Auschwitz - Kritik

Auschwitz

CA/DE · 2011 · Laufzeit 70 Minuten · FSK 12 · Dokumentarfilm, Drama
Du
  • 3 .5

    Das wichtigste ist wohl die gute Absicht: Uwe Boll wollte das ganze Auschwitz Thema auf den kleinsten Nenner runter rechnen, zeigen was dort geschehen ist. Zeigen, daß dort eine Maschine lief, Menschen dort angeliefert wurden, ermordet wurden, daß es dort keine Helden, keine guten Sachen gab, nichts was das filmische Bild davon gerne zeigt. Verstärkend dagegen gehalten sind Interviews mit Schülern die von der ganen Thematik rein garnichts zu wissen scheinen – man muß sich nur fragen ob wirklich alle Schüler so dumm waren wie gezeigt oder ob das an der Stelle nur effektiv zusammengeschnitten wurde. Ebenso bestehen die grausamen Auschwitz Szenen wohl nicht eine exakte Prüfung durch Historiker – ich selber hörte mal einen der den Film aufgrund zahlloser inhaltlicher Fehler restlos zeriss. Kann mich aber trotzdem nicht von der Wirkung freisprechen – die gezeigten Szenen hätte man vielleicht handwerklich sauberer angehen können, schöner wären sie dadurch nicht geworden.

    Fazit: Wohl kein sehr guter Film, aber mit einer sehr guten Absicht dahinter.

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      "Auschwitz" versucht viel, und geht letztlich an seiner eigenen voyeuristischen Ader zugrunde. Mit einer subtilen Auseinandersetzung mit dem Thema hätte aus diesem Film eine interessante Geschichts-Doku werden können. Stattdessen macht Herr Dr. Boll einen effekthascherischen Torture-Porn daraus, reduziert auf die teils drastische Gewaltdarstellung. Zudem erweckt die Befragung der Jugendlichen zu Anfang des Filmes ein falsches Bild der heutigen Generation. Dies entspricht nicht dem tatsächlichen Bildungsstand der jungen Deutschen, sonder höchstens einen kleinen Anteil eben dieser.
      Positiv hingegen fällt mir die Kulisse des Filmes auf, die auch zur teils dichten Atmosphäre des Filmes beiträgt. Außerdem muss ich ehrlich sagen, dass die Schauspieler, dafür, dass es Amateure sind, eine annehmbare Performance abliefern.

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        Als Darstellung, der Banalität, der Vorgehensweise wie es im KZ Auschwitz so ablief, bei weitem nicht so schlecht wie die Bewertungen es hier vermuten lassen. Ist halt ein Film der dokumentarisch zu betrachten ist.

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          SpiceWeasel 21.03.2018, 17:29 Geändert 21.03.2018, 17:32

          In Lucio Fulci´s "Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies" gibt es eine kultig brutale Szene in der sich ein Holzspan ganz langsam in den Augapfel von einer armen Frau bohrt und ich denke diese schmerzhafte Erfahrung ist immer noch ein angenehmeres "Sehvergnügen" als dieses Machwerk zu schauen.

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            TeaDynamo 20.02.2018, 01:19 Geändert 20.02.2018, 01:35

            Dass Nichtfilme und Pseudodokumentationen - wie hier "Auschwitz" - regelmäßig produziert werden, ist nicht weiter verwunderlich. Dass diese dann aber von Lehrern als Unterrichtsmaterial ausgewählt und ihren Schülern präsentiert werden, lässt einem das Blut gefrieren.

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              An Widerwärtigkeit und voyeuristischer Menschenverachtung nicht zu überbieten. Filmischer Müll.

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                Absolute Zeitverschwendung...der erste und letzte Film von Boll...

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                  Schwierig, schwierig.

                  Haben den vor Jahren im Geschichtsunterricht unter der Prämisse der Möglichkeit, den Raum verlassen zu können, angeschaut.

                  Der Film ist ohne Zweifel dafür geeignet, als Schocktherapie insbesondere jungen Leuten die Brutalität und Unfassbarkeit der industriellen Massentötungen während des 2. Weltkriegs vor Augen zu führen. Auch wenn nicht wenige von den Bildern ein wenig traumatisiert waren und von der Möglichkeit, sich dem ganzen zu entziehen gerne Gebrauch machten. Er war also durchaus brauchbar, um "die Augen zu öffnen".

                  ABER da ist auch einiges an Kritik. Da wären vor allem:
                  1. Natürlich gibt es etliche Schüler, die so ungebildet sind wie die im Vorspann gezeigten. Dennoch gibt das nicht mal ansatzweise einen Querschnitt der hiesigen Jugend wieder und erweckt daher ein völlig falsches Bild. Dies merkt man ja schon daran, dass am Ende ein ganz anderes Klientel an Jugendlichen gezeigt wird, die schon ein viel höheres Maß an Information besitzt.
                  2. Viele Darstellungen sind einfach überzogen und teilweise unnötig und dienen einzig und allein der Sensationsgeilheit des Publikums.
                  3. Boll versucht sich teilweise an philosophischen Fragestellungen wie Schuld, diese haben jedoch in diesem Film keinen Platz. Das wirkt sich nicht gerade positiv auf das Gesamtwerk aus.

