Kirsten Liese — Als Freund hinzufügen
Kirsten Liese aus Berlin heißt Kirsten Liese, ist 46 Jahre alt. Sie hat sich 2008/06/24 10:03:11 auf moviepilot angemeldet und hat schon unglaubliche 920 Filme bewertet und legendäre 255 Kommentare geschrieben. Kulturjournalistin Mehr
| Name | Kirsten Liese |
|---|---|
| Alter | 46 |
| Stadt | Berlin |
| Geschlecht | weiblich |
| Schreibt sonst für | BR Online, Kinofenster, Darmstädter Echo, Menschen Machen Medien, WDR |
| Meine Lieblingsschauspieler: | Arletty, Anna Magnani, Marlene Dietrich, Vivien Leigh, Glenn Close, Nina Hoss, Jeanne Moreau, Angelika Domröse, Angela Winkler, Sandrine Bonnaire, Isabelle Huppert, Charlotte Rampling, Jean Marais, Laurence Olivier, Kenneth Branagh, Luigi Lo Cascio, Daniel Auteuil, Henry Hübchen, August Diehl, Walter Kreye |
| Meine Lieblingsregisseure: | Georg W. Pabst, Fritz Lang, Helmut Käutner, Marcel Carné, Luchino Viconti, Luis Bunuel, Alfred Hitchcock, David Lynch, Louis Malle, Patrice Leconte, Claude Chabrol, Margarethe von Trotta |
| Über mich | Kulturjournalistin |
Boxhagener Platz
Kirsten Liese 7.0 "Sehenswert" 2010/03/05 15:51:18
[...]Matti Geschonnecks „Boxhagener Platz“, eine zärtlich-ostalgische Krimi-Komödie à la „Sonnenallee“ um eine vergangene Jugend in den späten sechziger Jahren in Ostberlin. Ein Hauch von Defa umgibt diesen [... hochkarätig besetzten… — Mehr
[...]Matti Geschonnecks „Boxhagener Platz“, eine zärtlich-ostalgische Krimi-Komödie à la „Sonnenallee“ um eine vergangene Jugend in den späten sechziger Jahren in Ostberlin. Ein Hauch von Defa umgibt diesen [... hochkarätig besetzten Ensemblefilm. Sie alle sind couragierte, leicht verschrobene Persönlichkeiten, die ihren eigenen Kopf, auch ihre persönlichen Neurosen haben, gefährliche Balanceakte wagen, auch mal etwas sagen, was die Stasi in den falschen Hals kriegen könnte. Und doch die ganz große Wucht fehlt diesem Film, dem man auch anmerkt, dass er in Studiokulissen gedreht wurde.
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Das Bildnis des Dorian Gray
Kirsten Liese 3.5 "Schwach" 2010/03/04 14:27:28
Mit Oscar Wilde hat diese oberflächliche Adaption herzlich wenig zu tun. Es ist der missglückte Versuch, den Roman mit Stilmitteln des Fanatsy und Science Fiction zu erzählen. Zu sehen gibt es viel Blut und ausschweifige Sexszenen. Pure Langeweile.
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Der Räuber
Kirsten Liese 7.5 "Sehenswert" 2010/03/04 13:56:17
Es ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die man erfinden müsste, wenn sie sich nicht in Wirklichkeit so oder so ähnlich zugetragen hätten: Ein Mann trainiert im Gefängnis, und als er auf Bewährung frei kommt, lässt er bei einem Maratho… — Mehr
Es ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die man erfinden müsste, wenn sie sich nicht in Wirklichkeit so oder so ähnlich zugetragen hätten: Ein Mann trainiert im Gefängnis, und als er auf Bewährung frei kommt, lässt er bei einem Marathon alle anderen Läufer weit hinter sich, macht Staunen mit seiner Ausdauer und einem rasanten Tempo, das er bis zum Endspurt durchhält. Doch mit einer solchen Sensation gibt sich der frisch Entlassene nicht zufrieden. Erst ein erneuter Banküberfall gibt ihm den ersehnten Kick. Ein bemerkenswert rastlos-hektischer Film ist „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg [...].
