Wie kann man diesen Film nur zu seinen liebsten zählen? Sicher ist "Sieben" ein Meilenstein, nicht zuletzt ein stilistischer, aber er markiert eben auch den Beginn der Gewaltpornographie im Kino, wie ein guter Freund von mir letztens anmerkte. Schon klar, dass Fincher die Faszination der Zuschauer an den Ekel-Gräueln reflektiert, nur tut er das mit einer monströsen Selbstgerechtigkeit, die den biblischen Kausalketten im Gehirn seines Mörders nicht unähnlich ist. Dass wir uns solche Filme immer wieder anschauen, bringt unser Verlangen nach Selbstgeißelung zum Ausdruck. Denn auch wir wollen eigentlich immer weiter Coca Cola trinken, Burger und Spareribs fressen und im Stillen noch ein bisschen Playsi zocken, bevor wir uns anschließend mit einer verstörenden Bilderflut sanft auspeitschen. Wir alle sind Masochisten! Wenn wir das endlich einsehen würden, müssten wir Filme wie "Sieben" nicht als "künstlerisch wertvoll" verrätseln.
Stil und Bilder, da gebe ich Dir durchaus Recht, darüber ließe sich bestimmt prima diskutieren. Aber selbst wenn man diese beiden Faktoren mal außer Acht lässt, bietet Sieben in der Substanz der Geschichte noch genügend Spannung - besonders gegen Ende hin.
Des Weiteren werden einem „Stil und Bilder” nicht dermaßen „in your face” präsentiert, wie das in wirklichen Gewaltpornos mittlerweile zelebriert wird. Selbige waren im Übrigen schon in der großen Horrorwelle aus Italien Ende der 70er durchaus präsent - Gewaltexzesse sind also kein Phänomen der Neuzeit.
Natürlich ist John Doe bei seinen Taten nicht gerade zimperlich, doch dir dürfte wohl aufgefallen sein, dass die gewalttätigste Szene des Films ein simpler Kopfschuss ist. Dies ist der einzige Mord, den der Zuschauer beobachtet, die anderen Opfer sieht er nur kurz bis garnicht. Am längsten sind noch der Fettsack und der ans Bett Gefesselte zu sehen, allerdings fast ausschließlich regungslos. Was wirklich an Gewalt oder Ekel auftaucht, wird nur kurz erklärt oder angedeutet und spielt sich daher nur im Kopf der Zuschauer ab. Man kann sicher sagen, dieser Stil verfehlt seine Wirkung nicht, die düstere Stimmung zieht sich durch den gesamten Film und zerrt an den Nerven des Publikums. Aber dieses Meisterwerk mit der neuartigen Gewaltpornographie auf eine Stufe zu stellen, die besonders auf die Schauwerte ihrer Gewaltexzesse setzen, finde ich etwas übertrieben.
Trotzdem hat sich gerade die Saw-Reihe "Sieben" als kleines Vorbild genommen, der Habgier-Mord wurde sogar in einem Teil übernommen (ursprünglich kommt dieser allerdings aus Shakespeares "Kaufmann von Venedig"), doch das kann man dem Film wohl kaum vorwerfen.
Viel muss man als Regisseur nicht tun, wenn ein solch gewaltiger Geist vor der Kamera die Pforten zur Vergangenheit aufstößt und frischen Wind durch die Kapitel seiner, unserer, jedermanns Geschichte wehen lässt, dessen Wurzeln so untrennbar ins 20. Jahrhundert wuchern. Würde man heutige Schulklassen mit der Vorführung von "Wandersplitter" überfordern? Der Versuch wäre es allemal wert, um die Pädagogik der Minimalschritte, die immer noch in den meisten Lehrstuben praktiziert wird, zu überwinden. Allein, wie Harlan die politische Dynamik der RAF kommentiert, könnte ganze Systeme zu Fall bringen, wäre da nicht die lähmende Angst vor dem Infragestellen gesellschaftlich auferlegter Konventionen - und damit der unendlichen Borniertheit im Umgang mit sochen Themen.
