Wacklige, flimmernde, flackernde Handkamerasequenzen und sprunghafte Schnitte wie aus „Blair Witch Project“ wechseln mit statischen Bordkameraeinstellungen, von Störsignalen begleitete und aus verrauschtem Funkverkehr gespeiste Dialoge suggerieren zusätzlich Authentizität. Lange kann die Spannung von der Ungewissheit zehren – bis der Science-Fiction-Thriller zunehmend in standardisierten „Alien“-Weltraumhorror abdriftet.
Am 30. Juli 2011 setzte der Erfinder von Apfelkaviar, Kartoffelschaum und Parmesankristall mit einem 50-Gänge-Menü den Schlusspunkt, eine Stiftung soll folgen. Dieses Ende wäre auch der stimmige dramaturgische Bogen für diesen Gruß aus der Molekularküche gewesen, den man aber beileibe goutieren kann, ohne sich zwingend den Gourmets zuzurechnen.
Mit seinem „Verrückt nach Mary“ hinterhereifernden Humor hat „American Pie“ ein Revival der versauten Teeniekomödie im „Eis am Stiel“-Muster losgetreten; und auch das aktuelle Regiegespann Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg behält für den triebgesteuerten Trip in die Vergangenheit das Niveau unter der Gürtellinie bei. Die Handlung ist bloße Bühne des nostalgischen Schaulaufens – aber immer noch gut genug, um der Reihe über die Klasse von 1999 mit Stifmeisters später Rache am Heimscheißer einen unerwarteten finalen Höhepunkt zu bescheren.
Lose basierend auf den Minotaurus- und Titanomachie-Sagen lässt Tarsem Singh einem Gemälde gleich in Zeitlupengefechten das Kriegsbeil schwingen; und wenn die goldgewandeten Götter im Finale die ultimativen Zerschmetterer geben, präsentiert er ästhetisch aufgeladenen Hochglanz-Splatter, der auch ohne breitwandige 3D-Tableaus noch durch bedingungslosen Stilwillen fesselt. Die Charaktere sind in diesem künstlerisch-kühlen Bilderbogen bloße Ikonen, doch das kann seinen „Immortals“ den Platz in der Hall Of Fame des Genres nicht mehr streitig machen.
Wie die Vorgängerproduktionen von Disneynature, „Unsere Erde“, „Das Geheimnis der Flamingos“ und „Unsere Ozeane“, besticht Alastair Fothergills inszenierte Doku durch seine majestätischen Bilder, die er und Co-Anweiser Keith Scholey zu einer spannenden Geschichte verdichten und dabei den Raubkatzen mit Erzähler Thomas Fritsch so nahe auf die Pelle rücken, dass man jedes Haar im Savannenwind wiegen sieht. Auch wenn die Vermenschlichung der Tierwelt nicht an Luc Jacquets „Reise der Pinguine“ heranreicht, legt Disney aufs Vermitteln seines Familienideals wieder gesteigerten Wert; darüber lässt sich angesichts dieses ostafrikanischen Naturschauspiels inklusive spektakulär-schöner Zoom- und Zeitlupen-Aufnahmen aber ohne weiteres hinwegsehen.
Regisseur Oliver Ziegenbalg, der Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke bereits das „Friendship!“-Drehbuch vorgeschrieben hat, eifert einem berühmten französischen Großstadtmärchen nach: An Originalschauplätzen gedreht, überhöht seine gekünstelte Kulisse die (durch einen einigermaßen verloren wirkenden Ausflug ins Zeichentrickhafte noch weiter untergrabene) Realität. Zündende Gimmicks wie der von Kaminer gesprochene Radiodoktor, ein beseelter Soundtrack zwischen „Dorogoi Dlinnoyu“, der russischen Volksliedvorlage für „Those Were The Days“, und Leningrads „Super Good“ sowie ein in steter Feierlaune befindliches Ensemble machen aus „Russendisko“ zwar noch keine Berliner „Amélie“, aber einen fabelhaften Wohlfühlfilm allemal!
