jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • So sehr mich das einerseits freut, so sehr ist das gleichzeitig für jemanden der die Staffel gesehen hat ein massiver Spoiler schon in der Überschrift und dem Bild darunter natürlich auch. War sicher nicht böse gemeint und ich kann's verschmerzen, aber geht besser mal in Deckung, oder macht da was :)

    • Nebenwirkungen vom Dschungelcamp-Entzug, nehme ich an? Na dann, gute Besserung!

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      • Am Ende erleben wir doch noch unser blaues Wunder. Wer es noch nicht gemerkt haben sollte, diese Staffel gab es so gut wie kein Blau im Bild, darum wirkte vieles beinahe s/w und hier könnt ihr noch mehr schickes über die Kameraarbeit der Serie und zur Farbgestaltung dieser Staffel nachlesen: http://www.indiewire.com/2017/06/fargo-coen-brothers-rules-cinematographer-dana-gonzales-1201842591/

        Jedenfalls platzt die Blau tragende Gloria hier dem grauen Herrn Varga ins Bild und wir wissen was der Welt fehlt. Eine Antwort ist das nicht, die soll und muss sich ja jeder Zuschauer selbst geben, wie wir aus dieser Tür hinaus gehen, egal wer durch sie eintritt - mit Beethoven im Ohr. Wir erinnern uns: Varga zitiert Emmit gegenüber Lenin, wie der von Beethoven geschwärmt hat, das die Menschen aber auf Ideen bringen könnte. Ein fantastisches Ende, eine Spiegelung nicht nur des ersten Verhörs in Ost-Berlin, sondern auch des anderen mit Emmit’s Geständnis, diesmal mit vertauschten Positionen. Wenn uns Hawley einen Rat mitgibt, dann mehr zu sein wie Gloria, analoger, weniger online und mehr Zeit mit der Familie verbringend und sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Varga streut einem lieber wahlweise Sand in die Augen oder das Getriebe (oder beides) und geht im Chaos auf, das ihm eine Leiter ist. Was Littlefinger wohl mit dem Zugriff auf’s Internet alles anstellen würde …

        Für Nikki hätte ich mir jedoch ein anderes Ende gewünscht. Meinetwegen die gleiche Situation, nur dass sie bei dem Stand-off nicht den Polizisten, sondern Emmit erschossen hätte. Außerdem wäre sie in meiner Version nicht tödlich getroffen, sondern nur verletzt, und wir würden sie kurz darauf wieder in einem Gefängnisbus sitzen sehen - erneut mit Mr. Wrench neben sich, und beide lächeln nur andeutungsweise. Swango and Wrench, spin-off, here we go!

        Für Sy hätte ich ebenfalls lieber ein anderes Ende gesehen, als ihn als Gemüse-Beilage mit am Tisch sitzen zu sehen. Hatte ich nicht schon erwähnt, dass ich gerne seine Abenteuer im Koma gesehen hätte? Mit Ray Wise als Reiseführer wäre das mein Wunschplot für Staffel vier gewesen.

        Vielen Dank für die Recaps Jenny (und natürlich deine Cannes-Vertretung) und dein treffendes Fazit, man liest sich dann bei GAME OF THRONES wieder und in den Podcast dazu haben wir dich ja bereits eingeladen. Darum eine Gegenfrage: In welchem Haus würdest du Carrie Coon* dort bitte noch als Überraschungsgast auftauchen sehen wollen?

        * Mein Wunsch für ein GoT-Prequel-Spin-off sind die Abenteuer der jungen Olenna Tyrell mit ihr in der Hauptrolle: Redwyne and Thorns.

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        • Ausgezeichnet geschrieben! Das bringt mir etwas nahe, was meinen zwei linken Füßen nicht fernen sein könnte: Tanz. Als Kind habe ich mit den Tanzeinlagen in Filmen nichts anfangen können, ich wusste nicht wie man das guckt, geschweigedenn warum man das selbst machen sollte und wozu. Tanz hatte für mich etwas außerirdisches, fremdes, ausgedrückt in einer Körpersprache die ich nicht verstand. Außerirdisch ist dabei gar nicht so verkehrt, wenn man schwerelos meint. Es steckt Tanz in Transzendenz. Danke für diese in Bewegung gegossenen Worte, die man direkt wieder von vorne lesen möchte.

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          • Jetzt bin ich doch richtig heiß auf die Staffel. Nicht wegen der "tiefgründigen Analyse" hier oder dem Gekloppe und den ausufernden Action-Pieces, sondern ... wie der Trailer beginnt und endet. Am Anfang kommt Sansa auf uns zu, entfernt sich vom Wehrholzbaum in Winterfell, das letzte Bild ist Jon, der quasi mit dem Rücken zu ihr steht ... es sei denn man wählt eine schlimmere Variante. Was passiert diese Staffel mit der Stark-Familie (oder was von ihr übrig ist)? Wir sehen sie nie zusammen. Niemanden übrigens. Alle sind zwar (endlich!) in Westeros, aber gezeigt werden sie so getrennt wie möglich. Kein Wolfsrudel, das zusammen steht. Bran ist zurück in Winterfell am Wehrholzbaum, Jon wieder nördlich der Mauer und Sansa? Sansa wird von Littlefinger weiter bearbeitet und läuft Gefahr Chaos zu stiften, das er braucht um die Leiter weiter nach oben zu fallen. Mit wem spricht Jon in der Mitte des Trailers, und mit wem Sansa am Ende? Der Norden, der mal wieder auf sich allein gestellt ist, sich aber von dem Ränkelspielen des Südens hat infizieren lassen? Wunschdenken: der Süden bleibt zerstritten, die Starks finden nach Streit und Familienzwist wieder zueinander. Realistische Prognose: Team Sta-Aaaargh*!!!

            * Ich, wie ich den Fernseher anschreie.

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            • "Jack Black in Eli Roths Gruselfilm von Eli Roth The House With a Clock in its Walls"
              .
              Äh ... bitte was?!
              .
              .
              Feierabend!

