"Faces" – schon der Titel dieses Films deutet darauf hin, dass es Cassavetes weniger darum ging, Geschichten zu erzählen, sondern einen Zustand einzufangen. Hierbei liegt der Fokus nicht auf Schemata, sondern auf Schauspiel, welches so echt ist, dass der Begriff im Grunde deplatziert ist. Ellenlange Dialoge umkreisen Cassavetes Botschaft lediglich, Handlungen und Verhaltensweisen der Protagonisten konkretisieren und machen sie schließlich zu einer wertfreien Bestandsaufnahme sondergleichen, zu einem Portrait einer zerrütteten, bürgerlichen Ehe in all ihren Facetten: (Sich) selbst vorgetäuschte Harmonie beider Seiten und die Ironie darin, offene und unausgetragene Konflikte, Flucht, die bittere Erleuchtung erst im Angesicht nunmehr unignorierbarer Tatsachen und schließlich die Überforderung mit der Suche nach dem Ausweg.
Der Vater des amerikanischen Independent-Kinos ist anstrengend, weil er scheinbare Nichtigkeiten über Ewigkeiten hinweg ausdehnt und den gemeinen Zuschauer in enorme Wertungsschwierigkeiten bringt; die Erkenntnis, dass jede Sekunde dieser 130 Minuten eine wichtige ist, mag umso bitterer sein – neben der Einsicht, dass Cassavetes Art der Inszenierung wesentlicher Bestandteil der Authentizität seiner Filme ist und dem echten Leben weitaus näher steht als jeder Hollywood-Blockbuster. Wie unangenehm aber auch.
Haneke ist wie guter Wein. Und meine Vorfreude auf "Amour" steigt so langsam ins Kosmische. Glückwunsch, Michael!
Aber kein Preis für den heiß ersehnten "Cosmopolis"? Doch nicht so gut?
Kann ich irgendwo nachvollziehen - andererseits deutet der Trailer aber auch an, dass Cronenberg ein wenig die Richtung back to the roots eingeschlagen hat, was ich reizvoll finde. Cronenberg ist zwar schon eigentlich seit Ende der 90'er Wackelkandidat, den Film will ich aber dennoch unbedingt sehen.
Also ich habe unterschiedliche, überwiegend jedoch positive (internationale) Kritiken gelesen. Und gelacht wohl am meisten über einen französischen Kommentar, sinngemäß: 'Das Ende der Welt nähert sich und ist auch daran zu erkennen, dass man zugeben muss, dass Pattinson gut spielt.'
Das lässt doch hoffen.
Um einmal eine Gegenstimme zu dem doch überwiegend positiven Echo zu bilden (und nein, ausnahmsweise nicht aus Prinzip - bekanntlich bin ich ein großer Anhänger des österreichischen Kinos):
Einen Film über Kindesmissbrauch zu drehen, ist per se ein schwieriges und heikles Unterfangen - Schleinzer scheitert hierbei nicht in Details, sondern im Grundtenor.
"Michael" sieht bei seinem Versuch, ein objektives Bild des Grausamen zu schildern, den Peiniger für mein Empfinden unfreiwillig aus der "Armer Täter"-Perspektive und nährt sich darüber hinaus vor allem in der ersten halben Stunde zu sehr von Klischees (der nach außen hin unscheinbare gutbürgerliche Junggeselle mit dem dunklen Geheimnis,...). Sicher hatte Schlenzer dieses Ansinnen nicht, aber wer zu sehr auf Nüchternheit bedacht ist, bewegt sich auf schmalem Grat.
Michaels Zwänge, Psychosen und Überforderung in sozialen Situationen erscheinen gefühlt als nur mangelhafte, fadenscheinige und darüber hinaus zu oberflächlich projizierte Erklärung für sein Verhalten und Schleinzers unterkühlte Inszenzierung ist eher Selbstzweck als dem Film förderlich.
Fazit: Vielleicht wollte der Österreicher in die richtige Richtung und besitzt einfach nicht das Handwerkszeug, sich auszudrücken. Ich empfehle ein paar zusätzliche Lehrstunden bei Meister Haneke.
Ich möchte widersprechen. Eine Arme-Täter-Perspektive kann ich nicht erkennen. Der Täter agiert konsequent-rücksichtslos und planvoll. Ich möchte fast behaupten, er findet so etwas wie Glück (die Autofahrt, als er "Sunny" singt). Und schließlich wird auch der Junge als starke Figur und Antagonist gestaltet.
Erklärungen gibt der Film eigentlich gar nicht. Psychosen kann ich nicht festmachen, und eigentlich auch keine wirklichen Überforderungen. Er managt das Außenleben ziemlich gut und kann sein "Privatleben" gut abschirmen. Und nicht jeder einsame Junggeselle vergewaltigt zwingend Kinder.
Ich würde bei der Analyse auch in eine sozialkritische Richtung gehen. In einer Gesellschaft, in der Pornografie, Prostitution und virtuelle Erlebniswelten zum Standard geworden sind, entstehen immer mehr Menschen, die keine Empathiefähigkeit gelernt haben und kein Problem damit haben, andere Menschen als Objekte zu betrachten.
Ich habe den Film nicht gesehen und habe es auch nicht vor... ich kann mir somit kein Urteil erlauben, aber ihr habt beide nachvollziehbare Wahrnehmungen und Standpunkte. Sehr aufschlussreich. Nice.
Ripley: Naja, der gescheiterte Sexversuch mit der Dame in der Berghütte oder die Szene, als er bekleidet hysterisch in die Badewanne steigt, deuten für mich schon sehr stark an, dass da bei dem Mann psychisch was im Argen liegt. Sicher wird der Junge auch als Opfer dargestellt, einen hämischen Ton erkenne ich insofern nicht. Wie gesagt, ich unterstelle Schleinzer auch beileibe keine sadistische Haltung. Nur mit der Darstellung Michaels ist meines Erachtens einiges schiefgelaufen.
Wie gesagt, es ist bloß meine subjektive Wahrnehmung, die ich geschildert habe. Das muss ja nicht ausschließen, dass man es auch anders aufnehmen kann.
Du solltest erstmal eine Lehrstunde nehmen und herausfinden, was genau Psychosen sind. ;-) - Außerdem arbeitet der Film nicht mit dem Grundtenor "Armer Täter", schon gar nicht am Anfang.
Ich schrieb, dass er sich anfangs Klischees bedient, diesen "Armer Täter"-Beigeschmack empfinde ich, wie auch schon das Wort sagt, als GRUNDtenor. Vielleicht liest du meinen Kommentar erstmal richtig.
Was für ein adäquater Abgang: In seinem Frühwerk lässt Tarr die Familie untergehen, später das Individuum ("Kárhozat"), dann eine Dorfgemeinschaft ("Sátántangó") - und mit dem "Turiner Pferd" schließlich die Welt. Dabei gelingt ihm vielleicht nicht weniger als eine (Neu-)Definition des Begriffs "Kunstfilm": Mag sich dieser Tage auch beinahe alles "Kunst" schimpfen DÜRFEN, so beginnt sie für mich eigentlich erst dort, wo narrative Kohärenz überdrüssig wird und Kommunikation mit dem Rezipenten die Ebene des Wortes verlässt.
Waren Tarrs frühere Werke trotz kennzeichnend langsamer Inszenierung dennoch nie repetitiv, macht sich "Das Turiner Pferd" erstmals die Wiederholung (welche alles noch langsamer erscheinen lässt) als tragendes Stilmittel zu eigen: Anziehen, Wasser holen, Kartoffeln essen, "fertig". Kurioserweise liegt gerade hierin eine große Stärke des Films bedingt, da Abweichungen vom gewohnten Verlauf eine umso eindringlichere Bedrohlichkeit erwecken: Wenn Bauer und Tochter beim Essen plötzlich wie erstarrt den Blick zum Fenster wenden, gefriert einem geradezu das Blut in den Adern. Oder der Besuch des Nachbarn, welcher eine unheilvolle Verheißung geradezu versinnbildlicht - "Das Turiner Pferd" schöpft all seine Möglichkeiten aus und kreiert eine schauerliche Magie, die über zweieinhalb Stunden anhält. Indem man sich geradezu gezwungen sieht, auch auf winzige Details zu achten, wird man hierfür natürlich umso empfänglicher.
Der größte Trumpf Tarrs ist jedoch vermutlich, dass er trotz - oder gerade aufgrund?! - eigentlich entfremdender Schwarzweiß-Optik den Zuschauer in eine andere Zeit versetzt, ihm aber dennoch seine Figuren unglaublich nahebringt und damit die sich ihm erschließende Option beim Schopfe ergreift, gezielt und platziert dramatisch-erschütternde Momente ohne auch nur den Hauch von Rührseligkeit zu kreieren - Tristesse und Tragik in Stil und Inhalt bedingen sich beispiellos.
Es bringt ja alles nichts: Einen wie Tarr wird es nicht mehr geben. Wie viele Filmemacher sind bemüht, uns ein bisschen Mut, unsere klägliche Existenz auf dieser Erde ein bisschen angenehmer zu machen... Bei Tarr ist inmitten der Schönheit im Untergang die einzige Hoffnung die, dass das, was nach uns kommt - was immer es sein mag - vielleicht besser ist als das Jetzt.
Nietzsche hat seinerzeit passenderweise wirklich so einiges festgestellt, das auf diesen Film zutrifft - ich versuche es einmal hiermit:
"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden."
Schön gesagt. Obwohl das mit der "(Neu-)Definition" nicht ganz stimmt, also jetzt ganz allgemein. Da gabs davor schon Jeanne Dielman von der Ackerman mit welcher das Turiner Pferd, was die von dir beschriebenen Mittel der Kommunikation sowie die Strukturierung betrifft, starke Ähnlichkeiten hat. Dazu war Tarr ja schon seit jeher sehr beeinflusst von seinem Landsmann Miklós Jancsó und dem kürzlich verstorbenen Theodoros Angelopoulos was seine formellen Kompetenzen angeht. Aber natürlich ist das was Tarr hier macht, speziell in seiner unerbittlichen Konsequenz, schon sehr eigen.
Eine hommage an Bergman, Tarr und Bresson gleichzeitig und doch voll und ganz Haneke. Die Bezeichnung "moderner Klassiker" trifft es wirklich auf den Punkt. Schade, dass viele für sowas heute nicht mehr zu haben sind.
Mit Filmen ist es ein wenig wie mit Sprachen: Manche klingen nur schön, andere sind für uns ein Schloss mit sieben Siegeln, aber nur eine ist unsere Muttersprache. Selbst der größte Filmjunkie wird einräumen, dass die Zahl derjenigen Filme, die er oder sie sich wieder und immer wieder mit wachsender Begeisterung anschauen kann, letztenendes stark begrenzt ist und vieles nur für den Augenblick mitreißt, weil einen der richtige Film in der richtigen Stimmung erwischt hat.
Wenn aber alle Filme Sprachen sind, sind Béla Tarrs Werke nicht nur einfach Abfolgen von Klängen und Lauten, sondern Musik. Tarr erzählt nicht bloß eine Geschichte, seine Filme sind vielmehr ein Gefühl.
Zwar finden sich auch in "Werckmeister harmóniák" längere Dialoge, aber die Essenz steckt beim Ungarn immer in der BildSPRACHE, die ja eigentlich Musik ist, aber jedenfalls derart intensiv und mitreißend, dass man während immerhin mehr als 2 Stunden wirklich alles um sich herum vergisst, und ich glaube, das ist eine Gabe, die man an keiner Filmschule dieser Welt erlernen kann.
Selbst alltägliche Momente, die Tarr einfängt, sind plötzlich von einem melancholischen Zauber. Sogar ein riesiger, ausgestopfter, stinkender Wal ist irgendwie lebendig, zumindest in den Augen der Hauptfigur János, der für mein Empfinden den letzten Atemzug warmer und wärmender Menschlichkeit in diesem Film verkörpert, während die Gemeinde um ihn herum lediglich das Bedrohliche im Fremden sieht, und so entsteht während der ersten und einzigen Begegnung János' mit diesem Kadaver ein unsichtbares Band, dass sich ebenso wenig sehen wie in Worte fassen lässt.
Überhaupt versteht Tarr es, die Welt aus dem Blickwinkel seiner Protagonisten zu betrachten und gleichzeitig eine Grundstimmung zu erzeugen und zu halten: Wenn János auf dem Marktplatz die letzten Schritte in Richtung der großen Attraktion tätigt, dann klebt die Kamera an seinem Rücken, wandert geradezu im Kreis und fängt ebenso die teilnahmslosen, resignierten sowie frustrierten Gesichter der Menschen ein, an denen er vorbeigeht, und diese subtil-bedrohliche Spannung hält auch dann an, wenn kurz darauf Zirkusmusik ertönt. Und nicht nur das, Tarr schlägt allein dadurch (bzw. auch schon ganz zu Beginn des Films durch eine beeindruckende Darstellung der Sonnenfinsternis) sogar bereits Handlungsrichtungen ein, nimmt den Zuschauer für diesen unbemerkt an die Hand.
Ja, "Werckmeister harmóniák" ist düster, Tarr's typische Endloseinstellungen dürften ohnehin nicht jedermanns Fall sein oder auf manchen sogar prätentiös wirken, und bei all meiner Begeisterung wäre es somit falsch zu behaupten, dass dieser Film ganz sicher jedem gefallen wird und muss - wer jedoch Schönheit in Melancholie erblicken kann, der findet hier nicht weniger als das Paradies, ein zu Hause und sein persönliches Esperanto.
