2 Punkte Abzug für die letzten 10 Minuten. Die Pathos-Keule hätte meiner Meinung nach nicht derart doll geschwungen werden müssen. Ansonsten: durch und durch gut.
Wirr.
Aronofsky hätte gut daran getan, es seinem Protagonisten gleich zu tun und sich auf sein Thema zu konzentrieren. Statt dessen arbeitet er mit zwar mit Akribie an Licht und Stimmung, scheint aber seine Geschichte etwas aus dem Fokus zu verlieren. Oder erklärt sich nur mir nicht, was PI denn einerseits mit Go, andererseits mit der Kabbala und dann plötzlich mit einer 216-stelligen Zahl zu tun hat? Schade, verspricht doch der Beginn der Geschichte - vor allem die Idee vom Kind, das in die Sonne blickt, um Wahrheit zu finden - Großes.
Die Idee, dass man sich auf mathematische Weise dem Bauplan und Sinn allen Seins nähern kann, ist uralt. Wenn das stimmt, lassen sich alle Erscheinungen im Universum - inklusive Kaffetassen, Galaxien, Gedanken - auf Zahlen zurückführen. Und da sind wir bei Gott und der Kabbala oder bei den Dummköpfen, die den Sinn des Lebens nur im Materiellen und in Aktienkursen suchen. Nein, Aronofsky hat seine Geschichte keinen Moment aus den Augen verloren.
Das ist unterhaltsam. An manchen Stellen: bitter. An anderen: höchst amüsant. An wenigen: theatralisch albern. Und durchweg: brilliant gespielt. Die Foster topt jede Lehrbuch-Definition von "passive aggressive" (und spielt ihre beste Rolle seit vielen Jahren), Walz gibt den Zyniker, O'Reilly taumelt zwischen Verbrüderung und Hilflosigkeit und Kate Winslet schwankt und schluchzt sich eine der besten Besoffenen, die ich je zu Gesicht bekommen habe, aus dem Repertoire.
Ketzerische Frage zum Schluss: Hätte dieser Film auch ohne Polanski ähnlich gut werden können?
Blue Valentine kann manches: zeigen, dass Michelle Williams seit Dawson's Creek eindeutig was dazu gelernt hat zum Beispiel. Auch an der schauspielerischen Leistung von Ryan Gossling ist nichts auszusetzen, aber was hilft das, wenn das Drehbuch schwächelt. Was zunächst vielversprechend beginnt, wird alsbald eher blöd: da wird der "Future Room" gemietet, um die gemeinsame Zukunft zu retten. Wenig subtil. Der Hund ist tot, die Ehe kaputt, die Kamera ist RomCom-Hollywood (in den pathtischen Flashbacks) oder indiemäßig ganz nah dran, wenn alles bröckelt. Schade eigentlich. Da wäre mehr zu holen gewesen.
9 Punkte für die wirklich schöne Idee.
8 Punkte Abzug für das miserable Skript, die unterirdischen Dialoge, das schlechte Licht und die dürftige schauspielerische Leistung.
Die Person Allen Ginsberg zu portraitieren, seinen literarischen Status nachzeichnen zu wollen und einen fundierten Einblick in sein Werk und seine Schreibpraxis zu leisten: das ist eine schwierige Aufgabe.
Es verwundert daher kaum, dass Friedman und Eppstein sich dieser Herausforderung mittels einer mehrgleisigen Herangehensweise stellen. So ist dieser Film Biopic, Gerichtsdrama und der Versuch einer (animierten) Illustration des Gedichtes "Howl". Dumm nur, dass keiner der Handlungsstränge wirklich zu überzeugen weiß. Franco bleibt etwas blass und das Gerichtsdrama ist ein ebensolches. Was noch zu verkraften wäre, wären da nicht die Animationen. Die nämlich sind im besten Falle unfreiwillig komisch, meistens allerdings einfach nur platt illustrativ und unpassend.
In my Skin ist ein merkwürdiger Film, im wahrsten Sinne.
Das Thema des Films ist bei genauer Überlegung viel schwerer auszumachen, als es zunächst scheint. Autoaggression? Selbstverstümmelung? Das sind Begriffe, die in den (spärlichen) Besprechungen zu Marina de Vans Regiedebut häufiger gefallen sind, es scheint allerdings fraglich, ob Begrifflichkeiten dieser Art auch nur annähernd die Fazinationskraft dieses Films beschreiben können.
Sicher, es fließt Blut. Jede Menge sogar. Und es wird geritzt, geschnitten, gebissen und geschmatzt. Mit Splatter oder Folter hat das allerdings wenig zu tun. Esther (Marina de Van) setzt sich - auf äußerst radikale Weise - in Beziehung zu ihrem Körper. Vielleicht geht es um die Auslöschung oder Auslotung der Grenze zwischen Ich und Welt, die allerdings - die Szene mit der Hand im Restaurant deutet es an - sehr viel komplexer als herkömmliche biologische Grenzziehungen ("Haut") angelegt zu sein scheint.
Mögliche Erklärungen werden angedeutet, nicht zufällig handelt der Film viel vom Arbeitsleben, von Karriere, Hierarchien und (Selbst-) Ausbeutung. Das alles verkommt erstaunlicher Weise jedoch nicht zur plakativen These, sondern bleibt Andeutung, ebenso wie die Mimik de Vans, die stets diffus und selbstvergessen erscheint.
In my Skin, das ist ein sehr sehenswerter Film, der thematisch und die Stimmung betreffend vielleicht in die Nähe von Trouble every day gerückt werden könnte.
