Antichrist - Kritik

Antichrist

DK/IT/DE/PL/FR/SE · 2009 · Laufzeit 108 Minuten · FSK 18 · Thriller, Drama, Horrorfilm, Erotikfilm · Kinostart
Du
  • 7

    Lars von Trier spaltet gerne die Meinungen. Für die einen ist das, was er macht, echte Kunst, für die anderen nur provokanter Schrott. Ich selbst habe keine echte Meinung zu von Trier, denn dazu habe ich zu wenige Werke von ihm gesehen. „Antichrist“ sah ich mir damals an, habe ihn aber nie kritisiert, weshalb ich die Sichtung noch mal wiederholt habe. Aus irgendeinem Grund gefällt mir der Film ziemlich gut.

    Es geht um ein namenloses Ehepaar, welches ihr Kind verloren hat. Er, ein Psychologe, will seiner Frau dabei helfen, ihre Trauer zu überwinden. Dafür fährt man in die Natur in eine Hütte. Es dauert nicht lange und da muss er erkennen, dass mit seiner Frau weitaus weniger nicht stimmt, als eine einfache Depression. Und wie sich das so gehört bei Arthousekino, muss da eine gute Portion Interpretationsfreiraum vorhanden sein. Von Trier baut die Natur stark mit ein, gewisse Hexenmotive gesellen sich dazu und am Ende kann jeder für sich selbst entscheiden, was hier der Anlass für die Geschehnisse war. „Antichrist“ funktioniert aber nicht nur mit doppeltem Boden, sondern auch als relativ simpler Horrorfilm ganz gut. Man kann das Geschehen einfach so stehen lassen, wie es sich ereignet oder man macht sich tiefere Gedanken dazu. Deshalb gefiel mir das Drehbuch auch ganz gut, denn es zwingt dem Zuschauer nicht unbedingt eine pseudointellektuelle „Interpretiere mehr in mich hinein“ Botschaft auf.

    Außerdem ist die Inszenierung schon sehr ordentlich geraten. Lars von Trier hat besonders die Natur wirklich gut mit eingebunden und stellt sie sehr bedrohlich dar. Wenn der Wald da in den Fokus gerät, hat das nichts Schönes mehr, sondern es wirkt unheilvoll. Sowieso ist die Atmosphäre Glanzstück von „Antichrist“, denn unangenehmer kann ein Werk wohl kaum sein. Hier herrscht triste Depression und dann blutrünstige Erkenntnis. Schön ist das absolut nicht und man fühlt sich beim Schauen überhaupt nicht gut. Damit hat der Film sein Ziel jedoch erreicht und auch aus Horror-Sicht ist das gut gelungen. Überwiegend geht es relativ subtil zur Sache; echte Schockeffekte gibt es natürlich nicht, aber diese düstere Stimmung die entsteht, macht das Ganze schon unheimlich. Handwerklich hat von Trier das effektiv umgesetzt. Er unterteilt das Geschehen in einen Prolog, einen Epilog und vier Kapitel. Der Anfang wurde sehr kunstvoll gestaltet und in der ersten Hälfte hält sich von Trier auch noch sehr zurück, lässt die Natur und die Tiere für sich selbst sprechen. Erst hinterher wird das Ganze dann so skandalös. Da gibt es ein paar sehr derbe Szenen, die echt nicht ohne sind, aber auch eine tolle Bildersprache besitzen. Nur die Sache mit der Pornografie ist reiner Selbstzweck. Das hätte absolut nicht sein müssen und schreit danach, provokant sein zu wollen.

    Der gesamte Film wird von nur zwei Darstellern getragen und diese hatten sicherlich keine leichte Aufgabe. Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe, beides klasse Schauspieler, sind mit vollem Körpereinsatz mit dabei (lediglich bei den pornografischen Szenen haben sie sich zum Glück doublen lassen). Beide müssen extrem niedergeschlagen agieren und das sind nun echt keine Leistungen, die Spaß machen, aber intensive auf jeden Fall und das passt hier einfach sehr gut. Von einem typischen Unterhaltungswert kann man sowieso eher seltener sprechen, denn „Antichrist“ ist ein langsamer und ruhiger Film, der echte Spannung vermissen lässt. Trotzdem habe ich mich nicht wirklich gelangweilt, denn diese trostlose Stimmung und die vermehrt vorkommenden Horror-Elemente in der zweiten Hälfte sorgen schon für Neugierde. Auf einen echten Score wurde hier übrigens verzichtet. Nur am Anfang und am Ende hört man Musik, ansonsten sorgt eher die Natur für die Geräuschkulisse, was eine gute Entscheidung war.