Der vorliegenden Bewertungsskala nach zu urteilen, scheinen diesen Film ja einige Leute "uninteressant" zu finden. Für die dürfte dann wohl auch das Leben an sich "uninteressant" sein. Ich habe jedenfalls lange nicht mehr im Kino so viel gelacht, geweint, gegrübelt, mit mir selbst gerungen, mitgezittert, -geliebt und -getrauert. Man müsste schon mit gusseisernen Herzklappen beschlagen sein, um "Kleine Wahre Lügen" nicht zu mögen, unter dessen vermeintlicher Arthaus-Wohlfühl-Oberfläche die Tugenden der Nouvelle Vague versammelt sind.
Ähnlich dröge wie "8 Blickwinkel", dem der Film wohl seine Erzählstruktur verdankt. Und leider einmal zu viel die Terrorismus-Keule geschwungen. Insgesamt jedoch zu harmlos, um ein wirklich ernstzunehmendes Ärgernis darzustellen.
Wunderschöner Liebesfilm in epischen Bildern. Schauspielerisch das Beste, was ich seit langem geshen habe: Colin Firth kostet einfach jede Nunance seiner Rolle aus. Am meisten hat mich jedoch fasziniert, dass der Film trotz Melodrama nie an Heiterkeit verliert. Und - das ist wohl dem Regisseur zu verdanken - er wirkt nie inszeniert wie Brokeback Mountain. Ganz nebenbei ist Firth' Mienenspiel tausendmal erotischer als das ganze Zeltgebumse.
Lourdes ist von einer ungeheuer stringenten Bildsprache. Schon die Eingangssequenz ist Zeugnis einer brillanten Regie. Es ist diese Handschrift, die das alte Kilischee vom "Weinen oder Lachen" elegant umschifft. Der Film verhandelt natürlich viel mehr als Glauben und Religion. Wir selbst sind es, unser Zynismus und unser Neid, hierarchische Gesellschaftsstrukturen und spießiger Rationalismus, die uns Wunder verleugnen lassen, weil sie unsere kleine, feine Welt zu erschüttern drohen und die Komplexität der Wissenschaften und Glaubenssysteme ad absurdum führen. Schön zu sehen, wie solche Topoi einmal nicht in esoterischem Wohlgefallen verwässern.
In diesem knapp dreistündigen Epos vereint Scorsese all seine Stärken: atemberaubende Bilder, fantastische Schauspielführung und die Affinität zur Musik der 50er bis 70er Jahre. Darüber erzählt er die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Mafiosi in Las Vegas. Robert De Niro bietet hier eine seiner letzten großen Leistungen, während Sharon Stone beweist, dass sie auch als Charakterdarstellerin taugt. Dabei vermeidet Scorsese jede sentimentale Schwere und selbstgefällige Action, die Filmen dieses Genres oft anhaftet. Die ersten eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug, die Kamera
scheint alles aufzusaugen: von den Bewegungen auf den Spieltischen im Casino bis zu den verzweifelten Gesten im Schlagabtausch am Ende der Beziehung zwischen Sam (De Niro) und Ginger (Stone).
Was ist es nur, was anscheinend so viele Menschen an diesem Film lieben? Ich habe mich gelangweilt, über die ach so vorhersehbaren Wendungen und Traumata der Hauptdarstellerinnen gelacht und gen Ende, beim unglaublich dämlichen - man nennt es wohl - Showdown, nur noch entgeistert den Kopf geschüttelt. Nichts wirkt leichthändig, geschweige denn leidenschaftlich, alles ist überzogen, affektiert, manieriert. Dazu der typisch gefühlige Klaviersoundtrack, der auch dem letzten Zuschauer die Bedeutungsschwere der Bilder einbläut. Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung leiden sichtlich unter der völlig überladenen Story. Vier Minuten mit dem Deutschen Filmpreis auszuzeichnen, ist eine Beleidigung für all diejenigen, die mit deutschem Autorenkino noch ein Stück Transzendenz verbinden.
Eigentlich sehr bewegendes Antikriegsdrama, das jedoch zum Schluss in Pathos verwässert. Nachdem ein Vater zwei Söhne verloren hat, hisst er das Star-Spangled Banner. Und die Moral von der Geschicht: Entschlossenheit und Mut zur Einsicht enden da, wo schicksalsergebene Vaterlandsliebe anfängt. Ärgerlich bei all den Denkanstößen, die der Film gibt, ist die Kapitulation vor der Auseinandersetzung mit den Grundsätzen der Vätergeneration. Fazit: Hätte groß werden können - hat sich aber letztlich den Konventionen ergeben.