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              • "It Is Happening Again."
                https://www.youtube.com/watch?v=4QBl-BuEIV8

                • *seufz* - dann mach ich eben auch copy/paste:

                  Einmal mehr wider der falschen Legendenbildung: Gareth Edwards ist nicht ersetzt worden. Ja, es gab Nachdrehs, aber im normalen Rahmen bei solchen Produktionen. Ich habe seinen Kameramann Greig Fraser für die diesjährige Januar/Februar-Ausgabe von Film & TV Kameramann dazu befragt, lest es gerne nach. Edwards hat bis zuletzt recht frei herumgedreht, und dabei hatte er freie Hand. Eine der letzten Szenen war die mit Darth Vader, der sich durch die Rebellen säbelt, zu der er Peter Jackson eingeladen hat - https://www.youtube.com/watch?v=nxezdDwFdGI ). Er war auch völlig baff, dass er alle Rebellen hat sterben lassen dürfen und bis zuletzt auf den entsprechenden Anruf gewartet. Der kam aber nie. Trotzdem finde ich ROGUE ONE nicht toll, obwohl er fantastisch aussieht, schätze aber die Freiheiten, die man den Machern eingeräumt hat.

                  Einzelfall? Nein. Just in diesem Moment übersetze ich ein Interview mit Steve Yedlin (Kameramann von Episode 8), das wohl in der Septemberausgabe erscheint, daraus ein kleiner Vorgeschmack: "(...) they didn’t have any enforced rules now and you know the the ... the aspects of it that are in continuity with the old movies are things that Rian and I wanted to do, and the things that aren’t are things we wanted to do (laughs)." Neulich konnte man lesen, das Mark Hamill mit keiner der Entscheidungen über "seinen" Luke glücklich sei, er es aber versucht hat so zu spielen, wie es Rian geschrieben hat. Das macht doch deutlich, was es bedeutet einerseits freies Spiel zu haben, aber Kompromisse eingeht, die ins große Bild (Verzeihung: Cinematic Universe) passen.

                  Was sagt das jetzt zum Han Solo Film? Nun, für die Märzausgabe habe ich mit Bradford Young gesprochen, der - na ratet mal - von der freien Hand gesprochen hat, die man ihnen bei Lucasfilm lässt. Dabei schwang immer ein "im Rahmen der Möglichkeiten" mit, und der ist deutlich weiter, als ich es vor den drei Interviews angenommen hätte. Das Miller und Lord vielleicht doch keine so gute Wahl (für dieses Universum) waren, wie anfangs gedacht, dürfte spätestens jetzt auf der Hand liegen. Vielleicht auch nicht, aber der Schritt sich jetzt von ihnen zu trennen ist vielleicht gar nicht so mutig, sondern einfach nur konsequent. Auch mit Riesenbudgets im Rücken kann man Fehler machen. Schwieriger ist es, sich diese einzuräumen und entsprechend zu handeln. Insofern bin in ich gespannt, was am Ende dabei heraus kommt. In Sachen PR schadet dieser Zug ja niemandem, ganz im Gegenteil. Also macht euch mal locker und wartet wenigstens auf den ersten richtigen Trailer.

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                  • Einmal mehr wider der falschen Legendenbildung: Gareth Edwards ist nicht ersetzt worden. Ja, es gab Nachdrehs, aber im normalen Rahmen bei solchen Produktionen. Ich habe seinen Kameramann Greig Fraser für die diesjährige Januar/Februar-Ausgabe von Film & TV Kameramann dazu befragt, lest es gerne nach. Edwards hat bis zuletzt recht frei herumgedreht, und dabei hatte er freie Hand. Eine der letzten Szenen war die mit Darth Vader, der sich durch die Rebellen säbelt, zu der er Peter Jackson eingeladen hat - findet man online in einem Interview mit ihm (es war eine Rede auf einer Convention oder einem Festival, wenn ich mich nicht irre). Er war auch völlig baff, dass er alle Rebellen hat sterben lassen dürfen und bis zuletzt auf den entsprechenden Anruf gewartet. Der kam aber nie. Trotzdem finde ich ROGUE ONE nicht toll, obwohl er fantastisch aussieht, schätze aber die Freiheiten, die man den Machern eingeräumt hat.

                    Einzelfall? Nein. Just in diesem Moment übersetze ich ein Interview mit Steve Yedlin (Kameramann von Episode 8), das wohl in der Septemberausgabe erscheint, daraus ein kleiner Vorgeschmack: "(...) they didn’t have any enforced rules now and you know the the ... the aspects of it that are in continuity with the old movies are things that Rian and I wanted to do, and the things that aren’t are things we wanted to do (laughs)." Neulich konnte man lesen, das Mark Hamill mit keiner der Entscheidungen über "seinen" Luke glücklich sei, er es aber versucht hat so zu spielen, wie es Rian geschrieben hat. Das macht doch deutlich, was es bedeutet einerseits freies Spiel zu haben, aber Kompromisse eingeht, die ins große Bild (Verzeihung: Cinematic Universe) passen.

                    Was sagt das jetzt zum Han Solo Film? Nun, für die Märzausgabe habe ich mit Bradford Young gesprochen, der - na ratet mal - von der freien Hand gesprochen hat, die man ihnen bei Lucasfilm lässt. Dabei schwang immer ein "im Rahmen der Möglichkeiten" mit, und der ist deutlich weiter, als ich es vor den drei Interviews angenommen hätte. Das Miller und Lord vielleicht doch keine so gute Wahl (für dieses Universum) waren, wie anfangs gedacht, dürfte spätestens jetzt auf der Hand liegen. Vielleicht auch nicht, aber der Schritt sich jetzt von ihnen zu trennen ist vielleicht gar nicht so mutig, sondern einfach nur konsequent. Auch mit Riesenbudgets im Rücken kann man Fehler machen. Schwieriger ist es, sich diese einzuräumen und entsprechend zu handeln. Insofern bin in ich gespannt, was am Ende dabei heraus kommt. In Sachen PR schadet dieser Zug ja niemandem, ganz im Gegenteil. Also macht euch mal locker und wartet wenigstens auf den ersten richtigen Trailer.