    Fazit: „Antichrist“ wird, wie wohl jedes Werk von Lars von Trier, die Meinungen mal wieder spalten oder gespalten haben. Eigentlich kann ich beide Seiten nachvollziehen, denn leicht zugänglich ist der Film sicher nicht und die bewusst skandalösen Szenen besitzen teilweise auch nur reinen Selbstzweck. Trotzdem gefiel mir der Film gut, denn die Handlung besitzt das gewisse Etwas, lässt sich interpretieren, doch es ist nicht zwingend notwendig. Hinzu kommen zwei sehr starke Hauptdarsteller und eine tolle Bildersprache. Sowieso hat mir das aus handwerklicher Sicht gut gefallen und die Atmosphäre ist absolut unheilvoll und unangenehm. Durchaus Geschmackssache und nicht gerade super unterhaltsam, aber von mir gibt es eine Empfehlung!

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    • 7

      Warum das verlängerte Wochenende nicht einfach mal mit einem wahren Sonnenschein von Film einläuten? Ich hatte mich vor ca. einem Jahr schon einmal durch den Film gequält, nachdem ich ihn zuvor schon einige Jahre hier liegen hatte, immer mal wieder reingeschoben, aber zu unterschiedlichen Zeiten abgebrochen hatte. Vor einem Jahr habe ich den Film dann in Etappen durchgestanden und wollte ihn mir nun (bei der garantiert letzten Sichtung) noch einmal "in voller Pracht" geben.
      Auf der Habenseite hat der Film ganz klar, dass er Lars von Trier als Autorenfilmer seinen "Macher" nennen darf, der einer der wenigen (zeitgenössischen) Filmschaffenden ist, der richtig einen an der Marmel hat und sich auch nicht davor scheut, Filme zu machen, wenn er gerade richtig psychostyle unterwegs ist.
      Lars von Trier ist einfach kein Typ, der sich in seiner Depression zurückzieht, dann einen Ratgeber "In diesen fünf Schritten habe ich meine Depression besiegt" auf den Markt bringt, nur um dann mit einem arthousigen Pseudo-Problemfilmchen zurückzukehren. Nein, Lars von Trier ist der Typ, der dann, wenn die Biochemie in seiner Hirse sowieso verrückt spielt, einfach mal jeden Abend zwei Flaschen Rotwein leert, mit "schneeverstaubter" Nase vor seinem Lappi sitzt und den sicken Shit, der dann durch seine Synapsen rattert, einfach mal zu einem Drehbuch verwurstet. Absoluter Ehrenmann! :)

      Diese Art Filme von Lars von Trier - Antichrist ist deren König - haben die (seine) Depression nicht nur zum Gegenstand; sie sind die Depression. Mir fällt ad hoc kein anderer Film ein, in dem eine Panikattacke so gut inszeniert und dargestellt ist wie in "Antichrist". Auch die Mechanismen der Depression und das "rotten-to-the-core-Sein", bishin zur untersten Triebebene, findet sich für mich in keinem Film auf so kenntnisreiche Weise dargestellt wie in "Antichrist".
      Es wirft sich allerdings die Frage auf, wozu man das braucht, außer ein filmisches Dokument für ein Museum der Zukunft zu haben, in dem nachfolgende Generationen nachvollziehen können, wie Menschen eine Depression zu Anfang des 21. Jahrhunderts künstlerisch verarbeitet haben. Mir ist nämlich vollkommen unklar, was jemand, der sich noch nie in einer schweren depressiven Episode befand, aus diesem Film ziehen möchte/kann. "Antichrist" ist nämlich keine abstrakte Betrachtung der menschlichen Psyche, sondern eine zielgerichtete und schnörkellose Betrachtung des Menschseins durch einen depressiven Filter. Und darin besteht auch eine der Gefahren des Films.
      Als Landsleute vergleicht man von Trier und Nicolas Winding Refn gern, was aber meiner Meinung nach so viel Sinn macht, wie Max Horkheimer mit Klaus Kinski zu vergleichen. In Textverarbeitungs-Fonts ausgedrückt ist von Trier die serifenfreieste Schrift, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Von Trier ist praktisch das menschgewordene "Calibri", während ein NWR mindestens "Times New Roman" ist. Ich hoffe, dass das Bild einigermaßen verständlich ist - wahrscheinlich eher nicht. :D
      Kurzum: NWR abstrahiert seine Bilder sowohl formal als auch inhaltlich von seinen Gegenständen, während von Trier der geradlinigste depressive "Film-Terrorist" ist, den man sich nur vorstellen kann. ;)
      Zum einen dokumentiert er damit lückenlos seinen depressiven (m.M.n. teilweise auch psychotischen) state of mind während der Schaffensphase, andererseits entzieht er sich selbst aber auch nahezu jeglicher kritisch-intellektueller Reflexion und "rotzt" seine kranken Gedanken ungefiltert in die Welt hinaus. Ich weiß nicht genau, wie ich dazu stehen soll. Es hat schon seinen Grund, dass wir unsere direkten Impulse und albtraumhaften Erfahrungen im Regelfall erst noch einmal sortieren, um dann bei deren Verarbeitung und Schaffung eines bestimmten Kunstgegenstandes ein gewisses Maß an Abstraktion einfließen zu lassen. Je nach Auslegung des Kunstbegriffes könnten böse Zungen so nämlich behaupten, dass das, was von Trier (hier) macht, mit Kunst eigentlich gar nichts zu tun habe. So weit möchte ich dann allerdings nicht gehen.