Wie sein Held strebt dieser Film mit ungheurer Stringenz einem unausweichlichen und dann doch etwas überraschenden Ende entgegen. Angenehm, dass der Regisseur auf billige Morallektionen verzichtet, von denen es im deutschen Kino wimmelt. In diesem Sinne ist "Der Räuber" auch ein typisch österreichischer Film: kühl, beobachtend und zwingend in seiner Treffsicherkeit.
Also allen Vorwürfen hier zum Trotz: Scorseses neuer Film ist fantastisches Kino! Die Geschichte ist mit einer visuellen Brillanz und Leidenschaft umgesetzt, wie man es von diesem Regisseur erwarten kann. Und wer, außer vielleicht Paul Thomas Anderson, schafft es, solch eindringliche, ja, sogartige Anfangs- und Endsequenzen zu drehen, die zupacken, emotional wie bildlich? Den Vorwurf, Scorsese würde mit Zitaten um sich schmeißen, halte ich für völlig verfehlt. Wo bei Tarantino unaufhörlich die Zitiermaschine läuft, benutzt Scorsese sie nicht zum bloßen Selbstzweck, quasi nur als Ratespaß für Möchtegern-Cineasten. Filmgeschichtliche Verweise dienen ihm dazu, Gefühle und Stimmungen zu kontrastieren. Die Traumszenen erinnern in ihrer schockierenden Schönheit bisweilen an Bunuel. Das Ensemble aus Ruffalo, Kingsley und von Sydow spielt im Hinblick auf das Ende bravourös schlecht. Und Leonardo DiCaprio war nie besser.
Wem die Story jedoch zu vorhersehbar ist, für den muss "Mulholland Drive" ein leichtes Kreuzworträtsel sein.
Neben "Benny's Video" und "Funny Games" von Michael Haneke mein schrecklichstes Kinoerlebnis. Kaum auszuhalten: die Feuerlöscherhinrichtung und die Vergewaltigung in Echtzeit. Noé zeigt Gewalt in ihrer ganzen abscheulichen Dimension, doch erst durch das Rückwärtserzählen der Geschichte wird das Ausmaß deutlich. Das lässt sich auch durch eine intellektuelle Empörung über die unverhohlenen narrativen Mittel nicht wegdiskutieren. Erschütterung, Widerwillen, Ekel und Trauer sollen vor dem Thema nicht abschrecken, sondern zu einer Auseinandersetzung mit ihm führen. Wer sich dagegen verschließt, hat nichts begriffen. Es ist schwer vorstellbar, dass sich dieser Film in einer Kritiker-Bestenliste wiederfindet - dabei ist er ein verstörendes Monument.
Was für ein Knaller! Was für ein Showdown! Man könnte Spacey, Crowe und Pearce eine kleine Ewigkeit zuschauen - so fantastisch ist das gespielt. Jede Minute des Films ist vollgepackt mit atemberaubender Spannung, süffisanten Dialogen, knallharter Action (blöde Phrase, ich weiß, aber hier trifft sie einmal zu) und Erotik. Schade, dass es heute keinen Regisseur mehr gibt, der so kunstvolle Noir-Thriller dreht (Scorsese eingeschlossen).
Subtile Spannung, brillante Dialoge und großartige Schauspielleistungen machen den neuen Polanski zu einem faszinierenden Werk über Machtverstrickungen und politische Korruption. Gefühle können hier nichts ausrichten, führen nur zu noch mehr Verwirrung. Polanski entfaltet diesen grau umwölkten Politthriller mit eindringlicher Ruhe und ein paar Hitchcock-Zitaten. Fazit: Endlich mal wieder ein Film, auf den der Begriff "Suspense" absolut zutrifft.
Dieser Film will von Ehre, traditionellem Kampfsport und dem "clash of civilizations" erzählen und bleibt doch weithin klischeehafter Hollywood-Bombast. Danach möchte man sich sofort "Hero" oder einen alten Kurosawa-Film anschauen. Im Endeffekt ist "Last Samurai" ein beliebiges Westernspektakel mit japanischen Kulissen: Schwerter gegen Artillerie.
