Wahrscheinlich würde Girls mir besser gefallen, hätte ich nie einen einzigen Artikel oder Blogtext über die Serie gelesen. Momentan habe ich noch ein Bisschen das Gefühl, dass ich irgendwas nicht sehe, obwohl ich eigentlich müsste – entweder müsste ich mich über den der Serie gelegentlich vorgeworfenen Rassismus bzw. die mangelnde diversity aufregen (Um ganz klar zu sein: Die Kritik ist zweifelsohne berechtigt, doch sie gilt auch für so ziemlich jede einzelne andere Serie – warum kriegt gerade Girls jetzt den ganzen Backlash ab?) oder Lena Dunhams angebliches Genie feiern. Alles, was ich sehe, ist jedoch eine Serie, die meist klassischen Sitcom-Dramaturgien und -Konvention folgt und sich bisher wenn überhaupt nur zaghaft an so etwas wie Charakterentwicklung wagt.
Ohne Frage hat Girls dabei seine brillanten Momente, die bisher jedoch fast ausschließlich Dunhams Figur vorbehalten sind. Ihre schriftstellerischen Ambitionen (die irgendwie gleichzeitig ernst genommen und als Motivation für Hannas oft egoistisches, rücksichtsloses Verhalten bloßgestellt werden), die Beziehung zu ihren Eltern, die Demütigungen, die sie im Job erleiden muss – all das ist scharf beobachtet sowie pointiert und oft extrem witzig präsentiert. Die anderen drei Hauptfiguren lassen mich aber bisher noch ziemlich kalt, da sie entweder schlicht langweilig (Marnie) oder unglaubwürdige Karikaturen (Jessa und Shoshanna) sind. Hinzu kommt, dass alle nennenswerten Beziehungen der Hauptfiguren (Hanna zu Adam, Marnie zu ihrem noch langweiligeren (Ex-)Freund) von vornherein als reine Problemstellung angelegt sind und Dunham keine Zeit darauf verwendet, zu erklären, was irgendeiner dieser Menschen am anderen findet, sodass ich keinen Grund sehe, warum ich mich als Zuschauer dafür interessieren soll, wer hier mit wem zusammenbleibt oder vögelt oder nicht.
Wann immer ich mich jedoch gerade dafür entschieden habe, die Serie zu hassen, folgt einer dieser subtil-brillanten Momente (Hanna „komponiert“ ihren Tweet, ihr Chef nimmt ihre Ankündigung, nicht mehr umsonst arbeiten zu wollen, wie selbstverständlich als Kündigung wahr etc.) oder wenigstens einer dieser schmerzhaft-komischen (jede Hanna/Adam-Sexszene) und ich kann zumindest erahnen, warum die Serie so viele Kritiker in Ekstase versetzt. Das ist immerhin genug, um mich vom Potential von Girls zu überzeugen und glauben zu lassen, dass die Probleme der Serie eher Kinderkrankheiten sind und Dunham nur Zeit braucht, um ihre Figuren und deren Beziehungen auszuarbeiten.
[…]MEN IN BLACK 3 funktioniert; er erfüllt die minimalen Erwartungen, die man als Zuschauer an einen Film dieser Reihe hat: Er findet milde amüsanten Humor im Zusammenprall von J.'s Dauergeplapper und konstruierter 90er-Jahre-Jugendsprache (an einer Stelle benutzt J. den Begriff "Shiznit") mit K.'s trockener, geradliniger Einsilbigkeit, lässt sie in (im Vergleich mit den meisten anderen aktuellen Blockbustern charmant klein angelegten) Actionszenen auf allerlei kreativ designte, eklig-faszinierende Aliens treffen (gerade Boris, dessen Handflächen sich öffnen, um schleimige Insekten freizugeben, ist ein grandios-abstoßender Charakter) und irgendwann redet jemand darüber, wie unendlich groß und wundervoll das Universum ist. Regisseur Barry Sonnenfeld und seine Autoren verkneifen sich zwar dankbarerweise, eine dritte Liebesgeschichte mit Agent J. zu erzählen, reichlich Schmalz gibt es am Ende trotzdem.[…]
[…]Sicher, manches an DARK SHADOWS unterhält leidlich: Barnabas zitiert mit Hingabe und Gravitas Steve Millers The Joker. Angelique verführt ihn, was zu einer stellenweise bizarren Sexszene führt. Das Finale, in dem Burton dann noch einmal richtig dick aufträgt. Und Johnny Depp-Fans werden sich - obwohl der zweifelsohne talentierte und, wenn er denn will, auch recht wandlungsfähige Darsteller in Tim Burtons neueren Werken grundsätzlich seine uninteressantesten Leistungen abliefert, indem er wieder und wieder dieselbe Rolle recyclet - wahrscheinlich erneut an dessen Performance erfreuen.
Doch all das sowie der einzigartige Look retten am Ende wenig: Was nützt es, wenn Charaktere weiße Schminke und seltsame Frisuren tragen und in liebevoll designten Sets agieren, wenn man sich als Zuschauer nicht für sie interessiert? Was nützt der hier und da aufblitzende Willen, einen erwachsenen, eigenartigen, campy Film zu drehen, wenn das Ziel letztlich doch ein harmloser, "familienfreundlicher" Kompromissfilm zu sein scheint - und nicht einmal das wirklich zufriedenstellend erreicht wird?[…]
Als Chloe Moretz Alice Cooper erwähnt hat hab ich mich gefreut, aber dann machen sie ja nichts mit ihm außer dem einen, leidlich komischen Witz...find den ziemlich verschenkt, genau wie Christopher Lee...
[…]Diese Umkehrung der Rollen ist nur der offensichtlichste und elaborierteste von vielen Seitenhieben, die von der gängigen Praxis, Teenagerrollen mit Mittdreißigern zu besetzen bis hin zur übermäßig hohen Explosions-Gefahr von Autos in Actionfilmen - ein Klischee, aus dem der Film, trotz jahrelanger Parodie bei den SIMPSONS, doch überraschend frische, gelungene Gags herausholt - fast jede erdenkliche Konvention gleich mehrerer Genres aufs Korn. Dementsprechend temporeich, geradezu hyperaktiv wirkt er und man könnte, auch angesichts gelegentlicher Ausbrüche ins Absurde (ein Drogentrip der Protagonisten ist beispielsweise Anlass für eine ausufernde und äußerst alberne Kette von animierten Halluzinationen), durchaus von Überfrachtung sprechen, wenn nicht so gut wie jeder Witz auch tatsächlich zünden würde. Diese schiere Menge an treffsicheren Gags und einprägsamen Momenten erreichen ansonsten nur die besseren Werke von Will Ferrell und Adam McKay.
[…]
[…]Autor Will Reiser hat im Drehbuch zu 50/50, auf Drängen seines Freundes Seth Rogen, seine eigene Krebserkrankung verarbeitet und fiktionalisiert. Rogen spielt Adams besten Freund Kyle und damit im Grunde eine Version seiner selbst (wer jetzt behauptet, das gelte für jede von Rogens Rollen, hat vielleicht nicht ganz unrecht, doch in diesem Fall basiert die Figur eben auf ihm). Das ist durchaus mutig, denn auch wenn Rogens Charakter durchaus liebenswürdig ist, zeigt der Film ihn doch auch in Momenten - seine kindliche Freude, wenn Adams verhasste Freundin einen anderen küsst, ist das unterhaltsamste Beispiel - in denen er sich egoistisch und empathielos verhält. Genau solche Momente machen ihn - und fast alle anderen Charaktere - jedoch so lebensecht und 50/50 so sehenswert. Die Figuren agieren nachvollziehbar und benehmen sich wie lebendige, eigenständige Menschen, auch und gerade dann, wenn sie unsympathisch und selbstsüchtig agieren. Auch die Komik von 50/50 resultiert vor allem daraus, dass seine Charaktere in ihrem Versuch, eigene Ängste zu überspielen, das Komische und Absurde in Adams Situation suchen.[…]
Ähm...natürlich ist die Entscheidung der BBFC Unsinn, sie als "Willkür" zu bezeichnen ist jetzt aber auch nicht so ganz fair...das Wort "cunt" (um das es hier jawohl geht) ist a) nicht so harmlos wie du es darstellst, sondern (in vielen Fällen) diskriminierend (jaja, sagen können muss man's trotzdem und there's no such thing as bad words, yadayada) und b) führt es in UK so gut wie immer, und nicht nur in diesem einen Fall, zum 18er Rating, außer wenn es "durch den Kontext zu rechtfertigen" ist (in Kick-Ass ist es zum Beispiel durchgegangen, wohl weil es da "for comic effect" genutzt wird und weil es eine weibliche Figur zu ein paar Männern sagt, dann verliert es den diskriminierenden Charakter).
