Abseitsfalle - Kritik

Abseitsfalle

DE · 2012 · Laufzeit 98 Minuten · FSK 6 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
  • 5

    Die Figuren wirken teilweise wie Abziehbilder, die Dialoge oft flach und auch die Auflösung übertrifft nur knapp die Optik der Lindenstraße. Aber für den Beginn einer deutschen Sozialtragikkomödie kann sich Abseitsfalle sehen lassen.

    • 7 .5

      Regisseur Stefan Hering inszeniert dieses Drehbuch zwar mit einer Reihe komödiantischer Einfälle. Doch „Abseitsfalle“ tappt nicht in die Falle, ein ernsthaftes Szenario lediglich als Schauplatz für eine auf ein Happy End zusteuernde Komödie auszunutzen. Selbst ein „running gag“ wie der Hausmeister, der immer mehr Pflanzen in die Eingangshalle des „Perla“-Werkes stellt, um das Wasser aus den immer mehr werdenden undichten Dachstellen aufzufangen, hat Symbolcharakter. Beatrice Meyer und Stefan Hering exemplifizieren die durchaus komplexe Lage an einigen Nebenfiguren. So schert Mikes Freund Podolski (Fabian Busch) aus Sorge um die Zukunft seiner Familie aus dem Solidarpakt aus. Willy Zwo (Stephan Szász) rastet aus, als ihm bei einem Abmahnungsgespräch klar wird, dass es dem Firmenmanagement lediglich um die Erreichung der Rationalisierungsziele geht. Darüber hinaus reichern Drehbuchautorin und Regisseur die Handlung mit einem für Karin bedeutsamen Nebenstrang an. Ihr alkoholabhängiger Vater (Jürg Löw) müsste sich einer Entzugskur unterziehen. Die aus einfachen Verhältnissen stammende, aber karrierebewusste Karin schämt sich seiner. Mit all diesen Figuren und Nebenhandlungen gelingt es Beatrice Meier und Stefan Hering, die komplizierten Verhältnisse der modernen Arbeitswelt anzudeuten.

      „Abseitsfalle“ erweist sich nicht nur als ein sozialengagierter Film, in dem gut getane Arbeit, Loyalität und Solidarität ungezügeltem Profitstreben und knallhartem Pragmatismus gegenüber stehen. Die von Bernadette Heerwagen überzeugend gespielte Hauptfigur sieht sich mit schwierigen Entscheidungen konfrontiert, als sie die Interessen der Firma und die Anliegen der Arbeiter sowie ihre eigenen Wünsche miteinander zu vereinbaren versucht. Aber auch die anderen Figuren kämpfen dafür, unter den widrigen Umständen ihre Würde zu bewahren. So gelingt es „Abseitsfalle“, einige moralische Probleme der heutigen Arbeitswelt in ein Unterhaltungsmedium glaubhaft zu verpacken.

      • 6

        So hat sich Karin, Protagonistin in Stefan Herings Film "Abseitsfalle", ihren beruflichen Aufstieg nicht vorgestellt: Die graue Maus mit abgeschlossenem BWL-Fernstudium in der leicht verkalkten Personalabteilung - die Firma stellt schließlich Waschmaschinen her - hat sich daran gewöhnt, dass der Chef ihre Konzeptpapiere zur Effektivierung der Prozessabläufe grundsätzlich nicht liest. Darauf angesprochen reagiert er unwirsch - vielleicht hätte ihn die junge Mitarbeiterin nicht gerade auf der Betriebsfeier und vor den Kunden danach fragen sollen ("Frau Wegmann, doch nicht jetzt. Ein Bier, bitte").
        Der Durchbruch kommt dann recht unverhofft und auch eher ungewollt, in Gestalt des Unternehmensberaters Dr. Kruger (Christoph Bach). Der smarte Umstrukturierer braucht jemanden, der den Betrieb von innen kennt und in Excel-Listen und Powerpoint-Präsentationen verpacken kann. Ganz klar: Diese Fabrik steht unzweifelhaft vor dem Relaunch. Man ahnt schnell, wie es mit dem leicht eingestaubten Waschmaschinenhersteller namens Perla weitergeht. Das ist weniger der Dramaturgie geschuldet, als der Tatsache, dass solch ein Umbau in der Wirtschaft meist für eine Betriebsschließung steht.
        Dass ein solcher Stoff ins deutsche Kino findet, ist schon eine große Leistung. Während das Thema Arbeit und Arbeitskampf in allen erdenklichen Formen in anderen europäischen Filmkulturen einen festen Bestandteil bildet, ist man hierzulande zu intelligenten cineastischen Reflexionen des Themas selten fähig. Und so gibt es kaum ernsthafte Versuche, die deutsche Arbeitswelt in Spielfilme zu übersetzen. Lang lebe das Komödiengenre. Hier ist es anders: Regisseur Stefan Hering versucht in der "Abseitsfalle" Prozesse der Arbeitswelt zwar oft mit Mitteln des Humors, aber auch mit einer gewissen ernsthaften Tiefe zu erzählen.
        Die besten Momente gibt es im Arbeiterkino, wenn fernab jeglichen Klamauks einfach nur absurde Vorgänge zur Debatte stehen. Bei allem gilt: Dieser Film will positiv sein. Die Lage ist schlimm, aber individuell lässt sich sauber handeln. Regisseur Hering zeigt sich als echter Visionär: Karin wählt den derzeit angesehensten Weg - als Whistleblowerin. Sie veröffentlicht den ganzen Kram.