Schon klar: der Film lässt einen in einer unbehaglichen Unsicherheit zurück. Ein Film wie kalte Füße und Schweißhände. Aber das ist in dem Fall eher ein Lob, weil wer sich hier wiederfindet (und das werden wohl mehr sein, als es zugeben), der sieht sich mit Konventionen und Bigotterie konfrontiert, die jede Hoffnung auf Antworten im Keim ersticken. Oder vielleicht sind die Antworten auch bloß Kiffen und Jefferson Airplane hören...
Großartiger Film! Kaum zu glauben, mit welcher Intention Maria Schrader als Regisseurin debütiert und wie wunderbar sie für das deutsche Kino untypische Sujets verwebt. Kein Wunder also, dass die Geschichte in Israel spielt und die dunkel-amouröse Vergangenheit natürlich in Paris liegt. Tatsächlich werfen hier die Meister des Liebesdramas Sautet und Truffaut ihre Schatten: Liebe als zerstörerisches und also befreiendes Element.
Blöder Science-Fiction-Streifen mit wenig Action, schlechten Spezialeffekten und einer lächerlichen Zivilisationskritik. Einzig Bruce Willis rackert sich vergeblich um ein bisschen Glaubwürdigkeit ab.
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maxgoesche
über Sieben 2011/10/27 13:56:24
Wie kann man diesen Film nur zu seinen liebsten zählen? Sicher ist "Sieben" ein Meilenstein, nicht zuletzt ein stilistischer, aber er markiert eben auch den Beginn der Gewaltpornographie im Kino, wie ein guter Freund von mir letztens anmerkte. Schon klar, dass Fincher die Faszination der Zuschauer an den Ekel-Gräueln reflektiert, nur tut er das mit einer monströsen Selbstgerechtigkeit, die den biblischen Kausalketten im Gehirn seines Mörders nicht unähnlich ist. Dass wir uns solche Filme immer wieder anschauen, bringt unser Verlangen nach Selbstgeißelung zum Ausdruck. Denn auch wir wollen eigentlich immer weiter Coca Cola trinken, Burger und Spareribs fressen und im Stillen noch ein bisschen Playsi zocken, bevor wir uns anschließend mit einer verstörenden Bilderflut sanft auspeitschen. Wir alle sind Masochisten! Wenn wir das endlich einsehen würden, müssten wir Filme wie "Sieben" nicht als "künstlerisch wertvoll" verrätseln.
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ewigkeit 2011/10/27 14:08:39
Antwort löschenStil und Bilder, da gebe ich Dir durchaus Recht, darüber ließe sich bestimmt prima diskutieren. Aber selbst wenn man diese beiden Faktoren mal außer Acht lässt, bietet Sieben in der Substanz der Geschichte noch genügend Spannung - besonders gegen Ende hin.
Des Weiteren werden einem „Stil und Bilder” nicht dermaßen „in your face” präsentiert, wie das in wirklichen Gewaltpornos mittlerweile zelebriert wird. Selbige waren im Übrigen schon in der großen Horrorwelle aus Italien Ende der 70er durchaus präsent - Gewaltexzesse sind also kein Phänomen der Neuzeit.
Drogba11 2011/11/11 00:38:55
Antwort löschenNatürlich ist John Doe bei seinen Taten nicht gerade zimperlich, doch dir dürfte wohl aufgefallen sein, dass die gewalttätigste Szene des Films ein simpler Kopfschuss ist. Dies ist der einzige Mord, den der Zuschauer beobachtet, die anderen Opfer sieht er nur kurz bis garnicht. Am längsten sind noch der Fettsack und der ans Bett Gefesselte zu sehen, allerdings fast ausschließlich regungslos. Was wirklich an Gewalt oder Ekel auftaucht, wird nur kurz erklärt oder angedeutet und spielt sich daher nur im Kopf der Zuschauer ab. Man kann sicher sagen, dieser Stil verfehlt seine Wirkung nicht, die düstere Stimmung zieht sich durch den gesamten Film und zerrt an den Nerven des Publikums. Aber dieses Meisterwerk mit der neuartigen Gewaltpornographie auf eine Stufe zu stellen, die besonders auf die Schauwerte ihrer Gewaltexzesse setzen, finde ich etwas übertrieben.
