Medienjournal - Kommentare

Alle Kommentare von Medienjournal

  • 9

    [...] Eigentlich wollte ich "Brooklyn – Eine Liebe zwischen zwei Welten" (dessen pathetischen Untertitel man sich mal wieder hätte sparen können) bereits zum Kinostart seinerzeit sehen, doch wie es das Leben eben so wollte, wurde daraus mal wieder nichts, doch nun, mehr als ein Jahr später, habe ich es endlich geschafft, den Film nachzuholen und das Warten hat sich gelohnt, waren die Vorschusslorbeeren schließlich mehr als berechtigt. Dabei erzählt der Film eine im Grunde sehr überschaubare, weitestgehend auch überraschungsarme Geschichte ohne großartige Aufgeregtheit, aufgesetzte Dramatik oder übertriebenes Pathos, was sich aber mitunter als eine der Stärken der von Nick Hornby adaptierten Geschichte – basierend auf dem gleichnamigen Roman von Colm Tóibín – entpuppt, denn ihm gelingt das feinfühlig und intim skizzierte Portrait einer jungen Irin und Auswanderin, das von Fernweh und Heimweh, Selbstbestimmung und Erwachsenwerden handelt, mehr noch als all das aber von dem Begriff und dem Gefühl von Heimat, dass Protagonistin Eilis Lacey in der Fremde zu ergründen sucht. [...]

    • 8

      [...] Seit gestern läuft die sehr lose auf der gleichnamigen Autobiografie von Sophia Amoruso basierende erste Staffel der Serie "Girlboss" auf Netflix und falls ihr euch gefragt haben solltet, wie ich den gestrigen Abend verbracht habe, wisst ihr es nun, denn kurz nach Mitternacht war ich mit der dreizehn Folgen umfassenden Staffel durch und fühlte mich doch in Gänze herrlich gut unterhalten. Mehr denn je ist es aber hier natürlich eine Frage der Erwartungshaltung, ob man der Serie etwas abgewinnen kann oder nicht, denn ich für meinen Teil ging völlig unbefangen an die Chose heran und habe hauptsächlich wegen des vielversprechend frischen Trailers und Britt Robertson zugeschaltet, musste mich gar von meiner Freundin belehren lassen, dass es ein Buch gleichen Namens gibt, dass wohl speziell in der Social Media-Szene ziemlich gehypt wird, so dass ich die Serie auch als das genießen konnte, was sie allem Anschein nach sein möchte, nämlich eine locker-flockig-inszenierte, um schmissige Sprüche und übertriebene Darstellungen nicht verlegenes Comedy-Format mit ganz leichtem Schlag in Richtung Dramedy. [...]

      1
      • 9

        [...] Es hat ein wenig gedauert, bis "The Revenant – Der Rückkehrer" und ich zueinander gefunden haben und in Anbetracht dessen, dass ich mir Iñárritus Vorgängerfilm "Birdman" auch erst in etwa zu der Zeit angesehen habe, als "The Revenant" die hiesigen Kinos erreichte, wundert es mich fast ein wenig, dass der Ausnahmeregisseur, den ich bereits seit seinen Anfängen mit "Amores Perros" kenne und schätze, nicht bereits mit einem Nachfolgeprojekt in den Startlöchern steht. Nachdem nun aber selbst mein Vater den Film bereits gesehen und mir im Nachgang wärmstens empfohlen hatte, kam ich ja um eine schnellstmögliche Sichtung nicht mehr herum und widmete mich keinen Tag später diesem gut zweieinhalbstündigen Survival-Epos, das – so viel kann ich jetzt auch sagen – Leo verdientermaßen endlich den lange überfälligen Oscar eingebracht hat. Neben dem Herrn DiCaprio aber ist es die Natur, die hier alsbald zum zweiten Hauptdarsteller avanciert und das Geschehen überhaupt erst so eindrücklich umrahmt, wie es hier der Fall ist, wobei in Anbetracht der naturbelassenen Schauplätze in dieser Hinsicht ein großes Lob auf den bereits bei Birdman beteiligten Kameramann Emmanuel Lubezki ausgesprochen werden darf und muss. [...]