Ne, eben nicht. Funktioniert nicht, bei mir zumindest nicht. Die Idee, die eigenen Neurose-Klischees in anderer Leute Münder und Mienen zu legen, ist nicht ganz neu im Allen-Kosmos. Sie hat zu unterschiedlichen Anlässen bereits bestens funktioniert. Protagonisten in Woody Allen-Filmen sind ja öfters mal - insofern der Regisseur selbst nicht im filmischen Geschehen mitmischt - Platzhalter, Stellvertreter, neu perspektivierte Möglichkeiten seines weltverzweifelnden Egos. Larry David nehme ich diese Rolle aber einfach nicht ab. Zum einen ist er für meine Begriffe zu nah an Allen selbst (ich hatte den ganzen Film über permanent das Gefühl, dass Allen hier spricht), zum anderen lässt er eine entscheidende Facette in Allens Neurosen-Spektrum vermissen. Bei Allen schwingt - mit ganz wenigen Ausnahmen - noch in der größten Skepsis, im absurdesten Klamauk - ein wenig (manchmal auch: ein wenig mehr) Melancholie mit. Das scheint David nicht zu können. Und ohne diese eher stille Komponente wird mir das ganze dann einfach zu flach.
Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Gag-Dichte in Whatever works eher an ein Bühnenprogramm als an einen Spielfilm erinnert.
Whatever works ist einer der (wenigen) Allen-Filme, die ich kein zweites Mal sehen muss.
Das Setdesign. Kulissen. Licht. Großes Kino, was klar war: willkommen im selben.
Dass Tom Ford seinem Regiedebut eine Handschrift verleihen würde, eine starke Kontur, eine Silhouette, das war - bedenkt man seine Arbeit für Gucci, YSL und schließlich für seine eigene Marke Tom Ford - abzusehen. Sein Erstjob als Designer liefert nun auch dankenswerterweise ein adäquates Vokabular, um sich "A Single Man" kritisch anzunähern.
Viel war zu lesen, über einen Film, der über seinem ungestümen Willen zum Stil seine Protagonisten zu vergessen scheint. Mit dem - in der Häufung dieser Aussage - seltsam anmutendenen Zusatz, Collin Firth habe dieses Debut, das unter all dem Dekor zu ersticken drohte, mit einem so minimalistischen wie genialen Spiel gerettet.
Mir scheint, das greift zu kurz. All der Stil, genauer: all das Interieur, die Garderobe, die Autos, Schreibtische, Krawatten (Windsor-Knoten!) und Gin-Flaschen, das sind aussagekräftige Gegenstände und mir scheint, dass Fords Akribie hier durchaus mehr ist als pedantischer Wille zum Stil. Die scheinbare Starre und Unumstößlichkeit dieser Arrangements - das "So und nicht anders" dieser Räume und Leben - portraitiert nicht zuletzt eine Gesellschaft, die sich in ihren Umrissen erschöpft, die kaum Raum für Tiefenschärfe und kaum Luft für ihre Protagonisten lässt. Im Traum gibt es keine Kleider, im Traum ist Natur, Wasser & Nacktheit.
Ich habe diesem Film nicht viel vorzuwerfen, außer der Tatsache, dass er seinen eigenen Mitteln und deren subtilen Einsatz manchmal nicht zu vertrauen scheint: seltsame Schnitte, merkwürdige Schwarz-Weiß-Abblendungen, viel zu gehäuft und so. Aber davon haben andere schon genug geschrieben.
Manchmal ganz schön prätentiös. Alle Serienkiller und Ritualmörder scheinen in der (fiktiven) nordenglischen Stadt Bradfield ihr Unwesen zu treiben. Und Tony Hill, forensicher Psychologe und (vorerst) unfreiwilliger Profiler für die Polizei scheint allen direkt in die Gedanken- und Gefühlswelt schauen zu können.
Die Serie lässt wenig Klischees aus.
Ich habe mir trotzdem alle Folgen angesehen und mich unterhalten gefühlt.
"Control" kann einiges: Wucht entfalten, Tristesse und Ausweglosigkeit. Das liegt sicher nicht zu knapp an einem großartigen Sam Riley und den Bildern von Martin Ruhe. Selbst die viel geschmähte Alexandra Maria Lara macht einen vergleichsweise guten Job - man sollte sich immer vor Augen halten, wen sie spielt und aus welcher Perspektive ihr Charakter angelegt ist - und genau hier liegt mein Problem: Insofern es Corbijns Ziel gewesen sein sollte, eine stringente Verfilmung von Deborah Curtis' Buch "Touching from a Disctance" zu leisten, so ist ihm das voll und ganz gelungen. Das ist mir allerdings schlicht gesagt zu wenig. Ein wenig mehr interpretatives Wagnis, mehr ästhetische Spekulation und künstlerisches Nach- oder Einfühlen hätte dem Film gut gestanden.
So handelt es sich letztlich vor allem um eine unglückliche Dreiecksgeschichte, die zwar eine Ahnung von der Zerissenheit der Person Ian Curtis gibt, diese aber im Ganzen nicht überzeugend zu vermitteln weiß. Und zur musikalischen Entwicklung der Band sagt der Film ungefähr gar nichts. Joy Division - so könnte man fast den Eindruck bekommen - bestand aus einer Bande unspektakulärer Idioten. "Control" schafft es zumindest nur sehr unzureichend nachzuzeichnen, wo diese so dünnhäutige wie dunkle Musik ihren Ursprung nimmt.
