Sicherlich ist zu hinterfragen, wo die kindgerechte Problematisierung etwa von Ehekrisen der Eltern oder der Integrationsprobleme von Kindern im neuen Umfeld ihre Grenzen haben sollten. Jedoch mutet Henmans Film seinen jungen Zuschauern diesbezüglich so wenig zu, dass sich der Eindruck einstellt, der Film sei von der Idee beseelt, etwas ähnlich Rundes und in seinem Lauf Widerstandsfreies wie einen Fußball zu schaffen. [...] Was bleibt, sind altbekannte Klischees, die in bewährten Funktionsparametern der Typen-Klamotte temporeich und glatt aneinandergereiht werden.
Die für den Film entdeckte übergewichtige Darstellerin verkörpert die Protagonistin mit verinnerlichter Kraft und unaufgesetzter Würde und verleiht ihr eine starke Authentizität. [...] Die Botschaften von Daniels’ Film mögen banal klingen, der aufgetürmte Leidensdruck mag zu konstruiert sein – im Zusammenspiel von sich abwechselnden narrativen Stilmitteln und überzeugenden Darstellern entfaltet Precious dennoch eine Wirkung, der sich der Zuschauer nicht zu entziehen vermag.
Oliver Parkers Dorian Gray ist vor allem eines: ein missratener Gruselfilm – die Genrebezeichnung Horror wäre schlicht unpassend. Dabei ist es nicht etwa das Fehlen einer geschlossenen Ästhetik oder gar eine ungelenke Spielführung. Parkers Film scheitert daran, dass er sich in keiner messbaren Deutung versucht, dem vielschichtigen Stoff keine Lesart abgewinnen kann. So beschränkt sich Dorian Gray auf eine recht oberflächliche Repetition des Vorlagenstoffes auf der Leinwand, der zudem von Drehbuchautor Toby Finlay noch banalisiert wird
Die Lust am Spiel der Darsteller ist sichtlich spürbar, und Burton arbeitet – bedenkt man, dass es sich natürlich um typisierte Märchenschablonen handelt – aus seinen Figuren interessante Ticks, Macken, ironische Brüche und Subtexte heraus. [...] Interessanterweise setzt der Film die 3-D-Technik behutsam und nicht als Selbstzweck ein, so dass einem – bei aller visuellen Kraft – überladenes Effekt-Kino erspart bleibt und der Film auch in einer 2-D-Variante absolut bestandskräftig sein dürfte.
Nur – und dass mag ein Manko von Burtons Film sein –, sollte man die literarischen Vorlagen kennen, um sich im quietschbunten Universum zurechtzufinden.
Das Drehbuch von William Monahan und Andrew Bovell versucht nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ Versatzstücke aus dem ursprünglichen Serienstoff in einen zeitgenössischen Kontext zu bringen und schafft so eine zunehmende Aneinanderreihung von Klischee-Konstrukten und Standardsituationen, die den Zuschauer höchstens ob ihrer Banalität verblüffen können. [...] Da hilft es wenig, dass mit der Figur des geheimnisvollen Regierungsberaters Jedburgh (Ray Winstone) eine wirklich interessante und ambivalente Figur gelungen ist, die den Zynismus des kriminellen Zusammenspiels zwischen politischer Macht und Wirtschaft eindrucksvoll reflektiert. Denn die missglückte Adaption nivelliert sämtliche gelungenen Ansätze und macht Auftrag Rache zu einem derart trivialen Genrestück, dass Mel Gibson zum einzig wesentlichen Schauwert wird.
Brooklyn’s Finest ist vor allem ein Actionthriller in Genrekonvention, mit der Ambition, eine Milieustudie zu sein. Doch an diesem Anspruch scheitert der Film, denn zu lebensfern, zu platt sind die Geschichten, zu überkonstruiert wirkt das Zusammenspiel der drei Erzählstränge, die sich zwar narrativ elegant, vor allem in Tempo und Timing, ergänzen, jedoch gerade hierdurch zu glatt ineinandergreifen. Den drei Hauptdarstellern – allen voran Ethan Hawke – gelingt es durchweg, ambivalente Burnout-Cops zu kreieren, was die Schwächen der konstruierten Handlungsmotive jedoch nicht zu überwinden vermag.
