3 / Tres - Kritik

3

UY/DE/AR · 2012 · Laufzeit 121 Minuten · FSK 0 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
  • 1 .5

    Dieser Film ist ein Nichts. Kein Drama, keine Entwicklung, keine Komik und kein Esprit. Ein Nullum. Wir sehen den Alltag einer Familie mit einer notgeilen, halbwüchsigen Tochter, die das tut, was für die Eltern Science Fiction ist. Außer diesen drei Figuren (Achtung Titel!) sehen wir noch eine Reihe übelgelaunter Mitmenschen, die ohne jegliche Emotionen durchs Leben treiben. Eine Abgrundtiefe, depressive Stimmung herrscht hier. Da fragt man sich doch, wie so ein Regisseur zum Festivalliebling werden kann.
    Mutter Graciela (Sara Bessio) tut das, was frustrierte Ehefrauen machen, wenn sie den Partner satt haben. Genau! Sucht sich einen Lover. Der tumbe Ehemann Rodolfo (Humberto De Vargas) schleimt sich an die Tochter ran und wird abgewiesen. Ersatzweise repariert er Abflüsse. Tochter Ana (Anaclara Ferreyra) hat Probleme in der Schule und im Sportverein keine Lust. Klar! Ihre Interessen liegen ja auf dem Sofa. Mutter und Tochter rauchen gemeinsam im Bett, Vater und Tochter begegnen sich ab und zu, gehen sich ansonsten aus dem Wege. Man das nervt ganz schön. Und weil wir gerade den Knopf zum Abschalten nicht finden, führen die drei (Titel!) gemeinsam ein Tänzchen vor. Grinsend.
    Unglaublich. Doch in Südamerika hat so ein Alltagslangweiler Tradition. Ich denke da u.a. an Daniel Burmans ‘Familiengesetz‘. Wie der ist TRES ohne Höhepunkt und Sinn. Da fragt man sich doch ‘Was soll’s?‘ Reif für die Goldene Gurke.

    • 6 .5

      Die Tonalität von 3 / Tres erinnert stark an die Filme, die Stoll gemeinsam mit dem mittlerweile verstorbenen Juan Pablo Rebella gedreht hat: allen voran an den lakonischen Whisky (2004). Wie für mittlerweile so viele Filmemacher aus Argentinien, Chile oder eben Uruguay scheint Aki Kaurismäki auch für Stoll so etwas wie ein Schutzheiliger zu sein. Es geht nie aufgedreht, sondern stets lakonisch zu, der Witz ist nie auf die Pointe getimt, sondern nistet sich gemütlich in den Einstellungen ein. Zwar übertreibt es Stoll in 3 / Tres an einigen Stellen und überzeichnet vor allem die Rodolfo-Figur etwas, doch Humberto de Vargas bannt die Gefahr der Karikatur mit einer fast anrührenden Darstellung. Auch die Leistung von Anaclara Ferreyra Palfy als neugieriger Teenager ist für eine Premiere in einer Hauptrolle erstaunlich stark. Der Einsatz dieses Ensembles durch die trockene, aber detaillierte Inszenierung Stolls lässt das Publikum ständig in der Schwebe: Lachen oder Weinen? Drama oder Komödie? Die Unsicherheit darüber irritiert nicht, sondern sorgt für angenehme Spannung –auch wenn 3 / Tres mit knappen zwei Stunden deutlich zu lang geraten ist.

      • 4

        In der Langsamkeit seiner Erzählweise bleibt Ward bis zum Schluss konsequent – und widersetzt sich dabei auch erfolgreich jeglichen dramaturgischen Gesetzmäßigkeiten wie etwa Figuren- oder Stoffentwicklung.

        • 7

          Das Leben schreibt vielleicht nicht immer die aufregendsten, aber immerhin die authentischsten Geschichten.

          • 2 .5

            Der leicht lakonische Blick des Regisseurs auf den Alltag der Protagonisten will dafür so gar nicht entschädigen. Humor ist eben doch nicht immer, wenn man trotzdem lacht.