Ach herrje! Klassischer Fall von Doppelmoral, gerne auch als Selbstdiagnose.
Der Film funktioniert einwandfrei, hat gute Dialoge, große Bilder, schöne Farben; keine Längen, perfekt getimte Wechsel zwischen absurdem Klamauk und stilleren Momenten.
Alles fabelhaft also. Dumm nur, dass die beiden Hauptcharaktere dann doch etwas blass bleiben. Außenseiter sind sie ohnehin nur, weil ihre Umwelt offensichtlich komplett verrückt geworden ist. Das wird gerne (und in den besten Momenten höchst unterhaltsam) bis hin zur Groteske überzeichnet. Aber profilschärfend wirkt das auf die Protagonisten eher nicht. Verona und Burt wären nämlich, ohne die Gegenüberstellung mit ihren kaputten "Freunden" vor allem eines: ganz schön durchschnittlich.
Away we go, das war durchaus heiterer Filmgenuss. Mit einem etwas schalen Nachgeschmack allerdings: Die Koordinaten der amerikanischen Kleinfamilie scheinen nach wie vor unverrückbar, im Westen nichts Neues: von Außen kommt nichts Gutes. Rückzug, einzäunen, beschützen. Und die eigene Geschichte nicht vergessen. Innovativ ist anders.
1. Der Motivrahmen "Robinsonade" taugt mir von Zeit zu Zeit ganz außerordentlich gut.
2. Ich blieb neulich im Nachtprogramm bei "6 degrees of separation" hängen, worauf hin mich das Gefühl beschlich, möglicherweiße das Können von Will Smith bisher völlig falsch eingeschätzt zu haben (ich irrte).
Dann also I am Legend. Und die erste halbe Stunde ist tatsächlich sehenswert. Angenehm auch deshalb, weil "sich Zeit lassen" ja nicht unbedingt die Stärke von Hollywood-Blockbustern ist.
Sobald die Vampirwesen dann die Bühne betreten, darf getrost abgeschalten werden.
Cool eigentlich: die ereignisarme erste Hälfte des Films ist durchaus so bilder- wie erkenntnisreich, die ereignisreiche zweite dann eher... ja, arm eben.
filme aus diesem genre (post-apocalyptic fiction) fangen oft sehr vielversprechend an und bauen dann ab. deswegen bin auch sehr gespannt wie "the road" (cormac mccarthy) das löst...
aber wenns um "I am legend" geht:
da machen die originale "last man on earth" (1964) mit vincent price und "omega-man" (1971) mit charlton heston um einiges mehr her. klar - sowohl die jahreszahl der entstehung wie auch die besetzung sprechen schon bände ;-) beide recht trashig, aber die auslegung und umsetzung der romanvorlage ist wirklich unterhaltsam und teilweise zum brüllen...=) aber wenn dir mal wieder nach robinsonade zumute ist, dann schau doch wie gesagt mal "quiet earth"- der hat einige recht gelungene elemente.
"Milk" ist vieles, vor allem aber: überraschend. Wer hätte gedacht, dass Van Sant nach seiner Todes-Trilogie nochmals zu einer derart konventionellen Art und Weise des Erzählens zurückkehrt? Ich nicht, finde aber, dass ihm das ganz ausgezeichnet steht. Denn "Milk" bietet, neben einem hervorragenden Cast, unter der Oberfläche einer sehr Hollywood-tauglichen Erfolgsgeschichte (Rahmenhandlung und Klischees inklusive) einen durchaus spannenden Subtext, der auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt ins Auge fallen mag.
Harvey Milk beschließt an seinem vierzigsten Geburtstag, die Rolle zu wechseln. Auch das kann Coming Out heißen: in eine neue Rolle schlüpfen (im schlimmsten Fall aber auch: mit einem Stigma belegt werden). "My name is Harvey Milk, and I want to recruit you". Milk erfindet sich fortan als pragmatischen Aktivisten und als - und dieser Aspekt des Films gefällt mir ganz außerordentlich - ästhetischen Dramaturg. Milk ist sich nicht nur seiner Verschiedenheit von der Mehrheit der Bevölkerung bewusst, er weiß auch um die Wirkungsmacht einer gebrochenen singulären Stimme und um die Wichtigkeit diese in Szene zu setzen. Die Puccini-Oper Tosca liefert hierfür den Klappentext: Floria Tosca ist eine Sängerin, die eine Sängerin spielt. Wenn Gus Van Sant den Kamera-Fokus auch auf den Körper, die Brüste der Sängerin legt, dann ist das sicher nicht sexistisch, sondern nur folgerichtig: Der Körper muss zwingend auch auf der Bühne des Politischen erscheinen, ein Anliegen alleine reicht nicht. Milks Mörder Dan White irrt ja unter anderem genau an diesem Umstand. Nicht alleine das Anliegen macht die Faszination der Person Harvey Milk aus, sondern die andauernden Verschränkungen von Privatem und Politischen, von den Forderungen und den Körpern auf der Straße.
Völlig folgerichtig: If I can't fuck to it, it's not my revolution.
Wenn der Vampir die filmische Bühne betritt, dann hat er meist eine der großen Metaerzählungen im Gepäck: die Geschichte devianten Begehrens zum Beispiel, die meist zwischen zwei Extrempositionen abgesteckt wird (etwa: dem sublimen Motiv des ewigen Lebens und den Exzessen der triebgesteuerten Nacht). Der Vampir, so haben wir gelernt, ist immer auch eine ästhetische Figur, wenn männlich, dann gerne dandyesk, immer aber Individualist.