      Ich halte das was er macht für ein Stück weit gefährlich, da er seine Depression durch sein Vorgehen als eine gesunde und nachvollziehbare Reaktion auf die ihn umgebende Welt darstellt. Für von Trier ist depressives Fühlen und Denken eine gesunde Form, auf die Außenwelt zu reagieren. Tiefste Depression begreift er nicht als Krankheit, sondern als legitime Steigerung von Melancholie. Das kann für Betroffene zum einen ein ziemlich harter Trigger sein, aber auch für Außenstehende ein vollkommen falsches Bild auf depressiv erkrankte Menschen werfen. Dazu steht es auch 2018 leider immer noch nicht zum Besten.
      "Och, die sind ja eigentlich gar nicht krank, sondern nur so schön melancholisch. Und schau doch nur... Wenn sie sich ein bißchen anstrengen, dann können sie sogar ganz tolle Künstler werden und werden durch ihre Depression sogar noch begünstigt."

      tl;dr: Ein ganz schwieriger Film, ebenso wie ein schwieriger Filmschaffender. Ich weiß nicht genau, wie ich zu diesem Film stehen soll. Der Film ist wichtig, aber auch gefährlich; Der Film ist unerhört kenntnisreich, aber auch simplifizierend; Der Film ist ein einzigartiger Kunstgegenstand, aber auch beliebig... pfff... :D

      Für diese Art von Filmen sollte es eine weitere FSK-Abstufung geben. Mit 18 Lenzen sind 98% der möglichen Sehenden ganz sicher noch nicht bereit dafür. FSK25 oder so würde Sinn machen. Ist nur Spaß, da man Erwachsenen natürlich nicht den Zugang zu Filmen verbieten kann oder sollte. Aber ich denke, ihr wisst, was ich meine. :)

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      • 8 .5

        Antichrist ist ein Lars von Trier-Film. Ich habe versucht ihn besser zu beschreiben, aber es geht einfach nicht besser. Wer Lars von Trier kennt, der weiß was ich meine, wer ihn nicht kennt, weiß es halt nicht. Am wichtigsten ist aber: Ich bin mir jetzt 100% sicher, dass Lars von Trier kein Regisseur und auch kein Filmemacher ist. Lars von Trier ist ein Künstler, aber nicht wie jeder andere Künstler, sondern auf seine eigene, verrückte Art. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Mann, der es immer wieder schafft mich absolut zu verstören, aber gleichzeitig so zu faszinieren.

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        • 5

          Was für ein dämlicher und kranker Scheiß!

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          • 9 .5
            MeisterQualle 31.07.2018, 02:36 Geändert 31.07.2018, 02:38

            Nicht leichter Stoff. Vor allem wegen den verstörenden Szenen. Aber es lohnt sich, weil der Film auf drastische Weise davor warnt, sich über die Belange anderer zu erheben, sich ihnen aufzudrängen, hier in einer heucherlischen Mann-Frau-Beziehung. Der Mann übergeht die Ablehnung der Frau und ihre Ablehnung ihrer eigenen genusssüchtigen Natur gegenüber. Sie weiß, dass er sie nicht liebt, auch wenn er es sagt, und möchte dem Zwang entkommen, was er nicht zulässt. Hinzu kommt seine verschlossenen Antworten auf ihre Kritik an seiner Gleichgültigkeit. Die verstörenden Darstellungen machen das Katastrophale in der heuchlerischen Beziehung herrlich unabwendbar.

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            • 9

              Der verstörendste Film, den ich jemals gesehen habe. Lars von Trier in Höchstform!

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              • 1

                Noch nie einen so sinnlosen Film gesehen.
                Schon alleine der Anfang. Eine gefühlte Viertelstunde in Slo-Mo und dazu Opernmusik-Terror. Dann wartet man ewig bis mal irgendetwas passiert, außer sinnlose Gespräche und Schrei- und Weinkrämpfe. In den letzten 20 min passiert wenigstens was, auch wenn es kranker scheiß ist.
                Ob man das deswegen Kunst nennen kann?
                In dem Film gibt es ganz, ganz wenig Informationen. Man erfährt nicht wo das Paar wohnt, man erfährt nichts über die Vergangenheit man erfährt nicht mal ihre Namen. Es geht einzig allein um den Konflikt.
                Dabei verhält sie sich am Anfang des Filmes wie eine pubertierende Teenagerin und später wie eine fanatische Irre. Er wirkt die meiste Zeit über emotionslos.
                Eineinhalb Stunden, die einem wie eine Ewigkeit vorkommen.