Ich schreibe diese Worte freilich berauscht, aber just in diesem Moment gehören die werkmeister'schen Harmonien sicherlich zu dem filmisch Berührendsten und einfach Bestem, das ich jemals sehen - ach, was rede ich da, ERLEBEN - durfte. DANKE, Béla Tarr!
Satantango und das Pferd meinte ich damit. Aber den Tango wenn möglich in einer Sitzung tanzen(mit ein oder zwei kurzen Pausen wenn du es brauchst). Einfach mal einen ganzen Tag einem Film widmet, macht die Erfahrung noch um einiges unvergesslicher da der Film, obwohl er in Kapitel eingeteilt ist, eine kontinuierlich aufbauende Erfahrung ist die wenn möglich nicht ge- oder zerbrochen erlebt werden sollte.
Das ist auch meine Absicht. Einen Film über Tage verteilt zu schauen ist genauso wie eine Mahlzeit verteilt zu essen - macht halt nicht satt. Gerade bei Tarr wahrscheinlich umso mehr; ich weiß ja, wie er wirkt. An das Pferd muss ich auch noch irgendwie rankommen, das trabte hier nirgends im Umkreis von 200 Kilometern. *grummel*
DVD release plz, aber zügig.
Ich habe soeben meine Lieblingsfilm-Liste entschlackt, weil dieser Film für mich neue Maßstäbe setzt und ich demenstprechend alles neu ins Verhältnis zueinander setzen muss. Wahnsinn. Hier müsste es auch Doppelherzen geben, das würde es ein wenig einfacher machen.
Ich weiß auch nie, wie man "Scorsese" ausspricht und mir ist das jedes Mal furchtbar peinlich. Sehr erleichternd, dass selbst professionelle Filmemacher dasselbe Problem haben.
Roy Andersson: Trotz Cannes-Erfolg ein offenbar übersehenes Juwel im großen Pool skandinavischer Genies - zumindest legt dies die doch dürftige Anzahl von gerade einmal 102 Community-Bewertungen für diesen Film nahe. Zeit für ein bisschen Werbung.
Wie das wohl bekanntere später erschienene "jüngste Gewitter" untermauern sollte, versteht es Andersson meisterlich, Einzelschicksale episodenartig zu beleuchten und gleichzeitig ein großes Ganzes zu erschaffen, was aber erst zum Ende hin deutlich wird. Bis dahin erscheinen einzelne Dialoge oder sogar ganze Einstellungen oftmals dadaesk und sinnlos, aber keine Sorge, der Mann hat nicht umsonst zehn Jahre lang an dieser Perle gefeilt.
Andersson liebt die Totale, die Kamera und der Blau-Grau-Filter sind dabei so still und steril wie die Dystopie (?), die der Schwede erschafft: Menschen und ihre großen und kleinen Probleme, von denen allein sie eingenommen sind, während die Welt um sie herum irgendwo zwischen Überfluss und nichts, jedenfalls aber ohne Visionen und ohne Glauben vor die Hunde geht, wobei dies zu verschmerzen wäre, würde sich doch wenigstens noch ein Geschäft mit Jesus und dem Kreuz machen lassen. Der Mensch als Zombie (tatsächlich angedeutet durch bleich geschminkte Gesichter), der an seinem eigenen Kreuz zugrunde geht, nämlich an alledem, was er selbst erschaffen hat, ironischerweise sogar an seiner Kunst; nicht einmal Betrug und List führen mehr zum Ziel und auch jede Möglichkeit zur Flucht hat man sich selbst verbaut (grandios: Eine gefühlt endlose Szene gegen Ende des Films in einer Flughafenhalle, in der es die Menschen mit ihrem enormen Gepäck nicht einmal mehr zum Schalter schaffen).
"Songs from the Second Floor" ist ein bildsprachlich distanziertes, aber inhaltlich eindringliches, rabenschwarzes Zeugnis individueller und gesellschaftlicher Resignation gespickt mit Metaphern und groteskem Humor, das Eindruck hinterlässt, oder auch eine Apokalypse, wie sie so noch nicht gezeigt wurde. Meisterwerk!
Ja, wow, was ein Film! Auch die Szene mit dem Mädchen, das geopfert wird, nachdem man ihm vor den Honoratioren der Stadt die Notwendigkeit und "Würde" ihrer Aufgabe aufs Seriöseste zugesichert hat – ist das brillant erdacht und inszeniert... unglaublich.
Für die Qualität des Films spricht auch sein Nachhall, der bei mir noch immer nicht verklungen ist. Hochgestuft! ^^
Ohja, die Szene ist für mich ebenfalls die wohl beste des Films (ich wusste nur nicht, wie ich sie in meiner Kritik einbauen sollte^^), weil das die Stelle ist, an der die Sache endgültig ins Nicht-mehr-Fassbare abdriftet. Obwohl man ja durchaus die ganze Zeit mit so einigem rechnet, fragt man sich in dem Moment: "Das passiert jetzt nicht wirklich, oder?!" Genial.
Mein Name ist Jenny. Ich bin Autistin. Wenn ich beispielsweise ein Telefongespräch tätigen muss, und sei es nur für einen Arzttermin, brauche ich dazu erst einmal eine Anlaufzeit von einer halben Ewigkeit, mein Puls ist die halbe Stunde davor und danach auf 150. Wenn ein Buch in meinem Regal auch nur einen Zentimeter verrückt steht oder ein Bild an meiner Wand schief hängt, bringt mich das fast um. In meinem ganzen Leben habe ich noch keine Disco von innen gesehen. Wenn ich dann doch mal von Angesicht zu Angesicht mit jemandem reden muss, kommt meistens irgendetwas unglaublich Unbeholfenes dabei heraus – niemand lacht, wenn ich etwas im Scherz meine, und da ich nicht gut darin bin, Dinge rhetorisch auszuschmücken oder durch die Blume zu sagen, wirke ich auf die meisten burschikos bis schlichtweg unfreundlich und dreist. Die Tatsache, dass ich ein paar unpopuläre Meinungen vertrete, macht es auch nicht einfacher. Ja, wahrscheinlich hatte ich auch eine schwere Kindheit und erfülle ganz sicher noch mehr Klischees des armen, reichen Mittelklassemädchens. Ich bin nicht einmal besonders gebildet und wohl auch nicht so intelligent, wie ich selbst manchmal glaube, aber eines weiß ich: Ich liebe Lars von Trier. Ebenso ist mir klar: Der Rest der Welt tut es nicht. Langsam verzweifle ich dabei, mir ein ums andere Mal Schlammschlachten mit Personen zu liefern, die in ihrem Hass auf diesen Mann ebenso tief rettungslos verwurzelt sind wie ich in meiner Sympathie, weshalb ich mich dieses Mal darauf beschränken möchte, so nüchtern wie möglich einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu geben und mich einfach nur zu erklären.
Da ist eine Frau, die eine Menge durchmacht, der das Geld für eine Augenoperation ihres Sohnes vom eigenen Nachbarn geklaut wird und am Ende auch noch erhängt wird, oder die unerbittlich für ihre Liebe kämpft, obwohl ihr eigenes Dorf gegen sie steht, und am Ende ist kein Nettogewinn, nichts, niente. "Hm, ganz schön frauenfeindlich!", denkt sich offenbar die Mehrheit. Ich dagegen sehe die Frau als jeweils einzig guten, opferbereiten, empathiefähigen Menschen überhaupt in von Triers im Grunde genommen romantisch verklärtem Universum, umringt von Wölfen in Menschenhaut, gegen die natürlich keine Chance besteht. Aber genau deswegen ist es ja auch ein DRAMA und keine SATIRE. Sagt sogar Moviepilot in seiner Beschreibung. Gerade die "Golden Hearts"-Trilogie ist es, die eigentlich ohne Doppelboden, Selbstbeweihräucherung oder hohen intellektuellen Anspruch auskommt, sondern einfach nur ein Stück hochemotionales Kino formt, natürlich verhasst von versnobten Kritikern und solche, die es gerne wären, die, protzend vor Stolz darüber, dass sie nach fast 30 Jahren nunmehr im Ansatz Kubrick's Space Odyssey zu interpretieren wissen, längst den größten Trumpf von Kunst vergessen haben: Aufwühlen, berühren, Gefühle auslösen, und im besten Fall dadurch wachrütteln; wenigstens Punkt 1 und 2 schafft von Trier bei wohl JEDEM, sei es in die eine oder andere Richtung.
Sogar das Format kann er dabei beliebig austauschen: Verfilmtes Theaterstück ("Dogville"), Musical ("Dancer in the Dark"), klassisches Melodram ("Breaking the Waves"), Komödie ("The Boss of It All"), Arthaus-Science-Fiction ("Melancholia") oder Horrorfilm ("Antichrist", eindeutige Klassifizierung - zugegeben - problematisch) - you name it, Lars delivers. Von Trier schafft es sogar, dabei die eigentlich immer selbe Aussage zu treffen bzw. lediglich verschiedene Facetten seines Weltbilds zu beleuchten, mal am Kollektiv ("Dogville", "Manderlay"), mal am Einzelnen ("Antichrist", "Melancholia") ausgerichtet; wie passend, dass er in "Melancholia" doch tatsächlich auf den Punkt bringt, was er seiner gesamten Karriere zuvor immer wieder paraphrasiert hat: "The earth is evil, we don’t need to grieve for it."
Und doch… wer genau hinsieht, findet selbst bei von Trier, an vereinzelten Stellen winzige Schimmer des Lichts, und dies ist der Punkt, an dem sich der Kreis zu seiner Verehrung Andrei Tarkovskys schließt, jenseits von Jägern im Schnee oder der Abkupferung von Regenmotiven: Es ist irgendwo zwischen Wellenbrechen und Melancholie die stille Erhebung der (Ver)zweifelnden, Kämpfenden, Hoffenden, zu Helden im Angesicht des eigenen Scheiterns und der Tragik in der Gefangenheit des Seins, das Auge für die Stärke der vermeintlich Schwachen, welches beiden gemein ist.
Das kontroverse Wesen von Triers Filme trägt mit dazu bei, dass Subtext dieser Art untergeht, ignoriert oder willentlich ins Gegenteil verkehrt wird, was der Däne andererseits sicher nicht nur in Kauf nimmt, sondern geradezu heraufbeschwört und damit dem Publikum einfach eine Menge zumutet. Wen interessiert noch Inhalt zwischen den Zeilen, wenn das geliebte Feindbild erstmal steht?
Hier wird von Triers Status auf allen Ebenen als tragische Figur praktisch evident, die nun einmal nicht gleichzeitig Provokateur sein und von jedem verstanden werden kann, sogar durchweg, sowohl als Künstler als auch Person missgedeutet wird, denn: Ein Provokateur trifft nicht einfach nur eine Aussage, er nutzt die Möglichkeiten seines Mediums, um Deutungsebenen zu schaffen - und trägt die Konsequenzen.
Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass sein gesamtes Werk Ausdruck seiner persönlichen Authentizität ist, dass es kein Zufall ist, dass man in "Epidemic" zuerst teilnahmslos ihn und Jahre später Kirsten Dunst als Justine in der Badewanne sieht und ebenso fände ich es wünschenswert, wenn man ihm einfach einmal zuhörte, wenn er in Interviews ausnahmsweise nicht unfreiwillig in den Trollmodus verfällt und sagt, dass er eigentlich nur über sich selbst schreibt und in seinen Skripten am Ende schlichtweg männliche und weibliche Rollen vertauscht. Aber jetzt sagt er gar nichts mehr, woran die hater dieser Welt auf langfristig sicherlich weitaus mehr und heftiger zu knabbern haben werden als von Trier.
Und wer meine Worte nun immer noch als Schwachsinn abtut, dem sei abschließend wenigstens mit auf den Weg gegeben, dass ich Frauen (!) kenne, die seine Filme ebenso empfinden wie ich, aber vielleicht sind wir alle nur eine lose Selbsthilfegruppe aus Autisten, von denen man nicht genau sagen, ob sie nun mehr oder weniger sehen als andere, wer weiß das schon...
Für mich ist lediglich eines klar: Unter den ganzen Kubricks, Greenaways, Hanekes und Bergmännern gibt es inmitten all ihrer individuellen Genialität nur einen, von dem ich mich verstanden fühle, und dies ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum ich heute generell mehr Filme schaue und weniger Nirvana höre als früher.
Und um nun endlich zum Punkt zu kommen: Tillykke med fødselsdagen, Lars! With the lights out it's less dangerous.
@Jenny: Was Kunst ist, weiß ja sowieso niemand so genau, aber ich glaube (insbesondere jetzt), dass es wirklich etwas mit der Reaktion auf etwas zu tun hat. Jemand dreht einen Film und zehn verschiedene Leute sehen zehn verschiedene Filme darin. Was das für den Einzelnen bedeuten kann, lässt sich sachlich überhaupt nicht nachvollziehen. Und das, was du so wunderbar beschrieben hast, klingt wirklich nach jemandem, der sein filmisches Gegenstück gefunden hat. Ich weiß noch nicht genau, ob ich eins habe, Lars von Trier ist es sicherlich nicht, aber während der Szene in Melancholia, in der die Figuren im Haus sitzen und man nur den Planeten über sie hinweg donnern hört, dachte ich mir "Wenn das wirklich passieren würde, es würde sich genau so anfühlen." Und das ist in gewisser Weise das Höchste, was Kunst erreichen kann.