Trotzdem hat sich gerade die Saw-Reihe "Sieben" als kleines Vorbild genommen, der Habgier-Mord wurde sogar in einem Teil übernommen (ursprünglich kommt dieser allerdings aus Shakespeares "Kaufmann von Venedig"), doch das kann man dem Film wohl kaum vorwerfen.
maxgoesche
über Thomas Harlan - Wandersplitter 2011/08/22 14:28:54
Viel muss man als Regisseur nicht tun, wenn ein solch gewaltiger Geist vor der Kamera die Pforten zur Vergangenheit aufstößt und frischen Wind durch die Kapitel seiner, unserer, jedermanns Geschichte wehen lässt, dessen Wurzeln so untrennbar ins 20. Jahrhundert wuchern. Würde man heutige Schulklassen mit der Vorführung von "Wandersplitter" überfordern? Der Versuch wäre es allemal wert, um die Pädagogik der Minimalschritte, die immer noch in den meisten Lehrstuben praktiziert wird, zu überwinden. Allein, wie Harlan die politische Dynamik der RAF kommentiert, könnte ganze Systeme zu Fall bringen, wäre da nicht die lähmende Angst vor dem Infragestellen gesellschaftlich auferlegter Konventionen - und damit der unendlichen Borniertheit im Umgang mit sochen Themen.
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maxgoesche
über Kleine wahre Lügen 2011/07/19 09:57:25
Der vorliegenden Bewertungsskala nach zu urteilen, scheinen diesen Film ja einige Leute "uninteressant" zu finden. Für die dürfte dann wohl auch das Leben an sich "uninteressant" sein. Ich habe jedenfalls lange nicht mehr im Kino so viel gelacht, geweint, gegrübelt, mit mir selbst gerungen, mitgezittert, -geliebt und -getrauert. Man müsste schon mit gusseisernen Herzklappen beschlagen sein, um "Kleine Wahre Lügen" nicht zu mögen, unter dessen vermeintlicher Arthaus-Wohlfühl-Oberfläche die Tugenden der Nouvelle Vague versammelt sind.
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Satanico 2011/07/23 20:22:59
Antwort löschenvollste Zustimmung!
Oceanic6 2011/08/15 01:09:12
Antwort löschenDen Film kann man wohl nicht besser so knapp auf den Punkt bringen. Super! ;)
maxgoesche
über Source Code 2011/06/06 17:39:19
Ähnlich dröge wie "8 Blickwinkel", dem der Film wohl seine Erzählstruktur verdankt. Und leider einmal zu viel die Terrorismus-Keule geschwungen. Insgesamt jedoch zu harmlos, um ein wirklich ernstzunehmendes Ärgernis darzustellen.
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maxgoesche
über Die Ehe der Maria Braun 2011/04/19 21:44:56
Wunderbar! Das private Glück, es kann nicht sein in dieser Republik.
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maxgoesche
über Alice in den Städten 2010/06/01 14:45:23
Über weite Strecken gähnende Langeweile, wie nur Wenders sie beherrscht.
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maxgoesche
über A Single Man 2010/05/12 21:08:45
Wunderschöner Liebesfilm in epischen Bildern. Schauspielerisch das Beste, was ich seit langem geshen habe: Colin Firth kostet einfach jede Nunance seiner Rolle aus. Am meisten hat mich jedoch fasziniert, dass der Film trotz Melodrama nie an Heiterkeit verliert. Und - das ist wohl dem Regisseur zu verdanken - er wirkt nie inszeniert wie Brokeback Mountain. Ganz nebenbei ist Firth' Mienenspiel tausendmal erotischer als das ganze Zeltgebumse.
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maxgoesche
über Lourdes 2010/04/24 19:03:01
Lourdes ist von einer ungeheuer stringenten Bildsprache. Schon die Eingangssequenz ist Zeugnis einer brillanten Regie. Es ist diese Handschrift, die das alte Kilischee vom "Weinen oder Lachen" elegant umschifft. Der Film verhandelt natürlich viel mehr als Glauben und Religion. Wir selbst sind es, unser Zynismus und unser Neid, hierarchische Gesellschaftsstrukturen und spießiger Rationalismus, die uns Wunder verleugnen lassen, weil sie unsere kleine, feine Welt zu erschüttern drohen und die Komplexität der Wissenschaften und Glaubenssysteme ad absurdum führen. Schön zu sehen, wie solche Topoi einmal nicht in esoterischem Wohlgefallen verwässern.