                • 6 .5
                  Dixiclaw 03.03.2018, 16:07 Geändert 09.06.2018, 23:08

                  Lars von Trier ist bekannt dafür, mit seinen Filmen Grenzen auszuloten, zu provozieren, aber auch zum nachdenken anzuregen. Mit "Antichrist" hat er es dann letztlich wieder einmal geschafft dem gemeinen Publikum vor den Kopf zu stoßen und "Antichrist" avacierte gar zum Skandalfilm.

                  Ob gerechtfertig , muss wohl jeder für sich entscheiden und wird abhängig sein, von den allgemeinen Sehgewohnheiten - Meines Erachtens, eignet sich Antichrist eher weniger zum Skandalfilm, aber zumindest ist es definitiv ein ungewöhnlicher Film. Die entscheidene Frage lautet jedoch vielmehr: Ist "Antichrist" auch ein guter Film? Tja - Da scheiden sich wohl die Geister - Von mir gibt es diesbezüglich ein klares "Jein!" Denn selten habe ich mich mit der Bewertung eines Filmes derart schwer getan. In vier Kapiteln unterteilt bewegt sich der Film irgendwo in der Schnittmenge zwischen Psycho-Drama und okkultem Horrorthriller. Hervorzuheben sind definitiv die durchweg grandiosen schauspielerischen Leistungen von William Dafoe und (besonders) Charlotte Gainsbourg. Beide harmonieren hervorragend miteinander und verleihen ihren Rollen ein hohes Maß an Tiefe.

                  Leider verliert Lars von Trier mit voranschreitender Spieldauer zunehmend den Faden und der Spannungsbogen geht fast gänzlich verloren. Der Twist wirkt arg konstruiert und die Ästhetik der Bilder nimmt teilweise Fernsehfilm-Niveau an. So beschleicht einen das Gefühl, dass dem Regisseur irgendwie die Luft ausgegangen ist und daher der Versuchung erlag, dieses durch "Schockeffekte" zu kompensieren.

                  Zusammenfassend kann ich also festhalten, das "Antichrist" (für mich) während der ersten beiden Dritteln ein hervorragendes Psycho-Drama ist, dessen Plot sich jedoch zunehmend zum Horrorthriller entwickelt und der künstlerische Anspruch des Films verläuft sich in ein wirres, aufgesetzt wirkendes und irgendwie auch (bl-)ödes Konstrukt, getragen einzig nur noch, durch die fantastischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller. Schade!

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                  • 7 .5
                    Tastenklopfer 24.02.2018, 11:52 Geändert 24.02.2018, 11:52

                    Sehr verstörender Film, mit Horrorelemente - doch immer noch irgendwie auf eine kunstvolle, poetische Weise inszeniert. Zudem finde ich hat Lars von Trier ein tolles Gespür, klassische Musik im Film einzusetzen um das Bildgeschehen zu intensivieren.

                    (Spoiler)
                    Wenn ich Händels wundeschöner Arie "Lascia ch'io pianga" höre, muss ich nun immer an sterbende Kleinkinder denken - danke Lars!

                    • 8

                      Tolles, fesselndes und auch verstörendes Drama mit leichten Horrorelemten, der mit tollen Performances von Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg daher kommt!

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                      • [...] Überaus kunstvoll bebilderter Alptraum in menschliche Abgründe. Antichrist erweist sich als etwas, was man so nicht erwarten würde. Von einem klar strukturierten, okkultem Horrorfilm a la „Omen“ und co, sollte man jedenfalls schon mal gleich Abschied nehmen. Von Trier’s Antichrist tickt völlig anders und der Däne verpasst dem titelgebenden Bösen ein ebenso künstlerisches, wie freizügiges, gewalttätiges und letztlich undurchsichtiges Gesicht. Das Ergebnis sitzt jedenfalls wie ein Faustschlag und dürfte noch lange zum nachdenken anregen.

                        • 8
                          Publikum 01.02.2018, 21:37 Geändert 01.02.2018, 22:02

                          Obszön ist....

                          Und obs zön ist!

                          Lars von Trier hat in "Antichrist" ja wirklich viele Zutaten verbaut. Psychologie, "Psychoscheiss", Psycho - Gainsbourg, Torture Porn, Porn, Drama, Psychodrama, Thriller, übernatürliches Moment, Metaebenen, Vielschichtigkeiten, Vieldeutigkeiten, Ekelszenen, WTF-Szenen, Obszönitäten, FSK-Zensur-trächtiges.................

