jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • Der Kaiser ist nackig.

    Habe ich zu viel von TWIN PEAKS erwartet? Mag sein, ich hatte aber die Hoffnung, dass Lynch durch die erforderliche Zusammenarbeit mit anderen (Frost, Deming, Dunham, etc.) wieder zu Hochform aufläuft, das tut er aber leider nicht. Sein letztes Meisterwerk bleibt “Mulholland Drive”, und “Inland Empire” habe ich nicht geguckt, weil er quasi alles alleine gemacht hat. Sonst kenne ich jeden Fitzel seines Schaffens, habe mich an ihm abgearbeitet wie an keinem anderen Regisseur. Also ja, werft mir gerne enttäuschte Liebe vor. Fair enough.

    Er gewinnt manchen seiner Motive ja tatsächlich neue Facetten ab, wie etwa seiner Abneigung / sein Misstrauen gegenüber Telefonen (vielleicht einer der Gründe warum ich ihn so schätze, weil ich mich da von ihm verstanden fühle), wenn er Lucy mit Mobiltelefonen konfrontiert. Ebenso erhalten geblieben und auf die Spitze getrieben sind seine Missverständnisse generierenden Nicht-Dialoge. Etwa wenn die Polizisten nach dem Schlüssel suchen, ach, eigentlich alle. In der Sequenz stimmte auch ausnahmsweise mal das Erzähl- und Schnitttempo, das sonst permanent mit voller Absicht auf der Bremse zu stehen scheint.

    Das Meiste jedoch ist nur Recycling von früheren Motiven, als wolle er all seine Obsessionen in einem Werk zentral zusammenführen. Es gibt die Glasbox in New York, den leeren Fernseher der auf uns als Zuschauer zurück guckt. Damit zeigt er uns eigentlich den Stinkefinger, und wir feiern ihn dafür. Denn zeigen tut er uns nichts. Wenn doch, dann bringt es uns um. Oder Cooper schwebt darin in der (E)n-ten Dimension. Das hat was von “Lost Highway”, ebenso wie der Schuldirektor im Knast, nur dass dort “der schwarze Mann”, der sich in Rauch auflöst aus “Mulholland Drive” stammt. Die Evolution des Arms (also des tanzenden Zwerges) als sprechenden Baum haben wir aus “Eraserhead” und dem gestalterischen Schaffen Lynchs. Nicht daran ist neu.

    Dass er nicht einfach an Staffel 1 und 2 anknüpfen würde - genau diese Diskussion wurde um das Prequel “Fire walk with me” bereits geführt und hat damals weitaus mehr Spaß gemacht, weil der Film hervorragend war. Purer Terror sind diese letzten 7 Tage der Laura Palmer, hypnotisch, und als Bonus die vorgeschalteten Ausflüge. Ja, all das hab ich verschlungen, doch davon ist hier nichts. Mehr. Übrig. Was bleibt sind Versatzstücke, die auseinanderfallen. Für mich tun sie das. Versteht mich nicht falsch, das fügt sich alles lückenlos zusammen, nur in Zeitlupe. Und ohne dass es Spaß macht. Darum hege ich den Verdacht, dass das mit Absicht geschieht. Oder Lynch hat einfach nur einen Knall.

    Was es noch schwerer erträglich macht, ist das billige Handwerk, etwa der Black Lodge innerhalb der Black Lodge, also die Box mit dem Safe an der Wand bei dem die Nummern darüber wechseln, mit der Frau ohne Augen darin, die ihn auf’s Dach(?) führt? Das war billig und schlecht gemacht, wie auch so manche der Effekte schlicht am Budget gespart haben, dass es Bauchschmerzen bereitet. Grauenhaft. Etwa dieses Schwebezeichen über den einarmigen Banditen (Ha! Waaaas für eine Parallele zum Einarmigen in der Black Lodge!) aus Fliesen und Vorhang sind so billig, dass man sie dann bis zum Erbrechen wiederholt.

    Erbrochen wird ja noch viel mehr, aber lassen wir das. Glaubt jemand der (good)Coop wird wieder zu alter Form zurück finden? Das glaube ich nicht. Was wir hier sehen ist eine in die Länge gezogene Variation von Hal Ashby’s “Being there”, weiter nichts. Und (bob)Coop? Hatte seinen stärksten Moment mit seiner want/need Klarstellung.

    Über jeden Zweifel erhaben ist allerdings das sorgfältige Sounddesign und die Musikauswahl, das ist wie immer, damit aber ebenso vorhersehbar. So schön das Wiedersehen mit den vielen Darstellern ist, so “how the fuck did I get here” großartig die Cameos sind - wenn Kafka-Fotos an der Wand hängen bin in raus.

    Das ist next level “jumping the shark”. Als hätte David Lynch einen Helge Schneider Film inszeniert, aber ohne dessen Selbstironie. Helge hat wenigstens Spaß dabei. Von Lynch den Plot erzählt zu bekommen hätte mehr Unterhaltungswert als diese Umsetzung. Ach David, danke für den Versuch, danke für die vielen Stunden die ich mit deinem Werk verbracht habe, aber das hier? Nein danke.

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    • Da ist er, der Sprung in der Beziehung zwischen Kim und Jimmy, in einer Gänsehauteinstellung, wenn die Kamera langsam auf Kim zufährt, man ihr Unbehagen mit Fingern greifen kann. Zunächst ist sie überrascht von ihrer Kundin, wie diese das gegen Chuck gewonnene Gerichtsverfahren interpretiert, weil das so gar nicht in ihrer Wahrnehmung vorkam, ja dort gab es nicht einmal die Möglichkeit dazu. Aber kaum hat sie es gelernt, erkennt sie es auch in Jimmy wieder. Was für ein trauriger Moment, nach dem Minutenschlaf wacht sie auch noch aus einem weiteren Traum gewaltsam auf. Das für sich wäre gar nicht mal so schlimm, wäre da nicht diese letzte Szene - denn jetzt würgt es Jimmy bzw. sein Alter-ego Saul seinem Bruder rein. Das ist Nachtreten bei einem der schon am Boden liegt. Das wird Kim nicht akzeptieren. Sie hatte schon den Kloß im Hals, als er Rebecca eine Absage erteilt hat, aber das hat eine neue Qualität. Chuck muss vielleicht gar nichts machen, die Brüder sind sich darin gar nicht so unähnlich die Frauen aus ihrem Leben zu vertreiben: der Eine weil er nicht mit der Wahrheit heraus kommt, der Andere weil er (unwissentlich) einen Blick in den eigenen Abgrund gewährt hat. Den Temperatursturz konnte man förmlich als Eiswürfel in ihren Drink fallen hören.

      Einen Schreck bekam ich noch bei dem Mike / Selbsthilfegruppe Chat - die von der (vermuteten Polizei)Uniform getriggerten Geschichte klang so nach Departure, ohne Spur verschwunden … das hat etwas in ihm ausgelöst, sonst hätte er kaum seine Meinung geändert. Wollte er wissen was Nacho vorhat und ihn davor bewahren eine weitere “half measure” zu begehen? Und ob Gus da nicht auch ein Wörtchen mitreden möchte? Immerhin ist der Zement bereits trocken … und so glücklich wie in diesem Moment sehen wir ihn vermutlich nie wieder.

