Asphaltgorillas - Kritik

Asphaltgorillas / AT: Gorillas

DE · 2018 · Laufzeit 103 Minuten · FSK 12 · Kriminalfilm, Thriller, Drama · Kinostart
Du
  • 8 .5

    Einem in vielen Kritiken genannten Punkt kann ich mich anschließen: "Asphaltgorillas" schafft es, sich zielsicher zwischen alle herumstehenden Zielgruppen-Stühle zu setzen:

    - für das Arthouse-Publikum zu hip und schrill und es fehlt das "ernste" Thema
    - für das Popcorn-Publikum zu kompliziert und selbstironisch
    - für Frauen zu düster und - verbal wie physisch - zu brutal (da hilft leider auch all das Neon-Pink nicht)
    - für Männer zu viel Gequatsche und vielleicht auch zu "ehrenrührig"

    Nicht falsch verstehen; ich persönlich finde es spannend, wenn Filme eine herausfordende Mischung bieten oder sich sogar jeder Kategorisierung entziehen. Aber das (deutsche?) Kinopublikum will sich halt lieber in sicheren "sowas-gefällt-mir-immer"-Bahnen bewegen und so geht die Rechnung "für alle was dabei" leider meist als "interessiert keinen so richtig" auf. Und wenn noch die drölfzigste, immer hirnloser und hirnloser zu konsumieren werdende Schweiger/Schweighöfer-Komödie Hunderttausende ins Kino zieht, braucht man sich nicht zu wundern, wenn man auch noch die einunddrölfzigste vorgesetzt bekommt und ungewöhnlichere Filme letztlich auf der Strecke bleiben.

    So, nachdem ich das losgeworden bin: Ich habe richtig Spaß gehabt mit den "Asphaltgorillas"! Der Film hat - mit einer Ausnahme - alles geliefert, was der Trailer versprochen hatte. Die eine Ausnahme ist das Tempo, das im Trailer natürlich extrem hoch ist und den Film vergleichsweise gemächlich erscheinen lässt. Aber es ist wahrscheinlich auch unfair bis unmöglich oder sogar unerträglich, ein Stakkato von zwei Minuten auf gut eineinhalb Stunden hochzuskalieren.

    Was die Schrägheit und das Chaos betrifft, wurden meine Erwartungen aber voll erfüllt. Ein herrliches Durcheinander schaukelt sich da immer weiter hoch, trotz bzw. sogar wegen aller Schritte, die unternommen werden, um die Sache noch irgendwie zu retten. Dabei wirken die Handlungselemente aber nicht krampfhaft konstruiert oder beliebig zusammengeworfen, sondern schlüssig ineinandergreifend und aufeinander aufbauend.

    Gewürzt ist das Ganze noch mit wunderbaren Abstrusitäten - mein persönliches Highlight waren die Monchhichis - und skurrilen, überdrehten und dennoch in ihrem Kern (durchaus im negativen Sinne) menschlichen Figuren. Da ist keiner unglaubwürdig-urböse um des Böseseins Willen, sondern ihr Handeln ist nachvollziehbar. Zu überzogen fand ich aus der irrwitzigen Truppe lediglich das dunkelhäutige Mädel; das war doch extrem anstrengend, wie sie da immer völlig hysterisch rumgeschrien hat.

    Gefallen hat mir auch der Humor. Oft bewegt er sich auf einem Grat, dass man sich nicht sicher ist, ist das jetzt "ernst gemeint" oder ironisch? Hoch anzurechnen ist dem Film auch, dass er, obwohl er das Thema Sexualität nicht ausspart und die Sprache oft derb und deftig ist, nie in Vulgarität oder die Gefilde der primitiv-pubertären Gürtellinie-Albernheiten abruscht.

    Nein, ich habe den vollgekoteten (ja, man kann auch das vornehm ausdrücken...) Lamborghini nicht übersehen. ;-) Beim Vorab-Teaser dachte ich auch noch, au weia, was für ein billiger Exkremente-Gag. Aber die Szene hat mich im Film letztlich kaum gestört, da sie kein Selbstzweck, sondern integraler Teil der chaotischen Handlungspirale ist und man sie auch als beabsichtigte, ultimative Überspitzung des Fäkalhumors verstehen kann.