Minimalismus bleibt die Maßgabe. Wie üblich wurde ohne einen Cent Fördergeld (aber erstmals auf HD-Profi-Equipment mit der Arri Alexa) gedreht. Dass der vom Theater kommende Reber sein kammerspielartiges Filmkonzept aufweicht und diesmal vermehrt Kamerafahrten einsetzt, bringt dagegen wohltuende Bewegung in die sonst oft statische Szenerie. Auch weil die Dialoge weniger philosophierend gehalten sind, spricht „Die Wahrheit der Lüge“ eine deutlichere Sprache. Mit mainstreamigen Sehgewohnheiten wird angesichts der surrealen, teils bizarr-grotesken Bilder immer noch gehörig gebrochen; allerdings hat der Exzentriker unter den deutschen Regisseuren seine bis dato allgemeinverträglichste Arbeit abgeliefert.
Am Donnerstag kommt das Sams zurück. Zum dritten Mal, seit Paul Maars Kinderzimmerklassiker über das rüsselnasige, rothaarige, reimende und rotzfreche Wesen mit den blauen Wunschpunkten im Jahr 2001 verfilmt wurde. An dessen Fortsetzung „Sams in Gefahr“ schließt nun die Kinofassung des erst vergangenen Herbst erschienenen siebten Teils der Buchreihe an. Den anarchisch-frechen Charme erhalten der wieder mit Maar das Drehbuch verfassende Produzent Ulrich Limmer und sein Vornamensvetter: Noethen lässt ordentlich das Sams raus und bereitet mit seinem überdrehten Schauspiel Kindern und Kindgebliebenen ziemlich wunschlose 103 Minuten.
Sein „Tower Heist“ hat’s ganz offenbar auf Danny „Ocean’s“ Gaunerbande abgesehen. Statt Casino- oder Museumsbruch lässt Regisseur Brett Ratner die mit Ben Stiller, Matthew Broderick, Casey Affleck und Eddie Murphy ebenfalls prominent besetzten „Aushilfsgangster“ Rache an einem Wall-Street-Zocker nehmen. Der deutsche Titel sagt mehr, als er soll. Denn so sauber ausgeklügelt wie bei Steven Soderbergh gehen Stiller und seine Spießgesellen nicht zu Werke. Während anderswo jeder Charakter mit unersetzbaren Fertigkeiten ausgestattet ist, ohne die der bis in kleinste Detail ausgefeilte Coup zum Scheitern verurteilt wäre, versucht es Ratner auf gut Glück ohne Raffinesse, kaschiert von Christophe Becks treibendem Score und der diebischen Vorfreude darüber, dass sich zumindest einer der vielen Ackermänner am Ende gewaltig verspekuliert.
Einer für alle und alle für Bernd. Der Abspann von „Die drei Musketiere“ startet mit der Verneigung vor jenem Produzenten, der aus der Constantin-Konkursmasse ein florierendes Filmunternehmen geformt hat. Das auf Alexandre Dumas’ Roman basierende Abenteuer, in dem ein prominenter Cast die Klingen kreuzt, ist die erste große Constantin-Produktion nach Eichingers überraschendem Tod am 24. Januar 2011. Regisseur Paul W.S. Anderson hat dem in protzige Kostüme und Kulissen gehüllten Klassiker des Mantel-und-Degen-Films ein zeitgemäßes Outfit verpasst. Dass der Jargon nicht immer dem 17. Jahrhundert entspricht, gehört ebenso wie Martial-Arts-Zeitlupen, die neumodische Einführung der Protagonisten im Prolog, Luftschiffe und andere Anachronismen zum Konzept, das bei alten Haudegen eher keinen Stich machen dürfte.
Steven Spielberg setzt auf alte Schule und sein Stammpersonal: Komponist John Williams sorgt für orchestrale Dramatik, Kameramann Janusz Kaminiski dreht Bilder in Technicolor-Ästhetik, die hier einem John Ford, dort „Vom Winde verweht“ schmeicheln. Und die Antwort auf die rhetorische Frage von „Spiegel Online“, was den Regisseur bloß geritten haben mag, Weltkriegshorror mit „Wendy“-Kitsch zu kombinieren, ist eigentlich ziemlich offensichtlich: das ganz große Gefühlskino.