                          Gut das ich nicht allzu zart besaitet bin.
                          Grenzen wurden klar überschritten, mehrfach und weit. Aber es ist okay, eine spätere Zweitsichtung erfolgt dann auch ausserhalb des Familienkreises.

                          Die Intensität von teils wunderschönen und märchenhaft anmutenden Bildern hat mich beeindruckt. Diese vielsagende und ausdrucksstarke Bildsprache..... Wie schafft der Mann es, selbst schlimme und schlimmste Ereignisse wie pure Poesie ausschauen zu lassen? (Kind stürzt aus dem Fenster, oder Ende der Welt in "Melancholia") Die wunderbaren Sequenzen sind Kontrast und Symbiose zugleich. Auch weitere, weniger drastische Szenen sind meisterhaft und vielstsagend bildlich veredelt. Ästhetisch, stilvoll und gekonnt inszeniert. Im Einsatz unter SlowMotion effektiv in der Wirkung multipliziert.

                          Dieser von Trier hat mich nicht enttäuscht. Allein schon von der wandelfähigen Handlung her gesehen nicht. Die bewussten Provokationen und Grenzüberschreitungen im anspruchsvollen Rahmen machen den Film zu einer Herausforderung, machen ihn für mich einprägsam.
                          Und er wirkt nach. Dann war irgendetwas gut und richtig.

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                          • 4 .5

                            Naja...
                            Skandalfilm? Nein...
                            Eher eine Spur zu träge...

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                            • 8

                              Hmmm… schwierig diesen Film zu erklären. Wirklich schwierig! Ich selbst musste mir den Film mehr als ein, zweimal anschauen um alles zu verstehen und vor allem zu erkennen.
                              Da die Zusammenhänge in der Handlung nicht mit Dialogen erklärt werden sondern in der grandiosen Bildsprache, ist es wirklich nicht einfach diese deuten. Um, ich glaube, eines der wichtigsten zu nennen: Der Tod des Sohnes der Hauptprotagonisten zu Anfang des Films ist durch die Art und Weise wie es passiert ein großer Bestandteil des Filmkerns. Wie der Kopf des Teddybären aus dem verschneiten Fenster schaut, symbolisiert es die kindliche Neugier und Naivität welche kurz darauf zu Tode kommt und somit auch das einzige positive und zugleich kurzlebigste Element des gesamten Werkes ist. Als der Junge auf den Tisch klettert fallen drei Soldatenfiguren zu Boden welche die Aufschrift „Grief, Pain und Despair“ tragen. Ebenso wie die drei Bettler welche durch Tiere wie das Reh, den Fuchs und Raben veranschaulicht werden und welche auch die drei Hauptkapitel/ Gefühlstadien des Films beenden.
                              Des Weiteren ist die Szene in welcher die Frau (interessanter Weise haben die Charaktere keine Namen) mit dem Gras ins Grün verschmilzt eine Metapher für die innerliche Verschmelzung ihrer eigenen Gefühls,- Angst,- und Aggressionsumstände.
                              Ein absolut interessantes Paradoxon ist z.B die Aussage welche sich auf den ganzen Hauptteil des Films bezieht nämlich „ Die Natur ist Satans Kirche“ aber der Wald in dem sich die Handlung abspielt den Namen „Eden“ trägt.
                              Und wenn man genau hinschaut kann man am Anfang des Films die Schuhe des Kindes erkennen wie sie seitenverkehrt vor dem Bett stehen, genauso wie sie ihm von seiner Mutter immer angezogen wurden.
                              Und, und, und … Dieser Film ist viel aber keines Falls ein undurchdachtes Machwerk!!!

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                              • 8

                                Antichrist ist schon,die sogenannte harte Kost.Ich finde den Film sehenswert.
                                Es ist ein Kunstwerk,wenn auch ein sehr grausliches.Antichrist,besitzt auch eine tolle Musik,vor allem zum Schluss.Ganz im Allgemeinen,ist die Schlussszene,schon sehr ergreifend für mich,begleitet,wie gesagt mit dieser tollen Musik.
                                Ich sag`s mal so.Ein etwas anderer Horrorfilm.