        • 5 .5

          [...] Okay, klar, J.K. Simmons ist ne coole Socke, gar keine Frage, derweil ich Emile Hirsch allerspätestens seit "Killer Joe" ebenfalls sehr schätze und dementsprechend hätte "The Runaround – Die Nachtschwärmer" ein kurzweiliger und unterhaltsamer Streifen werden können, eine zutiefst ungewöhnliche Buddy-Komödie wie sie im Buche steht, denn das Schema geht ja eigentlich bei entsprechenden Grundzutaten beinahe immer mehr oder minder gut auf und Simmons und Hirsch sind ja nun auch nicht gerade das übliche Gespann, doch liegt die Betonung eben leider auf dem "hätte", denn so richtig funktionieren möchte der Film nicht und so ist ausnahmsweise auch der unnötig verkomplizierte "deutsche" Titel diesmal näher an der Wahrheit als das simple "All Nighter" im Original, denn nicht nur die Gags laufen immer nach demselben Schema ab und gehen meist auf Kosten des verlotterten Martin (Hirsch), nein, auch der Plot der Chose wartet bei einer Laufzeit von gerade einmal 86 Minuten mit erschreckend viel Aufwärmphase und Leerlauf auf und gönnt sich zudem noch ein ausgiebiges Outro, so dass in der Summe leider herzlich wenig Komödie übrigbleibt, doch andere Genres weiß der Streifen leider ebenso wenig zu bedienen, was ihn schon ziemlich enttäuschend macht. [...]

          • 9

            [...] Nachdem nun die BBC One Serie "Taboo" seit Ende März Amazon Prime zum Dank bereits über die Bildschirme flimmert und nun seit dem vorgestrigen Tag auch auf DVD und Blu-ray den Einzug im Heimkino halten kann, wird es Zeit, mich dieser un- wie außergewöhnlichen Historienserie einmal ausgiebiger zu widmen, deren größtes Rätsel es mitunter sein dürfte, welchem Genre man sie denn überhaupt zurechnen sollte, denn auch wenn es sich vordergründig um ein historisches Drama handeln mag, wirken hier doch viele Aspekte von Geister- und Mystery-Geschichten mit hinein, ohne dass man tatsächlich die Anwesenheit einer übersinnlichen Macht postulieren könnte, denn in der Beziehung bleibt die Serie erfreulich vage und lässt selbst die handelnden Figuren Fragen aufwerfen, die genau auf die Diskrepanz dessen abzielen, was Hauptfigur James Delaney zu verkörpern vorgibt, denn man weiß nie genau, ob es Hirngespinste und drogeninduzierte wie gleichsam aus traumatischen Ereignissen erwachsene Alpträume sind, die ihn umtreiben, oder ob er wirklich in Kontakt mit einer Art Geisterwelt steht. Dergestalt allein schon beschreitet "Taboo" entsprechend einen ungewohnten Weg und kommt ungleich düsterer und fatalistischer daher als vergleichbare Historienserien wie man sie insbesondere von der BBC gewohnt sein dürfte. [...]

            • 8 .5

              [...] Als ich das erste Mal von "The Nice Guys" gehört habe, begann ich ja schon unwillkürlich mit den Füßen zu scharren, denn ungeachtet dessen, dass Regisseur und Drehbuchautor Shane Black sich seine Meriten (zumindest als Schreiber) bereits in den Achtzigern mit "Lethal Weapon" verdient hat, ist es doch sein Regie-Debüt "Kiss Kiss Bang Bang" gewesen, das mich vollends für ihn einzunehmen wusste und mich mit jeder weiteren Sichtung aufs Neue begeistert, derweil ich auch "Iron Man 3" für einen der stärksten Vertreter des MCU halte, auch wenn das viele anders sehen mögen. Nun kehrt Black also nach Jahren zu seinen Wurzeln zurück und liefert eine weitere Buddy-Krimi-Komödie par excellence, wobei natürlich klar ist, dass Humor immer Geschmackssache ist und auch die Slapstick-Einlagen nicht jedermanns Sache sein dürften, doch mich hat der Film vom ersten Moment an abzuholen gewusst und erneut bahnbrechend unterhalten, was nicht zuletzt aber auch an dem Besetzungs-Clou gelegen haben mag, denn die Chemie der beiden Hauptfiguren ist großartig, wobei sich allerdings die gerade mal fünfzehnjährige Angourie Rice als regelrechter Szenendieb entpuppt. [...]