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                    • Das hat man wirklich nicht kommen sehen, und doch fügt sich alles stimmig zusammen, so sehr, dass man einen Kloß im Hals hat. Menschen neigen ja nicht dann zum Selbstmord, wenn es ihnen besonders dreckig geht, sondern wenn es anfängt ihnen besser zu gehen - und so ist Chuck’s Moment in der Wohnung, wenn sich der Jazz-Charme von der Vinyl-Schallplatte ausbreitet wie ein letztes Aufbäumen. Die perfekte Atmosphäre für eine Versöhnung der beiden Brüder, Jimmy macht diesen Schritt auf ihn zu, so schwer es ihm auch fällt, er überwindet sich, streckt ihm die Hand hin, nachdem er seine große Liebe beinahe verloren hat, und Chuck … schlägt das Angebot aus, will ihn nur noch verletzen, und legt damit das tiefste Fundament für die Geburt von Saul Goodman. Denn woran wird sich Jimmy erinnern, abgesehen von Schuldgefühlen? An diesen anderen Satz von Chuck, “Why regrets?” - warum nicht auf der Welle schwimmen, es sich eingestehen, warum zurück blicken? Er wird Chuck beim Wort nehmen um über seine Schuldgefühle hinweg zu kommen. Einzig Kim steht seiner Wandlung noch im Wege, und nach deren Happy End möchte man noch gar nicht wissen, wie es dazu kommt. Die Autoren vermutlich ebenso wenig, und darin zeigt sich ihre ganze Klasse.

                      Apropos Klasse - die darstellerischen Leistungen sind wieder so gut, dass es einen zerreißt. Michael McKean haben über die drei Staffeln so manche Zuschauer den Tod, oder wenigstens die Pest an den Hals gewünscht, aber dieses Ende wird sie nicht in Jubel ausbrechen lassen. Chuck musste im Konferenzraum begreifen, dass es tatsächlich um sein angeknackstes Selbstbild ging, und nicht um das Recht an sich oder die Firma, die er aufgebaut hat - das hat er sich erfolgreich eingeredet, aber angesichts von Howard’s Bereitschaft sein privates Vermögen (plus Kredite, etx.) auf’s Spiel zu setzen um die Firma zu retten, gibt ihm den Rest. Dass er sich anschließend fühlt wie Cersei, ist dann der Gipfel, denn er könnte loslassen und es genießen, was er erreicht hat. Aber er hat kein Leben außerhalb der Rechthaberei, und so trennt er die letzte (familiäre) Bindung an das Leben. Herzzerreißend. Und selbst in seinem Wahn zeigt sich eine Familienähnlichkeit zu Jimmy, denn auch Chuck ist exzellent darin Dinge einzureißen, was es nur noch bitterer macht. Denn Chuck ist derjenige der beiden Brüder, der unfähig zu Schuldgefühlen ist, Jimmy war es bis zu diesem Punkt, und jetzt ist er dazu verdammt so zu werden, wie sein Bruder.

                      Kim erkennt im letzten Augenblick, dass es mehr im Leben gibt, als den Job. Nicht am Ende der letzten Folge, wenn sie als Überlebende dasteht, sondern beim Blick in ihren Terminkalender - beinahe holt sie die verlorene Zeit wieder rein, dann begreift sie es. Fantastische Szene, ich hätte heulen können vor Glück. Jetzt sind die beiden also zusammengeschweißt, aber ökonomisch am Limit. Wünschen wir ihnen alles Gute, denn festhalten kann man diese Momente nicht, nur mitnehmen. Dieser tolle Moment ohne Worte, wenn sie versucht mit links zu essen und Jimmy überlegt ob er … spitzenmäßig.

                      Und dann ist da noch diese Parallele zu dem anderen Starrkopf Hector. Erst jetzt sehe ich diese Spiegelung zu dessen Sturz und den Placebos … geradezu unheimlich wie man das offensichtliche übersehen kann. Die “Brüder”, die sich hier nicht riechen können sind halt Gus und Hector, und Nacho ist derjenige, der darin eingeklemmt ist und um seine Familie fürchtet. Mit Tuco, der die “Geschäftsführung” übernimmt, dürfte das nicht gerade einfacher werden, und dementsprechend ist Nacho’s Papa wohl noch nicht wieder vom Haken, so sehr wir uns das auch wünschen. Die Spirale führt unweigerlich nach unten, und nur wen es rechtzeitig aus der Umlaufbahn haut (wie Kim) hat eine Chance auf’s Überleben.

                      Es gäbe eine Lösung, und die hat Noah Hawley, der Showrunner von FARGO Peter Gould so erklärt: He said, "I've got a pitch for you." And I said, "Yeah, what's that?" In a nutshell, his pitch is that Jimmy McGill never becomes Saul Goodman, which if you think about it, is the most Fargo solution to the problem of all. (Quelle: http://gothamist.com/2017/06/15/interview_vince_gilligan_peter_gould.php ) - Please, make it so!

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                      • Tja, das hab ich jetzt davon, vom Durchhalten bis zum Staffelfinale - unterm Strich lässt mich die Serie einfach kalt, wohl fühle ich mich in ihren charakterzentrierten Folgen, am Arsch vorbei geht mir der Konflikt der Götter. Wir haben also die Götter, die wir verdienen, einerseits gelangweilte, schwächelnde Götter mit miesem Zeitvertreib, und auf der anderen Seite hohle Aufmerksamkeitsjunkies ohne jegliche Gegenleistung. Das ist für mich kein neu gegen alt oder gut gegen böse, sondern einfach langweilig, weil mein Herz für die Menschen (und einen Kobold) schlägt. Die sagen sich aber nicht von ihnen los, setzen sich nicht zur Wehr, suchen nicht den Atheismus, sondern setzen sich dem Gutdünken der Gottheiten aus. Das interessiert mich nicht. Ginge es tatsächlich um Glaubensfragen, ist man bei THE LEFTOVERS besser aufgehoben, und witziger ist es auch noch. Denn mit dem Ton von AMERICAN GODS habe ich meine Probleme - was soll das eigentlich sein? Soll man die Götter ernst nehmen, oder nicht? Gags mit Team Jesus sind toll, aber folgenlos. Hand hoch, wer sich vor einem der dargestellten Göttern fürchtet? Eben. Vergleicht das mal mit der Bedrohlichkeit, die sich bei CARNIVÀLE einstellt, der eingestellten HBO Serie, der noch 2 Staffeln fehlen - da geht’s richtig zur Sache.

