the traveler - the travelers Kommentare zu Filmen

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the traveler
über Die Zwei Leben der Veronika

9.0Herausragend

Über "Die zwei Leben der Veronika" und "Der Grund, warum ich Filme schaue" und "Figurendopplung und Möbiusschleifen im Film" und "Veronika und Camilla Rhodes".

Geschichten faszinieren immer am meisten, wenn sie erlebt statt erzählt werden. Wenn Bild und Ton im Film einfach fließen gelassen werden, und der Regisseur sie nur lose, wie an einer Schnur, an >seine< Geschichte bindet, dann entfalten sich diese Bilder in unseren Köpfen. Aus ihnen werden Eindrücke, Empfindungen, Emotionen und so werden sie zu unser eigenen Geschichte, die für jeden ein bisschen anders ist. Der Regisseur hat seine eigene Version, aber er erzählt sie nicht vollständig, kommentiert sie nicht. Er abstrahiert, kreiert Impressionen, erschafft Symbole. Diese sind so transzendent, so losgelöst und universell,  dass sie viele Bedeutungen haben können. Für den Regisseur hat sie eine ganz bestimmte, für mich eine etwas andere und für dich wiederum eine andere. Im Zusammenspiel geben sie uns schon zu verstehen, was der Regisseur uns sagen will, jedoch eher auf einer Gefühlsebene. Der Regisseur lässt uns eher etwas Bestimmtes empfinden, was er auch empfindet - ohne dass wir es wirklich beschreiben oder nacherzählen könnten. So führt er uns lediglich durch seine Geschichte hindurch, die Schritte tun wir jedoch selbst und schlagen einen eigenen Weg ein.
 Wenn wir irgendjemandem zuhören, wie er uns etwas erzählt, ist das immer langweilig im Gegensatz zu etwas, was wir selbst erleben. Was andere erleben interessiert auch gar nicht, wir wollen lieber selbst leben. Kunst erzählt nicht. Kunst wird erlebt. Und die "Zwei Leben der Veronika" ist eine Geschichte, die mich fasziniert, die ich empfinde und erlebe, die transzendent ist und ein Grund, warum ich Film als das, was er immer sein sollte, liebe. Regisseur Krzysztof Kieslowski erzählt nicht. "Das Ziel der Kunst ist es, eine innere Vision auf die Welt zu projizieren, ein ästhetisches Abbild der tiefsten Psyche und persönlichsten Erfahrungen eines Menschen zu schaffen." (Bruce Lee in "Art of the Soul" aus "Tao of Jeet Kune Do"). Danke, Krzysztof.

Beim Rest gehe ich mehr auf den Film ein und werde analysieren und spoilern.