Der Serienräuber und Marathonsieger Johann Kastenberger alias „Pumpgun Ronnie“, der 1987 die größte Polizeiaktion Österreichs auslöste, war das Vorbild für den Titelhelden, im Film heißt er Johann Rettenberger. Eine Identifikationsfigur ist er nicht, dieser unbelehrbare Kerl, der, kaum auf freien Füßen, gleich wieder kriminelle Energien entfaltet, nichts von sich preisgibt, alles abblockt, was ihm helfen oder dem Zuschauer begreifbar machen könnte, warum er nur diesen und keinen anderen Weg für sich finden kann, zumal ihn die reiche Beute sowieso nicht interessiert.
Man erfasst nur, wie dieser Besessene tickt, der kein Risiko scheut, einmal sogar dreist drei Banken an einem Tag ausraubt, auf spektakuläre Weise gar noch einmal davonkommt, wenn eigentlich gar kein Davonkommen mehr denkbar ist. „Der Räuber“ ist der atemloseste Film seit „Lola rennt“, fast erschreckend in seiner stilistischen Präzision, ein starkes Stück Kino.
(Rhein Neckar-Zeitung)
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Unsere Ozeane
Kirsten Liese 8.0 "Ausgezeichnet" 2010/02/22 13:04:52
"Was ist das – ein Ozean?" fragt ein Kind. Der Mann an seiner Seite findet keine richtige Antwort. Man muss vielmehr tief ins Meer eintauchen, um ahnen zu können, welche Schönheit sich dort offenbart, welch ungeheurer Reichtum an Art… — Mehr
"Was ist das – ein Ozean?" fragt ein Kind. Der Mann an seiner Seite findet keine richtige Antwort. Man muss vielmehr tief ins Meer eintauchen, um ahnen zu können, welche Schönheit sich dort offenbart, welch ungeheurer Reichtum an Arten es dort zu entdecken gilt. Und da dieses Privileg nur wenigen vergönnt ist, nehmen Jacques Perrin und Jacques Cluzaud uns mit auf ihre lange Entdeckungsreise an 54 Orte rund um den Globus.
Vier Jahre lang waren Cluzaud und Perrin mit einem imposanten Team von Tauchern, Technikern und Wissenschaftlern unterwegs. Ihr Weg führte von Cornwall bis Neukaledonien, von Alaska bis in die Karibik, von der Monteray Bay in Kalifornien bis nach Argentinien.
Kaum möglich, alle Kreaturen aufzuzählen, die sie vor die Kamera geholt haben. Delfine pflügen mit irrwitzigem Tempo durch die Wellen, Robben entspannen sich beim Mittagsschläfchen, Fische formieren sich zu turbinengleich rotierenden Schwärmen, dann fegen hungrige Haie mitten durch diese Schwärme hindurch. Und tonnenschwere Wale tauchen an der Wasseroberfläche auf. Daneben findet sich eine Vielzahl an exotischen Unikaten und skurrilen Kleintieren in den apartesten Formen und schillerndsten Farben. Aus dem Staunen kommt man nicht heraus.
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Waffenstillstand
Kirsten Liese 8.0 "Ausgezeichnet" 2010/02/20 13:21:43
Sollen wir uns als Europäer in die Kriegspolitik der Amerikaner einmischen? Das ist eine von vielen Fragen, die Lancelot
von Nasos bewegender, großartiger Film
"Waffenstillstand“ aufwirft, der idealistische Ärzte und Journalisten ins Zentrum rückt, die während des Irakkriegs ihr Leben
aufs Spiel setzen, um schwer verwundeten Zivilisten zu helfen.