Das Schöne an "So Finster die Nacht", neben der hervorragenden Kameraarbeit, den gut besetzten Schauspielern und dem tollen Skript, ist die Tatsache, dass ein zentrales Motiv des Vampirfilms - das Motiv der Angst - hier ausgelassen wird (oder zumindest nur randständig Beachtung findet). Die kleine Vampirin hat keine Angst, zumindest keine Angst vor Verfolgung - die gesellschaftliche Treibjagd, die man im klassischen Vampirfilm ja auch als "Triebjagd" verstehen könnte, bleibt aus.
Das ist in sofern hervorragend, weil der Film dadurch Zeit gewinnt: für eine getragene Erzählweise und dafür, die zarte Beziehung zwischen Oskar und seiner sonderbaren Freundin ganz behutsam auszuleuchten. Das Outing, ebenfalls oftmals essentieller Bestandteil des Vampirfilms, weil das Begehren der Nachtwandler prinzipiell so unsichtbar ist, wie die Zähne in seinem Gesicht, dem das Lachen fremd ist, führt hier nicht zum Skandal, sondern wird vielmehr Ausgangspunkt einer aufrichtigen Freundschaft.
Das alles ist durchaus nicht vorhersehbar und wirklich schön zu sehen.
"Vergiss Amerika" hat mich - trotz einiger Schwächen - tatsächlich berührt. Das liegt mit Sicherheit nicht zu knapp an Marek Harloff, der alles das macht, was ich bei Schauspielern eigentlich nicht leiden kann: Psychogramme erstellen, sich einfühlen, heulen und vor Wut Einrichtungsgegenstände zertrümmern.
Er macht das unglaublich gut.
Ich war selten von einer schauspielerischen Leistung derart ergriffen - und hey - keine Floskel - wir reden hier tatsächlich von Ergriffenheit!
Obwohl die Dichte an verbalen Schusswechseln zwischen Allen und Hunt derart hoch ist, dass sich zumindest bei mir zeitweilig der Screwball-typische Erschöpfungszustand einstellt, ist "Im Bann des Jade-Skorpions" natürlich trotzdem sehenswert - und extrem kurzweilig.
Bemerkenswerte Geschichte, bemerkenswert erzählt, mit großen Bildern von Christopher Doyle. Den oft gelesenen Vergleich mit Coppolas "Lost in Translation", der mir keinesfalls einleuchten mag, führe ich dann mal auf oberflächliche entfernte Parallelen zurück (in beiden Filmen spielt Japan eine gewisse Rolle), inhaltlich und vor allem qualitativ haben die beiden Filme wenig miteinander zu tun.
Einzig Takashi Miike hätte es gut gestanden, ein Engagement in Last Life on Earth abzulehnen, ist sein Yakuza-Auftritt, ebenso wie das Ichi-Plakat zu Beginn des Films eher störend und ärgerlich.
Tip: Im Original mit Untertiteln anschauen, so werden die unterschiedlichen Sprach-Ebenen des Films deutlicher.
Eine anfangs viel versprechende Story, die in der zweiten Halbzeit vom CGI-Dauerfeuer ähnlich zerfetzt wird, wie ihre Protagonisten. Unter Action-Aspekten zwar unterhaltsam, aber dennoch schade: wäre mehr zu holen gewesen.
Trotzdem sicherlich der innovativste SciFi 2009. Aber es stimmt schon, durch den Jackson kam halt das große Geld und dazu eben auch das CGI. Massentauglichkeit vor Phantasie...
Deine Kommentare
pfeffer
über So viele Jahre liebe ich Dich 2012/03/19 23:01:00
2 Punkte Abzug für die letzten 10 Minuten. Die Pathos-Keule hätte meiner Meinung nach nicht derart doll geschwungen werden müssen. Ansonsten: durch und durch gut.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
pfeffer
über Pi 2011/12/30 00:04:00
Wirr.
Aronofsky hätte gut daran getan, es seinem Protagonisten gleich zu tun und sich auf sein Thema zu konzentrieren. Statt dessen arbeitet er mit zwar mit Akribie an Licht und Stimmung, scheint aber seine Geschichte etwas aus dem Fokus zu verlieren. Oder erklärt sich nur mir nicht, was PI denn einerseits mit Go, andererseits mit der Kabbala und dann plötzlich mit einer 216-stelligen Zahl zu tun hat? Schade, verspricht doch der Beginn der Geschichte - vor allem die Idee vom Kind, das in die Sonne blickt, um Wahrheit zu finden - Großes.
bedenklich? Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Nyarlathotep68 2012/02/10 13:31:23
Antwort löschenDie Idee, dass man sich auf mathematische Weise dem Bauplan und Sinn allen Seins nähern kann, ist uralt. Wenn das stimmt, lassen sich alle Erscheinungen im Universum - inklusive Kaffetassen, Galaxien, Gedanken - auf Zahlen zurückführen. Und da sind wir bei Gott und der Kabbala oder bei den Dummköpfen, die den Sinn des Lebens nur im Materiellen und in Aktienkursen suchen. Nein, Aronofsky hat seine Geschichte keinen Moment aus den Augen verloren.
pfeffer
über Der Gott des Gemetzels 2011/11/30 00:24:54
Marilyn, this one's for you.