      Chuck hatte diese Woche Pause, und ich möchte mir sein Space-Blanket ausleihen. Für TWIN PEAKS. Jetzt ergibt alles einen Sinn, nur so kann man sich gegen die Elektrostrahlung schützen, die einen direkt in (oder aus) der Black Lodge führt. Die Anzeichen verdichten sich, alle Serien werden eins …

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      • Im Kino habe ich ihn zuerst IM ANGESICHT DES TODES gesehen (wenn auch mein erster Bond auf der Leinwand Sean Connery in SAG NIEMALS NIE war), aber davor war ich längst dem zurückhaltend eleganten Charme von Roger Moore als Lord Brett Sinclair in DIE ZWEI erlegen gewesen. So sehr, dass ich dabei das Zuhören gelernt habe, denn zusammen mit der Nachbarstochter hatten wir die Sprüche der verstrahlten Synchronfassung live mitgeschrieben. Handschriftlich. Nein, wir hatten noch keinen Videorekorder im Haus, das dauerte noch. Nach dem Aufschreiben kam dann das auswendig lernen und vergebliche auf Situationen warten, in denen man das cool über die Lippen lassen konnte. Inzwischen ist deren Coolness ebenso verblasst wie die Sprüche selbst vergessen, nicht aber die Erinnerung an die tollen Tage, in denen er und Tony Curtis uns so viel Freude bereitet haben. Sag ihm Hallo und macht Party an der Hotelbar, wie damals.

        https://youtu.be/Xs8K5sgfiMs?t=44s

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        • Fucking finally! Für jemanden, der wie ich die Buchvorlage nicht kennt, wäre diese vierte Folge der perfekte Pilot gewesen. Mit Laura, die an nichts glaubt, nicht einmal die Liebe - geschweige denn an Götter - findet man den perfekten Einstieg in die “Glaubenswelt”. Wenn man dann wie sie die Liebe anderer einfach wahrnehmen könnte wie ein Licht, das nur für einen selbst scheint, wäre das Leben vielleicht einfacher, so erfährt man eben erst im Tod die Liebe, womit nur unterstrichen wird, dass es nie zu spät ist.

          Die Sequenz zwischen Laura und Audrey ist der bisherige Höhepunkt, und wie gerne würde ich einer Roadmovie-Serie dieser beiden Frauen zugucken wollen - Emily Browning und Betty Gilpin sind fantastisch und nehmen den Tod schließlich pragmatisch auf die leicht/e (abfallende) Schulter. Wunderbar wie schnell die menschliche Natur vom Panikmodus auf “fuck it” und “passt schon” umstellen kann.

          Jetzt frage ich mich natürlich, ob eine andere Montage die Serie zugänglicher gemacht haben könnte, für Nicht-Buchkenner würde ich aber mal sagen, ja, das liegt auf der Hand. Für diese Folge hat es sich jedenfalls gelohnt weiter zu gucken und mich durch Episode 2 und 3 zu quälen. Die kann man übrigens auch einfach so gucken, ohne den Rest. Und hey, es gibt aufgrund der anamorphotischen Objektive Lensflares und ovales Bokeh als Bonus!

          PS: Der Vogel war schon vorher mal im Bild, wie er auf der Laterne sitzt wenn Laura nach Hause kommt. Und warum guckt die Katze ständig Cartoons wenn sie alleine ist?

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          • Wenn es eine Serie gibt, in der man selbst in Kritiken persönlich werden kann, dann ist es diese, lieber Sascha. Wenn es dir gelungen ist deinem Großvater etwas zu sagen, was vorher nie ausgesprochen wurde, so wie zwischen Laurie und Kevin, dann hast du alles richtig gemacht. Die Szene hat mich zerrissen, in dem Moment in dem Laurie das Feuerzeug nicht zurück wollte, brachen bei mir die Dämme (ihre Judas-Nummer hatte ich noch für einen Scherz gehalten … genauer: halten wollen). Nicht nur weil sie nur notdürftig geflickt waren (die Szene an der Klippe hatte mich auch schon so weit), sondern weil es bei mir am längsten gedauert hat mit Laurie warm zu werden, sie nicht mehr als Figur sondern als Mensch wahr zu nehmen. Und man will Menschen nicht in den Suizid gehen lassen, die einem nahe gehen, weder echte (wie Chris Cornell) noch fiktionale.

            “Don’t miss.”

            Diese ins Leben suppenden seriellen Synchronizitäten machen mir ebenso Angst wie sie mich faszinieren: Laurie bittet Nora genauso um einen Dollar, wie kürzlich Kim Wexler Jimmy in “Better Call Saul”, und “Don’t you forget about me” war in “Handmaid’s Tale” zu hören, wo Selbstmordgedanken ebenfalls eine Rolle spielen. Zufall? Auch die Staffelübergabe der Black Lodge aus Twin Peaks und dem jenseitigen Hotel in dem sich Kevin und Nora aussprechen werden? Vielleicht sehen wir auch Laurie dort wieder, bei einer Partnertherapiesitzung im Jenseits. Und Matt sorgt dafür, dass Nora in die Maschine steigt und bekommt dabei “versehentlich” die Strahlendosis ab, die seine Leukämie heilt.

            Was Laurie über ihre Klippe getrieben hat, war wohl das Kevin sagte, dass er sich nie so lebendig gefühlt habe, wie auf der anderen Seite, während er im Diesseits tot war. Und wer wünscht sich das nicht, lebendig zu sein? Lebendig sein heißt aber auch die Dunkelheit auszuhalten; sind dann aber die Nebenwirkungen der Medikamente (oder was auch immer) zu stark, dann bleibt nicht allein. Geht unter Menschen, und wenn es nur online ist. Teilt euch mit, streckt die Hand aus, hört selber wieder zu, nicht nur in euch hinein, das Leben ist überall um uns herum. Taucht wieder auf, aus dem Meer, der Badewanne, der Untiefe in euch. Beim nächsten Mal seht gemeinsam mit jemanden hinein, und nehmt eine Taschenlampe mit, oder was euch sonst Einblicke verschafft. Wenn es für Nora und Kevin ein Karaoke-Duett sein könnte, dann vielleicht dieses: https://www.youtube.com/watch?v=ai9_ZPHpxss Ja, das ist zu naiv gedacht. So leicht werden es sich die Autoren nicht machen. Irgendwas zwischen Karaoke und Brunnen wird es sein. Wichtig daran ist nur, dass es vielfältige Wege zurück in unsere Welt gibt, die aber alle eins miteinander verbindet: Liebe.

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            • Sandler fand ich auch in "Reign over me" ganz ausgezeichnet, und selbst ein Robin Williams hatte neben seinen ernsten Rollen so manche Möhre in seiner "komödiantischen" Filmografie ("Mrs. Doubtfire" fand und finde ich z.B. grauenhaft). Warum man Darsteller, Rolle und Talent ständig durcheinander bringt und miteinander verwechselt wäre selbst mal ein schickes Thema für eine Komödie.

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              • Wasser! Das war doch nur Wasser aus einem Becher, den Varga vorher sorgfältig mit seinen Klöten etwas Nestwärme hat zukommen lassen. Das mag zwar auch unappetitlich sein, aber darum spielt es sich ja nur im Off ab - das funktioniert an anderer Stelle in dieser Folge nicht minder brillant. Wenn man hinhört, dann füllt erst der russische Handlanger den Becher auf, ehe er ihn Sy zur Verköstigung reicht. Gut, theoretisch könnte er … wie dem auch sei, das ist nur eine Nebensächlichkeit um zu unterstreichen wer die Hoden anhat. Hosen! Ich meinte Hosen. So wie Nikki die Hosen anhat, und man aus dem Off Dinge hört, die einen daran zweifeln lassen sie je lebend wieder zu sehen. Sy wird das seinem Schock zum Trotz als sein Tun verkaufen, statt sich unterlassener Hilfeleistung bezichtigen zu lassen. *sigh* Ein einziger Stossseufzer von einem überforderten Menschen.

