A Ghost Story - Kritik

A Ghost Story

US · 2017 · Laufzeit 92 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • Schon als der Mainstream-Kinoerfolg “Elliot, der Drache” (2016) in den Kinos startete, arbeitete der Regisseur David Lowery (*1980) an der Umsetzung seines vierten Films “A Ghost Story” (OT: “A Ghost Story”, USA, 2017). Dieser unterscheidet sich in vielem von seinem Vorgängerfilm: Er wurde unabhängig finanziert, besitzt eine kurze Drehgeschichte und verwendet eine entschleunigte Kunstsprache.

    • 7

      Einen Oscar-Gewinner derart zu verstecken und zum Beobachter ohne große physische Ausdruckskraft zu verdammen, ist vielleicht die größte Dreistigkeit dieses Independent-Films. Hier vollzieht sich eine Auflösung aller Regeln und alles Oberflächlichen, um den Blick für etwas Neues zu öffnen. [Stefan Stiletto]

      • 8

        Letztlich erleben wir mit dem Geist das Kommen und Gehen in einem über die Jahre verfallenden Haus, eine Reflexion der Zeit mit einigen Überraschungen und Endlosschleife. Aus dem Mann wird ein „genius loci“, ein Geist des Ortes. Ein ungewöhnlicher, äußerst faszinierender Film, der begeistern kann. [Günter H. Jekubzik]

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        • 8

          Leise, berührend und wahrhaftig [...]. A Ghost Story ist ein Film voller Einfallsreichtum und Spannung, dazu gespielt von großartigen Darstellern. [Patrick Wellinski]

          • 7

            Oscargewinner Casey Affleck spielt in A Ghost Story die meiste Zeit ein Gespenst - das klingt seltsam. Tatsächlich entwickelt sich um den stummen Geist ein wundervolles Liebesdrama. [Lukas Stern]

            • 8

              Selten gab es einen Film, der so intensiv das Gefühl von Trauer, Verlust und Beklemmung so gut eingefangen hat wie A Ghost Story von David Lowery. [Sarah Schindler]

              1
              • 7

                [...] Das quadratische Bildformat rahmt immer wieder Einstellungen, die so zerbrechlich erscheinen, dass man fürchtet sie beim kleinsten Windhauch so ineinanderfallen zu sehen wie die Laken der erlösten Filmgespenster. Mit großem Vertrauen in die Macht des Stillstandes taucht der Film in wohltuend langsame Momente ein, deren Gefühle sich stets von selbst unter der Oberfläche zu artikulieren scheinen. Geisterdialoge werden mit Untertiteln versehen, die Konversationen der spanischen Familie, die nach M das Haus beziehen, bleiben unverständlich – als könne der Film nur noch aus seiner Isolation heraus von der Welt der Lebenden erzählen, die kommunikative Grenze der Geisterwelt nicht länger überwinden. Wenn Lowery sein Gespenst unerklärt umherstreifen lässt, durch Vergangenheit und Zukunft, über verwilderte Grasflächen und futuristische Wolkenkratzer, dann destilliert er aus diesen Bildern eine atemberaubende Wehmut heraus. [...]

                7
                • 9

                  Absurd-komisch und todtraurig, verkünstelt und doch näher am Leben, als wir es ertragen können: „A Ghost Story“ nimmt uns mit auf eine poetische Reise, sehen Momente der Liebe und Trauer, denken über Erinnerungen und Vergänglichkeit nach. Aufgrund vieler eigenwilliger Entscheidungen wird der Zugang für viele verschlossenen bleiben. Doch wer erst einmal einen Weg hineinfindet, findet hier einen der schönsten und schmerzvollsten Filme des Jahres.

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                  • 8

                    Regisseur David Lowery inszeniert eine Geistergeschichte, die den in ein Bettlaken gehüllten Protagonisten in seiner eigenen Ewigkeit gefangen hält. Ein Geisterhaus und der Weltgeist spielen ebenso eine Rolle wie die große Frage, was der Mensch hinterlässt, wenn sein Leben endet. Ein schöner, philosophischer Film. [Anke Westphal]

                    • 8 .5

                      „What is it you like about this house so much?“, fragt M (Rooney Mara) ihren Mann C (Casey Affleck), während die Kamera im 4:3-Format wie ein alter Super 8-Film den Innenraum der Wohnung in Betracht nimmt, in der sich ein Großteil von A Ghost Story abspielt. „History“, lautet die schlichte Antwort in dem Film, der sich vorzugsweise im Schweigen und im Beobachten übt. Geschichte ist es, die verbindet. Auch M und C verbindet eine Geschichte, so fragmentarisch die Einblicke auch bleiben, die uns Regisseur und Drehbuchautor David Lowery in das gemeinsame Leben der Figuren gewährt. Schon bald sitzt M alleine in ebenjener Wohnung, die sich nicht ausstehen kann, stopft Kuchen in sich und versucht, über den Schmerz des Verlusts von C hinwegzukommen. Was folgt, ist eine intime Meditation über Existenz und Trauer, gepaart mit dem Wunsch, dass etwas bleibt. [...]