Das ist unterhaltsam. An manchen Stellen: bitter. An anderen: höchst amüsant. An wenigen: theatralisch albern. Und durchweg: brilliant gespielt. Die Foster topt jede Lehrbuch-Definition von "passive aggressive" (und spielt ihre beste Rolle seit vielen Jahren), Walz gibt den Zyniker, O'Reilly taumelt zwischen Verbrüderung und Hilflosigkeit und Kate Winslet schwankt und schluchzt sich eine der besten Besoffenen, die ich je zu Gesicht bekommen habe, aus dem Repertoire.
Ketzerische Frage zum Schluss: Hätte dieser Film auch ohne Polanski ähnlich gut werden können?
bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
pfeffer 2011/11/30 09:25:29
Antwort löschenC. Reilly...
spanky 2011/11/30 11:48:46
Antwort löschenThat's why I'm here! I love Moviepilot! Und die antwort kann ich Dir erst geben, wenn ich ihn selbst gesehen hab.
pfeffer
über Blue Valentine 2011/11/02 21:34:03
Blue Valentine kann manches: zeigen, dass Michelle Williams seit Dawson's Creek eindeutig was dazu gelernt hat zum Beispiel. Auch an der schauspielerischen Leistung von Ryan Gossling ist nichts auszusetzen, aber was hilft das, wenn das Drehbuch schwächelt. Was zunächst vielversprechend beginnt, wird alsbald eher blöd: da wird der "Future Room" gemietet, um die gemeinsame Zukunft zu retten. Wenig subtil. Der Hund ist tot, die Ehe kaputt, die Kamera ist RomCom-Hollywood (in den pathtischen Flashbacks) oder indiemäßig ganz nah dran, wenn alles bröckelt. Schade eigentlich. Da wäre mehr zu holen gewesen.
bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
pfeffer
über Wasting Away 2011/06/22 10:20:47
9 Punkte für die wirklich schöne Idee.
8 Punkte Abzug für das miserable Skript, die unterirdischen Dialoge, das schlechte Licht und die dürftige schauspielerische Leistung.
bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten
spanky 2011/06/22 12:31:45
Antwort löschenQuält dich die Susi mit so Zeugs?
Alle 3 Antworten zeigen
pfeffer 2011/06/22 12:33:30
Antwort löschenHaha, touché... Wobei ich mir das völlig freiwillig angetan habe.
suzee 2011/06/23 08:31:22
Antwort löschenund es hätte ja durchaus auch was werden können!
pfeffer
über Howl - Das Geheul 2011/06/17 12:59:23
Die Person Allen Ginsberg zu portraitieren, seinen literarischen Status nachzeichnen zu wollen und einen fundierten Einblick in sein Werk und seine Schreibpraxis zu leisten: das ist eine schwierige Aufgabe.
Es verwundert daher kaum, dass Friedman und Eppstein sich dieser Herausforderung mittels einer mehrgleisigen Herangehensweise stellen. So ist dieser Film Biopic, Gerichtsdrama und der Versuch einer (animierten) Illustration des Gedichtes "Howl". Dumm nur, dass keiner der Handlungsstränge wirklich zu überzeugen weiß. Franco bleibt etwas blass und das Gerichtsdrama ist ein ebensolches. Was noch zu verkraften wäre, wären da nicht die Animationen. Die nämlich sind im besten Falle unfreiwillig komisch, meistens allerdings einfach nur platt illustrativ und unpassend.
bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
pfeffer
über In My Skin 2011/01/29 13:25:04
In my Skin ist ein merkwürdiger Film, im wahrsten Sinne.
Das Thema des Films ist bei genauer Überlegung viel schwerer auszumachen, als es zunächst scheint. Autoaggression? Selbstverstümmelung? Das sind Begriffe, die in den (spärlichen) Besprechungen zu Marina de Vans Regiedebut häufiger gefallen sind, es scheint allerdings fraglich, ob Begrifflichkeiten dieser Art auch nur annähernd die Fazinationskraft dieses Films beschreiben können.
Sicher, es fließt Blut. Jede Menge sogar. Und es wird geritzt, geschnitten, gebissen und geschmatzt. Mit Splatter oder Folter hat das allerdings wenig zu tun. Esther (Marina de Van) setzt sich - auf äußerst radikale Weise - in Beziehung zu ihrem Körper. Vielleicht geht es um die Auslöschung oder Auslotung der Grenze zwischen Ich und Welt, die allerdings - die Szene mit der Hand im Restaurant deutet es an - sehr viel komplexer als herkömmliche biologische Grenzziehungen ("Haut") angelegt zu sein scheint.
Mögliche Erklärungen werden angedeutet, nicht zufällig handelt der Film viel vom Arbeitsleben, von Karriere, Hierarchien und (Selbst-) Ausbeutung. Das alles verkommt erstaunlicher Weise jedoch nicht zur plakativen These, sondern bleibt Andeutung, ebenso wie die Mimik de Vans, die stets diffus und selbstvergessen erscheint.
