Vor allem das für einen solchen Plot naheliegende Spannungselement – das Aufeinanderprallen verschiedener Individuen, der sich zur Eskalation steigernde Gruppenkonflikt – will nicht zünden. Denn im Grunde handelt es sich bei allen Protagonisten um Facetten ein und desselben Charakters: des aufopferungsvollen Idealisten. [...] Der gute Wille, den der Film als Patentrezept zur Problemlösung anbietet, kann den Zuschauer hier leicht verlassen.
Mit dem kaum subtilen „klassenkämpferischen“ Subtext des Plots öffnet sich Anderson auch Themen, die in seinem Kosmos bislang eher unbekannt waren. Am Ende ist es der materielle Überlebenskampf, der die Foxens und die anderen Tiere, bei allen gegenseitigen Animositäten, zur Solidargemeinschaft zusammenschweißt, ein wortwörtlich in den Untergrund verbannter Guerillatrupp, der bei Nacht seine Schläge gegen die Supermärkte der reichen Unterdrücker ausführt. Vielleicht kann man sagen, dass Wes Anderson in Der fantastische Mr. Fox den familiären Kampfschauplatz erstmals auf den sozialen Raum ausdehnt. Sein technisch betrachtet bislang artifiziellster Film wäre dann zugleich sein am wenigsten innerlicher.
Gervasi ist bekennender Anvil-Fan. Doch sein Film ist eine Heldenverehrung ohne falschen Heroismus. Weder verbissener Durchhaltewillen noch selbstmitleidiges Klagen über die Ungerechtigkeit des Musikbusiness ist hier zu sehen – oder wenn doch, dann in erträglichen Dosen –, sondern zwei Besessene, die lieben, was sie tun, und die gar nicht anders können, als so oder so weiterzumachen. Und dabei sogar die meiste Zeit ihren Humor bewahren (wenn auch gewiss keine Selbstironie; die ist mit Heavy Metal so unvereinbar wie mit Fußball).
Als ein durchweg nostalgisches, aber nicht völlig verklärend wirkendes Zeitporträt zeigt An Education die britische Gesellschaft schon an der Schwelle zum Umbruch. [...] Und gerade, wenn An Education inhaltlich am stärksten ins Seichte zu driften droht, schlägt er einen recht nüchternen Ton an: vor allem in den Liebesszenen, die wie eine fortschreitende Entromantisierung inszeniert sind.
Nachdem der Film seine Karten verteilt hat, beginnt er sich mehr und mehr in ein Ausspielen von Gags zu verwandeln, das immer lauter und flacher wird. Dass die Darstellerriege als eine „Best-of-Sammlung“ früherer Filme beworben wird, spiegelt die Attitüde von Soul Kitchen recht genau, der auch damit kokettiert, eine große Party der Fatih-Akin-Clique zu sein. In deren Lärm gehen die interessanteren Aspekte nach und nach unter.
Die Sequenz, der Horatiu Malaeles Film seinen Namen verdankt, ist großartig. Das burleske Rahmenprogramm ist Blendwerk.[...]
Der Kontrast zwischen heiler Innenwelt und Bedrohung von außen zieht sich motivisch durch den ganzen Film – eine Figur dreht sich etwa erschrocken zur Kamera, im Gegenschuss folgt ein schneller Zoom auf ein sich näherndes Außen. Diese visuelle Umsetzung wirkt oft brachial, auf akustischer Ebene funktioniert die Kontrastrierung während der Hochzeitsszene aber ausnehmend gut.
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critic.de (Maurice Lahde)
über Waffenstillstand 2010/03/25 08:19:44
Vor allem das für einen solchen Plot naheliegende Spannungselement – das Aufeinanderprallen verschiedener Individuen, der sich zur Eskalation steigernde Gruppenkonflikt – will nicht zünden. Denn im Grunde handelt es sich bei allen Protagonisten um Facetten ein und desselben Charakters: des aufopferungsvollen Idealisten. [...] Der gute Wille, den der Film als Patentrezept zur Problemlösung anbietet, kann den Zuschauer hier leicht verlassen.
Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
fabel 2011/07/07 22:05:18
Antwort löschenLange nicht mehr eine Kritik gelesen, die so mit meiner Meinung übereinstimmt; top!
Es wurde (eigentlich) fast alles gesagt.;)
critic.de (Maurice Lahde)
über Der fantastische Mr. Fox 2010/03/15 12:12:26
Mit dem kaum subtilen „klassenkämpferischen“ Subtext des Plots öffnet sich Anderson auch Themen, die in seinem Kosmos bislang eher unbekannt waren. Am Ende ist es der materielle Überlebenskampf, der die Foxens und die anderen Tiere, bei allen gegenseitigen Animositäten, zur Solidargemeinschaft zusammenschweißt, ein wortwörtlich in den Untergrund verbannter Guerillatrupp, der bei Nacht seine Schläge gegen die Supermärkte der reichen Unterdrücker ausführt. Vielleicht kann man sagen, dass Wes Anderson in Der fantastische Mr. Fox den familiären Kampfschauplatz erstmals auf den sozialen Raum ausdehnt. Sein technisch betrachtet bislang artifiziellster Film wäre dann zugleich sein am wenigsten innerlicher.
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critic.de (Maurice Lahde)
über Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft 2010/01/26 09:58:56
Gervasi ist bekennender Anvil-Fan. Doch sein Film ist eine Heldenverehrung ohne falschen Heroismus. Weder verbissener Durchhaltewillen noch selbstmitleidiges Klagen über die Ungerechtigkeit des Musikbusiness ist hier zu sehen – oder wenn doch, dann in erträglichen Dosen –, sondern zwei Besessene, die lieben, was sie tun, und die gar nicht anders können, als so oder so weiterzumachen. Und dabei sogar die meiste Zeit ihren Humor bewahren (wenn auch gewiss keine Selbstironie; die ist mit Heavy Metal so unvereinbar wie mit Fußball).
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critic.de (Maurice Lahde)
über An Education 2010/01/18 09:48:16
Als ein durchweg nostalgisches, aber nicht völlig verklärend wirkendes Zeitporträt zeigt An Education die britische Gesellschaft schon an der Schwelle zum Umbruch. [...] Und gerade, wenn An Education inhaltlich am stärksten ins Seichte zu driften droht, schlägt er einen recht nüchternen Ton an: vor allem in den Liebesszenen, die wie eine fortschreitende Entromantisierung inszeniert sind.
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critic.de (Maurice Lahde)
über Soul Kitchen 2009/11/18 12:40:33
Nachdem der Film seine Karten verteilt hat, beginnt er sich mehr und mehr in ein Ausspielen von Gags zu verwandeln, das immer lauter und flacher wird. Dass die Darstellerriege als eine „Best-of-Sammlung“ früherer Filme beworben wird, spiegelt die Attitüde von Soul Kitchen recht genau, der auch damit kokettiert, eine große Party der Fatih-Akin-Clique zu sein. In deren Lärm gehen die interessanteren Aspekte nach und nach unter.
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critic.de (Maurice Lahde)
über Stille Hochzeit - Zum Teufel mit Stalin 2009/10/27 14:49:46
Die Sequenz, der Horatiu Malaeles Film seinen Namen verdankt, ist großartig. Das burleske Rahmenprogramm ist Blendwerk.[...]
Der Kontrast zwischen heiler Innenwelt und Bedrohung von außen zieht sich motivisch durch den ganzen Film – eine Figur dreht sich etwa erschrocken zur Kamera, im Gegenschuss folgt ein schneller Zoom auf ein sich näherndes Außen. Diese visuelle Umsetzung wirkt oft brachial, auf akustischer Ebene funktioniert die Kontrastrierung während der Hochzeitsszene aber ausnehmend gut.
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