp, er war ein Guter.


JackoXL

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So ein toller Film, muss ich dringend mal wieder aus dem Regal ausgraben. Pacino und Lumet waren in den 70ern eine grandiose Kombo.


filmschauer
über Berlin: Die Sinfonie der Großstadt

8.0Ausgezeichnet

Die Welt der Musik und die der Maschinen sind nicht erst seit gestern auf gewisse Weise kompatibel miteinander. Beide folgen einer gewissen Taktfrequenz, wobei Letzteres auch die Lebenswelt der Menschen in den letzten Jahrhunderten entschieden revolutioniert hat. Keine schlechte Idee also, diesen Aspekt auch mal für filmische Zwecke zu verwenden. Regisseur Walther Ruttmann hat vor über 85 Jahren hierdurch Berlin ein cineastisches Denkmal verliehen, welches geschickt Bildmontage und Orchestereinsatz verknüpft, wenn ein einziger Tag in dieser pulsierenden Metropole an einem vorbeizieht. Berlin ist hier die Hauptfigur, die wir nach der Zugankunft am frühen Morgen in den unterschiedlichsten Facetten kennenlernen dürfen, bis irgendwann die nächtlichen Leuchtreklamen das Ende des langen Tages markieren. Ein ungewöhnliches Experiment in fünf Akten, das aber funktioniert, weil künstlerischer Anspruch und das dokumentarische Potential gut Hand in Hand gehen. Mag die damals wegweisende Schnittfolge für heutige Augenpaare kein sonderlich aufregendes Element mehr darstellen, so beeindruckt doch der realistische Einblick in das Großstadtleben der 20er Jahre. Damit dürfte das Werk selbst bei so manch notorischem Stummfilm-Muffel noch Anklang finden.

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filmschauer
über Tatort: Eine Handvoll Paradies

2.0Ärgerlich

Vielleicht ist es noch zu früh, nach erst zwei Episoden ein abschließendes Urteil über den neuen Saarbrücker Tatort abzugeben. Bei Devid Striesow, den ich eigentlich für einen der begabtesten Schauspieler in diesem Land halte, besteht zumindest immer wieder die Hoffnung, dass da doch noch was kommt. Allerdings haben er sowie alle unmittelbar Beteiligten sich mit dieser grotesken bis albernen Kunstfigur Stellbrink, dessen mögliche Vorbilder lieber nicht ausgesprochen werden sollten, so sehr in die Krimiklamauk-Nesseln gesetzt, dass es fast schon unmöglich erscheint, dies noch in erträgliche Bahnen zu lenken. Klar, der Tatort könnte sicherlich neben den momentan etwas müden Münsteraner eine zweite Stadt vertragen, die einem komödiantischen Konzept nachjagt. Wenn denn das Konzept funktionieren würde. Stellbrink ist jedoch ein realitätsferneres Comic Relief, als es Boerne und Thiel gemeinsam je sein könnten, was den bisher gezeigten Krimifällen die völlige Spannung herauszieht, ohne dass der beabsichtigte Humor dies irgendwie kompensieren könnte. Hinzu kommt das weitere Ermittler-Personal wie die erstaunlich blasse Lisa Marx oder die zweite Kunstfigur einer enervierenden Staatsanwältin, die gemeinsam weiterhin keinen tragfähigen Gegenpol zu ihm verkörpern können. So kommt eins und eins zusammen, wenn dann in "Eine Handvoll Paradies" die eine Rockerbande-Geschichte (ach, schon wieder?) im völlig unpassenden Degeto-Look aufgetischt wird, was bei den sowieso vorhandenen Problemen wenig hilfreich erscheint. Darüber hinaus schafft man es doch tatsächlich, den einzig nennenswerten Bad Guy (Claude-Oliver Rudolph) in diesem Plot vollkommen zu verschenken. Das Resultat? Wie schon im Vorgänger "Melinda" wirkt das viel mehr wie eine Langfolge einer dieser Vorabendserien als wie möglicher Tatort, sofern man den Titelvorspann mit Doldingers Musik nicht mitbekommen hat. Nein, nein, nein, das will ich nicht sehen, auch ihn Zukunft nicht.