In my Skin, das ist ein sehr sehenswerter Film, der thematisch und die Stimmung betreffend vielleicht in die Nähe von Trouble every day gerückt werden könnte.
bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
pfeffer
über Whatever Works - Liebe sich wer kann 2011/01/26 00:27:27
Ne, eben nicht. Funktioniert nicht, bei mir zumindest nicht. Die Idee, die eigenen Neurose-Klischees in anderer Leute Münder und Mienen zu legen, ist nicht ganz neu im Allen-Kosmos. Sie hat zu unterschiedlichen Anlässen bereits bestens funktioniert. Protagonisten in Woody Allen-Filmen sind ja öfters mal - insofern der Regisseur selbst nicht im filmischen Geschehen mitmischt - Platzhalter, Stellvertreter, neu perspektivierte Möglichkeiten seines weltverzweifelnden Egos. Larry David nehme ich diese Rolle aber einfach nicht ab. Zum einen ist er für meine Begriffe zu nah an Allen selbst (ich hatte den ganzen Film über permanent das Gefühl, dass Allen hier spricht), zum anderen lässt er eine entscheidende Facette in Allens Neurosen-Spektrum vermissen. Bei Allen schwingt - mit ganz wenigen Ausnahmen - noch in der größten Skepsis, im absurdesten Klamauk - ein wenig (manchmal auch: ein wenig mehr) Melancholie mit. Das scheint David nicht zu können. Und ohne diese eher stille Komponente wird mir das ganze dann einfach zu flach.
Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Gag-Dichte in Whatever works eher an ein Bühnenprogramm als an einen Spielfilm erinnert.
Whatever works ist einer der (wenigen) Allen-Filme, die ich kein zweites Mal sehen muss.
bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
alviesinger 2011/11/02 22:15:48
Antwort löschenDie fehlende Melacholie - gut erkannt.
pfeffer
über A Single Man 2011/01/19 21:55:41
Das Setdesign. Kulissen. Licht. Großes Kino, was klar war: willkommen im selben.
Dass Tom Ford seinem Regiedebut eine Handschrift verleihen würde, eine starke Kontur, eine Silhouette, das war - bedenkt man seine Arbeit für Gucci, YSL und schließlich für seine eigene Marke Tom Ford - abzusehen. Sein Erstjob als Designer liefert nun auch dankenswerterweise ein adäquates Vokabular, um sich "A Single Man" kritisch anzunähern.
Viel war zu lesen, über einen Film, der über seinem ungestümen Willen zum Stil seine Protagonisten zu vergessen scheint. Mit dem - in der Häufung dieser Aussage - seltsam anmutendenen Zusatz, Collin Firth habe dieses Debut, das unter all dem Dekor zu ersticken drohte, mit einem so minimalistischen wie genialen Spiel gerettet.
Mir scheint, das greift zu kurz. All der Stil, genauer: all das Interieur, die Garderobe, die Autos, Schreibtische, Krawatten (Windsor-Knoten!) und Gin-Flaschen, das sind aussagekräftige Gegenstände und mir scheint, dass Fords Akribie hier durchaus mehr ist als pedantischer Wille zum Stil. Die scheinbare Starre und Unumstößlichkeit dieser Arrangements - das "So und nicht anders" dieser Räume und Leben - portraitiert nicht zuletzt eine Gesellschaft, die sich in ihren Umrissen erschöpft, die kaum Raum für Tiefenschärfe und kaum Luft für ihre Protagonisten lässt. Im Traum gibt es keine Kleider, im Traum ist Natur, Wasser & Nacktheit.
Ich habe diesem Film nicht viel vorzuwerfen, außer der Tatsache, dass er seinen eigenen Mitteln und deren subtilen Einsatz manchmal nicht zu vertrauen scheint: seltsame Schnitte, merkwürdige Schwarz-Weiß-Abblendungen, viel zu gehäuft und so. Aber davon haben andere schon genug geschrieben.
bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
pfeffer
über die Serie Hautnah - Die Methode Hill 2011/01/19 21:32:20
Manchmal ganz schön prätentiös. Alle Serienkiller und Ritualmörder scheinen in der (fiktiven) nordenglischen Stadt Bradfield ihr Unwesen zu treiben. Und Tony Hill, forensicher Psychologe und (vorerst) unfreiwilliger Profiler für die Polizei scheint allen direkt in die Gedanken- und Gefühlswelt schauen zu können.
Die Serie lässt wenig Klischees aus.
Ich habe mir trotzdem alle Folgen angesehen und mich unterhalten gefühlt.
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pfeffer
über die Serie The Wire 2011/01/19 21:21:59
Großartig. Besseres hab ich im Fernsehserienformat kaum gesehen.
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pfeffer
über Control 2010/05/22 01:33:46
"Control" kann einiges: Wucht entfalten, Tristesse und Ausweglosigkeit. Das liegt sicher nicht zu knapp an einem großartigen Sam Riley und den Bildern von Martin Ruhe. Selbst die viel geschmähte Alexandra Maria Lara macht einen vergleichsweise guten Job - man sollte sich immer vor Augen halten, wen sie spielt und aus welcher Perspektive ihr Charakter angelegt ist - und genau hier liegt mein Problem: Insofern es Corbijns Ziel gewesen sein sollte, eine stringente Verfilmung von Deborah Curtis' Buch "Touching from a Disctance" zu leisten, so ist ihm das voll und ganz gelungen. Das ist mir allerdings schlicht gesagt zu wenig. Ein wenig mehr interpretatives Wagnis, mehr ästhetische Spekulation und künstlerisches Nach- oder Einfühlen hätte dem Film gut gestanden.
So handelt es sich letztlich vor allem um eine unglückliche Dreiecksgeschichte, die zwar eine Ahnung von der Zerissenheit der Person Ian Curtis gibt, diese aber im Ganzen nicht überzeugend zu vermitteln weiß. Und zur musikalischen Entwicklung der Band sagt der Film ungefähr gar nichts. Joy Division - so könnte man fast den Eindruck bekommen - bestand aus einer Bande unspektakulärer Idioten. "Control" schafft es zumindest nur sehr unzureichend nachzuzeichnen, wo diese so dünnhäutige wie dunkle Musik ihren Ursprung nimmt.
bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
pfeffer
über Away We Go - Auf nach Irgendwo 2010/03/06 04:09:19
Ach herrje! Klassischer Fall von Doppelmoral, gerne auch als Selbstdiagnose.