                Die Bildkompositionen waren wunderschön in dieser Folge, ganz großartig fand ich z.B. noch die Staffelung vor der Verhörzelle, wenn der Polizeichef Gloria und Winnie einklemmt und sie dann zu dritt wie Orgelpfeifen im Bild stehen. Fantastisch. Oder wenn Sy mit seinem Riesenauto (auch seine aufgeblähte Winterjacke, die er nie auszuziehen scheint unterstreicht ja sein immenses Sicherheitsbedürfnis ganz wundervoll) wieder an dem Schneemobil vorbeifährt, nur diesmal von rechts nach links - ob es sich dabei um die gleiche Einstellung handelt, nur eben gespiegelt? Kann das bitte mal jemand nachprüfen?

                Wie toll ist bitte überhaupt der Dialog zwischen Emmit und dem Buchprüfer? Die ganzen Nuancen und als Drohungen missverstandenen Scherze, fantastisch. Oder Ray im Bus, wenn er sich mit Emmit via Telefon ankeift, und dann meint das wäre seine Mutter am anderen Ende gewesen? Super. Auch, dass uns Ray das “Stellaaaa!” aus “Endstation Sehnsucht” erspart ist in überraschend leisen Tönen gehalten. Dann der tolle Gastauftritt von Mary McDonnell als Mrs Goldfarb in diesem unfassbaren Restaurant?

                Überhaupt Sy, der so sehr in die Ecke getrieben ist, dem die Handschellen vielleicht abgenommen sein mögen, während sein Handlungsradius zusammenschrumpft: Wann bricht es unkontrolliert aus ihm heraus? Irgendwann platzt ihm der Kragen. Zunächst verliert er aber noch Emmit, denn Varga sät gekonnt Misstrauen (wobei man sich bei der Szene im Auto nicht sicher ist, ob er das nicht sogar selbst glaubt - Hut ab vor David Thewlis) zwischen den Geschäftspartnern. Das Soufflé als Bild der Spekulationsblase ist schon im Ofen.

                Worauf bezieht jetzt wohl “The House of Special Purpose”? Eine Google-Suche später, aha: https://en.wikipedia.org/wiki/Ipatiev_House Dann ist das Blut wohl bald wieder auf und nicht unter dem Schnee.

                Abschließend - und als Bogen zum Anfang zurück - sag ich es mal mit Zappa: “Don't Eat the Yellow Snow”
                https://www.youtube.com/watch?v=mpNn1nht0_8

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                • Als der viel zu frühe Tod von Andrew Wood 1990 die Musikszene von Seattle zerriss, war es Chris Cornell, der zusammen mit dem was dann Pearl Jam werden sollte eine Platte schrieb und einspielte, die der Trauer zugleich Ventil und uns wieder Halt gab: Temple of the dog nannte sich Projekt und Platte, letztes Jahr ging die Band zum 25 jährigen Jubiläum damit auf Tour. Das läuft jetzt gerade bei mir auf youtube im Hintergrund, während mir hier die Buchstaben vor den Augen verschwimmen … https://www.youtube.com/watch?v=tJ6AfO7miOE

                  … egal ob Solo, mit Soundgarden, Audioslave, Temple of the dog oder wessen Lieder du sonst mit deiner einzigartigen Stimme veredelt hast, mir versagt jetzt meine beim Versuch auszudrücken, was dein Tod für ein Loch in die Welt reißt. In den dunkelsten Momenten, die ich in den letzten 28 Jahren erlebt habe waren es so viele Male deine Lieder, die mich allem Anschein zum Trotz jedes Mal wieder in den nächsten Sonnenaufgang begleitet haben, wie sie ebenso die glücklichsten Augenblicke noch heftiger und länger haben strahlen lassen. Sie waren immer auf der richtigen Seite, voller Seele, Geduld und Liebe, zur Musik, dem Leben - das macht sie zeitlos. Doch dieses eine Mal werden sie mich nicht trösten können. Das ist ok. I shut up now.

                  Wie so oft hast du es ohnehin viel besser ausgedrückt:

                  I never wanted
                  To write these words down for you
                  With the pages of phrases
                  Of things we 'll never do
                  So I blow out the candle, and
                  I put you to bed
                  Since you can 't say to me
                  Now how the dogs broke your bone
                  There 's just one thing left to be said
                  Say hello to heaven

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                  • http://ew.com/tv/2017/05/17/the-alienist-trailer-tnt/

                    Daniel Brühl als Hauptdarsteller in einer Qualitätsserie irgendwo zwischen "The Knick" und "Hannibal" - das ... sieht gar nicht mal übel aus. Wann soll man das denn alles gucken???

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                    • Jimmy mag mit seinem Bruder fertig sein, Chuck aber noch nicht mit Jimmy. Es dauert viel zu lange, bis er sich wenigstens dazu durchringen kann mit Howard auf Neuanfänge anzustoßen. Sich selbst zu therapieren oder abzuhärten kann nur Teil eines zerstörerischen Plans sein, und da er mit Dr. Cruz telefoniert, kommt wohl auch die famose Clea DuVall wieder zurück - und deren Besetzung damit als weitsichtige Investition; ich freu mich mächtig auf was immer da ausgeheckt wird.

                      Verkloppt Nacho nicht den not-so-crazy-yet-Eight? Dessen Zwiespalt lässt sich jedenfalls nicht einfach wieder zusammen nähen, aber vielleicht findet sich irgendwer oder irgendwas bald im Fundament eines Spielplatzes wieder? Oder Mike entdeckt etwas im Fundament der Garage, die er angeblich gegossen hat? Kommt er da einem Geheimnis seines Sohnes auf die Schliche, das ihn auf den “full measure” Pfad führen wird? Oder muss man doch früher mit Tuco rechnen, wenn eine Pille plötzlich nur Spuren von Erdnüssen und einer geheimen Zutat enthält, deren genaue Zusammensetzung Nacho nicht an die große (bzw. kleine) Glocke hängen will? Bing-bing, Rollstuhl ist dann vielleicht gar nicht auf Gus und Mike zurück zu führen … es wird kompliziert.

                      Oh, und was habe ich mich über den Moiré-Insider gefreut - jetzt ergibt das ganze Filmwissen von Jimmy auch einen tieferen Sinn, und ich bin mir immer sicherer, dass Gould und Gilligan die dramaturgischen Bögen der Staffeln grob abgesteckt haben - die Frage bleibt nur: Für wie viele Staffel eigentlich? Weiß da wer näheres? Wer mit Moiré nichts anzufangen wusste, bitte sehr: https://en.wikipedia.org/wiki/Moir%C3%A9_pattern

                      PS: Kann Patrick Fabian bitte heute Abend mit so ner Pulle unterm Arm auch an meine Tür klopfen? Ich würde ihn auch nicht (lange) draußen sitzen lassen. Danke.

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                      • Mischmasch indeed. Die dritte Folge bringt mit einer Szene mein Gefühl für die Serie perfekt auf den Punkt: da sitzt ein Mann pünktlich im Wartezimmer, der vereinbarte Termin verstreicht, die Zeit scheint stehen zu bleiben und alle um einen herum haben auch keinen Spaß am Leben, genau wie man selbst. Es wird auch nicht besser, wenn er danach mit dem Taxi im Stau steckt, ehe dann immerhin der Taxifahrer in ihm.

                        “Come on, it’ll be fun!” - Nope. Wasn’t.

                        Was könnte die Episode spannender machen als die letzte? Ein weiteres Dame-Spiel ist es jedenfalls nicht, Shadow bringt das auf den Punkt “you’re playing the same game” - und ich kann mir nicht helfen, die Serie bleibt für mich ein seelenloses Hochglanzprodukt, das von A nach B nach C nach D nach E springt, eine inzwischen drei Stunden umfassende und dann und dann und dann und dann Geschichte, ohne roten Faden. Den kann man sich anlesen, von wegen Krieg der neuen gegen die alten Götter - nur spürt man davon leider rein gar nichts. Leitmotivisch ziehen sich heruntergekommene Götter durch die Serie, die lustlos ihrem Tagwerk nachgehen und dem vergangenen Glanz besserer Tage nachtrauern. Davon spüre ich aber nichts. Gucke ich das falsch? Was entgeht mir? Muss man an etwas glauben um diese Serie zu mögen? Ich glaub ich schenk mir lieber das Buch, als die Serie.