Ein unsäglicher US-Fernsehfilm sollte 1996 in deutschen Kinos richten, was die mit einem klassischen Cliffhanger endende Serie offen gelassen hatte. Denn die fünfte Staffel von „Alf“ wurde nicht mehr produziert. Zehn Jahre zuvor, als Paul Fusco und Tom Patchett die ersten 24-Minüter drehen, ist immerhin unsere Welt noch in Ordnung. Schließlich ist Alfs Heimatplanet Melmac dank des gleichzeitigen Einschaltens sämtlicher Haartrockner einer Nuklearkatastrophe zum Opfer gefallen — und er alias Gordon Shumway mitten ins Garagendach der Familie Tanner. Und wenn die 229 Lenze alte zottlig-ko(s)misch-großfußige Mischung aus Ameisenbär und braunem Flokati mit Tommi Pipers rauchig-sonorer Stimme und konservenunterlegt seine zum Totlachen coolen Sprüche reißt („Das Fett brennt! Das Fett brennt!“), stellt man angesichts einer über die Jahre an nichts einbüßenden Gagdichte fest, dass jede Dialogzeile noch so rührig-vertraut vorkommt, als käme da ein geliebter Spielgefährte aus Kindertagen plötzlich mir nichts dir nichts vom Dachboden gestiefelt. Oder wie’s Willie Tanner einst beim unverhofften Wiedersehen (ausnahmsweise und unwidersprochen) auf den Punkt formuliert hat: „Willkommen zuhause, Meister Alf!“
Für Fernsehsender ist ein solches Format eigentlich die blanke Selbstkannibalisierung. Für den vom mitunter grottenschlechten Programm entnervten Zuschauer dagegen mutet das Konzept, von einem Kanal in den nächsten zu zappen, um „TV gnadenlos zu parodieren“, als die größte Wohltat seit „Kalkofes Mattscheibe“ an. Auch wenn „Switch“ den Hebel erst im zweiten Anlauf umlegen konnte - glasklares Bekenntnis: Ich glotz TV!
Regisseurin Franziska Buch, die schon bei „Emil und die Detektive“ und „Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen“ gezeigt hat, dass sie es versteht, zielgruppengerechtes Kino zu inszenieren, setzt bei ihrem einsilbigen Hauptdarsteller auf Greifbares: Der nach Kindchenschema konzipierte Knuddel-E.T. Yoko kommt auch deshalb so knuffig daher, weil er kein künstliches, dem Computer entsprungenes Geschöpf ist, sondern ein Animatronic – eine Mischung aus Puppe und Roboter. Die aufgebauten Konflikte ihrer ohne großartige Nebenplots erzählten Handlung löst Buch zugunsten des Verständnisses zeitnah und oft durch klassischen Slapstick. Einen coolen Titelsong bekommen die Kids mit „Was geht ab – Yoko“ von Banana Fishbone Sebastian Horn außerdem. Lillis CGI-Drache Hektor muss sich warm anziehen.
„The Inbetweeners Movie“ liefert den derben Vorgeschmack auf die mehrfach mit „British Comedy Awards“ ausgezeichnete Serie, deren drei Staffeln in Deutschland bislang weder zu sehen noch zu kaufen sind. Die Produzenten der Fernsehshow, Damon Beesley und Iain Morris, haben das Drehbuch fortgeschrieben und liefern mit ihrem Spin-Off ein „American Pie“ auf Britisch. Dessen Ham’n’Eggs (Achtung Anspielung!) sind zwar einigermaßen gut durch; wer die Vorlage nicht kennt, wird den feinen Bad Humor allerdings verpassen.