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filmschauer
über Westwind

7.5Sehenswert

Würde man ganz nüchtern auf "Westwind" schauen, mit seinen Figuren, den verschiedenen Verflechtungen oder den ganzen Umständen wie der historischen Einordnung, dann wäre die Angelegenheit sicherlich schnell durchsichtig. Doch es zeichnet einen gelungenen Film aus, wenn das Offensichtliche gekonnt verpackt wird. Robert Thalheim schafft genau das und präsentiert eine sehr stimmige Liebesgeschichte, die folglich das Schicksal der beiden ostdeutschen Ruder-Schwestern bestimmen wird. Entscheidend - wie so oft in diesem Metier - sind natürlich die Darsteller, wobei insbesondere die beiden Damen Friederike Becht und Luise Heyer eine harmonische und jederzeit glaubhafte Kombination abgeben. Ihrem Zusammenspiel ist es zu verdanken, dass sowohl die im Verlauf intensivierte Emotionalität als auch die zeitliche Besonderheit (Sommer '88 in Ungarn) niemals zu einem Klischee verkommt. Vielleicht hätte der eine oder andere Nebencharakter trotz größerer Präsenz mehr individuellen Raum bekommen können, ist jedoch im Angesicht des locker-leichten und zugleich präzisen Timings sowie durch den verständlichen Fokus auf das diffizile Innenleben der beiden Protagonistinnen mehr als verschmerzbar. Eine angenehme Überraschung und beispielhaft für junges, deutsches Kino mit Potential.

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filmschauer
über Solitary Man

7.0Sehenswert

Obwohl "Solitary Man" schon drei, vier Jahre auf dem Buckel hat, ist diese Produktion bisher völlig an mir vorbeigegangen. Wenn man sich jedoch alleine das deutsche DVD-Cover ansieht, welches mit einem auffallend coolen Michael Douglas mit Sonnenbrille eher an einen ausgelutschten 08/15-Thriller erinnert als dass er an die eigentlichen Stärken von "Solitary Man" appelliert, verwundert das insgesamt sehr schwache Ergebnis am Box Office nicht. Insofern geht der wirtschaftliche Misserfolg fast einher mit dem eigentlichen Inhalt. Douglas' Charakter repräsentiert jene Altersklasse, die wahrscheinlich die Midlife Crisis schon hinter sich gebracht haben sollte. Doch dieser Ben Kalmen, ein selbstsicherer Ex-Autohändler, ist in dieser Hinsicht ein Beispiel, wie Lebenswege mustergültig gegen die Wand gefahren werden kann - ohne die Einsicht, selbst wirklich grundlegend etwas falsch gemacht zu haben. Dies bietet einerseits eine ungeheure Tragik, doch zugleich durch Kalmen offenkundigem Fehlverhalten gegenüber Mitmenschen und Systemen auch eine treffende Komik. Das hier zuständige Regie-Duo Brian Koppelman und David Levien nutzen Letzteres, um zuerst für den Zuseher einen lockeren Einstieg in die Welt des Protagonisten zu schaffen, nur um peu à peu diese brüchige Schale von Kalmens letzten Idealen langsam davon bröckeln zu sehen. Auf diesem beschwerlichen Weg der Selbsterkenntnis vermeidet der Film zwar nicht manche extreme Situation, die richtigen (Lebens-)Fragen stellt dieser dennoch. Dies unterscheidet den Film dann doch von ähnlichen Genrekollegen. Außerdem zeigt "Solitary Man" neben interessanten Nebenrollen (Sarandon, DeVito, Poots) mustergültig auf, dass mit Michael Douglas schauspielerisch immer noch zu rechnen ist. Der Blick hinter die vermeintlich langweilige Fassade hat sich also gelohnt.

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filmschauer
Kommentare

Schöne Sachen gibt es da, danke an die Technikabteilung!
Apropos App-Weiterentwicklung: Wird eigentlich noch an der mobilen Seite gewerkelt? Die frist ja schon seit einiger Zeit 'nur' ein offizielles Beta-Dasein und bietet noch einige Optimierungsmöglichkeiten (Zugang zu älteren Artikeln, mobiles Profil, Erkennung von Serientiteln in der Suche, usw.). Oder geht die Richtung vielleicht eh langfristig in Richtung Responsive Webdesign?

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Ben Kenobi

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Verstehe ich dich also richtig, Sonse, dass sich auch an der mobilen Seite was tut (ist für diejenigen, die kein Android/iOS haben, durchaus wichtig...), und nicht nur an den Apps?