                        PS: Leidenschaftliche Sex-Szene??? Hab ich wohl verpasst, weil ich mich gefragt hab ob die brennenden Augen nicht wenigstens ein bisschen die Brauen oder das Pony ansengen müssten - tun sie aber nicht. Darum lässt mich die Szene ebenso kalt zurück und ich rate zum Griff nach HAPPY TOGETHER von Wong Kar Wai. Die Szenen mit Pablo Schreiber sind bisher die einzigen, die für mich funktionieren, der hat mit der Suche nach seiner Glücksbringermünze auch ein Ziel, mit dem man sich identifizieren kann.

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                        • Hanekisten, Kidmaissance … du scheinst in perfekter Laune zu sein, Jenny. Oder kündigt sich da ein Sonnenstich an? Gut, dass du die nächsten Tage in Kinosälen verbringst - viel Spaß :)

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                          • Verzeihung, ich kann weder mit sauberen noch schmutzigsten Witzen dienen. Schlimmer noch, ich könnte ihn sowieso nicht witzig erzählen, darum zitiere ich lieber eine meiner Lieblingsstellen aus dieser Folge:

                            “I was married to Kevin, for 15 years. He used to look through all of our cupboards before he found the wine glasses, he has a tattoo that’s misspelled and he shits four times a day. So I refuse, Matt, to believe that he is the goddamn second coming of Christ!”

                            Überhaupt ist auch diese Folge wieder vollgestopft mit wunderbaren Wortspielereien. Wenn Matt Nachrichten auf Kevin’s Mailbox hinterlässt und darauf keine Antworten erhält, ist das wie an einen Gott gerichtete unerhörte Gebete, oder? Zu den Wortmalereien gibt es natürlich auch korrespondierende Bildkompositionen; Gott auf dem Oberdeck, Matt der zu ihm aufsieht (wie in den Himmel) … es nimmt kein Ende wie sehr das alles aus einem Guss daher kommt. Was liest Gott da eigentlich? Das ist bestimmt noch ein Gag, wenn man nachguckt, ich glaube jedoch daran, dass es in erster Linie dazu diente Matt die Frage “Where’s my book?” an den Kopf zu schmeißen - damit könnte nämlich genauso das “Buch Kevin” gemeint sein. Ist das nicht wunderbar?

                            Matt liest im Flieger übrigens das Buch Daniel, und dort gibt es die berühmte (ok, gut, natürlich hab ich mir das ergooglet) Episode in der er über Nacht in eine Löwengrube geworfen wird und überlebt - genau wie Matt den “Wurf” auf die Fähre (Toteninsel anyone?) überlebt hat. Modernisierte Variation einer Bibelgeschichte, man kann an alles glauben, wenn man will.

                            Darum ist auch dieser Gott kein Nihilist! Er sagt Matt doch, dass der alles letzten Endes nur für sich selbst getan hätte, und heilt ihn erneut von dessen Krebs. Doch, doch, er glaubt daran. “It’s her word against mine.” oder eben es ist mein Glauben gegen deinen. Matt will aber nicht daran glauben, sondern nur an seinen Glauben - das ist das ganze Problem. Das ist ja das großartige daran. Und dass sich für Matt kurz der wahre (nicht antwortende) Gott mit dem hervorragend antwortenden gegenwärtigen Gott überschneidet. Wenn dann am Ende der Folge der heidnisch verehrte Gottessohn-Löwe den Sohn-Verleugner-Gott verzehrt, ist für Matt die Welt wieder in Ordnung, selbst wenn es ihn das Leben kostet, immerhin hört er dafür auf andere um sich herum anzulügen. Jedenfalls für den Moment. Die Ironie wird vermutlich sein, dass sein Nasenbluten jetzt weg ist (was natürlich an den Medikamenten liegen könnte, aber wer weiß das schon?).

                            Moooment! John ist Laurie doch nicht hörig oder bekommt Dinge von ihr eingeflüstert - sein Sohn stellt das doch klar: Der Ärger mit dem er sich selbst und andere krank gemacht hat (und der seine Tochter aus dem Haus und in die Fänge einer Sekte getrieben hat) ist aus dem Mann herausterapiert und er hat - wie es Laurie richtig ausdrückt - Frieden gefunden. Matt ist es, der John’s alttestamentarische Wut einfordert, wenn er sie selbst gerne gegen den alttestamentarischen Gott vom Oberdeck instrumentalisieren würde. Laurie verschweigt ihm Kevin’s Halluzination, um ihn zu schützen, was der dann ja bestätigt (“Das hätte ich auch vor mir geheim gehalten.”) #TeamLaurie speaking. Therapie (wie die Wirklichkeit) ist kompliziert, aber funktioniert. Sie gibt ja sogar zu, dass das nur leider die schlechtere Geschichte ist, wir nehmen aber lieber immer die bessere, leichter verdauliche Variante zum dran glauben.

                            Aber was hat dieser David Burton letzte Staffel eigentlich Kevin auf der Brücke ins Ohr geflüstert? Mit Patty hatte das nichts zu tun, wenn wir Kevin glauben … ach ja, woran wir Zuschauer so alles glauben. Ich schlage französische Chansons vor - auch das wieder so perfekt im Timing zur dortigen Präsidentschaftswahl - es ist echt unheimlich. Drum hier noch schnell die Übersetzung des Gebets(?) des strammen Franzosen aus dem Vorspann:
                            http://dailyeb.com/index.php/2017/05/15/the-leftovers-translation-of-season-3-episode-5-opening/

                            Und weil diese Woche zu wenig Nora war, hier ein Artikel über Carrie Coon: http://www.vulture.com/2017/04/carrie-coon-profile.html

                            Oh, eins noch: Kann David Burton bittebittebitte irgendwie noch in “American Gods” auftauchen? Das könnte die Serie noch auf den rechten Pfad führen.

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                            • Ein Film von einem Regisseur/Regisseurin mit geistiger Beeinträchtigung?
                              Na, die Antworten darauf dürften wohl gleich unter "Ironie" verbucht werden ^^

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                              • Zählen Mehrfachsichtungen? Dann David Lynch.
                                Ansonsten Woody Allen. Nein, halt, natürlich William Hanna und Joseph Barbera :)

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                                • ... und die Serie an Serienhighlights reißt nicht ab. Sogar Nicole Kidman sieht wieder aus wie ein Mensch (hab sie nicht gleich erkannt). 2017, Peak-Binge. Das Jahr wird nicht zu überbieten sein, es sei denn ein Präsident wandert noch direkt vom Weißen Haus in den Knast. Aber hey - dieses Jahr scheint alles möglich ^^

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                                  • Peter und der Wolf? Wir Zuschauer sind als wie Kinder, denen man die Grundlagen erklären muss. Das ist ebenso charmant wie frech, denn die Instrumentierung der Tonspur ist hier nicht das Wesentliche, sondern die Melodien und Themen der Figuren, die sich aneinander reiben.

                                    Das dümmere Schaf im Pelz des glücklicher dummen Schafs bzw. Vögel die ihr Federkleid tauschen? Ray wächst schnell in die Rolle seines Bruders hinein und immer mehr Türen öffnen sich ihm, weil man die “Gesichter gelernt” hat. Wie wir später lernen werden hat wahrer Reichtum dann gar kein Gesicht mehr, sondern gefällt sich in der Unsichtbarkeit. Womit auch klar ist, warum nur unsere für Geräte unsichtbare Gloria/Peter(Petra?) den Wolf zur Strecke bringen kann, weil sie ebenso nur zwischen den Zuständen existiert, wie der mit den schlechten Reißzähnen. Ob diese Elektronikimmunität ihr noch das Leben rettet, wenn es darauf ankommt? Wahrscheinlich schon.