Die Filmografie eines Al Pacino kommt sicher ohne diesen Titel aus, aber der Charakterkopf beweist als abgedrehter Method Actor viel Selbstironie. Adam Sandler verteilt derweil seine gängigen Derbheiten, Cameo-Auftritte von Johnny Depp und John McEnroe sowie drei Running Gags in Person der beiden schrägen Kids und des mexikanischen Komikers Eugenio Derbez (der als Gärtner und chilischotenmampfende Großmama ebenfalls eine Doppelrolle ausfüllt) über dem relativ undramaturgischen Plot, bevor der sentimentale Läuterungspart einsetzt. Zumindest eines darf sich Sandler anmaßen: im Vergleich mit Tony Curtis, Jack Lemmon, Dustin Hoffman und Robin Williams dicker aufgetragen zu haben.
Käme Regisseur Asghar Farhadi nicht aus dem Iran, „Nader und Simin“ wäre ein vielschichtiges Familiendrama, eine Beziehungstragödie, ein Minikrimi, in dem sich alle irgendwie schuldig gemacht haben und je nach Lage auf Anstand und Moral oder geltendes Recht plädieren. Die objektive Wahrheit bekommen wir während der 123 Minuten nicht zu Gesicht; sind vielmehr von Beginn an eingeladen, selbst Richter zu spielen. Nun kommt Farhadi aber aus dem Iran und so werden die Konflikte zu Gleichnissen des unfreien politischen Systems im Ayatollah-Staat.
Deine Kommentare
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Apollo 18 2012/05/30 19:02:58
Wacklige, flimmernde, flackernde Handkamerasequenzen und sprunghafte Schnitte wie aus „Blair Witch Project“ wechseln mit statischen Bordkameraeinstellungen, von Störsignalen begleitete und aus verrauschtem Funkverkehr gespeiste Dialoge suggerieren zusätzlich Authentizität. Lange kann die Spannung von der Ungewissheit zehren – bis der Science-Fiction-Thriller zunehmend in standardisierten „Alien“-Weltraumhorror abdriftet.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über El Bulli: Cooking In Progress 2012/05/24 02:17:16
Am 30. Juli 2011 setzte der Erfinder von Apfelkaviar, Kartoffelschaum und Parmesankristall mit einem 50-Gänge-Menü den Schlusspunkt, eine Stiftung soll folgen. Dieses Ende wäre auch der stimmige dramaturgische Bogen für diesen Gruß aus der Molekularküche gewesen, den man aber beileibe goutieren kann, ohne sich zwingend den Gourmets zuzurechnen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über American Pie - Das Klassentreffen 2012/05/11 19:31:40
Mit seinem „Verrückt nach Mary“ hinterhereifernden Humor hat „American Pie“ ein Revival der versauten Teeniekomödie im „Eis am Stiel“-Muster losgetreten; und auch das aktuelle Regiegespann Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg behält für den triebgesteuerten Trip in die Vergangenheit das Niveau unter der Gürtellinie bei. Die Handlung ist bloße Bühne des nostalgischen Schaulaufens – aber immer noch gut genug, um der Reihe über die Klasse von 1999 mit Stifmeisters später Rache am Heimscheißer einen unerwarteten finalen Höhepunkt zu bescheren.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Krieg der Götter 3D 2012/04/28 10:37:15
Lose basierend auf den Minotaurus- und Titanomachie-Sagen lässt Tarsem Singh einem Gemälde gleich in Zeitlupengefechten das Kriegsbeil schwingen; und wenn die goldgewandeten Götter im Finale die ultimativen Zerschmetterer geben, präsentiert er ästhetisch aufgeladenen Hochglanz-Splatter, der auch ohne breitwandige 3D-Tableaus noch durch bedingungslosen Stilwillen fesselt. Die Charaktere sind in diesem künstlerisch-kühlen Bilderbogen bloße Ikonen, doch das kann seinen „Immortals“ den Platz in der Hall Of Fame des Genres nicht mehr streitig machen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Im Reich der Raubkatzen 2012/04/19 10:38:55