Sonse

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Ja, verstehst du richtig. Weil beide Bereiche zukünftig zusammenhängen werden. :)


filmschauer
über Tatort: Macht und Ohnmacht

6.0Ganz gut

Heimatbesuch at its worst: Da gibt's nach vielen Jahren mit dem nicht vergessenen Ex-Kollegen Carlo Menzinger ein Wiedersehen in München und gleich gerät er in einen Sumpf von Gewalt, Intrigen und mysteriösen Todesfällen - meistens gar mit zweifelhaftem Logenplatz. Kein besonders guter Zeitpunkt, um die frohe Hochzeitsbotschaft seinen Freunden mitzuteilen. "Macht und Ohnmacht" bietet emotional sowieso weniger Licht als viel mehr Schatten, sobald es um die knallharte Arbeitswelt der hiesigen Polizei geht. Speziell die ersten zwanzig Minuten, in denen das Stammpersonal Batic und Leitmayr noch komplett außen vor bleiben, bieten einen intensiven Anfang in diese Kriminalgeschichte (spezielles Lob an den für mich bisher unbekannten Darsteller Emilio De Marchi). Dem Film von Regisseur Thomas Stiller sieht man gleich an, dass er nicht den üblichen Tatort drehen will, schaut man mal allein auf die ungewohnt hartkörnige Bebilderung des Geschehens. Darüber hinaus versucht das Drehbuch, sich nie in die Karten schauen zu lassen. Zeitweise müssen sogar mehrere Todesfälle zeitgleich geklärt werden, was nicht nur beim Zuseher zahlreiche nebulöse Thesen in den Raum werfen lässt, sondern ferner auch auf die Verbindung zwischen Schutz- und Kriminalpolizei eingeht. Schade jedoch, dass sich die Macher dazu hinreißen ließen, diese Schraube etwas zu weit zu drehen, weshalb die schlussendliche Auflösung des Ganzen der aufgeworfenen Problemfelder zu Beginn nicht mehr so ganz gerecht wird, sondern eher der herkömmlichen Whodunit-Prozessur im Baukastenformat gleichkommt. Dies hinterlässt einen kleinen faden Nachgeschmack, denn ansonsten war das ziemlich vielversprechend, was uns der Münchner Tatort diesmal geboten hat. Auch wenn Carlo bedauerlicherweise kein Stammgast werden wird. Naja, wer will es ihm verdenken?

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filmschauer
über Sideways

7.5Sehenswert

Reibung erzeugt Wärme, nicht nur in der Physik, sondern auch manchmal in Filmen. Besonders, wenn auf dem Regiestuhl ein gewisser Alexander Payne sitzt, der immer wieder ein gutes Händchen dafür hat, Schauspieler durch eine funktionierende, lebensechte Geschichte brillieren zu lassen. In "Sideways" sind es Paul Giamatti und Thomas Haden Church, die enge Kumpels in mittlerem Alter verkörpern und eine gemeinsame Urlaubswoche vor der Hochzeit des einen zu verbringen. Allerdings könnten ihre Charakterzüge unterschiedlicher nicht sein: der eine ist notorisch verklemmt, der andere auffallend kontaktfreudig (zweimal darf man raten, wer hier wen spielt). Mal glückt dem einen eine Situation, während dem anderen wieder ein Missgeschick passiert und vice versa. Dazwischen gibt es viele intensive Weinproben, abenteuerliche Frauengeschichten und schließlich das klassische Hinterfragen über das eigene Schaffen. Payne gelingt es, das Situationskomik mit ernsten Momenten wunderbar zu vereinen, ohne das der Pegel großartig nach links oder rechts ausschlägt. Diese auf eine Woche eingegrenzte Tragikkomödie vermag zwar an bestimmten Stellen den vorhersehbaren Weg einzuschlagen, vollführt dies jedoch auf so sympathische Weise, dass man locker darüber hinwegsehen kann. Denn selten war das Lachen über die Sinnkrise entspannter.