                                    Jedenfalls frisst der Wolf die sieben Geißlein, um sie dann wieder anständig über der Toilette auszuspucken wie Gus Fring? In diesem Fall dürfte es sich eher um ein Bild für Raubtierkapitalismus handeln. Am Küchentisch (in Gegenwart der Matriarchin) charmant, im Geschäftszimmer dann vom Gast- zum Chefsessel in einer halben Umdrehung. Elegant geschrieben und inszeniert, wunderbares Licht, wenn Varga die Lampe an der Wand hinter sich verdeckt und ihm das Licht aus dem Kragen zu schießen scheint. Das sind Feinheiten, die gerne übersehen werden.

                                    Womit ich bei einem wütenden Exkurs ankomme, denn diese Woche hat der BR auch seine im Vorfeld bereits als deutsche Antwort auf FARGO titulierten Sechsteiler HINDAFING online gestellt, und tatsächlich gibt es auch hier wieder Synchronizitäten aufzudecken, wenn auch wenig schmeichelhafte (“I can help!”). Denn wo die eine Serie auch gerade in ihren unauffälligen Momenten brilliert, kommt die andere gewohnt lieblos daher - ich kann es leider nicht anders sagen. Darum will ich mal kurz den pädagogisch wertvollen Vergleich à la “Peter und der Wolf” machen und gemeinsam mit euch eine vergleichbare Sequenz angucken, hier ab Minute 8: http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/hindafing/donau-village-104.html Bei FARGO ist zwar V.M. für uns und Emmit bereits eingeführt worden, aber so wenig wie die Sekretärin eine Ahnung davon hat, worum es geht, so wenig hat es Emmit’s Gattin. Das ist also schon ein zulässiger Vergleich. Nun, der eine stapft zu Fuß durch den Schnee, der andere stolpert vom Parkplatz ins Gebäude, und jetzt geht’s los:

                                    Ein Geruch liegt bei beiden Szenen in der Luft, doch in der deutschen Fassung wird sofort das Rauchverbot erwähnt, noch bevor man die ursächliche Zigarre sieht, wodurch der mögliche Gag bereits kaputt ist, bevor er entstehen konnte, während bei FARGO auf Deutsch(!) mit “Schweinen-Kottelets” die Kennerschaft von Hausmannskost erzählt wird (und nebenbei wieder demonstriert wurde, das V.M. gleichermaßen zwar schon überall war, aber nirgends zu Hause zu sein scheint). Wenn der Name des Landrats schon fallen muss, warum fragt nicht der Bürgermeister, kaum dass er die Sprühdose in Aktion sieht? Ein bestätigendes Nicken hätte genügt und ein nicht näher beschriebener Geruch hätte in der Luft gelegen - z.B. der Gestank der Korruption, aber dann ist es nur die schnöde Zigarre. Alle Zutaten da, im Drehbuch vermasselt, hätte man bei der Inszenierung retten können, nichts dergleichen ist passiert.

                                    Die Küchenszene hat man beim BR quasi gleich gestrichen und schneidet gleich ins Geschäftszimmer, weil erst dort wieder der Plot vorangetrieben wird. Richtig, aber sie erzählt uns etwas über Hierarchien, Kultur und vor allem: Charaktere. Emmit macht was man ihm sagt, auch V.M. weiß wer im Rest des Hauses die Hosen anhat und schmeichelt sich kultiviert ein; selbst wenn er zum Kotzen geht (was wir im Moment wissen, wenn er danach fragt, weil das bereits vorher eingeführt wurde, ohne dass wir wüssten warum! Ein Charakter hat ein ungeklärtes Geheimnis! In D undenkbar, hier muss alles sofort klar gemacht werden. Was hat es damit auf sich? Hält er sich so schlank? Ein Hinweis auf die Römer, die gekotzt haben um danach weiterfressen zu können?) Aber kotzen wir weiter: der Landrat natürlich mit Sonnenbrille und Amaretto vs. V.M. im billigen Anzug und der Second-Hand-Krawatte. So haben wir ihn bisher immer gesehen, jetzt bekommen wir die Erklärung aufgetischt, und die ist brillant. Das deutsche Pendant tritt hingegen nur arrogant auf, weil wir Hierarchie nur so erzählen können dürfen wollen sollen. Es ist zum … aber das hatten wir schon. Der Landrat erzählt uns jetzt den Hintergrund vom Bürgermeister (was man dem ja wohl als einzigem im Raum nicht näher erklären müsste!!!! Ich könnte schreien über so eine gequirlte Sch…!!!!!), V.M. erklärt Emmit die Welt und nähere Zukunft einschließlich Fackeln und Mistgabeln. Zurück nach Bayern. Auch hier kommt jetzt das Thema: Flüchtlingsunterkunft. Gut gewählt, aber es wird nichts daraus gemacht. In FARGO kommtdabei auch ein Umschlag ins Spiel, aber man erfährt eben nicht(!) worum es geht, nur dass der Deal Emmit’s Kreditrahmen bei seiner Bank um 25 Millionen erhöht. Näheres erfahren wir nicht, und genau das macht es so unheimlich, weil es zum Himmel stinkt - aber hier ist es V.M. der seinen schlechten Atem mit Spray übertüncht. Ein Himmelweiter unterschied, die Ähnlichkeiten der Szenen jedoch verblüffend. Die Reaktion des Bürgermeisters: Er benennt den “politischen Supergau vor den Wahlen” - als wären uns die Wahlplakate nicht schon im (schlecht von EICHWALD MdB geklauten) Vorspann aufgefallen, die ansonsten nur unauffällig im Bild auftauchen … während V.M. sogar von der Briefmarke an der Wand wusste und noch den Restgeruch von Blut wahrnimmt. Einem (Immobilien?)Hai entgeht nichts und macht stets seine Abhör-Hausaufgaben, Emmit ist beeindruckt und eingeschüchtert, nimmt das Geld aber an und unterschreibt. Gut ist tatsächlich das “auf Eigeninitiative einreichen” des Landrats, womit die Bombe gelegt ist. Leider denkt der Bürgermeister noch laut nach, rechnet den Prozentanteil(!!! Wie im richtigen Leben, oder was?) Flüchtlinge auf Einwohner aus, man möchte heulen.

                                    Schauen wir noch kurz auf das Blocking der Szenen, die Bewegung der Figuren und Kamera im Raum zueinander, einmal elegant (der Halbkreis in den Chefsessel), einmal halt so, wie er immer im deutschen Fernsehen stattfindet - denn der Landrat begibt sich auch hier sehr wohl auf die andere Seite des Schreibtisches, aber man versäumt die Gelegenheit ihn dort wie selbstverständlich Platz nehmen zu lassen (vielleicht ist das besser so, sonst hätte der Bürgermeister bestimmt empört “Heh, des is aber mei Stui!” sagen müssen), weil man noch ein Requisit (Miniaturwindrad) einführen muss, das höher steht (ein Schelm wer glaubt die hätte man auch einfach auf den Schreibtisch stellen können). Wahrscheinlich für all diejenigen, die mit dem Wort “Windpark” nichts anfangen können und im weiteren Verlauf die nicht vollendeten Betonstehlen übersehen könnten, an denen der Bürgermeister vorbei fährt. Stünden sie auf dem Schreibtisch und würden dem Bürgermeister ständig umfallen, hätte man mehr erzählt - und subtiler. FARGO gibt hier seinem schlechten Klon Nachhilfe in jeder Hinsicht. Wie V.M. den Konflikt zwischen Armen und Reichen in wenigen Sätzen darlegt, lässt die Temperatur im Zimmer der Zuschauer absinken (Emmit erweist sich wieder mal als zu doof, liegt ja in der Familie). Das Blocking ist inspiriert, ebenso die Montage, die famos Recherchearbeit im mobilen Wohncontainer einstreut, während in Bayern brav Einheit von Ort und Zeit eingehalten werden.