                      8
                      • 7

                        David Lowery ist dabei nicht auf dramaturgische Zuspitzungen aus, sondern formt die Zeit selbst, in einem Märchen, das irgendwo zwischen Hans-Christian Andersen und Apichatpong Weerasethakul changiert. [Karsten Munt]

                        • 9

                          [...] Noch bevor es die ersten Bilder zu sehen gibt, ertönt Rooney Maras Lachen aus der Dunkelheit. Hell, anziehend, betörend – und dennoch könnte man es fast mit einem Schluchzen verwechseln. Die ersten Bilder liefern Klarheit, in trauter Zweisamkeit kuschelt sie mit Casey Affleck auf der Couch, liebevoll umschlungen liegt bereits zu diesem Zeitpunkt eine ungeahnte Sehnsucht und Intimität in ihrem Beisammensein. A Ghost Story macht sich nicht einmal die Mühe, ihnen richtige Namen zu geben und doch zählt jede Berührung, jeder Blick, jede Geste – und sei es nur ein angedeutetes Lächeln – zu dem Zärtlichsten, was es in den vergangenen Jahren auf der großen Leinwand zu bestaunen gab. [...] Wie kaum einem anderen Filmemacher gelingt es David Lowery diesen formlosen Emotionen eine Kontur zu verleihen. Nach und nach entgleitet jeder greifbarer Handlungspunkt, in der Überschneidung zwischen Diesseits und Jenseits entsteht ein völlig neuartiger Raum, in dem Ort und Zeit relativ erscheinen. A Ghost Story ist ein Film, der dem Zahn der Zeit trotzt. Er erzählt sich durch Stillstand, durch bewussten Verzicht und sensorische Freiheit. Zu keinem Zeitpunkt zwingt Regisseur Lowery seinen Zuschauer eine bestimmte Ansicht auf, vielmehr geht es ihm darum dieser Fülle an Empfindungen Ausdruck zu verleihen, sie erfahrbar zu machen, mit dem Zuschauer zu kommunizieren – auch wenn diese Kommunikation nur daraus besteht, seine eigenen Fragen an ihn zurück zu geben. Natürlich liefert der Filme keine Antworten, zumindest keine universellen. Wie sollte er auch, schließlich stellt er Fragen, die schlichtweg keine eindeutige Klärung ermöglichen – oder ihr auch gar nicht bedürfen. Fragen über Vergänglichkeit und die Unendlichkeit der Liebe, über die Grenzen von Raum und Zeit. Eine melancholische Reise, vollends in sich gekehrt und dennoch absolut. A Ghost Story begreift Liebe als die einzige Möglichkeit, sich wenigstens für einen Augenblick als Teil dieser Welt zu verstehen. Er verweilt so lange in einzelnen Momenten, bis diese Momente selbst zu Geistern werden…bis das Laken schließlich fällt und alles sein Ende findet. [...]

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                          • 8