              • 8 .5

                [...] Nachdem ich mich kürzlich erst mit "The Counselor" einem eher wenig geschätzten Film des Star-Regisseurs Ridley Scott gewidmet hatte, stand nun auch der etwas neuere "Der Marsianer – Rettet Mark Watney" auf dem Plan und hier schwingt sich Scott zumindest bedingt zu alter Größe auf, denn inszenatorisch ist an dem Werk wahrlich nichts auszusetzen, wobei er hier natürlich Rückgriff auf die gleichnamige Buchvorlage nehmen konnte, um sein Werk auch dramaturgisch überzeugend zu gestalten, insbesondere, da er sich im Hinblick auf die Vorlage einige sinnvolle Freiheiten herausgenommen hat, um das Werk für die Leinwand zu adaptieren. So ist der Film schlussendlich auch weit weniger die One-Man-Show, die ich mir erwartet hatte – wenngleich Matt Damons Figur des Mark Watney ohne Zweifel im Fokus steht und die meiste Screentime beansprucht – sondern vielmehr ein überzeugendes Ensemble-Stück, das neben der Story auf dem Mars alsbald zunächst die Geschehnisse auf der Erde mit hinzuzieht und im letzten Drittel die Besatzung der Mars-Expedition ebenfalls erneut auf den Plan ruft, nachdem diese zuvor lediglich in den ersten rund zehn Minuten eine Rolle gespielt haben. [...]

                1
                • 8 .5

                  [...] Ich bin ja sonst nicht unbedingt ausgewiesener Freund von Historien-Serien oder zumindest Kostüm-Dramen, doch bei "Victoria" musste ich ja im Grunde allein schon wegen Jenna Coleman einen Blick riskieren, die hier die Rolle der jungen Monarchin übernimmt, wobei oft verschwiegen wird, dass auch – zumindest in einem Großteil der Folgen – der nicht minder sehenswerte Rufus Sewell als Lord Melbourne mit von der Partie ist, was gleich zwei quasi zwingende Gründe darstellt, sich der Serie um die junge Königin zu widmen. Die erste Staffel umfasst dabei mit ihren gerade einmal acht Episoden grob die ersten drei ‚Regierungsjahre von Victoria und entsprechend beginnt die knapp 70 Minuten währende Pilotepisode "Puppe Nummer 123" mit der Nachricht, dass Victorias Onkel Wilhelm IV. in der Nacht verstorben und somit die Königswürde an sie gefallen sei. Gemessen daran, dass Victoria es als Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland auf eine Regierungszeit von 63 Jahren (1837-1901) gebracht hat, könnte man meinen, ihr Leben liefere Stoff für eine schier endlos scheinende Serie, doch in Kombination mit der obligatorischen Verlängerung für eine zweite Season teilte ITV bereits mit, man könne sich eine Gesamtlänge von sechs Staffeln vorstellen, was natürlich darauf deutet, dass die unweigerlichen Zeitsprünge, die auch hier schon zuweilen irritieren, noch zunehmen werden, derweil unklar ist, ob und inwieweit Coleman weiterhin – beziehungsweise wie lange noch – die Rolle der Königin übernehmen wird. [...]

                  • 3
                    über Shut In

                    [...] Ich bin ja nun wahrlich kein versierter, geschweige denn passionierter Horrorfilme-Gucker und dennoch wusste mich "Shut In" die meiste Zeit kaum hinter dem Ofen hervorzulocken, was es umso verwunderlicher macht, dass das Skript seitens Christina Hodson es auf die Blacklist der beliebtesten, ungedrehten Filme gebracht hat, denn von der Faszination, die manch einer beim Lesen des Drehbuchs gespürt haben mag, ist leider beim fertigen Film wenig zu entdecken. So sind die Schockmomente beinahe allesamt von Weitem zu erkennen und gemeinsam mit der zunächst ungemein unbedeutenden, vor sich hin dümpelnden Handlung ist an Spannung zunächst kaum zu denken. Das mag irgendwann auch Regisseur Farren Blackburn aufgegangen sein, denn alsbald verlegt er sich darauf, Traumsequenz an Traumsequenz zu reihen – ebenfalls mit obligatorischem Schocker, wohingegen speziell eine Szene, bei der man meint, sie würde eine Wende in der Geschichte herbeiführen, achtlos fallen gelassen und nicht wieder aufgegriffen wird. [...]