                                    Deutschlands Filmemacher müssen nachsitzen und sich der Interpretation des Stasi-Offiziers aus dem Staffel-Prolog von FARGO anpassen. Mit dieser Szene wurde das Dilemma der hiesigen Fernsehproduktion vermutlich treffender beschrieben, als durch drölfhundert Feuilletonartikel die eh keiner liest. Die Autoren müssen Morde gestehen und in ihre Bücher schreiben, die sie nie begangen haben, das Butterbrotpapier war noch warm und packt doch immer nur wieder die gleichen Brotzeiten ein. Wer jetzt jammert, aber die haben ja ganz andere Mittel! - dem halte ich entgegen, dass es in Sachen zur Verfügung stehender Drehtage zwischen den beiden Serien kaum einen Unterschied gibt: die BR-Produktion ist mit ca. 2 Monaten für 6x45 Minuten im Rennen, also 45 Drehtage ( Quelle: https://www.lifepr.de/inaktiv/bayerischer-rundfunk/Willkommen-in-Hindafing-AT/boxid/606825 ), gegenüber 82 Drehtagen bei Fargo für 10 Folgen von im Mittel 55 Minuten ( Quelle: http://ew.com/article/2015/12/11/fargo-season-2-3/ ). Auf Sendezeit gerechnet sind das ca. 6 Minuten pro Drehtag (HINDAFING) vs. 7 Minuten pro Drehtag (FARGO). Sagen wir mal, dass sich das mit deren deutlich höheren Budget in etwa ausgleicht, während ich die garantiert geschobenen Überstunden der deutschen Crew verschweige, die es bei den amerikanischen Gewerkschaften niemals geben würde (vgl. aktuell in letzter Minute abgewendeten Autorenstreik). Nein, es bleibt dabei, wir Deutschen machen uns in die Hosen, aber kein gutes Fernsehen (mehr). Rant Ende.

                                    Äh … war noch was? Ach ja, das Gloria und die Polizistin über weibliche Hygieneartikel ins Gespräch kommen verknüpft sie natürlich perfekt mit Nikki. Mal sehen, was da noch kommt.

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                                    • ?

                                      Wie Michael Shannon vornübergebeugt dastehen, husten, den Schleimklumpen ausspucken und auf die Frage “You’re ok?” mit einem “Yah, I’m fine. Follow me.” antworten und als wäre nichts gewesen davon gehen. So würde ich meine Seherfahrung gerne zusammenfassen, muss mir aber leider ein paar Sätze mehr Zeit nehmen.

                                      Ein dummer Rachethriller (Tautologie, ich weiß) bleibt auch dann dumm, wenn er “intelligent” erzählt wird. Das will nur verschleiern, was er in Wahrheit ist, ein dummer Rachethriller eben, den man in seiner Reinform weder als Buch noch als direct to DVD unter die Leute bringen würde, aber zwei lahme, zusätzliche Erzählebenen .dazu mischen und schon wird daraus Kunst? Nein. Dieser dumme Rachethriller ist deswegen nur unehrlich, weiter nichts. Lieber würde ich Charles Bronson dabei zugucken, wie ein Mann ROT sieht. Nicht wie ihn das Rot sehen erst zum (natürlich einsamen) Mann macht (der nur dafür lebt es der Frau, die ihn verletzt hat zu beweisen, dass er einer ist). Kotzen möchte ich da. Vergeben können, loslassen, weiterleben? Wäre Susan ein echter Charakter, dann hätte sie spätestens ab der Reifenwechselgeschichte das Manuskript in den Kamin geworfen, sich Wein nachgeschenkt und einen guten Film geguckt, oder irgend etwas anderes gemacht, an dem sie mehr Freude gehabt hätte. Denn das titelgebende Buch ist einfach nur schlecht, seine Qualitäten behauptet. Ja, natürlich alles Metapher und Spiegelung der gemeinsamen Vergangenheit, in der dramatisierten Vorstellung von Susan. Tiefgang sucht man hier aber vergebens, die echte Susan wird verzweifelt gesucht (warum nichts von Madonna auf dem fantastischen Soundtrack von Abel Korzeniowski?). Natürlich betrügt der Bilderbuchgatte sie, für den sie die tolle Jugendliebe verlassen hat um eben doch nur so zu werden wie ihre Mutter. Küchenpsychologie 101.

                                      Der Film hat ein paar schöne Bildkompositionen, die Spiegelungen von ihrer Welt zu ihrer imaginierten(!) Version von ihrem Ex (oh ja, das ist sooo deep, I get it) aber dafür ist er an der Grenze zur Stümperei schlecht geschnitten, vor allem die erste halbe Stunde - unfassbar, kein Rhythmusgefühl, schlechte Anschlüsse, hektisch und so schlecht, dass es keine Absicht gewesen sein kann, die man sich hinterher schön redet. Nein, hier hat das Handwerk versagt, das auch die Gesamtlänge locker um eine halbe Stunde hätte verkürzen können. Am Ende möchte ich der bemitleidenswerten Amy Adams, die sich hier auch im Drehbuch vergriffen hat (Meta-Metaebene!) nur einen Song von Billy Joel vorspielen, der das alles (und noch viel mehr) besser und in unter acht Minuten erzählt: https://www.youtube.com/watch?v=JUz48xw_OiM

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                                      • Plot : Plot + Subplot + Subplot + Subplot - Charaktere * schicke Bilder = wieder nix

                                        Eine Verschwendung von Talenten und Gebühren, denn wieder dürfen Zuschauer nicht selber denken, sondern müssen alles in Dialogen vorgekaut kriegen, die man deswegen nur mit Bauchschmerzen hören kann. Manche Themen wären aktuell wie Arsch auf Eimer gewesen, wenn man sich nur wirklich dafür interessiert hätte, um der scheinheiligen Volksseele auf den Grund zu gehen, wie einst Helmut Dietl. Nach zwei Folgen dem tollen Soundtrack zum Trotz entnervt aufgegeben.

                                        EDIT: Kleiner Exkus/Vergleichsrant
                                        http://www.moviepilot.de/news/fargo-staffel-3-episode-4-fake-news-in-minnesota-189607/comments/1696069

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                                        • Wow, danke für den Tipp zu "All These Sleepless Nights", hab eben ein inspirierendes Interview mit dem Regisseur/Kameramann Michal Marczak gelesen: https://www.moviemaker.com/archives/moviemaking/an-interview-with-all-these-sleepless-nights-director-michal-marczak/ Werde schauen, dass ich den (Film & Kameramann) auf dem Camerimage Festival im November erwische. Hier der Trailer, falls wer wissen will worum es geht: https://www.youtube.com/watch?v=toRRACvGp60

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                                          • Breaking Bad war zumindest in der Form der flinken Finger von Huell präsent, der sich schon für den Austausch einer Zigarettenschachtel warm läuft und dafür seinen Akku auflädt. So groß die Genugtuung auch sein mag, das Chuck sich vor Gericht selbst demontiert, der Bruderzwist kann hier noch nicht zu Ende sein. Chuck sucht (und findet) die Schuld wieder bei anderen, und wenn er ihm nicht weh tun kann, dann wird er jemand anderen leiden lassen, und das dann Jimmy in die Schuhe schieben. Kim, sei wachsam. Michael McKean ist so gut als Chuck - ich vergesse jedesmal, dass er ihn nur spielt. Wie er sich Zuhause auf seine Vernehmung vorbereitet ... da läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Vor solchen selbstgerechten Menschen graust es mir, Gefangene ihrer eigenen Wahrnehmung, aus der es kein Entrinnen durch die Perspektive eines anderen Menschen gibt.

