jp@movies - Kommentare

Alle Kommentare von jp@movies

  • Toll. Und am Ende läuft es darauf hinaus wer sich die besseren Anwälte leisten, und mit ihrer "Hilfe" das Verfahren endlos in die Länge ziehen kann. Hm, lasst mich raten ... Alternativ bleibt natürlich ein außergerichtlicher Vergleich und ein dicker Teppich unter den man die ganze Angelegenheit kehrt.

    Diebstahl in der Kreativbranche ist leider üblich und wird zuweilen mit krimineller Energie betrieben, und es sind immer die bereits Etablierten, die am längeren ökonomischen Hebel sitzen und damit durchkommen. Ein bisschen abgeändert ist das dann plötzlich was völlig eigenständiges. Andersherum gilt das nie - da gilt dann auf einmal das Markenrecht und wehe man macht auch nur etwas entfernt ähnliches.

    Und die Öffentlichkeit? Schlägt sich meist auf die Seite derer, die zuerst groß rausgekommen sind, in diesem Falle Disney. Ist ja logisch, denn wäre der Film gefloppt hätte es die Klage nicht gegeben, oder? Oder?? Doch??? Vielleicht schon, aber dann würde garantiert nicht darüber berichtet werden. Öffentlichkeit ist für'n Arsch ohne Journalismus, der der Sache auch auf den Grund geht. Hamwa nich, jibts nich. Case closed.

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    • Als “CAST AWAY on ice”, könnte man dieses Frühwerk von Philip Kaufman pitchen, würde ihm so aber nicht gerecht werden, denn er kommt gänzlich ohne Volleybälle aus. Dafür gibt es reichlich echte Eskimos - präziser Inuit - zu erleben, die im dokumentarisch anmutenden Stil eingefangen werden. Aller Anmut zum Trotz wird hier aber “in echt” auf die Jagd gegangen, und das “ no animals were harmed in the making of this movie” kann man getrost streichen. Ich bin regelrecht erschrocken als ich begriff, dass hier nicht so getan wird als ob (ok, abgesehen von dem Eisbären). Willkommen in der Wildnis.

      Aufmerksam geworden bin ich auf den Film, weil ihn sein Kameramann Michael Chapman mir gegenüber im Interview als zu Unrecht in Vergessenheit geratene Perle erwähnt hat. Recht hat er. Zwar schickt einen die knappe Exposition fast auf eine falsche Fährte, weil man einen völlig anderen Film erwarten könnte, wenn die Walfänger am Anfang ihren kleinen Ahab machen. Der Film interessiert sich jedoch in Wirklichkeit für den Clash der Kulturen, den wir in unserer westlichen Überheblichkeit lange gar nicht als das wahrnehmen, was er ist: eine Invasion der Barbaren. Was die Inszenierung lange wunderbar hinbekommt ist, keine moralische Position zu beziehen, sondern die Beobachtungen für sich stehen zu lassen, was er (fast) bis zum Ende durchhält. Das ist spannender als "Nanuk, der Eskimo”, oder zumindest das Ganze in Farbe und mit Ton, stellenweise entwickelt der Film fast meditative Qualitäten, weil man nur noch zuguckt, sich auf das (fehlende) Tempo im Eis einlässt, und an den einfachen Dingen erfreut, wenn man mit im Iglu hockt. Genauso wenig wie dem jeder Walfänger gewachsen ist, wird es den Zuschauern gehen, die schon in den ersten Minuten nervös an ihren Telefonen herumfingern. Die werden mit diesem Film nicht glücklich werden. Aber einer von dreien ist wohl dabei, die bis zum Ende durchhalten. Für die lohnt es sich.

      Wer also einen spannenden Abenteuerfilm erwartet, ist hier fehl am Platz. Aber wer faszinierende Einblicke in das Leben der Inuit haben möchte, die es zum Teil wirklich in sich haben, den wird “Die weiße Dämmerung” nicht enttäuschen, wenn sie euch in den Rachen hechelt.

