Als Paul über das Meer kam - Kritik

Als Paul über das Meer kam / AT: When Paul came over the Sea

DE · 2017 · Laufzeit 97 Minuten · FSK 6 · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 7 .5

    In der ungewöhnlichen Nähe des Regisseurs zu seinem Helden liegt der Reiz, zugleich aber auch die Gefahr des Films. [...] Dass der Film dieses Dilemma thematisiert, gehört zu seinen Stärken. [Kaspar Heinrich]

    • 7 .5

      Dabei wirft [Jakob Preuss] zwangsläufig Fragen nach der Verantwortung des Einzelnen auf und vermeidet durch ständige Reflexion und die sachliche Montage eine emotionale Ausschlachtung des Flüchtlingsschicksals. [Julia Teichmann]

      • 7

        Aber es sind die Begegnungen mit Paul, die den Schlagzeilen ein Gesicht geben. So wird aus dem geplanten Blick aus der Distanz ein zutiefst persönliches Langzeitdokument. [Lars Tuncay]

        • 8

          Der Berliner Filmemacher Jakob Preuss (»The Other Chelsea«) schlitterte eher nebenbei in dieses dokumentarische Porträt eines afrikanischen Bootsflüchtlings, was der Klarheit, Intelligenz und Intensität der Umsetzung des mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichneten Films aber keinen Abbruch tut. [Silvia Hallensleben]

          • 6

            Was ist meine Rolle als Filmemacher – schaue ich quasi nur den Ereignissen zu und bin aktiver Part? Und wie weit geht dann das Engagement?
            Fragen, die sich der Regisseur Jakob Preuss in seinem neuen Film zu stellen hat, der von den Fluchtbewegungen über das Mittelmeer handelt. Preuss hat Paul Nkamani an der Küste Marokkos, ganz in der Nähe der spanischen Enklave Melilla, wo die Flüchtlinge regelmäßig den meterhohen Grenzzaun stürmen, in einem illegalen Flüchtlingslager kennengelernt. Der junge Kameruner hat sich durch die Sahara bis nach Nordafrika durchgeschlagen. Er sagt: "Die Europäer müssten in Afrika investieren, damit weniger Leute flüchten."

            Kurz darauf setzt er mit einem Schlauchboot nach Europa über. Preuss findet ihn in einem spanischen Rote-Kreuz-Heim wieder. Doch Spanien leidet unter der Wirtschaftskrise, und so beschließt Paul, weiter nach Deutschland zu ziehen. Der Film behandelt viele Aspekte der Migrationsdebatte und veranschaulicht sie an einem Einzelschicksal: Fluchtursachen, Grenzschutz. Lebensgefahr auf Reisen, bishin zur Ankunft am vermeintlichen Sehnsuchtsort: einem Aufnahmeheim in Eisenhüttenstadt.

            In Videoblog-Manier dokumentiert Preuss die Treffen tagebuchartig mit der Kamera. Am Ende quartiert der Filmemacher den Flüchtling bei den eigenen Eltern ein. "Paul" ist eine Geschichte darüber, wie persönlich Migration werden kann und das Porträt einer ungewissen Zukunft.

            (Amnesty Journal 8-9 2017)

            • 7 .5

              Als Paul über das Meer kam gibt einem von Millionen Migranten auf dieser Erde ein Gesicht. Jakob Preuss liefert [...] alles andere als simple Bürokratie-Kritik. Aufrichtig und glaubwürdig wird sein filmisches Tagebuch vor allem dadurch, dass er eigene Zweifel thematisiert [...]. [Klaus Grimberg]