Der Film findet keinen Rhythmus, denn das Gleichgewicht von Komik und Tragik geht im endlosen – teilweise pseudodokumentarischen – Erzählfluss unter. So wankt Die Friseuse derart dynamikfrei zwischen Sozialdrama und Komödie, zwischen Realismus und Parodie, dass sich der Zuschauer bald ungeduldig nach der Uhrzeit fragt. Zwar schafft es Gabriela Maria Schmeide ihrer Figur so viel Wärme, Kraft und Würde zu verleihen, dass man sich vereinzelt an die großartige Marianne Sägebrecht erinnert fühlt. Jedoch reicht das nicht, um diesen langatmigen und unentschlossenen Film zu tragen.
Regisseur Daniel Alfredson und Kameramann Peter Mokrosinski verzichten auf überbordende visuelle Effekte zugunsten einer konventionellen Bildsprache. Der Film setzt vor allem den Dialog als Handlungsmotor ein, und wo es auf psychologisierende Elemente ankommt, greift die Kamera häufig zur Nahaufnahme. Verdammnis nutzt dabei die bereits eingeführten Protagonisten und verzichtet auf deren tiefere Charakterisierung zugunsten der verdichteten Handlung und der Einführung einer Vielzahl neuer Figuren.
The Book Of Eli ist weder Literatur- noch Comicverfilmung, auch wenn die Handlung und die Figurenzeichnung letzteres vermuten lassen. Das Erstlingswerk von Drehbuchautor Gary Whitta reiht Gleichnisse und Symbolismen mit solchem Eifer aneinander, als gelte es eine weitere Bibelgeschichte mit massentauglicher Low-Level-Chiffre zu schaffen. Mit diesem Knobel-Faktor geht der Film qualitativ weit über andere ähnlich gelagerte Produktionen à la Kostners Postman (The Postman, 1997) hinaus.
Was durch Bobs kommentierenden Voice-over eine bissig-satirische Reise eines wenig hellen Kleinstadt-Journalisten zum „Herz der Finsternis“ hätte werden können, bleibt ein rückblendenlastiges Roadmovie nach Nirgendwo. Der Film bleibt quasi narrativ in der Begeisterung über seine Grundidee stecken und verschenkt somit viel von seinem Potenzial. [...] Als Militär- und Anti-Kriegs-Satire bleibt Männer, die auf Ziegen starren jedoch allzu sehr an der Oberfläche. In Zeiten politisch korrekten amerikanischen Mainstreamkinos ist aber auch oberflächliche Subversion schon ein erheblicher Gewinn.
Regisseur Michael Hoffman adaptiert Jay Parinis biografischen Roman über Tolstois letztes Lebensjahr, The Last Station von 1990, als eine Kombination aus Biopic, historischem Gesellschaftsporträt und Ehedrama, aus Coming-of-Age-Story und Beziehungskomödie. [...] Der Film macht schnell klar, für wen hier die Sympathien zu entwickeln sind, weshalb wenig Spannungsraum für die entwicklungsarmen Charaktere entsteht. Jedoch kann sich Hoffman nicht entscheiden, wo die Akzente seines konventionell erzählten Kostümfilms liegen sollen, sodass sich Ein russischer Sommer sichtlich schwer tut, die unterschiedlichen Genreversatzstücke unter den Hut einer ausbalancierten Gesamtdramaturgie zu bringen.
Max Manus ist ein Genrestück, das zwischen CGI-basiertem Actionspektakel und überzeugender Charakterzeichnung eine spannungsreiche Balance zu halten vermag. [...] Die relativierende Destruktion des Kämpfers durch den Mechanismus des Krieges vorzuführen ist denn auch die eigentliche Leistung von Max Manus.
Ab der ersten Minute legt Zoltan Pauls Film ein hohes Grundtempo vor, welches fast ausnahmslos gehalten wird. Die Charaktere sind formvollendete Klischees, eindimensionale Abziehbilder ohne erkennbare verinnerlichte Entwicklungen – mithin regelrechte Schießbudenfiguren. Die Story ist abstrus, mal mehr, mal weniger vorhersehbar und durch Situationskomik und schnellen Wortwitz unterschiedlichster Güte verdichtet.
