Wie im traditionellen Rache-Genrebeitrag werden die Handlungen von Kasper und Joosep motiviert, sogar als logische Folge präsentiert. Der Film zeigt keine Alternative auf, im Gegenteil: Der Vergeltungsschlag scheint nicht nur die einzige, sondern auch die richtige Option. Keine Wahl lassen die durchweg eindimensional, undifferenziert gezeichneten Antagonisten um Anders, kleine Sadisten ohne Hirn und Herz.
Man sollte dabei bedenken, aus welcher Sicht der Film dargestellt wird. Denn aus Kaspers und Jooseps Sicht sind die anderen Klassenkameraden nämlich genau das: kleine Sadisten ohne Hirn und Herz.
Jessica Alba und Kate Hudson spielen die Opfer-Rollen, die in Genrestreifen gerne von Unbekannten ausgefüllt werden. Der Prozess der gewaltvollen Verhässlichung, die Zertrümmerung des Hübschen ist die Attraktion von The Killer inside me. [...] Affleck und Winterbottom statten ihren Psychopathen mit jeder Menge Motivationen aus, erklären sein Verhalten und machen ihn zu einer leibhaftigen Figur. Durch solchen Bierernst verliert The Killer inside me jeden Mehrwert.
Zwar liest sich auch Youth in Revolt zunächst parallel als Emanzipations- und Erfolgsgeschichte, inklusive siegreichen Aufbegehrens gegen das Establishment. Mit dem entscheidenden Unterschied jedoch, dass der Nerd hier relativ früh beinahe ohne eigenes Zutun von einer Traumfrau auserkoren wird. Darüber hinaus ist ihm gleich noch ein Alter Ego zur Seite gestellt, das problemlos Gewaltfantasien bedient.
So verliert der Nerdfilm mit Youth in Revolt ein wenig seiner Unschuld und entwickelt sich zum stimmig-stimmungsvollen Teenie-Feelgood-Movie.
Julianne Moore und Annette Bening spielen eines der überzeugendsten Filmpaare seit Langem. Was vielleicht mehr überrascht: Sie brillieren nicht nur in den dramatischen, sondern besonders in den überwiegenden komischen Situationen. [...] Lisa Cholodenkos Drehbuch und Inszenierung ist dies zu verdanken, denn sie verzichtet gänzlich auf den Holzhammer. So kommt The Kids Are All Right äußerst schlicht, zum Teil sogar vorhersehbar daher. Kein Problem, bei dem Timing.
2010 heißt es „back to normal“, was bereits der liebevoll gestaltete Vorspann beweist: Einschlägige Cover etlicher Sci-Fi-Groschenhefte treffen das Herz einer Vorliebe, die bei Hess nur mit Nerdtum assoziiert sein kann. Es sind nicht einzig die Titelbilder, sondern auch die Orte, an denen sie drapiert sind, welche einen skurril-nostalgischen Ton vorschlagen. Muster und Tapeten der eigenwilligen Sorte öffnen uns die Pforte zu einer Welt, die bei aller Verzerrung ganz typische Probleme des Heranwachsens in den Mittelpunkt rücken.
Die George-Clooney-Filme dieser Welt wollen uns immer darauf hinweisen, dass in ebensolcher etwas im Argen liegt. Ganz im Sinne Kevin Renicks wollen sie ein „statement“ abgeben. [...] In diese Reihe gehört nun auch Up in the Air, der so gerne wie ein Independent-Movie und wie ein Jason-Reitman-Film aussehen möchte, aber doch immer wohl kalkuliertes Starvehikel bleibt, das nach dem ganz breiten Publikum schielt und genau so weit unkorrekt ist, wie es noch genehm scheint.
Regisseurin Birgit Schulz sieht sich drei absoluten, jahrzehntelang erprobten Medienprofis gegenüber. Die sind – auch nach eigener Einschätzung – rhetorisch, intellektuell und politisch äußerst befähigt. Was sie nutzen, um die Autonomie ihrer Lebenswege zu betonen. Schulzes Verdienst ist es, sie, die sich einst situativ und räumlich so nah waren, im Grunde gegen den eigenen Willen unter einer bestimmten Perspektive wieder zusammen zu führen und ihre Geschichten zu verschmelzen.
Michael Glawogger, mit dem eindringlichen Dokumentarfilm Workingman’s Death (2004) nachhaltig in Erscheinung getreten, entspinnt eine mehrdimensionale genreübergreifende Geschichte, die niemals an ihrer enormen Komplexität scheitert. [...] Glawogger weiß dem Ideenreichtum der Vorlage Josef Haslingers mit einer korrespondierenden inszenatorischen Vielfalt zu begegnen. Sein eleganter visueller Stil offenbart sich beispielsweise in der intensivsten Autofahrt seit Helden der Nacht (We own the Night, 2007).
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critic.de (Sascha Keilholz)
über Klass 2010/03/23 09:22:06
Wie im traditionellen Rache-Genrebeitrag werden die Handlungen von Kasper und Joosep motiviert, sogar als logische Folge präsentiert. Der Film zeigt keine Alternative auf, im Gegenteil: Der Vergeltungsschlag scheint nicht nur die einzige, sondern auch die richtige Option. Keine Wahl lassen die durchweg eindimensional, undifferenziert gezeichneten Antagonisten um Anders, kleine Sadisten ohne Hirn und Herz.