                        Dann tritt Ostern, beziehungsweise was die Kirche/Media aus dem lustfreundlichen, heidnischen Fruchtbarkeitsfest gemacht hat, als von Häschen umgebene Plastik-Frau auf? Schlechter Witz. Wie auch die HIV-Anspielung in der Geschichte von Bilquis, die sie schließlich in ihrer neuen Heimat zu Fall bringt. Den Sprung in der Erzählung kann ich nicht ganz nachvollziehe, schließlich verzehrt sie doch ihre zur schwarzen Suppe geronnenen Liebhaber rückstandslos, ein Virus mehr oder weniger sollte für eine Gottheit keine Rolle mehr spielen, oder? Mr. Wednesday läuft ja auch nicht mit einer Dauererkältung durch die Gegend - was ich übrigens ziemlich witzig fände. Visuell ist mir das alles zu grell, zu digital, zu künstlich - da lob ich mir jede Szene des irischen Gedächtnis-Pärchens*, wenn die Fetzen fliegen und es an die Eier geht, was man eigentlich von Easter erwarten würde, oder? Für die beiden gucke ich nächstes Jahr nochmal rein, aber darüber hinaus bestätigen sich leider meine ersten Eindrücke, daran ändert auch die tolle Regie von der Musikvideo-Ikone Floria Sigismondi nichts.

                        * Bitte ein Spin-off mit den beiden, wie sie mit dem kaputten Eiswagen quer durch Amerika fahren, unterwegs Kinder beschimpfen und deren Eltern sprichwörtlich die Erziehungsfehler um die Ohren hauen - Funny Games, Inc. Wer ist dabei - Petition?

                        EDIT:

                        PS: Weil ich beinahe King Missile's "Jesus was way cool" vergessen hätte - https://www.youtube.com/watch?v=mSfa56tjBQo

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                        • Ich dachte 1995 kurz mal, dass eine neue Ära im Blockbuster-Kino beginnt, als Judi Dench dem neuen James Bond die Leviten las: https://www.youtube.com/watch?v=CqS9jxruy-A Sehr viel weiter scheinen wir auch heute nicht zu sein, jedenfalls nicht im Kino.

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                          • Über die Sichtbarwerdung von Gloria habe ich mich ebenso gefreut, wie es mir jetzt Sorge bereitet, als hätte sie damit auch ihre Tarnkappe gegenüber Varga eingebüßt. Dass sich ihre physikalische Unschärfe in dem Moment manifestiert, in dem sie von Winnie wahrgenommen wird, ist wie bei Schrödinger’s Katze oder dem Doppelspalt-Experiment: es braucht den Beobachter, der nachsieht, um die Gleichzeitigkeit aller möglichen Zustände aufzuheben, erst durch den Akt des Beobachtens weiß das Teilchen welchen Zustand es einnehmen soll. So schön ist die wohltuende Wirkung von Nächstenliebe vielleicht noch nie inszeniert worden.

                            Apropos Katze - wenn die obsessiven Beobachter von reddit sich nicht verzählt haben, dann ist Nikki dem Tod jetzt 8 mal knapp von der Schippe gesprungen. Damit bliebe ihr nur noch eins, und damit rückt ein baldiges Wiedersehen mit Ray Wise in greifbare Nähe, von dem man sich wünscht er möge nicht in die Schachtel gucken, in der man selbst sitzt, sonst wird man womöglich gleich darin beerdigt. Ein weiteres Mal werden wir ihn wohl dennoch zu sehen bekommen. Eine weitere Parallele, die mir entgangen ist, war die von Swango und Wrench mit Jesus und dem Apostel, der einer Wache das Ohr abgeschlagen hat - Bibelstunde à la Hawley mit den deutlich interessanteren Figurennamen.

                            Die Paralleluniversen im Spiegel und all die Doppelgänger in der Hotellobby knüpfen wieder unheimliche Verbindungen zu TWIN PEAKS und THE LEFTOVERS, die auf ihre Weise die Frage nach Glaube, Wissenschaft und Wahrnehmung, oder einfach nur einem freien Parkplatz stellen. Proseminare aller Welt vereinigt euch, 2017 werdet ihr Filmwissenschaftler nicht mehr los.

                            Nikki stellt eine wichtige Frage, wofür steht eigentlich dieses VM? Eine Suchmaschinen-Anfrage später ist man prompt schlauer, denn das ist die gängige Abkürzung für Virtuelle Maschinen. Das wird kaum ein Zufall sein, und wir sind genauso schlau wie zuvor, und haben unserer Gleichung nur weitere Nullen hinzugefügt, die bedeutungslos sind, wenn man nicht weiß auf welcher Seite des Kommas sie stehen, oder wo sie von Einsen unterbrochen werden. Es ist wohl tatsächlich an einem Bürokraten die Ordnung wieder her zu stellen, oder wenigstens die Luft aus der Finanzblase zu lassen, nur dann dürfte Varga, das Kapital längst dahin abgeflossen sein, wo es neues Unheil anrichten kann. Wenn es kein Steuerschlupfloch gibt, dann brächte ihn nur eine Finanztransaktionssteuer ins Straucheln, mehr aber auch nicht. Ich könnte kaum gespannter sein, wie sich die Staffel auflöst. Ob sich die “Peter und der Wolf” Auflösung anbietet? Dann landet der Wolf Varga am Ende im Zoo. Lebendig. Die verschluckte Ente Emmit hat er ja bereits im Bauch, und was ist die Welt (oder das Internet) heute anderes als ein großer Zoo?

                            Eine vierte Staffel von FARGO möge dann bitte die Abenteuer von Sy in seinem komatösen Zustand erzählen. Wobei sich das fast nach LEGION anhört, allerdings nur fast, und ich würde es sofort gucken.

                            PS: Wie atemberaubend schön war bitte das apokalyptische Bild von dem Truck auf dem Schrottplatz mit den arbeitenden Kränen im Hintergrund?

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                            • Die Serie ist so gut, dass ich jetzt noch das Buch lesen, sowie die Verfilmung von Schlöndorff gucken werde. Das Staffelfinale löst das Versprechen ein, das die ersten drei überragend guten Folgen gemacht haben, auch wenn die Serie in der zweiten Hälfte ein bisschen ins Straucheln gekommen ist.

                              Interessiert es euch, wie schleichend (und doch erschreckend schnell) eine aufgeklärte Gesellschaft in eine totalitäre kippen kann? Dann seid ihr hier richtig.

                              Fragt ihr euch, warum niemand gegen ein sie unterdrückendes System rebelliert? Dann seid ihr hier richtig.