Dinosaurier kommt nicht so richtig in Fahrt und bleibt eine Aneinanderreihung von recht entschleunigten Gags einschließlich offenbar unvermeidbarer Ekel-Lacher um Ingrid van Bergens künstliches Gebiss. Das ist bedauerlich, weil in der gleichförmigen Nummernrevue aus Slapstick und Brachialklamauk andere gelungene Akzente nahezu untergehen. [...] In Erinnerung bleiben so am Ende vor allem die eindruckvoll engagierten Darsteller – und ein Gefühl des Bedauerns ob einer greifbar nahen, aber ungenutzten Chance auf schwungvolles Genrekino.
Til Schweiger setzt er auf erprobte Konzepte, die er mit großer Beharrlichkeit abarbeitet. So ganz scheint er dem eigenen Unternehmen aber nicht zu trauen, sonst wäre seine Phobie vor negativer Kritik nicht zu erklären.
Dass critic.de nun doch pünktlich zum Bundesstart von Zweiohrküken berichten kann, liegt an der Reverenz des Verleihs an weibliche Til-Schweiger-Fans, für die man am Vorabend des Bundesstarts Ladies-Night-Vorführungen veranstaltete, und an der Aufopferung des Verfassers, sich den Film als Lady verkleidet dort anzusehen.
Leute die so einen Film toll finden gehören alle in die Klappse und der Schlüssel weggeworfen!
Til Schweiger war nie ein Schauspieler und wird auch nie einer werden!
Durch die selbstironische Demontage hinterfragt der Film das, was bislang für das Jeunet-Universum konstitutiv war: die Geschlossenheit seiner postulierten Welt. Hierdurch verflachen die Figurenzeichungen und deren Handlungsmotivationen etwas, was auch erklärt, warum es Micmacs zuletzt an jener poetischen Kraft fehlt, die das Werk Jean-Pierre Jeunets sonst nahezu ausnahmslos prägt. Am Spaß jedoch, den der Film macht, ändert das nichts.
Es ist vor allem die abseits von Oberflächlichkeit liegende Leichtigkeit, die den Charme von Peter Timms Film ausmacht. Der Fokus liegt nicht primär auf der Bebilderung des herausgestellten politisch-sozialen Ungemachs der DDR-Wirklichkeit, sondern der historische Hintergrund wirkt hier in klassischer Funktion: als Störfaktor der im Königskinder-Sujet angelegten Liebesgeschichte. [...] Liebe Mauer ist zunächst eine klassische Liebeskomödie, die jedoch mehr über das Glücksgefühl ob der Maueröffnung zu erzählen versteht als manche pathetische Dokumentation.
Das gelbe Segel ist ein durchweg konventioneller Film, dessen Linearität geradezu altmodisch anmutet. Jedoch gewinnt der Film seine Stärke aus den präzisen Beobachtungen des minimalistischen Wechselspiels seiner Protagonisten, die er zu einem wirkungsvollen Stimmungsbild verdichtet. [...] Dieses Stimmungsbild versetzt den Zuschauer in einen emotionalen Schwebezustand und entfaltet einen Reiz, dem man sich nicht zu entziehen vermag.
Glasner zeichnet differenzierte Porträts vom Menschen, die an einem Punkt angelangt sind, von welchem es ohne äußere Impulse keine Abkehr mehr gibt, wo die Beschädigungen an der Seele irreversibel geworden sind und wo Lethargie obwaltet. [...] Matthias Glasners Film entlässt den Zuschauer verstört und mit einer Gemengelage aus Mitleid, Irritation und offenen Fragen. Aber gerade diese nahezu wertungsfreie Perspektive macht This Is Love am Ende zu einem starken, wenn auch schwer erträglichen Film.
Hallström erzählt den Film mit der seinem Werk eigenen, redlichen, nicht effektheischenden und bemerkenswert undramatischen Art. Der Fokus der Geschichte des Hundes, der seinen Herren alltäglich vom Bahnhof abholt, liegt auf den Beobachtungen des Alltags in ihrem wiederkehrenden, ritualisierten Lauf. [...] Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft ist reduziertes und deshalb anrührendes Emotionskino.
Eine wahre Geschichte, simpler könnte sie nicht sein. Ein schöner Film, der aber kaum ein Ziel mehr verfolgt, als das gesamte Kino zum Weinen zu bekommen. Und so konnte ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen, als nach dem Tod des Herrchens eine halbe Stunde lang bis zum Ende nur noch Wimmern und Taschentücher zu hören waren.