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maxgoesche
über Casino 2010/03/14 12:30:35
In diesem knapp dreistündigen Epos vereint Scorsese all seine Stärken: atemberaubende Bilder, fantastische Schauspielführung und die Affinität zur Musik der 50er bis 70er Jahre. Darüber erzählt er die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Mafiosi in Las Vegas. Robert De Niro bietet hier eine seiner letzten großen Leistungen, während Sharon Stone beweist, dass sie auch als Charakterdarstellerin taugt. Dabei vermeidet Scorsese jede sentimentale Schwere und selbstgefällige Action, die Filmen dieses Genres oft anhaftet. Die ersten eineinhalb Stunden vergehen wie im Flug, die Kamera
scheint alles aufzusaugen: von den Bewegungen auf den Spieltischen im Casino bis zu den verzweifelten Gesten im Schlagabtausch am Ende der Beziehung zwischen Sam (De Niro) und Ginger (Stone).
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maxgoesche
über Vier Minuten 2010/03/14 12:28:53
Was ist es nur, was anscheinend so viele Menschen an diesem Film lieben? Ich habe mich gelangweilt, über die ach so vorhersehbaren Wendungen und Traumata der Hauptdarstellerinnen gelacht und gen Ende, beim unglaublich dämlichen - man nennt es wohl - Showdown, nur noch entgeistert den Kopf geschüttelt. Nichts wirkt leichthändig, geschweige denn leidenschaftlich, alles ist überzogen, affektiert, manieriert. Dazu der typisch gefühlige Klaviersoundtrack, der auch dem letzten Zuschauer die Bedeutungsschwere der Bilder einbläut. Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung leiden sichtlich unter der völlig überladenen Story. Vier Minuten mit dem Deutschen Filmpreis auszuzeichnen, ist eine Beleidigung für all diejenigen, die mit deutschem Autorenkino noch ein Stück Transzendenz verbinden.
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maxgoesche
über Im Tal von Elah 2010/03/14 12:11:23
Eigentlich sehr bewegendes Antikriegsdrama, das jedoch zum Schluss in Pathos verwässert. Nachdem ein Vater zwei Söhne verloren hat, hisst er das Star-Spangled Banner. Und die Moral von der Geschicht: Entschlossenheit und Mut zur Einsicht enden da, wo schicksalsergebene Vaterlandsliebe anfängt. Ärgerlich bei all den Denkanstößen, die der Film gibt, ist die Kapitulation vor der Auseinandersetzung mit den Grundsätzen der Vätergeneration. Fazit: Hätte groß werden können - hat sich aber letztlich den Konventionen ergeben.
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maxgoesche
über Der Räuber 2010/03/14 08:56:56
Wie sein Held strebt dieser Film mit ungheurer Stringenz einem unausweichlichen und dann doch etwas überraschenden Ende entgegen. Angenehm, dass der Regisseur auf billige Morallektionen verzichtet, von denen es im deutschen Kino wimmelt. In diesem Sinne ist "Der Räuber" auch ein typisch österreichischer Film: kühl, beobachtend und zwingend in seiner Treffsicherkeit.
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maxgoesche
über Shutter Island 2010/03/12 11:01:20
Also allen Vorwürfen hier zum Trotz: Scorseses neuer Film ist fantastisches Kino! Die Geschichte ist mit einer visuellen Brillanz und Leidenschaft umgesetzt, wie man es von diesem Regisseur erwarten kann. Und wer, außer vielleicht Paul Thomas Anderson, schafft es, solch eindringliche, ja, sogartige Anfangs- und Endsequenzen zu drehen, die zupacken, emotional wie bildlich? Den Vorwurf, Scorsese würde mit Zitaten um sich schmeißen, halte ich für völlig verfehlt. Wo bei Tarantino unaufhörlich die Zitiermaschine läuft, benutzt Scorsese sie nicht zum bloßen Selbstzweck, quasi nur als Ratespaß für Möchtegern-Cineasten. Filmgeschichtliche Verweise dienen ihm dazu, Gefühle und Stimmungen zu kontrastieren. Die Traumszenen erinnern in ihrer schockierenden Schönheit bisweilen an Bunuel. Das Ensemble aus Ruffalo, Kingsley und von Sydow spielt im Hinblick auf das Ende bravourös schlecht. Und Leonardo DiCaprio war nie besser.