Der Film funktioniert einwandfrei, hat gute Dialoge, große Bilder, schöne Farben; keine Längen, perfekt getimte Wechsel zwischen absurdem Klamauk und stilleren Momenten.
Alles fabelhaft also. Dumm nur, dass die beiden Hauptcharaktere dann doch etwas blass bleiben. Außenseiter sind sie ohnehin nur, weil ihre Umwelt offensichtlich komplett verrückt geworden ist. Das wird gerne (und in den besten Momenten höchst unterhaltsam) bis hin zur Groteske überzeichnet. Aber profilschärfend wirkt das auf die Protagonisten eher nicht. Verona und Burt wären nämlich, ohne die Gegenüberstellung mit ihren kaputten "Freunden" vor allem eines: ganz schön durchschnittlich.
Away we go, das war durchaus heiterer Filmgenuss. Mit einem etwas schalen Nachgeschmack allerdings: Die Koordinaten der amerikanischen Kleinfamilie scheinen nach wie vor unverrückbar, im Westen nichts Neues: von Außen kommt nichts Gutes. Rückzug, einzäunen, beschützen. Und die eigene Geschichte nicht vergessen. Innovativ ist anders.
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pfeffer
über I Am Legend 2010/02/17 00:18:19
2 Umstände führten mich zu diesem Film:
1. Der Motivrahmen "Robinsonade" taugt mir von Zeit zu Zeit ganz außerordentlich gut.
2. Ich blieb neulich im Nachtprogramm bei "6 degrees of separation" hängen, worauf hin mich das Gefühl beschlich, möglicherweiße das Können von Will Smith bisher völlig falsch eingeschätzt zu haben (ich irrte).
Dann also I am Legend. Und die erste halbe Stunde ist tatsächlich sehenswert. Angenehm auch deshalb, weil "sich Zeit lassen" ja nicht unbedingt die Stärke von Hollywood-Blockbustern ist.
Sobald die Vampirwesen dann die Bühne betreten, darf getrost abgeschalten werden.
Cool eigentlich: die ereignisarme erste Hälfte des Films ist durchaus so bilder- wie erkenntnisreich, die ereignisreiche zweite dann eher... ja, arm eben.
bedenklich? 3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 5 Antworten
suzee 2010/02/17 04:00:19
Antwort löschenfilme aus diesem genre (post-apocalyptic fiction) fangen oft sehr vielversprechend an und bauen dann ab. deswegen bin auch sehr gespannt wie "the road" (cormac mccarthy) das löst...
aber wenns um "I am legend" geht:
da machen die originale "last man on earth" (1964) mit vincent price und "omega-man" (1971) mit charlton heston um einiges mehr her. klar - sowohl die jahreszahl der entstehung wie auch die besetzung sprechen schon bände ;-) beide recht trashig, aber die auslegung und umsetzung der romanvorlage ist wirklich unterhaltsam und teilweise zum brüllen...=) aber wenn dir mal wieder nach robinsonade zumute ist, dann schau doch wie gesagt mal "quiet earth"- der hat einige recht gelungene elemente.
spanky 2010/02/17 08:27:51
Antwort löschenAlso mich hat eben dieser Gedanke des Alleinseins auf der Erde voll fasziniert. Aber darum geht es in dem Film ja leider überhaupt nicht...
suzee 2010/02/17 11:36:29
Antwort löschenbei welchem jetzt?
Alle 5 Antworten zeigen
spanky 2010/02/17 11:40:26
Antwort löschenEigentlich geht es um "I Am Legend", am I right?
suzee 2010/02/17 11:58:14
Antwort löschenklar, aber da das zb "omega man" auch nicht kann, hab ich mir die frage einfach mal erlaubt.
pfeffer
über Milk 2010/01/26 16:12:09
"Milk" ist vieles, vor allem aber: überraschend. Wer hätte gedacht, dass Van Sant nach seiner Todes-Trilogie nochmals zu einer derart konventionellen Art und Weise des Erzählens zurückkehrt? Ich nicht, finde aber, dass ihm das ganz ausgezeichnet steht. Denn "Milk" bietet, neben einem hervorragenden Cast, unter der Oberfläche einer sehr Hollywood-tauglichen Erfolgsgeschichte (Rahmenhandlung und Klischees inklusive) einen durchaus spannenden Subtext, der auf den ersten Blick vielleicht nicht direkt ins Auge fallen mag.
Harvey Milk beschließt an seinem vierzigsten Geburtstag, die Rolle zu wechseln. Auch das kann Coming Out heißen: in eine neue Rolle schlüpfen (im schlimmsten Fall aber auch: mit einem Stigma belegt werden). "My name is Harvey Milk, and I want to recruit you". Milk erfindet sich fortan als pragmatischen Aktivisten und als - und dieser Aspekt des Films gefällt mir ganz außerordentlich - ästhetischen Dramaturg. Milk ist sich nicht nur seiner Verschiedenheit von der Mehrheit der Bevölkerung bewusst, er weiß auch um die Wirkungsmacht einer gebrochenen singulären Stimme und um die Wichtigkeit diese in Szene zu setzen. Die Puccini-Oper Tosca liefert hierfür den Klappentext: Floria Tosca ist eine Sängerin, die eine Sängerin spielt. Wenn Gus Van Sant den Kamera-Fokus auch auf den Körper, die Brüste der Sängerin legt, dann ist das sicher nicht sexistisch, sondern nur folgerichtig: Der Körper muss zwingend auch auf der Bühne des Politischen erscheinen, ein Anliegen alleine reicht nicht. Milks Mörder Dan White irrt ja unter anderem genau an diesem Umstand. Nicht alleine das Anliegen macht die Faszination der Person Harvey Milk aus, sondern die andauernden Verschränkungen von Privatem und Politischen, von den Forderungen und den Körpern auf der Straße.
