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makkumba
über Zivilcourage

3.0Schwach

Ein trotziger alter Herr, hält in seiner gehüteten Welt Werte aufrecht, die schon in der direkten Umgebung keine Bedeutung zu haben scheinen, und sieht sich dem Wiederspruch aus moralischer Verpflichtung und einschneidenden Reaktionen auf sein eigenes Tun gegenüber. Die Vorstellung, dass die einzelnen, Aspekte, die der Film thematisiert - ohne viel Fantasie betrachtet - beinahe schon alltäglich scheinen, ist bedrückend, doch trotzdem wirkt 'Zivilcourage' nur bedingt authentisch.
Die Glaubwürdigkeit scheitert vor allem an den verschiedenen Phasen die der Film durchschreitet: Was zunächst als düsteres Sozialdrama beginnt, wandelt sich im weiteren Verlauf zu einem Gangstermovie und mutiert letzendlich kurz vor dem Ende zum Heile-Welt-Epos.

Ein Mann, der in fast vollkommenem Widerspruch zu seiner Umgebung lebt. Ein gewaltbereiter Jugendlicher mit Migrationshintergrund, der einen Obdachlosen zusammenschlägt. Ein couragierter Passant, der durch sein Eingreifen Schlimmstes verhindert. Ein junges Mädchen im Loyalitätskonflikt mit den verschiedenen Menschen ihrer Umgebung. Ein kaltblütiger Ex-Soldat, der Menschenwürde anders definiert. Ein überzeugt linksradikaler Intellektueller, der nach einem Angriff jegliche Solidarität ablehnt. Ein Polizist, dessen Wirkungskrad an zu viel Arbeit und zu wenig Kollegen scheitert. Ein Opfer, das seinem Retter keinerlei Dank entgegenbringt. All das ist möglich, und oft genug Realität. Doch gemeinsam in einem Film macht diese Konzentration möglicher Situationen aus all dem eine überzeichnete Klischeeskizze.

Wenn dann noch eine Schusswaffe den scheinbaren Wandel, der unerwartet zu Gerechtigkeit (Der junge Täter wird festgenommen), Einsicht (Das Mädchen, das bisher an der Kunst des Lesens nur zurückhaltend Interesse zeigte, bekennt sich deutlich vor Anderen dazu, Lesen lernen zu wollen) und Umdenken (Der Buchhändler verzichtet auf seine gewohnte Sicherheit und lässt die Gitter vor den Fenstern entfernen) führt, erleidet die Überzeugungskraft des Films einen schweren Verlust an Glaubwürdigkeit und Authenzität.

Dass man den großen Bruder nochmal im Anzug die Straße entlanggehen sieht, könnte eigentlich ein reizvolles Stilmittel sein, büßt jedoch seine Wirkung in einem zähen Sozialkritikepos mit Happy End vollständig ein, und erinnert viel mehr an eine zweimal eingespielte Einstellung in der ein rothaariger Irokese eine von einer Hochbahn gesäumte Straße in der Innenstadt überquert.

Abschließend stellt sich die Frage, ob Zivilcourage nur Eignern von Schusswaffen zu empfehlen ist, oder ob dieser Film nur zeigen statt motivieren will.
Die Darsteller haben ihre Aufgabe überzeugend erfüllt - nicht nur Götz George, der ein wenig zu gemächlich spielte. Leider entscheidet erfahrungsgemäß nicht nur schauspielerisches Können über die Qualität eines Films - 'Zivilcourage' beweist es aufs Neue.

Es steht außer Zweifel: Filme die derartiges thematisieren sollten zum Pflichtteil im Repertoire eines jeden Filmemachers gehören, der etwas wie gesellschaftliche Verantwortung empfindet. Und ich habe für all die Verständnis, die erkennen, dass ein solcher Film, wenn er nur ansatzweise realistisch sein soll, kaum ermutigend sein kann. Ist dass allerdings ein Grund, das Thema derart überzeugungsschwach darzustellen? Wer keinen Actionreißer machen möchte, aber auch keinen Downer, hat nur wenig Möglichkeiten. Der Weg zum Happy End ist allerdings auch keine Lösung, wenn er dem Thema 'Zivilcourage' so die Glaubwürdigkeit nimmt. Respekt haben die Filmemacher trotzdem verdient. Aus gesellschaftlicher Sicht: Der Film hat bestimmt zum Nachdenken und Diskutieren über ein wichtiges Thema angeregt - in diesem Zusammenhang hat auch dieser Plot positive Impulse gesetzt.

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makkumba
Kommentare

Bernd Eichinger steht für ein Genre, das diesem Themen zwar eine gewisse Ausdruckskraft verleiht, aber jedoch in Anbetracht des Inhalts völlig unangemessen ist. Und so ist der Film größtenteils eine Aneinanderreihung visuell aufwändig inszenierter Schlaglichter, die weder dem Anspruch, die damalige Zeit passend abzubilden, noch der Grundidee dessen was die Protagonisten damals zu ihrem Tun trieb, gerecht werden.

Waren Edel und Eichinger in dem Ansinnen, nicht zu glorifizieren recht erfolgreich, ist ein Duskurs mit den Gedanken der damaligen Zeit viel zu oberflächlich ausgefallen.
Weder die Darstellung der polizeilichen Gewalt, noch die filmblutintensiven Anschlagszenen vermochten mehr als einen unglaubwürdig-anspruchsvollen Actionfilm entstehen zu lassen.

Leider stellte der Film darüber hinaus in bedauerlichster Form die Tatsache unter Beweis, dass auch ein imposantes Aufgebot an zweifelsfrei excellenten Darstellern einem völlig uninspirierten Plot nicht zu einem überzeugenden Film verhelfen kann.

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