Dass so eine Hochstufung wegen der Sprache im Film erfolgt, ist natürlich trotzdem Schwachsinn. Aber es ist kein Beweis für Willkür, sondern für zu starre bzw. veraltete und generell unsinnige Regeln.
[…]Whedon wäre nicht Whedon, wäre MARVEL'S THE AVENGERS nur ein Film über ein paar Superhelden, die eine Alien-Invasion stoppen. Es ist ein Film über Menschen (und einen außerirdischen Halbgott), die merklich nicht zusammengehören und die nicht Helden sind, weil sie besondere Fähigkeiten haben, sondern die zu Helden werden, indem sie ihre Vergangenheit, ihre Dämonen oder einfach ihr Ego (kurzzeitig) überwinden und sich zusammenrotten (und dann eine Alien-Invasion stoppen). Das ist ein wiederkehrendes Motiv in Whedons Werk, das er zweifelsohne anderswo tiefgründiger verhandelt hat, doch MARVEL'S THE AVENGERS gesteht seinen Figuren interessantere Konflikte und Persönlichkeiten zu, als im Genre gewohnt. Wie gut die Balance zwischen den einzelnen Subplots gelingt ist beeindruckend: Die in Solo-Abenteuern sorgsam aufgebauten Charaktere, neben Thor, Steve Rogers/Captain America (Chris Evans) und Tony Stark/Iron Man (ein erneut großartiger Robert Downey Jr.), stehen tatsächlich gleichberechtigt neben der bisher nur als Nebenfigur aufgetretenen Natasha Romanoff/Black Widow (Scarlett Johansson) und - das erfreut besonders - Bruce Banner, Marvels bisheriger Problemfigur.[…]
[…]Chronicle bricht das klassische Found Footage-Konzept – zu dem er sich ohnehin nur halbherzig bekennt, ist doch von Anfang an überdeutlich, dass die Bilder auf der Leinwand nicht mit der angeblich benutzten Kamera aufgenommen wurden – recht bald auf, indem durch die Einführung einer Vloggerin (Ashley Hinsaw) als Love Interest von Andrews ebenfalls mit Superkräften ausgestatteten Cousin Matt (Alex Russell) eine zweite Kamera eingeführt und dadurch, dass Andrew lernt, seine Kamera per Telekinese zu bedienen die Möglichkeit zu neuen, mit der typischen Handkamera nicht erreichbaren Einstellungen geschaffen wird. Man mag sich an dieser Stelle fragen, warum sich Trank überhaupt für die selten so unglaubwürdig umgesetzte Found Footage-Inszenierung entschied – und findet die Antwort im spektakulären, actionreichen Finale, dass durch den geschickten Einsatz von weiteren Kameras (News-Hubschrauber, Smartphones etc.) die Found Footage-Konventionen sprengt, sich aber dadurch, dass es zwar zwischen rasant verschiedenen Personen und damit Perspektiven springt, aber eben doch stets nur kleine, subjektive Ausschnitte aus dem Geschehen zeigt, auch von einem „klassischen“ Blockbuster-Finale abhebt[…]
[…]Das Nostalgie-Geschäft boomt zur Zeit ohnehin und hat auch schon wunderbare Filme wie DIE MUPPETS hervorgebracht. Kevin Smith fragte sich in CLERKS 2 schon 2006, was aus den Helden seines ersten Films geworden ist und drehte damit einen seiner besten Filme. Doch AMERICAN PIE - DAS KLASSENTREFFEN geht weiter als der wehmütige Blick zurück. Das Drehbuch klammert sich - vielleicht, weil die Autoren, HAROLD & KUMAR-Macher Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg, einfach zu große Fans sind - verzweifelt an die Vergangenheit der Reihe. Dieselben Beziehungen derselben Charaktere werden abgearbeitet, echte Weiterentwicklung wird eigentlich niemandem zugestanden und neue Figuren - wie Jims 18jährige Nachbarin Kara (Ali Cobrin), die ihn verführen will oder Kevins (Thomas Ian Nicholas) Ehefrau Ellie (Charlene Amoia) - erfüllen lediglich ihre Funktion im Plot und werden nie zu echten Charakteren entwickelt. Der Film hängt der bezeichnenderweise von Sean William Scotts Stifler, der natürlich noch bei seiner Mutter lebt, ausformulierten Ansicht nach, dass die Schulzeit "die geilste Zeit des Lebens" und jede Weiterentwicklung ein Verrat ist.[…]
Nach allem, was ich gelesen hab, haben sie die (toten) Tiere von nem Jäger gekauft, und ich wüsste nicht, warum man das nicht glauben sollte. Man kann also jetzt höchstens auf den Jäger losgehen, ich hab aber auch keine Ahnung, warum es schlimmer sein soll, ein Eichhörnchen zu erschießen als zum Beispiel eine Kuh zu schlachten. Finde beides eher doof, aber über das hier jetzt so empört zu sein, find ich etwas verlogen (es sei denn, man lauert auch regelmäßig dem örtlichen Metzger mit Farbeimern auf). Und Lawrence kann man nun wirklich gar nix vorwerfen, die hat das Vieh ja nicht umgebracht und der "Screw PETA."-Satz ist im Interview ganz eindeutig als Witz zu erkennen und das muss jawohl erlaubt sein. Von PETA war aber irgendwie nix anderes als diese gekünstelte Empörung zu erwarten, die entlarven sich ja in schöner Regelmäßigkeit als lächerlicher, humorloser Quatschverein.
[…]SUPER ist so schwer zu fassen wie sein Protagonist. Die grotesken Effekte während Franks Visionen und Comics entlehnte Elemente wie Sprech- und "Geräuschblasen" geben einzelnen Sequenzen eine surreale, cartoonhafte und manchmal etwas alberne Qualität. Daneben stehen aber immer wieder explizite, realistische Gewaltdarstellungen, die daran erinnern, dass Franks "göttliche Mission" weder heroisch noch harmlos ist. Und doch ist Frank irgendwie auch eine tragische Figur, mit der man mitfühlen kann, SUPER auch ein Film über die persönliche Reise seines Protagonisten, der neben Mythos-Dekonstruktion und satirischem Kommentar auf sein Genre auch Platz lässt für menschliche Momente.[…]
[…]Von den geheimniskrämenden Dorfbewohnern, die Radcliffe als Eindringling sehen über Ciarán Hinds bei ebendiesen verhassten Skeptiker bis hin zur Hintergrundgeschichte der Frau in Schwarz hat man als Genre-Fan jedes Element des Films schonmal irgendwo gesehen, sodass DIE FRAU IN SCHWARZ auch reichlich mut- und ideenlos wirkt (dass man Oldschool- und Haunted House-Horror durchaus in einem frischen, modernen Gewand präsentieren kann, beweist beispielsweise Ti Wests brillanter THE INNKEEPERS).