    Zu den Darstellerleistungen findet sich in Kritiken ja auch alles vom allerhöchsten Lob bis zum totalen Verriss. Ich fand alle mindestens soweit in Ordnung, dass es mich nicht aus dem Film herausgerissen hat, inklusive der wohl in erster Linie wegen ihres Hipness-Faktors besetzten Nicht-Schauspieler/innen (unterstützt sicherlich dadurch, dass ihre Rollen nicht sonderlich komplex waren bzw. sie teilweise quasi sich selbst spielten) und auch Stefanie Giesinger nebst Akzent (die mir übrigens vorher gar nichts sagte und gegen die ich dementsprechend auch keine Antipathie hegen konnte). Als kleine Irritation habe ich die in meiner Wahrnehmung nicht immer natürliche Sprachmelodie von Ella Rumpf empfunden, was mit ihrem Herkunfts-/Ausbildungshintergrund zu erklären sein könnte.

    Am anderen Ende der Skala hat mir Georg Friedrich am besten gefallen, der als überdrehter, schillernder Ganove voll in seinem Element wirkt. Jannis Niewöhner beweist, dass er nicht nur ernst und dramatisch kann und sogar eine hochgradig schleudergefährdete Figur wie Franky nicht aus der Kurve fliegen lässt. Lediglich einige, interessanterweise eher "ruhigere" Momente sind ihm nicht so gelungen. Ein kleiner heimlicher Star ist außerdem Oktay Özdemir als herrlich-dämlicher Kleinganove, der völlig verpeilt durch das Chaos stolpert und am Ende am ungeschorensten und vielleicht auch am zufriedensten daraus hervorgeht.

    Mit einem Kurzfilm, in dem Oxana und Franky Platon suchen, wäre ich übrigens ad hoc d'accord! *g*

    Zum Thema Platon kann ich mir allerdings noch das hier nicht verkneifen: Es ist mir klar, dass es sich für das Haustier eines russischen Oligarchen "so gehört", aber der Tag kann nicht früh genug kommen, an dem es unmöglich ist, einen kupierten Dobermann (oder eine andere verstümmelte Hunderasse) für Filme zu finden. Man kann die Erklärung zum Schluss des Abspanns, dass alle Tiere gut behandelt wurden, schon fast als zynisch empfinden, wenn eines der Tiere am Anfang seines Lebens so gequält wurde... Natürlich kann das Filmteam nichts direkt dafür, aber durch die Wahl des Tieres wird der "gewohnte" Anblick dieser Rasse befördert. Und dabei sind Dobermänner so viel schöner, wenn alles drangelassen wurde!

    1
    • 5 .5

      Romantische Komödie um einen verschwundenen Hund und ein beschissenes Auto.

      1
      • 4

        [...] Mit Asphaltgorillas meldet er sich nun nach dem Exil im Kinderfilm direkt mit einer Gangsterrap-Ganoven-Posse aus den Straßen Kreuzbergs zurück. Kontrastprogramm, auch und vor allem das zeichnet Buck aus und lässt hoffen, dass er den Spagat wieder mit einer gehörigen Portion Chuzpe hinbekommt. Tja, und dann machste‘ dicke Backen. Denn Asphaltgorillas ist über weiter Strecken tatsächlich kaum mehr als Affentheater, dessen Intention als skurril-überspitze Szene- und Genre-Satire klar zu erkennen ist, die nur leider oftmals überhaupt nicht funktioniert. [...] Manche bewusst überstilisierten Action- und Gewaltszenen könnten aus aktuellen Hollywood-Produktionen stammen und sind klar dort angelehnt (Hallo, John Wick), dazu alles unterlegt mit einem interessanten Soundtrack-Mischmasch aus prolligem Gangsterrap und kratzigem Electro. Damit hebt sich der Film klar von der Masse ab und wenn das wahrscheinlich geplante Vorhaben - nämlich das Genre mit scharfzüngigem Schalk sich selbst auf’s Korn nehmen zu lassen - dank eines pfiffigen, anarchischen Drehbuchs aufgehen würde, dann wäre das unter Umständen ein außerordentlich feiner Film. Das Resultat ist maximal halbgarer Kasperkram, der seine zwei bis drei wirklich amüsanten Szenen unter viel lauter, genuschelter und manchmal im wahrsten Sinne des Wortes affig gespielter Parodie-Pampe vergräbt, bei der man sich vereinzelt die Frage stellt, ob Detlev Buck seinen trockenen, punktgenau-pointierten Biss mit den Jahren eingebüßt hat. Hoffentlich nicht, es wäre ein herber Verlust. [...]