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filmschauer
über Dark Shadows

5.5Geht so

Auf den ersten Blick scheint es eigentlich eine sichere Nummer zu sein, wenn die vorher schon die Welt von "Dark Shadows", einer ehemaligen ABC-Serie, mit der eines Tim Burton zusammenschmilzt. Das Wort 'sicher' kann allerdings einerseits bedeuten, dass Burton damit nicht unbedingt sein künstlerisches Repertoire in ganz neue Gefilde ausbreitet, andererseits sollte daraus ja wohl kaum ein schlechter Film herausspringen, oder? Immerhin sind mit Johnny Depp oder Helena Bonham Carter die üblichen Verdächtigen am Start, ebenso gibt es mit Chloe Moretz, Eva Green oder diversen anderen Schauspielerkollegen eine sehr attraktive Figurenkonstellation. Auch das charmante Retro-Setting der 70er hat, anders wie Burtons Vorgängerwerk "Alice im Wunderland", grundlegend genügend atmosphärisches Schauer-Potential. Doch irgendwie will der Film nicht so recht für Begeisterung sorgen. Der Grund ist schnell gefunden: die von einer Serienidee in einen Spielfilm adaptierte Drehbuchversion ist weitaus weniger originell wie vielleicht vermutet, nimmt mit einer überflüssig genauen Einleitung, bevor die eigentliche Handlung beginnt, einige Überraschungen vorweg und lässt gegen Ende arg konventionell und mau diese Geschichte enden. Was schade ist, da es durchaus schöne (Familien-)Szenen zwischen der Depp-Figur Barnabas Collins und den Menschen zu sehen gibt, obwohl mancher Charakter sicherlich noch mehr in die Geschichte einbezogen werden hätte können (wo wir wieder beim Serienursprung wären). Viele Genrebereiche werden versucht anzureißen, ohne wirklich dabei Nachdruck zu verleihen, womit der mögliche Tragik des Hauptdarstellers weitestgehend flöten geht. Es ist mal etwas witzig, mal etwas gruselig, mal etwas spannend, mal etwas nachdenklich. Im Großen und Ganzen mag das ganz nett sein, im Angesicht des prominenten Regiepostens muss "Dark Shadows" aber mindestens als leichte Enttäuschung eingestuft werden. Bitte Tim, mach doch mal was richtig Neues!

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TheAvenger68

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Eva Green spielt aber fantastisch !!!
Ansonsten war ich auch enttäuscht !


filmschauer

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@Arntor: Thx!
@TheAvenger68: Joa, auf jeden Fall ein Hingucker.


filmschauer
über Tatort: Summ, Summ, Summ

5.0Geht so

Schlager, Spinnen und Stalkerei: Vor wenigen Jahren hätte man bei der Sichtung von "Summ, summ, summ" noch gefragt, ob dies eine Folge aus dem vergessenen Giftschrank sein würde: Eine Episode, bei der man in der ganzen Umsetzung ad hoc eher auf das Produktionsjahr 2003 als 2013 tippen würde und zudem zwar die Klaviatur der liebgewonnenen Krimikomödie bedient, jedoch in keiner Situation aus der breiten Tatort-Masse hinaufsteigen kann. Nun gut, Thiel und Boerne bleiben eben Thiel und Boerne, die immerhin in vereinzelten Szenen noch humorige Momente erzeugen können. Die weiteren Personen bleiben wie üblich mordsmäßige Staffage, seien es ein schauspielernder Roland Kaiser oder eine bemitleidenswerte Fritzi Haberland. Immerhin: Wer sich auf die sehr gediegene Geschichte einlässt, bekommt einen halbwegs funktionierenden Whodunit-Plot präsentiert. Dieser vollbringt nach dem jüngsten Wolbeck-Fiasko ein bisschen Rehabilitierung in eigener Sache, wenn auch auf niedrigem Niveau. Aber vielleicht müssen ja bei den Münsteraner in Bezug auf die Erwartungen bis auf weiteres kleinere Brötchen gebacken werden, denn noch müssen sie mich davon überzeugen, dass sie nicht doch so langsam qualitativ ihre große Zeit hinter sich haben.

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filmschauer
über Work Hard - Play Hard