                                            Synchronizität der Woche: Regisseur Daniel Sackheim hat auch die Folge LEFTOVERS diese Woche inszeniert.

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                                            • Auch in Folge 2 kommt die Serie für mich nicht aus dem Quark. Der Quasi-Teaser auf dem Sklavenschiff war noch das Beste daran, weil hier zwischen Gott und Gläubigen verhandelt wird, da weiß man worum es geht. Du gehst zwar drauf, aber für ne weniger beschissene Sache? Irgendwas in der Art. Aber eine Ansprache, die es in sich hat, die sich mal für die Figuren interessiert, selbst wenn sie nur Kanonenfutter sind. Auf der Bildebene erreicht so jetzt nach der Holzschnittfigur der Wikinger eine Spinne die amerikanische Ostküste. Schön.

                                              Mittwoch-Wotan macht Shadow gegenüber aber immer noch nicht klar was das soll, was wir seit STRANGER THINGS treffend Plot-Blocking nennen. Das ist ein Problem, denn mit ihm sind wir aus dem Knast gekommen, aber er hat kein Ziel mehr, nur einen nicht weiter definierten Job, der angesichts der diversen göttlichen Einmischungen nicht gerade klarer wird. Schauspielerisch ist Ricky Whittle seinen Partnern auch (noch?) nicht wirklich gewachsen. Was finden die Götter denn an diesem Shadow, der hier zu ihrem Spielball wird? Warum, wieso, weshalb? Peter Stormare wirkt mit seinem aufgesetzten “ost-europäischen” Akzent leider auch eher wie eine Karikatur früherer skurriler Rollen, was sehr schade ist, außerdem erschließt sich Zuschauern der Zusammenhang mit seinem Bruder nicht, wenn man es sich nicht vorher angelesen hat (das Buch kenn ich leider nicht, bin mir aber sicher das mich zwei Stunden Neil Gaiman lesen deutlich besser unterhalten hätten als diese Adaption zu gucken). Gillian Anderson als Mediengöttin, der man als Zuschauer just in diesem Moment seine Aufmerksamkeit schenkt, übt als “Alle lieben” Lucy keine Bedrohung aus, man zuckt mit den Schultern und tja. Wie verspielt hätte diese Szene bitte sein können, auf allen Kanälen erst auf den zweiten Blick das gleiche Programm - vertane Chance, die Serie versprüht keinerlei Leidenschaft.

                                              Am visuellen Stil störe ich mich nicht, aber an einer überladenen Tonspur, die keine Stille kennt schon. Bei so einem Darstellerensemble darf man denen auch gerne mal mit Vertrauen begegnen. Von Ian McShane lässt man schließlich auch ein Telefonbuch vorlesen. Mir wäre es lieber, er würde uns Zuschauer (und Shadow) endlich darüber aufklären, was es mit den neuen und alten Göttern auf sich hat, damit die Serie nicht sinnlos weiter herum mäandert. Was steht auf dem Spiel? Die Welt? Das Universum? Eine Seele? Stattdessen müssen wir Shadow beim Dame spielen zugucken. Das lässt keine Spannung aufkommen. Man sieht ja nicht mal das Brett, sondern nur vermeintlich dramatische Züge. Shadow hat trotz Knasterfahrung keine schrägen Moves drauf, lässt keine Spielsteine wie Münzen über seine Finger wandern, um den Gegner zu verwirren, nichts. Stormare kaut nicht mal auf einem der geschlagenen Steine herum, wieder nichts. Das Gefühl, dass hier wirklich ein Leben auf dem Spiel steht kommt nicht ansatzweise auf, was für eine schwache Inszenierung spricht. Erschwerend hinzu kommt dann die wortlose Sequenz mit der Fruchtbarkeitsgöttin aus der ersten Folge, die hier völlig fehl am Platz wirkt, und vermutlich aus Zeitgründen aus dem Pilot geflogen ist und, nun ja, irgendwohin musste? Den Schnitt kann das auch nicht mehr ruinieren, der so unrhythmisch ist, dass es weh tut. Das war leider noch immer nix.

                                              Ich guck aber mindestens noch bis zum Auftritt von Crispin Glover weiter, der bei seiner Rollenwahl leider in etwa so viel Glück hatte, wie Bryan Fuller mit seinen Serienprojekten. Das macht mich alles sehr melancholisch, aber nur auf der Metaebene.

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                                              • Ein paar Mal ist es mir in dieser Folge schon fast auf den Keks gegangen, wie direkt die Dinge ausgesprochen werden, mit dem “nach oben gehen”, “wollen Sie das Geld mit in die Kiste nehmen” und und und - das ist ja schön und gut, aber irgendwann hört man das Echo der im High-Five des writer’s room aufeinander treffenden Hände durch, was mich diesmal kurz aus der fantastischen Folge geworfen hat. Was bei anderen Serien schon überdurchschnittlich wäre, bleibt hier eben fast hinter der Erwartungen zurück.

                                                Was mich beruhigt ist, dass die Autoren nicht beim “we’re a happy family” stehen bleiben, und darum ist Lilly nicht mehr da. Deswegen hat Nora gelacht, darum haben sie in einem Wickelraum am Flughafen Sex (das Zeichen im Hintergrund wurde beinahe scharf, in der Unschärfe sah es aber beinahe nach der Stellung aus, in der sie es miteinander getrieben haben - eine nicht minder traurige Szene dieser Folge, denn nach Leidenschaft sah das für mich nicht aus). Darum wird es auch nicht ein Kind sein, dass die beiden am Ende zusammen führt, sondern Liebe. Denn in dem Hotelzimmer kommt noch mehr heraus, und ich bin begeistert, dass sie die Sprinkleranlage/Rauchmelder Situation wie nebenbei in der zweiten Folge vorbereitet haben. Sowas bereitet mir Gänsehaut, und das gab es nur, damit uns dieses herzzerreißende Bild von Nora um so härter trifft. Jedenfalls ist es nicht ein Kind, dass die beiden brauchen, weder Lilly (was Nora Kevin ja vorhält) noch ein “eigenes”, noch eins von der Bushaltestelle. Erstmal müssen sie sich wieder als Eltern - nein Erwachsene - tauglich erweisen. Dabei waren sie beide es schon, durchaus erfolgreich, aber im Augenblick brauchen beide dringend Hilfe, die sie einander offenbar nicht geben können.

                                                Doch Kevin hat immerhin Recht mit dem was er sagt: Nora hält nichts auf Erden, sie war enttäuscht nicht mitgenommen worden zu sein, sie wäre sonst nicht zurück ins Hotel gekommen. Das die Frage nicht stimmte bzw. die Antwort darauf, war schon fast ein Taschenspielertrick - es sei denn Nora spürt sie doch noch auf. Es gibt keine richtige Antwort auf die Frage, das Wissen haben wir als Zuschauer aus der Wüste. Der Fehler ist aber vielleicht schon, dass man die Fragestellung an sich schon akzeptiert. Vielleicht war die Frau mit dem Baby an der Bushaltestelle Teil des Test, wie Nora vermutet - wäre sie mit dem Baby dort geblieben, oder hätte sie es in den Bus mitgenommen - war das die eigentliche Prüfung? Nein, denn die Prüfung ist das Leben selbst, wie schon die ganze Serie über. Man jagt Phantomen nach, den einen wie den anderen, es ist wie in den X-Files und Nora/Kevin verhalten sich dabei wie neurotische Zwillinge von Scully/Mulder: Sie gibt vor alles ganz streng wissenschaftlich zu sehen, und gesteht sich ihre Zweifel nicht ein, denn eigentlich will sie daran glauben (bzw. dran glauben); er verliert über das was er zu erleben glaubt den Verstand, weil er von allen damit allein gelassen wird - offenbart er sich, hängt er mit seinen eigenen Handschellen am Bett.