In "Die zwei Leben der Veronika" fließen Bild und Musik durch den Film. Veronique und Weronika fließen durch ihre Leben, zart, verletzlich, suchend. Sie fließen hindurch, wie an einer Schnur gezogen, wie die Marionetten eines Puppenspielers. Der Regisseur lässt die Kamera so agieren, dass wir die Bilder aus Veronikas Augen sehen. Wir hören immer die Töne, die auch den Veronikas im Film zu Ohren kommen. Dem Ton kommt eh eine ganz eigene Bedeutung im Film bei, Hören ist losgelöst von Sehen, passiert auf einer anderen Ebene. Der Kassettenspieler, das Telefon spielen ganz entscheidende Rollen, wie sie es auch in den Filmen von David Lynch und Maya Deren tun. Stimme und Körper bilden nicht immer eine Einheit, verschwimmen mal ineinander und sind mal ganz weit voneinander entfernt. Wie Veronique und Weronika. Figurendopplung, Körperdopplung. Auch ein Lieblingselement von Lynch, Deren und Zulawski - Schauspieler in Hollywood und verlorene Seelen am Mulholland Drive. Zwei Frauen im gleichen Körper, einmal blond einmal brünett, und ein Mann in zwei Körpern, bei Lost Highway. Die Doppelgänger bei Possession. Die endlose Figuren"abspatterung" bei Deren's At Land. Die zwei parallel existierenden Frauen bei Die zwei Leben der Veronika. Bei der Figurendopplung verkörpert der Körper mal die ein und dieselbe Seele in unterschiedlichen "Rollen"/Leben (Mulholland Dr.) und mal unterschiedliche Seelen in ein und derselben "Rolle" (Possession, Die zwei Leben der Veronika?).  Mal auch ein und dieselbe Seele in ein und demselben "Leben", wobei die Seele im ständigen Wandel ist (At Land). Mal reflektiert die Figurendopplung das Selbstbildnis und mal das Bild, wie wir nahestehende Menschen wahrnehmen (Zulawski). Der Körper im Film ist nicht immer "Körper" im eigentlichen Sinne. Bei der Figurendopplung geht es aber immer irgendwo darum, welche Rolle wir spielen, aus wessen Sicht auch immer. Rollen werden einmal vorgeschrieben, dann gespielt, neu besetzt, wieder gespielt, besetzt, gespielt. Wiederholung. Veronique hört ein Ereignis über ihren Kassettenspieler. Dann wiederholt sich das Ereignis und sie erlebt es selbst. Wiederholung und die eigenlebigen Rollen von Ton und Sehen, Stimme und Körper, Vergangenem und Gegenwärtigen. 
Auch Weronikas und Veroniques Romanzen wirken ähnlich, unsere Protagonistin wird fast hereingesogen. Gerade Veronique und der Puppenspieler - bei der ganzen Szenerie hängt der Hauch von Vorbestimmtheit in der Luft. 
Veronique führt ein anderes Leben als Weronika und doch ist es irgendwie gleich und alles passiert einfach. Es scheint nicht in Veroniques Hand zu liegen.
Bild und Ton fließen durch den Film und die Veronikas fließen durch das Leben, treibend und unbeständig, aber stetig. Ein Foto aber wird zu einer Momentaufnahme und auf einem Foto kann Veronique Weronika sehen.

In Veroniques Leben gibt es manche Leute, die scheinbar alles wissen, oder irgendwie erahnen, was passiert. Das sind diese ungreifbaren Charaktere, die das Geschehen besser verstehen, als wir oder als Veronique. So Leute wie die schweigsame, ältere Frau, die beide Veronikas beobachtet. Oder der Puppenspieler. Hier fühle ich mich sehr stark an Lynchs Mullholland Drive erinnert. Auch hier gibt es diese wissenden Charaktere, wie den Cowboy, die irgendwo auf einer höheren Ebene zu stehen scheinen. Lenker, oder Deuter des Schicksals? Normale Menschen wie Veronique oder der ängstliche Mann im Winkies erhaschen nur kurzzeitig einen Blick auf das große Ganze, was über dem Leben steht. In einem düsteren Traum von einem Bösen Mann hinterm Winkies. Oder in komischen Erinnerungen, die jemand anderes für Veronique erlebt hat. Oder an die sich Veronique schon erinnert, bevor sie sie erlebt.
"Eine von ihnen verbrannte ihre Hand an einem Herd. Ein paar Tage später streckte die Andere ihre Hand aus um den Herd zu berühren, aber sie zog noch rechtzeitig zurück. Und doch konnte sie nicht wissen, dass sie sich verbrannt hätte."
In "die zwei Leben der Veronika" gibt es sowas wie Möbiusschleifen, aber irgendwie auch nicht so richtig. Und die Veronikas sind irgendwie gleich und doch irgendwie anders. So facettenreich unterscheiden sich die Veronikas und doch sehen beide gleich aus und leben beide für die Musik. Ihre Leben sind anders und trotzdem sind sie gleich, spielen die gleichen Rollen. 
Kurz nachdem Weronika Veronique im Bus gesehen hat, fällt sie auf der Bühne um. Sie ist einfach tot. Einfach weg. Ich muss an Mulholland Drive denken. An Camilla Rhodes. Und an einen blauen Würfel.