                              Wollt ihr wissen, was einen trotzdem am Leben hält, ohne selbst als Mensch zu verrohen (wie in THE WALKING DEAD)? Dann seid ihr hier richtig.

                              Außerdem sieht die Serie unglaublich gut aus, hat einen unverwechselbaren Look (Reed Morano sei Dank), glänzende Darsteller und wird in der kommenden Award-Season Preise ohne Ende abräumen. Wenn ihr wissen wollt, was es damit auf sich hat, dann … worauf wartet ihr noch?

                              Ja, das ist schwerer Stoff, den man nicht einfach mal so nebenher weggucken kann, aber gerade das ist seine große Stärke. Margaret Atwood hat genau hingesehen, und der Showrunner Bruce Miller, die Autoren und nun auch ausführende Produzentin Elisabeth Moss halten Rücksprache mit ihr und erforschen diese Welt nun in einer zweiten Staffel gemeinsam weiter. Darauf “freue” ich mich genauso wie jetzt auf die Pause von dieser Serie, die einem vor Augen führt, wie gefährdet unsere Errungenschaften und unsere Freiheit sind, wenn niemand für sie eintritt, darum fassen wir uns jetzt alle an den Händen und - ups, wie süß, Katzenvideo!

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                              • Der Sekundenschlaf am Steuer war perfekt. Man rechnete mit einem Unfall, aber nicht unbedingt damit, ein perfekter Schnitt, weil er vor ein paar Folgen bereits vorbereitet wurde, als Kim ein Power-Nickerchen im Auto genommen hat. Es hat mich noch hochgerissen, obwohl ich schon wach und angespannt war! Grandios.

                                So vieles an dieser Folge war fantastisch, wie Michael McKean die Stimme bricht, wenn ihm sein Partner den Vorruhestand nahelegt, wie Patrick Fabian “Gollum” sagt und Jimmy stehen lässt, Michael Mando, der als Nacho seinen Vater vor der Katastrophe retten und seinem Pillentausch Zeit kaufen möchte, Rhea Seehorn, die sich schon in der Wüste keine Minute Auszeit gönnt, nachdem ihr Auto schon fast in die Ölförderanlage gerollt ist, nachdem sie sich so wunderbar selbst geholfen hat … und da sind die von Jimmy mit Magnetflüssigkeit manipulierten Bingo-Kugeln noch nicht mal erwähnt worden. Oder Mike, der seinen echten Namen nicht in falschen Büchern stehen haben möchte.

                                In dieser Folge fallen tatsächlich alle tief, wobei … alle bis auf Kim, die es aber am härtesten trifft. Oder nur als Erste? Denn Kim scheitert an sich selbst, nicht an anderen. Sie hat die richtigen Antworten, will mehr Leuten helfen, als sie allein kann. Auch wer anderen hilft, braucht manchmal selbst Hilfe dabei. Ob sie Hilfe von Jimmy angenommen hätte? Vielleicht wäre sie dann zum Schlafen gekommen und er hätte keine Zeit gehabt den alten Ladies eine Mobbing-Nummer unterzujubeln. Vielleicht wäre sie ausgeschlafener gewesen, wenn sie nicht noch Jimmy hätte vor Gericht verteidigen wollen. Jetzt steht der womöglich wider erwarten bald mit einer Menge Geld da (mal abwarten), mit dem er dann Kim retten könnte, die sich wahrscheinlich genauso wenig retten lassen will, wie er sich von ihr letzte Woche. Hätten sie doch nur mehr miteinander gesprochen … Hätte, hätte, hätte - in dieser Konjunktiv-Kette kommt die ganze Meisterschaft der Autoren zum Tragen (diesmal wieder Gordon Smith, wie schon bei der Gerichtsepisode).

                                Wie es weitergeht? Ich glaube nicht, dass sich die Wege von Kim und Jimmy hier trennen. Da ist zwar Sand im Getriebe, aber noch nichts, das sich nicht aus der Welt schaffen ließe. Es wird spannend zugehen, im Staffelfinale, und dann erwartet uns ein böser Cliffhanger … und mal sehen wer dann alles einen Rollstuhl braucht.

                                PS eines Klugscheissers: Das war kein Schwenk, sondern eine Kranfahrt :)

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                                • Ah, ich hatte die weißen Karnickel wie die schwarzen Raben als Boten/Spione von Mr. Wednesday interpretiert, aber was soll’s, auf einen Gott mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht mehr an. Jedenfalls nicht nach so einer Prachtfolge, die wie ein Eimer voll Gold kurz vorm Staffelende war - das kann eigentlich nicht mehr überboten werden.

                                  Emily Browning und Pablo Schreiber sind für einander gemacht. In dieser Folge ist Schreiber so nuanciert und anbetungswürdig (hi hi), immer nur eine Rasiermesserklinge (oder Glasscherbe) entfernt von “ihr könnt mich alle mal”, volles Rohr auf die Fresse legen oder einen freundlichen Hinweis gebend (“Trust me, you don’t want this one hittin’ ya.” - Punch! - following the punchline :) Die beiden haben eine tänzerische Leichtigkeit (ok, Leichenheit bei Browning) und beiläufige Präsenz, als hätten sie noch nie getrennt voneinander vor der Kamera gestanden. Unwiderstehlich. Man möchte glatt eine der Fliegen sein, die Browning umschwirren. Und wie Schreiber ständig aufs Maul kriegt und trotzdem kein bisschen Kleinbei gibt, obwohl man ihm die Schmerzen ansieht - das ist eine Bodenständigkeit die nicht jeder Gott hinkriegt. Meine Stimme (oder Krümel und ein Schälchen mit Milch) hat er, der Krieg kann warten.

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                                  • Lustig, dass heute gleichzeitig in einem anderen Artikel nach den Filmen gefragt wird, die unsere Leidenschaft für das Medium geweckt haben, wo es Filmkenner77 für die älteren Semester unter uns (Jahrgänge der 70er und früher) auf den Punkt bringt: http://www.moviepilot.de/news/welcher-film-hat-deine-filmleidenschaft-geweckt-190734/comments/1706084

                                    Um es kurz zu machen: Damals liefen dort Klassiker der Filmgeschichte - vielleicht nicht gerade was im Kanon der besten Filme aufgenommen würde, aber immerhin mal andere Genres, und die erste Chance für den Nachwuchs um überhaupt mal mit Filmgeschichte konfrontiert zu werden, oder was immer Leo Kirch davon günstig eingekauft und an die Sender lizensiert hatte. Eben zu Zeiten ehe - befeuert von den Privaten - das selbstproduzierte Einwegs-Quiz-Kaffee-Info-Kränzchen-Programm und die Tatort-Wiederholungen bei den ÖR alle Sendeplätze übernommen haben. Das war früher tatsächlich allemal besser. Auf Netflix findet man diese Filme ja auch nicht mehr, und selbst wenn: Wer nimmt sich dafür noch die Zeit? Rares gäbe es da reichlich zu bestaunen, ganz ohne Bares, dafür aber nicht bar jeder Vernunft.