Mal davon abgesehen das mich Tierschicksale (insbesondere die von Hunden) in Filmen schon immer mehr berührt haben als die von Menschen, fand ich Hatchiko gerade in den letzten 30min sehr ergreifend und dafür braucht es nicht mal vieler Worte!
Die Story nach einer wahren Geschichte könnte schöner nicht sein und wurde meiner Meinung nach sehr gut verfilmt! Natürlich ist der Film darauf ausgelegt das man die eine oder andere Träne vergießt, aber das ist bei dieser Geschichte genauso vorhersehbar, wie es bei Titanic war!
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critic.de (R. Zimmermann)
über Teufelskicker 2010/03/15 12:00:02
Sicherlich ist zu hinterfragen, wo die kindgerechte Problematisierung etwa von Ehekrisen der Eltern oder der Integrationsprobleme von Kindern im neuen Umfeld ihre Grenzen haben sollten. Jedoch mutet Henmans Film seinen jungen Zuschauern diesbezüglich so wenig zu, dass sich der Eindruck einstellt, der Film sei von der Idee beseelt, etwas ähnlich Rundes und in seinem Lauf Widerstandsfreies wie einen Fußball zu schaffen. [...] Was bleibt, sind altbekannte Klischees, die in bewährten Funktionsparametern der Typen-Klamotte temporeich und glatt aneinandergereiht werden.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Precious - Das Leben ist kostbar 2010/03/04 08:19:37
Die für den Film entdeckte übergewichtige Darstellerin verkörpert die Protagonistin mit verinnerlichter Kraft und unaufgesetzter Würde und verleiht ihr eine starke Authentizität. [...] Die Botschaften von Daniels’ Film mögen banal klingen, der aufgetürmte Leidensdruck mag zu konstruiert sein – im Zusammenspiel von sich abwechselnden narrativen Stilmitteln und überzeugenden Darstellern entfaltet Precious dennoch eine Wirkung, der sich der Zuschauer nicht zu entziehen vermag.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Das Bildnis des Dorian Gray 2010/03/04 08:13:32
Oliver Parkers Dorian Gray ist vor allem eines: ein missratener Gruselfilm – die Genrebezeichnung Horror wäre schlicht unpassend. Dabei ist es nicht etwa das Fehlen einer geschlossenen Ästhetik oder gar eine ungelenke Spielführung. Parkers Film scheitert daran, dass er sich in keiner messbaren Deutung versucht, dem vielschichtigen Stoff keine Lesart abgewinnen kann. So beschränkt sich Dorian Gray auf eine recht oberflächliche Repetition des Vorlagenstoffes auf der Leinwand, der zudem von Drehbuchautor Toby Finlay noch banalisiert wird
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critic.de (R. Zimmermann)
über Alice im Wunderland 2010/03/02 10:02:22
Die Lust am Spiel der Darsteller ist sichtlich spürbar, und Burton arbeitet – bedenkt man, dass es sich natürlich um typisierte Märchenschablonen handelt – aus seinen Figuren interessante Ticks, Macken, ironische Brüche und Subtexte heraus. [...] Interessanterweise setzt der Film die 3-D-Technik behutsam und nicht als Selbstzweck ein, so dass einem – bei aller visuellen Kraft – überladenes Effekt-Kino erspart bleibt und der Film auch in einer 2-D-Variante absolut bestandskräftig sein dürfte.
Nur – und dass mag ein Manko von Burtons Film sein –, sollte man die literarischen Vorlagen kennen, um sich im quietschbunten Universum zurechtzufinden.
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über Auftrag Rache 2010/03/02 09:52:19
Das Drehbuch von William Monahan und Andrew Bovell versucht nach dem Motto „Was nicht passt, wird passend gemacht“ Versatzstücke aus dem ursprünglichen Serienstoff in einen zeitgenössischen Kontext zu bringen und schafft so eine zunehmende Aneinanderreihung von Klischee-Konstrukten und Standardsituationen, die den Zuschauer höchstens ob ihrer Banalität verblüffen können. [...] Da hilft es wenig, dass mit der Figur des geheimnisvollen Regierungsberaters Jedburgh (Ray Winstone) eine wirklich interessante und ambivalente Figur gelungen ist, die den Zynismus des kriminellen Zusammenspiels zwischen politischer Macht und Wirtschaft eindrucksvoll reflektiert. Denn die missglückte Adaption nivelliert sämtliche gelungenen Ansätze und macht Auftrag Rache zu einem derart trivialen Genrestück, dass Mel Gibson zum einzig wesentlichen Schauwert wird.