Wie die Vorgängerproduktionen von Disneynature, „Unsere Erde“, „Das Geheimnis der Flamingos“ und „Unsere Ozeane“, besticht Alastair Fothergills inszenierte Doku durch seine majestätischen Bilder, die er und Co-Anweiser Keith Scholey zu einer spannenden Geschichte verdichten und dabei den Raubkatzen mit Erzähler Thomas Fritsch so nahe auf die Pelle rücken, dass man jedes Haar im Savannenwind wiegen sieht. Auch wenn die Vermenschlichung der Tierwelt nicht an Luc Jacquets „Reise der Pinguine“ heranreicht, legt Disney aufs Vermitteln seines Familienideals wieder gesteigerten Wert; darüber lässt sich angesichts dieses ostafrikanischen Naturschauspiels inklusive spektakulär-schöner Zoom- und Zeitlupen-Aufnahmen aber ohne weiteres hinwegsehen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Russendisko 2012/04/12 13:09:12
Regisseur Oliver Ziegenbalg, der Matthias Schweighöfer und Friedrich Mücke bereits das „Friendship!“-Drehbuch vorgeschrieben hat, eifert einem berühmten französischen Großstadtmärchen nach: An Originalschauplätzen gedreht, überhöht seine gekünstelte Kulisse die (durch einen einigermaßen verloren wirkenden Ausflug ins Zeichentrickhafte noch weiter untergrabene) Realität. Zündende Gimmicks wie der von Kaminer gesprochene Radiodoktor, ein beseelter Soundtrack zwischen „Dorogoi Dlinnoyu“, der russischen Volksliedvorlage für „Those Were The Days“, und Leningrads „Super Good“ sowie ein in steter Feierlaune befindliches Ensemble machen aus „Russendisko“ zwar noch keine Berliner „Amélie“, aber einen fabelhaften Wohlfühlfilm allemal!
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Die Wahrheit der Lüge 2012/04/12 13:05:11
Minimalismus bleibt die Maßgabe. Wie üblich wurde ohne einen Cent Fördergeld (aber erstmals auf HD-Profi-Equipment mit der Arri Alexa) gedreht. Dass der vom Theater kommende Reber sein kammerspielartiges Filmkonzept aufweicht und diesmal vermehrt Kamerafahrten einsetzt, bringt dagegen wohltuende Bewegung in die sonst oft statische Szenerie. Auch weil die Dialoge weniger philosophierend gehalten sind, spricht „Die Wahrheit der Lüge“ eine deutlichere Sprache. Mit mainstreamigen Sehgewohnheiten wird angesichts der surrealen, teils bizarr-grotesken Bilder immer noch gehörig gebrochen; allerdings hat der Exzentriker unter den deutschen Regisseuren seine bis dato allgemeinverträglichste Arbeit abgeliefert.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Sams im Glück 2012/03/29 00:32:09
Am Donnerstag kommt das Sams zurück. Zum dritten Mal, seit Paul Maars Kinderzimmerklassiker über das rüsselnasige, rothaarige, reimende und rotzfreche Wesen mit den blauen Wunschpunkten im Jahr 2001 verfilmt wurde. An dessen Fortsetzung „Sams in Gefahr“ schließt nun die Kinofassung des erst vergangenen Herbst erschienenen siebten Teils der Buchreihe an. Den anarchisch-frechen Charme erhalten der wieder mit Maar das Drehbuch verfassende Produzent Ulrich Limmer und sein Vornamensvetter: Noethen lässt ordentlich das Sams raus und bereitet mit seinem überdrehten Schauspiel Kindern und Kindgebliebenen ziemlich wunschlose 103 Minuten.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Aushilfsgangster 2012/03/14 21:59:05
Sein „Tower Heist“ hat’s ganz offenbar auf Danny „Ocean’s“ Gaunerbande abgesehen. Statt Casino- oder Museumsbruch lässt Regisseur Brett Ratner die mit Ben Stiller, Matthew Broderick, Casey Affleck und Eddie Murphy ebenfalls prominent besetzten „Aushilfsgangster“ Rache an einem Wall-Street-Zocker nehmen. Der deutsche Titel sagt mehr, als er soll. Denn so sauber ausgeklügelt wie bei Steven Soderbergh gehen Stiller und seine Spießgesellen nicht zu Werke. Während anderswo jeder Charakter mit unersetzbaren Fertigkeiten ausgestattet ist, ohne die der bis in kleinste Detail ausgefeilte Coup zum Scheitern verurteilt wäre, versucht es Ratner auf gut Glück ohne Raffinesse, kaschiert von Christophe Becks treibendem Score und der diebischen Vorfreude darüber, dass sich zumindest einer der vielen Ackermänner am Ende gewaltig verspekuliert.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Die drei Musketiere 2012/02/29 22:23:34