Krzysztof Kieslowski zeichnet sein eigenes Bild vom Determinismus, ähnlich verschwommen und absolut zugleich wie auch Lynch, aber er malt es vielleicht etwas fluoreszierender, und Lynch malt seins trüber und drückender. Vielleicht hat Kieslowski die gleiche Weltanschauung und doch eine andere Sicht auf die Welt. Es ist die zarte Veronika, in einer so harmlos erscheinenden Welt, die ganz im Gegensatz zu der Düsternis im Lynch Universum steht. Veronika  hat Angst und weint und das zurecht,  es passieren unerklärliche Dinge, aber in ihren Augen steckt immer so viel Hoffnung, Opportunismus und Unschuld und das Leben ist so wundersam und schön und die Stadt und die Welt sind so hell und sonnig und Veronika ist so unschuldig und zart.
Kieslowski zeichnet in seiner eigenen wunderbaren Ästhetik.
Und es gibt so viel zu entdecken, so viel Neues und Eigenes. Ich sehe die Dinge in dem Film, die ich oben beschrieben habe. Und es gibt wahrscheinlich noch so viel, was ich gar nicht wahrgenommen habe, was ich beim nächsten Mal dazu entdecken werde. Aber für jeden wird die Geschichte der zwei Veronikas ein bisschen anders sein. Das ist Kunst. Die Wertung spricht für sich. Ich bin euphorisch. Den Film habe ich heute Abend erst gesehen. Und mein Gehirn hat schon Feuer gefangen und meine Synapsen brennen lichterloh. 

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the traveler
über Sarah Beck

:-O

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Mimuschka

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1992, du kannst aufatmen, haha


lieber_tee

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die wurde ja schon mal geküsst und war Häschen in der Grube...geil...(sieh MP-Text) :)


the traveler
über Wu Kung - Herr der blutigen Messer

4.0Uninteressant

Auch einigermaßen gut, wenn man nebenbei noch was anderes macht.
Coole Musik manchmal.

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the traveler
über Torus - Das Geheimnis aus einer anderen Welt

4.0Uninteressant

Überdurchschnittlicher Tele5-Montagsfilm.
Brian Thompsom sieht aus wie eine Kreuzung aus Jean Claude van Damme und Klaus Kinski aus Plastik.

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the traveler

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Die zeigen bestimmt heute Nacht nochmal ne wiederholung ;)
Extra lange aufbleiben lohnt sich jetzt aber nicht wirklich. Aber er hat schon seinen Unterhaltungswert, wenn man gut gelaunt ist.


hoffman587

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Naja ich hätte jetzt insofern extracoole Videokassetten. ;-)
Aber ob ich so was da drauf haben will ist die andere Frage.^^


the traveler
Kommentare

So ein spannendes Thema und so eine schlaffe Liste..

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the traveler
über Das Sanatorium zur Todesanzeige