Deswegen sei Genre-Kennern aber keinesfalls von DIE FRAU IN SCHWARZ abgeraten. Dass ein Horrorfilm sich auf seine Charaktere, seine Atmosphäre und oft auch die Vorstellungskraft seiner Zuschauer verlässt, ist heute selten genug. […]
Hunger Games ist irgendwie ein Witz ohne Pointe: In 2 1/2 Stunden erreicht der Film nicht viel mehr, als die Welt von Panem zu etablieren (und selbst das macht er mehr schlecht als recht, denn wirklich viel über den Zukunfststaat erfahren wir nicht). Anders als seine deutlich schwächere Vorlage, die wirklich so gar nicht versucht, Katniss’ Kampf in der Arena in einen größeren Zusammenhang zu bringen, schaltet der Film immerhin zwar hin und wieder aus der Arena, blickt hinter die Kulissen der Hunger Games oder in Katniss’ Distrikt und zeigt so in kleinen Ansätzen, welche Konsequenzen Katniss’ „Auftritt“ hat, doch im Großen und Ganzen beschränkt der Film sich auf Katniss’ Überlebenskampf und ist so weniger der Anfang, eher der Prolog zu einer (hoffentlich) größeren, komplexeren Geschichte in den Fortsetzungen. Angeblich soll das Ganze ja irgendwie satirisch sein, das funktioniert aber nicht so recht, weil Panem einfach keinerlei Bezug zum Amerika der Gegenwart hat und die ganze „Die Hunger Games halten die Bevölkerung vom Rebellieren ab“-Idee hinten und vorne keinen Sinn ergibt (können die Arbeiter aus gewerkschaftlichen Gründen nur einen Monat im Jahr rebellieren oder was?). Einzige Ausnahme in dieser Hinsicht oder wenigstens gut beobachtet ist bezeichnenderweise die von echten Cineasten™ (Twilight-Bashern) im Vorfeld als Basis für nur so mittelgut begründete Kritik vorgebrachte Liebesgeschichte, die immer auch (zumindest von Katniss’ Seite aus) ein Element der Inszenierung hat (man vergleiche z.B. die letzten Staffeln vom Dschungelcamp).
Trotzdem hat Hunger Games als Franchise ein gewisses Potential. Sei es diese gewisse Lust an Camp und Trash, die sich in der komplett ironiefreien Darstellung der völlig unplausiblen Technik des Films (schlecht getrickste Fantasy-Hunde können per Touchscreen ohne Zeitverzögerung an jedem Punkt in der Arena platziert werden) und den großartig schrillen Nebenfiguren zeigt (Stanley Tucci, der seine Rollen ja seit Jahren nur noch danach auswählt, wie fabulous sie sind, als Talk-Show-Host, Lenny Kravitz als Stylisten-Schwuppe), sei es die immerhin halbwegs komplexe und vor allem: eigenständige Hauptfigur die die immer wunderbare Jennifer Lawrence mit viel Präsenz und Charisma spielt (es stört mich allerdings ein Bisschen, mit welcher Selbstverständlichkeit Katniss, eine für mich jederzeit sympathische Figur, durchgängig als „unlikable“ bezeichnet wird, was ja nicht nur Woody Harrelsons Figur tut, sondern quasi zu einem Handlungstrang wird – anscheinend eben weil sie eigenständig, stark und komplex ist – aber hey, Katniss macht immerhin irgendwas, das ist ja nicht selbstverständlich im YA-Genre).
Wahrscheinlich mochte ich den Film aber vor allem deshalb, weil er sein Publikum ernst nimmt. Die Gewalt mag dank PG13 bedingtem Wackelkamera-Gehusche nicht explizit sein, doch sie ist durchaus greifbar, die Fallhöhe des Films eine andere, als man es in diesem Genre gewohnt ist. Für Katniss steht etwas auf dem Spiel und das spürt man, wenn sie geliebte Figuren sterben sieht, wenn sie selbst zum Töten gezwungen wird.
Wirklich gut ist Hunger Games deswegen nicht unbedingt, doch da ist eine Menge Luft nach oben, eine Menge ungenutztes Potential, das dann in den Fortsetzungen hoffentlich genutzt wird.
Da ich die Bücher gelesen habe, glaub ich eher, dass sich die Satire auf die Menschen bezieht. Frei nach dem Motto "Panem et circenses" (indem ja auch das Wort Panem stckt) soll wohl gezeigt werden, dass sich die grundlegende Art des Menschen nicht ändert und ihm alles egal ist solange es gut geht. Siehe Rom und die Gladiatoren.
Was sich dadurch auch auf Amerika bezieht, da es in ihrem Verdränungswettbewerb anderen Ländern schadet damit sie wirtschaftliche Vorteile hat und die Bevölkerung ruhig ist solange sie alles haben. Was im Film ja auch sehr deutlich wird, da sich die Bevölkerung des Kapitols sich nur um das Spektakel interessiert und nicht um die Menschen
Hugos hochartifizieller, bis ins Detail durchkonzeptionierter Look und die Slapstick-artigen Action- und Verfolgungsszenen mit Sascha Baron Cohens direkt einem Cartoon entsprungenen Bahnhofsaufseher lassen einen bisweilen glauben, man sei wieder in Tintin gelandet. Und so wie Tintin kindlich-albernen Humor mit recht real wirkender Gewalt mischte, will Hugo in seiner kunterbunten Kinder-Fantasiewelt auch von echten, menschlichen Schicksalen erzählen und ganz nebenbei noch ein Bisschen Filmgeschichte vermitteln. Für sich genommen funktionieren die einzelnen Versatzstücke durchaus, ihre Verwebung gelingt jedoch mehr schlecht als recht und wirklich originelle Einfälle sucht man zwischen Dickens’scher Waisenkind-Story und Amelie-Kitsch-Romantik ohnehin vergebens, aber Hugo ist ja auch eine „Liebeserklärung an das Kino“, was ja Kritiker-Deutsch ist für: Der Film zeigt, wie toll Kino mal war, nicht wie toll Kino heute sein kann. Dass trotz allem kindgerechten Humor die Protagonisten nie wirklich Kind sein dürfen, sondern sich meist eher wie kleine Erwachsene verhalten, ist ebenso bedauerlich, verwundert aber nicht wirklich, denn mit Ausnahme von Spike Jonzes Wo die wilden Kerle wohnen gilt das für so ziemlich jeden modernen Film, in dem Kinder die Hauptrolle spielen.
Hin und wieder gelingen Scorsese dennoch ein paar hübsche Miniaturen, wenn Hugo und Chloe Moretz’ Isabelle gemeinsam ihren ersten Film erleben, wenn Baron Cohen mit ungelenkem Lächeln versucht, eine Frau anzusprechen oder wenn Méliès dann endlich der eigenen Vergangenheit nachgibt und sich an seine besten Zeiten als Filmemacher erinnert. Die Darsteller (mit Ausnahme des ausschließlich auf Niedlichkeit gecasteten Asa Butterfield) tun ihr übriges, gerade Ben Kingsley und Helen McCrory verleihen ihren Rollen eine Tiefe, die das Drehbuch eigentlich nur bedingt herzugeben scheint.
Und irgendwo ist Hugo dann ja doch ein durchweg liebenswerter, warmherziger Film, der zwar nicht zu überraschen oder begeistern weiß, aber als Fluff zwischendurch doch ordentlich unterhält – wenn man denn damit zurechtkommt, dass der Film sich nie so recht entscheiden kann, was er eigentlich will. Wirklich etwas einzuwenden gibt es weder gegen Cartoon-Einflüsse, noch gegen malerische Bilder und schon gar nicht gegen ein Bisschen sentimentale Verklärung der „Magie des Kinos“ – eine Liebeserklärung nach meinem Geschmack wäre dennoch eher, wenn zur Abwechslung mal irgendwer eine neue, originelle Idee verfilmen würde.
[…]Es ist nicht im eigentlichen Sinne befriedigend, aber durchaus erfrischend, wie sich Codys Drehbuch klassischen Hollywood-Strukturen und echter Charakter-Entwicklung verweigert. Vieles bleibt in YOUNG ADULT unausgesprochen, unbeantwortet, undefiniert. So auch Mavis' "Beziehung" mit Matt: Nach einer der deprimierenderen Sex-Szenen der Kinogeschichte hört die gemeinsame Geschichte der beiden mit Mavis' Rückkehr nach Minneapolis einfach auf, eine Antwort auf die Frage, ob und was die Beziehung für Mavis bedeutet hat, bleibt der Film schuldig und das ist gut so: Cody hat kein Interesse daran, ihre Hauptfigur am Ende eine Wandlung zum Positiven durchmachen zu lassen und das Publikum so mit einem guten Gefühl zu entlassen - eben Erwartungen zu erfüllen.[…]
Joa, großartig wäre mir jetzt etwas zuviel, aber der ist auf jeden Fall unterschätzt. Ihre bisher beste Arbeit ist für mich aber United States of Tara, ärgert mich noch immer ein Bisschen, dass die Serie abgesetzt wurde.