                    • 8

                      [...] Es gibt ein Leben nach dem Tod. Mit dieser simplen wie bahnbrechenden Erkenntnis versucht der Netflix-Film eine ungemein unaufgeregte und teilweise beinahe kammerspielartig inszenierte sanfte Variation der Apokalypse zu zeichnen. Obschon man nämlich um das "Dass" weiß, sind die weiteren Modalitäten um das "Wie" oder "Wo" in der Gleichung bisher noch große Unbekannte, derweil das die Menschen nicht davon abhält, die Suizidrate in ungeahnte Höhen schnellen zu lassen, denn ist das Leben schwierig oder unbequem, zu schwer oder zu traurig, besteht ja nun immerhin Gewissheit, dass es weitergeht nach dem Punkt, an dem eigentlich alles endet. All diese Gedankengänge und -spiele werden in "The Discovery" aber nur ziemlich am Rande angerissen und in dieser Hinsicht hätte ich es durchaus begrüßenswert gefunden, wenn man diesen Gedankengang im Dialog noch weiter verfolgt, doch fokussiert der Film eben weit mehr auf seine Figuren, deren Welt und Lebensumstände sich lediglich in diesem kleinen, aber doch gravierenden Punkt von unserer Welt unterscheiden. [...]

                      • 8

                        [...] Mehr durch Zufall – wie viele Reviews habe ich schon mit diesem Passus begonnen – bin ich jüngst bei Netflix über "The Expanse" gestolpert und während ich mich ja gerne immer mal wieder ärgere, dass das Science-Fiction-Genre in dieser Art und Ausprägung auch heutzutage noch recht stiefmütterlich behandelt wird, schien die einmal mehr von Syfy produzierte Serienstaffel mehr als geeignet, diesem Umstand Abhilfe zu schaffen. Dabei basiert die Serie auf der gleichnamigen Buchreihe von James Corey, hinter dem sich eigentlich die Autoren Daniel Abraham und Ty Franck verbergen, die sich wiederum auch als Produzenten und – im Fall der Folge 'Gewagtes Spiel' (1.07) – Drehbuchautoren der Serie verdingen, die unlängst nach dem erfolgreichen Start der zweiten Staffel erneut verlängert worden ist. Die erste Staffel nun widmet sich aber zunächst den Geschehnissen des ersten Romans "Leviathan Wakes" (der hierzulande vom Heyne Verlag jüngst als "Leviathan erwacht" neu aufgelegt worden ist). [...]

                        • 5 .5

                          [...] Deer auf dem gleichnamigen Bestseller basierende, den realen Fall der "West Memphis Three" behandelnde "Devil’s Knot – Im Schatten der Wahrheit" ist für mich ein extrem zweischneidiges Schwert gewesen, denn einerseits versteht es Regisseur Atom Egoyan – der mir zuvor nur durch den doch enttäuschenden "The Captive" ein Begriff war – vortrefflich, vom ersten Moment an eine bedrückende und fesselnde, ungemein dichte Atmosphäre zu erschaffen, andererseits verzettelt er sich zusehends in den vielen Fragmenten des Falles, wirft Namen und Figuren ins Geschehen, ohne dass sämtliche Zusammenhänge deutlich würden oder man dem Treiben noch vollumfänglich folgen könnte, so dass sich das Filmerlebnis in seiner Gänze dann doch sehr durchwachsen gibt. Vor allem aber wirkt es zuweilen so, als würden sich einzelne Teile des Films beinahe unabhängig voneinander entwickeln, so dass es beispielsweise nur wenige Zusammentreffen zwischen den beiden Hauptfiguren und -darstellern gibt und der Ermittler Ron Lax mit der trauernden Mutter Pam Hobbs kaum Screentime teilt und noch weniger Worte wechselt. [...]

                          • 9

                            [...] Waas könnte langweiliger und trockener sein als ein Film über die Anfänge der Finanzkrise 2007/2008 und eine Handvoll Hedgefond-Manager und Trader, die den Braten vor allen anderen gerochen und sich entsprechend zu positionieren versucht haben, im Endeffekt aber auf Kosten der breiten Bevölkerung und eines sprichwörtlich blind und korrupt gewordenen Systems die große Kohle machen? Eine ähnliche Frage dürfte sich auch Regisseur und Mit-Drehbuchautor Adam McKay bei seiner Verfilmung des gleichnamigen Sachbuches von Michael Lewis gestellt haben und so präsentiert er dem geneigten Zuschauer – in Vertretung durch Erzählerfigur Jared Vennett (Ryan Gosling) – nach guten zwanzig Minuten Margot Robbie im Schaumbad, um in direkter Ansprache an den Zuschauer einige Aspekte des amerikanischen Finanzwesens verständlich zu machen. Ein Kniff, der aufgeht, denn allein diese Einsprengsel lassen den satirischen Unterton erkennen, von dem "The Big Short" in seiner Gänze durchzogen zu sein scheint, während das Thema an sich ja eigentlich eine ernste Sache ist. [...]

                            • 7 .5

                              [...] Nachdem vor etwas mehr als einer Woche mit "Iron Fist" die nunmehr vierte und somit vorerst finale Serie des Netflix-Ablegers der Marvel-Schmiede erschienen ist und scheinbar noch in diesem Jahr in die achtteilige Miniserie "The Defenders" münden wird – September laut IMDb – , liegt nun auch diese Staffel hinter mir und lässt mich doch – obwohl grundsätzlich durchaus überzeugend und oft regelrecht ausgezeichnet – mit gemischten Gefühlen zurück, so dass ich zwar bereits jetzt für mich festhalten kann, dass Danny Rands Einstand wieder gelungener geraten ist als der von "Luke Cage", jedoch im Vergleich zu den meines Erachtens durchweg großartigen "Daredevil"– und "Jessica Jones"-Geschichten merklich das Nachsehen hat. So beginnt die Serie nämlich auch zunächst recht generisch und gerade die in der ersten Folge dargebrachte Geschichte von dem nach fünfzehn Jahren heimgekehrten Mann, dem niemand seine Identität abkaufen möchte, der sich in der zivilisierten Welt nur leidlich zurechtfindet und immer wieder von Flashbacks seiner Vergangenheit geplagt wird ist nun nicht eben neu und wird auch nicht gerade innovativ in Szene gesetzt, wobei es zumindest ausreicht, um einerseits zu unterhalten, andererseits neugierig zu machen, wenn da auch noch reichlich Luft nach oben ist. [...]

                              1
                              • 8 .5

                                [...] Ein gutes Dreivierteljahr ist vergangen, seit die erste Staffel "Preacher" dank Amazon Prime auch hierzulande verfügbar ist (mittlerweile natürlich längst auch auf DVD/Blu-ray erschienen) und endlich habe ich es nach mehreren Anläufen geschafft, die Serie zu sichten und zu besprechen. Die mehreren Anläufe haben dabei im Übrigen nichts mit der Qualität und dem Unterhaltungswert der Serie zu tun, sondern vielmehr damit, dass der gesteigerte Gore-Grad ein absolutes Ausschlusskriterium für meine Liebste waren, weshalb ich mich dem Prediger immer nur allein und somit spät abends widmen konnte, was natürlich eine zeitnahe Sichtung erschwert. Dabei merkt man der Serie wirklich vom ersten Moment an ihre Comic-Herkunft an – basiert die Story schließlich auf der gefeierten und gleichnamigen Comicbuchreihe von Kultautor Garth Ennis, der sich beispielsweise auch die Serie "Crossed" hat einfallen lassen, die seit bald zehn Jahren Erfolge feiert – , denn nicht nur das texanische Örtchen Annville und dessen Bewohner, sondern eben auch die Action, der Splatter-Faktor und die allgemein um sich greifende Skurrilität sind so spürbar überzeichnet, dass zu keinem Zeitpunkt Zweifel an der Herkunft der Geschichte aufkommen. [...]

                                • 5 .5

                                  [...] Lange habe ich mich auf eine Sichtung von "Michael Kohlhaas" gefreut und mindestens ebenso lange habe ich sie vor mir hergeschoben, auch wenn ich wie gesagt enorm neugierig auf die Verfilmung der klassischen Novelle von Heinrich von Kleist war, zumal niemand Geringeres als Mads Mikkelsen für den namensgebenden Kohlhaas eintritt und fernab seiner Serien-Kultrolle als "Hannibal" bereits in Dramen wie "Die Jagd" sein darstellerisches Können und dessen Intensität unter Beweis gestellt hat. Nun wird die Novelle, auch wenn sie dem altertümlichen Thema treu bleibt, spürbar modern inszeniert, doch wusste für mich lange Zeit der Funke leider nicht wie erhofft überzuspringen. [...]

                                  • 6 .5

                                    [...] Ich denke, ich sollte diese Review damit beginnen, mich zunächst einmal als "Final Fantasy"-Nicht-Kenner zu outen, denn auch wenn mich schon einige Teile der Reihe gereizt haben mögen und ich mich zumindest dunkel an das Spiel für die PSP seinerzeit erinnere, fehlt mir doch bei meinen vielfältigen Hobbys schlicht die Zeit, mich auch noch zum Zocker zu mausern. Dies vorweggeschickt, sollte klar sein, dass ich hier lediglich den Film als solchen bewerten kann und möchte, folglich auch keine Aussage darüber zu treffen weiß, inwieweit er sich eher für die Fans des Spiels oder als Appetizer schlägt, sondern lediglich für sich genommen als Film betrachtet. "Kingsglaive: Final Fantasy XV" beginnt dabei mit einer ziemlich kurzen wie prägnanten Exposition der Welt und der Umstände, holt den Zuschauer damit aber vortrefflich ab, um hieran anschließend die namensgebenden "Königsgleven", sozusagen die Spezialeinheit des Königreich Lucis ins erste Gefecht zu werfen und mit ihrer Fähigkeit, sich zu ihren Gleven zu teleportieren, wovon sie ausgiebig Gebrauch zu machen wissen, spielt der Film prompt eine seiner größten Stärken aus, denn optisch macht die Chose einiges her und punktet mit extrem detaillierten CGI-Animationen, wobei mich speziell der Detailgrad bei der Physiognomie und Mimik des Öfteren in schieres Staunen versetzt hat. [...]

                                    • 6

                                      [...] Mit "Dritte Person" hat Paul Haggis 2013 nun nicht eben einen umwerfenden Film geschaffen, in seiner nebulös-mysteriösen Ausrichtung mir aber einen der meistgelesenen Artikel meines Blogs beschert, weil wohl viele Leute fragend durch das Internet geistern auf der Suche nach Antworten zum Verständnis des Films. Drei Jahre zuvor ist Haggis‘ Thriller "72 Stunden – The Next Three Days" entstanden (schön, dass sich das deutsche Marketing die Mühe gemacht hat, dem Zuschauer auszurechnen, wie viele Stunden drei Tage haben) und geht hinsichtlich seiner Inszenierung einen deutlich geradlinigeren Weg, denn der Plot um einen Ehemann, der verzweifelt versucht, seine unschuldig hinter Gittern sitzende Frau zu befreien, lässt zu kaum einem Zeitpunkt auch nur den leisesten Zweifel daran aufkommen, dass sie die Tat nicht begangen hat. Nun macht eine stringentere Ausgestaltung aber nicht automatisch den besseren Film, denn ändert es nichts an der Tatsache, dass der Plot zuweilen reichlich zusammengeschustert wirkt und mehr als nur ein paar Fragen offen lässt, angefangen damit, dass mir die Verhaftung und Verurteilung deutlich zu hastig abgehandelt worden sind, auch wenn dadurch natürlich deutlich mehr Zeit bleibt, den eigentlichen Plot um den verzweifelten Ehemann zu entfalten. [...]

                                      • 9

                                        [...] Wer schon immer einmal erleben wollte, was passiert, wenn man einen illustren Reigen aus nicht weniger als elf gleichermaßen namhaften wie fähigen, teils Oscar-prämierten oder zumindest nominierten Schauspielerinnen und Schauspielern in den Ring wirft, um ein mit dem Pulitzer-Preis bedachtes Theaterstück für die Kinoleinwand zu adaptieren, der sollte sich "Im August in Osage County" nicht entgehen lassen und nachdem der Film einige Zeit unbeachtet auf meiner Wunschliste vor sich hin dümpelte, bin ich nun umso glücklicher, ihm endlich Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet zu haben, denn was hier in guten zwei Stunden Spielzeit auf die Leinwand gebracht worden ist, hätte andernorts sicherlich für die Jahresstaffel einer handfesten Drama-Serie genügt, was natürlich den Gedanken keimen lässt, das Geschehen könne sicherlich reichlich konstruiert und überladen wirken, doch gelingt es dem fähigen Team rund um Regisseur Jon Wells, selbst diese Gefahren zu umschiffen. [...]