10.0Herausragend

Wenn ihr dieses Sanatorium besucht, erwartet euch ein bisschen dieser abgedreht-grotesken, überbordenden Fantasie wie bei Gilliam, ein bisschen dieser ästhetischen Traummystik wie bei Lynch und ein Hauch dieses bedrückenden Gefühls der frühen Zulawski-Filme (stellt euch vor, ihr schlagt ein Geschichtsbuch auf und plötzlich durchströmt euch die nackte Angst - dieses Gefühl). Aber dieser Vergleich soll euch nur mal eine Idee davon geben, wie "Sanatorium pod klepsydra" so ungefähr aussieht, denn gerecht werde ich ihm damit nicht. Man könnte vermuten, dass sich Gilliam (gutmöglich) oder Lynch (eventuell zumindest) hier inspirieren lassen haben. Aber auch wenn man die Lynch-Filme alle kennt und die Gilliam-Filme alle kennt und die Zulawski-Filme und die anderen, die vielleicht irgendwie ähnlich sind, und dann den hier guckt - dann hinterlässt Regisseur Wojciech Has eine ganz eigene, unverkennbare Handschrift. Und in punkto Fantasie ist er Gilliam (und das ist mal eine Aussage) ein ganzes Stück voraus - gerade was die Unstrukturiertheit der Erzählung und die Sprunghaftigkeit der Handlung angeht. Um jetzt mit den Regisseur-Vergleichen, die mich langsam schon selbst nerven, abzuschließen, einen noch (den ich noch bringen muss): Ich habe nach dem ersten, und auch dem zweiten Sehen ungefähr genauso viel verstanden wie bei den schönsten Mindfuck-Werken von Lynch. Nochmal zurück zur Fantasie: Der Detailreichtum und diese räumliche Unbeständigkeit, mit denen die Settings ausgestaltet sind, sind unfassbar.

Was ist dieses "Sanatorium zur Todesanzeige"? Es ist wohl so was wie eine Heilanstalt, ein Kurort, gegen die Zeit (Zeit als körperliche Krankheit? Gewissermaßen ja!). Und gleichzeitig ist es so was wie eine Irrenanstalt (Zeit als Geisteskrankheit?!), aber als Zuschauer bewege ich mich nicht in dem Gebäude sondern in den Gedanken. Ich werde umhergeworfen zwischen völlig durcheinandergewirbelten Konstrukten aus Reflexionen, Fantasien und Sinneseindrücken. Ich bin wie der Hauptdarsteller Jozef (stark gespielt von Jan Nowicki) gefangen in dem Sanatorium, wo Raum und Zeit undefiniert sind. Bin irgendwie gefangen im Geist von Jozef und Jozef ist irgendwie im Geist seines Vaters gefangen und sein Vater ist irgendwie auch gefangen in so was wie einem polnischen Kollektivgeist und ich komme und will da auch gar nicht mehr raus, aus diesem Sanatorium. Das Sanatorium hat mich.

- - - - - - -
Spoiler

Nach der dritten Sichtung bin ich nun ganz sicher, es handelt sich um eine Jakobsleiter Geschichte.
Ausführliche Analyse folgt.

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the traveler

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Gut so :) Ist echt so was wie ein verlorener Schatz der Film. Eine deutsche Version habe ich nicht gefunden, habe eine englischsprachige Ausgabe (poln. Originalton mit engl. Subs). Die hier:
http://www.play.com/DVD/DVD/4-/7736227/The-Hourglass-Sanitorium/Product.html?searchstring=hourglass+sanatorium&searchsource=0&searchtype=allproducts&urlrefer=search


lieber_tee

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Oh vielen Dank für die (schnelle) Info.


the traveler
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Amber Heard.

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the traveler
Kommentare

Wer ist eigentlich dieser Oskar?

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the traveler
über Masaki Kobayashi

"In any era, I am critical of authoritarian power."
- Masaki Kobayashi

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the traveler
Kommentare

Er sieht ein bisschen aus wie Kyle MacLachlan auf dem Bild...

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the traveler
über The Rum Diary

3.0Schwach

Vorlagenvergewaltigung.

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the traveler
über Valentinstag

1.0Ärgerlich

Wenn sich High-School Schüler 500$-Teddybären schenken, wenn die Omi dem Opi endlich die Wahrheit sagt und der Opi ihr verzeiht, dass sie vor 40 Jahren mal einen anderen rangelassen hat, wenn sich das junge Pärchen vernünftigerweise überlegt, doch noch mit dem ersten Mal zu warten, obwohl sie schon 18 und verliebt sind, wenn Alle vor lauter aufrichtigen Emotionen übersprudeln und fremde Leute sich gegenseitig Flugtickets schenken und ihre Autos verleihen, wenn das indische Einwanderermädchen nicht zwangsverheiratet werden muss, weil sich der amerikanische Grundschüler in sie verliebt, wenn Er mit Ihr eine Beziehung anfängt, obwohl sie schon mal bei einer Telefonsexagentur was dazu verdient hat, dann, ja dann ist Valentinstag.