                                    Wie wäre es denn mit einem TV-Format, bei dem Privatpersonen mit den selbstaufgezeichneten VHS-Kassetten ihrer Großeltern vor eine Kritikerrunde treten, die dann den Filmklassiker(?) zunächst in geheimer Runde bewerten und einordnen: man könnte Ausschnitte daraus zeigen, etc. Dann erzählt der Kandidat was er gerne guckt. Nun müssen die Kritiker raten, ob der Film dem Kandidaten gefallen wird, ob er ihn überhaupt bis zu Ende guckt, und wenn nicht, nach wie vielen Minuten / bei welcher Szene er ausschalten wird. Anschließend gucken wir dem Kandidaten beim Klassiker gucken und kommentieren zu, eingeblendet werden die Filmexperten, wie sie sich kopfschüttelnd die Haare raufen und rumheulen. Der Kritiker, der der Wahrheit am nächsten kam, muss beim nächsten Mal nicht mehr mitmachen. Wetten, dass…. das ein Quotenhit wäre?

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                                    • Sehr sympathisch! Aber warum haben sie sich beim Trailer an Trailer-Konventionen orientiert? Was für ein Statement wäre hier eine ungeschnittene Kampfszene, das würde viel mehr für sich sprechen und richtig neugierig auf den Film machen. Das scheint der Verleih nicht verstanden zu haben *seufz*.

                                      • Was für ein Prachtstück von einer Folge, Serien-Synchronizität-Galore! Das nächste Gespräch mit Gott, dabei allerdings näher an THE LEFTOVERS als an AMERICAN GODS. Und dank des VW-Käfers fiel mir in THE HANDMAID’S TALE auf, dass Mercedes offenbar kein Problem hat mit Gilead brav weiter Handel zu treiben. Apropos Autos - mit der Corvette und dem Schnurrbart hatte ich ebenso einen kalten Hauch VERTIGO verspürt, mehr noch als Poe. Ob sich Nikki am Ende aus Emmit einen neuen Ray knetet? Nikki war im “Peter und der Wolf” Intro die Katze, also ist dieses süße Ray-Kätzchen vielleicht eines, das sie selber zur Welt gebracht hat? Das … wird ja langsam wie bei TWIN PEAKS, wo wir ja Ray Wise ebenfalls wieder mit am Start ist.

                                        Wunderbar fand ich auch die Bar, an der einem niemand dumme Fragen stellt (abgesehen vielleicht von der Schuhgröße) und man dort seinen doppelten Whiskey, Wodka, Servietten und fahrende Untersetzer bekommt. Mir sind die beiden aber ein bisschen zu früh dort gelandet, ich hätte dieser Variation von “Flucht in Ketten” gerne noch etwas länger zugesehen. Dieses “Sorry” im Schnee … Nikki möge bitte beim Überbringen der “Nachricht” am Leben bleiben, don’t kill the messenger, Ray.

                                        Überblendung - ich hör jetzt erst rein, aber hier gibt’s einen Podcast mit dem Kameramann Dana Gonzales (neben FARGO auch LEGION - übrigens eine der wenigen Serien, die im 2:1 Format gedreht werden, vgl. http://vashivisuals.com/the-hot-new-filmmaking-aspect-ratio/ ), der mir das Warten auf die vorletzte Folge verkürzen wird: http://gocreativeshow.com/the-cinematography-of-fargo-season-3-with-dana-gonzales-gcs123/

                                        • Nichts, aber auch rein gar nichts auf dieser Welt berechtigt irgendjemanden dieses Riff* zu spielen (abgesehen von Herrn Blackmore selbst)! Das ist wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzen, verboten, grauenhaft, ein Verbrechen an der Menschheit. Das spielt in dieser Liga: https://www.youtube.com/watch?v=RD1KqbDdmuE

                                          Das zwischen Kim und Jimmy nicht mehr alles ausgesprochen wird, merkt man auch an ihrem Vorschlag sie vorübergehend gemeinsam finanziell zu tragen, damit er wieder auf die Beine kommt ohne körperlichen Schaden zu nehmen. Obwohl Jimmy ablehnt nimmt sie den zusätzlichen Job an, dem sie zeitlich nicht mehr gewachsen ist. Ob Jimmy ihr dann noch unter die Arme greift? Hier bietet sich bald eine Gelegenheit als Anwalt heimlich für Kim zu arbeiten, was die Vorlage für Chuck wäre um beide zu ruinieren - bzw. am Ende nur Kim, sowie Jimmy’s Beziehung zu ihr.

                                          Chuck sind die beiden auch noch nicht los, dem jetzt die Versicherung um die Ohren fliegt, den er schnell als Federhandschuh von Jimmy erkennen wird. Die Vorstellung, dass bei ihm eine Party mit hundert Gästen steigt ist so traurig wie realitätsfern. Aber was will ich meckern, wenn es dafür ein Wiedersehen mit Clea DuVall gibt?

                                          Bei der, äh Alterssicherungsabsprache zwischen Mike und Gus ist mir aufgefallen, dass niemand so schnell blinzelt wie Giancarlo Esposito, oder so langsam wie Jonathan Banks. Ein wunderbarer Kontrast.

                                          Die Szene mit Nacho war zum Nägelkauen. Dass die Pillen nicht in der Seitentasche waren wie sonst, sondern auf der anderen, für die er nicht geübt hat … da braucht man ja selbst Baldriantropfen beim zugucken. Als ihm dann eine Pille auskommt und unter den Oberschenkel rollt … und alles ohne Worte. Das macht diese Serie so gut wie keine andere. Immer wieder Kino pur, schauen, staunen, mitfiebern. Und mit dem Drogendealer mit der Kohle in der Socke ist Jimmy dem Abrutschen auf die dunkle Seite der Rechtssprechung so nahe wie nie zuvor.