@bobo-lemon: Würg.
@Ichundso: Tut mir leid, dass mein Kommentar bei dir Brechreiz ausgelöst hat. Was ich damit nur ausdrücken wollte, ist, das dieser Text eine tiefe Zuneigung auf schöne und intelligente Weise in Worte fasst. Und wer würde sich angsichts von so viel entgegengebrachter Ehrlichkeit und Verständnis nicht geehrt fühlen?
Leider sehe ich diese Hoffnung in seinen Filmen nicht, weswegen ich mit "Melancholia" auch nicht sonderlich viel anzufangen wusste, dafür sehe ich aber auf beeindruckende Weise, weshalb von Trier für dich so wichtig ist.
Vielen Dank für all das liebe Feedback! Ich bin wirklich gerührt! :-)
@Ichundso: Kunst spielt sich auf so vielen Ebenen ab, da können mir noch so viele Fachleute was von objektiven Bewertungskriterien erzählen. Jeder Künstler packt ein Stück eigene Seele in sein Werk, das geht gar nicht anders, und dass Menschen unterschiedlich darauf reagieren ist nur so natürlich wie die Tatsache, dass wir nunmal alle verschieden sind. Trotzdem aber ist es grundsätzlich etwas ganz Wunderbares.
(nun auch @Garfield): Und genau deshalb sehe ich ja eigentlich auch ein, wie sinnlos es ist, jemanden bekehren und den eigenen Geschmack aufdrücken zu wollen. Trotzdem aber versucht man es immer wieder, eben, weil man es nicht gerne sieht, wenn etwas, das man sehr mag, durch den Dreck gezogen wird. Man nimmt es dann schon fast persönlich. Deshalb sehe ich mein Ziel auch schon damit erreicht, wenn auch nur irgendjemand meinen Kommentar wenigstens entfernt nachvollziehen kann. Auch ohne mir zuzustimmen.
@Ichundso und bobo: Bitte wieder lieb sein, ja? :-*
Schöner Text. Aber ganz so recht verstehe ich den Aufhänger nicht: Wer mag denn schon Von Trier nicht? Kenne kaum jemanden, den sein Frühwerk, die Golden-Hearts-Trilogie oder zuletzt das Beziehungsdoppel Antichrist/Melancholia nicht umgehauen hätte.
Da sitz ich mit Kopfschmerzen vorm Computer, reg mich über Alice (den Internetanbieter) auf, kämpf verzweifelt gegen das Ausrasten, weil mein Internet so langsam ist und dann les ich das hier <3
Ganz großartiger Text, made my fucking day :)
PS: Ich würde am liebsten auch den Regisseur finden, von dem ich mich verstanden fühle...
Selten einen solch fantastischen Kommentar gelesen :) Bin auch Autist btw...Kenne eigentlich viel zu wenig Von Trier Werke. Nächster wird wohl "Breaking the Waves"
@Vincent: Satire oder leben wir in verschiedenen Paralleluniversen (wobei in deinem offenbar mehr richtig läuft als in meinem)? Die unzähligen Diskussionen, die ich allein auf dieser Plattform schon verfolgt habe, sowohl über seine Filme als auch über von Trier selbst (zumeist kommt man eh vom Hölzchen auf's Stöckchen), sprechen eine klare Sprache, denke ich. Gib mir 10 Minuten und ich suche dir 10 user raus, die mindestens schon einmal den Tatbestand der Beleidigung verwirklicht haben. Vor allem der Ton ist in Bezug auf von Trier radikaler (von beiden Seiten aus) als wenn hier über andere Filmemacher diskutiert wird.
Ok, ging dann wohl an mir vorbei. Bin allerdings auch nicht allzu verzahnt mit den Community-Gepflogenheiten hier. Ich selbst kenne im cinephilen Umfeld halt kaum jemanden, der von Trier nicht irgendwas abgewinnen kann.
Wer mit Peter Greenaway nichts anfangen kann, für den dürfte "The Falls" nicht weniger sein als 195 Minuten pure Folter, denn in vielerlei Hinsicht ist der erste Langfilm des Briten auch sein typischster. Greenaway unverdünnt.
Eine mysteriöses, nicht wirklich näher bezeichnetes Ereignis wirft uns Greenaway vor die Füße, Auslöser für eine Akte mit 92 Kurzbiographien über Opfer dieses Zwischenfalls, die eigentlich nur gemeinsam haben, dass ihr Nachname mit "Fall" beginnt und doch irgendwie mehr. Seltsame Mutationen an Körper und Geist rief das VUE ("Violent Unknown Event") hervor - von plötzlichen Obsessionen rund um Vögel und Fliegen bis hin zu zig neuen Sprachen reizt Greenaway gefühlt die gesamte Palette an Obskuritäten aus, die man auch nur aus dieser Idee herausziehen kann.
Nach spätestens einer Stunde gibt man auf, gelegentlichen Rückverweisen auf vorherige Biographien im Detail nachzugehen, jedoch kapituliert nicht nur das Gedächtnis angesichts einer unfassbaren Flut an bisweilen ebenso unfassbar beliebigen Informationen, sondern auch der Rest der grauen Gehirnzellen in Anbetracht Greenaways sonderbaren Einfallsreichtums; aber, keine Angst, pechschwarzer Humor und sozialkritische Untertöne, vor allem in Gestalt wahnwitziger typisch menschlicher Verschwörungstheorien, bleiben trotz dieser Reizüberflutung sondergleichen nicht unentdeckt.
Ich habe selten nach 10 Minuten so dringend abschalten und gleichermaßen so unbedingt weiterschauen wollen; "The Falls" ist nicht einfach nur experimenteller Mindfuck, sondern hinter allem vordergründigen Chaos - typisch Greenaway - perfektionistisch durchdacht.
... und vor allem eine Menge Superlative. Aber "einzigartig" trifft es vielleicht doch am Besten. Ich würde von kaum einem mir bekannten Filmemacher sagen, dass er das Medium wirklich _revolutioniert_ hat, aber der Name Greenaway springt mich da als allererstes an.
Was für eine Erleichterung! Ganze 4 Coen-Filme hat es mich gebraucht, um endlich einmal diesen Flash zu erleben, von dem beinahe alle Cineasten um mich herum in Bezug auf das Brüderpaar berichten. Big Lebowski? Fargo? No Country For Old Men? "Hm, ja, ganz nett, nächster Film."
Der coen'sche Humor war, dort wo ich ihn gesehen habe, ebenso wenig mein Fall wie die warme Versöhnlichkeit sowie die - zugegeben, unverwechselbare - mal mehr, mal weniger versteckte Skurrilität ihrer Werke.
Mit "The Man Who Wasn't There" nun haben die Coens endlich auch für mich Bäume ausgerissen, einfach, weil sie hier einfach mal komplett auf dem Teppich geblieben sind, alles, was ich bisher an ihnen kritisierte, hinter sich gelassen und stattdessen einen Film erschaffen haben, dessen tiefe Seele auch mir entgegenspringt, und das von der ersten Sekunde an.
Kameraführung, Beleuchtung und überhaupt alles, was Optik ausmacht, ist ein einziger Traum und geht wunderbar einher mit Beethoven und der Schwarz/weiß-Inszenierung, die sowohl Distanz als auch Nähe schafft. Das nennt man wohl cineastische Perfektion.
Der Plot ist selten gut durchdacht und jeder einzelne Charakter ein funktionierendes Zahnrad. Der Hauptgrund, warum mir dieser Film nahegeht, ist sicher Ed Crane, der erste Coen-Protagonist, der als tragische Figur als solche auch wirklich bei mir ankommt, was vermutlich daran liegt, dass die Coens ihn, begleitet von einer angenehmen, aber auch unbedingt notwendigen Prise dunkler Ironie, für die Tragik des Lebens insgesamt stehen lassen.
Denn: Ed Crane ist wirklich der moderne Mensch - Irgendwo zwischen Resignation und Unbeholfenheit vor sich herstolpernd, gefangen zunächst im eigenen Trott, dann im eigenen Schicksal, das zum Selbstläufer geworden ist - und gleich zwei Schritte voraus. Empathiefaktor 1000.
"The Man Who Wasn't There" ist eine großartige, poetische Parabel und als film noir-Hommage tatsächlich besser und in jedem Detail tiefgründiger als jeder film noir, den ich kenne.
War ja klar, dass das Gebashe nicht lange auf sich warten lässt. Ich finde den Trailer großartig - Cronenberg scheint ein bisschen back to the roots zu gehen und Pattinson passt meiner Meinung nach PERFEKT da rein. Denkt ihr wirklich, ein Cronenberg weiß nicht, was er tut?
agreed, das pattinson gebashe ist wirklich lächerlich und sehr pubertär. "weil er in twilight mitgemacht hat, darf ich jetzt keinen film mehr mit ihm mögen!" ich find leo di caprio nach titanic auch erstmal grundsätzlich doof...aber wie gesagt: da war ich ein teenie. wer als erwachsener nicht einen funken mehr objektivität aufbringen kann, tut mir da echt leid.
btw. der trailer ist natürlich awesomst! ;) cronenberg hatte schon immer ein gutes gespür für den zeitgeist. von daher könnte der film wirklich einer der interessanteren des noch jungen jahrtausends werden.
Ach irgendwann hört dieses gebashe auch wieder auf. Momentan wollen so manche Leute eben einfach nur den Glitzer-Vampir sehen und kein gutes Haar an ihm lassen. Das ist zwar kindisch aber jedem das seine.
Ich freu mich auf jeden Fall schon auf Bel Ami und auf Cosmopolis. Auf die FSK-Freigabe bin ich mal gespannt :-)
Da hab ich keinen Zweifel dran. Dürfte mittlerweile jeder hier mitbekommen, dass du MP lediglich als Bühne nutzt, um deine unreflektierte Meinung rauszuposaunen. An wirklich sinnvollen Diskussionen oder nem Gedankenaustausch in irgend einer Art und Weise ist dir ja sowieso nicht gelegen. Zum Glück nutzen Leute das Netz auch anders, sonst wäre es ein ziemlich trauriger Ort.
höhö, du bemerkst noch nicht mal die ironie in deiner aussage. hey, aber ich weiß, du musst hier immer das letzte wort haben, da du sonst nichts hast. ist ok. werde mir ab jetzt jegliche reaktionen, zu deinen kommentaren sparen.
@Picknicker: Grandios! Immer, wenn mich duffy zukünftig beleidigen will, gibt es einfach ein "So is your face!" Ist wirklich der einzig logische, weil niveaumäßig angemessene Konter.
Ich bin weder Anhänger des Künstlers noch der Person Günter Grass, aber jemand, der wegen einer zwar kontroversen, aber die Masse zum Reflektieren anregenden Äußerung, die ich persönlich darüber hinaus für IM KERN alles andere als an den Haaren herbei gezogen halte, derart niedergemacht wird, kann sich meiner Unterstützung stets gewiss sein.
Spätestens das nunmehr von Israel verhängte Einreiseverbot sollte die Alarmglocken der hetzenden Meute doch zum Schrillen bringen. Die denkbar unnötigste, lächerlichste, unsouveränste und überzogenste Reaktion auf ein paar Zeilen schwarz auf weiß. Hat der gute Mann vielleicht doch den Finger in eine tatsächlich existierende Wunde gelegt?
Formale Aspekte des Gedichts sind doch absolut nachrangig. Aber wenn man sich nun schon daran aufhalten muss...
Und dein Satz danach ist ja ganz großes Kino - Grass hat diesen Aspekt seiner Vergangenheit selbst eingeräumt und ist ganz sicher nicht stolz darauf. Ihm deswegen dennoch den Mund verbieten zu wollen, DAS ist Diktatur-Mentalität. Missstände MUSS jeder anprangern dürfen - wohin ein dahingehendes Verbot führt, wissen wir ja alle.
Oh ja,laßt uns A.Merkel,die mal FDJ-Sekretärin für Agitation war,nach Kuba abschieben.Entscheidungen die Menschen mit 15..17Jahren treffen sind selten ein ganzes Leben gültig.
Formal literarisch ist das Gedicht schlecht geschrieben, aber eigentlich haben wir in diesem Land und auf der Welt soetwas wie Meinungsfreiheit. Und Herr Grass hat nichts anderes getan, als die israelische Politik zu kritisieren. Mehr nicht.
Abronsius: Würden wir da konsequente Maßstäbe anlegen, müsste der gesamte Bundestag aufgelöst werden, und zwar von rechts bis links. Gysi, Schily, Ströbele, you name them.
@thoen: und genau das ist das Problem, dass wir nicht gewillt sind mit der Vergangenheit abzuschließen und nach vorn zu sehen. Ich sage nicht, dass wir Vergangenheit einfach vergessen und ignorieren sollen, sondern uns endlich sie akteptieren uns von ihrem Schattenklauen befreien und drüber stehen. Und nicht immer Duckmäußer spielen, wenn es zur Sprache kommt.
Das Grass SS Mann mag schlimm sein, und dennoch war kein Faschist. Es ist falsch seine Aussagen (sowie es einige machen) unmittelbar in diesen Kontext zu setzen.
Erstmal versteckt er überhaupt nichts, sein Gedicht ist so eindeutig, dass er ebenso eine stinknormale Presseerklärung hätte verfassen können.