Es ist offensichtlich, dass hier Aaron Sorkin seine Finger im Spiel hatte – positiv wie negativ: Einerseits sind die Dialoge gewohnt temporeich und pointiert, andererseits interessiert sich der Film genauso wie The Social Network null für sein eigenes Thema. Was genau an der neuen Methode von Jonah Hills Figur , Spieler zu beurteilen so revolutionär sein soll, wird zu keiner Sekunde wirklich deutlich – dass einfach mal jemand angefangen hat, vernünftig Buch zu führen, kann ja nun nicht die neue Idee sein, die „das Spiel verändern“ kann, oder?
Als jemand, dem Mannschaftssportarten suspekt sind und bei dem Baseball in erster Linie Brennball-Traumata aus Schulzeiten in Erinnerung ruft, muss ich allerdings anerkennen, wie interessant, wie mitreißend Moneyball den Sport auch (wahrscheinlich besser: gerade) für Nicht-Fans präsentiert. Zum Einen wird in diesem Fall Sorkins Desinteresse an der Materie fast zum Vorteil, denn Baseball findet hier weniger auf dem Platz (sagt man das so?) als in Statistiken, Platzierungen und Dialogen statt – viel nerdiger kann man Sport nicht mehr präsentieren. Zum anderen verwebt der Film die Situation der Mannschaft recht geschickt mit der persönlichen Geschichte des Managers Billy Beane, der noch dazu von Brad Pitt teils nuanciert, teils kurz vor der Karikatur, aber immer äußerst charismatisch verkörpert wird. Und gerade weil der Film sich klassischer Sportfilm-Dramaturgie verweigert (wohl auch, weil es sich um eine semi-wahre Geschichte handelt), ist er am Ende dramatischer und berührender als die meisten anderen Genre-Vertreter.
P.S: So gern ich Jonah Hill mag und so lustig ich es finde, dass der Dicke aus Superbad jetzt Oscar-nominiert ist: Was er hier macht ist nun wirklich nichts besonderes, auch, weil seine Figur kläglich underwritten ist.
[…]Statt über interessante Charaktere, Plot oder Ideen funktioniert DRIVE über Atmosphäre und Stimmungen. Über weite Strecken im Mittelteil dominiert den Film eine fast schon kitschige Romantik. Wenn sich Goslings und Mulligans Figuren zu träumerisch-schönen Bildern und 80s-Retro-Soundtrack einander annähern ruft das - bedenkt man, dass man als Zuschauer nie wirklich eine Beziehung zu den platten Figuren aufbaut - beeindruckend zielsicher Emotionen hervor. Daneben stellt Refn im dritten Akt kurze, plötzliche Ausbrüche expliziter Gewalt, die im Kino selten so spürbar ist wie hier.
[…]
Bei aller Präzision in der Inszenierung ist DRIVE aber eben doch style over substance. So unterhaltsam, so fesselnd der Film unmittelbar wirkt, so intensiv das Erlebnis, am Ende ist er eben doch ein recht schnörkelloser Actionfilm ohne inhaltlichen Mehrwert. Verpassen sollte man den Film deshalb auf keinen Fall, doch der allgemeine Hype erscheint ein wenig überzogen.
[…]Dieser Plot ist sicher nicht besonders originell oder spannend, doch das muss er auch nicht sein. Wichtiger ist, dass Jason Segel und sein Co-Autor, NIE WIEDER SEX MIT DER EX-Regisseur Nicolas Stoller, ein Drehbuch geschrieben haben, dass nicht nur die "Let's put on a show!"-Mentalität des ersten Films und der TV-Serie einfängt, sondern auch mit viel Selbstironie die lange Abwesenheit der Muppets thematisiert - da fragt eine TV-Produzentin (Rashida Jones) die Muppets, als sie um Sendezeit bitten "Are you guys even relevant anymore?", Fozzy Bear spielt in heruntergekommenen Kneipen Cover-Versionen der Muppets-Klassiker mit der Tribute-Band "Moopets" und Amy Adams kommentiert Kermits Zögern, einer Muppets-Reunion zuzustimmen, mit "This is gonna be a very short movie."[…]
Ja, PV war zum Glück im Original. Das OV-Kino hier in Köln zeigt ihn anscheinend leider nicht, deswegen bin ich ganz froh dass ich ihn so schon sehen konnte.
Also für mich, der jedesmal gefühlte Stunden mit Bus und Bahn ins Kino fahren muss, tut diese Aussage schon irgendwie weh. ;) Nee, ist kein OV-Kino, obwohl es hin und wieder Ausnahmen gibt.
Ok, werde es dann dennoch bei Gelegenheit mal ausprobieren wenn's so schön sein soll ;) Vielleicht bei The Artist oder so, wo die Sprache eher nebensächlich ist :D
WER IST HANNA? hat wenig mit dem bisherigen Werk von Regisseur Joe Wright (ABBITTE) zu tun und ist auch ansonsten recht schwer zu fassen, ignoriert er doch konsequent jegliche Konventionen und Genregrenzen. Der Plot pendelt irgendwo zwischen Thriller/Suspense, Action, Coming-of-Age und leichtem Sci-Fi-Einschlag, Märchen-Motive und cartoonhafte Antagonisten stehen neben realistisch-kühlen Bildern - und dennoch wirkt WER IST HANNA? nie unentschlossen oder überladen. Denn im Mittelpunkt steht immer die 15jährige, seit frühester Kindheit von ihrem Vater (Eric Bana) zum Überleben und Töten trainierte Hanna (hervorragend gespielt von Saoirse Ronan), die, auf der Flucht vor einer skrupellosen CIA-Agentin (Cate Blanchett), zum ersten Mal andere Menschen als ihren Vater sieht und sich in der ihr fremden Welt zurechtfinden muss.
BRAUTALARM wurde allerorten als "der weibliche HANGOVER" bezeichnet, was dem Film höchstens ansatzweise gerecht wird: Das Hochzeits-Thema und der teils brachiale Humor mögen durchaus an Todd Phillips' Kassenerfolg erinnern, doch Hauptdarstellerin und Autorin Kristen Wiig fand in ihrem Drehbuch auch Raum für glaubwürdig gezeichnete Charaktere und Beziehungen und auch die hervorragende Besetzung (neben Wiig unter anderem mit Maya Rudolph eine weitere SNL-Veteranin und der aus THE IT CROWD bekannte Chris O'Dowd als Wiigs love interest) überzeugt in den leiseren Momenten ebenso wie in den sketchartigen, over-the-top Comedy-Szenen.
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HerrLehmann
über die Serie Girls 2012/05/31 02:11:50
Wahrscheinlich würde Girls mir besser gefallen, hätte ich nie einen einzigen Artikel oder Blogtext über die Serie gelesen. Momentan habe ich noch ein Bisschen das Gefühl, dass ich irgendwas nicht sehe, obwohl ich eigentlich müsste – entweder müsste ich mich über den der Serie gelegentlich vorgeworfenen Rassismus bzw. die mangelnde diversity aufregen (Um ganz klar zu sein: Die Kritik ist zweifelsohne berechtigt, doch sie gilt auch für so ziemlich jede einzelne andere Serie – warum kriegt gerade Girls jetzt den ganzen Backlash ab?) oder Lena Dunhams angebliches Genie feiern. Alles, was ich sehe, ist jedoch eine Serie, die meist klassischen Sitcom-Dramaturgien und -Konvention folgt und sich bisher wenn überhaupt nur zaghaft an so etwas wie Charakterentwicklung wagt.
Ohne Frage hat Girls dabei seine brillanten Momente, die bisher jedoch fast ausschließlich Dunhams Figur vorbehalten sind. Ihre schriftstellerischen Ambitionen (die irgendwie gleichzeitig ernst genommen und als Motivation für Hannas oft egoistisches, rücksichtsloses Verhalten bloßgestellt werden), die Beziehung zu ihren Eltern, die Demütigungen, die sie im Job erleiden muss – all das ist scharf beobachtet sowie pointiert und oft extrem witzig präsentiert. Die anderen drei Hauptfiguren lassen mich aber bisher noch ziemlich kalt, da sie entweder schlicht langweilig (Marnie) oder unglaubwürdige Karikaturen (Jessa und Shoshanna) sind. Hinzu kommt, dass alle nennenswerten Beziehungen der Hauptfiguren (Hanna zu Adam, Marnie zu ihrem noch langweiligeren (Ex-)Freund) von vornherein als reine Problemstellung angelegt sind und Dunham keine Zeit darauf verwendet, zu erklären, was irgendeiner dieser Menschen am anderen findet, sodass ich keinen Grund sehe, warum ich mich als Zuschauer dafür interessieren soll, wer hier mit wem zusammenbleibt oder vögelt oder nicht.