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über Das Gesetz der Straße - Brooklyn's Finest 2010/02/22 11:24:57
Brooklyn’s Finest ist vor allem ein Actionthriller in Genrekonvention, mit der Ambition, eine Milieustudie zu sein. Doch an diesem Anspruch scheitert der Film, denn zu lebensfern, zu platt sind die Geschichten, zu überkonstruiert wirkt das Zusammenspiel der drei Erzählstränge, die sich zwar narrativ elegant, vor allem in Tempo und Timing, ergänzen, jedoch gerade hierdurch zu glatt ineinandergreifen. Den drei Hauptdarstellern – allen voran Ethan Hawke – gelingt es durchweg, ambivalente Burnout-Cops zu kreieren, was die Schwächen der konstruierten Handlungsmotive jedoch nicht zu überwinden vermag.
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über Die Friseuse 2010/02/15 12:30:52
Der Film findet keinen Rhythmus, denn das Gleichgewicht von Komik und Tragik geht im endlosen – teilweise pseudodokumentarischen – Erzählfluss unter. So wankt Die Friseuse derart dynamikfrei zwischen Sozialdrama und Komödie, zwischen Realismus und Parodie, dass sich der Zuschauer bald ungeduldig nach der Uhrzeit fragt. Zwar schafft es Gabriela Maria Schmeide ihrer Figur so viel Wärme, Kraft und Würde zu verleihen, dass man sich vereinzelt an die großartige Marianne Sägebrecht erinnert fühlt. Jedoch reicht das nicht, um diesen langatmigen und unentschlossenen Film zu tragen.
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über Verdammnis 2010/02/01 10:45:03
Regisseur Daniel Alfredson und Kameramann Peter Mokrosinski verzichten auf überbordende visuelle Effekte zugunsten einer konventionellen Bildsprache. Der Film setzt vor allem den Dialog als Handlungsmotor ein, und wo es auf psychologisierende Elemente ankommt, greift die Kamera häufig zur Nahaufnahme. Verdammnis nutzt dabei die bereits eingeführten Protagonisten und verzichtet auf deren tiefere Charakterisierung zugunsten der verdichteten Handlung und der Einführung einer Vielzahl neuer Figuren.
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über The Book of Eli 2010/01/27 09:30:42
The Book Of Eli ist weder Literatur- noch Comicverfilmung, auch wenn die Handlung und die Figurenzeichnung letzteres vermuten lassen. Das Erstlingswerk von Drehbuchautor Gary Whitta reiht Gleichnisse und Symbolismen mit solchem Eifer aneinander, als gelte es eine weitere Bibelgeschichte mit massentauglicher Low-Level-Chiffre zu schaffen. Mit diesem Knobel-Faktor geht der Film qualitativ weit über andere ähnlich gelagerte Produktionen à la Kostners Postman (The Postman, 1997) hinaus.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Männer, die auf Ziegen starren 2010/01/26 09:51:56
Was durch Bobs kommentierenden Voice-over eine bissig-satirische Reise eines wenig hellen Kleinstadt-Journalisten zum „Herz der Finsternis“ hätte werden können, bleibt ein rückblendenlastiges Roadmovie nach Nirgendwo. Der Film bleibt quasi narrativ in der Begeisterung über seine Grundidee stecken und verschenkt somit viel von seinem Potenzial. [...] Als Militär- und Anti-Kriegs-Satire bleibt Männer, die auf Ziegen starren jedoch allzu sehr an der Oberfläche. In Zeiten politisch korrekten amerikanischen Mainstreamkinos ist aber auch oberflächliche Subversion schon ein erheblicher Gewinn.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Ein russischer Sommer 2010/01/06 11:09:08