Beitrag zum Saarbrücker Max-Ophüls Festival
(Rhein-Neckar-Zeitung)
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Die Friseuse
Kirsten Liese 7.0 "Sehenswert" 2010/02/20 11:38:50
Fröhlich, selbstbewusst, humorvoll und ungemein couragiert ist diese Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Eine Persönlichkeit, die weder überlastete Arbeitsämter, noch ein kreditunwürdiges Bankenwesen einzuschüchtern vermögen. Und der… — Mehr
Fröhlich, selbstbewusst, humorvoll und ungemein couragiert ist diese Frau, die sich nicht unterkriegen lässt. Eine Persönlichkeit, die weder überlastete Arbeitsämter, noch ein kreditunwürdiges Bankenwesen einzuschüchtern vermögen. Und der im Alltag noch ein anderes Problem sehr zu schaffen macht - ihr Übergewicht: Kathi König, mit Mut gespielt von Gabriela Maria Schmeide, muss sich morgens an einem Seil aus dem Bett hochziehen, ächzt und stöhnt, wenn sie die Treppe bewältigen muss, weil der Aufzug versagt und passt auch nicht so ohne Weiteres durch jede Tür. – Nicht weil diese Frau krank wäre, sondern einfach, weil es ihr schmeckt. Und ein wenig wundert man sich schon, warum dieses sonst so pfiffige, ehrgeizige, liebenswerte Original nicht den geringsten Gedanken daran verschwendet, ein paar Pfund abzunehmen. Vermutlich deshalb, weil es Dörrie um die Akzeptanz von Dicken geht und ihre Anklage einer Gesellschaft gilt, die Übergewichtige belächelt. Bei einem Vorstellungsgespräch muss sich Kathi brutal ins Gesicht sagen lassen, dass sie nicht ästhetisch ist und deshalb ungeeignet für ihren Beruf. Während viele Andere das entmutigen würde, will Kathie daraufhin erst recht einen eigenen Salon eröffnen.
Natürlich beschäftigt einen die Neugier, ob denn Gabriele Maria Schmeide in Wirklichkeit so korpulent ist. Auf der Berlinale-Pressekonferenz ist zu erfahren, dass sie sich eigens 45 Pfund für diese Rolle angefressen hat, außerdem gab es ein Double für einige Nacktszenen. Über diese Bilder ließe sich diskutieren. Es ist doch der ganz persönliche Charme der Friseuse, der einen für sie einnimmt, was braucht es da eine ästhetisch tatsächlich etwas fragliche Fleischbeschau? Doch Nacktszenen hin oder her – „Die Friseuse“ ist eine anrührende, liebevoll inszenierte Sozialkomödie, die man auch manch einem konservativen, realitätsfernen Politiker gerne ans Herz legen möchte.
(Rhein Neckar-Zeitung)
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Séraphine
Kirsten Liese 7.5 "Sehenswert" 2010/02/14 13:35:35
Provost ist ein bemerkenswerter Film gelungen, der den Blick der Malerin in sich aufnimmt, sich zu ihrem Auge macht und zugleich mit einer großen Diskretion auf ihr Leben sieht. Die großartige Yolande Moreau verkörpert sie mit wachen Augen und … — Mehr
Provost ist ein bemerkenswerter Film gelungen, der den Blick der Malerin in sich aufnimmt, sich zu ihrem Auge macht und zugleich mit einer großen Diskretion auf ihr Leben sieht. Die großartige Yolande Moreau verkörpert sie mit wachen Augen und schwerfälligem Gang als eine von harter Arbeit gezeichnete, dennoch kraftvolle und sensuelle Frau mittleren Alters, die Böden schrubbt, Pflanzen sammelt, inbrünstig singt und selbstvergessen nackt in einem Fluss badet. Es dauert einige Zeit, bevor der Film ihre eigentliche Passion enthüllt. Der Regisseur erfasst dabei den geschärften Blick der Malerin auf alles, was sie umgibt: sei es das Gewebe eines Blattes oder der Verlauf einer Maserung im Holz. Jede Kameraeinstellung ist für sich ein sorgfältig komponiertes Stillleben.
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Giulias Verschwinden
Kirsten Liese 7.5 "Sehenswert" 2010/01/29 08:35:13
Giulias Verschwinden" spielt an einem einzigen Abend und an wenigen Schauplätzen. Heiterkeit und Melancholie halten sich ideal die Waage in dieser lustvollen Komödie, in der wenig geschieht, es aber dafür umso mehr Raum gibt für Reflektio… — Mehr
Giulias Verschwinden" spielt an einem einzigen Abend und an wenigen Schauplätzen. Heiterkeit und Melancholie halten sich ideal die Waage in dieser lustvollen Komödie, in der wenig geschieht, es aber dafür umso mehr Raum gibt für Reflektionen und Gedanken.