        16
        • 5 .5

          #metoo dachte sich vielleicht Detlev Buck ("Bibi & Tina 1-4"), als er "John Wick", "Wolf of Wall Street" (Jannis Niewöhner als Leonardo Di Caprio), "Pain & Gain" und praktisch alles von Quentin Tarantino in einen Topf schmiss. Leider erzählt er seine Berliner Gangsterfarce sehr hektisch und die Geschehnisse wirken doch arg böse konstruiert. So fällt in dem auf einer Kurzgeschichte von Ferdinand von Schirach basierendem Film nur die mich in "Tiger Girl" noch verschreckende Ella Rumpf positiv auf.

          1
          • 4
            Murxist 03.09.2018, 22:54 Geändert 07.09.2018, 08:53

            Bucks Versuch, neonglänzende Cinéma-du-Look-Synthetik und brutalistisches Referenzkino à la Tarantino zu einem romantisch-burlesken Berliner Gangsta-Buddy-Noir-Märchen zu verschmelzen, scheitert nicht am Abfeiern von Storyklischees, Figurenstereotypen oder Gefühlssimulationen, sondern an grenzdebilen Dialogen, linkischen Drehbuchkonstruktionen und heillos überforderten Darstellern – einzig der grandiose Georg Friedrich läßt etwas von den besseren Möglichkeiten dieses fehlgeschlagenen Vorhabens ahnen.

            3
            • 8

              Ein herrlich verstrahlter Film, der Genre-Klischees gleichzeitig liebt wie auch bricht und sich selbst zwar genug, aber nicht bis ins Letzte ernst nimmt. Zeitweise ultra-stylish, zeitweise grenzwertig (aber bewusst) am Rande der Farce und bis zur Hutkante voll mit Neonlicht. Nach 30 Jahren Selbstfindungs-, Betroffenheits- und Historien-Dramen wäre es wirklich schön, wenn wir mal mehr derart absurden Hochtempo-Irrsinn aus hiesigen Landen bewundern dürften.

              12
              • 4 .5
                Framolf 02.09.2018, 04:05 Geändert 02.09.2018, 04:07

                Style over everything else over substance...

                Wenn man die Geschichte in wenigen Sätzen zusammenfasst, klingt sie gar nicht mal so schlecht.

                ++ SPOILER ++
                Ein Aufschneider wird vom Vater seiner Freundin Geld für den Kauf einer Wohnung in Aussicht gestellt. Von diesem Geld möchte er sich zwei Millionen Dollar Falschgeld kaufen und damit dann weitere Geschäfte abwickeln. So weit, so gut. Nur leider nimmt der Vater das Geld dann doch selbst mit nach London, um dort eine andere Wohnung zu kaufen und Möchtegerngangster Frankie kommt dadurch arg in die Bredouille - und reißt seine angeworbenen Handlanger regelrecht mit in einen Strudel aus Gewalt und Verbrechen.
                ++ SPOILER ENDE ++

                So weit, so gut. Nur leider wirkt eine Vielzahl einzelner Szenen richtiggehend albern - fast so als wären sie von einem 13-Jährigen geschrieben worden. (SPOILER: Der Überfall auf die Kokaindealer spricht in dieser Hinsicht Bände - um nur ein Beispiel zu nennen. SPOILER ENDE).