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Shorty06 2010/08/31 01:45:29
Antwort löschenMan sollte dabei bedenken, aus welcher Sicht der Film dargestellt wird. Denn aus Kaspers und Jooseps Sicht sind die anderen Klassenkameraden nämlich genau das: kleine Sadisten ohne Hirn und Herz.
critic.de (Sascha Keilholz)
über The Killer Inside Me 2010/02/23 15:01:09
Jessica Alba und Kate Hudson spielen die Opfer-Rollen, die in Genrestreifen gerne von Unbekannten ausgefüllt werden. Der Prozess der gewaltvollen Verhässlichung, die Zertrümmerung des Hübschen ist die Attraktion von The Killer inside me. [...] Affleck und Winterbottom statten ihren Psychopathen mit jeder Menge Motivationen aus, erklären sein Verhalten und machen ihn zu einer leibhaftigen Figur. Durch solchen Bierernst verliert The Killer inside me jeden Mehrwert.
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critic.de (Sascha Keilholz)
über Youth in Revolt 2010/02/22 11:20:18
Zwar liest sich auch Youth in Revolt zunächst parallel als Emanzipations- und Erfolgsgeschichte, inklusive siegreichen Aufbegehrens gegen das Establishment. Mit dem entscheidenden Unterschied jedoch, dass der Nerd hier relativ früh beinahe ohne eigenes Zutun von einer Traumfrau auserkoren wird. Darüber hinaus ist ihm gleich noch ein Alter Ego zur Seite gestellt, das problemlos Gewaltfantasien bedient.
So verliert der Nerdfilm mit Youth in Revolt ein wenig seiner Unschuld und entwickelt sich zum stimmig-stimmungsvollen Teenie-Feelgood-Movie.
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critic.de (Sascha Keilholz)
über The Kids Are All Right 2010/02/19 14:56:46
Julianne Moore und Annette Bening spielen eines der überzeugendsten Filmpaare seit Langem. Was vielleicht mehr überrascht: Sie brillieren nicht nur in den dramatischen, sondern besonders in den überwiegenden komischen Situationen. [...] Lisa Cholodenkos Drehbuch und Inszenierung ist dies zu verdanken, denn sie verzichtet gänzlich auf den Holzhammer. So kommt The Kids Are All Right äußerst schlicht, zum Teil sogar vorhersehbar daher. Kein Problem, bei dem Timing.
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critic.de (Sascha Keilholz)
über Gentlemen Broncos 2010/02/17 09:47:35
2010 heißt es „back to normal“, was bereits der liebevoll gestaltete Vorspann beweist: Einschlägige Cover etlicher Sci-Fi-Groschenhefte treffen das Herz einer Vorliebe, die bei Hess nur mit Nerdtum assoziiert sein kann. Es sind nicht einzig die Titelbilder, sondern auch die Orte, an denen sie drapiert sind, welche einen skurril-nostalgischen Ton vorschlagen. Muster und Tapeten der eigenwilligen Sorte öffnen uns die Pforte zu einer Welt, die bei aller Verzerrung ganz typische Probleme des Heranwachsens in den Mittelpunkt rücken.
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critic.de (Sascha Keilholz)
über Up in the Air 2010/02/02 13:35:14
Die George-Clooney-Filme dieser Welt wollen uns immer darauf hinweisen, dass in ebensolcher etwas im Argen liegt. Ganz im Sinne Kevin Renicks wollen sie ein „statement“ abgeben. [...] In diese Reihe gehört nun auch Up in the Air, der so gerne wie ein Independent-Movie und wie ein Jason-Reitman-Film aussehen möchte, aber doch immer wohl kalkuliertes Starvehikel bleibt, das nach dem ganz breiten Publikum schielt und genau so weit unkorrekt ist, wie es noch genehm scheint.
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critic.de (Sascha Keilholz)
über Die Anwälte - Eine deutsche Geschichte 2009/10/27 13:19:28
Regisseurin Birgit Schulz sieht sich drei absoluten, jahrzehntelang erprobten Medienprofis gegenüber. Die sind – auch nach eigener Einschätzung – rhetorisch, intellektuell und politisch äußerst befähigt. Was sie nutzen, um die Autonomie ihrer Lebenswege zu betonen. Schulzes Verdienst ist es, sie, die sich einst situativ und räumlich so nah waren, im Grunde gegen den eigenen Willen unter einer bestimmten Perspektive wieder zusammen zu führen und ihre Geschichten zu verschmelzen.
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critic.de (Sascha Keilholz)
über Das Vaterspiel 2009/10/27 11:38:16
Michael Glawogger, mit dem eindringlichen Dokumentarfilm Workingman’s Death (2004) nachhaltig in Erscheinung getreten, entspinnt eine mehrdimensionale genreübergreifende Geschichte, die niemals an ihrer enormen Komplexität scheitert. [...] Glawogger weiß dem Ideenreichtum der Vorlage Josef Haslingers mit einer korrespondierenden inszenatorischen Vielfalt zu begegnen. Sein eleganter visueller Stil offenbart sich beispielsweise in der intensivsten Autofahrt seit Helden der Nacht (We own the Night, 2007).
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