Regisseur Michael Hoffman adaptiert Jay Parinis biografischen Roman über Tolstois letztes Lebensjahr, The Last Station von 1990, als eine Kombination aus Biopic, historischem Gesellschaftsporträt und Ehedrama, aus Coming-of-Age-Story und Beziehungskomödie. [...] Der Film macht schnell klar, für wen hier die Sympathien zu entwickeln sind, weshalb wenig Spannungsraum für die entwicklungsarmen Charaktere entsteht. Jedoch kann sich Hoffman nicht entscheiden, wo die Akzente seines konventionell erzählten Kostümfilms liegen sollen, sodass sich Ein russischer Sommer sichtlich schwer tut, die unterschiedlichen Genreversatzstücke unter den Hut einer ausbalancierten Gesamtdramaturgie zu bringen.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Max Manus 2010/01/04 10:04:14
Max Manus ist ein Genrestück, das zwischen CGI-basiertem Actionspektakel und überzeugender Charakterzeichnung eine spannungsreiche Balance zu halten vermag. [...] Die relativierende Destruktion des Kämpfers durch den Mechanismus des Krieges vorzuführen ist denn auch die eigentliche Leistung von Max Manus.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Unter Strom 2009/12/07 16:01:33
Ab der ersten Minute legt Zoltan Pauls Film ein hohes Grundtempo vor, welches fast ausnahmslos gehalten wird. Die Charaktere sind formvollendete Klischees, eindimensionale Abziehbilder ohne erkennbare verinnerlichte Entwicklungen – mithin regelrechte Schießbudenfiguren. Die Story ist abstrus, mal mehr, mal weniger vorhersehbar und durch Situationskomik und schnellen Wortwitz unterschiedlichster Güte verdichtet.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Dinosaurier - Gegen uns seht ihr alt aus! 2009/12/07 15:58:07
Dinosaurier kommt nicht so richtig in Fahrt und bleibt eine Aneinanderreihung von recht entschleunigten Gags einschließlich offenbar unvermeidbarer Ekel-Lacher um Ingrid van Bergens künstliches Gebiss. Das ist bedauerlich, weil in der gleichförmigen Nummernrevue aus Slapstick und Brachialklamauk andere gelungene Akzente nahezu untergehen. [...] In Erinnerung bleiben so am Ende vor allem die eindruckvoll engagierten Darsteller – und ein Gefühl des Bedauerns ob einer greifbar nahen, aber ungenutzten Chance auf schwungvolles Genrekino.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
critic.de (R. Zimmermann)
über Zweiohrküken 2009/12/03 14:45:21
Til Schweiger setzt er auf erprobte Konzepte, die er mit großer Beharrlichkeit abarbeitet. So ganz scheint er dem eigenen Unternehmen aber nicht zu trauen, sonst wäre seine Phobie vor negativer Kritik nicht zu erklären.
Dass critic.de nun doch pünktlich zum Bundesstart von Zweiohrküken berichten kann, liegt an der Reverenz des Verleihs an weibliche Til-Schweiger-Fans, für die man am Vorabend des Bundesstarts Ladies-Night-Vorführungen veranstaltete, und an der Aufopferung des Verfassers, sich den Film als Lady verkleidet dort anzusehen.
Kritik im Original 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 10 Antworten
AltH85 2009/12/03 15:17:33
Antwort löschenna da hat sich die Maskerade ja gelohnt^^
Ines Walk 2009/12/03 15:21:47
Antwort löschenWenn das Schule macht ... alle Kritiker (die meistens einen Bart haben) in Frauenkleidern.
AltH85 2009/12/03 15:24:08
Antwort löschenDas fällt spätestens dann auf wenn anstatt Proseco das erste Bier übern Tresen wandert ^^
delaVega 2009/12/04 17:51:27
Antwort löschenBrilliant! :D
Diabolo777 2009/12/06 21:25:31
Antwort löschen55555
Diabolo777 2009/12/06 21:28:06
Antwort löschenLeute die so einen Film toll finden gehören alle in die Klappse und der Schlüssel weggeworfen!
Til Schweiger war nie ein Schauspieler und wird auch nie einer werden!
SonjaST 2009/12/08 18:22:25
Antwort löschen...nur gelacht!!!! die ganze Zeit und das trotz Schweinegrippe!!!!
Alle 9 Antworten zeigen
dr.hoschi 2009/12/19 00:42:54
Antwort löschen@SonjaST: Wohl eher nicht trotz, sondern wegen der Schweinegrippe.