Außerdem bedeutet seine Kritik ganz sicher nicht, dass er nichts gelernt hat. Nur, weil die vorletzte Generation im zweiten Weltkrieg Schuld auf sich geladen hat, bedeutet das nicht, dass wir Israel nun einen Freibrief ausstellen und zu allem schweigen sollten - genau DAS aber passiert de facto, vorangetrieben durch Politik und einseitige Berichterstattung durch die Medien. Und was geschieht, wenn sich jemand nicht dran hält, zeigt das Beispiel Grass.
"Wehret den Anfängen!"Mich stört nur dieses reflexartige zubeißen der Meinungsmacher. Diskussionskultur ist immer ein Bestandteil der Gesellschaftsform,die sich Demokratie nennt.Und manche Dinge müssen einfach hinterfragt werden...immer!
als mensch,der in der ddr geboren wurde,war ich auch bestandteil von teddys pionieren und fdj -ideologisch infiltriert: bin ich jetzt mein leben lang ein kommunistischer weltverschwörer.....gibt es keine gnade,kein gegenmittel???
Ich sehe nicht ein, persönlich Verantwortung für Taten zu übernehmen, die weder ich noch meine Eltern begangen haben - wer meint, mich deswegen in eine bestimmte Ecke schieben zu müssen, bitteschön. Und wenn die deutsche Politik sich auch heute noch wegen diesem absurden Konstrukt der Erbschuld selbst handlungsunfähig macht (bzw. machen lässt), halte ich das für höchst bedenklich.
Es geht nicht darum, zu VERGESSEN, sondern darum, sich nicht für immer in der eigenen Handlungsfreiheit zu beschneiden.
Die Amerikaner marschieren fröhlich weiter ein, wo sie wollen und fühlt sich auch nur irgendein Amerikaner schuldig? Nein, Kriegstreibungsgspropaganda erweist sich in den USA sogar weiterhin als Wahlmagnet.
Die persönlichen Anschuldigungen gegen Grass aufgrund seiner SS-Vergangenheit nehmen zudem ein Ausmaß an, das ich nicht mehr gutheißen kann - er hat kein einziges Menschenleben auf dem Gewissen und wer war damals eigentlich nicht zumindest NSDAP-Mitglied? Damit möchte ich nichts verharmlosen, sondern nur andeuten, dass die Umstände nicht ganz so schwarz-weiß waren, wie es viele gerne hätten. Wenn es so leicht war, Widerstand zu leisten, warum haben es dann nicht mehr getan? Mir scheint manchmal, als wären die, die heute am lautesten anklagen genau die, die damals als erstes auf den Zug mit aufgesprungen wären.
ich versuche ja eigentlich immer politische diskussionen hier aus MP fernzuhalten, da es mir HIER um filme geht und ich das im restlichen leben schon genug ertragen muss, aber wenn mir in meinem dashboard so aufdringlich die scheisse unter die nase gerieben wird, muss ich leider die reißleine ziehen und die entsprechenden anti-zionistische-ressentiments verbreitenden menschen aus der buddyliste kicken. machts gut und nichts für ungut!
Merkel nach Cuba, hehe, ein Lächeln zur Nacht bei all dem Groll. Einreiseverbot wegen eines Gedichts. Nun ja, Grass irrt, wenn er meint, dass in Deutschland über manches nicht gesprochen werden darf. Gesprochen werden darf über alles, nur hat eben manches Gesagte auch seine Konsequenzen und das sollte uns eine Lehre sein. Mögen wir schweigen und uns freuen, dass wir Weiß und zivilisiert sind. Juhu westliche Wertegemeinschaft!
Ausnahmeweise sehe ich das ähnlich. Das "Gedicht" war zwar keins und der Inhalt einseitigst. Aber in Deutschland und Israel sofort reflexartig nur auf die Person Grass einzuschießen und 3 Monate SS-Zugehörigkeit als 17-jähriger Junge vorzuschieben, ist einfach nur Polemik, teils auf unterstem Nieveau, wie hier weiter unten zB. und sehr entlarvend.
Aber was macht Grass eigentlich auf Moviepilot? Will er das Gedicht verfilmen? Oder hat Spielberg schon angerufen?
Goethe schreibt an Friedrich Heinrich Jacobi: "O du armer Christe, wie schlimm wird es dir ergehen, wenn der Jude deine schnurrenden Flüglein nach und nach umsponnen haben wird" (Goethe, Briefe: Weimarer Ausgabe — VII. 131.)
Vielleicht bin ich nicht Charlie Kaufmans größter Fan. Werde ich in diesem Leben auch nicht mehr. Macht aber nichts, denn Fakt ist: Der Mann nimmt uns durch seine Filmskripte mit in seine ganz eigene Welt, die oft skurril ist, mir manchmal ein Schmunzeln abringt, jedoch immer um einen ernsten, geerdeten Kern kreist und vor allem erfrischend anders ist.
"Adaption" offenbart auf Metaebene, zugegeben, nicht immer subtil und tiefschürfend, dafür aber unheimlich pointiert, ehrlich und daher sympathisch die kleinen und großen, angenehmen und vor allem weniger angenehmen Wahrheiten rund um Inspiration und Künstlerdasein. Zeit für die bittere und doch ebenso mutmachende Erkenntnis, dass der aufrichtige Künstler am Ende das Tages nur sich selbst Muse sein kann, dass er durch Malen nach Zahlen vielleicht erfolgreicher, aber nicht zwangsläufig zufriedener mit sich selbst sein kann, dass andere auch nicht immer das sind, was sie scheinen, und dass erst viel zu viele mühsame Pfade (auf dem Weg zu sich selbst) beschritten werden müssen um letztendlich zu erfahren, wofür es zum Glück doch nie zu spät ist.
"Adaption" überzeugt dabei durch einen nie abhanden kommenden ironischen Subtext, nimmt aber das zum verzweifelnde künstlerische Dilemma der Inspiration in der eigenen Misere dennoch ernst und ist daher ebenso Drama wie Komödie. Und vielleicht sogar ein augenzwinkerndes Tribut an das Schreiben, die Idee, die Inspiration selbst. Eben so, wie nur Kaufman ist.
Ganz klar "Shame", dann "Fish Tank", dann "Hunger", welche nicht nur insgesamt die qualitativ besten Filme sind, sondern auch die Höhepunkte Fassbenders individuellen schauspielerischen Könnens markieren.
Aber natürlich werden bei diesem voting IB und X-Men am Ende klar vorne stehen.. *facepalm*
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Jenny von T
über Gesichter 2012/06/01 19:25:50
"Faces" – schon der Titel dieses Films deutet darauf hin, dass es Cassavetes weniger darum ging, Geschichten zu erzählen, sondern einen Zustand einzufangen. Hierbei liegt der Fokus nicht auf Schemata, sondern auf Schauspiel, welches so echt ist, dass der Begriff im Grunde deplatziert ist. Ellenlange Dialoge umkreisen Cassavetes Botschaft lediglich, Handlungen und Verhaltensweisen der Protagonisten konkretisieren und machen sie schließlich zu einer wertfreien Bestandsaufnahme sondergleichen, zu einem Portrait einer zerrütteten, bürgerlichen Ehe in all ihren Facetten: (Sich) selbst vorgetäuschte Harmonie beider Seiten und die Ironie darin, offene und unausgetragene Konflikte, Flucht, die bittere Erleuchtung erst im Angesicht nunmehr unignorierbarer Tatsachen und schließlich die Überforderung mit der Suche nach dem Ausweg.
Der Vater des amerikanischen Independent-Kinos ist anstrengend, weil er scheinbare Nichtigkeiten über Ewigkeiten hinweg ausdehnt und den gemeinen Zuschauer in enorme Wertungsschwierigkeiten bringt; die Erkenntnis, dass jede Sekunde dieser 130 Minuten eine wichtige ist, mag umso bitterer sein – neben der Einsicht, dass Cassavetes Art der Inszenierung wesentlicher Bestandteil der Authentizität seiner Filme ist und dem echten Leben weitaus näher steht als jeder Hollywood-Blockbuster. Wie unangenehm aber auch.
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Jenny von T
Kommentare 2012/05/28 10:54:10
Haneke ist wie guter Wein. Und meine Vorfreude auf "Amour" steigt so langsam ins Kosmische. Glückwunsch, Michael!
Aber kein Preis für den heiß ersehnten "Cosmopolis"? Doch nicht so gut?
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Sigmund 2012/05/28 15:58:46
Antwort löschenWobei der Trailer von COSMOPOLIS ja superdämlich, platt und mainstreamig rüberkommt, wie ich finde.
Jenny von T 2012/05/28 16:32:23
Antwort löschenKann ich irgendwo nachvollziehen - andererseits deutet der Trailer aber auch an, dass Cronenberg ein wenig die Richtung back to the roots eingeschlagen hat, was ich reizvoll finde. Cronenberg ist zwar schon eigentlich seit Ende der 90'er Wackelkandidat, den Film will ich aber dennoch unbedingt sehen.
Punsha 2012/05/28 16:38:16
Antwort löschenAlso die ersten Kritiken fielen ja sehr unterschiedlich aus. Besonders was den ollen Pattinson anbelangt.
Rochus Wolff 2012/05/28 18:44:21
Antwort löschenHabe von Cosmopolis (leider) bisher nur Schlimmes gehört. Ich trauere darob schon mal präventiv.
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Jenny von T 2012/05/28 19:00:31
Antwort löschenMist.
Kamell 2012/05/29 19:30:45
Antwort löschenAlso ich habe unterschiedliche, überwiegend jedoch positive (internationale) Kritiken gelesen. Und gelacht wohl am meisten über einen französischen Kommentar, sinngemäß: 'Das Ende der Welt nähert sich und ist auch daran zu erkennen, dass man zugeben muss, dass Pattinson gut spielt.'
Das lässt doch hoffen.
Jenny von T
über Michael 2012/05/26 17:52:08
Um einmal eine Gegenstimme zu dem doch überwiegend positiven Echo zu bilden (und nein, ausnahmsweise nicht aus Prinzip - bekanntlich bin ich ein großer Anhänger des österreichischen Kinos):
Einen Film über Kindesmissbrauch zu drehen, ist per se ein schwieriges und heikles Unterfangen - Schleinzer scheitert hierbei nicht in Details, sondern im Grundtenor.
"Michael" sieht bei seinem Versuch, ein objektives Bild des Grausamen zu schildern, den Peiniger für mein Empfinden unfreiwillig aus der "Armer Täter"-Perspektive und nährt sich darüber hinaus vor allem in der ersten halben Stunde zu sehr von Klischees (der nach außen hin unscheinbare gutbürgerliche Junggeselle mit dem dunklen Geheimnis,...). Sicher hatte Schlenzer dieses Ansinnen nicht, aber wer zu sehr auf Nüchternheit bedacht ist, bewegt sich auf schmalem Grat.
Michaels Zwänge, Psychosen und Überforderung in sozialen Situationen erscheinen gefühlt als nur mangelhafte, fadenscheinige und darüber hinaus zu oberflächlich projizierte Erklärung für sein Verhalten und Schleinzers unterkühlte Inszenzierung ist eher Selbstzweck als dem Film förderlich.
Fazit: Vielleicht wollte der Österreicher in die richtige Richtung und besitzt einfach nicht das Handwerkszeug, sich auszudrücken. Ich empfehle ein paar zusätzliche Lehrstunden bei Meister Haneke.
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Ripley1 2012/05/26 19:07:42
Antwort löschenIch möchte widersprechen. Eine Arme-Täter-Perspektive kann ich nicht erkennen. Der Täter agiert konsequent-rücksichtslos und planvoll. Ich möchte fast behaupten, er findet so etwas wie Glück (die Autofahrt, als er "Sunny" singt). Und schließlich wird auch der Junge als starke Figur und Antagonist gestaltet.
Erklärungen gibt der Film eigentlich gar nicht. Psychosen kann ich nicht festmachen, und eigentlich auch keine wirklichen Überforderungen. Er managt das Außenleben ziemlich gut und kann sein "Privatleben" gut abschirmen. Und nicht jeder einsame Junggeselle vergewaltigt zwingend Kinder.
Ich würde bei der Analyse auch in eine sozialkritische Richtung gehen. In einer Gesellschaft, in der Pornografie, Prostitution und virtuelle Erlebniswelten zum Standard geworden sind, entstehen immer mehr Menschen, die keine Empathiefähigkeit gelernt haben und kein Problem damit haben, andere Menschen als Objekte zu betrachten.
sikkmeidack 2012/05/26 20:45:21
Antwort löschenIch habe den Film nicht gesehen und habe es auch nicht vor... ich kann mir somit kein Urteil erlauben, aber ihr habt beide nachvollziehbare Wahrnehmungen und Standpunkte. Sehr aufschlussreich. Nice.
Jenny von T 2012/05/26 21:12:36
Antwort löschenRipley: Naja, der gescheiterte Sexversuch mit der Dame in der Berghütte oder die Szene, als er bekleidet hysterisch in die Badewanne steigt, deuten für mich schon sehr stark an, dass da bei dem Mann psychisch was im Argen liegt. Sicher wird der Junge auch als Opfer dargestellt, einen hämischen Ton erkenne ich insofern nicht. Wie gesagt, ich unterstelle Schleinzer auch beileibe keine sadistische Haltung. Nur mit der Darstellung Michaels ist meines Erachtens einiges schiefgelaufen.