Einer für alle und alle für Bernd. Der Abspann von „Die drei Musketiere“ startet mit der Verneigung vor jenem Produzenten, der aus der Constantin-Konkursmasse ein florierendes Filmunternehmen geformt hat. Das auf Alexandre Dumas’ Roman basierende Abenteuer, in dem ein prominenter Cast die Klingen kreuzt, ist die erste große Constantin-Produktion nach Eichingers überraschendem Tod am 24. Januar 2011. Regisseur Paul W.S. Anderson hat dem in protzige Kostüme und Kulissen gehüllten Klassiker des Mantel-und-Degen-Films ein zeitgemäßes Outfit verpasst. Dass der Jargon nicht immer dem 17. Jahrhundert entspricht, gehört ebenso wie Martial-Arts-Zeitlupen, die neumodische Einführung der Protagonisten im Prolog, Luftschiffe und andere Anachronismen zum Konzept, das bei alten Haudegen eher keinen Stich machen dürfte.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Gefährten 2012/02/22 12:24:09
Steven Spielberg setzt auf alte Schule und sein Stammpersonal: Komponist John Williams sorgt für orchestrale Dramatik, Kameramann Janusz Kaminiski dreht Bilder in Technicolor-Ästhetik, die hier einem John Ford, dort „Vom Winde verweht“ schmeicheln. Und die Antwort auf die rhetorische Frage von „Spiegel Online“, was den Regisseur bloß geritten haben mag, Weltkriegshorror mit „Wendy“-Kitsch zu kombinieren, ist eigentlich ziemlich offensichtlich: das ganz große Gefühlskino.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über die Serie Alf 2012/02/18 10:42:14
Ein unsäglicher US-Fernsehfilm sollte 1996 in deutschen Kinos richten, was die mit einem klassischen Cliffhanger endende Serie offen gelassen hatte. Denn die fünfte Staffel von „Alf“ wurde nicht mehr produziert. Zehn Jahre zuvor, als Paul Fusco und Tom Patchett die ersten 24-Minüter drehen, ist immerhin unsere Welt noch in Ordnung. Schließlich ist Alfs Heimatplanet Melmac dank des gleichzeitigen Einschaltens sämtlicher Haartrockner einer Nuklearkatastrophe zum Opfer gefallen — und er alias Gordon Shumway mitten ins Garagendach der Familie Tanner. Und wenn die 229 Lenze alte zottlig-ko(s)misch-großfußige Mischung aus Ameisenbär und braunem Flokati mit Tommi Pipers rauchig-sonorer Stimme und konservenunterlegt seine zum Totlachen coolen Sprüche reißt („Das Fett brennt! Das Fett brennt!“), stellt man angesichts einer über die Jahre an nichts einbüßenden Gagdichte fest, dass jede Dialogzeile noch so rührig-vertraut vorkommt, als käme da ein geliebter Spielgefährte aus Kindertagen plötzlich mir nichts dir nichts vom Dachboden gestiefelt. Oder wie’s Willie Tanner einst beim unverhofften Wiedersehen (ausnahmsweise und unwidersprochen) auf den Punkt formuliert hat: „Willkommen zuhause, Meister Alf!“
www.indiskretion-ehrensache.com/2009/09/alf-die-komplette-erste-staffel.html
bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über die Serie Switch reloaded 2012/02/17 22:48:02
Für Fernsehsender ist ein solches Format eigentlich die blanke Selbstkannibalisierung. Für den vom mitunter grottenschlechten Programm entnervten Zuschauer dagegen mutet das Konzept, von einem Kanal in den nächsten zu zappen, um „TV gnadenlos zu parodieren“, als die größte Wohltat seit „Kalkofes Mattscheibe“ an. Auch wenn „Switch“ den Hebel erst im zweiten Anlauf umlegen konnte - glasklares Bekenntnis: Ich glotz TV!