                                        • 8

                                          [...] Davon abgesehen, dass das New York Anfang der achtziger Jahre für sich genommen schon ein ungemein lohnenswertes Pflaster für filmisches Schaffen darstellt, würde man meinen, dass eine Geschichte über einen aufstrebenden Heizöl-Lieferanten nun nicht wahnsinnig viel Drama und Spannung bereithalten würde und entsprechend ist "A Most Violent Year" weitestgehend an der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vorbeigerauscht, was mich dennoch in Anbetracht der Besetzung ein wenig verwundert. Drehbuchautor und Regisseur J. C. Chandor, den ich noch aus "Margin Call" in guter Erinnerung hatte, gelingt hier aber das seltene Kunststück, aus einer auf dem Papier recht profan wirkenden Geschichte ein atmosphärisch ungemein dichtes Werk zu erschaffen, dass einerseits Charakter-Drama, andererseits Milieu-Studie zu sein versteht und sich dabei trotz des bekannten und gern herangezogenen Settings fernab ausgetretener Pfade bewegt, denn auch wenn die Kriminalität des New York zur damaligen Zeit hier durchaus wichtiger Teil der Erzählung ist, konzentriert er sich eben nicht auf mordende und plündernde, am besten noch rivalisierende Gangsterbanden, sondern legt seinen Fokus ganz klar auf den ambitionierten Abel Morales, bei dem der Name Programm zu sein scheint. [...]

                                          1
                                          • 5

                                            [...] Zugegeben, ich wusste wohl bereits im Vorfeld, dass "Gods of Egypt" kein im klassischen Sinne guter Film werden würde, doch als Freund martialischer Unterhaltungsfilme in antikem Gewand wie etwa "Kampf der Titanen" oder "Krieg der Götter" erhoffte ich mir doch zumindest solide Unterhaltung mit schicker Optik, zumal ich durchaus gespannt war, wie "Game of Thrones"-Recke Nikolaj Coster-Waldau sich in einem Film machen würde, derweil Gerard Butler meines Erachtens ja eigentlich immer geht. Nun muss man ja manchmal Erwartungen zurückschrauben und nach einem durchaus interessanten Einstieg sah ich mich selbst in diese Lage versetzt, denn in Anbetracht dessen, dass hier doch eigentlich gestandenen Schauspielern aufgetragen worden ist, die Chose zu schultern, wirkt doch manches arg hölzern und speziell Brenton Thwaites, im Grunde eigentlicher Hauptdarsteller des Films, hat selbst in dem für sich genommen schon sehr enttäuschenden "Son of a Gun" darstellerisch eine überzeugendere Leistung abgeliefert. [...]

                                            • 7

                                              [...] Ein Film über Filme oder in dem Fall das Hollywood der 50er Jahre ist ja schon immer eine Sache für sich und spätestens nach der Sichtung ist mir auch vollkommen klar, weshalb "Hail, Caesar!" nicht unumwunden Anklang gefunden hat bei Publikum und Kritikern, denn erschwerend kommt hinzu, dass es sich eben um einen Film der Gebrüder Coen handelt und die waren schon immer etwas eigen, was ihr filmisches Schaffen betrifft und wer den Namen Coen hört, denkt natürlich prompt an deren größte Erfolge und kultigste Filme, wobei sich in diesem Fall ein Vergleich zu beispielsweise "Burn After Reading" wohl eher anbieten würde, denn einen roten Faden, eine durchkonzipierte Geschichte sucht man hier im Grunde vergeblich und das allein mag schon so manchen Zuschauer verprellen. Im Kern der Erzählung steht hier der von Josh Brolin verkörperte Producer und "Fixer" Eddie Mannix und der allein ist es auch, der die lose Geschichte notdürftig zusammenhält und gleichzeitig die mitunter größte Rolle in dem munteren Star-Reigen übernimmt. [...]

                                              • 4 .5

                                                [...] Kennt ihr das, wenn man einen Film unbedingt mögen will, selbst wenn die Kritiken eine andere Sprache sprechen? So erging es mir mit "Let’s Kill Ward’s Wife", denn ich war mir sicher, dass dieser Film wahrscheinlich zu Unrecht so wenig beachtet und im Kern eine Perle des schwarzen Humors sein könnte, schlichtweg nur nicht dem Geschmack der Massen entspricht und entsprechend unter dem Radar hindurchhuscht. Die Besetzung tat hierbei ihr Übriges, wobei es natürlich zuvorderst Amy Acker zu verdanken war, dass ich hier einen Blick riskieren wollte, sieht man sie bekanntlich viel zu selten in Filmen, doch es sollte wohl einfach nicht sein, denn mit dem Konzept des Films wurde ich nicht wirklich warm, was gar nicht einmal am Thema selbst liegt, was für viele schon ein Ausschlusskriterium sein dürfte, denn dass hier aktiv über Mord nachgedacht wird ist eben in der Kategorie "schwarzer Humor" nichts ungewöhnliches und der eigentliche Tod von Wards Frau vollzieht sich dann auch gänzlich anders, als man das vielleicht meinen würde, wobei der Film hier auch seine einzig wirklich starken Momente hat, die mich auch rundherum zu unterhalten gewusst haben, was vorrangig an der Absurdität der Situation, dem ungemein trockenen Humor und den unerwarteten Reaktionen der einzelnen Figuren lag. [...]

                                                • 8 .5

                                                  [...] Schon lange hatte ich ein Auge auf "American Horror Story" geworfen, nicht zuletzt, da die Idee zu der Serie von niemand Geringerem stammt als Ryan Murphy, dem ich zwei großartige Staffeln "Popular" und natürlich vor allem "Nip/Tuck" zu verdanken habe, womit er ähnlich hoch in meiner Gunst steht wie Alan Ball. Sei es wie es will, hat es einige Zeit gedauert, bis die FX-Serie es auch nach Deutschland geschafft hat und ich tat richtig daran, mich nicht mit den DVD-Veröffentlichungen zufrieden zu geben, so dass ich umso erfreuter war, als die nachträgliche Veröffentlichung der Blu-ray-Boxen verkündet worden ist. Das Unterfangen, eine waschechte Horrorgeschichte in Serienform zu präsentieren ist dabei zwar leider nicht vollends geglückt, doch dennoch macht die Serie eine durchaus gut Figur, was nicht zuletzt an den sorgfältig ausgewählten Darstellern liegt, die man teilweise in den folgenden Staffeln in gänzlich anderen Rollen wiedersehen wird, denn eines der Alleinstellungsmerkmale der Serie ist es, dass, ähnlich wie bei "True Detective" (die ja durch Ryan Murphys "American Crime Story" bald direkte Konkurrenz bekommen wird), jede Staffel in sich geschlossen und vor allem abgeschlossen ist, wenn Murphy auch kürzlich verlauten ließ, dass sich bald erstmals Zusammenhänge erkennen lassen würden, die die einzelnen Geschichten/Staffeln in einen größeren Kontext setzen. [...]

                                                  • 7 .5

                                                    [...] Nach etwas längerer Abstinenz bin ich nun kürzlich endlich dazu gekommen, mich "American Horror Story: Coven" zu widmen, womit ich zwar immer noch haltlos hinterherhinke, aber doch zumindest guten Willen erkennen lasse, zumal es – wie ich feststellen durfte – bei derartig gelagerten Serien, deren Geschichten in jeweils einer Staffel abgehandelt und die für sich genommen in sich abgeschlossen sind nicht annähernd so dramatisch ist, wenn man sich nicht auf der Höhe der Zeit befindet, weil die Spoiler-Gefahr um einiges geringer, ja beinahe nicht vorhanden ist. Nun soll es ja aber um die Staffel an sich gehen und leider muss ich auch hier wieder sagen, dass der dritte Aufguss des Horror-Themas nach extrem vielversprechendem Einstieg mit jeder weiteren Folge immer mehr überfrachtet wirkt und keinen klaren Konsens hinsichtlich des Themas zu erreichen scheint, wenngleich die Themen an sich natürlich allesamt artverwandt sind zu der Hexen-Akademie in New Orleans, um die es originär und zuvorderst gehen soll. [...]