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                                • 5

                                  Seit Antichrist gab es keinen Samenerguss mehr, bei dem ich nicht an Willems Blutejakulation denken musste. Danke dafür Lars

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                                  • 3 .5
                                    Teezy123 14.12.2017, 11:03 Geändert 21.12.2017, 08:26

                                    Trotz zäher Anfangsphase weiß der Film in seiner zweiten Hälfte durchaus zu unterhalten...
                                    Voraussetzung dafür allerdings ist, daß man auf die Machart solcher Filme steht.
                                    Künstlerisch wertvoll sagen die Einen... Träge sagen die Anderen.
                                    Ich gehöre da auch mehr zu den "Anderen".
                                    Gefallen hat mir, daß der Film viel mit Symbolen spielt.
                                    Weniger gefallen hat mir allerdings, daß der Film diese Symbole nicht wirklich erklärt.
                                    Die spärlichen Gewaltszenen sind zwar heftig, wirken aber durch eben diese Gewalttätigkeit oftmals iwie deplaziert.
                                    Etwas weniger die Kamera draufhalten hätte dem Film sicherlich nicht geschadet.
                                    Schauspielerisch gibt es wenig zu meckern, wobei Charlotte Gainsbourg dem guten Willem Dafoe schon ganz klar zeigt, wo schauspielerisch der Hammer hängt.
                                    Fazit: nicht meins, aber wers mag...

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                                    • 7 .5

                                      (!Nachfolgender Text enthält Spoiler!)
                                      ANTICHRIST ist mein erster Film von Lars von Trier (sollte mal am Anfang gesagt werden), weshalb ich ziemlich gespannt war. Als Teil der inoffiziellen Depressions-Trilogie des dänischen Filmemachers, befasst sich der Film mit einer anfangs erotischen Momentaufnahme aus dem Leben eines Paares, die im desaströsen Schicksalsschlag endet. Das Kind des Therapeuten und seiner Frau stürzt aus dem Fenster und verunglückt tödlich. Was danach folgt sind weitere Momentaufnahmen, die sich um den Trauerprozess der Frau und der Hilfestellung ihres Mannes drehen. Panikattacken, Nervenzusammenbrüche, unüberlegtes Handeln: Klar reißt von Trier hier Symptome für Geisteskrankheiten an, bravurös und glaubwürdig umgesetzt von Charlotte Gainsbourg. Willem Dafoe fungiert hier als Anker in dem Sturm aus negativen Gefühlen, Selbstvorwürfen und Hass der Frau und versucht sie mit einer Konfrontationstherapie im Wald Eden zu therapieren. Der Film dreht sich in einer beängstigenden Spirale Kapitel um Kapitel nach oben, hält den Tiefpunkt und Höhepunkt der kranken Frau andächtig fest. Der Antichrist ist in diesem Fall nicht der übernatürliche Gegenspieler von Gott, sondern eine Verkörperung von fleischlicher Sünde, die die Frau in sich vereint sieht. Im übertragenen Sinne könnte der Antichrist auch als psychische Krankheit verstanden werden, die den Betroffenen oft die Kontrolle über ihr Handeln und ihre Gedanken nimmt, ganz ähnlich einer Besessenheit durch einen Teufel oder Dämon. Gerade das macht den Film auch so interessant: Dieses Hin und Her, das Zugeständnis dieser Sünde und Akzeptanz in der einen Szene und Verleugnung und Verdrängung im nächsten Moment.
                                      Antichrist hat nicht viele Splatterelemente, aber die expliziten Gewaltszenen sind bewusst auf Körperregionen fokussiert, die sonst nicht mit mörderischer Brutalität und Schmerz verknüpft sind – diese Szenen sind unangenehm, zeigen alles, beschönigen nichts und zwingen den Zuschauer diesen Beachtung zu schenken. Außer der Arie Lascia ch'io pianga aus Händels Rinaldo gibt es keine musikalische Untermalung. Die Geräusche des Waldes, also der Natur, die von Trier hier besonders grausam in den Mittelpunkt gerückt wird, bilden das tonale Bett, auf dem sich dieser Kampf um einen klaren Verstand und das blanke Überleben abspielt. Der Epilog rundet das Geschehen sowohl inhaltlich, als auch künstlerisch ab und schafft ein äußert starkes Werk, das sich für eine Sichtung lohnt.

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                                        +++SPOILER***
                                        Der Prolog ist einfach nur eine ästethisch narrative Stilübung die wunderbar daherkommt und auch für sich alleinstehend ein Avantgarde Musikvideo sein könnte.
                                        Danach sind noch die mystischen Tierbegegnungen in der Natur, die ziemlich eindrucksvoll sind, aber auch nur zu dem Punkt als der Fuchs sein Maul öffnet und irgendwas dummes sagt.

                                        ANTICHRIST ist darauf ausgelegt, Welle zu machen, ein großer Skandalfilm zu sein und so in die Kinogeschichte einzugehen. Und so nimmt man einfach einen provokanten Titel, bedient sich der Nackheit bis hin zum pornographischen und paart dies mit schockierender Gewalt...das altbewährte und auch stupide Konzept um reaktionäre auf die Barrikaden zu bringen. Im Endeffekt langweilig.