                Die Bilder sehen dabei größtenteils gut gestylt aus und Regisseur Detlev Buck hat einige gute Ideen mit im Gepäck. Leider verhageln jedoch ein paar schwächere Szenen sowie einige der Darsteller die guten Eindrücke deutlich. Ein gutes halbes Dutzend der Schauspieler überzeugt mit guten oder zumindest soliden Leistungen, der Rest fällt (zum Teil sogar ganz extrem) ab.

                Fazit: Deutscher Actionthriller mit einigen sehr guten Ansätzen, wenn auch mitunter etwas zu gewollt. In technischer Hinsicht (Kamera, Schnitt etc.) gut, bei den Darstellern etwas Licht und viel Schatten und das Drehbuch mit einigen sehenswerten Einfällen, aber auch mit so manchen grenzwertigen Kapriolen.

                17
                • 5 .5

                  Asphaltgorillas hat doch schon echt Unterhaltungswert. Wenn Du locker und unbeschwert im Kino sitzt hast Du an der doch " hanebüchende" Story richtig Spaß. Den Film einzuordnen fällt schwer Slapstick Gangster oder sowas !
                  Trotzdem ist Er irgendwie doch witzig und nicht langweilig .

                  1
                  • 5

                    Letztlich stolpert Asphaltgorillas über ungebremste Albernheit.

                    • 4

                      Ein echter Jungs-Film [...], der sich die ganze Zeit gorillamässig auf die Brust trommelt und brüllt: Mensch, bin ich lässig. Mensch, bin ich cool.

                      • 6

                        Eine Posse kann Spiegel der Gesellschaft sein, doch Detlev Buck bemüht sich nicht darum.

                        • 4

                          Diese Gorillas sind einfach nur handzahm.

                          • 6

                            Die Verfilmung einer von Schirach-Kurzgeschichte als »Bibi und Tina«-Kontrastprogramm: ein flottes, aber auch nicht sonderlich originelles Mash-up bekannter Motive aus Mafiakino und Chaoskomödien, »Hangover«-Irrsinn meets Tarantino-Gewalt in einer Buck-Version von Kreuzkölln. [Anke Sterneborg]

                            • 7

                              Detlev Buck hat mit den Asphaltgorillas einen fulminanten Ganoven-Thriller inszeniert.

                              • 6

                                Der Titel klingt komisch, der Film ist es auch. Manchmal. „Asphaltgorillas“ ist eine eigenwillige Mischung verschiedener Genres, abgründig und gleichzeitig lustvoll überdreht. Das macht Spaß, ist aber auch anstrengend und lässt einen ebenso ungläubig staunend wie verwirrt zurück, was das eben eigentlich war.

                                • 4

                                  Dass Buck das Milieu der Straße porträtieren kann, wenn auch in ernsten, realistischen Tönen und Farben, hat er in Knallhart eindrucksvoll bewiesen. In Asphaltgorillas hingegen ist alles nur hohler Schein.

                                  • 7 .5

                                    Asphaltgorillas ist eine irrwitzige Erfahrung [...].

                                    • 7

                                      Detlev Buck im Berliner Gangstermilieu - wie habe ich mich auf "Asphaltgorillas" gefreut. Es ist ein absolut spaßiger, unterhaltsamer Film - leider ist er nur manchmal etwas zu bemüht cool. Aufgrund der hohen Erwartungshaltung war es dann doch nicht das so gewollte / erwartete Sahnestück, auch wenn es keine ganz herbe Enttäuschung wurde. Die Klischees sind klasse, der Soundtrack ist mega und er macht Spaß - das reicht für einen wirklich tollen Film. Aber so ganz gezündet hat er leider nicht. Vielleicht verhält es sich wie mit so vielen anderen deutschen "Kultfilmen" (Lammbock, Bang Boom Bang,...) - je öfters man ihn anschaut umso besser wird er...Ganz aufgegeben hab ich "Asphaltgorillas" also noch nicht...

                                      2