Der bekannte Schweizer Romanautor und Kolumnist Martin Suter schrieb die lebensklugen, manchmal frechen, brillanten Dialoge. Eigentlich hatte er das Drehbuch seinem Freund und Stammregisseur Daniel Schmid ("La Paloma“, "Beresina") zugedacht. Doch der starb, bevor er es filmisch umsetzen konnte, und es sollte eine Weile dauern, bis es auf dem Tisch von Christoph Schaub landete. Seine Inszenierung kommt leichtfüßig, munter und poetisch daher und zeugt von großer Liebe zu den kleinen Dingen und den Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit. Der Spiegel als Gradmesser des Alters ist dabei stets latent präsent.
Zum Leben gebracht wird das heiter-melancholische Ensemblestück dank der vortrefflichen Schauspieler. Corinna Harfouchs Giulia ist feminin, verletzbar, elegant und mit ihrer sinnlichen Reife ungemein begehrenswert. Endlich verkörpert die Harfouch einmal nicht den Typ der zwiespältigen Spröden, als die man sie schon so oft gesehen hat. Und Bruno Ganz, der schon in "Brot und Tulpen" anrührend eine vergessene Frau zum Erblühen brachte, haucht auch diesmal geheimnisvoll und charmant einer unsichtbaren Frau glaubwürdig neues Leben ein. Nicht zu vergessen Christine Schorn als rüstige Rebellin und Susanne-Marie Wrage und Samuel Weiss als gestresste, unfähige Eltern: Jede noch so kleine Nebenrolle ist glänzend besetzt.
Dem verstorbenen Regisseur Daniel Schmid, dem "Giulias Verschwinden" gewidmet ist, würde dieser Film gefallen. Nicht nur, weil er augenzwinkernd unsere Sehnsucht nach der ewigen Jugend aufs Korn nimmt, sondern auch all unsere Wehwehchen, unser Selbstmitleid, Selbsttäuschungen und schönheitschirurgische Eingriffe. Wie Giulia im Laufe des Abends ihre Komplexe überwindet und die Freuden der Liebe auch in reiferem Alter noch einmal entdecken darf, macht Mut. Vielleicht müssen wir uns ja doch gar nicht so davor fürchten, 50 zu werden.
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Welcome
Kirsten Liese 8.5 "Ausgezeichnet" 2010/01/22 16:08:33
Welcome", so lautet der ironische Titel zu Philippe Liorets brisantem, packenden Drama, das überzeugend Kritik an der unmenschlichen französischen Ausländerpolitik mit einer bewegenden Liebesgeschichte verbindet. Die unglaublichen Zuständ… — Mehr
Welcome", so lautet der ironische Titel zu Philippe Liorets brisantem, packenden Drama, das überzeugend Kritik an der unmenschlichen französischen Ausländerpolitik mit einer bewegenden Liebesgeschichte verbindet. Die unglaublichen Zustände im weitläufigen Hafengebiet von Calais sind seit Jahren ein Thema in den internationalen Medien. Brisant wurde das Thema, seit der französische Präsident Sarkozy 2007 humanitäre Hilfe konsequent kriminalisierte: Jeder, der illegalen Migranten Flucht oder Aufenthalt erleichtert, muss mit einer Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.
"Welcome" ist jedoch bei allem Realismus und Sozialkritik mehr als eine in einen Spielfilm verpackte Dokumentation. Das zeigt sich schon daran, dass es hier nicht nur ums pure Überleben, sondern auch um zwischenmenschliche Gefühle geht: Dass Liebende trotz massiver Widerstände und eingeschränkter Kommunikation so unerschütterlich zueinander halten, berührt. Philippe Lioret inszeniert das ohne einen Anflug von Sentimentalität oder Rührseligkeit. Wie die beiden gegensätzlichen Männer, die zunächst nur zweckorientiert aufeinander zugehen, einander nach und nach auch menschlich näher kommen, das erzählt Lioret leise und sensibel mit zarten Blicken und Gesten.