                                          PS: Rebecca ist nicht Jimmy’s Schwester, sondern die Ex-Frau von seinem Bruder Chuck.

                                          * Es gibt sooo viele bessere (und ebenfalls einfach zu spielende) aus denen man hätte auswählen können … https://www.youtube.com/watch?v=xiC__IjCa2s

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                                          • Die Eröffnungsszene (die mich ein bisschen an diese Szene bei Achternbusch erinnert hat: https://youtu.be/7WzhrUQyAN4?t=43m5s ) bringt den Krieg der Götter mal auf den Punkt, wenn die kingdom.com(e) Patronen den (mexikanischen) Heiland niederstrecken, Technologie - Jesus, 1:0. Die von Wednesday verfluchten Kugeln werden es da in der Masse nicht rausreißen.

                                            Das Waffen-Nazis Kaff war deutlich over-the-top, wobei es anfänglich ja noch ging, bis zum Feueropfer im Vulkan. Mit dem Ästhetik-Potpourri werde ich aber einfach nicht mehr warm, manches sieht nach in letzter Minute zusammengeschustert aus, und die überbordende Musik-Tonspur macht es einem oft auch nicht leichter in eine Szene rein zu kommen. Mir ist glatt entgangen, dass das Corbin Bernsen war - den hab ich glatt nicht wiedererkannt. Ganz im Gegensatz zur Screamin' Jay Hawkins Coverversion vom fantastischen Mark Lanegan - das ist für sich schon ein Götterkonflikt, an dem beide Seiten verlieren. Ob das vielleicht so gedacht war?

                                            Überhaupt können die Szenen mit McShane und Whittle nicht ansatzweise mit denen um Browning, Schreiber und Abtahi mithalten - die drei sind wirklich goldig und herzallerliebst, eine wunderbar dysfunk­ti­o­nale Familie, die sich bereits ein eigenes Spin-off verdient hat. Das hat alles, Humor, Understatement und eine Prise Gewalt, was einen unwiderstehlichen Cocktail ergibt, den man genießen könnte, wenn einen Mr. Wednesday nicht reinpissen würde. Aber das kann ja noch werden. Götter schreibt man nicht alle Tage, und Shadow … nun ja, hat - wie sein Name schon sagt - einen. Die größte Leuchte ist der echt nicht. Wie wunderbar abgebrüht ist dagegen Laura bitte? Dass sie ihrem Ehemann fremd gegangen ist, wundert mich überhaupt nicht mehr. Was will sie auch mit einem Welpen anfangen, wenn man schon mindestens ein gerissener Hund sein muss, um mit ihr Schritt halten zu können? Vielleicht wird sie ja noch fündig. Allein für diesen Roadtrip guck ich weiter, und glücklicherweise trägt die nächste Folge den Titel “A Prayer for Mad Sweeney” - da kann nichts anbrennen, oder?

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                                            • What? What?? What??? Mickey Rooney, Serling, Frankenheimer??? Danke für den Tipp!
                                              Uuund danke für die Warnung; VINYL klingt wirklich (leider) nach der perfekten Parallele. Needs more Banjo, perhaps?https://www.youtube.com/watch?v=2-stwo1q6eU

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                                              • Je länger das Finale an mir arbeitet (oder ich an ihm), desto besser wird es. Nach einer Zweitsichtung bin ich regelrecht davon begeistert, weil alle Eindeutigkeit gewichen ist, und mir inzwischen die andere, weniger metaphysische Wahrheit mehr zusagt, also die … was, Wahrheit? Was Nora Kevin am Ende erzählt ist die bessere Geschichte, und das zieht sich ja durch die ganze Staffel. Alle (mit Ausnahme von Laurie) haben ihre Welt, ihren privaten Jesus - Verzeihung, Kevin - äh, Glauben, und selbst kleinste Realitätsverschiebungen spielen eine Rolle für unsere Welt, an die wir glauben (wollen).

                                                Das Ende von THE LEFTOVERS, wie ich es jetzt sehe, ist Nora, die die Sünden der Welt auf sich genommen hat, deren (erfundene) Geschichte das perfekte Pflaster für jene Wunde ist, die die Departure in das Leben der 98% gerissen hat. Durchschaut hat sie von Anfang an die zweite Wissenschaftlerin. Sie hat gespürt, dass Nora im letzten Moment abbrechen würde, sie hat ihr nicht geglaubt, sie ständig in Frage gestellt. Darum muss sie ihre Geschichte vor der Kamera neu erzählen, ihre Kinder müssen darin vorkommen, damit es glaubhaft wird. Nora sagt mitnichten und Neffen immer die Wahrheit - angefangen bei ihrem neuen Namen, Sarah (und selbst ihr Nachruf ist zwar lustig, aber entspricht nicht der Wahrheit, tut auch niemandem weh, aber wahr ist er nicht). Sie selbst glaubt auf der Seite der Wahrheit und Fakten zu stehen, dabei ist sie stets auf der Flucht (oder Suche) nach etwas, einer Lösung, einer Erklärung, nach etwas, das Trost spendet. Keine profanen Liebeswünsche an Tauben, die eben nicht in die ganze Welt hinaus fliegen, oder Sündenketten um den Hals einer Ziege. Nora ist eine Getriebene, die nie still steht, deren Fahrrad permanent von links nach rechts und wieder zurück durchs Bild fährt, dabei aber nie irgendwo ankommt, am wenigsten bei sich selbst. Erst am Ende sagt sie Kevin, dass er damals im Hotel mit allem Recht hatte. Das war richtig, aber er hätte bleiben müssen, und z.B. mit ihr nach Miami aufbrechen können, Hauptsache mit ihr. Es hat lange gedauert, aber es ist nie zu spät dazu im Jetzt anzukommen, hier und heute. Eine vertraute Hand in der eigenen halten, sich in die Augen sehen und glücklich sein. Sich Glück erlauben, den Schmerz und die Kinder loszulassen, mit einer erfundenen Geschichte, die aber Trost spendet, wenn man nur selber daran glaubt. Dann kommen auch die Tauben wieder.