Wann immer ich mich jedoch gerade dafür entschieden habe, die Serie zu hassen, folgt einer dieser subtil-brillanten Momente (Hanna „komponiert“ ihren Tweet, ihr Chef nimmt ihre Ankündigung, nicht mehr umsonst arbeiten zu wollen, wie selbstverständlich als Kündigung wahr etc.) oder wenigstens einer dieser schmerzhaft-komischen (jede Hanna/Adam-Sexszene) und ich kann zumindest erahnen, warum die Serie so viele Kritiker in Ekstase versetzt. Das ist immerhin genug, um mich vom Potential von Girls zu überzeugen und glauben zu lassen, dass die Probleme der Serie eher Kinderkrankheiten sind und Dunham nur Zeit braucht, um ihre Figuren und deren Beziehungen auszuarbeiten.
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HerrLehmann
über Men in Black 3 2012/05/23 20:46:45
[…]MEN IN BLACK 3 funktioniert; er erfüllt die minimalen Erwartungen, die man als Zuschauer an einen Film dieser Reihe hat: Er findet milde amüsanten Humor im Zusammenprall von J.'s Dauergeplapper und konstruierter 90er-Jahre-Jugendsprache (an einer Stelle benutzt J. den Begriff "Shiznit") mit K.'s trockener, geradliniger Einsilbigkeit, lässt sie in (im Vergleich mit den meisten anderen aktuellen Blockbustern charmant klein angelegten) Actionszenen auf allerlei kreativ designte, eklig-faszinierende Aliens treffen (gerade Boris, dessen Handflächen sich öffnen, um schleimige Insekten freizugeben, ist ein grandios-abstoßender Charakter) und irgendwann redet jemand darüber, wie unendlich groß und wundervoll das Universum ist. Regisseur Barry Sonnenfeld und seine Autoren verkneifen sich zwar dankbarerweise, eine dritte Liebesgeschichte mit Agent J. zu erzählen, reichlich Schmalz gibt es am Ende trotzdem.[…]
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HerrLehmann
über Dark Shadows 2012/05/11 01:20:30
[…]Sicher, manches an DARK SHADOWS unterhält leidlich: Barnabas zitiert mit Hingabe und Gravitas Steve Millers The Joker. Angelique verführt ihn, was zu einer stellenweise bizarren Sexszene führt. Das Finale, in dem Burton dann noch einmal richtig dick aufträgt. Und Johnny Depp-Fans werden sich - obwohl der zweifelsohne talentierte und, wenn er denn will, auch recht wandlungsfähige Darsteller in Tim Burtons neueren Werken grundsätzlich seine uninteressantesten Leistungen abliefert, indem er wieder und wieder dieselbe Rolle recyclet - wahrscheinlich erneut an dessen Performance erfreuen.
Doch all das sowie der einzigartige Look retten am Ende wenig: Was nützt es, wenn Charaktere weiße Schminke und seltsame Frisuren tragen und in liebevoll designten Sets agieren, wenn man sich als Zuschauer nicht für sie interessiert? Was nützt der hier und da aufblitzende Willen, einen erwachsenen, eigenartigen, campy Film zu drehen, wenn das Ziel letztlich doch ein harmloser, "familienfreundlicher" Kompromissfilm zu sein scheint - und nicht einmal das wirklich zufriedenstellend erreicht wird?[…]
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Batzman 2012/05/11 01:24:46
Antwort löschenDu kleiner Grinch :) Er war nicht soooo gut, aber auch nicht soo schlecht. Alleine die Alice Cooper-Szene hat einiges gut gemacht.
HerrLehmann 2012/05/11 01:28:10
Antwort löschenAls Chloe Moretz Alice Cooper erwähnt hat hab ich mich gefreut, aber dann machen sie ja nichts mit ihm außer dem einen, leidlich komischen Witz...find den ziemlich verschenkt, genau wie Christopher Lee...
HerrLehmann
über 21 Jump Street 2012/05/09 20:34:29
[…]Diese Umkehrung der Rollen ist nur der offensichtlichste und elaborierteste von vielen Seitenhieben, die von der gängigen Praxis, Teenagerrollen mit Mittdreißigern zu besetzen bis hin zur übermäßig hohen Explosions-Gefahr von Autos in Actionfilmen - ein Klischee, aus dem der Film, trotz jahrelanger Parodie bei den SIMPSONS, doch überraschend frische, gelungene Gags herausholt - fast jede erdenkliche Konvention gleich mehrerer Genres aufs Korn. Dementsprechend temporeich, geradezu hyperaktiv wirkt er und man könnte, auch angesichts gelegentlicher Ausbrüche ins Absurde (ein Drogentrip der Protagonisten ist beispielsweise Anlass für eine ausufernde und äußerst alberne Kette von animierten Halluzinationen), durchaus von Überfrachtung sprechen, wenn nicht so gut wie jeder Witz auch tatsächlich zünden würde. Diese schiere Menge an treffsicheren Gags und einprägsamen Momenten erreichen ansonsten nur die besseren Werke von Will Ferrell und Adam McKay.
[…]
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HerrLehmann
über 50/50 - Freunde fürs (Über)Leben 2012/05/03 20:08:56
[…]Autor Will Reiser hat im Drehbuch zu 50/50, auf Drängen seines Freundes Seth Rogen, seine eigene Krebserkrankung verarbeitet und fiktionalisiert. Rogen spielt Adams besten Freund Kyle und damit im Grunde eine Version seiner selbst (wer jetzt behauptet, das gelte für jede von Rogens Rollen, hat vielleicht nicht ganz unrecht, doch in diesem Fall basiert die Figur eben auf ihm). Das ist durchaus mutig, denn auch wenn Rogens Charakter durchaus liebenswürdig ist, zeigt der Film ihn doch auch in Momenten - seine kindliche Freude, wenn Adams verhasste Freundin einen anderen küsst, ist das unterhaltsamste Beispiel - in denen er sich egoistisch und empathielos verhält. Genau solche Momente machen ihn - und fast alle anderen Charaktere - jedoch so lebensecht und 50/50 so sehenswert. Die Figuren agieren nachvollziehbar und benehmen sich wie lebendige, eigenständige Menschen, auch und gerade dann, wenn sie unsympathisch und selbstsüchtig agieren. Auch die Komik von 50/50 resultiert vor allem daraus, dass seine Charaktere in ihrem Versuch, eigene Ängste zu überspielen, das Komische und Absurde in Adams Situation suchen.[…]
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
HerrLehmann
zum Artikel Jugendfreigabe - Sag niemals dieses eine Wort! 2012/04/28 14:15:01
Ähm...natürlich ist die Entscheidung der BBFC Unsinn, sie als "Willkür" zu bezeichnen ist jetzt aber auch nicht so ganz fair...das Wort "cunt" (um das es hier jawohl geht) ist a) nicht so harmlos wie du es darstellst, sondern (in vielen Fällen) diskriminierend (jaja, sagen können muss man's trotzdem und there's no such thing as bad words, yadayada) und b) führt es in UK so gut wie immer, und nicht nur in diesem einen Fall, zum 18er Rating, außer wenn es "durch den Kontext zu rechtfertigen" ist (in Kick-Ass ist es zum Beispiel durchgegangen, wohl weil es da "for comic effect" genutzt wird und weil es eine weibliche Figur zu ein paar Männern sagt, dann verliert es den diskriminierenden Charakter).
