Obwohl die Konflikte reichlich dramatisches Potenzial liefern, gehen Shani und Copti mit ihnen ganz anders um, als es etwa Iñárritu zu tun pflegt. Im Gegensatz zu dem mexikanischen Regisseur, der sich teilweise geradezu in den Emotionen seiner Figuren suhlt, bemüht sich Ajami um eine weitaus objektivere und realistischere Inszenierung. Durch den Einsatz von Laiendarstellern, eine stets etwas auf Distanz bleibenden Kamera und den Verzicht auf einen emotionalisierenden Soundtrack wird das Melodramatische durch ein Bemühen um Authentizität in den Hintergrund gedrängt.
Jüngere Kinder könnten mit dieser teilweise sperrigen und düsteren Version eines Kinderfilms Schwierigkeiten haben. Der Film verfügt zudem über eine Indie-Credibility, die sich vor allem an Erwachsene richten dürfte. Wie Spike Jonze aber ein Kinderbuch für die große Leinwand adaptiert, ohne den eigenen Stil zu verwässern oder Zugeständnisse an das Genre zu machen, ist in jedem Fall sehenswert.
A Serious Man demonstriert unter Einbeziehung zahlreicher Leitmotive auf anschauliche Weise, dass die Coens für das Kino etwas stilistisch Einzigartiges beizutragen haben. Dazu gehört vor allem die Vorliebe für eine gewisse Ambivalenz, die auch über die Figurenzeichnung hinausgeht. Immer wieder entzieht sich der Film einer Kategorisierung als reine Komödie und pflegt stattdessen ein sich ständig neu definierendes Spannungsverhältnis aus tragischen und komischen Elementen, das den Zuschauer selbst in der letzten Szene noch vor den Kopf stößt.
Man muss 8th Wonderland zugutehalten, dass sein Konzept, eine Geschichte mit unterschiedlichen Mitteln zu erzählen, teilweise zu einem stimmigen und kurzweiligen Ergebnis führt. Allerdings kann selbst das rasante Erzähltempo nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Mach und Alberny mit ihrem Vorhaben, einen Polit-Thriller von globalem Ausmaß zu drehen, eindeutig übernommen haben. Die holprig verbundenen Erzählstränge bleiben dabei nicht das einzige Problem.
New Moon erzählt wie sein Vorgänger eine typische Coming-of-Age-Geschichte mit Versatzstücken aus dem Horrorgenre. Die düstere Stimmung spiegelt vor allem Bellas gebeutelte Teenager-Seele. Probleme mit der Liebe stehen auch bei Meyer im Zentrum, nur mit dem Unterschied, dass ein Teil der Figuren einer fantastischen Welt entstammt. Dabei vernachlässigt der Film immer wieder die Universalität seiner Erzählung, indem er sich gezielt an ein minderjähriges, überwiegend weibliches Publikum richtet und somit jeden, der nicht dazu gehört, ausschließt.
Obwohl es ein Qualitätsmerkmal von Adam ist, die Krankheit seines Protagonisten nicht zu problematisieren, raubt gerade ein Übermaß an Harmonie dem Film die Dynamik. [...] Wenn Adam nach jeder Taktlosigkeit mit Hundeblick fragt, was er denn falsch gemacht habe, wird das Asperger-Syndrom endgültig zur liebenswürdigen Eigenschaft verklärt. [...] Die berechnende Art, mit der Adam die Marotten seines Protagonisten einsetzt, um beim Publikum Entzücken auszulösen, ist verdächtig nahe an Zemeckis' kitschigem Epos Forrest Gump dran.
Letztlich ist Tannöd aufgebaut wie ein gewöhnliches Whodunnit, - im Gegensatz zum tatsächlichen Mordfall geben Buch und Film sowohl die Identität des Mörders als auch sein Motiv preis. Darüber kann Oberli auch nicht hinwegtäuschen, nur weil sie die Bekanntgabe des Mörders nicht als Hauptattraktion inszeniert. Wenn Tannöd betont kryptisch und offen endet, obwohl der Zuschauer bereits alle wichtigen Informationen hat, gibt er sich weitaus ambivalenter, als er es eigentlich ist.