                                        Mir hat der Film auch nicht wirklich zugesagt. Ich habe so meine Probleme damit wenn Filmemacher versuchen ihre Depressionen damit zu verarbeiten indem der Depression den Platz auf der Leinwand einräumen. Auf der einen Seite kann dies natürlich interessant und gut für den Kreativen sein, für mich ist das aber leider nichts. Das ist eigentlich der Hauptgrund warum ich dem Animationsfilm MARY & MAX nichts abgewinnen kann: ich kann nicht in den Depressionen anderer schwelgen, das schaff' ich nicht und will ich auch nicht.

                                        In Von Triers Fall verstehe ich die Waldgegend als seinen Geist, also das innere seines Kopfes, indem er die Schauspieler agieren lässt um das Innere im Äußeren zu manifestieren, damit es aus ihm selbst rausgeht, es ihn also verlässt. Er versucht die Depression aus seinem eigenen Ich herauszulösen.

                                        Es ist kein Verlust ANTICHRIST nicht gesehen zu haben. Das reicht als Kommentar.

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                                          "actually women are evil"
                                          and when the three characters come, everything is off...

                                          Viele religiöse stylemittel die in Antichrist aufgegriffen werden*

                                          Willem Dafoe herausragend
                                          Charlotte Gainsbourg, sie schauspielert wirklich überragend und ist sicher kein 0815 Darsteller der schnell aus dem Cast gestrichen werden könnte.. Allerdings gefällt mir irgendwas an der Frau nicht und ich komme nicht dahinter was es ist ..

                                          Antichrist als kontrovers zu sehen trifft es irgendwie nicht ganz..
                                          Natürlich explizite Nahaufnahmen eines zertrümmerten Geschlechtsteils ist deftig, aber sicher keine Ausnahme ist Filmen die sich auf ähnliche Macharten Konzentrieren und nur so am Rande erwähnt werden, als kontrovers Betitelt werden.

                                          Letztlich ist es sicher jedem seine Meinung und das sei auch jedem erlaubt sich so zu äußern wie man möchte und meine Sichtung erschließt sich aus der vielen positiven Bildern und visuellen Effekten sowie einem krassen Plot gepaart mit harten Spannungsbogen der, aber in meinen Augen nicht kontrovers ist. Dieser Film ist gut bis sehr gut mehr, aber auch nicht...

                                          Dafür fehlt es dem Film ein wenig an richtigen aha oder verstörenden Momenten die man so nicht kommen sieht..

                                          7/7 Punkten

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                                            OrdellRobbie 22.09.2017, 16:03 Geändert 22.09.2017, 18:43

                                            "Nature is Satan's church."

                                            Nach dem Verlust des Sohnes zieht sich ein Ehepaar in die Abgeschiedenheit des Waldes zurück, um von dem traumatischen Erlebnis hinwegzukommen. Doch schon bald ändern sich die Dinge schlagartig in Richtung Wahnsinn...

                                            Lars von Triers ANTICHRIST ist ein von Grund auf pessimistisches, bedrückendes und zutiefst schockierendes Filmereignis, das die gesamte (christliche) Weltsicht auf den Kopf stellt. Leben und Tod, Gut und Böse - alles vermengt sich zu einem wahrhaftigen Horror-Trip. Der Schauplatz der Depressionen, der unheimliche Wald, ist bevölkert von scheinbar toten Tieren, während das Eheleben in einem Gewaltexzess kulminiert.
                                            Vor allem ist ANTICHRIST dank Charlotte Gainsbourg ein diabolisches Machwerk, welches noch lange nachwirkt.

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                                              J.F.Lannister 20.09.2017, 02:10 Geändert 20.09.2017, 02:38

                                              Ich kann noch nicht genau sagen, was ich hier gesehen habe, aber "Antichrist" ist definitiv ein Film, der tief in das Wesen des Menschen hineinblickt und seine Urängste offenlegt. Ein billdgewaltiges und aus dem Inneren heraus verstörendes Meisterwerk, das noch nachreift.

                                              Mein Bruder durchlief in seiner Kindheit eine Phase, in der er tagelang weinend im Bett lag, weil ihm bewusst wurde, dass am Ende des Lebens jeder Mensch sterben muss. Seitdem fragte ich mich, wie sich dieses Bewusstwerden für meinen Bruder wohl angefühlt haben mag, Lars von Trier gab mir mit "Antichrist" eine Antwort. Er konfrontiert den Zuschauer auf mehreren Ebenen mit dem Tod, nur wer den Tod als Bestandteil des Lebens akzeptiert, kann wahrhaftig leben.