Dass so eine Hochstufung wegen der Sprache im Film erfolgt, ist natürlich trotzdem Schwachsinn. Aber es ist kein Beweis für Willkür, sondern für zu starre bzw. veraltete und generell unsinnige Regeln.
bedenklich? 8 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Mitch McDeere 2012/04/29 19:56:59
Antwort löschenDem ersten Teil stimme ich zu, dem zweiten überhaupt nicht
HerrLehmann
über Marvel's The Avengers 2012/04/23 21:59:49
[…]Whedon wäre nicht Whedon, wäre MARVEL'S THE AVENGERS nur ein Film über ein paar Superhelden, die eine Alien-Invasion stoppen. Es ist ein Film über Menschen (und einen außerirdischen Halbgott), die merklich nicht zusammengehören und die nicht Helden sind, weil sie besondere Fähigkeiten haben, sondern die zu Helden werden, indem sie ihre Vergangenheit, ihre Dämonen oder einfach ihr Ego (kurzzeitig) überwinden und sich zusammenrotten (und dann eine Alien-Invasion stoppen). Das ist ein wiederkehrendes Motiv in Whedons Werk, das er zweifelsohne anderswo tiefgründiger verhandelt hat, doch MARVEL'S THE AVENGERS gesteht seinen Figuren interessantere Konflikte und Persönlichkeiten zu, als im Genre gewohnt. Wie gut die Balance zwischen den einzelnen Subplots gelingt ist beeindruckend: Die in Solo-Abenteuern sorgsam aufgebauten Charaktere, neben Thor, Steve Rogers/Captain America (Chris Evans) und Tony Stark/Iron Man (ein erneut großartiger Robert Downey Jr.), stehen tatsächlich gleichberechtigt neben der bisher nur als Nebenfigur aufgetretenen Natasha Romanoff/Black Widow (Scarlett Johansson) und - das erfreut besonders - Bruce Banner, Marvels bisheriger Problemfigur.[…]
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HerrLehmann
über Chronicle - Wozu bist du fähig? 2012/04/18 01:22:32
[…]Chronicle bricht das klassische Found Footage-Konzept – zu dem er sich ohnehin nur halbherzig bekennt, ist doch von Anfang an überdeutlich, dass die Bilder auf der Leinwand nicht mit der angeblich benutzten Kamera aufgenommen wurden – recht bald auf, indem durch die Einführung einer Vloggerin (Ashley Hinsaw) als Love Interest von Andrews ebenfalls mit Superkräften ausgestatteten Cousin Matt (Alex Russell) eine zweite Kamera eingeführt und dadurch, dass Andrew lernt, seine Kamera per Telekinese zu bedienen die Möglichkeit zu neuen, mit der typischen Handkamera nicht erreichbaren Einstellungen geschaffen wird. Man mag sich an dieser Stelle fragen, warum sich Trank überhaupt für die selten so unglaubwürdig umgesetzte Found Footage-Inszenierung entschied – und findet die Antwort im spektakulären, actionreichen Finale, dass durch den geschickten Einsatz von weiteren Kameras (News-Hubschrauber, Smartphones etc.) die Found Footage-Konventionen sprengt, sich aber dadurch, dass es zwar zwischen rasant verschiedenen Personen und damit Perspektiven springt, aber eben doch stets nur kleine, subjektive Ausschnitte aus dem Geschehen zeigt, auch von einem „klassischen“ Blockbuster-Finale abhebt[…]
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HerrLehmann
über American Pie - Das Klassentreffen 2012/04/15 22:13:42
[…]Das Nostalgie-Geschäft boomt zur Zeit ohnehin und hat auch schon wunderbare Filme wie DIE MUPPETS hervorgebracht. Kevin Smith fragte sich in CLERKS 2 schon 2006, was aus den Helden seines ersten Films geworden ist und drehte damit einen seiner besten Filme. Doch AMERICAN PIE - DAS KLASSENTREFFEN geht weiter als der wehmütige Blick zurück. Das Drehbuch klammert sich - vielleicht, weil die Autoren, HAROLD & KUMAR-Macher Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg, einfach zu große Fans sind - verzweifelt an die Vergangenheit der Reihe. Dieselben Beziehungen derselben Charaktere werden abgearbeitet, echte Weiterentwicklung wird eigentlich niemandem zugestanden und neue Figuren - wie Jims 18jährige Nachbarin Kara (Ali Cobrin), die ihn verführen will oder Kevins (Thomas Ian Nicholas) Ehefrau Ellie (Charlene Amoia) - erfüllen lediglich ihre Funktion im Plot und werden nie zu echten Charakteren entwickelt. Der Film hängt der bezeichnenderweise von Sean William Scotts Stifler, der natürlich noch bei seiner Mutter lebt, ausformulierten Ansicht nach, dass die Schulzeit "die geilste Zeit des Lebens" und jede Weiterentwicklung ein Verrat ist.[…]
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HerrLehmann
zum Artikel Jennifer Lawrence steht auf Tieropfer 2012/04/13 20:00:37
Nach allem, was ich gelesen hab, haben sie die (toten) Tiere von nem Jäger gekauft, und ich wüsste nicht, warum man das nicht glauben sollte. Man kann also jetzt höchstens auf den Jäger losgehen, ich hab aber auch keine Ahnung, warum es schlimmer sein soll, ein Eichhörnchen zu erschießen als zum Beispiel eine Kuh zu schlachten. Finde beides eher doof, aber über das hier jetzt so empört zu sein, find ich etwas verlogen (es sei denn, man lauert auch regelmäßig dem örtlichen Metzger mit Farbeimern auf). Und Lawrence kann man nun wirklich gar nix vorwerfen, die hat das Vieh ja nicht umgebracht und der "Screw PETA."-Satz ist im Interview ganz eindeutig als Witz zu erkennen und das muss jawohl erlaubt sein. Von PETA war aber irgendwie nix anderes als diese gekünstelte Empörung zu erwarten, die entlarven sich ja in schöner Regelmäßigkeit als lächerlicher, humorloser Quatschverein.
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HerrLehmann
über Super - Shut up, Crime! 2012/04/11 00:16:45
[…]SUPER ist so schwer zu fassen wie sein Protagonist. Die grotesken Effekte während Franks Visionen und Comics entlehnte Elemente wie Sprech- und "Geräuschblasen" geben einzelnen Sequenzen eine surreale, cartoonhafte und manchmal etwas alberne Qualität. Daneben stehen aber immer wieder explizite, realistische Gewaltdarstellungen, die daran erinnern, dass Franks "göttliche Mission" weder heroisch noch harmlos ist. Und doch ist Frank irgendwie auch eine tragische Figur, mit der man mitfühlen kann, SUPER auch ein Film über die persönliche Reise seines Protagonisten, der neben Mythos-Dekonstruktion und satirischem Kommentar auf sein Genre auch Platz lässt für menschliche Momente.[…]
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HerrLehmann
über Die Frau in Schwarz 2012/03/27 21:44:01
[…]Von den geheimniskrämenden Dorfbewohnern, die Radcliffe als Eindringling sehen über Ciarán Hinds bei ebendiesen verhassten Skeptiker bis hin zur Hintergrundgeschichte der Frau in Schwarz hat man als Genre-Fan jedes Element des Films schonmal irgendwo gesehen, sodass DIE FRAU IN SCHWARZ auch reichlich mut- und ideenlos wirkt (dass man Oldschool- und Haunted House-Horror durchaus in einem frischen, modernen Gewand präsentieren kann, beweist beispielsweise Ti Wests brillanter THE INNKEEPERS).
Deswegen sei Genre-Kennern aber keinesfalls von DIE FRAU IN SCHWARZ abgeraten. Dass ein Horrorfilm sich auf seine Charaktere, seine Atmosphäre und oft auch die Vorstellungskraft seiner Zuschauer verlässt, ist heute selten genug. […]
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HerrLehmann
über Die Tribute von Panem - The Hunger Games 2012/03/27 01:20:25
Hunger Games ist irgendwie ein Witz ohne Pointe: In 2 1/2 Stunden erreicht der Film nicht viel mehr, als die Welt von Panem zu etablieren (und selbst das macht er mehr schlecht als recht, denn wirklich viel über den Zukunfststaat erfahren wir nicht). Anders als seine deutlich schwächere Vorlage, die wirklich so gar nicht versucht, Katniss’ Kampf in der Arena in einen größeren Zusammenhang zu bringen, schaltet der Film immerhin zwar hin und wieder aus der Arena, blickt hinter die Kulissen der Hunger Games oder in Katniss’ Distrikt und zeigt so in kleinen Ansätzen, welche Konsequenzen Katniss’ „Auftritt“ hat, doch im Großen und Ganzen beschränkt der Film sich auf Katniss’ Überlebenskampf und ist so weniger der Anfang, eher der Prolog zu einer (hoffentlich) größeren, komplexeren Geschichte in den Fortsetzungen. Angeblich soll das Ganze ja irgendwie satirisch sein, das funktioniert aber nicht so recht, weil Panem einfach keinerlei Bezug zum Amerika der Gegenwart hat und die ganze „Die Hunger Games halten die Bevölkerung vom Rebellieren ab“-Idee hinten und vorne keinen Sinn ergibt (können die Arbeiter aus gewerkschaftlichen Gründen nur einen Monat im Jahr rebellieren oder was?). Einzige Ausnahme in dieser Hinsicht oder wenigstens gut beobachtet ist bezeichnenderweise die von echten Cineasten™ (Twilight-Bashern) im Vorfeld als Basis für nur so mittelgut begründete Kritik vorgebrachte Liebesgeschichte, die immer auch (zumindest von Katniss’ Seite aus) ein Element der Inszenierung hat (man vergleiche z.B. die letzten Staffeln vom Dschungelcamp).