                                                Was hätte Nora Kevin sonst erzählen sollen? Dass sie im letzten Moment “Stop!” gerufen hat und Matt ihr versprechen musste nichts zu verraten? Das hat er getan, bis ins Grab. Oder vielleicht nicht? War es wirklich nur Zufall, das Kevin sie gefunden hat, oder wer hat da ein bisschen nachgeholfen? Nichts ist so, wie es scheint. Nora wusste, dass es eine Hochzeit und kein Tanz ist - die Nonne sagt ja, “normalerweise liegen sie nicht so nah beieinander”, also die Hochzeitstermine, für die sie die Tauben mietet. Es ist das einzige Kaff weit und breit, Nora hat eigentlich erwartet, dass Kevin dort um ihre Hand anhält, in irgendeiner Form, die halt ihrer Wahrheit entspricht. Die passende Geschichte dazu hat Kevin aber noch immer nicht parat, drum geht sie. Sie muss selbst die Antwort finden, nach der Liebe, nach den Tauben Ausschau halten, auf dem Dach, an dem eine Leiter lehnt, genau wie an dem Gebäude der Nonne mit ihrem Liebhaber … diese Details (wie etwa diese viel zu große Tür, deren Knauf so hoch liegt, als sei Nora ein Kind? Kindisch, wie sie sich eingesperrt hat, um dann doch wieder heraus zu wollen - genau wie in dem “Apparatus”) sind wundervoll, und ich bin mir sicher da ist noch mehr zu entdecken.

                                                Jedenfalls erlöst Nora uns (und die Ziege) von unseren Sünden, nimmt sie an, kämpft darum, opfert sich für uns. Nachdem sie diese Entscheidung getroffen hat, erhört sie auch die profanen Stoßgebete der Liebe, die sie von den Hochzeitsgästen erreichen, für die sie zuvor noch blind war. (Oder ist Nora Gott, der unsere Gebete jetzt erhört, und Kevin ist der Erste, dem sie erzählt, was der als Antwort hören möchte.) Dann kommt Kevin ein letztes Mal, jetzt mit der Wahrheit (tatsächlich?) auf den Lippen, aber zwischen den schönen Flüchen immer wieder das “I couldn’t believe it” - wir brauchen eben alle eine Geschichte, ein Ende, an das wir glauben können, damit wir weiterleben können. Dieses Ende gibt uns Nora, und es ist frei erfunden.

                                                Nicht überzeugt? Ihr wollt lieber, dass sie bei den 2% war? Dann glaubt ihr aber auch, dass das Baby aus der Pilotfolge auf einem Parkplatz verhungert ist, und Laurie’s ungeborenes Baby in einer leeren Klinik … das ist nicht mehr so angenehm, oder? Oder das der Erfinder der Maschine selbst auf die Idee kommt die 2% wieder zurück zu schicken, damit die Welt wieder eins wird? So durchdacht ist die Geschichte nicht mehr, wie sie im ersten Augenblick wirkt. Die Paralleluniversen gibt es, aber es reicht sie im Kopf zu haben, man muss nicht dorthin reisen. Das Ende der Welt kann man auch in sich finden; wer sich dann umdreht, dem liegt die ganze Welt zu Füßen.

                                                PS: Und ich bin noch gar nicht auf dem ständig tröpfelnden Regen eingegangen … damit habe ich mich noch gar nicht beschäftigt, denn dahinter könnten sich weitere Interpretationen verbergen, aber mir genügt diese eine, meine. Hauptsache die eigene Weltsicht bleibt flexibel, so wie sie es im writer’s room vorgemacht haben, und Laurie wiederbelebt haben, weil es sich richtig angefühlt hat: http://www.indiewire.com/2017/06/the-leftovers-laurie-alive-finale-amy-brenneman-damon-lindelof-1201836872/

                                                Vielen Dank für die Recaps und Denkanstöße, lieber Sascha - war eine tolle Reise, und man liest sich spätestens beim nächsten Serienprojekt von Lindelove (sic) und Co.

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                                                • It's ... a wrap*!!!
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                                                  * 17 years in the making

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                                                  • Ein Sterne-Menü kann man runterschlingen und ein Fast-Food-Gericht genießen, oder umgekehrt. Keine Frage, Serien sind so gut wie lange nicht, ob deren Ästhetik in allen Bereichen auch dem Kino ebenbürtig ist, darf man noch bezweifeln, aber auch da holt die Flimmerkiste auf (dabei denke ich gar nicht mal so sehr an GOT, sondern eher an BREAKING BAD und BETTER CALL SAUL). Auch das wird sich einander weiter annähern, werden doch die Bildschirme Zuhause immer größer und haben mit 4K längst ihren Marketing-technischen Overkill erreicht, der jenseits unserer Netzhaut liegt (es sei denn man setzt sich so nahe davor, dass man gerade so eben nicht mehr einzelne Bildpunkte erkennt - was in der Praxis natürlich niemand so macht).

                                                    Der springende Punkt ist für mich daher auch weder Ästhetik noch Narration und Dramaturgie, sondern die Rezeption, und da geht nichts über ein gutes Kinopublikum (was leider immer schwerer zu bekommen* ist - da bleibt man dann tatsächlich lieber zu Hause auf der Couch). Das Ritual sich aufraffen zu müssen, Haus und Wohnung zu verlassen um mit Wildfremden im Dunkel zu sitzen und im besten Falle gemeinsam von etwas mitgerissen zu werden, das einen in eine andere Welt transportiert ist ein Erlebnis, wie man es Zuhause nicht haben kann. Dort kann man sich mit Freunden verabreden und Serien-Sessions machen; Anfang der 90er bin ich mit meinen selbstaufgezeichneten TWIN PEAKS Videokassetten unterm Arm auf Tour gegangen und hab damit meine Freunde angesteckt, die es bei der Fernsehausstrahlung verpasst haben. Das war toll, aber nicht so gut wie im Kino zu sitzen.

                                                    Kinobesuche genieße ich leider fast ausschließlich nur noch auf Festivals, da stimmt im Idealfall beides: Programm und Publikum. Daher ist es nur folgerichtig, wenn dort auch inzwischen immer mehr Serien laufen. Wenn man dann noch bis tief in die Nacht hinein drüber sprechen kann, ist das schon fast so gut wie … und führt manchmal auch erst zu … äh, Moviepilot.

                                                    * Wo bleibt der “rent-an-audience” Service?

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