Völlig folgerichtig: If I can't fuck to it, it's not my revolution.
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über So finster die Nacht 2010/01/22 02:19:18
Wenn der Vampir die filmische Bühne betritt, dann hat er meist eine der großen Metaerzählungen im Gepäck: die Geschichte devianten Begehrens zum Beispiel, die meist zwischen zwei Extrempositionen abgesteckt wird (etwa: dem sublimen Motiv des ewigen Lebens und den Exzessen der triebgesteuerten Nacht). Der Vampir, so haben wir gelernt, ist immer auch eine ästhetische Figur, wenn männlich, dann gerne dandyesk, immer aber Individualist.
Das Schöne an "So Finster die Nacht", neben der hervorragenden Kameraarbeit, den gut besetzten Schauspielern und dem tollen Skript, ist die Tatsache, dass ein zentrales Motiv des Vampirfilms - das Motiv der Angst - hier ausgelassen wird (oder zumindest nur randständig Beachtung findet). Die kleine Vampirin hat keine Angst, zumindest keine Angst vor Verfolgung - die gesellschaftliche Treibjagd, die man im klassischen Vampirfilm ja auch als "Triebjagd" verstehen könnte, bleibt aus.
Das ist in sofern hervorragend, weil der Film dadurch Zeit gewinnt: für eine getragene Erzählweise und dafür, die zarte Beziehung zwischen Oskar und seiner sonderbaren Freundin ganz behutsam auszuleuchten. Das Outing, ebenfalls oftmals essentieller Bestandteil des Vampirfilms, weil das Begehren der Nachtwandler prinzipiell so unsichtbar ist, wie die Zähne in seinem Gesicht, dem das Lachen fremd ist, führt hier nicht zum Skandal, sondern wird vielmehr Ausgangspunkt einer aufrichtigen Freundschaft.
Das alles ist durchaus nicht vorhersehbar und wirklich schön zu sehen.
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spanky 2010/01/22 09:46:37
Antwort löschenDracula 2.0!
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über Vergiss Amerika 2010/01/20 18:22:08
"Vergiss Amerika" hat mich - trotz einiger Schwächen - tatsächlich berührt. Das liegt mit Sicherheit nicht zu knapp an Marek Harloff, der alles das macht, was ich bei Schauspielern eigentlich nicht leiden kann: Psychogramme erstellen, sich einfühlen, heulen und vor Wut Einrichtungsgegenstände zertrümmern.
Er macht das unglaublich gut.
Ich war selten von einer schauspielerischen Leistung derart ergriffen - und hey - keine Floskel - wir reden hier tatsächlich von Ergriffenheit!
Frustration,
enttäuschte Hoffnungen,
Sehnsucht,
Wut,
Lähmung
sah ich selten so authentisch dargestellt.
Kann den vielleicht bitte mal jemand mit Filmpreisen überhäufen?
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über Im Bann des Jade Skorpions 2010/01/20 15:36:26
Obwohl die Dichte an verbalen Schusswechseln zwischen Allen und Hunt derart hoch ist, dass sich zumindest bei mir zeitweilig der Screwball-typische Erschöpfungszustand einstellt, ist "Im Bann des Jade-Skorpions" natürlich trotzdem sehenswert - und extrem kurzweilig.
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über Last Life in the Universe 2010/01/18 00:31:55
Bemerkenswerte Geschichte, bemerkenswert erzählt, mit großen Bildern von Christopher Doyle. Den oft gelesenen Vergleich mit Coppolas "Lost in Translation", der mir keinesfalls einleuchten mag, führe ich dann mal auf oberflächliche entfernte Parallelen zurück (in beiden Filmen spielt Japan eine gewisse Rolle), inhaltlich und vor allem qualitativ haben die beiden Filme wenig miteinander zu tun.
Einzig Takashi Miike hätte es gut gestanden, ein Engagement in Last Life on Earth abzulehnen, ist sein Yakuza-Auftritt, ebenso wie das Ichi-Plakat zu Beginn des Films eher störend und ärgerlich.
Tip: Im Original mit Untertiteln anschauen, so werden die unterschiedlichen Sprach-Ebenen des Films deutlicher.
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über District 9 2010/01/13 00:35:41
Eine anfangs viel versprechende Story, die in der zweiten Halbzeit vom CGI-Dauerfeuer ähnlich zerfetzt wird, wie ihre Protagonisten. Unter Action-Aspekten zwar unterhaltsam, aber dennoch schade: wäre mehr zu holen gewesen.
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suzee 2010/01/13 03:15:23
Antwort löschenIn meinem Fall stimmt mich die eigentliche Idee recht nachsichtlich mit der sicherlich schwächeren zweiten Hälfte des Filmes.
spanky 2010/01/13 09:33:56
Antwort löschenTrotzdem sicherlich der innovativste SciFi 2009. Aber es stimmt schon, durch den Jackson kam halt das große Geld und dazu eben auch das CGI. Massentauglichkeit vor Phantasie...