Trotzdem hat Hunger Games als Franchise ein gewisses Potential. Sei es diese gewisse Lust an Camp und Trash, die sich in der komplett ironiefreien Darstellung der völlig unplausiblen Technik des Films (schlecht getrickste Fantasy-Hunde können per Touchscreen ohne Zeitverzögerung an jedem Punkt in der Arena platziert werden) und den großartig schrillen Nebenfiguren zeigt (Stanley Tucci, der seine Rollen ja seit Jahren nur noch danach auswählt, wie fabulous sie sind, als Talk-Show-Host, Lenny Kravitz als Stylisten-Schwuppe), sei es die immerhin halbwegs komplexe und vor allem: eigenständige Hauptfigur die die immer wunderbare Jennifer Lawrence mit viel Präsenz und Charisma spielt (es stört mich allerdings ein Bisschen, mit welcher Selbstverständlichkeit Katniss, eine für mich jederzeit sympathische Figur, durchgängig als „unlikable“ bezeichnet wird, was ja nicht nur Woody Harrelsons Figur tut, sondern quasi zu einem Handlungstrang wird – anscheinend eben weil sie eigenständig, stark und komplex ist – aber hey, Katniss macht immerhin irgendwas, das ist ja nicht selbstverständlich im YA-Genre).
Wahrscheinlich mochte ich den Film aber vor allem deshalb, weil er sein Publikum ernst nimmt. Die Gewalt mag dank PG13 bedingtem Wackelkamera-Gehusche nicht explizit sein, doch sie ist durchaus greifbar, die Fallhöhe des Films eine andere, als man es in diesem Genre gewohnt ist. Für Katniss steht etwas auf dem Spiel und das spürt man, wenn sie geliebte Figuren sterben sieht, wenn sie selbst zum Töten gezwungen wird.
Wirklich gut ist Hunger Games deswegen nicht unbedingt, doch da ist eine Menge Luft nach oben, eine Menge ungenutztes Potential, das dann in den Fortsetzungen hoffentlich genutzt wird.
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Sedsch 2012/04/23 17:12:01
Antwort löschenDa ich die Bücher gelesen habe, glaub ich eher, dass sich die Satire auf die Menschen bezieht. Frei nach dem Motto "Panem et circenses" (indem ja auch das Wort Panem stckt) soll wohl gezeigt werden, dass sich die grundlegende Art des Menschen nicht ändert und ihm alles egal ist solange es gut geht. Siehe Rom und die Gladiatoren.
Was sich dadurch auch auf Amerika bezieht, da es in ihrem Verdränungswettbewerb anderen Ländern schadet damit sie wirtschaftliche Vorteile hat und die Bevölkerung ruhig ist solange sie alles haben. Was im Film ja auch sehr deutlich wird, da sich die Bevölkerung des Kapitols sich nur um das Spektakel interessiert und nicht um die Menschen
HerrLehmann
über Hugo Cabret 2012/02/24 13:33:44
Hugos hochartifizieller, bis ins Detail durchkonzeptionierter Look und die Slapstick-artigen Action- und Verfolgungsszenen mit Sascha Baron Cohens direkt einem Cartoon entsprungenen Bahnhofsaufseher lassen einen bisweilen glauben, man sei wieder in Tintin gelandet. Und so wie Tintin kindlich-albernen Humor mit recht real wirkender Gewalt mischte, will Hugo in seiner kunterbunten Kinder-Fantasiewelt auch von echten, menschlichen Schicksalen erzählen und ganz nebenbei noch ein Bisschen Filmgeschichte vermitteln. Für sich genommen funktionieren die einzelnen Versatzstücke durchaus, ihre Verwebung gelingt jedoch mehr schlecht als recht und wirklich originelle Einfälle sucht man zwischen Dickens’scher Waisenkind-Story und Amelie-Kitsch-Romantik ohnehin vergebens, aber Hugo ist ja auch eine „Liebeserklärung an das Kino“, was ja Kritiker-Deutsch ist für: Der Film zeigt, wie toll Kino mal war, nicht wie toll Kino heute sein kann. Dass trotz allem kindgerechten Humor die Protagonisten nie wirklich Kind sein dürfen, sondern sich meist eher wie kleine Erwachsene verhalten, ist ebenso bedauerlich, verwundert aber nicht wirklich, denn mit Ausnahme von Spike Jonzes Wo die wilden Kerle wohnen gilt das für so ziemlich jeden modernen Film, in dem Kinder die Hauptrolle spielen.
Hin und wieder gelingen Scorsese dennoch ein paar hübsche Miniaturen, wenn Hugo und Chloe Moretz’ Isabelle gemeinsam ihren ersten Film erleben, wenn Baron Cohen mit ungelenkem Lächeln versucht, eine Frau anzusprechen oder wenn Méliès dann endlich der eigenen Vergangenheit nachgibt und sich an seine besten Zeiten als Filmemacher erinnert. Die Darsteller (mit Ausnahme des ausschließlich auf Niedlichkeit gecasteten Asa Butterfield) tun ihr übriges, gerade Ben Kingsley und Helen McCrory verleihen ihren Rollen eine Tiefe, die das Drehbuch eigentlich nur bedingt herzugeben scheint.
Und irgendwo ist Hugo dann ja doch ein durchweg liebenswerter, warmherziger Film, der zwar nicht zu überraschen oder begeistern weiß, aber als Fluff zwischendurch doch ordentlich unterhält – wenn man denn damit zurechtkommt, dass der Film sich nie so recht entscheiden kann, was er eigentlich will. Wirklich etwas einzuwenden gibt es weder gegen Cartoon-Einflüsse, noch gegen malerische Bilder und schon gar nicht gegen ein Bisschen sentimentale Verklärung der „Magie des Kinos“ – eine Liebeserklärung nach meinem Geschmack wäre dennoch eher, wenn zur Abwechslung mal irgendwer eine neue, originelle Idee verfilmen würde.
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HerrLehmann
über Young Adult 2012/02/23 19:47:01
[…]Es ist nicht im eigentlichen Sinne befriedigend, aber durchaus erfrischend, wie sich Codys Drehbuch klassischen Hollywood-Strukturen und echter Charakter-Entwicklung verweigert. Vieles bleibt in YOUNG ADULT unausgesprochen, unbeantwortet, undefiniert. So auch Mavis' "Beziehung" mit Matt: Nach einer der deprimierenderen Sex-Szenen der Kinogeschichte hört die gemeinsame Geschichte der beiden mit Mavis' Rückkehr nach Minneapolis einfach auf, eine Antwort auf die Frage, ob und was die Beziehung für Mavis bedeutet hat, bleibt der Film schuldig und das ist gut so: Cody hat kein Interesse daran, ihre Hauptfigur am Ende eine Wandlung zum Positiven durchmachen zu lassen und das Publikum so mit einem guten Gefühl zu entlassen - eben Erwartungen zu erfüllen.[…]
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diceman 2012/02/23 20:54:30
Antwort löschenUi, Cody, gute Frau. Bin jetzt nicht so der JUNO-Fanboy (trotz Ellen Page), aber JENNIFER'S BODY war großartig.
HerrLehmann 2012/02/23 21:21:13
Antwort löschenJoa, großartig wäre mir jetzt etwas zuviel, aber der ist auf jeden Fall unterschätzt. Ihre bisher beste Arbeit ist für mich aber United States of Tara, ärgert mich noch immer ein Bisschen, dass die Serie abgesetzt wurde.