Wie gesagt, es ist bloß meine subjektive Wahrnehmung, die ich geschildert habe. Das muss ja nicht ausschließen, dass man es auch anders aufnehmen kann.
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demien.bartok 2012/06/01 03:27:53
Antwort löschenDu solltest erstmal eine Lehrstunde nehmen und herausfinden, was genau Psychosen sind. ;-) - Außerdem arbeitet der Film nicht mit dem Grundtenor "Armer Täter", schon gar nicht am Anfang.
Jenny von T 2012/06/01 09:42:14
Antwort löschenIch schrieb, dass er sich anfangs Klischees bedient, diesen "Armer Täter"-Beigeschmack empfinde ich, wie auch schon das Wort sagt, als GRUNDtenor. Vielleicht liest du meinen Kommentar erstmal richtig.
Jenny von T
über Das Turiner Pferd 2012/05/25 23:20:25
Was für ein adäquater Abgang: In seinem Frühwerk lässt Tarr die Familie untergehen, später das Individuum ("Kárhozat"), dann eine Dorfgemeinschaft ("Sátántangó") - und mit dem "Turiner Pferd" schließlich die Welt. Dabei gelingt ihm vielleicht nicht weniger als eine (Neu-)Definition des Begriffs "Kunstfilm": Mag sich dieser Tage auch beinahe alles "Kunst" schimpfen DÜRFEN, so beginnt sie für mich eigentlich erst dort, wo narrative Kohärenz überdrüssig wird und Kommunikation mit dem Rezipenten die Ebene des Wortes verlässt.
Waren Tarrs frühere Werke trotz kennzeichnend langsamer Inszenierung dennoch nie repetitiv, macht sich "Das Turiner Pferd" erstmals die Wiederholung (welche alles noch langsamer erscheinen lässt) als tragendes Stilmittel zu eigen: Anziehen, Wasser holen, Kartoffeln essen, "fertig". Kurioserweise liegt gerade hierin eine große Stärke des Films bedingt, da Abweichungen vom gewohnten Verlauf eine umso eindringlichere Bedrohlichkeit erwecken: Wenn Bauer und Tochter beim Essen plötzlich wie erstarrt den Blick zum Fenster wenden, gefriert einem geradezu das Blut in den Adern. Oder der Besuch des Nachbarn, welcher eine unheilvolle Verheißung geradezu versinnbildlicht - "Das Turiner Pferd" schöpft all seine Möglichkeiten aus und kreiert eine schauerliche Magie, die über zweieinhalb Stunden anhält. Indem man sich geradezu gezwungen sieht, auch auf winzige Details zu achten, wird man hierfür natürlich umso empfänglicher.
Der größte Trumpf Tarrs ist jedoch vermutlich, dass er trotz - oder gerade aufgrund?! - eigentlich entfremdender Schwarzweiß-Optik den Zuschauer in eine andere Zeit versetzt, ihm aber dennoch seine Figuren unglaublich nahebringt und damit die sich ihm erschließende Option beim Schopfe ergreift, gezielt und platziert dramatisch-erschütternde Momente ohne auch nur den Hauch von Rührseligkeit zu kreieren - Tristesse und Tragik in Stil und Inhalt bedingen sich beispiellos.
Es bringt ja alles nichts: Einen wie Tarr wird es nicht mehr geben. Wie viele Filmemacher sind bemüht, uns ein bisschen Mut, unsere klägliche Existenz auf dieser Erde ein bisschen angenehmer zu machen... Bei Tarr ist inmitten der Schönheit im Untergang die einzige Hoffnung die, dass das, was nach uns kommt - was immer es sein mag - vielleicht besser ist als das Jetzt.
Nietzsche hat seinerzeit passenderweise wirklich so einiges festgestellt, das auf diesen Film zutrifft - ich versuche es einmal hiermit:
"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden."
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Tyler__Durden 2012/05/25 23:39:31
Antwort löschenSchön gesagt. Obwohl das mit der "(Neu-)Definition" nicht ganz stimmt, also jetzt ganz allgemein. Da gabs davor schon Jeanne Dielman von der Ackerman mit welcher das Turiner Pferd, was die von dir beschriebenen Mittel der Kommunikation sowie die Strukturierung betrifft, starke Ähnlichkeiten hat. Dazu war Tarr ja schon seit jeher sehr beeinflusst von seinem Landsmann Miklós Jancsó und dem kürzlich verstorbenen Theodoros Angelopoulos was seine formellen Kompetenzen angeht. Aber natürlich ist das was Tarr hier macht, speziell in seiner unerbittlichen Konsequenz, schon sehr eigen.
Jenny von T
Kommentare 2012/05/21 10:49:14
Haneke und die Huppert sind einfach ein starkes Team. Ich freu' mich schon wie Bolle auf den Film.
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Jenny von T
Kommentare 2012/05/16 10:01:16
Eine hommage an Bergman, Tarr und Bresson gleichzeitig und doch voll und ganz Haneke. Die Bezeichnung "moderner Klassiker" trifft es wirklich auf den Punkt. Schade, dass viele für sowas heute nicht mehr zu haben sind.
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Jenny von T
über Die werckmeisterschen Harmonien 2012/05/11 13:41:45
Mit Filmen ist es ein wenig wie mit Sprachen: Manche klingen nur schön, andere sind für uns ein Schloss mit sieben Siegeln, aber nur eine ist unsere Muttersprache. Selbst der größte Filmjunkie wird einräumen, dass die Zahl derjenigen Filme, die er oder sie sich wieder und immer wieder mit wachsender Begeisterung anschauen kann, letztenendes stark begrenzt ist und vieles nur für den Augenblick mitreißt, weil einen der richtige Film in der richtigen Stimmung erwischt hat.
Wenn aber alle Filme Sprachen sind, sind Béla Tarrs Werke nicht nur einfach Abfolgen von Klängen und Lauten, sondern Musik. Tarr erzählt nicht bloß eine Geschichte, seine Filme sind vielmehr ein Gefühl.
Zwar finden sich auch in "Werckmeister harmóniák" längere Dialoge, aber die Essenz steckt beim Ungarn immer in der BildSPRACHE, die ja eigentlich Musik ist, aber jedenfalls derart intensiv und mitreißend, dass man während immerhin mehr als 2 Stunden wirklich alles um sich herum vergisst, und ich glaube, das ist eine Gabe, die man an keiner Filmschule dieser Welt erlernen kann.
Selbst alltägliche Momente, die Tarr einfängt, sind plötzlich von einem melancholischen Zauber. Sogar ein riesiger, ausgestopfter, stinkender Wal ist irgendwie lebendig, zumindest in den Augen der Hauptfigur János, der für mein Empfinden den letzten Atemzug warmer und wärmender Menschlichkeit in diesem Film verkörpert, während die Gemeinde um ihn herum lediglich das Bedrohliche im Fremden sieht, und so entsteht während der ersten und einzigen Begegnung János' mit diesem Kadaver ein unsichtbares Band, dass sich ebenso wenig sehen wie in Worte fassen lässt.
Überhaupt versteht Tarr es, die Welt aus dem Blickwinkel seiner Protagonisten zu betrachten und gleichzeitig eine Grundstimmung zu erzeugen und zu halten: Wenn János auf dem Marktplatz die letzten Schritte in Richtung der großen Attraktion tätigt, dann klebt die Kamera an seinem Rücken, wandert geradezu im Kreis und fängt ebenso die teilnahmslosen, resignierten sowie frustrierten Gesichter der Menschen ein, an denen er vorbeigeht, und diese subtil-bedrohliche Spannung hält auch dann an, wenn kurz darauf Zirkusmusik ertönt. Und nicht nur das, Tarr schlägt allein dadurch (bzw. auch schon ganz zu Beginn des Films durch eine beeindruckende Darstellung der Sonnenfinsternis) sogar bereits Handlungsrichtungen ein, nimmt den Zuschauer für diesen unbemerkt an die Hand.
Ja, "Werckmeister harmóniák" ist düster, Tarr's typische Endloseinstellungen dürften ohnehin nicht jedermanns Fall sein oder auf manchen sogar prätentiös wirken, und bei all meiner Begeisterung wäre es somit falsch zu behaupten, dass dieser Film ganz sicher jedem gefallen wird und muss - wer jedoch Schönheit in Melancholie erblicken kann, der findet hier nicht weniger als das Paradies, ein zu Hause und sein persönliches Esperanto.
Ich schreibe diese Worte freilich berauscht, aber just in diesem Moment gehören die werkmeister'schen Harmonien sicherlich zu dem filmisch Berührendsten und einfach Bestem, das ich jemals sehen - ach, was rede ich da, ERLEBEN - durfte. DANKE, Béla Tarr!
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Tyler__Durden 2012/05/11 18:25:51
Antwort löschenDas angsteinflößende an der ganzen Geschichte ist ja immer noch das dies hier nicht mal sein vollkommenstes Werk ist.
Jenny von T 2012/05/11 19:00:50
Antwort löschenDu spielst auf "Sátántangó" an? Mach' mich bitte nicht schwach - den habe ich nämlich auch noch vor mir.
Tyler__Durden 2012/05/11 19:20:38
Antwort löschenSatantango und das Pferd meinte ich damit. Aber den Tango wenn möglich in einer Sitzung tanzen(mit ein oder zwei kurzen Pausen wenn du es brauchst). Einfach mal einen ganzen Tag einem Film widmet, macht die Erfahrung noch um einiges unvergesslicher da der Film, obwohl er in Kapitel eingeteilt ist, eine kontinuierlich aufbauende Erfahrung ist die wenn möglich nicht ge- oder zerbrochen erlebt werden sollte.
Jenny von T 2012/05/11 19:25:48
Antwort löschenDas ist auch meine Absicht. Einen Film über Tage verteilt zu schauen ist genauso wie eine Mahlzeit verteilt zu essen - macht halt nicht satt. Gerade bei Tarr wahrscheinlich umso mehr; ich weiß ja, wie er wirkt. An das Pferd muss ich auch noch irgendwie rankommen, das trabte hier nirgends im Umkreis von 200 Kilometern. *grummel*
DVD release plz, aber zügig.
Tyler__Durden 2012/05/11 19:33:54
Antwort löschenDie Cinema Guild bringt den glaube ich im Juli in den Staaten auf Blu-Ray raus. Wie es mit einer DVD aussieht weiß ich aber auch nicht.
jollyroger 2012/05/14 09:00:01
Antwort löschenHervorragend geschrieben und auf den Punkt genau.
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Jenny von T 2012/05/16 15:53:00
Antwort löschenIch habe soeben meine Lieblingsfilm-Liste entschlackt, weil dieser Film für mich neue Maßstäbe setzt und ich demenstprechend alles neu ins Verhältnis zueinander setzen muss. Wahnsinn. Hier müsste es auch Doppelherzen geben, das würde es ein wenig einfacher machen.
Jack_Torrance 2012/05/16 16:42:14
Antwort löschenFind's cool, dass du Der Koch, der Dieb, seine Frau & ihr Liebhaber dort beibehalten hast <3
Jenny von T
Kommentare 2012/05/10 10:15:43
Ich weiß auch nie, wie man "Scorsese" ausspricht und mir ist das jedes Mal furchtbar peinlich. Sehr erleichternd, dass selbst professionelle Filmemacher dasselbe Problem haben.
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Commentator 2012/05/10 18:21:24
Antwort löschenSkorsisi
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Jenny von T 2012/05/10 18:29:13
Antwort löschenEher Skorßäisi, dachte ich.
Tschutschu 2012/05/10 19:07:37
Antwort löschenskɔːɹˈseɪzɪ
Jenny von T
über Songs From the Second Floor 2012/05/09 19:19:36
Roy Andersson: Trotz Cannes-Erfolg ein offenbar übersehenes Juwel im großen Pool skandinavischer Genies - zumindest legt dies die doch dürftige Anzahl von gerade einmal 102 Community-Bewertungen für diesen Film nahe. Zeit für ein bisschen Werbung.
Wie das wohl bekanntere später erschienene "jüngste Gewitter" untermauern sollte, versteht es Andersson meisterlich, Einzelschicksale episodenartig zu beleuchten und gleichzeitig ein großes Ganzes zu erschaffen, was aber erst zum Ende hin deutlich wird. Bis dahin erscheinen einzelne Dialoge oder sogar ganze Einstellungen oftmals dadaesk und sinnlos, aber keine Sorge, der Mann hat nicht umsonst zehn Jahre lang an dieser Perle gefeilt.
Andersson liebt die Totale, die Kamera und der Blau-Grau-Filter sind dabei so still und steril wie die Dystopie (?), die der Schwede erschafft: Menschen und ihre großen und kleinen Probleme, von denen allein sie eingenommen sind, während die Welt um sie herum irgendwo zwischen Überfluss und nichts, jedenfalls aber ohne Visionen und ohne Glauben vor die Hunde geht, wobei dies zu verschmerzen wäre, würde sich doch wenigstens noch ein Geschäft mit Jesus und dem Kreuz machen lassen. Der Mensch als Zombie (tatsächlich angedeutet durch bleich geschminkte Gesichter), der an seinem eigenen Kreuz zugrunde geht, nämlich an alledem, was er selbst erschaffen hat, ironischerweise sogar an seiner Kunst; nicht einmal Betrug und List führen mehr zum Ziel und auch jede Möglichkeit zur Flucht hat man sich selbst verbaut (grandios: Eine gefühlt endlose Szene gegen Ende des Films in einer Flughafenhalle, in der es die Menschen mit ihrem enormen Gepäck nicht einmal mehr zum Schalter schaffen).
