Es lohnt sich ja kaum, über diesen Film noch etwas zu äußern, wurde hier nicht schon so ziemlich alles hinein gelesen, korrekt oder auch (grund-) falsch wiedergegeben, kritisiert oder in den Himmel gehoben, was man sich - oder wohl eher andere - vorstellen können... Zugegeben, ich kannte den Regisseur eigentlich gar nicht und muss hier nun von zahllosen Eingeweihten erfahren, dass die Kenntnis seines Gesamtwerks - nicht weniger - ja wohl eine Voraussetzung zu sein scheint, um diesen Film einsortieren und bewerten zu können. Über den Film will ich daher gar nicht erst weise Worte verlieren, denn zweifellos übe ich mich hier besser in Bescheidenheit, als mich mit seinem Schöpfer messen zu wollen, der so ungefähr ALLES daran - von der Recherche über das Drehbuch, die Auswahl der Drehorte, das Casting von Kinder(laien)darsteller bis hin zu Regie - selbst steuerte. Das verdient zu allererst höchsten Respekt!
Die DVD, die ich gestern erworben hatte, enthält ein Making-of. Leider hatte ich mir dieses direkt nach dem Ansehen des Films noch angetan. Es wäre mir leichter gefallen, den Regisseur allein über sein beeindruckendes, zermürbendes, aufwühlendes Meisterwerk beurteilen und erinnern zu dürfen als durch sein leibhaftiges Auftreten etwa bei der Regiearbeit oder in Interviews. Ich habe den Eindruck, dass es einigen der Rezensenten hier schwer fällt, zwischen der abgelieferten Arbeit und der Person, die dahinter steckt, zu unterscheiden. Als Sympathieträger würde ich sie nämlich auch nicht gerade beschreiben, aber ist das eine Qualitätsmerkmal für d e n F i l m ? Immerhin eines hat mir das Studium des Making-of gebracht: Ich w e i ß nun, dass der Mann genau recherchiert und eine Lebenswelt möglichst authentisch nacherschaffen hat, die auf uns heute - glücklicherweise - absolut fremd und unnachvollziehbar wirken muss. Und etwas erscheint mir überaus wichtig: Ich erkenne gar nicht, dass Haneke verurteilt. Ich meine, er beschreibt lediglich, und eben dies ist ja das Beklemmendste am Film, wie ich finde. Keine Schuldigen, keine Täter, keine Lösung, keine Er-Lösung. Weder Schuld noch Sühne, ja das mögen wir, Hand aufs Herz, doch alle nicht! Der Betrachter selbst verurteilt letztlich, je nachdem welche Saite der Film/Stoff - oder der Schöpfer - in ihm anschlägt. - Ich weiß nicht, was ich an diesem Film aussetzen sollte, warum das Haar in der Suppe suchen? Da gibt's nichts zu deuteln: Das i s t perfekte Arbeit, aber nicht eben "gute Unterhaltung". Man möge ihm dies verzeihen.
Gestern habe ich den Film einmal wieder angesehen. - Ich erinnere mich noch gut dran, wie sehr dieser Film unter die Haut ging, als ich ihn im Kino sah. Damals, als ich nicht einmal 18 war, ging man selbstverständlich gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland auf die Straße ("Petting statt Pershing" usw.) - und schrieb Zeitgeschichte, wie wir heute wissen. Damals - 1983 - wie auch während der gesamten Zeit der Kalten Krieges - wäre es durch Kommunikationspannen, Kräftemessen, Drohgebärden und waghalsige Militärmanöver fast zu einem 3. Weltkrieg gekommen, wie man in äußerst detaillierten Dokumentationen auf weitgehend unbeachteten Sendeplätzen wie Arte, 3Sat und Phoenix etc. erfahren kann (sofern der freie-wählende, mündige Bürger nicht "Deutschland sucht das nächste Top-Modell" präferiert und dabei das Gehirn, so eines vorhanden war, spätestens beim ersten Ansehen einbüßt).
In großer, sicherer Distanz zum damaligen Zeitgeschehen, erfährt man heute von den Hintergründen des Zusammenbruchs des Ostblocks; Details der wahren Hintergründe Tschernobyls (1986) sind längst bekannt, fast möchte man sagen "Allgemeingut". - Ja, die nachwachsenden Generationen heute glauben, ihr "moderner" Medienkonsum - von Megaproduktionen fürs Action-Kino in 3D, über Prommi-Talks, Schüler- und Studi-VZ bis hin zu YouTube und Konsorten, habe sie schlauer, kompetenter, weltoffener und daher überlegen gemacht, aber sind sie es tatsächlich, oder schauen sie nur nicht (mehr) hin?
Denn trotzdem treffen Regierungschefs, auf Einladung des US-amerikanischen Präsidenten (!), sogar noch im Jahre 2010 zusammen, um Atomwaffensperrverträge und -abrüstung, oder wenigstens -begrenzung zu verhandeln. In den Achtzigern war von "Overkill" zu hören, denken wir bloß nicht, dass es diesen heute nicht mehr gäbe, auch wenn es keine zwei Blöcke mehr gibt, die es den Menschen damals - und im besonderen dem Präsidenten Ronald Reagan - leicht machten, die Welt in Gut und Böse zu scheiden.
Doch zurück zum Film: Im Zeitalter globaler Vernetzung mit Cloud-Computing - also dezentralen Strukturen, nicht Zentralrechnern - und Serverparks von Megafirmen, allen voran Google, wirkt dieser Film natürlich angestaubt und etwas belustigend. Aber im Zeitbezug betrachtet, ist das ein Meilenstein der Filmgeschichte - thematisch brisant wie zuvor "China Syndrome", temporeich, gut gespielt, stellenweise komisch und doch fatal zugleich, kurzum: sehr gelungen!
Selten habe ich einen amerikanischen Film gesehen, der gleichermaßen sparsam wie unkonventionell, kompromisslos, schockierend und belustigend zugleich wäre. Mit surrealen Zeitraffersequenzen und anderen Kunstgriffen schafft Stone die für den Film typische beklemmende Atmosphäre. - Eine Autopanne liefert einen kleinen Ganoven (Sean Penn) plötzlich schicksalhaft harmlosen Menschen vom Dorfe aus - irgendwo im Nirgendwo der Gluthitze Arizonas. Doch konfrontiert mit dem ganz normalen Wahnsinn dieses Ortes, wird er im Wechselbad der Gefühle schnell zum Spielball, dem alle Fäden entgleiten. Obwohl er ein Underdog ist, wird er schnell zum Sympathierträger des Zuschauers, denn kein einziger Mensch, dem er dort begegnet, ist "normal", folglich nichts und niemand berechenbar. - In einem Wort: kafkaesk, mit sprichtwörtlich Britischem Humor, aber made in the U.S.A. Erste Klasse, unbedingt sehenswert in jeder Hinsicht.
Ein Film mit 88 Minuten Spieldauer - was kann denn da überhaupt vermittelt werden? Bleibt genug Zeit dafür, eine Geschichte zu erzählen und Personen zu charakterisieren? Oh ja. Dieser Film beweist dies abseits des Starrummels. Es ist ein leiser Film, der an alltäglichen "Nicht-Orten" wie auf Bahnhöfen, auf Flughäfen und in großstädtischer Anonymität gedreht wurde. Der Film stellt die Frage: Was bedeutet Glück? Ist es Erfolg bei der Arbeit? Ruhm? Wann ist ein Mensch dein Freund? - Der Zufall führt zwei Menschen zusammen: einen jungen Diplommathematiker, der bei einer Versicherungsfirma angestellt ist, aber mit seinem Leben unzufrieden ist, ohne zu wissen, was daran nicht stimmt (Daniel Brühl); und einen ebenso jungen lebensbejahenden Draufgänger ohne Ausbildung, der allen Lebenslagen etwas Positives abgewinnt, die Frauen liebt, Spaß am Leben hat und das Jetzt lebt, ohne sich um ein Morgen zu scheren (Jürgen Vogel). Ermöglicht durch äußere Umstände, entsteht dieser Anlage zum Trotz in Kürze eine tiefe Freundschaft, die plötzlich wider alle Vernuft einfach da ist, obwohl Standesunterschiede es verbieten würden. Es treffen Menschen zusammen, die einander nie begeget wären. Und sie lernen einander zu lieben, totz grundverschiedener Lebenswelten, wider alle Regeln. - Es ist ein wunderbarer, tiefsinniger Film mit einfühlsamer, sparsamer Musik, viel Atmosphäre und einem lichtdurchfluteten Happy-End, das völlig ungewöhnlich, aber meisterhaft in Szene gesetzt ist. Es ist ein Film, der unter die Haut geht und es versteht, gerade durch die Sparsamkeit der Mittel Schale um Schale den Kern menschlichen (Zusammen-) Seins freizulegen. Wunderbar!
Wie soll an den vorangegangenen Erfolg angeknüpft werden, wenn doch eigentlich alles gesagt ist? Diese Frage stellte sich mir schon nach Teil eins. Das Geheimrezept ist die Steigerung. Ja: ein neuer Superman musste her, der unsere drei Helden alt aussehen lässt, bereichert durch ein neues flugfähiges Scrat-Pendant, aber als Frau schon deshalb viel klüger und wahnsinng evolviert, und obendrein eine Parallelwelt unter dem Eis - was für ein Nonsense! Die Idee, auf diese Weise die Dinosaurier aufleben zu lassen, um Widersacher des bewährten Trios plus der übrigen Charaktere aus dem zweiten Teil zu kreieren, wirkt entsetzlich konstruiert. Wie sonst hätte man erklären können, dass zwischen dem Abgang der Dinos und dem Auftauchen unserer drei Freunde 60 Millionen Jahre liegen? - In dieser widrigen Welt bekommen Manni und die letzte ihrer Art ein Baby, wie rührend, herzallerliebst, - allein, das reicht nicht. Nichts von dieser Gefühlsduselei geht wirklich unter die Haut, wie es im ersten Teil - mit großen Themen wie etwa Freundschaft, das Füreinander und Empathiefähigkeit gegen das Pinzip Eigennutz - noch der Fall war. Amerikanischer konnte die Fortsetzung nicht ausfallen. Gewiss, aus technischer Sicht ist dieser Animationsfilm unbedingt gelungen. Er ist temporeich, enthält viele Überraschungen und insofern gute Ideen, aber eine originelle Story ist nicht vorhanden. Stimmt, die Kinder mochten es, das traf aber auch für Teil eins und zwei zu. Kinder nehmen, was sie vorgesetzt bekommen, so lange viel Zucker und Fett drin sind - und im Zweifel eben immer Pommes oder Spagetti mit Tomatensoße.
Die letzten Stunden im Leben "unseres Heilands" - buchstäblich hautnah zu erzählen (oder, besser gesagt, dessen, was nach dem Martyrium noch davon übrig blieb): Das war das Versprechen, das Gibson dem Zuschauer gab. Höhere Intensität durch die Originalsprachen Aramäisch bzw. Römisch mit Untertiteln: dies sollte dabei helfen, so authentisch wie möglich zu sein. Der Film wurde am selben Ort gedreht wie Pasolinis Klassiker und knüpft damit ganz bewusst an die Tradition der "Jesus-Filme" an, als wolle er alles Dagewesene überbieten. Die Qualen und schließlich den Tod am Kreuz realisiert Gibson mit Hilfe einer eigens eingeflogenen Jesu-Atrappe. Nicht als Sinnbild ist das gemeint, nein, sondern um auch hier schlichtweg möglichst realistisch zu sein. - Aber was ist die Passionsgeschichte im Grunde den tatsächlich? Ein Glaubensbekenntnis, ein mündlich überlieferter, spät niedergeschriebener Mythos. Und was kann ein Film hier denn überhaupt sein, als erneut lediglich eine Interpretation mit anderen Ausdrucksmitteln? Der Anspruch auf Authentizität verpufft damit in Bedeutungslosigkeit. Was soll das Ganze also? - Der Film ist Fledderei, sei es buchstäblich am Körper Christi - oder am Geiste gläubiger Christen. Zur einem tieferen Verständnis der Heilsgeschichte, zu Deutungsarten wie christliche Doppelmoral, zur Verständigung der Völker oder zwischen Religionen trägt er meines Erachtens keinen Deut bei - ja nicht einmal zu einer zutreffenderen Deutung des Geschehens dieser letzten Lebensstunden. "Folter-Porno", (Liam Quinn, s.o.) - das trifft's.
Den Film hatte ich mal rein zufällig im Fernsehen gesehen, wofür er ja auch produziert wurde. Und anders als bei vielen Kinofilmen muss ich sagen: Zumindest ist er mir im Gedächtnis geblieben. Mit Sicherheit ist das nicht "großes Kino". Aber ein SF-Film ist das nicht. Es ist eine harmlose Komödie der Art "Mork vom Ork", die keinen Anspruch auf Tiefgang erhebt. Aber sie hat es in sich, denn wie sie Allzumenschliches aus Sicht des Außerirdischen beleuchtet, ist sie sogar sehr, sehr amüsant, und Heinrich Schafmeister überrascht mit Klamauk im Stile eines Jerry Lewis, den man ihm nicht zugetraut hätte. Ich würde mich freuen, diesen Film nochmal zu sehen. Aber als DVD gibt es ihn wohl nicht.
Baby Snakes ist ein Film, lässt sich aber dennoch vom zweifellos groß-artigen musikalischen Schaffen Frank Zappas nicht wirklich trennen. Daher gilt: Wer ihn mag, wird diesen Film kaum negativ beurteilen. Wer ihn nicht mag, wird wahrscheinlich kopfschüttelnd davor sitzen und sich fragen: "Was ist den das??" Und wer ihn nicht mag, obwohl er glaubt, ihn zu kennen, wird sagen: "So ein Mist!" - Was ist das denn nun für ein Film? Ein verfilmtes Konzert? Nein - und irgendwie durchaus (vor allem gegen Ende). Ein soziokulturelles Lehrstück? Nein, aber irgendwie auch das. Ein Porträt einer Band von Rockmusikern, die irgendwie doch keine sind, weil sie so unglaublich gut sind, dass zweifellos eine lange musikalische Ausbildung vonnöten war, die für Rockmusiker nicht eben typisch ist? Ja, definitiv. Backstage "band folklore", die niemand wirklich versteht? Ja, das gewiss. Ein Selbstporträt Zappas. Nein, das sicher nicht. --- Am ehesten trifft doch die Aussage zu: "Ein Film über Leute, die Dinge tun, die nicht normal sind." (Gemeint sind hier übrigens auch "die Fans", die ebenfalls charakterisiert werden.) Dies ist der Untertitel, und er trifft's in beiderlei Wortsinn. Denn was man zu hören und zu sehen bekommt, ist nicht normal, denn Zappa's Werk ist nicht die Norm. "Tiny is as tiny do", um mit einer Textzeile eines Stückes aus dieser Zeit zu sprechen -, und die Umkehrung trifft eben auch zu. Baby Snakes ist sehr sehenswert, und zwar für alle, die keine Rockkonzert erwarten, (alle) ihre Sinne beisammen haben und nicht abschalten, wenn sie einschalten.
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Tinseltown
über Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte 2010/04/18 22:15:13
Es lohnt sich ja kaum, über diesen Film noch etwas zu äußern, wurde hier nicht schon so ziemlich alles hinein gelesen, korrekt oder auch (grund-) falsch wiedergegeben, kritisiert oder in den Himmel gehoben, was man sich - oder wohl eher andere - vorstellen können... Zugegeben, ich kannte den Regisseur eigentlich gar nicht und muss hier nun von zahllosen Eingeweihten erfahren, dass die Kenntnis seines Gesamtwerks - nicht weniger - ja wohl eine Voraussetzung zu sein scheint, um diesen Film einsortieren und bewerten zu können. Über den Film will ich daher gar nicht erst weise Worte verlieren, denn zweifellos übe ich mich hier besser in Bescheidenheit, als mich mit seinem Schöpfer messen zu wollen, der so ungefähr ALLES daran - von der Recherche über das Drehbuch, die Auswahl der Drehorte, das Casting von Kinder(laien)darsteller bis hin zu Regie - selbst steuerte. Das verdient zu allererst höchsten Respekt!
Die DVD, die ich gestern erworben hatte, enthält ein Making-of. Leider hatte ich mir dieses direkt nach dem Ansehen des Films noch angetan. Es wäre mir leichter gefallen, den Regisseur allein über sein beeindruckendes, zermürbendes, aufwühlendes Meisterwerk beurteilen und erinnern zu dürfen als durch sein leibhaftiges Auftreten etwa bei der Regiearbeit oder in Interviews. Ich habe den Eindruck, dass es einigen der Rezensenten hier schwer fällt, zwischen der abgelieferten Arbeit und der Person, die dahinter steckt, zu unterscheiden. Als Sympathieträger würde ich sie nämlich auch nicht gerade beschreiben, aber ist das eine Qualitätsmerkmal für d e n F i l m ? Immerhin eines hat mir das Studium des Making-of gebracht: Ich w e i ß nun, dass der Mann genau recherchiert und eine Lebenswelt möglichst authentisch nacherschaffen hat, die auf uns heute - glücklicherweise - absolut fremd und unnachvollziehbar wirken muss. Und etwas erscheint mir überaus wichtig: Ich erkenne gar nicht, dass Haneke verurteilt. Ich meine, er beschreibt lediglich, und eben dies ist ja das Beklemmendste am Film, wie ich finde. Keine Schuldigen, keine Täter, keine Lösung, keine Er-Lösung. Weder Schuld noch Sühne, ja das mögen wir, Hand aufs Herz, doch alle nicht! Der Betrachter selbst verurteilt letztlich, je nachdem welche Saite der Film/Stoff - oder der Schöpfer - in ihm anschlägt. - Ich weiß nicht, was ich an diesem Film aussetzen sollte, warum das Haar in der Suppe suchen? Da gibt's nichts zu deuteln: Das i s t perfekte Arbeit, aber nicht eben "gute Unterhaltung". Man möge ihm dies verzeihen.
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Tinseltown
über War Games - Kriegsspiele 2010/04/17 15:34:04
Gestern habe ich den Film einmal wieder angesehen. - Ich erinnere mich noch gut dran, wie sehr dieser Film unter die Haut ging, als ich ihn im Kino sah. Damals, als ich nicht einmal 18 war, ging man selbstverständlich gegen die Stationierung von Atomraketen in Deutschland auf die Straße ("Petting statt Pershing" usw.) - und schrieb Zeitgeschichte, wie wir heute wissen. Damals - 1983 - wie auch während der gesamten Zeit der Kalten Krieges - wäre es durch Kommunikationspannen, Kräftemessen, Drohgebärden und waghalsige Militärmanöver fast zu einem 3. Weltkrieg gekommen, wie man in äußerst detaillierten Dokumentationen auf weitgehend unbeachteten Sendeplätzen wie Arte, 3Sat und Phoenix etc. erfahren kann (sofern der freie-wählende, mündige Bürger nicht "Deutschland sucht das nächste Top-Modell" präferiert und dabei das Gehirn, so eines vorhanden war, spätestens beim ersten Ansehen einbüßt).
In großer, sicherer Distanz zum damaligen Zeitgeschehen, erfährt man heute von den Hintergründen des Zusammenbruchs des Ostblocks; Details der wahren Hintergründe Tschernobyls (1986) sind längst bekannt, fast möchte man sagen "Allgemeingut". - Ja, die nachwachsenden Generationen heute glauben, ihr "moderner" Medienkonsum - von Megaproduktionen fürs Action-Kino in 3D, über Prommi-Talks, Schüler- und Studi-VZ bis hin zu YouTube und Konsorten, habe sie schlauer, kompetenter, weltoffener und daher überlegen gemacht, aber sind sie es tatsächlich, oder schauen sie nur nicht (mehr) hin?
Denn trotzdem treffen Regierungschefs, auf Einladung des US-amerikanischen Präsidenten (!), sogar noch im Jahre 2010 zusammen, um Atomwaffensperrverträge und -abrüstung, oder wenigstens -begrenzung zu verhandeln. In den Achtzigern war von "Overkill" zu hören, denken wir bloß nicht, dass es diesen heute nicht mehr gäbe, auch wenn es keine zwei Blöcke mehr gibt, die es den Menschen damals - und im besonderen dem Präsidenten Ronald Reagan - leicht machten, die Welt in Gut und Böse zu scheiden.
Doch zurück zum Film: Im Zeitalter globaler Vernetzung mit Cloud-Computing - also dezentralen Strukturen, nicht Zentralrechnern - und Serverparks von Megafirmen, allen voran Google, wirkt dieser Film natürlich angestaubt und etwas belustigend. Aber im Zeitbezug betrachtet, ist das ein Meilenstein der Filmgeschichte - thematisch brisant wie zuvor "China Syndrome", temporeich, gut gespielt, stellenweise komisch und doch fatal zugleich, kurzum: sehr gelungen!
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Tinseltown
über U-Turn - Kein Weg zurück 2010/01/01 18:58:08
Selten habe ich einen amerikanischen Film gesehen, der gleichermaßen sparsam wie unkonventionell, kompromisslos, schockierend und belustigend zugleich wäre. Mit surrealen Zeitraffersequenzen und anderen Kunstgriffen schafft Stone die für den Film typische beklemmende Atmosphäre. - Eine Autopanne liefert einen kleinen Ganoven (Sean Penn) plötzlich schicksalhaft harmlosen Menschen vom Dorfe aus - irgendwo im Nirgendwo der Gluthitze Arizonas. Doch konfrontiert mit dem ganz normalen Wahnsinn dieses Ortes, wird er im Wechselbad der Gefühle schnell zum Spielball, dem alle Fäden entgleiten. Obwohl er ein Underdog ist, wird er schnell zum Sympathierträger des Zuschauers, denn kein einziger Mensch, dem er dort begegnet, ist "normal", folglich nichts und niemand berechenbar. - In einem Wort: kafkaesk, mit sprichtwörtlich Britischem Humor, aber made in the U.S.A. Erste Klasse, unbedingt sehenswert in jeder Hinsicht.
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Tinseltown
über Ein Freund von mir 2009/12/31 08:33:39
Ein Film mit 88 Minuten Spieldauer - was kann denn da überhaupt vermittelt werden? Bleibt genug Zeit dafür, eine Geschichte zu erzählen und Personen zu charakterisieren? Oh ja. Dieser Film beweist dies abseits des Starrummels. Es ist ein leiser Film, der an alltäglichen "Nicht-Orten" wie auf Bahnhöfen, auf Flughäfen und in großstädtischer Anonymität gedreht wurde. Der Film stellt die Frage: Was bedeutet Glück? Ist es Erfolg bei der Arbeit? Ruhm? Wann ist ein Mensch dein Freund? - Der Zufall führt zwei Menschen zusammen: einen jungen Diplommathematiker, der bei einer Versicherungsfirma angestellt ist, aber mit seinem Leben unzufrieden ist, ohne zu wissen, was daran nicht stimmt (Daniel Brühl); und einen ebenso jungen lebensbejahenden Draufgänger ohne Ausbildung, der allen Lebenslagen etwas Positives abgewinnt, die Frauen liebt, Spaß am Leben hat und das Jetzt lebt, ohne sich um ein Morgen zu scheren (Jürgen Vogel). Ermöglicht durch äußere Umstände, entsteht dieser Anlage zum Trotz in Kürze eine tiefe Freundschaft, die plötzlich wider alle Vernuft einfach da ist, obwohl Standesunterschiede es verbieten würden. Es treffen Menschen zusammen, die einander nie begeget wären. Und sie lernen einander zu lieben, totz grundverschiedener Lebenswelten, wider alle Regeln. - Es ist ein wunderbarer, tiefsinniger Film mit einfühlsamer, sparsamer Musik, viel Atmosphäre und einem lichtdurchfluteten Happy-End, das völlig ungewöhnlich, aber meisterhaft in Szene gesetzt ist. Es ist ein Film, der unter die Haut geht und es versteht, gerade durch die Sparsamkeit der Mittel Schale um Schale den Kern menschlichen (Zusammen-) Seins freizulegen. Wunderbar!
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Tinseltown
über Ice Age 3 - Die Dinosaurier sind los 2009/12/31 07:22:07
Wie soll an den vorangegangenen Erfolg angeknüpft werden, wenn doch eigentlich alles gesagt ist? Diese Frage stellte sich mir schon nach Teil eins. Das Geheimrezept ist die Steigerung. Ja: ein neuer Superman musste her, der unsere drei Helden alt aussehen lässt, bereichert durch ein neues flugfähiges Scrat-Pendant, aber als Frau schon deshalb viel klüger und wahnsinng evolviert, und obendrein eine Parallelwelt unter dem Eis - was für ein Nonsense! Die Idee, auf diese Weise die Dinosaurier aufleben zu lassen, um Widersacher des bewährten Trios plus der übrigen Charaktere aus dem zweiten Teil zu kreieren, wirkt entsetzlich konstruiert. Wie sonst hätte man erklären können, dass zwischen dem Abgang der Dinos und dem Auftauchen unserer drei Freunde 60 Millionen Jahre liegen? - In dieser widrigen Welt bekommen Manni und die letzte ihrer Art ein Baby, wie rührend, herzallerliebst, - allein, das reicht nicht. Nichts von dieser Gefühlsduselei geht wirklich unter die Haut, wie es im ersten Teil - mit großen Themen wie etwa Freundschaft, das Füreinander und Empathiefähigkeit gegen das Pinzip Eigennutz - noch der Fall war. Amerikanischer konnte die Fortsetzung nicht ausfallen. Gewiss, aus technischer Sicht ist dieser Animationsfilm unbedingt gelungen. Er ist temporeich, enthält viele Überraschungen und insofern gute Ideen, aber eine originelle Story ist nicht vorhanden. Stimmt, die Kinder mochten es, das traf aber auch für Teil eins und zwei zu. Kinder nehmen, was sie vorgesetzt bekommen, so lange viel Zucker und Fett drin sind - und im Zweifel eben immer Pommes oder Spagetti mit Tomatensoße.
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Tinseltown
über Die Passion Christi 2009/12/30 14:08:10
Die letzten Stunden im Leben "unseres Heilands" - buchstäblich hautnah zu erzählen (oder, besser gesagt, dessen, was nach dem Martyrium noch davon übrig blieb): Das war das Versprechen, das Gibson dem Zuschauer gab. Höhere Intensität durch die Originalsprachen Aramäisch bzw. Römisch mit Untertiteln: dies sollte dabei helfen, so authentisch wie möglich zu sein. Der Film wurde am selben Ort gedreht wie Pasolinis Klassiker und knüpft damit ganz bewusst an die Tradition der "Jesus-Filme" an, als wolle er alles Dagewesene überbieten. Die Qualen und schließlich den Tod am Kreuz realisiert Gibson mit Hilfe einer eigens eingeflogenen Jesu-Atrappe. Nicht als Sinnbild ist das gemeint, nein, sondern um auch hier schlichtweg möglichst realistisch zu sein. - Aber was ist die Passionsgeschichte im Grunde den tatsächlich? Ein Glaubensbekenntnis, ein mündlich überlieferter, spät niedergeschriebener Mythos. Und was kann ein Film hier denn überhaupt sein, als erneut lediglich eine Interpretation mit anderen Ausdrucksmitteln? Der Anspruch auf Authentizität verpufft damit in Bedeutungslosigkeit. Was soll das Ganze also? - Der Film ist Fledderei, sei es buchstäblich am Körper Christi - oder am Geiste gläubiger Christen. Zur einem tieferen Verständnis der Heilsgeschichte, zu Deutungsarten wie christliche Doppelmoral, zur Verständigung der Völker oder zwischen Religionen trägt er meines Erachtens keinen Deut bei - ja nicht einmal zu einer zutreffenderen Deutung des Geschehens dieser letzten Lebensstunden. "Folter-Porno", (Liam Quinn, s.o.) - das trifft's.
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goatsheadsoup 2011/03/22 21:36:29
Antwort löschenwarum gibst du dem film dann 7 von 10 punkten?
Tinseltown
über Harald 2009/12/29 19:17:41
Den Film hatte ich mal rein zufällig im Fernsehen gesehen, wofür er ja auch produziert wurde. Und anders als bei vielen Kinofilmen muss ich sagen: Zumindest ist er mir im Gedächtnis geblieben. Mit Sicherheit ist das nicht "großes Kino". Aber ein SF-Film ist das nicht. Es ist eine harmlose Komödie der Art "Mork vom Ork", die keinen Anspruch auf Tiefgang erhebt. Aber sie hat es in sich, denn wie sie Allzumenschliches aus Sicht des Außerirdischen beleuchtet, ist sie sogar sehr, sehr amüsant, und Heinrich Schafmeister überrascht mit Klamauk im Stile eines Jerry Lewis, den man ihm nicht zugetraut hätte. Ich würde mich freuen, diesen Film nochmal zu sehen. Aber als DVD gibt es ihn wohl nicht.
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Tinseltown
über Frank Zappa - Baby Snakes 2009/12/29 18:56:54
Baby Snakes ist ein Film, lässt sich aber dennoch vom zweifellos groß-artigen musikalischen Schaffen Frank Zappas nicht wirklich trennen. Daher gilt: Wer ihn mag, wird diesen Film kaum negativ beurteilen. Wer ihn nicht mag, wird wahrscheinlich kopfschüttelnd davor sitzen und sich fragen: "Was ist den das??" Und wer ihn nicht mag, obwohl er glaubt, ihn zu kennen, wird sagen: "So ein Mist!" - Was ist das denn nun für ein Film? Ein verfilmtes Konzert? Nein - und irgendwie durchaus (vor allem gegen Ende). Ein soziokulturelles Lehrstück? Nein, aber irgendwie auch das. Ein Porträt einer Band von Rockmusikern, die irgendwie doch keine sind, weil sie so unglaublich gut sind, dass zweifellos eine lange musikalische Ausbildung vonnöten war, die für Rockmusiker nicht eben typisch ist? Ja, definitiv. Backstage "band folklore", die niemand wirklich versteht? Ja, das gewiss. Ein Selbstporträt Zappas. Nein, das sicher nicht. --- Am ehesten trifft doch die Aussage zu: "Ein Film über Leute, die Dinge tun, die nicht normal sind." (Gemeint sind hier übrigens auch "die Fans", die ebenfalls charakterisiert werden.) Dies ist der Untertitel, und er trifft's in beiderlei Wortsinn. Denn was man zu hören und zu sehen bekommt, ist nicht normal, denn Zappa's Werk ist nicht die Norm. "Tiny is as tiny do", um mit einer Textzeile eines Stückes aus dieser Zeit zu sprechen -, und die Umkehrung trifft eben auch zu. Baby Snakes ist sehr sehenswert, und zwar für alle, die keine Rockkonzert erwarten, (alle) ihre Sinne beisammen haben und nicht abschalten, wenn sie einschalten.
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