                                              Wenn ich im Bezug auf "Antichrist" von "Skandalfilm" lese, die Gewalt- und Sexdarstellung kritisiert und von Trier Frauenverachtung (lächerlich!) vorgeworfen wird, habe ich den Eindruck, dass es sich bei diesen Kritikern verstärkt um Mimosen handelt. Mir fallen zig andere Werke ein, die ebenso expilizit vorgehen wie hier Lars von Trier. Es scheint ein Leichtes zu sein, so einen sperrigen Film wie "Antichrist" zu kritisieren, während man stumpfe Actionfilme bejubelt, in denen Menschen zu Brei geschossen werden, oder sich harte Pornofilme zur sexuellen Erregung anschaut.

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                                                Lars von Trier ist ein Mann der sich dem Mainstream verweigert – gut, damit kann man leben. Ich fand auch sein Kinoexperiment „Dogville“ auf ne eigentümliche Art und Weise faszinierend – aber das was er hier zusammengeschaubt hat ist wirklich der übelste und gestörteste Mist den ich in Jahren gesehen habe. Das direkt die zweite Kameraeinstellung eine Penetration in Großaufnahme zeigt ist schon mal ein bombiger Einstieg eines Handlungsarmen Drecksfilms der Szenen aneinanderreiht die dem puren Wahnsinn entsprungen scheinen: da wird (immer schön in Großaufnahme) ein Penis gewichst der dann Blut ejakuliert, eine Frau schneidet sich die Klitoris mit einer Schere ab, ein verletzter liegt am Boden während ihm jemand ins Bein bohrt, ein Fuchs im Wald fängt an zu reden … und es geht weiter. Kalt lässt einen das nicht, aber ist furchtbarer Ekel das was empfinden möchte? Oder sich die Frage stellen wie ein Superdarsteller wie Willem Dafoe sich für einen solchen Dreck (auch noch freiwillig) hergeben konnte? Der Film ist ein Skandal und sollte es nicht sein. Solch einen ekelhaften Film hats lange nicht gegeben – aber er sollte auch nicht aufwertet werden indem man über ihn spricht.

                                                Fazit: Porno-Schlachtfest, auf ganzer Linie verstörend, abstoßend, sinnlos und abartig - oder ist mir was entgangen?

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                                                  Egal was man über "Antichrist" als Film denken mag, eins steht fest: Lars von Trier hat hier etwas sehr künstlerisches geschaffen, dass den meisten wohl zu undurchsichtig ist. Der Streifen isr sehr anstrengend, aber allein schon wegen dem grandiosen Spannungsaufbau und dem skandaliösen Finale lohnt es sich dranzubleiben.

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                                                    Nyarlathotep 14.05.2017, 16:06 Geändert 29.05.2017, 02:24

                                                    "Antichrist" wird glaube ich immer mein liebster Film von Lars v. Trier bleiben und somit auch mein absoluter Lieblingsfilm - wobei er sich diesen Platz wohl auch immer mit "Alien" (aus anderen Gründen) wird teilen müssen.

                                                    Zwar ist "Melancholia" unbestreitbar ein absolut gleichwertiges Meisterwerk, aber egal in welcher Stimmung ich mich befinde (beide Filme habe ich in einigem Abstand nun schon das dritte Mal gesehen), nur in "Antichrist" finde ich meine Sicht auf die Welt so stark repräsentiert, dass ich es fast nicht glauben kann.
                                                    Nur "Antichrist" schafft es jedes Mal aufs Neue, diesen bestimmten Keim der Zuversicht in mir zu sähen – dieses Gefühl zu haben, genau die Intention des Regisseurs zu verstehen und gleichzeitig verstanden zu sein.
                                                    Zwar wird "Melancholia" oft eine wesentlich optimistischere Botschaft zugeschrieben, jedoch kann ich diese Meinung so nicht unbedingt teilen.
                                                    Ich verstehe "Antichrist" nicht allein als Verarbeitung einer Depression - wie auch Lars v. Trier selbst einmal geäußert hat - sondern eher als Versuch, eine Introspektion zu schaffen, die intimstes offenbart und somit auf einer unfassbar feinsinnigen Ebene eine Verbindung zum Zuschauer knüpft, wozu für mich so bisher noch kein anderer Film in der Lage ist.
                                                    Erwähnen muss ich zudem noch, dass Lars v.Triers Filme keineswegs frauenfeindlich sind, sondern für mich sogar im Gegenteil eine absolute Liebeserklärung an die Weiblichkeit darstellen! Viele scheinen einfach die (zugegebenermaßen wundervoll versteckte) Ironie in seinen Filmen nur einfach nicht zu erkennen...
                                                    Er ist für mich ein unglaublich sensibler Künstler, der darüber hinaus eine Liebe zur Hässlichkeit pflegt und sich absolut darüber im Klaren ist, wie wenig Schönheit und Glück ohne selbige existieren könnten - denn Gott und der Teufel, das ist im Grunde ein und dasselbe.

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