www.indiskretion-ehrensache.com/2010/08/switch-reloaded-vol-4.html
www.indiskretion-ehrensache.com/2011/05/switch-reloaded-vol-5.html
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über die Serie Heroes 2012/02/17 22:42:23
www.indiskretion-ehrensache.com/2008/01/heroes-season-1.html
bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über die Serie 30 Rock 2012/02/17 22:41:24
www.indiskretion-ehrensache.com/2009/05/30-rock-season-1.html
bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über die Serie Stromberg 2012/02/17 22:33:28
www.indiskretion-ehrensache.com/2009/11/stromberg-staffel-4.html
bedenklich? Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Yoko 2012/02/16 00:21:31
Regisseurin Franziska Buch, die schon bei „Emil und die Detektive“ und „Bibi Blocksberg und das Geheimnis der blauen Eulen“ gezeigt hat, dass sie es versteht, zielgruppengerechtes Kino zu inszenieren, setzt bei ihrem einsilbigen Hauptdarsteller auf Greifbares: Der nach Kindchenschema konzipierte Knuddel-E.T. Yoko kommt auch deshalb so knuffig daher, weil er kein künstliches, dem Computer entsprungenes Geschöpf ist, sondern ein Animatronic – eine Mischung aus Puppe und Roboter. Die aufgebauten Konflikte ihrer ohne großartige Nebenplots erzählten Handlung löst Buch zugunsten des Verständnisses zeitnah und oft durch klassischen Slapstick. Einen coolen Titelsong bekommen die Kids mit „Was geht ab – Yoko“ von Banana Fishbone Sebastian Horn außerdem. Lillis CGI-Drache Hektor muss sich warm anziehen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Sex on the Beach 2012/02/08 16:35:13
„The Inbetweeners Movie“ liefert den derben Vorgeschmack auf die mehrfach mit „British Comedy Awards“ ausgezeichnete Serie, deren drei Staffeln in Deutschland bislang weder zu sehen noch zu kaufen sind. Die Produzenten der Fernsehshow, Damon Beesley und Iain Morris, haben das Drehbuch fortgeschrieben und liefern mit ihrem Spin-Off ein „American Pie“ auf Britisch. Dessen Ham’n’Eggs (Achtung Anspielung!) sind zwar einigermaßen gut durch; wer die Vorlage nicht kennt, wird den feinen Bad Humor allerdings verpassen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Jack und Jill 2012/02/01 15:02:35
Die Filmografie eines Al Pacino kommt sicher ohne diesen Titel aus, aber der Charakterkopf beweist als abgedrehter Method Actor viel Selbstironie. Adam Sandler verteilt derweil seine gängigen Derbheiten, Cameo-Auftritte von Johnny Depp und John McEnroe sowie drei Running Gags in Person der beiden schrägen Kids und des mexikanischen Komikers Eugenio Derbez (der als Gärtner und chilischotenmampfende Großmama ebenfalls eine Doppelrolle ausfüllt) über dem relativ undramaturgischen Plot, bevor der sentimentale Läuterungspart einsetzt. Zumindest eines darf sich Sandler anmaßen: im Vergleich mit Tony Curtis, Jack Lemmon, Dustin Hoffman und Robin Williams dicker aufgetragen zu haben.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
www.indiskretion-ehrensache... (Patrick Wurster)
über Nader und Simin - Eine Trennung 2012/01/27 09:59:30
Käme Regisseur Asghar Farhadi nicht aus dem Iran, „Nader und Simin“ wäre ein vielschichtiges Familiendrama, eine Beziehungstragödie, ein Minikrimi, in dem sich alle irgendwie schuldig gemacht haben und je nach Lage auf Anstand und Moral oder geltendes Recht plädieren. Die objektive Wahrheit bekommen wir während der 123 Minuten nicht zu Gesicht; sind vielmehr von Beginn an eingeladen, selbst Richter zu spielen. Nun kommt Farhadi aber aus dem Iran und so werden die Konflikte zu Gleichnissen des unfreien politischen Systems im Ayatollah-Staat.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten