Wolfgang M. Schmitt jun.
Wolfgang M. Schmitt jun. aus Neuwied heißt Wolfgang M- Schmitt jun.. Er hat sich 2011/11/24 11:13:31 auf moviepilot angemeldet und hat schon 29 Filme bewertet und hat schon 31 Kommentare geschrieben. Wolfgang M. Schmitt jun. ist Kritiker für www.die-filmanalyse.de und hat unter anderem Melancholia als Lieblingsfilm. Mehr
| Name | Wolfgang M- Schmitt jun. |
|---|---|
| Stadt | Neuwied |
| Geschlecht | männlich |
| Schreibt sonst für | www.die-filmanalyse.de |
Sacha Baron Cohens neuer Film „Der Diktator“, den wie schon bei „Borat“ und „Brüno“ der Regisseur Larry Charles in Szene gesetzt hat, soll eine beißende Satire auf die Weltpolitik, das Demokratieverständnis des Westens und eine Parodie auf Diktatoren wie Gaddafi, Mubarak oder Kim Jong-il sein. Doch leider bleibt der Film zahnlos. Bei „Brüno“ konnten wir bereits erleben, wie der…
Sacha Baron Cohens neuer Film „Der Diktator“, den wie schon bei „Borat“ und „Brüno“ der Regisseur Larry Charles in Szene gesetzt hat, soll eine beißende Satire auf die Weltpolitik, das Demokratieverständnis des Westens und eine Parodie auf Diktatoren wie Gaddafi, Mubarak oder Kim Jong-il sein. Doch leider bleibt der Film zahnlos. Bei „Brüno“ konnten wir bereits erleben, wie der Guerilla-Komiker so langsam im Mainstream vor Anker geht. Nun ist „Der Diktator“ ein klassischer Hollywood-Film mit Handlung geworden, der bis auf ein paar Geschmacklosigkeiten für die breite Masse taugt. Wie konnte das passieren? Die Themen, die Cohen in seinem neuen Film anfaßt, sind im Grunde hochpolitisch und werden doch nur als bunte Revue präsentiert. Es zeigt sich, daß gerade die Ironie und das Karnevaleske für eine Polit-Satire leerlaufen können. Florian Illies schreibt in seinem ironischen Buch „Generation Golf“ selbstkritisch: „Und bevor die Empörung kommen könnte, haben wir immer noch die weiten Arme der Ironie. Wenn man alles in Gänsefüßchen denkt, ist alles akzeptabel.“ Das ist die Krux an diesem Film, es stellt sich beim Zuschauer keine Empörung mehr ein und damit auch keine Komik. Abgesehen von den paar Gags aus dem Trailer langweilt dieser gerade mal 80minütige, nur mit Mühe zusammengeschusterte Streifen fürchterlich. Daß Stars wie Sir Ben Kingsley, Megan Fox und Anna Faris hier mitspielen, zeigt auch, wie sehr Hollywood das Enfant terrible Sacha Baron Cohen schon vereinnahmt hat. Mehr dazu im Video
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Der Regisseur Joe Carnahan hat mit dem Abenteuerdrama "The Grey - Unter Wölfen" den vielleicht peinlichsten Film des Jahres gedreht, eine Wirkung, die der Hauptdarsteller Liam Neeson mit seinem einfältigen Spiel noch unterstützt. Koproduziert haben dieses Machwerk Ridley und Tony Scott. Oberflächlich betrachtet, wird uns eine klassische Abenteuergeschichte erzählt: Eine Gruppe von…
Der Regisseur Joe Carnahan hat mit dem Abenteuerdrama "The Grey - Unter Wölfen" den vielleicht peinlichsten Film des Jahres gedreht, eine Wirkung, die der Hauptdarsteller Liam Neeson mit seinem einfältigen Spiel noch unterstützt. Koproduziert haben dieses Machwerk Ridley und Tony Scott. Oberflächlich betrachtet, wird uns eine klassische Abenteuergeschichte erzählt: Eine Gruppe von Männern, die in Alaska nach Öl bohrt, soll von ihrem unwirtlichen Stützpunkt nachhause geflogen werden. Liam Neeson ist kein gewöhnlicher Arbeiter, sondern hat als Jäger die Aufgabe, die Männer vor angreifenden Wölfen zu schützen. Doch auf dem Heimflug gibt es Komplikationen, die Maschine stürzt ab. Etwa ein Dutzend Männer überlebt. Aber wo sie nur hinschauen, sehen sie keine Zivilisation, nur Schnee, Eis und finstere Wälder. Bald werden die Wölfe angreifen – die Sentenz von Plautus „homo homini lupus“ winkt einem. Dem Zuschauer soll direkt klar werden: Dies ist ein Drama über die menschliche Existenz. Was ist der Mensch? Was darf er hoffen? Gibt es einen Gott? Die Drehbuchautoren hatten sich wohl ursprünglich einmal vorgenommen, diese fragen zu beantworten. Leider bleibt dies jedoch auf dem Niveau eines spirituellen Trips für Abenteuerlustige - wer hier Existentialismus vermutet, wird enttäuscht. Von Sartre oder Camus keine Spur, obwohl sich auch in "The Grey" schnell die Anderen als die Hölle erweisen. Doch was bedeutet das alles? Finden wir nicht ähnliches in der Realität wieder, wenn wir an beliebte Extremsportarten oder an pauschal buchbare Abenteuerreisen denken, bei denen sich Menschen mit allen Zusatzversicherungen in Gefahr begeben dürfen, um ihre „Grenzen auszutesten". Zeigt uns „The Grey" letztlich nicht die bedenklichen Auswüchse einer New Age Religion/Philosophie? Es ist ein schlechter Film, der vor nichts, gar nichts zurückscheut: nicht vor triefend sentimentalen Rückblicken in die Kindheit der Helden; nicht vor Liam Neesons Imagination seiner verstorbene Frau, die, in weiße Laken gehüllt, auf ihn wartet und nicht davor, dass die Herrschaften in den Sterbeszenen auf einer transzendenten Ebene mit ihren Angehörigen kommunizieren. Es ist zum fremdschämen. Mehr dazu im Video!
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Die Krimikomödie "Einmal ist keinmal" mit Katherine Heigl und Jason O`Mara von Julie Anne Robinson ist nicht die erste ihrer Art und leider auch nicht die beste. Bereits 2010 boomten diese Liebeskomödien: Auch da erlebte schon Katherine Heigl mit Ashton Kutcher als Agent und Killer in der Komödie „Kiss & Kill“ viel Love & Crime. Die Comedians Tina Fey und Steve Carell wurden…
Die Krimikomödie "Einmal ist keinmal" mit Katherine Heigl und Jason O`Mara von Julie Anne Robinson ist nicht die erste ihrer Art und leider auch nicht die beste. Bereits 2010 boomten diese Liebeskomödien: Auch da erlebte schon Katherine Heigl mit Ashton Kutcher als Agent und Killer in der Komödie „Kiss & Kill“ viel Love & Crime. Die Comedians Tina Fey und Steve Carell wurden in „Date Night“ zu Gangstern für eine Nacht und konnten so ihre langweilige Ehe beleben. In „Knight and Day“ verliebt sich Cameron Diaz in Tom Cruise, der im Film als Geheimagent alle Insassen eines Flugzeugs tötet. In „Der Kautions-Cop“ wird unser Film „Einmal ist keinmal“ quasi gespiegelt. Hier jagt der Mann, Gerard Butler, die Frau, Jennifer Aniston, wegen einer Ordnungswidrigkeit. Nicht zu vergessen ist auch "Mr. und Mrs. Smith" mit Angelina Jolie und Brad Pitt, der ja auch das private Liebesabenteuer der Beiden begründete. Die Urversion dieses Genres geht in das Jahr 1963 zurück: "Charade", ein intelligenter Mix aus Agententhriller, Screwball-Komödie und Liebesfilm, mit Audrey Hepburn und Cary Grant bleibt bis heute unübertroffen. „Einmal ist keinmal“ fehlt es leider an Pointen, spannenden Einfällen und an glaubhaften Figuren. An dem mißratenen Soundtrack des Films läßt sich am Besten deutlich machen, woran es hapert. Der Soundtrack besteht nämlich nur aus ein paar unmotivierten Gitarrenriffs und ist im Grunde genommen unmusikalisch, als hätte man lediglich Übungsgriffe eingespielt. Die Musikalität haben auch die Drehbuchautoren vergessen, möglicherweise haben sie auch nur die Fingerübungen aus den Handbüchern für Workshops auf die Leinwand übertragen. Doch wie ist der aktuelle Boom dieses Genres generell einzuordnen? Ist der Alltag für Liebespaare so langweilig geworden, daß sie etwas Crime benötigen, um ihre Beziehungen zu retten? Oder sind diese Filme nicht vor allem Versuche, die im Schwinden begriffene Erotik zu bewahren? Mehr dazu im Video!
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Der Kriegsfilm "Battleship" soll, weil das Spielzeugunternehmen Hasbro seit ein paar Jahren in Hollywood mitmischt, die Verfilmung des beliebten Spiels "Schiffe versenken" sein. Sagen wir es so: es ist ein gewagte Interpretation. Regisseur Peter Berg hat auf jeden Fall mit diesem Actionfilm den Stumpfsinn von "Transformers 1-3" noch einmal deutlich übertreffen können…
Der Kriegsfilm "Battleship" soll, weil das Spielzeugunternehmen Hasbro seit ein paar Jahren in Hollywood mitmischt, die Verfilmung des beliebten Spiels "Schiffe versenken" sein. Sagen wir es so: es ist ein gewagte Interpretation. Regisseur Peter Berg hat auf jeden Fall mit diesem Actionfilm den Stumpfsinn von "Transformers 1-3" noch einmal deutlich übertreffen können. Es ist tragisch, daß auch gestandene Stars wie Alexander Skarsgard und Liam Neeson sich für diesen Schund hergegeben haben. Wenn man Kritik an einem solchen Blockbuster äußert, passiert es nicht selten, daß dagegen argumentiert wird: „Der will doch nur unterhalten. Man kann dabei einfach mal abschalten und ohne viel Nachzudenken den Film genießen.“ Meine These ist jedoch: Wer diesen Film überhaupt genießen will, muß schon vor sehr langer Zeit – etwa kurz nach dem Eintreten der Pubertät – sein Hirn in den Standby-Modus gefahren haben. Anders wird man die 130 minütige Materialschlacht schwer aushalten können. Mit dabei auf hoher See ist auch das Popsternchen Rihanna, die als Soldatin hilft, den außerirdischen Feind zu besiegen. Wer aber schon immer zur Navy gehen wollte und glaubt, daß George W. Bush ein guter Präsident war, der wird diesen Film lieben. Für aufgeklärtere Zeitgenossen wird dieser Hurra-Patriotismus schnell unerträglich werden. Um es mit Martin Walser zu sagen: "Es gab einmal gemütlichere Kriege." Doch interessant ist, wie "Battleship" sein Anliegen - das Rekrutieren von Jugendlichen für das Militär - in den ersten Minuten ganz offen ausspricht. Am Ende geht es um einen Mann, Alex Hopper (Taylor Kitsch), der diszipliniert werden soll, bis er sich systemkonform verhält. Anfangs trägt er noch lange Haare und erscheint im Casual-Look, doch bald wird er schneidig und akkurat als Kapitän das Kommando übernehmen. Wir können in „Battleship“ noch einmal die „gute alte“ Disziplinargesellschaft erleben, die Michel Foucault uns in seinen Werken so ausführlich beschrieben hat. Bei so viel unzeitgemäßer Propaganda – so empfindet es zumindest ein Mitteleuropäer – könnte man fast nostalgisch werden; aber nur fast, denn für diese Art der Begeisterung ist der Film einfach zu langweilig. Mehr dazu im Video!
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MOK 2012/04/30 16:45:42
Antwort löschenMit der These gehst du etwas sehr provokant auf eine Menge Leute los, die du nicht kennst - irgendwie anmassend für den Autor eines weitgehend unbekannten Blogs aus dem Pfälzer Hinterland von grade mal Mitte 20. Zudem wirst du hier auch noch bei den (Pseudo-)Profis abgedruckt. Ärgerlich - aber vielleicht ist das auch deine Intention: bashen
Smoin 2012/05/02 16:22:34
Antwort löschenMok, du schwingst die Niveau/Moral/Antibashing-Keule, streifst leicht den Wolfgang Schmitt und haust dir dann volle Rotze selbst ins Gesicht.
MOK 2012/05/02 16:27:47
Antwort löschenIn keinem Fall breche ich hunderttausende von Battleship Fans pauschal übers Knie. Was mich regelrecht anwiedert ist die (von mir aus) Moralkeule die im Giesskannenprinzip verwendet wird und keinen Raum dafür lässt, dass dieser Film nunmal keine Arthouseschiene bedienen wird sondern die niederen Instinkte im Menschen, was IMHO auch vollkommen in Ordnung ist. Dazu dann noch die Dreistigkeit, die eigene Ansicht ins Allgemeine zu übertragen und den Konter, der Film richte sich nun mal an diejenigen, die nur den im Wortsinne simplen Unterhaltungswert wünschen, pauschal und argumentationsneutral beiseite wischen.
Smoin 2012/05/02 20:21:35
Antwort löschenAber du stellst dich moralisch über ihn. Und unterbietest das Niveaulevel dann völlig. Unprofessionell und inkonsequent. Stilmäßig meiner Meinung nach unter dem geistigen Alter eines Mitt-Zwanzigers.
MOK 2012/05/03 12:19:49
Antwort löschenIch stelle mich dann moralisch über ihn, wenn ein Verhalten noch verwerflicher wäre als seins - so übe ich Kritik und verleihe meinen Empfindungen Ausdruck. Er hingegen sagt: "Wer diesen Film überhaupt genießen will, muß schon vor sehr langer Zeit – etwa kurz nach dem Eintreten der Pubertät – sein Hirn in den Standby-Modus gefahren haben." und verurteilt damit die Battleshipfans pauschal. Das -so sehe ich das- ist eine vollkommen andere Liga.
Smoin 2012/05/03 14:40:18
Antwort löschenIch bestreite ja gar nicht, dass er mal alle Battleshipfans pauschal verurteilt. Aber du willst ihn kritisieren und versuchst ihn dabei auf emotionaler persönlicher Ebene anzugreifen indem du seinen Blog, seine Herkunft und sein Alter beleidigst. Das ist keine (gute) Kritik, das ist einfach nur niveaulos. Du willst ihn auf die Seite des unreifen Bashers stellen und hüpst gleich mit über die Linie. Oder lass es mich so ausdrücken: Stell dir vor ich verprügle jemanden und schrei ihm dabei ins Gesicht: "Gewalt ist keine Lösung!"
Es gab sie wirklich. Das Filmdrama „King of Devil`s Island“ von Marius Holst handelt von der norwegischen Gefängnisinsel Bastøy. Noch immer ist die Insel ein Ort für Strafgefangene. Bis 1970 gab es dort eine Besserungsanstalt für Jungen. Im Film kommt 1915 der Junge Erling (Benjamin Helstad), dessen Vergangenheit im Unklaren gelassen wird, auf die Insel und soll sich den menschenverachtenden…
Es gab sie wirklich. Das Filmdrama „King of Devil`s Island“ von Marius Holst handelt von der norwegischen Gefängnisinsel Bastøy. Noch immer ist die Insel ein Ort für Strafgefangene. Bis 1970 gab es dort eine Besserungsanstalt für Jungen. Im Film kommt 1915 der Junge Erling (Benjamin Helstad), dessen Vergangenheit im Unklaren gelassen wird, auf die Insel und soll sich den menschenverachtenden Regeln dieser Institution unterwerfen. Widerreden werden bestraft, Rebellion wird brutal unterdrückt, Mitleid existiert nicht. „King of Devil`s Island“ erzählt in einer riefenstählernen Ästhetik und in gewohnter Manier von den Grausamkeiten auf der Insel.
Der Plot ist schlicht, wie so oft bei diesen Flucht-aus-Alcatraz-Filmen: Einer will ausbrechen; wird es ihm gelingen? Regisseur Marius Holst schont das Publikum mit Gewaltdarstellungen nicht. Wir sehen wie die Jungen ausgepeitscht, geschlagen und verbal gedemütigt werden. So gut gemeint das Ansinnen ist, dieses dunkle Kapitel der norwegischen Geschichte aufzudecken, so voraussehbar und eintönig ist die Kinogeschichtsstunde geworden. Jährlich gibt es solche Filme von Menschen, die in einem geschlossenen System leben müssen und gen Freiheit ausbrechen wollen; Frauen aus ihren Ehen, Kinder aus Internaten, Homosexuelle aus der Provinz, Priester aus der Kirche, Dissidenten aus einem Regime. Viele liberale Linke lieben diese Filme besonders, zeigen sie doch, daß sich der Kampf der letzten 40 Jahre gelohnt hat: Wir leben endlich in Freiheit ohne Autorität, manche gar autark. Dieses Zielpublikum beklatscht jährlich seine Errungenschaften neu und beschäftigt sich lieber ungern mit der aktuellen Unfreiheit in der Freiheit oder mit dem Preis der Freiheit (Outsourcing von Familienpflichten an günstiges – meist ausländisches – Personal; Schulen, die alle dort abholen, wo sie gerade stehen; promiskuitives Leben in „der Szene“ mit einem hohen ökonomischen und ästhetischen Druck; religiöse Orientierungslosigkeit, die in ans Universum gerichtete Wünsche mündet; Musealisierung der Regime-Kritiker für Feiertagsstunden, kurz: Wolf Biermann).
So sehr allen nach einem Winter im Frühling ein Sommer im Herbst zu wünschen ist, verkennen sie gerne die aktuelle Lage und ziehen sich entspannt in die Kinosessel zurück. Michel Foucault hat sich ein Gelehrtenleben lang mit diesen Einschließungsmilieus beschäftigt, die im 19. Jahrhundert Hochkonjunktur hatten und auch heute nicht ganz der Vergangenheit angehören. Sein theoretischer Freund Gilles Deleuze hat jedoch nach Foucaults Tod einen kleinen Text mit dem Titel „Postskriptum über die Kontrollgesellschaften“ geschrieben, in dem er erläutert, daß sich das Zeitalter der „Disziplinargesellschaft“ dem Ende neigt (Kirche, autoritäre Eltern und Schule etc.) und wir stattdessen in einer „Kontrollgesellschaft“ leben (Unternehmen mit 360°-Beobachtung, Leben als Projekt, Weiterbildung bis zum Tode): „Man bringt uns bei, dass die Unternehmen eine Seele haben, was wirklich die größte Schreckens-Meldung der Welt ist. Marketing heißt jetzt das Instrument der sozialen Kontrolle und formt die schamlose Rasse unserer Herren.“
Die Unfreiheit tarnt sich als kreative Freiheit. Bemerkenswert ist, in der heutigen Libertinage haben sich sogar einige alte Rituale der Disziplinargesellschaft bewahrt und werden nun in einer spielerischen Form ausgelebt, was man wiederum an „King of Devil`s Island“ herrlich studieren kann. Die Darstellungen der jungen Männer im männerbündlerischen Herrschaftsraum (Gewaltexzesse in den Naßzellen) haben ihren Weg in die Arthouse-Pornographie eines Bruce LaBruce gefunden. Die gefährliche Flucht bei Wind und Wetter auf einem Ruderboot ist heute in beliebte Extremsportarten transformiert worden. Und die Peitschenhiebe auf nackte Leiber führen uns zu Michel Foucault zurück, der sich bekanntlich in Amerika (auch wenn die akademische Linke es in einem merkwürdigen Anflug von Prüderie gerne verschweigt), dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, lustvoll in die Sado-Maso-Szene stürzte. Ein bißchen von diesem Schmerz darf auch der Kinozuschauer von „King of Devil`s Island“ genießen.
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Die Tribute von Panem - The Hunger Games
Wolfgang M. Schmitt jun. 4.0 "Uninteressant" 2012/04/02 11:42:41
"Die Tribute von Panem" von Gary Ross nach dem ersten Teil der Romantrilogie von Suzanne Collins mit Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen und Josh Hutcherson als Peeta Mellark ist das neue Film-Franchise-Unternehmen Hollywoods. Die Lobeshymnen in den deutschen wie internationalen Medien waren groß; besonders die angebliche Medienkritik des Films an den Castingshows der Fernsehsender…
"Die Tribute von Panem" von Gary Ross nach dem ersten Teil der Romantrilogie von Suzanne Collins mit Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen und Josh Hutcherson als Peeta Mellark ist das neue Film-Franchise-Unternehmen Hollywoods. Die Lobeshymnen in den deutschen wie internationalen Medien waren groß; besonders die angebliche Medienkritik des Films an den Castingshows der Fernsehsender wurde allseits gelobt und gerühmt. Nur wenige Kritiker wie Sabine Horst von Epd-Film oder Hans-Ulrich Pönack vom DeutschlandRadio kritisierten den Film für seine abscheulichen Gewaltdarstellungen - sie haben vollkommen Recht. "The Hunger Games" führt hier nur die Erfolgsmaschinerie des Privatfernsehens bis zu einem konsequenten Ende: Das Spiel um Leben und Tod. Die Parallelen zu den Castingshows sind überdeutlich: Kandidaten treten gegeneinander an, ein denkfaules Publikum stimmt über Erfolg und Mißerfolg ab; es kann nur einen Gewinner geben, der aber doch wieder in seinen Distrikt zurück muß. Haben wir hier endlich eine notwendige Medienkritik an diesen Eliminationsspielen, wie Peter Sloterdijk sie nannte? Sollte wir darüber hinwegsehen, daß gerade die betroffenen Fernsehsender – RTL, SAT 1 und Pro 7, flankiert von der Bildzeitung – diesen Film fulminant vermarkten? Ist das Rühren der Werbetrommel für diese Medien ein reinigendes Ritual oder setzt hier die Hollywood-Fiktion nicht dort ein, wo das Reality-TV nicht mehr weiter kann – wegen Menschenwürde, Grundgesetz etc. Aus fernen Ländern liest man immer wieder in den bunten Meldungen der Zeitungen, daß es dort gerade Castingshows gäbe, in denen Kandidaten für ein lebensnotwendiges Organ kämpfen? Die westliche Empörung darüber ist garantiert. Doch was sich in der Realität verbietet, erlaubt die Fiktion nur zu gerne und wir Zuschauer schauen lustvoll zu und bekommen zusätzlich noch etwas medienkritische Moral untergejubelt, damit wir zu unserem eigenen obszönen Begehren in Distanz treten können. Es erinnert an die freiwillige Finanz-Abgabe, die man als Flugzeuggast für den Co2-Ausstoß bezahlen kann, um einen sinnlosen Flug mit gutem Gewissen anzutreten: Ich fliege für ein paar Luxus-Schuhe nach Florenz und zahle dafür einen kleinen Aufpreis für die Umwelt. Oder: Ich sitze im Kino und ergötze mich an sich abschlachtenden Jugendlichen und bekomme gleichzeitig noch den erhobenen Zeigefinger für meine niveaulose Unterhaltung mitgeliefert. Mehr dazu im Video!
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sonotcherie 2012/04/09 22:43:29
Antwort löschenMeine Güte komm mal runter, es ist nur ein Film und meiner Meinung nach ein sehr guter.Hättest du alle drei Bücher gelesen wüsstest du um was es wirklich geht. Der Film handelt nicht von einer Show in der Jugendliche sich selbst töten müssen aufgrund gelangweilter Fersehzuschauer, sondern weil ein grausames Regime sie dazu zwingt . Hast du den Film eigendlich von Anfang bis Ende gesehen? - Dann müsste dir doch eigendlich aufgefallen sein, dass es eine Rahmenhandlung gibt z.B Klassenunterschiede(Capitol und Distrikte), Aufstände in den Distrkiten auf Grund der Spiele?!
Ich verstehe wirklich nicht wie man so viel in einen Film interpretieren kann, dass man von Realityshows zu Umweltproblemen kommen kann und ihn als uninteressant bewertet ?!
Oceanic6 2012/04/11 01:46:52
Antwort löschenLiegt vielleicht daran, dass der Film uninteressant ist und rein gar nichts von seinem Potential ausschöpft. Alles, was du sagst, wir oberflächlich angedeutet, aber nicht weiter ausgeführt. Aber so ist das heute, mit Oberflächlichkeit lässt sich die Masse begeistern.
Gästebuch
Jonas Hoppe 2012/05/30 17:14:31
Gelungene Analysen, die sich nicht ein mal hinter den - von mir präferierten - Kritiken des epd-Film Magazins verstecken müssen! Ich hoffe ihre wöchentlichen Videos bleiben uns noch eine Zeit lang erhalten.
DerDude_ 2012/04/05 09:33:09
Sie über "30 Minuten oder weniger"
"Der gute Anstand verbietet uns über die vulgären Witze zu lachen, zumal ich mich auch nicht für den Intgrationsbambi bewerben will"
100 Punkte ! Dafür gibts ne Freundschaftsanfrage ;)
Hooded Justice 2012/03/15 19:05:32
Wow. Ich habe gerade Ihre phänomenale Filmanalyse zu 'Melancholia' gesehen. Würde mich freuen, Sie, Herrn Schmitt jun., als Freund begrüßen zu dürfen.
Hendrik 2012/03/04 18:43:39
Hi, ich bin vorhin auf dein Profil und damit deinen Blog gestoßen und als Fan von durchdachten Analysen mit originellem Ansatz bin ich begeistert. Deshalb dachte ich, ich könnte dir mal eine Anfrage schicken.
Trimalchio 2012/02/23 23:38:02
Ich sende mal eine Freundschaftsanfrage, die Filmanalyse auf Youtube ist jedes Mal aufs Neue ein Genuss.
Flibbo 2012/01/02 07:07:32
Ach, Sie auch hier? Schön! Großes Kino war unter anderem „Lady Gaga & Alfred Hitchcock“. Wenn ich nur wüsste wie ernst Ihr Image wirklich gemeint ist.
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Lieblingsfilme
Freunde von Wolfgang M. Schmitt jun.
Wolfgang M- Schmitt jun. ist Kritiker für www.die-filmanalyse.de.
Wolfgang M- Schmitt jun. schreibt als Kritiker für www.die-filmanalyse.de.







1997 schlüpften zum ersten Mal Will Smith und Tommy Lee Jones in die schwarzen Anzüge. 2002 kam dann der zweite Teil der „Men In Black“-Reihe in die Kinos und war doch nur ein langweiliger Aufguß des ersten. Nun, zehn Jahre später, wird mit „MIB 3“ die Reihe fortgesetzt. Dieses Mal ist die Welt von dem Bösewicht Boris die Bestie bedroht. Boris wurde von K vor vierzig Jahren in ein Gefängnis…