Wem die Story jedoch zu vorhersehbar ist, für den muss "Mulholland Drive" ein leichtes Kreuzworträtsel sein.
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maxgoesche
über Irreversibel 2010/02/28 15:35:46
Neben "Benny's Video" und "Funny Games" von Michael Haneke mein schrecklichstes Kinoerlebnis. Kaum auszuhalten: die Feuerlöscherhinrichtung und die Vergewaltigung in Echtzeit. Noé zeigt Gewalt in ihrer ganzen abscheulichen Dimension, doch erst durch das Rückwärtserzählen der Geschichte wird das Ausmaß deutlich. Das lässt sich auch durch eine intellektuelle Empörung über die unverhohlenen narrativen Mittel nicht wegdiskutieren. Erschütterung, Widerwillen, Ekel und Trauer sollen vor dem Thema nicht abschrecken, sondern zu einer Auseinandersetzung mit ihm führen. Wer sich dagegen verschließt, hat nichts begriffen. Es ist schwer vorstellbar, dass sich dieser Film in einer Kritiker-Bestenliste wiederfindet - dabei ist er ein verstörendes Monument.
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maxgoesche
über L.A. Confidential 2010/02/28 14:33:32
Was für ein Knaller! Was für ein Showdown! Man könnte Spacey, Crowe und Pearce eine kleine Ewigkeit zuschauen - so fantastisch ist das gespielt. Jede Minute des Films ist vollgepackt mit atemberaubender Spannung, süffisanten Dialogen, knallharter Action (blöde Phrase, ich weiß, aber hier trifft sie einmal zu) und Erotik. Schade, dass es heute keinen Regisseur mehr gibt, der so kunstvolle Noir-Thriller dreht (Scorsese eingeschlossen).
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maxgoesche
über Der Ghostwriter 2010/02/22 12:53:33
Subtile Spannung, brillante Dialoge und großartige Schauspielleistungen machen den neuen Polanski zu einem faszinierenden Werk über Machtverstrickungen und politische Korruption. Gefühle können hier nichts ausrichten, führen nur zu noch mehr Verwirrung. Polanski entfaltet diesen grau umwölkten Politthriller mit eindringlicher Ruhe und ein paar Hitchcock-Zitaten. Fazit: Endlich mal wieder ein Film, auf den der Begriff "Suspense" absolut zutrifft.
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maxgoesche
über The Last Samurai 2010/02/20 13:41:55
Dieser Film will von Ehre, traditionellem Kampfsport und dem "clash of civilizations" erzählen und bleibt doch weithin klischeehafter Hollywood-Bombast. Danach möchte man sich sofort "Hero" oder einen alten Kurosawa-Film anschauen. Im Endeffekt ist "Last Samurai" ein beliebiges Westernspektakel mit japanischen Kulissen: Schwerter gegen Artillerie.
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maxgoesche
über A Serious Man 2010/02/17 10:14:59
Schon klar: der Film lässt einen in einer unbehaglichen Unsicherheit zurück. Ein Film wie kalte Füße und Schweißhände. Aber das ist in dem Fall eher ein Lob, weil wer sich hier wiederfindet (und das werden wohl mehr sein, als es zugeben), der sieht sich mit Konventionen und Bigotterie konfrontiert, die jede Hoffnung auf Antworten im Keim ersticken. Oder vielleicht sind die Antworten auch bloß Kiffen und Jefferson Airplane hören...
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maxgoesche
über Liebesleben 2010/02/11 11:53:13
Großartiger Film! Kaum zu glauben, mit welcher Intention Maria Schrader als Regisseurin debütiert und wie wunderbar sie für das deutsche Kino untypische Sujets verwebt. Kein Wunder also, dass die Geschichte in Israel spielt und die dunkel-amouröse Vergangenheit natürlich in Paris liegt. Tatsächlich werfen hier die Meister des Liebesdramas Sautet und Truffaut ihre Schatten: Liebe als zerstörerisches und also befreiendes Element.
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maxgoesche
über Surrogates - Mein zweites Ich 2010/02/02 13:23:16
Blöder Science-Fiction-Streifen mit wenig Action, schlechten Spezialeffekten und einer lächerlichen Zivilisationskritik. Einzig Bruce Willis rackert sich vergeblich um ein bisschen Glaubwürdigkeit ab.
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