7.5Sehenswert

Es gibt viele Dokus, bei dem der jeweilige Sprecher analytisch alles erklärt - akkurat und klassisch erkenntnisvermittelnd. Und dann gibt es Dokus, die sich genau dieser üblichen Gangart entziehen und dabei lieber nur zeigen, was man als stiller Partner zu sehen bekommt. "Work Hard - Play Hard" gehört in diese Sparte, die tendenziell mehr vom Zuschauer erfordert, aber vielleicht deshalb umso spannender sein können. Verblüffend ist zudem, dass sich Carmen Losmanns bemerkenswerter 'Atmo-Film' mit dem Thema (Büro-)Arbeit der Zukunft auseinandersetzt, was vordergründig weniger geeignet erscheint. Diese objektiv gehaltene, impressionistische Einsicht in verschiedene Unternehmen mit ihren gut gemeinten Arbeitskonzepten ist aber der eigentliche Clou: So enthusiastisch die Menschen von ihren Personalwesen-Visionen in vielen hochgestochenen Denglisch-Phrasen in verschiedenen Interviews oder anderen Situationen plaudern, so unterschiedlich kann der jeweilige Eindruck bei jedem Einzelnen sein, sei es nun eher positiv, neutral oder negativ. Die unterkühlte Distanz der Filmemacher, bei der nur ganz subtile Bild- und Tonideen den Takt vorgeben, lässt die Entscheidung im Großen und Ganzen offen. Dieser unvoreingenommenen Herangehensweise ist wahrscheinlich dann auch zu verdanken, dass die Szenen mit den Beteiligten so ungemein realistisch und echt wirken, als wäre das Kamerateam unsichtbar gewesen. Dies wirkt in manchen Momenten mal höchst unspektakulär, dann wiederum beinahe unheimlich. Dass es über die scheinbar unendlich optimierbare Ressource Mensch sich nachzudenken lohnt, wird nicht erst durch diese empfehlenswerte Doku klar. Oh, du schöne, moderne Arbeitswelt...

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filmschauer
über Tatort: Schwarzer Afghane

5.0Geht so

Als Freund von Wortspielen hat auch "Schwarzer Afghane" gewissermaßen seine Qualitäten, wenngleich das Titelmotiv eher makabere Züge hat. Dies ist jedoch schon eines der wenigen Besonderheiten, die der neueste Leipziger Tatort für sich verbuchen kann. Business as usual, wenn mal wieder die klassischen Themen abgegrast (höhö) werden. Konstruiert ist dabei noch eine Untertreibung, wenn man sich den vermeintlichen Brandunfall genauer vor Augen führt. Selten tiefgründig oder gar originell (Klischee-Stichwort: Afghane), allerdings dramaturgisch einigermaßen funktional für einen 90-Minüter. Wenig Neues auch auf Seiten der Ermittler. Keppler kommt frisch aus dem Urlaub zurück, was ihn jedoch keineswegs davon abhält, noch am Flughafen das Ruder des Handelns an sich zu reißen und Saalfeld wie üblich blass aussehen lässt. Symptomatisch: Sie hat eigentlich nur eine erinnerungswürdige Szene, wenn es ausgerechnet mit hohen Absätzen am Bachufer zu balancieren gilt, um das explosive Fundstück des Tages aufzunehmen. Der Rest hat bis auf einen großen Twist wenig zu bieten und auch das im Grunde brisant aussehende Finale unterläuft konsequent die Erwartungen an den wirklichen Thrill, das das Geschehen hätte auslösen können. Nicht sonderlich schlecht, aber auch nie sonderlich gut. Eben der handelsübliche Tatort-Durchschnitt, vor dem man im Jahr 2013 bisher meist verschont wurde.

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filmschauer
über Mordanklage gegen einen Studenten

7.0Sehenswert

"Mordanklage gegen einen Studenten" vereint im Filmtitel schon ganz gut seine Absichten: brisantes Politkino über Generationenkonflikte, der Suche nach Gerechtigkeit und einer besseren Zukunft. Themen, die in diversen italienischen Filmen aus der Zeit vor 40 Jahren ihre Verwendung erfuhren. Mauro Bolognini greift dies dadurch auf, indem er vordergründig eine verhängnisvolle Vater-Sohn-Geschichte erzählt, nachdem es bei einer Demo zwischen Polizei und Studenten zu schweren Krawallen und Toten auf beiden Seiten kommt. Dies ist sehr nüchtern, manchmal sogar kühl umgesetzt, wirkt deshalb aber nicht weniger eingängig, weil auch die handelnden Schauspieler wie Massimo Ranieri oder Martin Balsam sehr glaubwürdig in ihren Rollen wirken. Sowieso lässt sich die moralische Komponente, die der Film unabhängig seines damaligen Zeitgeistes heraufbeschwört, noch durchaus auf das Hier und Jetzt übertragen. Sicherlich ist Bologninis Werk vergleichsweise unspektakulär und vielleicht deshalb auch ein wenig aus dem Blickfeld der Filmgeschichte geraten. Wer deshalb etwas Zusatzmotivation braucht, um dem Film doch mal eine Chance zu geben, dem sei noch gesagt, dass darüber hinaus ein gewisser Ennio Morricone für eine gewohnt gute Musikuntermalung sorgt.

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