"Songs from the Second Floor" ist ein bildsprachlich distanziertes, aber inhaltlich eindringliches, rabenschwarzes Zeugnis individueller und gesellschaftlicher Resignation gespickt mit Metaphern und groteskem Humor, das Eindruck hinterlässt, oder auch eine Apokalypse, wie sie so noch nicht gezeigt wurde. Meisterwerk!
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Sigmund 2012/05/09 19:42:45
Antwort löschenJa, wow, was ein Film! Auch die Szene mit dem Mädchen, das geopfert wird, nachdem man ihm vor den Honoratioren der Stadt die Notwendigkeit und "Würde" ihrer Aufgabe aufs Seriöseste zugesichert hat – ist das brillant erdacht und inszeniert... unglaublich.
Für die Qualität des Films spricht auch sein Nachhall, der bei mir noch immer nicht verklungen ist. Hochgestuft! ^^
Jenny von T 2012/05/09 19:54:50
Antwort löschenOhja, die Szene ist für mich ebenfalls die wohl beste des Films (ich wusste nur nicht, wie ich sie in meiner Kritik einbauen sollte^^), weil das die Stelle ist, an der die Sache endgültig ins Nicht-mehr-Fassbare abdriftet. Obwohl man ja durchaus die ganze Zeit mit so einigem rechnet, fragt man sich in dem Moment: "Das passiert jetzt nicht wirklich, oder?!" Genial.
Jack_Torrance 2012/05/11 15:15:49
Antwort löschenRoy Andersson ? Noch nie gehört
---------->Asche auf mein Haupt !
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Jenny von T 2012/05/13 17:40:22
Antwort löschenNICHT gut, mein Lieber. Andersson ist zwar eigenwillig, aber zumindest antesten sollte ihn JEDER.
Jack_Torrance 2012/05/14 16:21:33
Antwort löschenZumal sich Das jüngste Gewitter sehr interessant anhört.
Jenny von T
über Lars von Trier 2012/04/30 07:46:26
Mein Name ist Jenny. Ich bin Autistin. Wenn ich beispielsweise ein Telefongespräch tätigen muss, und sei es nur für einen Arzttermin, brauche ich dazu erst einmal eine Anlaufzeit von einer halben Ewigkeit, mein Puls ist die halbe Stunde davor und danach auf 150. Wenn ein Buch in meinem Regal auch nur einen Zentimeter verrückt steht oder ein Bild an meiner Wand schief hängt, bringt mich das fast um. In meinem ganzen Leben habe ich noch keine Disco von innen gesehen. Wenn ich dann doch mal von Angesicht zu Angesicht mit jemandem reden muss, kommt meistens irgendetwas unglaublich Unbeholfenes dabei heraus – niemand lacht, wenn ich etwas im Scherz meine, und da ich nicht gut darin bin, Dinge rhetorisch auszuschmücken oder durch die Blume zu sagen, wirke ich auf die meisten burschikos bis schlichtweg unfreundlich und dreist. Die Tatsache, dass ich ein paar unpopuläre Meinungen vertrete, macht es auch nicht einfacher. Ja, wahrscheinlich hatte ich auch eine schwere Kindheit und erfülle ganz sicher noch mehr Klischees des armen, reichen Mittelklassemädchens. Ich bin nicht einmal besonders gebildet und wohl auch nicht so intelligent, wie ich selbst manchmal glaube, aber eines weiß ich: Ich liebe Lars von Trier. Ebenso ist mir klar: Der Rest der Welt tut es nicht. Langsam verzweifle ich dabei, mir ein ums andere Mal Schlammschlachten mit Personen zu liefern, die in ihrem Hass auf diesen Mann ebenso tief rettungslos verwurzelt sind wie ich in meiner Sympathie, weshalb ich mich dieses Mal darauf beschränken möchte, so nüchtern wie möglich einen kleinen Einblick in meine Gefühlswelt zu geben und mich einfach nur zu erklären.
Da ist eine Frau, die eine Menge durchmacht, der das Geld für eine Augenoperation ihres Sohnes vom eigenen Nachbarn geklaut wird und am Ende auch noch erhängt wird, oder die unerbittlich für ihre Liebe kämpft, obwohl ihr eigenes Dorf gegen sie steht, und am Ende ist kein Nettogewinn, nichts, niente. "Hm, ganz schön frauenfeindlich!", denkt sich offenbar die Mehrheit. Ich dagegen sehe die Frau als jeweils einzig guten, opferbereiten, empathiefähigen Menschen überhaupt in von Triers im Grunde genommen romantisch verklärtem Universum, umringt von Wölfen in Menschenhaut, gegen die natürlich keine Chance besteht. Aber genau deswegen ist es ja auch ein DRAMA und keine SATIRE. Sagt sogar Moviepilot in seiner Beschreibung. Gerade die "Golden Hearts"-Trilogie ist es, die eigentlich ohne Doppelboden, Selbstbeweihräucherung oder hohen intellektuellen Anspruch auskommt, sondern einfach nur ein Stück hochemotionales Kino formt, natürlich verhasst von versnobten Kritikern und solche, die es gerne wären, die, protzend vor Stolz darüber, dass sie nach fast 30 Jahren nunmehr im Ansatz Kubrick's Space Odyssey zu interpretieren wissen, längst den größten Trumpf von Kunst vergessen haben: Aufwühlen, berühren, Gefühle auslösen, und im besten Fall dadurch wachrütteln; wenigstens Punkt 1 und 2 schafft von Trier bei wohl JEDEM, sei es in die eine oder andere Richtung.
Sogar das Format kann er dabei beliebig austauschen: Verfilmtes Theaterstück ("Dogville"), Musical ("Dancer in the Dark"), klassisches Melodram ("Breaking the Waves"), Komödie ("The Boss of It All"), Arthaus-Science-Fiction ("Melancholia") oder Horrorfilm ("Antichrist", eindeutige Klassifizierung - zugegeben - problematisch) - you name it, Lars delivers. Von Trier schafft es sogar, dabei die eigentlich immer selbe Aussage zu treffen bzw. lediglich verschiedene Facetten seines Weltbilds zu beleuchten, mal am Kollektiv ("Dogville", "Manderlay"), mal am Einzelnen ("Antichrist", "Melancholia") ausgerichtet; wie passend, dass er in "Melancholia" doch tatsächlich auf den Punkt bringt, was er seiner gesamten Karriere zuvor immer wieder paraphrasiert hat: "The earth is evil, we don’t need to grieve for it."
Und doch… wer genau hinsieht, findet selbst bei von Trier, an vereinzelten Stellen winzige Schimmer des Lichts, und dies ist der Punkt, an dem sich der Kreis zu seiner Verehrung Andrei Tarkovskys schließt, jenseits von Jägern im Schnee oder der Abkupferung von Regenmotiven: Es ist irgendwo zwischen Wellenbrechen und Melancholie die stille Erhebung der (Ver)zweifelnden, Kämpfenden, Hoffenden, zu Helden im Angesicht des eigenen Scheiterns und der Tragik in der Gefangenheit des Seins, das Auge für die Stärke der vermeintlich Schwachen, welches beiden gemein ist.
Das kontroverse Wesen von Triers Filme trägt mit dazu bei, dass Subtext dieser Art untergeht, ignoriert oder willentlich ins Gegenteil verkehrt wird, was der Däne andererseits sicher nicht nur in Kauf nimmt, sondern geradezu heraufbeschwört und damit dem Publikum einfach eine Menge zumutet. Wen interessiert noch Inhalt zwischen den Zeilen, wenn das geliebte Feindbild erstmal steht?
Hier wird von Triers Status auf allen Ebenen als tragische Figur praktisch evident, die nun einmal nicht gleichzeitig Provokateur sein und von jedem verstanden werden kann, sogar durchweg, sowohl als Künstler als auch Person missgedeutet wird, denn: Ein Provokateur trifft nicht einfach nur eine Aussage, er nutzt die Möglichkeiten seines Mediums, um Deutungsebenen zu schaffen - und trägt die Konsequenzen.
Ja, ich bin der festen Überzeugung, dass sein gesamtes Werk Ausdruck seiner persönlichen Authentizität ist, dass es kein Zufall ist, dass man in "Epidemic" zuerst teilnahmslos ihn und Jahre später Kirsten Dunst als Justine in der Badewanne sieht und ebenso fände ich es wünschenswert, wenn man ihm einfach einmal zuhörte, wenn er in Interviews ausnahmsweise nicht unfreiwillig in den Trollmodus verfällt und sagt, dass er eigentlich nur über sich selbst schreibt und in seinen Skripten am Ende schlichtweg männliche und weibliche Rollen vertauscht. Aber jetzt sagt er gar nichts mehr, woran die hater dieser Welt auf langfristig sicherlich weitaus mehr und heftiger zu knabbern haben werden als von Trier.
Und wer meine Worte nun immer noch als Schwachsinn abtut, dem sei abschließend wenigstens mit auf den Weg gegeben, dass ich Frauen (!) kenne, die seine Filme ebenso empfinden wie ich, aber vielleicht sind wir alle nur eine lose Selbsthilfegruppe aus Autisten, von denen man nicht genau sagen, ob sie nun mehr oder weniger sehen als andere, wer weiß das schon...
Für mich ist lediglich eines klar: Unter den ganzen Kubricks, Greenaways, Hanekes und Bergmännern gibt es inmitten all ihrer individuellen Genialität nur einen, von dem ich mich verstanden fühle, und dies ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum ich heute generell mehr Filme schaue und weniger Nirvana höre als früher.
Und um nun endlich zum Punkt zu kommen: Tillykke med fødselsdagen, Lars! With the lights out it's less dangerous.
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dAJaro 2012/04/30 09:16:59
Antwort löschenGroßartiger Kommentar!
momopipi 2012/04/30 09:53:29
Antwort löschenMeine Sinne wurden berauscht, sehr schön!
Mr. Pink 2012/04/30 10:03:05
Antwort löschenLars und Kirsten haben also am selben Tag Geburtstag. Das ist interessant. Genauso wie dein Kommentar, der wirklich großartig ist!
Sigmund 2012/04/30 10:28:01
Antwort löschenBeautiful.
bobo-lemon 2012/04/30 10:39:38
Antwort löschenWow. Welcher Mann würde sich nicht wünschen, dass eine Person, die ihn liebt, nur für ihn Worte zu solch bedeutungsvollen Sätzen verwebt?
Ichundso 2012/04/30 11:03:09
Antwort löschen@Jenny: Was Kunst ist, weiß ja sowieso niemand so genau, aber ich glaube (insbesondere jetzt), dass es wirklich etwas mit der Reaktion auf etwas zu tun hat. Jemand dreht einen Film und zehn verschiedene Leute sehen zehn verschiedene Filme darin. Was das für den Einzelnen bedeuten kann, lässt sich sachlich überhaupt nicht nachvollziehen. Und das, was du so wunderbar beschrieben hast, klingt wirklich nach jemandem, der sein filmisches Gegenstück gefunden hat. Ich weiß noch nicht genau, ob ich eins habe, Lars von Trier ist es sicherlich nicht, aber während der Szene in Melancholia, in der die Figuren im Haus sitzen und man nur den Planeten über sie hinweg donnern hört, dachte ich mir "Wenn das wirklich passieren würde, es würde sich genau so anfühlen." Und das ist in gewisser Weise das Höchste, was Kunst erreichen kann.
@bobo-lemon: Würg.
bobo-lemon 2012/04/30 11:21:05
Antwort löschen@Ichundso: Tut mir leid, dass mein Kommentar bei dir Brechreiz ausgelöst hat. Was ich damit nur ausdrücken wollte, ist, das dieser Text eine tiefe Zuneigung auf schöne und intelligente Weise in Worte fasst. Und wer würde sich angsichts von so viel entgegengebrachter Ehrlichkeit und Verständnis nicht geehrt fühlen?
_Garfield 2012/04/30 11:21:42
Antwort löschenLeider sehe ich diese Hoffnung in seinen Filmen nicht, weswegen ich mit "Melancholia" auch nicht sonderlich viel anzufangen wusste, dafür sehe ich aber auf beeindruckende Weise, weshalb von Trier für dich so wichtig ist.
Jenny von T 2012/04/30 12:51:38
Antwort löschenVielen Dank für all das liebe Feedback! Ich bin wirklich gerührt! :-)
@Ichundso: Kunst spielt sich auf so vielen Ebenen ab, da können mir noch so viele Fachleute was von objektiven Bewertungskriterien erzählen. Jeder Künstler packt ein Stück eigene Seele in sein Werk, das geht gar nicht anders, und dass Menschen unterschiedlich darauf reagieren ist nur so natürlich wie die Tatsache, dass wir nunmal alle verschieden sind. Trotzdem aber ist es grundsätzlich etwas ganz Wunderbares.
(nun auch @Garfield): Und genau deshalb sehe ich ja eigentlich auch ein, wie sinnlos es ist, jemanden bekehren und den eigenen Geschmack aufdrücken zu wollen. Trotzdem aber versucht man es immer wieder, eben, weil man es nicht gerne sieht, wenn etwas, das man sehr mag, durch den Dreck gezogen wird. Man nimmt es dann schon fast persönlich. Deshalb sehe ich mein Ziel auch schon damit erreicht, wenn auch nur irgendjemand meinen Kommentar wenigstens entfernt nachvollziehen kann. Auch ohne mir zuzustimmen.