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HxC_Moe

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Sehr gut! :D


Vika

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Super!


the traveler
über Petroleum Miezen

Glatt ein Anwärter auf meine (nicht existierende) Top 10 der besten deutschen Filmtitel!

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the traveler
über Vorwärts, Armee Gottes!

10.0Herausragend

An den geheimnisvollen Unbekannten, der zu meinen kommentierten Filmen immer heimlich ein Cover hochlädt:
- Vielen Dank
- Er möge mich doch bitte mal kontaktieren, ich hab da ein paar Vorschläge :)

Gruß traveler
 

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the traveler
Kommentare

Sehr geile Aktion den Debütfilm von 2 moviepiloten hier so vorzustellen.
Ich werde ihn mir heute Abend anschauen.

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Le Samourai

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Sehr cool, viel Spaß! :)


the traveler
über Diamanten der Nacht

8.0Ausgezeichnet

„Demanty Noci“ bebildert so etwas wie eine surreale Exilwanderung. Ich sehe zwei jüdische Jugendliche, die in ein Konzentrationslager deportiert werden sollten und auf der Flucht sind. Fast im gesamten, etwa einstündigen Film sind sie in Bewegung. Es gibt hin und wieder eine Station des Verweilens, aber der Film beginnt im Laufschritt der beiden Jugendlichen auf ihrer Flucht und er endet auch so. Dabei erkenne ich kein klares Ziel, keine klare Richtung und den beiden Hauptakteuren geht es genauso. Sie sind nicht auf einem Weg irgendwohin, sondern laufen davon. Die ganze Zeit. Regisseur Jan Nemec schildert ihren Weg nicht auf geradliniger Weise sondern vermischt übergangslos Rückblenden – Erinnerung an das Ghetto und an den Transport -, reale Ereignisse in der Gegenwart und surreale Momente - Imaginationen aus dem Innenleben der Hauptakteure. In diese rauschartige, unbeständige Reise werde ich eingesogen. Und verstehe die Flucht der beiden Juden als unendliche Flucht durch Raum und Zeit – ohne Ausgangspunkt und ohne Zufluchtsort. Alles verwischt und verweigert. Zwischendurch werden die Jugendlichen gestellt und einem Exekutionskommando übergeben. Die lachenden Männer mit den angelegten Gewehren stehen in ihrem Rücken. Dann setzen sich die Beiden langsam in Bewegung Richtung Wald. Ich warte auf die Schüsse, aber ich höre keine. Die Zwei gehen immer weiter und weiter. Haben die Männer nicht geschossen? Oder treten die Jugendlichen mit ihren letzten Schritten, die der Film mir zeigt, ins Jenseits ein? Es ist auch egal. Denn als Juden gibt es keinen Platz für sie in dieser Welt. Es gibt nur den Tod oder die ewige Flucht irgendwohin, wo sie nicht hingehören. „Demanty Noci“ ist nicht nur eine nachdenklich stimmende, künstlerische Auseinandersetzung mit einer ganz bestimmten Zeit. Durch seine Unangebundenheit wird der Film zur Zustandsbeschreibung der emotionalen Identität des jüdischen Volkes, und zwar – über die Grenzen der hier dargestellten 40er-Jahre hinaus – während seiner gesamten Geschichte. Der Titel lässt in seinem Klang gleichzeitig etwas Hoffnungsvolles mitschwingen. Ein wichtiges, viel zu unbekanntes Stück Filmkunst.
 

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the traveler
über Trzecia czesc nocy

10.0Lieblingsfilm

10 Jahre vor "Possession" macht Zulawski "The Third Part of the Night", einen Film der seinem späteren "Possession" in vielerlei Hinsicht sehr ähnlich ist und in dem ich viele Stilmittel und Thematiken von "Possession" wiedererkennen kann. Aber zugleich handelt es sich um ein ganz eigenes Werk, mit anderen Themenschwerpunkten, anderen Gefühlen und seinem ganz eigenen Terror.