      Musik von Henry Mancini (!): https://www.youtube.com/watch?v=Oh7PtA6LReg (klingt kein bisschen nach Action, oder?)

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      • Kann überhaupt noch etwas schief gehen, wenn eine von Jack Nicholson gespielte Figur Buddusky heißt, Spitzname “badass”? In einer Szene hat er neben der in diesem Film obligatorischen Zigarre noch einen Joint in der gleichen Hand, und allein wie er das macht hat eine verblüffende Anmut, als hätte er nie etwas anderes getan. Nicholson glänzt in dieser Rolle, von dem Moment an wo er sich in seiner ersten Szene den Mund mit dem letzten Rest Bier aus der Flasche des Vorabends ausspült. Noch mehr als die wie Kinnhaken ausgeteilten Sprüche eines schon zu lange auf dem Trockenen sitzenden, desillusionierten Seemanns begeistern die stillen Momente, wenn man hinter jedem Blick die Gedanken rattern hört, oder ihn beim vergeblichen gegen die (echte) Kälte Anzittern zusehen darf.

        “I had it with me.”

        Wegen eines nicht einmal zustande gekommenen Vergehens wird der offenbar auf Knabberkram spezialisierte Rekrut Meadows (dessen Vornamen man erst später erfährt) von den zwei höchst unwilligen abkommandierten Seebären Mulhall (beim Bügeln eingeführt) und Buddusky ins Gefängnis überführt, wobei sie sich so viel Zeit wie möglich lassen, um so zusätzlich anfallende Spesen einheimsen zu können. Berührt von der Unverhältnismäßigkeit der Strafe und der jugendlichen Naivität des Verurteilten, machen sie sich nicht etwa auf die Suche nach einem Anwalt, der ihn aus der Sache raushaut, sondern arbeiten sich daran ab ihm die Annehmlichkeiten des Lebens, wie sie es kennen näher zu bringen. Das ist einerseits deprimierend, weil es über Alkohol und andere Opiate des Volkes nicht hinaus kommt, aber eben durch das bodenständige Spiel Nicholsons wunderbar komisch anzusehen. Für diese Rolle hat er die dann von Robert Redford gespielte in “Der Clou” sausen lassen. Allein dafür muss man ihm doppelt dankbar sein.

        “Chant your ass off, kid. But any pussy you get in this world, you gonna have to pay for, one way or another.”

        Die Sprache mag zwar nichts für Zartbesaitete sein, ansonsten sind die drei Herren aber recht handzahm unterwegs. Das Amerikabild kurz vor Watergate ist so desillusioniert wie trist, von Warten auf eine nicht eintretende Erlösung geprägt, und zum gesellschaftlichen Stillstand verdammt, ein Land in Schockstarre, und damit dem gegenwärtigen Zustand nicht ganz unähnlich. Eine Perle, die wiederentdeckt werden will, auch weil der junge Bryan Cranston dort kurz als Taxifahrer zu sehen ist. Nein, halt, das ist der Kameramann des Film Michael Chapman, der aussieht wie ein etwas jüngerer Bryan Cranston und danach für “Taxi Driver” von Scorsese hinter der Kamera stehen sollte. Trotzdem ist Bryan Cranston hier richtig, denn er hat gerade zusammen mit Laurence Fishburne und Steve Carell eine quasi Fortsetzung dieses Film unter der Regie von Richard Linklater abgedreht (“Last Flag Flying”). Da sage nochmal einer, das Universum habe keinen Humor.

        “Fuck help, fuck fair! Fuck injustice! Don't you ever just wanna fuckin' whomp and stomp on someone, bite off their ear, just to do it...? I mean just to do it, just to get it out of your system?”

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        • "100% Übereinstimmung mit allen Abstimmenden.
          Mehr als die Hälfte sind auch dieser Meinung."
          - Äh ... ach so, ja.

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          • *kicher*
            https://www.youtube.com/watch?v=ipObSiFHpyY
            <3

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            • Ich liebe Musik so sehr, dass ich eines Tages eigene komponieren werde, und mit meiner ansteckenden Art kann ich selbst einen Taubstummen zum dirigieren bringen.

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              • über Mommy

                Es gibt Phänomene, die mir selbst bei näherer Betrachtung verborgen bleiben, und so bleiben mir oft nur Vermutungen, auf denen die Beliebtheit mancher Filme möglicherweise beruht. MOMMY stellt für mich so ein Rätsel dar, Großteile meiner Freundesliste sind davon begeistert, andere lässt er kalt, und ich weiß im Augenblick selber noch nicht so genau, warum ich etwas darüber schreiben will. Vielleicht ist es genau dieses polarisierende Element, dass diesem Film innewohnt, oder dass es sich um meinen Erstkontakt mit dem Regiewunderkind XD handelt.

                Was ich an dem Film sofort mochte, war sein Format, weil man solch formale Risiken heute viel zu selten eingeht. Zu den beiden “Brüchen” komme ich noch. Überhaupt fand ich die Kameraarbeit sehr ansprechend, wenn nicht sogar das heimliche Highlight des Films, was aber nicht überrascht, denn André Turpin hat schon die frühen Werke von Denis Villeneuve veredelt, und das Prinzip mit seiner Kamera den Protagonisten ganz sprichwörtlich an der Schulter zu kleben, teilen (zumindest in diesem Film) beide Filmemacher miteinander. Auch das recht vulgär wirkende Französisch hatte was, denn es unterstreicht den “Unterschichtscharakter” der Helden, wie man es ähnlich unverständlich auch bei Ken Loach vorfinden und hören könnte (nur eben im englischen Pendant-Dialekt). Auch die Darsteller überzeugen, und damit automatisch auch die Schauspielführung.

                Wo mich der Film aber verliert, ist sein Drehbuch und der Schnitt. Über letzteres kann ich hinweg sehen, weil die Bilder überzeugender sind, als das gelegentliche Abdriften in Musikvideokonventionen, aber gepaart mit der schrecklichen Musikwahl gaben mir diese Stellen dann den Rest. Dido und Oasis? Bei “Wonderwall” will ich kotzen, dafür kann Dolan nichts, aber 2x Gallagher geht gar nicht, sorry, und komme mir keiner damit, dass ja die Texte so toll passen. Das ist der Job eines Musikvideos, aber nicht unbedingt wenn man gerade einen Film guckt (und nicht Edgar Wright, Martin Scorsese oder David Lynch heißt), da beißt sich die Form, und darum ist für mich das “ins Breitbild” aufschieben an der Stelle auch verschenkt, denn es ist nur ein Musikvideogag (habe ich 2001 auch gemacht, ja und?) - spannender war wie es wieder zu ging, wenn die Mutter mit dem Anwaltsschreiben im Flur steht. Beim zweiten Mal dann, war es auch besser, weil es die Phantasie-Montagesequenz war, wie das Leben hätte sein können, ehe es wieder auf die Wirklichkeit zusammen schrumpft. Aber hier wird auf die Interaktion verzichtet, der Film ist sich sozusagen nicht seinerselbst bewusst, was mich bei “Wonderwall” sehr abgeturnt hat.

                Aber ich wollte auf das Drehbuch hinaus, und das beste Beispiel ist dann vielleicht die Andrea Bocelli Karaoke-Nummer. Ist das absichtliches Versagen, wohl wissend, dass sich Idioten darüber echauffieren werden, was einem dann die Begründung liefert auszurasten, weil die haben ja angefangen? Oder soll das die Aufmerksamkeit von Mutti auf sich ziehen? Dafür hätte der Film selber aber bereits früher ein besseres Stück eingeführt gehabt, von dem Papa-Reise-Mix, um die Famile zu beschwören, und den “falschen” Papa zu verscheuchen. Es ging also nur um einen Vorwand um auszuticken, und die Regie macht mit, indem sie die Deppen als eindimensionale Deppen vorführt. Genau an solchen Sachen störe ich mich, ich will in kein “das geschieht euch ganz Recht” Gefühl manipuliert werden - Idioten gehören einfach stehen gelassen und fertig. Mutiger gewesen wäre z.B. “Mama” von Genesis: https://www.youtube.com/watch?v=Ccs2rt0oSzQ Stellt euch das bitte mal kurz vor. Sich nicht selbst als Opfer inszenieren um dann Fressen zu polieren, sondern den Ödipus-Subtext mal an die Oberfläche spülen, Mutti als sich gerade für ihren Sohn prostituierende entlarvend.

                Und so geht es mir die meiste Zeit; wann immer es “spannend” wird, rettet sich der Film in eine Montagesequenz, etwa wenn sich die ersten Lernerfolge einstellen - da wird ein Buchdeckel zugeklappt, man lacht und alles ist toll, Lernen macht Spaß. Das mag ich nämlich so recht nicht glauben. Lieber hätte ich das sich gegenseitige Angekeife in einer Montagesequenz gesehen, und genauer hingesehen, wenn sich verwundete Seelen einander vorsichtig öffnen. Die Lehrerin von Nebenan ist ja vermutlich selber Opfer von ähnlichen Schülern gewesen, auch wenn das nie gesagt wird. Aber warum sie sich zu diesen beiden so hingezogen fühlt, ohne dass sie auch nur 1x von ihrer eigenen Familie damit konfrontiert wird, ist ein Versäumnis, das ich dem Drehbuch übel nehme. Ich habe darauf über 2 Stunden gewartet, es war vorbereitet, aber wurde nie eingelöst. Was bleibt ist also der SIE KÜSSTEN UND SIE SCHLUGEN IHN Plot, ohne jemals die Leichtigkeit von Truffaut zu erreichen. Bei ihm haben alle Figuren Ambivalenzen, man erlebt Mutter, Stiefvater, Lehrer und Mitschüler auch mal als hilfsbereit - genau das macht den Film manchmal so unerträglich, man kann sie eben nicht hassen, und bewundert vor allem den Jungen, der das alles erduldet, erträgt und sich anzupassen versucht, und ein Stückchen Freiheit selbst noch in der Zentrifuge findet. Aber in MOMMY erleben wir kaum gesellschaftlichen Druck auf Steve, und wenn dann stellvertretend über seine beiden Mütter. Der Traum von Studium und Hochzeit ist konservativ und altmodisch, kein Ausbruch aus gesellschaftlichen Zwängen, sondern wird durch das sich öffnende Format(!) auch noch gefeiert - aber ist es sein Traum? Wenn ja, dann ist das ganz schön armselig. Also wenn man schon an der Bruchstelle der Gesellschaft steht, so unvereinbar mit den eigenen Träumen wie Strand und Meer, dann ist ein Oasis-Video das Allerletzte, das mir Trost spenden würde. Nein danke. Ihr findet mich im Meer.

                Ich glaube in Dolan steckt durchaus ein talentierter Filmemacher, und ich gucke gerne in fünf Jahren einmal wieder nach, wie er sich so macht. Bis dahin bleibe ich lieber bei Truffaut und zucke mit den Schultern über das zu kurz geratene Gedächtnis von Cannes.

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                • HAROLD AND MAUDE, wohl auch weil es das schönste Filmende ist, das ich kenne*.

                  * halt bitte die Klappe, BIRDY (du hast dann eben das perfekteste Ende)

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                  • Also was ich mir sofort ansehen würde wäre ein Indie-Film über die Arbeit in genau diesem writers room. Na, ok, der bei Universal könnte ebenso spannend sein. Wie sie heimlich auf die Möglichkeiten des Fernsehens schielen, wo alles viel schneller geht, dann die Studio-Notes, wo alles noch größer werden muss, aber nicht zu teuer werden darf, Stars, die man sich nicht mehr leisten kann aber noch am Leben sind, zerstörte Städte, Träume und Kontinente, Lebensunterhalt aber kein Leben.

                    Wer soll da Regie führen? Wes Anderson? Bloß nicht. Die Cohens? Hm ... was meint ihr?

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                    • Ich könnte Tage damit verbringen Susan Sarandon Zigaretten anzuzünden und ihr dann beim Rauchen zusehen! Doch glücklicherweise oder leider tut mir Ryan Murphy diesen Gefallen nicht, sondern verhaspelt sich ähnlich wie in AMERICAN HORROR STORY in ärgerlich überschnittenenen Szenen und gelegentlichem Einsatz von zu weitwinkligen (weil verzerrenden) Objektiven, die grundlos untersichtige Bilder einfangen. Wenn das zu keinem Mehrwert beiträgt, dann nervt es nur, vor allem weil es die fast durch die Bank großartigen Darsteller nicht zur Geltung kommen lässt. Wann immer die Kamera in längeren Einstellungen draufhalten darf, entfaltet sich sofort ein unwiderstehlicher Charme, der einem vor Augen führt was für ein großartiges Projekt FEUD hätte sein können, wenn man dann nicht wieder in ein sich selbst übertrumpfendes Einstellungsgewitter verfallen würde. Das wirkt manchmal so, als hätten zwei Cutter an der gleichen Folge gearbeitet, ohne sich miteinander absprechen zu dürfen. Das hat einen unangenehmen Beigeschmack, der mich in etwa so ratlos und angeekelt zurücklässt, wie die zuvielte Partyzigarette.

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                      • “In meinem Kopf tanzen die Teufel wahrscheinlich für alle Zeit in ausgewaschenen Farben und Schlieren, auf der Suche nach 44 Sekunden kurz vor Bandsalat.” - Hach, da werden Erinnerungen wach! An Nächte, in denen an Schlaf ohnehin nicht mehr zu denken war, und man zur eigenen Beruhigung mit den VHS-Kassetten herumklapperte, was die bösen Geister vertrieb oder wenigstens im Zaum hielt.

                        Was man den Jüngeren auch noch erklären muss ist, dass es solche 44 Sekunden in sich haben, denn es ist nicht damit getan am Anfang des Films den Zähler auf Null zu stellen, und am Ende einfach die Gesamtspielzeit zu vergleichen - nein! Mathematik spielte eine große Rolle dabei, denn die meist aus England stammenden Kataloge wiesen andere Laufzeiten auf, als jene, die in Deutschland erhältlich waren, obwohl es um die gleichen Filme ging. Meistens waren diese Laufzeitunterschiede aber nicht am Film selbst zu erkennen - vor allem dann nicht, wenn man eine NTSC-Videokassette in einen PAL-Rekorder schob :) Das sind Enttäuschungen, auf die man oft wochenlang gewartet hat. Dafür prägt sich einem dann ein, das es bei einem zweistündigen Film einen Unterschied macht, ob man einen Film mit 24 (bzw. 29,97 wenn es um NTSC geht und man präzise sein möchte - da kommt man auch mit Matheabi ins Schwitzen) oder 25 Bildern in der Sekunde sieht, nämlich fast 5 Minuten. SECAM anyone? Das hat mich bei der Jagd auf die ungekürzte Fassung von BRAZIL beinahe zum Wahnsinn gebracht (ja, gut, vielleicht auch darüber hinaus), und da kam auch noch eine Laserdisc mit ins Spiel … und hier entpuppte sich die Zensur als eine halbe Szene, in der jemand “Alles gute zum Geburtstag” sagt und man eine … Klempnerritze sieht. Das hat genügt um bei TV-Ausstrahlungen zu fehlen, und selbst im Kino gab es in Deutschland Vorführkopien, wo dieses Fragment fehlte.

                        Das machte die Frage nach dem “Warum wurde das denn geschnitten?” meist interessanter als die banale Antwort darauf. Als spannender erwies sich oft die Schnitzeljagd nach dem “Wo wurde geschnitten?”. Es ist ja nicht immer so einfach, dass einfach nur eine Szene mehr drin war und damit hatte es sich. Manchmal ging es um Einstellungen, die nur ein, zwei Sekunden länger stehen blieben und sich auf die Gesamtlaufzeit gerechnet summierten, oder noch schwieriger: im Fall von etwa dem “Kettensägenmassaker” gefühlt mehr gezeigt haben als tatsächlich je zu sehen war, einem also das eigene Kopfkino Streiche gespielt hat und man mit den Kumpels immer wieder über die gleichen Szenen in Streit geriet, ohne mal eben auf youtube nachgucken gehen zu können um ihn ein für alle mal auf Faktenbasis beilegen zu können. Vor allem lehrt einem so eine Erfahrung eine Mischung aus Geduld, Neugier und Hartnäckigkeit, die sich auf Dauer nur mit einer Prise Humor (und viel Bier oder billigem Wein) ertragen lässt. Als Nebeneffekt kann einen das so geschulte Auge auch berufliche Perspektiven eröffnen, und man wird (Ironie on) selbst zum Filmchirurgiemeister*.

                        * Wenn man Pech hat, dann auch zum Schlechtschlächter am Schächtesten.

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                        • Vielleicht verwechselt Damien Chazelle ja nur Neil mit Louis Armstrong? Also Pauken und Trompeten mit Astronauten und Raketen? Kann passieren :)

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                          • Oha, du hast dir einen Szulkin angetan und findest drei Worte um den Film zu beschreiben, wo eins (bedeutungsschwanger) für das ganze Œuvre des Regisseurs reichen würde? Was ich an ihm schätze ist die Dickköpfigkeit mit der er SciFi-Filme gemacht hat, zu einer Zeit wo es schon schwer genug war überhaupt welche zu machen, aber gute Filme wären mir lieber gewesen. Vielleicht habe ich aber auch nur ein Trauma, weil ich die Trilogie, aus der jener Film stammt innerhalb von 24 Stunden gucken und Trailer dazu schneiden musste.

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                              "GET OUT is one of the great horror films that will terrify people long after they see it." - William Friedkin

                              https://twitter.com/WilliamFriedkin/status/838614443265138689

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                              • An alle die meinen das sei alles von STRANGER THINGS geklaut: In Auftrag gegeben wurde DARK vor einem Jahr, also weit vor der Ausstrahlung - beruhigt euch mal:
                                http://www.dwdl.de/nachrichten/54783/dark_netflix_bestellt_erste_deutsche_serie/

                                Gepitcht haben müssen sie es folglich vorher, origineller macht das allerdings noch keine der beiden Serien. Vor allem dann nicht, wenn es verdächtig nach dem Crowdwriting-Konzept klingt, das wir hier auf MP vor drei Jahren quasi öffentlich geschrieben haben - wer mal kurz vergleichen möchte:
                                http://www.moviepilot.de/news/w-das-crowdwriting-projekt-125735/seite-2

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                                • https://www.youtube.com/watch?v=kr6aYjtT288
                                  90% natürliches Licht*. Total unüblich. Schon klar. Und geringe Schärfentiefe ist seit diesem Film eine "ästhetische Revolution". (Kopfschüttel)

                                  * nein, die verbliebenen 10% sind deswegen noch lange kein Schwarzlicht oder Voodoozauber.

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                                  • Herr! Schmeiß Trude Herr vom Himmel! Oder Hirn, lass Blut regnen, Hauptsache niemand wird geschont. Nein, keine Sorge, ich werde mich nicht aufregen, sonst hält man mich für einen Improvisationsschauspieler, der seine Mitspieler anschreit, weil so geht Emotion. Also im ersten Take, dann sollte der Spielleiter eingreifen, man nimmt sich ein bisschen zurück und löst das dann im Schnitt in Wohlgefallen auf. Nicht? Oh. Ich möchte gar nicht wissen wie viele Stunden Material es hier zu bewältigen galt, entsetzlich viel, keine Frage, das merkt man diesem Tatort von vorne bis hinten an, der für mich leider nirgendwo richtig funktioniert hat.

                                    Mit Impro-Filmen habe ich kein Problem, ganz im Gegenteil, die können durchaus ihren eigenen Charme entwickeln, wenn die Improvisation Raum einnehmen darf, also nicht nur an den Schauplätzen, sondern vor allem zeitlich. Die Einstellungen muss man auch stehen lassen können, damit sie Charme verströhmen, aber hier wird geschnitten wie bekloppt, und mit klassischer Musik zugekleistert, wo die Tonmischung nicht mehr hinterher kam (mein Beileid an die Kollegen, die sich damit herumgeschlagen haben). Solch extreme Sprünge von Links oder Rechts auf Mitte habe ich Ewigkeiten nicht gehört, und das Grading des, äh “blauen Wachsfigurenkabinetts” war der nur noch schwer zu unterbietende, ästhetische Peinlichkeitsgipfel. Schlimmer fand ich ironischerweise nur noch die klassisch mit dem Tatort assoziierten Erklärdialoge à la ich stell mich mit meiner Berufsbezeichnung vor (“Sperling, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Abteilung Zwo.”), es wird wiederholt was man eben erst gesehen hat (“Im Theater. Da waren sie doch gestern?”) und die Informationsvergabe kriegt man links wie rechts um die Ohren geschlagen (“Hör zu, seit fünf Jahren verstecken wir uns, ok? Dann entscheid dich endlich für mich, bitte …”) - oh ja, klingt alles gleich viiiel natürlicher, wenn es im Dialekt dagergebrabbelt wird. Nicht. Womit ich wieder beim Schnitt wäre, wo derlei unter den Tisch hätte fallen müssen. Wer da jetzt spät die kalten Füße bekommen oder sich bei der Inszenierung (Verzeihung: Spielleitung) übernommen hat, weiß ich nicht, aber “Ich fühl mich Disco” hatte das z.B. nicht nötig. Ich steck da nicht drin.

                                    Für mich funktionieren viele Szenen einfach nicht, weil sie so gehetzt daher kommen, man ihrem Schnitt aber anmerkt, dass da viel mehr Material war. Allein für die Sekunden, in denen die Zwillinge so wunderschön langsam am einpennen sind, müssen Stunden vergangen sein. Dreht ihr mal mit Kindern, während ihr mit interessantem Spielzeug vor ihnen herumfuchtelt! Been there, done that. Aber selbst eine Montagesequenz wie das Verhör des Ensembles nimmt keine Fahrt auf, sondern dauert nur viel zu lange. Was für mich blieb sind Momente der Fremdscham, die die mutigen Darsteller nicht verdient haben. Der Schnitt hätte sie in Schutz nehmen müssen, hätte dafür aber wahrscheinlich ein halbes Jahr länger gebraucht, lieber SWR. Ob man dort dem zweiten(!) Ranisch-Tatort “Waldlust” mehr Zeit geben wird? Hoffentlich, denn dieser hier war eine Zumutung.

                                    Den Mut des SWR würde ich ja eigentlich gerne loben, aber dazu hätten sie nicht erst bis Berlin gehen müssen, sondern hätten im eigenen Ländle fündig werden können, wo doch einer der profiliertesten Improvisations-Filmemacher mit mehr Film-Erfahrung als Axel Ranisch zu finden gewesen wäre. Tja, wie es halt so geht, den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Und nach dieser Nummer wird es auch länger keine “Experimente” mehr geben, nicht wahr? Ganz schön traurig. Hoffentlich hatten wenigstens die Beteiligten während des Drehs ihren Spaß - die Postproduktion hatte sicher keinen.

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                                    • Wer nach der heutigen Nacht sauer auf Warren Beatty ist (der hier nicht mal ein Foto hat!!!) möge sich bitte "McCabe & Mrs. Miller" anschauen, danach verzeiht man ihm nämlich einfach alles.

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                                      • "Es ist schon so verdammt schwer überhaupt einen guten Film zu machen, entsprechend schwerer verhält es sich mit Meisterwerken. (...) So viele Elemente spielen eine Rolle, die etwas herausragend und gut machen, während es so leicht ist alles in den Sand zu setzen, darum gibt es ja im Schnitt so wenige gute Filme, das ist richtig deprimierend, wenn man mal darüber nachdenkt! (lacht) Es ist sehr wahrscheinlich, dass man ins Kino geht und bei zehn Versuchen nur einmal einen guten Film erwischt. Das ist ganz schön niederschmetternd."

                                        Mit Interviews verhält es sich möglicherweise ähnlich, dieses hier führte ich mit Eduard Grau 2015, ab sofort hier online lesbar: http://www.kameramann.de/produktion/ein-plaedoyer-fuer-16-mm/

                                        Zu welcher Gruppe dieses Interview gehört, müsst ihr schon selbst herausfinden : )

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                                        • Bei Serien fallen mir TRUE BLOOD, TREME und RECTIFY ein. Und natürlich die erste Staffel von TRUE DETECTIVE.

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                                          • Ein ausgewogenes Fazit, das der Berlinale ebenfalls gerechter wird, als was man andernorts lesen kann - vielen Dank dafür und wieder gleich mehrere preisverdächtige Sätze, sowie einer (wie ich annehme) einleuchtenden Wortneuschöpfung "phräsend", wenn du es von Phrasendrescher anstatt der Fräse ableitest. "Phräsende Geräusche" habe ich gestern auf der MP-Party gelegentlich auch im Ohr gehabt und dann das rettende Weite gesucht (und gefunden). Bevor ich jetzt noch selber rumphräse, mach ich hier lieber Schluß.

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                                            • Entflauschungsassistentin? Als dein stellvertretender Beflauschungsmanager beschleicht mich die Vermutung, dass es hinter meinem Rücken Umlauschungsaktionen gibt, die vorsätzlich vor mir verborgen werden! Am Samstag will ich die Flauschunterlagen einsehen und eine Plüschprüfung durchführen, die sich gewaschen, geschleudert und getrocknet hat! So.

                                              Danke für dieses kuschelige Special, als frisch gerohschachtesteter “moviepilot-Pate” mache ich euch am Samstag meine Aufwartung einschließlich Ölfilm- und Projektorlampenwechsel. In diesem Sinne: im Regieraum brennt noch Licht.

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                                              • Immer diese Exzentriker unter den Filmemachern mit ihren absonderlichen Wünschen. Weltpremiere auf 35mm projiziert? Auf?? Das ist ein Maß an Bescheidenheit, wie ich es der Filmindustrie nicht zugetraut hätte! Das Gedränge um überhaupt einen Blick darauf zu erhaschen hätte ich mir gerne angesehen =)

                                                Wahrscheinlicher ist aber leider, du meintest eine 35mm Projektion, was dann zwar charmant, aber eben fast schon wieder langweilig klingt.

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                                                • ?

                                                  Anstrengendes Belehrdrehbuch mit gelungener, dringend nötiger, viel zu spät kommender Wendung, nur um es dann auf den letzten Metern komplett zu versemmeln.

                                                  Bonuspunkt für das "Jesse Jackson 1988" T-Shirt.

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                                                  • Nominiert für den Satz des Jahres: "Nur erscheint mir die Tatsache, eine Filmmutter könnte nach Richard Gere einen weiteren Menschen gebären, wie der Pitch eines Fantasy-Films." #goJennygo

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