HerrLehmann
über Die Kunst zu gewinnen - Moneyball 2012/02/20 19:31:41
Es ist offensichtlich, dass hier Aaron Sorkin seine Finger im Spiel hatte – positiv wie negativ: Einerseits sind die Dialoge gewohnt temporeich und pointiert, andererseits interessiert sich der Film genauso wie The Social Network null für sein eigenes Thema. Was genau an der neuen Methode von Jonah Hills Figur , Spieler zu beurteilen so revolutionär sein soll, wird zu keiner Sekunde wirklich deutlich – dass einfach mal jemand angefangen hat, vernünftig Buch zu führen, kann ja nun nicht die neue Idee sein, die „das Spiel verändern“ kann, oder?
Als jemand, dem Mannschaftssportarten suspekt sind und bei dem Baseball in erster Linie Brennball-Traumata aus Schulzeiten in Erinnerung ruft, muss ich allerdings anerkennen, wie interessant, wie mitreißend Moneyball den Sport auch (wahrscheinlich besser: gerade) für Nicht-Fans präsentiert. Zum Einen wird in diesem Fall Sorkins Desinteresse an der Materie fast zum Vorteil, denn Baseball findet hier weniger auf dem Platz (sagt man das so?) als in Statistiken, Platzierungen und Dialogen statt – viel nerdiger kann man Sport nicht mehr präsentieren. Zum anderen verwebt der Film die Situation der Mannschaft recht geschickt mit der persönlichen Geschichte des Managers Billy Beane, der noch dazu von Brad Pitt teils nuanciert, teils kurz vor der Karikatur, aber immer äußerst charismatisch verkörpert wird. Und gerade weil der Film sich klassischer Sportfilm-Dramaturgie verweigert (wohl auch, weil es sich um eine semi-wahre Geschichte handelt), ist er am Ende dramatischer und berührender als die meisten anderen Genre-Vertreter.
P.S: So gern ich Jonah Hill mag und so lustig ich es finde, dass der Dicke aus Superbad jetzt Oscar-nominiert ist: Was er hier macht ist nun wirklich nichts besonderes, auch, weil seine Figur kläglich underwritten ist.
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HerrLehmann
über Drive 2012/01/29 03:27:37
[…]Statt über interessante Charaktere, Plot oder Ideen funktioniert DRIVE über Atmosphäre und Stimmungen. Über weite Strecken im Mittelteil dominiert den Film eine fast schon kitschige Romantik. Wenn sich Goslings und Mulligans Figuren zu träumerisch-schönen Bildern und 80s-Retro-Soundtrack einander annähern ruft das - bedenkt man, dass man als Zuschauer nie wirklich eine Beziehung zu den platten Figuren aufbaut - beeindruckend zielsicher Emotionen hervor. Daneben stellt Refn im dritten Akt kurze, plötzliche Ausbrüche expliziter Gewalt, die im Kino selten so spürbar ist wie hier.
[…]
Bei aller Präzision in der Inszenierung ist DRIVE aber eben doch style over substance. So unterhaltsam, so fesselnd der Film unmittelbar wirkt, so intensiv das Erlebnis, am Ende ist er eben doch ein recht schnörkelloser Actionfilm ohne inhaltlichen Mehrwert. Verpassen sollte man den Film deshalb auf keinen Fall, doch der allgemeine Hype erscheint ein wenig überzogen.
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HerrLehmann
über Die Muppets 2012/01/19 20:35:56
[…]Dieser Plot ist sicher nicht besonders originell oder spannend, doch das muss er auch nicht sein. Wichtiger ist, dass Jason Segel und sein Co-Autor, NIE WIEDER SEX MIT DER EX-Regisseur Nicolas Stoller, ein Drehbuch geschrieben haben, dass nicht nur die "Let's put on a show!"-Mentalität des ersten Films und der TV-Serie einfängt, sondern auch mit viel Selbstironie die lange Abwesenheit der Muppets thematisiert - da fragt eine TV-Produzentin (Rashida Jones) die Muppets, als sie um Sendezeit bitten "Are you guys even relevant anymore?", Fozzy Bear spielt in heruntergekommenen Kneipen Cover-Versionen der Muppets-Klassiker mit der Tribute-Band "Moopets" und Amy Adams kommentiert Kermits Zögern, einer Muppets-Reunion zuzustimmen, mit "This is gonna be a very short movie."[…]
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stuforcedyou 2012/01/19 20:51:17
Antwort löschenAch, du hast den in der OV gesehen. Sehr beneidenswert.
HerrLehmann 2012/01/19 20:57:43
Antwort löschenJa, PV war zum Glück im Original. Das OV-Kino hier in Köln zeigt ihn anscheinend leider nicht, deswegen bin ich ganz froh dass ich ihn so schon sehen konnte.
stuforcedyou 2012/01/19 21:00:52
Antwort löschenNa ja, mir bleibt die Blu-ray, oder vielleicht zeigt das Metropolis den Film noch. Es wäre wünschenswert. Btw: schöne Kritik.
Philipp Weißlechner 2012/01/19 21:01:55
Antwort löschenBiss Zum Morgengrau guter Film
HerrLehmann 2012/01/19 21:02:34
Antwort löschenAuch Kölner oder ein anderes Metropolis? :P
HerrLehmann 2012/01/19 21:07:36
Antwort löschen(und danke btw.)
stuforcedyou 2012/01/19 21:18:00
Antwort löschenKein Kölner, aber verdammt nah dran :) Das schönste Kino der Stadt ist meines Erachtens übrigens das Cinenova.
HerrLehmann 2012/01/19 21:23:50
Antwort löschenDas ist leider kein OV-Kino oder? War noch nie da, obwohl ich's zu Fuß erreichen könnte :P
stuforcedyou 2012/01/19 21:25:46
Antwort löschenAlso für mich, der jedesmal gefühlte Stunden mit Bus und Bahn ins Kino fahren muss, tut diese Aussage schon irgendwie weh. ;) Nee, ist kein OV-Kino, obwohl es hin und wieder Ausnahmen gibt.
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HerrLehmann 2012/01/19 21:27:40
Antwort löschenOk, werde es dann dennoch bei Gelegenheit mal ausprobieren wenn's so schön sein soll ;) Vielleicht bei The Artist oder so, wo die Sprache eher nebensächlich ist :D
stuforcedyou 2012/01/19 21:31:30
Antwort löschenNee, geh nicht in "The Artist". Hab schon von vielen gehört, dass der Film in den meisten Kinos arge Tonprobleme hat. :)
HerrLehmann
über Wer ist Hanna? 2012/01/15 01:38:27
WER IST HANNA? hat wenig mit dem bisherigen Werk von Regisseur Joe Wright (ABBITTE) zu tun und ist auch ansonsten recht schwer zu fassen, ignoriert er doch konsequent jegliche Konventionen und Genregrenzen. Der Plot pendelt irgendwo zwischen Thriller/Suspense, Action, Coming-of-Age und leichtem Sci-Fi-Einschlag, Märchen-Motive und cartoonhafte Antagonisten stehen neben realistisch-kühlen Bildern - und dennoch wirkt WER IST HANNA? nie unentschlossen oder überladen. Denn im Mittelpunkt steht immer die 15jährige, seit frühester Kindheit von ihrem Vater (Eric Bana) zum Überleben und Töten trainierte Hanna (hervorragend gespielt von Saoirse Ronan), die, auf der Flucht vor einer skrupellosen CIA-Agentin (Cate Blanchett), zum ersten Mal andere Menschen als ihren Vater sieht und sich in der ihr fremden Welt zurechtfinden muss.
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HerrLehmann
über Brautalarm 2012/01/15 01:37:36
BRAUTALARM wurde allerorten als "der weibliche HANGOVER" bezeichnet, was dem Film höchstens ansatzweise gerecht wird: Das Hochzeits-Thema und der teils brachiale Humor mögen durchaus an Todd Phillips' Kassenerfolg erinnern, doch Hauptdarstellerin und Autorin Kristen Wiig fand in ihrem Drehbuch auch Raum für glaubwürdig gezeichnete Charaktere und Beziehungen und auch die hervorragende Besetzung (neben Wiig unter anderem mit Maya Rudolph eine weitere SNL-Veteranin und der aus THE IT CROWD bekannte Chris O'Dowd als Wiigs love interest) überzeugt in den leiseren Momenten ebenso wie in den sketchartigen, over-the-top Comedy-Szenen.
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