Auch bei "The third Part of the Night" abstrahiert Zulawski innere, seelische Konflikte innerhalb des Schauplatzes eines politischen Konflikts und verflechtet diese. "The third Part of the Night" ist ein Horror-Kriegsdrama im von den Nazis besetzten Polen. Der politische Konflikt steht hierbei gefühlt stärker im Vordergrund als bei "Possession". Weitere Gemeinsamkeiten der beiden Werke sind Figurendopplungen; die unruhig um die Akteure kreisende Kamera; mysteriöse Figuren, die immer mehr zu wissen scheinen als der Zuschauer; die verschworene, oft menschenleere Stadt; Reflektionen über Gott als erbarmungsloses "Wesen" und ein sich langsam von Bedrückung zu Wahn entfaltendes Chaos. Und ein Hauptdarsteller-Paar, das mir das Gehirn wegbläst. Da haben wir Malgorzata Braunek als Helena/Marta, deren Darbietung zwischen zarter Verletzlichkeit und angsteinflößendem Wahnsinn variiert. Und Leszek Teleszynski als Michal, der immer zwischen sich-dem-Tod-ergebend und nach-Leben-geifernd schwankt. Er erinnert mich auch sehr an Lars Rudolph in "Werckmeister Harmoniak" (oder besser andersrum, denn Zulawskis Film kam ja lange vor diesem). Auch das Kalte, nahezu sterbende Grau der Stadt in "The third Part of the Night" lässt mich an Bela Tarr's Meisterwerk denken. Vielleicht hat Tarr diesen hier ja gesehen und sich inspirieren lassen.

In "the third Part of the night" geht es glaube ich um das Bewahren seiner Seele in einer parasitär befallenen Umwelt und um die "Rolle" der Familie für den Geist des Individuums (lieben wir den Menschen oder unsere Illusion dieses Menschens - siehe "Possession") und um die dunklen, seelenzehrenden Zeiten unserer Geschichte. Und um viel mehr, was ich bisher noch nicht erschließen konnte. Anderthalb Jahre nachdem ich den über-komplexen "Possession", für mich der Mind-Terror Film schlechthin, das erste Mal gesehen habe, habe ich endlich mit "The third part of the night" meinen zweiten Zulawski gesehen. Und ich habe mir mit mitten in der Nacht einen guten Zeitpunkt dafür ausgesucht. In den letzten Minuten seines Werkes hat Zulawski sein bedrohliches Mysterium wieder voll in ekstatischem Wahnsinn ausarten lassen, mir einige Herzaussetzer und weit aufgerissene Augen beschert. Und er hat die Grenzen meines Verstandes gesprengt. Es ist viertel vor 4 und ich bin hellwach. Eine Wertung ist mir noch nicht möglich, zu viel habe ich noch nicht begriffen. Aber sie wird hoch sein. Und wahrscheinlich wird die Zweitsichtung noch heute oder morgen erfolgen.
Ich mache jetzt die Augen zu. Vielleicht kann ich in ein oder zwei Stunden schlafen.

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Anoirja

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Alle an einem Weekend? Wow! Mich hat jeder Film anschließend noch eine ganze Weile beschäftigt - das hätte ich wohl nicht gekonnt. Kommen dazu dann auch noch Kritiken? Ich würde mich ja darüber freuen... :)


the traveler

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Das war das Ziel ^^ (hatte am Freitag meine Zulawski Box, die ich bestellt hatte, bekommen, mit den 3 Filmen). Du hattest allerdings recht, hab nicht alle 3 geschafft, der silberne Planet muss noch warten. Und die anderen beiden haben mich wirklich sehr beschäftigt dieses WE.. "Trzecia czesc nocy" hab ich sogar schon ein und ein halbes weiteres mal geguckt ^^ "Diabel" war auch großartig, wenn auch nicht so unfassbar großartig wie dieser hier ;) Aber zu dem schreib ich bestimmt bald mal was ;)


the traveler
über Die Rückkehr der Jedi-Ritter

8.0Ausgezeichnet

deleted scene:
http://www.youtube.com/watch?v=FdsXggne6sA&feature=related

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the traveler
über Die Mächte des Wahnsinns