                            [...] A Ghost Story beginnt als Geschichte über eine Beziehung, die plötzlich endet und in der der Tod zwei sich Liebende auseinanderreißt, bis Lowery den thematischen Fokus seines Werkes frühzeitig ebenso radikal wie mutig erweitert. Nachdem M alleine ein letztes Mal einen Moment bei ihrem verstorbenen Partner verbringt und den Raum verlässt, erhebt sich Cs Körper unter dem Leichentuch und wandert zurück zum gemeinsamen Haus des Paares. Von seiner Umgebung unbemerkt wirkt der Tote unter dem weißen Laken, in dem zwei schwarze Löcher als Augen dienen, wie ein zu groß gewachsenes Kind, das sich zu Halloween als Gespenst verkleidet hat, um anderen Kindern Angst einzujagen. Trotz dieses albernen, kindlichen Erscheinungsbildes gelingt dem Regisseur von nun an ein filmisches Ausnahmewerk, wie man es in solch einer Form wahrscheinlich noch nie gesehen hat. A Ghost Story ist weniger ein Geisterfilm als viel mehr ein geisterhafter Film, der zaghaft von Szene zu Szene gleitet, um über das Verhältnis zwischen Verlust, Trauer, Endgültigkeit und Zeit zu erzählen. Lowery schiebt das Jenseits und das Diesseits so weit ineinander, bis ein völlig neuer Raum entsteht, in dem C als stumme Existenz tatenlos zum Zusehen verdammt ist. Durch die Ergründung des Wesens der Zeit an sich, die der Regisseur in schier endlosen Momentaufnahmen zum Stillstand bringt, um sie wenig später in unvermittelten Schnitten ganze Jahrzehnte überspringen zu lassen, kreiert der Regisseur eine bestürzende Meditation über den unvermeidbaren Lauf der Dinge, der sich nur erfahren, aber nie beeinflussen lässt. Um genau dieses Erfahren scheint es Lowery am deutlichsten zu gehen, wobei er mit seinem Ansatz, der (über)natürliche Vorgänge mit menschlichen Empfindungen und körperlichen Reaktionen in Einklang bringen will, beispielsweise mit den sinnlichen Inszenierungsexperimenten von Regisseuren wie Terrence Malick (The Tree of Life) vergleichbar ist. Während Malick seine Bilder jedoch regelmäßig mit sinnsuchendem oder sinnstiftendem Voice-over anreichert, verhält sich Lowery gegensätzlich und zwingt sein Publikum aufgrund der Dialogarmut des Films, einzelne Szenen mit eigenen Interpretationen und Gedanken zu füllen. Als melancholische, im Format einer verblassenden Diashow angeordnete Kino-Symphonie zwischen Leben und Tod, die sich ihrer Schönheit und Vergänglichkeit gleichermaßen bewusst ist, lässt sich A Ghost Story als Liebeserklärung an all jene flüchtige Momente auffassen, die zwischen diesen beiden Welten liegen. In denen eine Gabel voll mit Schokoladenkuchen wieder und wieder zum Mund geführt wird, um den Schmerz zu betäuben, in denen ein einzelner Song, den ein Mensch für einen anderen komponiert hat, jede noch so große Trauer für einen kurzen Moment übertönt und in denen ein kleiner Zettel in einer Wand versteckt wird, um mit der darauf hinterlassenen Nachricht Erinnerungen zu schaffen, die jedem Zahn der Zeit trotzen. [...]

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                            • 6 .5
                              VillageVoice 07.07.2017, 12:27 Geändert 07.07.2017, 12:27

                              "Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte", schrieb David Foster Wallace mehr als einmal. Diese evokative Observierung wird in David Lowerys A Ghost Story ergründet und erreicht manchmal ein ähnliches Level an Eloquenz. [Melissa Anderson]

                              • 8

                                A Ghost Story beginnt mit häuslicher Zufriedenheit, geht über persönliche Verzweiflung und endet mit einer kosmischen Klage. Es ist eine simple, zerreißende Geschichte über Liebe und Verlust, die das Fenster zur Unendlichkeit aufreißt. [Justin Chang]

                                • 8

                                  A Ghost Story funktioniert so gut, weil er eigentlich nicht funktionieren sollte. Beginnend mit einem Zitat von Viriginia Woolf, stellt der Film seine literarische Ader in den Vordergrund und schafft es dennoch frisch und innovativ statt statisch und aufgesetzt zu wirken. [A. O. Scott]

                                  • 9

                                    Selten sieht man einen Film, der so originell ist, dass man Leuten erzählen will, ihn sich anzusehen, ohne vorher Kritiken (inklusive dieser hier) zu lesen. A Ghost Story ist einer dieser Filme. [Matt Zoller Seitz]

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                                    • 8 .5

                                      "In David Lowerys "A Ghost Story" verweilen die Einstellungen so lange, bis in ihnen Geister zum Leben erwachen." [Karsten Munt]

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                                      • 7

                                        A Ghost Story widersetzt sich gegen Horrorkonventionen und bietet stattdessen das feinfühlige Porträt eines ruhelosen Geistes. [Peter Debruge]

                                        • 6

                                          Lowerys Material in A Ghost Story ist kühn im Vergleich zu den mehr konventionell aufgetragenen Ain't Them Bodies Saints. Aber seine Fähigkeiten als visueller Geschichtenerzähler sind diesmal mehr zum Tragen gekommen. [David Rooney]