Der dänische Regisseur Jonas Elmer, der bereits in seinem Heimatland Erfahrungen mit Romantic Comedies gesammelt hat, folgt einem ambitionierten Anliegen. Die für gewöhnlich überzeichneten Figuren dieses Genres versucht er zumindest teilweise differenzierter darzustellen. [...] Schnell zeichnet sich ab, dass solche guten Absichten in einem Genre, das ganz von der Konfrontation und Überwindung extremer Gegensätze lebt, deplatziert sind. Wenn das Konfliktpotenzial nämlich derart gering ist, gelingt es dem Film auch nicht in Schwung zu kommen.
Neben der Aufzeichnung der Inszenierung wechselt Another Glorious Day immer wieder zu einer zweiten, das Stück reflektierenden Ebene. Hier sieht man wie Brown den Darstellern die passende Mimik lehrt, wenn sie geschlagen werden, wie das Bühnenbild aufgebaut wird oder Beteiligte einen Einblick in Regelwerk und Ablauf der Inszenierung gewähren. Diese produktionstechnische Seite ergänzt die Inszenierung um Hintergrundinformationen, ohne sie in ihrer Wirkung zu behindern.
Mit einer Heldin, die am System scheitert, widmet sich der Film einem typisch sozialrealistischen Sujet. Dabei beschränkt sich Reichardts Inszenierung weder auf eine rein nüchterne und objektive Schilderung noch auf eine Anklage des Kapitalismus. Dafür konzentriert sich der Film viel zu stark auf atmosphärische, unabhängig von der Narration funktionierende Qualitäten, die ihm eine traumwandlerische, fest mit der Befindlichkeit seiner Protagonistin verknüpfte Stimmung verleihen.
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critic.de (Michael Kienzl)
über Ajami 2010/01/13 09:49:28
Obwohl die Konflikte reichlich dramatisches Potenzial liefern, gehen Shani und Copti mit ihnen ganz anders um, als es etwa Iñárritu zu tun pflegt. Im Gegensatz zu dem mexikanischen Regisseur, der sich teilweise geradezu in den Emotionen seiner Figuren suhlt, bemüht sich Ajami um eine weitaus objektivere und realistischere Inszenierung. Durch den Einsatz von Laiendarstellern, eine stets etwas auf Distanz bleibenden Kamera und den Verzicht auf einen emotionalisierenden Soundtrack wird das Melodramatische durch ein Bemühen um Authentizität in den Hintergrund gedrängt.
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critic.de (Michael Kienzl)
über Wo die wilden Kerle wohnen 2009/12/18 15:59:42
Jüngere Kinder könnten mit dieser teilweise sperrigen und düsteren Version eines Kinderfilms Schwierigkeiten haben. Der Film verfügt zudem über eine Indie-Credibility, die sich vor allem an Erwachsene richten dürfte. Wie Spike Jonze aber ein Kinderbuch für die große Leinwand adaptiert, ohne den eigenen Stil zu verwässern oder Zugeständnisse an das Genre zu machen, ist in jedem Fall sehenswert.
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critic.de (Michael Kienzl)
über A Serious Man 2009/12/18 15:54:06
A Serious Man demonstriert unter Einbeziehung zahlreicher Leitmotive auf anschauliche Weise, dass die Coens für das Kino etwas stilistisch Einzigartiges beizutragen haben. Dazu gehört vor allem die Vorliebe für eine gewisse Ambivalenz, die auch über die Figurenzeichnung hinausgeht. Immer wieder entzieht sich der Film einer Kategorisierung als reine Komödie und pflegt stattdessen ein sich ständig neu definierendes Spannungsverhältnis aus tragischen und komischen Elementen, das den Zuschauer selbst in der letzten Szene noch vor den Kopf stößt.
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critic.de (Michael Kienzl)
über 8. Wonderland 2009/11/30 16:02:36
Man muss 8th Wonderland zugutehalten, dass sein Konzept, eine Geschichte mit unterschiedlichen Mitteln zu erzählen, teilweise zu einem stimmigen und kurzweiligen Ergebnis führt. Allerdings kann selbst das rasante Erzähltempo nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Mach und Alberny mit ihrem Vorhaben, einen Polit-Thriller von globalem Ausmaß zu drehen, eindeutig übernommen haben. Die holprig verbundenen Erzählstränge bleiben dabei nicht das einzige Problem.
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critic.de (Michael Kienzl)
über New Moon - Bis(s) zur Mittagsstunde 2009/11/26 09:18:04
New Moon erzählt wie sein Vorgänger eine typische Coming-of-Age-Geschichte mit Versatzstücken aus dem Horrorgenre. Die düstere Stimmung spiegelt vor allem Bellas gebeutelte Teenager-Seele. Probleme mit der Liebe stehen auch bei Meyer im Zentrum, nur mit dem Unterschied, dass ein Teil der Figuren einer fantastischen Welt entstammt. Dabei vernachlässigt der Film immer wieder die Universalität seiner Erzählung, indem er sich gezielt an ein minderjähriges, überwiegend weibliches Publikum richtet und somit jeden, der nicht dazu gehört, ausschließt.
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critic.de (Michael Kienzl)
über Adam 2009/11/18 13:00:40
Obwohl es ein Qualitätsmerkmal von Adam ist, die Krankheit seines Protagonisten nicht zu problematisieren, raubt gerade ein Übermaß an Harmonie dem Film die Dynamik. [...] Wenn Adam nach jeder Taktlosigkeit mit Hundeblick fragt, was er denn falsch gemacht habe, wird das Asperger-Syndrom endgültig zur liebenswürdigen Eigenschaft verklärt. [...] Die berechnende Art, mit der Adam die Marotten seines Protagonisten einsetzt, um beim Publikum Entzücken auszulösen, ist verdächtig nahe an Zemeckis' kitschigem Epos Forrest Gump dran.
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critic.de (Michael Kienzl)
über Tannöd 2009/11/18 11:51:49
Letztlich ist Tannöd aufgebaut wie ein gewöhnliches Whodunnit, - im Gegensatz zum tatsächlichen Mordfall geben Buch und Film sowohl die Identität des Mörders als auch sein Motiv preis. Darüber kann Oberli auch nicht hinwegtäuschen, nur weil sie die Bekanntgabe des Mörders nicht als Hauptattraktion inszeniert. Wenn Tannöd betont kryptisch und offen endet, obwohl der Zuschauer bereits alle wichtigen Informationen hat, gibt er sich weitaus ambivalenter, als er es eigentlich ist.
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critic.de (Michael Kienzl)
über New in Town 2009/10/27 13:59:09
Der dänische Regisseur Jonas Elmer, der bereits in seinem Heimatland Erfahrungen mit Romantic Comedies gesammelt hat, folgt einem ambitionierten Anliegen. Die für gewöhnlich überzeichneten Figuren dieses Genres versucht er zumindest teilweise differenzierter darzustellen. [...] Schnell zeichnet sich ab, dass solche guten Absichten in einem Genre, das ganz von der Konfrontation und Überwindung extremer Gegensätze lebt, deplatziert sind. Wenn das Konfliktpotenzial nämlich derart gering ist, gelingt es dem Film auch nicht in Schwung zu kommen.
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critic.de (Michael Kienzl)
über Another Glorious Day 2009/10/27 13:52:54
Neben der Aufzeichnung der Inszenierung wechselt Another Glorious Day immer wieder zu einer zweiten, das Stück reflektierenden Ebene. Hier sieht man wie Brown den Darstellern die passende Mimik lehrt, wenn sie geschlagen werden, wie das Bühnenbild aufgebaut wird oder Beteiligte einen Einblick in Regelwerk und Ablauf der Inszenierung gewähren. Diese produktionstechnische Seite ergänzt die Inszenierung um Hintergrundinformationen, ohne sie in ihrer Wirkung zu behindern.
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critic.de (Michael Kienzl)
über Wendy & Lucy 2009/10/15 14:45:12
Mit einer Heldin, die am System scheitert, widmet sich der Film einem typisch sozialrealistischen Sujet. Dabei beschränkt sich Reichardts Inszenierung weder auf eine rein nüchterne und objektive Schilderung noch auf eine Anklage des Kapitalismus. Dafür konzentriert sich der Film viel zu stark auf atmosphärische, unabhängig von der Narration funktionierende Qualitäten, die ihm eine traumwandlerische, fest mit der Befindlichkeit seiner Protagonistin verknüpfte Stimmung verleihen.
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