Für größte Authentizität sorgt dabei das treffliche Spiel der Protagonisten, allen voran der wunderbare Vincent Lindon überzeugt als ein verschlossener, nachdenklicher, verletzbarer Charakter. Der Wille, seiner sozial engagierten Frau (Audrey Dana) gefallen zu wollen, die ihn für einen anderen Mann verlassen hat, ist zunächst der Motor für seine Entscheidung, Bilal zu helfen. Doch nach und nach kommt auch eine Erkenntnis dazu. Die Erkenntnis, wie traurig es eigentlich ist, dass Beziehungen, die unter so einfachen Bedingungen gelebt werden könnten wie die seine, trotzdem gescheitert sind. Und Bilal? 34 Kilometer misst der Kanal, fünfhundert Schiffe passieren ihn am Tag, zudem erwarten ihn reißende Strömungen und zehn Grad Wassertemperatur. Wie soll der unerfahrene Junge das schaffen? Wird sein starker Glaube Berge versetzen?
"Welcome" ein ideales Beispiel dafür, dass Kino etwas bewegen kann. In Frankreich war die Resonanz geradezu überwältigend: Über eine Million Zuschauer haben den Film gesehen. Die menschliche Anteilnahme am Schicksal der Illegalen hat sich seither vergrößert. Vor allem ist eine entscheidende Diskussion auf politischer Ebene in Gang gekommen: Inzwischen wollen viele Politiker das Gesetz modifizieren, das Flüchtlingshilfe unter Strafe stellt. Es ist – hoffentlich! – nur noch eine Frage der Zeit.
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Ein russischer Sommer
Kirsten Liese 4.0 "Uninteressant" 2010/01/21 14:38:42
Jay Parinis biografischer Roman „The Last Station“ („Tolstojs letztes Jahr“) von 1990 lieferte die Vorlage zu Michael Hoffmans „Russischem Sommer“, eine bunte Mischung aus Biopic, Ehedrama und Komödie. Ein Film, der jedoch wenig russi… — Mehr
Jay Parinis biografischer Roman „The Last Station“ („Tolstojs letztes Jahr“) von 1990 lieferte die Vorlage zu Michael Hoffmans „Russischem Sommer“, eine bunte Mischung aus Biopic, Ehedrama und Komödie. Ein Film, der jedoch wenig russisch und sehr amerikanisch anmutet.
Die Schwächen liegen bereits bei der Buchvorlage, die weitaus oberflächlicher anmutet als vergleichsweise Tolstojs autobiografisch gefärbtes, unvollendetes Drama „Und das Licht scheint in der Finsternis“, in das der Literat seine politischen Überzeugungen und den Konflikt mit seiner Frau einbrachte. Der Gedanke, dass er selbst das Leben eines reichen Schmarotzers führt, während es anderen am Elementarsten fehlt, war dem Ideologen unerträglich. In Zeiten von Hartz IV und wachsender Armut macht ihn das ungeheuer modern. Das vermittelte sich auch sehr deutlich im Herbst vergangenen Jahres bei einer Aufführung dieses Stückes im Schlosspark Neuhardenberg und wenig später im Park von Jasnaja Polnaja, bei der Volker Schlöndorff Regie führte. Und um es gleich zu sagen: Dieser Theaterabend hat den Ehestreit um ein Vielfaches facettenreicher herausgearbeitet als Hoffmans Film.
Denn ein tiefgehender Austausch an Argumenten findet in „Ein russischer Sommer“ nicht statt. Hoffman setzt vielmehr auf Komik, Intrigen und Sex, wenn er etwa Mirren mit albernem Hennengegacker den Alten noch einmal verführen lässt. Oder wenn in einer überflüssigen Nebenhandlung Walentin Bulgakov (James McAvoy), der Sekretär Tolstojs, den erotischen Reizen seiner Lehrerin Mascha (Kerry Condon) erliegt.
Zum Schluss hin wird es regelrecht melodramatisch, wenn Sofia ihrem Mann hinterher reist und bei seinen Jüngern, die ihn beharrlich vor ihr abschirmen, darum kämpft, den Sterbenden ein letztes Mal zu sehen. Als Beweis für Tolstojs Ideal von einer bedingungslosen Liebe, das Hoffman dem Film als Motto voranstellt, taugen solche rührseligen Szenen aber nicht. Was bleibt, ist ein anspruchsloses Lustspiel.
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Das Zimmer im Spiegel
Kirsten Liese 8.0 "Ausgezeichnet" 2010/01/06 15:10:55
Rudi Gaul wirft einen ungewohnten Blick auf ein Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus. Er verzichtet auf die Darstellung historischer Fakten, bietet dafür aber intime Einsichten in das Seelenleben einer Frau, deren Überlebenskampf er als mi… — Mehr
Rudi Gaul wirft einen ungewohnten Blick auf ein Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus. Er verzichtet auf die Darstellung historischer Fakten, bietet dafür aber intime Einsichten in das Seelenleben einer Frau, deren Überlebenskampf er als minimalistisches, bizarres Kammerspiel inszeniert, bei dem die Grenze zwischen Realität und Traumwelt zunehmend verwischt. Die Einsamkeit verformt die phantastischen Gedankenbilder der Heldin zu wahnhaften Gebilden. Die bedrückende Atmosphäre vermittelt sich besonders über den klaustrophobisch engen Schauplatz, den die Kamera nie verlässt, und über die sensible, hörspielartige Tonspur. Auf ihr nehmen Stimmen, Treppenhausgeräusche aus dem Off und Grammophonklänge aus der Nachbarwohnung größeren Raum ein als die sparsam eingesetzten Dialoge.
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Wir verstehen uns wunderbar
Kirsten Liese 7.5 "Sehenswert" 2009/12/31 12:36:09
Stilistisch orientiert sich Regisseur Antoine de Caune in dieser hinreißenden Komödie erkennbar an der Dramaturgie klassischer Screwball-Comedies, wobei das Erzähltempo nicht ganz mit Werken eines Billy Wilder oder Frank Capra konkurrieren kann… — Mehr
Stilistisch orientiert sich Regisseur Antoine de Caune in dieser hinreißenden Komödie erkennbar an der Dramaturgie klassischer Screwball-Comedies, wobei das Erzähltempo nicht ganz mit Werken eines Billy Wilder oder Frank Capra konkurrieren kann. Auch verbeugt sich der Regisseur mit einer stilvollen Collage im Vorspann vor der glanzvollen Schwarz-Weiß-Ära des europäischen Kinos sowie den Stars der Nouvelle Vague.
Doch in erster Linie ist dieses Kammerspiel eine Hommage an seine wunderbaren Hauptdarsteller: Charlotte Rampling, mit zunehmendem Alter immer aparter, und Jean Rocheford. Stolz, schlagfertig, attraktiv und sexy ist Ramplings Diva, und Rocheford besticht mit Charme, lausbübischem Humor und entwaffnender Galanterie: Seine Beteuerung, dass ihm keine Andre je soviel bedeutet habe wie Alice, glaubt man ihm aufs Wort.
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Gästebuch
GOLDNIK
2008/12/11 22:55:13
Hallochen. Ein guten auswahl für die Schauspieler hast du. sehr Lobenswert.
GOLDNIK 2008/12/11 22:55:13
Hallochen. Ein guten auswahl für die Schauspieler hast du. sehr Lobenswert.
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- Dialog mit meinem Gärtner
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- Mulholland Drive - Straße der Finsternis
- Antonias Welt
- Der Mann der Friseuse
- Fahrstuhl zum Schafott
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Freunde von Kirsten Liese
Kirsten Liese ist Kritiker für BR Online, Kinofenster, Darmstädter Echo, Menschen Machen Medien, WDR.
Kirsten Liese schreibt als Kritiker für BR Online, Kinofenster, Darmstädter Echo, Menschen Machen Medien, WDR.





























Die Solar- und Windenegie sind für jeden erreichbar, bezahlbar und sauber. Und doch halten die reichen Industrieländer unerbittlich an Atom- und Kohlekraftwerken fest und behaupten, mit erneuerbaren Quellen könne der immense Bedarf nicht gedeck… — Mehr
Link zu vollständiger Kritik (externer Link)