9.0Herausragend

Ja, liebe Moviepilot-Freunde, es stimmt. Ich sitze in der Klapsmühle. Sie sagen, ich sei paranoid schizophren :-D Gummizelle. Aber ich habe hier alles renoviert, hehe. Ich will hier gar nicht mehr raus.
Sagt mal, schaut ihr auch.. John Carpenter?
Ihr wollt wissen wie ich hier reingekommen bin? Naja, alles fing mit John Carpenters Verschwinden an… Er schrieb gerade an seinem neuen Drehbuch „In the Mouth of Madness“, als er spurlos aus seinem Heimatort Hobbs End verschwunden ist. Ich bin… ich war Versicherungsdetektiv. Carpenters Produktionsfirma witterte einen großen Betrug… und dann… setzten sie mich auf den Fall an.
Dass die epidemieartige Ausbreitung von paranoider Schizophrenie und sinnloser Gewalttaten in der Bevölkerung mit den Filmen von John Carpenter in Verbindung steht, das wurde ja durch die Medien bereits gemutmaßt. Und es stimmt. Seit John Carpenters Filme so populär geworden sind verwandelt sich da draußen alles langsam in Scheiße. O.o Auch ich hab angefangen, seine Filme zu schauen.. Und naja, wie soll ich sagen… Sie haben eine sogartige Wirkung und ich habe bald begriffen, welche Bedrohung von ihnen ausgeht. Bei meiner Detektivarbeit habe ich Carpenters Skript in die Finger bekommen. Ich habe angefangen, es zu lesen hahaha..würg.. Ich habe versucht, das Skript zu vernichten. Ich dachte auch, ich hätte das getan.. Aber.. irgendwie waren plötzlich mehrere Wochen einfach so an mir vorübergezogen.. Und dann lief „In the Mouth of Madness“ plötzlich schon in den Kinos. Ich war so durcheinander :-D Jedenfalls bin ich dann eines Nachmittags zu einem Kino gegangen und habe irgendeinen Typen, der gerade herauskam, gefragt: „Und wie fandest du den neuen Film von John Carpenter?“ Er sah mich irre an und sagte: „Ich liebe ihn.“ Dann hob ich meine Axt und sagte: „Gut, dann dürfte dich das hier ja nicht überraschen“, und zertrümmerte seinen Schädel. Naja, seitdem bin ich hier… Es ist wahr. Das Ganze ist nicht nur irgendeine Geschichte. Es ist John Carpenters Geschichte. Sie ist die Realität. Und sie breitet sich mit jedem weiteren Zuschauer aus. Es wird noch schlimmer bei euch da draußen. In ein paar Jahren wird die Menschheit nichts weiter als ein böser Traum gewesen sein, ein Mythos, weggewischt. Ihr denkt ich rede nur sinnloses Zeug. Aber seht selbst. Es gibt eine DVD. :-D

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sirtob

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....und das ist der verdammte Beweis. Grandioser Kommentar zu einem sehr guten Film, alter!


the traveler

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Danke, Mann ;)


the traveler
über John Carpenter

Da gibt's nen David Lynch, nen Terrence Malick, da kommt ein Masaki Kobayashi und ein Stanley Kubrick, ein Sergio Leone, ein Werner Herzog... die sind so großartig, aber irgendwie, obwohl ich gar nicht alle Filme von dir so sehr mag... irgendwie bist doch du mein Lieblingsregisseur, lieber John.

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