                                                Nora und Kevin müssen Wissenschaft und Glaube miteinander versöhnen, und was anderes als die Liebe könnte das leisten? Vielleicht hat Kevin Nora gerettet, indem er sie verlassen hat. Aber kann sie ihn retten? Muss es wieder die Frau sein, die den Mann rettet? Darauf läuft es immer hinaus, oder? Und das ist richtig so, ohne Frauen geht die Welt unter, ohne das Wirken von Frauen wird sie von Männern kaputt gemacht, immer. Nora wird Kevin retten, vor sich selbst. Sie wird sich entscheiden müssen, ob sie der dummen Strahlemaschine nachspürt, oder Kevin. Kevin war für sie in dieser Staffel ein aufgeschlagenes Buch, in dem sie nicht lesen wollte. Wir wissen, dass alles darin “stimmt”, aber sie will es gar nicht wissen, macht nur Witze darüber, dabei ist sie es, die innerlich leer ist und bleibt.

                                                Kevin kommt mit ihr mit nach Australien, weil sie das einzige ist, das ihn noch auf der Welt hält. Für sie ist er aus dem “anderen Hotel” zurück gekehrt, doch jetzt? Wieder bei Papa und Mama einziehen, ist nicht die richtige Antwort, wenn sich der als Abraham entpuppt, und man dann als Isaac auf der Wippe liegt und dem Wahn anderer geopfert wird.

                                                Aber wahrscheinlicher ist, das sich die Autoren selbst verraten haben, mit dem viel zu verräterischen “I’ll meet you on the other side.” am Flughafen - Nora findet die Maschine, dort gibt es eine Fehlfunktion und sie ist so scheintot wie Kevin auf der Wippe - und die beiden begegnen einander im Hotel (oder was immer es diesmal sein wird). Wie anders sollte Nora ihrem Kevin glauben? Dort müssen sie dann die Hosen runter lassen. Also die Autoren. Liebe im Jenseits, nachdem der Tod euch geschieden hat, so in etwa. Yepp, daran glaube ich jetzt. Mindestens bis nächste Woche :)

                                                Sorry für’s laut denken, das musste jetzt raus. Und wie man diese tollen Pfannkuchen macht, weiß ich jetzt immer noch nicht :(

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                                                • Regisseure bringen schon ihre eigene Handschrift mit, stellen diese aber in den Dienst der Serie, das ist Handwerk. Bei “Breaking Bad” stand auch Rian Johnson mehrfach hinter der Kamera, und auch bei “Game of Thrones” hat man sich mit Neil Marshall know-how aus der Kinowelt geholt.

                                                  WIchtig ist, dass sich die Regisseure in der Serie auskennen, die sie inszenieren. Das sind oft gerade die Darsteller/Stars selber, gerade wenn ihre über die Jahre und Staffeln gewachsene Macht (etwa als ausführende Produzenten) dazu einlädt - so hat auch Bryan Cranston mehrere Male bei “Breaking Bad” Regie geführt (wie schon bei “Malcolm in the Middle”) - was die älteren von uns noch von “Star Trek” kennen, wo es vor allem Jonathan Frakes war, der dort häufiger vor wie hinter der Kamera “Number One” war (und mit “First Contact” den vielleicht besten Spielfilm der Franchise inszeniert hat - mit “Insurrection” allerdings auch den womöglich schlechtesten).

                                                  Auch Showrunner/Autoren findet man immer häufiger auf dem Regiestuhl, ob etwa Matthew Weiner bei “Mad Men”, Chris Carter bei den “X-Files” oder Vince Gilligan, Thomas Schnauz und Peter Gould sowohl bei “Breaking Bad”, als auch bei “Better Call Saul” - gerade dort merkt man, wie sehr das zunehmend einem Familienunternehmen gleicht, das über die Jahre zusammengewachsen ist. Das gilt dann nicht mehr allein für die Regisseure (#MichelleMacLaren), Darsteller und Autoren, sondern das ganze Team, wie zum Beispiel auch deren früherer Chefkameramann Michael Slovis, der inzwischen mehr Regie führt, als Kamera.

                                                  Darum ist die Position hinter der Kamera bei einer Serie auch fast wichtiger, als die Regie, damit der Look ihren Wiedererkennungswert behält. Slovis war das bei “Breaking Bad” - “Game of Thrones” hat dort ein mehrköpfiges Team (weil auch stets mehrere "Units" gleichzeitig auf mehreren Kontinenten drehen), das ebenfalls seit der ersten Staffel dabei ist, und bei Bedarf oder Wunsch der Regisseure ergänzt wird. Aktuellstes Beispiel ist Reed Morano, die die ersten drei Folgen von “The Handmaid’s Tale” inszeniert hat, und sich den Kameramann ihrer Wahl ausgesucht hatte, der dann bei allen 10 Folgen hinter der Kamera stand: Colin Watkinson.

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                                                  • <3 Jenny put Läuse in Santa Cläuse!!! <3

                                                    Diese Folge hat mich wieder mit “Fargo” versöhnt, was daran liegen kann, dass man mit einer Carrie Coon Solo-Episode einfach nichts falsch machen kann (vgl. “Leftovers”). Sie trägt (wie ihr Vorname verrät) 303 im Alleingang und man könnte ihr in Zimmer 203 selbst noch beim Schlafen zusehen - das wäre vielleicht nicht gerade spannend, aber dennoch berührend. Und voyeuristisch, darum knipst sie ja das Licht aus.

                                                    Coon macht den Unterschied aus, sie fühlt sich lebendiger an, als die übrige Besetzung zusammen, oder geht das nur mir so? Vielleicht mit Ausnahme von David Thewlis, dem ich den Schnauzbart aus “Naked” zurück unter die Nase wünsche, damit man die schlimmen Zähne nicht mehr sieht - aber dann würde er ja nicht mehr so langsam sprechen.

                                                    “Fargo” ist eben doch mehr Projektion, als Unterhaltung, ganz wie im Kino, wenn der Film sprichwörtlich die Darstellerin überlagert, und der junge Autor alle Warnzeichen übersieht. Wir sehen was wir selber mitbringen, Nora aus “Leftovers”, Leland Palmer, den Marx Brothers Kalauer mit den “Bartender, I take two beers, too”, den angehaltenen Schulbus aus “Twin Peaks - Fire Walk with me” (der dort übrigens ebenfalls in Fargo steht), die Lobby-Glocke mit dem endlosen Nachhall aus “Barton Fink” bei der unheimlichen Writers Guild of America. Wobei letztere Erscheinung ausgerechnet in dieser Woche nicht anders als durch Quantenmechanik bzw. Synchronizität erklärt werden kann. Ob man nur den Schalter zum Öffnen der Schachtel wieder umlegen müsste, bevor sich die ihn gerade wieder ausgeschaltet habende Hand zurück in der Kiste verschwindet? Wahrscheinlich nicht, der Koffer bleibt halbvoll und Schrödinger* war nur zu müde das Katzenklo sauber zu machen.

                                                    * Vieles mag Schrödinger gewesen sein, aber bestimmt kein Katzen-Kenner. Denn jene in seinem Gedankenexperiment tut, was jede Katze in so einer Situation tun würde: Schlafen. Wir sind jedoch diejenigen, die nicht aufwachen.

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