Julsche. 2010/01/03 21:40:34
Antwort löschenbesser als teil 1 meines erachtens. fand ihn wirklich lustig.
critic.de (R. Zimmermann)
über Micmacs - Uns gehört Paris 2009/11/23 16:05:31
Durch die selbstironische Demontage hinterfragt der Film das, was bislang für das Jeunet-Universum konstitutiv war: die Geschlossenheit seiner postulierten Welt. Hierdurch verflachen die Figurenzeichungen und deren Handlungsmotivationen etwas, was auch erklärt, warum es Micmacs zuletzt an jener poetischen Kraft fehlt, die das Werk Jean-Pierre Jeunets sonst nahezu ausnahmslos prägt. Am Spaß jedoch, den der Film macht, ändert das nichts.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
critic.de (R. Zimmermann)
über Liebe Mauer 2009/11/18 12:13:27
Es ist vor allem die abseits von Oberflächlichkeit liegende Leichtigkeit, die den Charme von Peter Timms Film ausmacht. Der Fokus liegt nicht primär auf der Bebilderung des herausgestellten politisch-sozialen Ungemachs der DDR-Wirklichkeit, sondern der historische Hintergrund wirkt hier in klassischer Funktion: als Störfaktor der im Königskinder-Sujet angelegten Liebesgeschichte. [...] Liebe Mauer ist zunächst eine klassische Liebeskomödie, die jedoch mehr über das Glücksgefühl ob der Maueröffnung zu erzählen versteht als manche pathetische Dokumentation.
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critic.de (R. Zimmermann)
über Das gelbe Segel 2009/10/27 13:37:08
Das gelbe Segel ist ein durchweg konventioneller Film, dessen Linearität geradezu altmodisch anmutet. Jedoch gewinnt der Film seine Stärke aus den präzisen Beobachtungen des minimalistischen Wechselspiels seiner Protagonisten, die er zu einem wirkungsvollen Stimmungsbild verdichtet. [...] Dieses Stimmungsbild versetzt den Zuschauer in einen emotionalen Schwebezustand und entfaltet einen Reiz, dem man sich nicht zu entziehen vermag.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
critic.de (R. Zimmermann)
über This Is Love 2009/10/27 13:29:08
Glasner zeichnet differenzierte Porträts vom Menschen, die an einem Punkt angelangt sind, von welchem es ohne äußere Impulse keine Abkehr mehr gibt, wo die Beschädigungen an der Seele irreversibel geworden sind und wo Lethargie obwaltet. [...] Matthias Glasners Film entlässt den Zuschauer verstört und mit einer Gemengelage aus Mitleid, Irritation und offenen Fragen. Aber gerade diese nahezu wertungsfreie Perspektive macht This Is Love am Ende zu einem starken, wenn auch schwer erträglichen Film.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Antworten
critic.de (R. Zimmermann)
über Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft 2009/10/27 12:46:48
Hallström erzählt den Film mit der seinem Werk eigenen, redlichen, nicht effektheischenden und bemerkenswert undramatischen Art. Der Fokus der Geschichte des Hundes, der seinen Herren alltäglich vom Bahnhof abholt, liegt auf den Beobachtungen des Alltags in ihrem wiederkehrenden, ritualisierten Lauf. [...] Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft ist reduziertes und deshalb anrührendes Emotionskino.
Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 3 Antworten
StefanSangrero 2009/11/15 19:48:08
Antwort löschenEine wahre Geschichte, simpler könnte sie nicht sein. Ein schöner Film, der aber kaum ein Ziel mehr verfolgt, als das gesamte Kino zum Weinen zu bekommen. Und so konnte ich mir das Schmunzeln nicht verkneifen, als nach dem Tod des Herrchens eine halbe Stunde lang bis zum Ende nur noch Wimmern und Taschentücher zu hören waren.
Beatie 2010/01/25 17:26:11
Antwort löschenMal davon abgesehen das mich Tierschicksale (insbesondere die von Hunden) in Filmen schon immer mehr berührt haben als die von Menschen, fand ich Hatchiko gerade in den letzten 30min sehr ergreifend und dafür braucht es nicht mal vieler Worte!
Die Story nach einer wahren Geschichte könnte schöner nicht sein und wurde meiner Meinung nach sehr gut verfilmt! Natürlich ist der Film darauf ausgelegt das man die eine oder andere Träne vergießt, aber das ist bei dieser Geschichte genauso vorhersehbar, wie es bei Titanic war!