@Ichundso und bobo: Bitte wieder lieb sein, ja? :-*
Mr Vincent Vega 2012/04/30 13:07:28
Antwort löschenSchöner Text. Aber ganz so recht verstehe ich den Aufhänger nicht: Wer mag denn schon Von Trier nicht? Kenne kaum jemanden, den sein Frühwerk, die Golden-Hearts-Trilogie oder zuletzt das Beziehungsdoppel Antichrist/Melancholia nicht umgehauen hätte.
lieber_tee 2012/04/30 13:13:23
Antwort löschenGanz toller Text und Jenny es gibt viele, viele Menschen die LvT Filme mögen und schätzen.
Jack_Torrance 2012/04/30 17:02:06
Antwort löschenDa sitz ich mit Kopfschmerzen vorm Computer, reg mich über Alice (den Internetanbieter) auf, kämpf verzweifelt gegen das Ausrasten, weil mein Internet so langsam ist und dann les ich das hier <3
Ganz großartiger Text, made my fucking day :)
PS: Ich würde am liebsten auch den Regisseur finden, von dem ich mich verstanden fühle...
BigDi 2012/04/30 17:42:43
Antwort löschenBravo, Jenny. Bravo.
DerDude_ 2012/04/30 19:36:44
Antwort löschenSelten einen solch fantastischen Kommentar gelesen :) Bin auch Autist btw...Kenne eigentlich viel zu wenig Von Trier Werke. Nächster wird wohl "Breaking the Waves"
Jenny von T 2012/04/30 19:59:26
Antwort löschen@Vincent: Satire oder leben wir in verschiedenen Paralleluniversen (wobei in deinem offenbar mehr richtig läuft als in meinem)? Die unzähligen Diskussionen, die ich allein auf dieser Plattform schon verfolgt habe, sowohl über seine Filme als auch über von Trier selbst (zumeist kommt man eh vom Hölzchen auf's Stöckchen), sprechen eine klare Sprache, denke ich. Gib mir 10 Minuten und ich suche dir 10 user raus, die mindestens schon einmal den Tatbestand der Beleidigung verwirklicht haben. Vor allem der Ton ist in Bezug auf von Trier radikaler (von beiden Seiten aus) als wenn hier über andere Filmemacher diskutiert wird.
Danke, DANKE nochmal an die anderen!
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Mr Vincent Vega 2012/04/30 21:07:00
Antwort löschenOk, ging dann wohl an mir vorbei. Bin allerdings auch nicht allzu verzahnt mit den Community-Gepflogenheiten hier. Ich selbst kenne im cinephilen Umfeld halt kaum jemanden, der von Trier nicht irgendwas abgewinnen kann.
Hooded Justice 2012/05/06 11:48:01
Antwort löschenSpitze, Du bist mir sympathisch, Jenny.
Jenny von T
über The Falls 2012/04/26 18:54:07
Wer mit Peter Greenaway nichts anfangen kann, für den dürfte "The Falls" nicht weniger sein als 195 Minuten pure Folter, denn in vielerlei Hinsicht ist der erste Langfilm des Briten auch sein typischster. Greenaway unverdünnt.
Eine mysteriöses, nicht wirklich näher bezeichnetes Ereignis wirft uns Greenaway vor die Füße, Auslöser für eine Akte mit 92 Kurzbiographien über Opfer dieses Zwischenfalls, die eigentlich nur gemeinsam haben, dass ihr Nachname mit "Fall" beginnt und doch irgendwie mehr. Seltsame Mutationen an Körper und Geist rief das VUE ("Violent Unknown Event") hervor - von plötzlichen Obsessionen rund um Vögel und Fliegen bis hin zu zig neuen Sprachen reizt Greenaway gefühlt die gesamte Palette an Obskuritäten aus, die man auch nur aus dieser Idee herausziehen kann.
Nach spätestens einer Stunde gibt man auf, gelegentlichen Rückverweisen auf vorherige Biographien im Detail nachzugehen, jedoch kapituliert nicht nur das Gedächtnis angesichts einer unfassbaren Flut an bisweilen ebenso unfassbar beliebigen Informationen, sondern auch der Rest der grauen Gehirnzellen in Anbetracht Greenaways sonderbaren Einfallsreichtums; aber, keine Angst, pechschwarzer Humor und sozialkritische Untertöne, vor allem in Gestalt wahnwitziger typisch menschlicher Verschwörungstheorien, bleiben trotz dieser Reizüberflutung sondergleichen nicht unentdeckt.
Ich habe selten nach 10 Minuten so dringend abschalten und gleichermaßen so unbedingt weiterschauen wollen; "The Falls" ist nicht einfach nur experimenteller Mindfuck, sondern hinter allem vordergründigen Chaos - typisch Greenaway - perfektionistisch durchdacht.
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Jack_Torrance 2012/04/26 18:58:29
Antwort löschenDein erster Greenaway-Kommentar - ganz vorzüglich :)
Jenny von T 2012/04/26 19:00:24
Antwort löschenDanke, danke. :-) Ausgerechnet sein für mich bis dato verwirrendster Film ist es, für den ich am Ehesten bzw. auf Anhieb Worte finde. Tja, so ist das.
Jack_Torrance 2012/04/26 19:02:53
Antwort löschenEin Wort beschreibt Greenaway und seine Filme perfekt: einzigartig ;-)
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Jenny von T 2012/04/26 19:07:13
Antwort löschen... und vor allem eine Menge Superlative. Aber "einzigartig" trifft es vielleicht doch am Besten. Ich würde von kaum einem mir bekannten Filmemacher sagen, dass er das Medium wirklich _revolutioniert_ hat, aber der Name Greenaway springt mich da als allererstes an.
Jack_Torrance 2012/04/27 15:58:53
Antwort löschenVor allem gehört Greenaway am ehesten zur Kategorie "Filmemacher mit Eiern" !
Jenny von T
Kommentare 2012/04/26 09:40:48
*bitte an dieser Stelle euphorischen, nicht-jugendfreien Groupiekommentar denken*
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Jenny von T
über The Man Who Wasn't There 2012/04/19 20:37:20
Was für eine Erleichterung! Ganze 4 Coen-Filme hat es mich gebraucht, um endlich einmal diesen Flash zu erleben, von dem beinahe alle Cineasten um mich herum in Bezug auf das Brüderpaar berichten. Big Lebowski? Fargo? No Country For Old Men? "Hm, ja, ganz nett, nächster Film."
Der coen'sche Humor war, dort wo ich ihn gesehen habe, ebenso wenig mein Fall wie die warme Versöhnlichkeit sowie die - zugegeben, unverwechselbare - mal mehr, mal weniger versteckte Skurrilität ihrer Werke.
Mit "The Man Who Wasn't There" nun haben die Coens endlich auch für mich Bäume ausgerissen, einfach, weil sie hier einfach mal komplett auf dem Teppich geblieben sind, alles, was ich bisher an ihnen kritisierte, hinter sich gelassen und stattdessen einen Film erschaffen haben, dessen tiefe Seele auch mir entgegenspringt, und das von der ersten Sekunde an.
Kameraführung, Beleuchtung und überhaupt alles, was Optik ausmacht, ist ein einziger Traum und geht wunderbar einher mit Beethoven und der Schwarz/weiß-Inszenierung, die sowohl Distanz als auch Nähe schafft. Das nennt man wohl cineastische Perfektion.
Der Plot ist selten gut durchdacht und jeder einzelne Charakter ein funktionierendes Zahnrad. Der Hauptgrund, warum mir dieser Film nahegeht, ist sicher Ed Crane, der erste Coen-Protagonist, der als tragische Figur als solche auch wirklich bei mir ankommt, was vermutlich daran liegt, dass die Coens ihn, begleitet von einer angenehmen, aber auch unbedingt notwendigen Prise dunkler Ironie, für die Tragik des Lebens insgesamt stehen lassen.
Denn: Ed Crane ist wirklich der moderne Mensch - Irgendwo zwischen Resignation und Unbeholfenheit vor sich herstolpernd, gefangen zunächst im eigenen Trott, dann im eigenen Schicksal, das zum Selbstläufer geworden ist - und gleich zwei Schritte voraus. Empathiefaktor 1000.
"The Man Who Wasn't There" ist eine großartige, poetische Parabel und als film noir-Hommage tatsächlich besser und in jedem Detail tiefgründiger als jeder film noir, den ich kenne.
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Mike Myers 2012/04/19 20:52:41
Antwort löschen...und jetzt gleich weiter mit Millers Crossing und Barton Fink :)
Jenny von T 2012/04/19 21:01:38
Antwort löschenIst ja nur bezeichnend für mich, dass ich wieder erst durch den Schlamm wate, bevor ich auf die Perlen stoße. *seufz*
Le Samourai 2012/04/19 21:04:31
Antwort löschenNa DAS gefällt mir doch mal! :) Bis auf den Schlamm, pfui!!! ;)
Jenny von T 2012/04/19 21:08:46
Antwort löschenHab' ich nur geschrieben, um dich zu ärgern. So ganz harmonisch geht's halt doch nicht. :-p
Le Samourai 2012/04/19 21:11:03
Antwort löschenDu kleiner Schelm! :D
Jenny von T 2012/04/19 21:16:38
Antwort löschen:-*
Le Samourai 2012/04/19 21:20:03
Antwort löschen:*
Jack_Torrance 2012/04/21 13:28:43
Antwort löschenTolle Würdigung :)
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Schlegel 2012/04/26 18:25:16
Antwort löschenKann mit dem hier auch am meisten anfangen. Und mit "True Grit", obwohl der viele Feinde hat.
Jenny von T 2012/04/26 20:25:21
Antwort löschenDas ist ein relativ starkes Indiz dafür, dass er mir gefallen könnte.
Jenny von T
Kommentare 2012/04/19 15:50:41
War ja klar, dass das Gebashe nicht lange auf sich warten lässt. Ich finde den Trailer großartig - Cronenberg scheint ein bisschen back to the roots zu gehen und Pattinson passt meiner Meinung nach PERFEKT da rein. Denkt ihr wirklich, ein Cronenberg weiß nicht, was er tut?
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Picknicker 2012/04/19 15:56:22
Antwort löschenagreed, das pattinson gebashe ist wirklich lächerlich und sehr pubertär. "weil er in twilight mitgemacht hat, darf ich jetzt keinen film mehr mit ihm mögen!" ich find leo di caprio nach titanic auch erstmal grundsätzlich doof...aber wie gesagt: da war ich ein teenie. wer als erwachsener nicht einen funken mehr objektivität aufbringen kann, tut mir da echt leid.
the gaffer 2012/04/19 15:57:22
Antwort löschendito!
chriskaps 2012/04/19 16:02:13
Antwort löschenditodito
Picknicker 2012/04/19 16:02:31
Antwort löschenbtw. der trailer ist natürlich awesomst! ;) cronenberg hatte schon immer ein gutes gespür für den zeitgeist. von daher könnte der film wirklich einer der interessanteren des noch jungen jahrtausends werden.
Tala 2012/04/19 18:28:15
Antwort löschenAch irgendwann hört dieses gebashe auch wieder auf. Momentan wollen so manche Leute eben einfach nur den Glitzer-Vampir sehen und kein gutes Haar an ihm lassen. Das ist zwar kindisch aber jedem das seine.
Ich freu mich auf jeden Fall schon auf Bel Ami und auf Cosmopolis. Auf die FSK-Freigabe bin ich mal gespannt :-)
Picknicker 2012/04/19 22:34:26
Antwort löschenDa hab ich keinen Zweifel dran. Dürfte mittlerweile jeder hier mitbekommen, dass du MP lediglich als Bühne nutzt, um deine unreflektierte Meinung rauszuposaunen. An wirklich sinnvollen Diskussionen oder nem Gedankenaustausch in irgend einer Art und Weise ist dir ja sowieso nicht gelegen. Zum Glück nutzen Leute das Netz auch anders, sonst wäre es ein ziemlich trauriger Ort.
Picknicker 2012/04/19 22:43:04
Antwort löschenSO IS YOUR FACE! http://www.youtube.com/watch?v=88ZDo3-m_KQ
Picknicker 2012/04/19 22:46:26
Antwort löschenSo is your face!
Picknicker 2012/04/19 22:49:35
Antwort löschenSo is your face!
Picknicker 2012/04/19 22:59:32
Antwort löschenhöhö, du bemerkst noch nicht mal die ironie in deiner aussage. hey, aber ich weiß, du musst hier immer das letzte wort haben, da du sonst nichts hast. ist ok. werde mir ab jetzt jegliche reaktionen, zu deinen kommentaren sparen.
psychobasti 2012/04/19 23:00:07
Antwort löschenMuss Jenny und Picknicker zustimmen, nur "So is your face!" ist 2x zu viel :P
Tala 2012/04/20 07:55:50
Antwort löschenAch duffy nehm ich eh schon lange nicht mehr ernst...
Peter_Panski 2012/04/20 08:15:09
Antwort löschendon´t feed the troll Leute. Einfach ignorieren...
Mein Senf 2012/04/20 08:50:16
Antwort löschen@Picknicker: Grandios! Immer, wenn mich duffy zukünftig beleidigen will, gibt es einfach ein "So is your face!" Ist wirklich der einzig logische, weil niveaumäßig angemessene Konter.
Mein Senf 2012/04/20 11:36:53
Antwort löschenSo is your face.
Mein Senf 2012/04/20 12:17:42
Antwort löschenDas gilt natürlich nur für dein Profilbild.
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Peter_Panski 2012/04/20 17:48:15
Antwort löschen@Duffy
Besser als der Speichelleckerclan, der dir für jeden Schwachsinn nen Like gibt l0l0l0l0l0l0l0l
Peter_Panski 2012/04/20 18:17:18
Antwort löschen:*
Jenny von T
Kommentare 2012/04/19 15:34:44
Also tatsächlich. Haneke und Cronenberg. Vinterberg auch. Oh Mann. Also, wer besorgt mir 'nen Presseausweis? Tue ALLES. *mit den Wimpern klimper*
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Jenny von T
über Günter Grass 2012/04/08 16:12:30
Ich bin weder Anhänger des Künstlers noch der Person Günter Grass, aber jemand, der wegen einer zwar kontroversen, aber die Masse zum Reflektieren anregenden Äußerung, die ich persönlich darüber hinaus für IM KERN alles andere als an den Haaren herbei gezogen halte, derart niedergemacht wird, kann sich meiner Unterstützung stets gewiss sein.
Spätestens das nunmehr von Israel verhängte Einreiseverbot sollte die Alarmglocken der hetzenden Meute doch zum Schrillen bringen. Die denkbar unnötigste, lächerlichste, unsouveränste und überzogenste Reaktion auf ein paar Zeilen schwarz auf weiß. Hat der gute Mann vielleicht doch den Finger in eine tatsächlich existierende Wunde gelegt?
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Florian Albrecht 2012/04/08 16:34:25
Antwort löschenDer Mann hat nun Recht, und dass ist fast allen ein Dorn im Auge.
Jenny von T 2012/04/08 16:52:40
Antwort löschen(Nur) getroffene Hunde bellen.
Jenny von T 2012/04/08 17:45:37
Antwort löschenFormale Aspekte des Gedichts sind doch absolut nachrangig. Aber wenn man sich nun schon daran aufhalten muss...
Und dein Satz danach ist ja ganz großes Kino - Grass hat diesen Aspekt seiner Vergangenheit selbst eingeräumt und ist ganz sicher nicht stolz darauf. Ihm deswegen dennoch den Mund verbieten zu wollen, DAS ist Diktatur-Mentalität. Missstände MUSS jeder anprangern dürfen - wohin ein dahingehendes Verbot führt, wissen wir ja alle.
Abronsius 2012/04/08 17:47:15
Antwort löschenOh ja,laßt uns A.Merkel,die mal FDJ-Sekretärin für Agitation war,nach Kuba abschieben.Entscheidungen die Menschen mit 15..17Jahren treffen sind selten ein ganzes Leben gültig.
Florian Albrecht 2012/04/08 17:48:31
Antwort löschenFormal literarisch ist das Gedicht schlecht geschrieben, aber eigentlich haben wir in diesem Land und auf der Welt soetwas wie Meinungsfreiheit. Und Herr Grass hat nichts anderes getan, als die israelische Politik zu kritisieren. Mehr nicht.
Jenny von T 2012/04/08 18:02:15
Antwort löschenAbronsius: Würden wir da konsequente Maßstäbe anlegen, müsste der gesamte Bundestag aufgelöst werden, und zwar von rechts bis links. Gysi, Schily, Ströbele, you name them.
Florian Albrecht 2012/04/08 18:02:16
Antwort löschen@thoen: und genau das ist das Problem, dass wir nicht gewillt sind mit der Vergangenheit abzuschließen und nach vorn zu sehen. Ich sage nicht, dass wir Vergangenheit einfach vergessen und ignorieren sollen, sondern uns endlich sie akteptieren uns von ihrem Schattenklauen befreien und drüber stehen. Und nicht immer Duckmäußer spielen, wenn es zur Sprache kommt.
Das Grass SS Mann mag schlimm sein, und dennoch war kein Faschist. Es ist falsch seine Aussagen (sowie es einige machen) unmittelbar in diesen Kontext zu setzen.
Abronsius 2012/04/08 18:03:14
Antwort löschenGrass=Faschist? Holt die Mistforken raus,es ist wieder so weit.Wie schwer wiegt seine individuelle Schuld wohl?
Abronsius 2012/04/08 18:12:39
Antwort löschenantifaschistischen aussteigerprojekten wird republikweit -still und leise- das geld gestrichen und vorne rum läßt man so ne nebelkerze steigen....
Jenny von T 2012/04/08 18:13:19
Antwort löschenErstmal versteckt er überhaupt nichts, sein Gedicht ist so eindeutig, dass er ebenso eine stinknormale Presseerklärung hätte verfassen können.
Außerdem bedeutet seine Kritik ganz sicher nicht, dass er nichts gelernt hat. Nur, weil die vorletzte Generation im zweiten Weltkrieg Schuld auf sich geladen hat, bedeutet das nicht, dass wir Israel nun einen Freibrief ausstellen und zu allem schweigen sollten - genau DAS aber passiert de facto, vorangetrieben durch Politik und einseitige Berichterstattung durch die Medien. Und was geschieht, wenn sich jemand nicht dran hält, zeigt das Beispiel Grass.
Florian Albrecht 2012/04/08 18:14:15
Antwort löschen@ jenny: so und nicht anders
Florian Albrecht 2012/04/08 18:21:56
Antwort löschenwir distanzieren uns nicht von Verantwortung sondern, davon nicht ewig im Schatten der Vergangenheit zu stehen. Sonst kommt dieser Staat nie vorwärts
Florian Albrecht 2012/04/08 18:27:31
Antwort löschenWir als Staat, Generation, VOlk
Abronsius 2012/04/08 18:28:32
Antwort löschen"Wehret den Anfängen!"Mich stört nur dieses reflexartige zubeißen der Meinungsmacher. Diskussionskultur ist immer ein Bestandteil der Gesellschaftsform,die sich Demokratie nennt.Und manche Dinge müssen einfach hinterfragt werden...immer!
Abronsius 2012/04/08 18:39:29
Antwort löschenals mensch,der in der ddr geboren wurde,war ich auch bestandteil von teddys pionieren und fdj -ideologisch infiltriert: bin ich jetzt mein leben lang ein kommunistischer weltverschwörer.....gibt es keine gnade,kein gegenmittel???
Abronsius 2012/04/08 18:44:42
Antwort löschenTschüß,muß los.
"Auge um Auge bedeutet nur, dass die Welt erblindet."Ghandi
Abronsius 2012/04/08 18:47:38
Antwort löschenmuß los @thoen: ich bin nicht wir!
Jenny von T 2012/04/08 18:50:05
Antwort löschenIch sehe nicht ein, persönlich Verantwortung für Taten zu übernehmen, die weder ich noch meine Eltern begangen haben - wer meint, mich deswegen in eine bestimmte Ecke schieben zu müssen, bitteschön. Und wenn die deutsche Politik sich auch heute noch wegen diesem absurden Konstrukt der Erbschuld selbst handlungsunfähig macht (bzw. machen lässt), halte ich das für höchst bedenklich.
Es geht nicht darum, zu VERGESSEN, sondern darum, sich nicht für immer in der eigenen Handlungsfreiheit zu beschneiden.
Die Amerikaner marschieren fröhlich weiter ein, wo sie wollen und fühlt sich auch nur irgendein Amerikaner schuldig? Nein, Kriegstreibungsgspropaganda erweist sich in den USA sogar weiterhin als Wahlmagnet.
Die persönlichen Anschuldigungen gegen Grass aufgrund seiner SS-Vergangenheit nehmen zudem ein Ausmaß an, das ich nicht mehr gutheißen kann - er hat kein einziges Menschenleben auf dem Gewissen und wer war damals eigentlich nicht zumindest NSDAP-Mitglied? Damit möchte ich nichts verharmlosen, sondern nur andeuten, dass die Umstände nicht ganz so schwarz-weiß waren, wie es viele gerne hätten. Wenn es so leicht war, Widerstand zu leisten, warum haben es dann nicht mehr getan? Mir scheint manchmal, als wären die, die heute am lautesten anklagen genau die, die damals als erstes auf den Zug mit aufgesprungen wären.
Mimuschka 2012/04/09 01:52:04
Antwort löschenich versuche ja eigentlich immer politische diskussionen hier aus MP fernzuhalten, da es mir HIER um filme geht und ich das im restlichen leben schon genug ertragen muss, aber wenn mir in meinem dashboard so aufdringlich die scheisse unter die nase gerieben wird, muss ich leider die reißleine ziehen und die entsprechenden anti-zionistische-ressentiments verbreitenden menschen aus der buddyliste kicken. machts gut und nichts für ungut!
stalker 2012/04/09 03:01:19
Antwort löschenMerkel nach Cuba, hehe, ein Lächeln zur Nacht bei all dem Groll. Einreiseverbot wegen eines Gedichts. Nun ja, Grass irrt, wenn er meint, dass in Deutschland über manches nicht gesprochen werden darf. Gesprochen werden darf über alles, nur hat eben manches Gesagte auch seine Konsequenzen und das sollte uns eine Lehre sein. Mögen wir schweigen und uns freuen, dass wir Weiß und zivilisiert sind. Juhu westliche Wertegemeinschaft!
Markbln 2012/04/11 14:23:35
Antwort löschenAusnahmeweise sehe ich das ähnlich. Das "Gedicht" war zwar keins und der Inhalt einseitigst. Aber in Deutschland und Israel sofort reflexartig nur auf die Person Grass einzuschießen und 3 Monate SS-Zugehörigkeit als 17-jähriger Junge vorzuschieben, ist einfach nur Polemik, teils auf unterstem Nieveau, wie hier weiter unten zB. und sehr entlarvend.
Aber was macht Grass eigentlich auf Moviepilot? Will er das Gedicht verfilmen? Oder hat Spielberg schon angerufen?
Dachsman 2012/04/11 16:41:00
Antwort löschenDie Aussage mal jetzt ohne Gewähr, aber ist ehemaligen Angehörigen der SS nicht grundsätzlich die Einreise nach Israel verboten?
Bradbury 2012/04/11 16:54:09
Antwort löschenGoethe schreibt an Friedrich Heinrich Jacobi: "O du armer Christe, wie schlimm wird es dir ergehen, wenn der Jude deine schnurrenden Flüglein nach und nach umsponnen haben wird" (Goethe, Briefe: Weimarer Ausgabe — VII. 131.)
Alle 25 Antworten zeigen
stalker 2012/04/11 18:16:29
Antwort löschenGoethe statt Schiller, nun, da wird einiges klarer...
Jenny von T 2012/04/24 11:46:27
Antwort löschenalanger: Au revoir.
Jenny von T
Kommentare 2012/04/08 08:24:58
GEISTER auf die 1.
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Jenny von T
Kommentare 2012/04/05 10:23:04
Ein absolut göttlicher Filmemacher. Die Art der greenaway'schen Symbiose aus Ästhetik, Rhetorik und Anspruch ist einmalig und unerreicht.
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Jenny von T
über Adaption 2012/04/04 16:35:23
Vielleicht bin ich nicht Charlie Kaufmans größter Fan. Werde ich in diesem Leben auch nicht mehr. Macht aber nichts, denn Fakt ist: Der Mann nimmt uns durch seine Filmskripte mit in seine ganz eigene Welt, die oft skurril ist, mir manchmal ein Schmunzeln abringt, jedoch immer um einen ernsten, geerdeten Kern kreist und vor allem erfrischend anders ist.
"Adaption" offenbart auf Metaebene, zugegeben, nicht immer subtil und tiefschürfend, dafür aber unheimlich pointiert, ehrlich und daher sympathisch die kleinen und großen, angenehmen und vor allem weniger angenehmen Wahrheiten rund um Inspiration und Künstlerdasein. Zeit für die bittere und doch ebenso mutmachende Erkenntnis, dass der aufrichtige Künstler am Ende das Tages nur sich selbst Muse sein kann, dass er durch Malen nach Zahlen vielleicht erfolgreicher, aber nicht zwangsläufig zufriedener mit sich selbst sein kann, dass andere auch nicht immer das sind, was sie scheinen, und dass erst viel zu viele mühsame Pfade (auf dem Weg zu sich selbst) beschritten werden müssen um letztendlich zu erfahren, wofür es zum Glück doch nie zu spät ist.
"Adaption" überzeugt dabei durch einen nie abhanden kommenden ironischen Subtext, nimmt aber das zum verzweifelnde künstlerische Dilemma der Inspiration in der eigenen Misere dennoch ernst und ist daher ebenso Drama wie Komödie. Und vielleicht sogar ein augenzwinkerndes Tribut an das Schreiben, die Idee, die Inspiration selbst. Eben so, wie nur Kaufman ist.
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Jenny von T
Kommentare 2012/04/02 10:19:01
Ganz klar "Shame", dann "Fish Tank", dann "Hunger", welche nicht nur insgesamt die qualitativ besten Filme sind, sondern auch die Höhepunkte Fassbenders individuellen schauspielerischen Könnens markieren.
Aber natürlich werden bei diesem voting IB und X-Men am Ende klar vorne stehen.. *facepalm*
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Le Samourai 2012/04/02 10:24:44
Antwort löschenjep, so wirds kommen...
nilswachter 2012/04/02 12:17:17
Antwort löschenx-men war aber toll :). Hast ganz recht mit deiner Liste, Jenny