A Man Can Make a Difference - Kritik

A Man Can Make a Difference / AT: Law not War

AT/DE · 2014 · Laufzeit 102 Minuten · FSK 12 · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
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    dbeutner 14.11.2015, 20:00 Geändert 15.11.2015, 16:24

    Ab und zu bin ich in Freiburg, seit vielen Jahren, und immer seltener genieße ich das dortige Filmprogramm im Kino, weil es in den letzten 3-5 Jahren einfach deutlich schlechter geworden ist; das Angebot für O-Ton-Publikum hat sich so ausgedünnt, dass ich mitunter schon gar nicht mehr ernsthaft erwarte, etwas angeboten zu bekommen.

    "A Man Can Make a Difference" lief nun am Donnerstag zum Bundesstart auch in Freiburg an, und den habe ich dann mitgenommen.

    Und wurde nicht enttäuscht. Porträts von Menschen, die ihr Ding durchziehen, und dann hier auch noch bzgl. einer Sache, die ich zumindest in Teilen teile, sind ja eh meine Ding. Dass das ganze handwerklich arg amateurhaft daherkommt, kann ich nicht ganz unerwähnt lassen, und ist deswegen schade, da der porträtierte Ferencz jemand ist, der an sich selbst einen perfektionistischen Maßstab anlegt, und es daher verdient hätte, auch mit einer Doku dargestellt zu werden, die nicht weniger "Spitze ihrer Art" ist. Ist sie aber nicht.

    Zum Handwerklichen konkret: Dass zB der Ton verschiedener Audioquellen recht unterschiedlich laut ist, ist nicht das Schlimmste, zeigt aber, wie wenig Perfektionismus im Projekt steckt. Schlimmer ist schon, dass die Doku keinen Faden verfolgt, nicht einmal den trivialen Faden des Lebens. Wir springen immer wieder zwischen den Themenfeldern Nürnberger Prozesse, Entschädigungsfragen, ICC und Persönlichem hin und her. Schade auch die Überkonzentration auf die Interviews mit Ferencz; nicht, dass der Mann nicht gut zu interviewen wäre mit seinen damals 93 Jahren, seinem Humor, seiner Ernsthaftigkeit und seiner Empathie. Aber zu so jemandem könnte es noch mehr "Beiwerk" geben. Allerdings waren die wenigen Interviews mit seinem Sohn etwa ganz groß, was wiederum an der Person selbst liegt (mindestens ein so scharfer und klarer Denker wie sein Vater!).

    Inhaltlich werden ein zwei Brüche in der Selbstwahrnehmung Ferencz leider nicht einmal thematisiert, was der gleichen (über)Konzentration auf die Darstellung durch sich selbst geschuldet ist. Da ist zB die Frage der Todesstrafe - so angenehm es ist, dass Ferencz eine kritische Distanz zu jedem Krieg und zu seiner Heimat USA entwickelt hat, so (vermute ich) ist es wohl eine rein psychologische Frage, warum er die Todesstrafen, an denen er selbst als Ankläger beteiligt war, nicht in Frage stellt (und dabei sogar - das einzige Mal im gesamten Film - in ein unangenehmes Fahrwasser rutscht, wenn er eher mit der Geste der leichten Verachtung über "Menschenrechtsaktivisten" spricht). Ein wirklich gutes und nicht schleimendes Porträt braucht kritische Auseinandersetzung, die fehlt hier.

    Das gleiche gilt für die Einrichtung des ICC. So gut es der Film schafft, den steinigen Weg dorthin zu beschreiben und damit auch, dass die Einrichtung des ICC historisch etwas "Erkämpftes" ist, so wenig wird sich mit der Realität des ICC auseinandergesetzt, der es - daran sind die USA natürlich mehr Schuld als der ICC selbst - nicht schafft, sich von seiner europäischen Überwacherfunktion in afrikanischen Kriegen & Konflikten zu lösen.

    All das ist jetzt viel kritischer Text, und trotzdem: Der Mann ist einfach zu besonders, als dass man sich diesen Film entgehen lassen sollte. Zugleich ist es sicherlich sinnvoll, sich mit den Nürnberger Prozessen und dem ICC entweder schon beschäftigt zu haben oder das im Umfeld des Films einmal zu tun. Ob der Film wirklich für "junge Leute" geeignet ist, sei mal dahingestellt -- er braucht dann sicherlich pädagogische Begleitung. Denn auch hier - pädagogischer Aufbau - spielt der Film nicht seine Stärken aus.

    Trotzdem für alle Interessierten am Thema: Aufgrund der Person Benjamin Ferencz' eine unbedingte Empfehlung!

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      Das lebendige Porträt des 1920 geborenen Juraprofessors Benjamin Ferencz vergegenwärtigt die Bedeutung der Nürnberger Prozesse für das heutige Völkerrecht. [Manfred Riepe]

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        Dank Ben Ferencz und vielen Originalbildern aus 95 Jahren Weltgeschichte wird der Film von Ullabritt Horn zu einem ungeheuer verdichteten Appell für den Frieden und ist gerade für junge Leute ein wunderbar Mut machendes Beispiel für einen konsequenten Humanismus.