                  Schauspielerisch gibt man sich oft nicht gerade dezent, man drückt dem Zuschauer Emotionen und Gedankengänge der Figuren oft direkt auf die Nase - ist aber bei manchen bestimmt auch nötig.

                  Ohne eine ausführliche, objektive und historisch korrigierende Nachbesprechung sollte dieser Film keinesfalls im Unterricht gezeigt werden. Ich weiß aber auch gar nicht, ob eine solche Nutzung von Boll beabsichtigt war.
                  Trotz aller Kritik, die ich auch hier nur mal angeknackst habe, bin ich froh, dass dieser Film produziert wurde. Inwiefern er sinnvoll genutzt werden kann, ist vom Umgang damit abhängig.

                  Aber irgendwie mag ich Uwe auch als Person.

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                  • 7 .5

                    Ich bin kein großer Uwe Boll Fan, bin mir aber sicher, dass dieser Film gemacht werden musste.
                    Gemacht werden für die, die im Vorspann schon zeigen, dass ihnen nicht klar ist, was da geschah.
                    Gemacht werden für die, die sagen, wir haben doch heute nichts mehr mit damals zu tun.
                    Und gemacht werden für die, die behaupten, wir trügen heute keine Schuld mehr an den damaligen Geschehnissen.
                    Natürlich nicht. Aber wir haben die Verantwortung, dass es nie wieder geschieht. Und eine Verharmlosung oder das Vergessen der damaligen Geschehnisse ist das schlimmste, was damit passieren kann.

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                      Schon lange keinen Hassfilm mehr gehabt, aber dieser Drecksstreifen hat es definitiv verdient. Gott sei dank "nur" 70 Minuten meiner Lebenszeit verschwendet.

                      Eigentlich müsste ich bei Boll mittlerweile schon einen Tag meiner Lebenszeit einklagen.

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                        Das ist doch vieles, aber kein Film ...

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                          Dieser Film ist schlecht, aber nicht so schlecht, dass er eine Wertung von unter 2 Punkten verdient. Die Dummheit der Kinder vorm wirklichen Film ist natürlich kaum zu ertragen, dafür brilliert Uwe Boll als Akteur ♥

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                            Für den Schulunterricht eventuell brauchbar, als Film regelrecht garnicht. Alleine die Schüler, die kaum was aus der Zeit wissen, ist sehr traurig. Ob es gewollt war, dass er sich solche ausgesucht hat, die einfach dumm antworten weiss man nicht. Aber man könnte es so deuten, dass er Sonderschüler interviewt hat...

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                              Uwe Boll dreht einen Film und der Kritiker meistens am Rad. Auch (oder vor allem) viele negative Rezensionen musste er für seinen Film "Auschwitz" ertragen, der eine Mischung aus Spielfilm und Reportage darstellt.
                              Das Ziel, das Boll sich setzt, ist dabei absolut lobenswert: Man solle Auschwitz nicht vergessen und er wolle die Geschehnisse darstellen, so, wie es wirklich war. Dabei, das ist ihm wichtig, verzichtet er auf Haupt-, oder gar Heldenfiguren und stellt in seinen Spielfilmszenen den Schrecken des Konzentrationslagers in den Mittelpunkt. Menschen werden mit dem Zug gebracht und getötet, während die nächsten Opfer bereits schon eingetroffen sind. Es ist ein düsterer Alltag, ohne Lichtblicke oder Momente der Hoffnung. Zwischendurch unterhalten sich zwei Soldaten über allerlei Banalitäten; das Ausbleiben einiger Lieferungen beispielsweise oder das zu erwartende Baby eines Offiziers. Es zeigt die Täter, ohne schlechtes Gewissen, während ein paar Meter weiter dutzende von Menschen qualvoll ersticken.
                              Das ist stark von Boll inszeniert, der hier ohne großes Budget die Sinnlosigkeit der Tode und die erschreckende Nichtbeachtung der Täter im Bezug auf die Opfer darstellt.
                              Kühl, düster und humorlos - das ist die Atmospähre, die Boll aufbaut und auch Bilder von in Zeitlupe erschossenen Babys zeigt, die andere Regisseure gar nicht erst gedreht hätten. Das ist vielleicht schwer zu ertragen, aber ehrlich - auch wenn der von Boll angegebene Grund "er wolle mit diesen Bildern Spannung erzeugen" völlig daneben ist. Hoffen wir, dass er das nicht ernst meinte und die Szenen als ehrliches und stilistisches Mittel einsetzte, denn so finden sie durchaus ihre Berechtigung.
                              Das der Film nicht ins Absurde kippt liegt zudem auch an den guten Darstellern, die nur wenige Szenen haben, in diesen aber voll überzeugen können.
                              Was den Kunstfilm daran hindert, letztendlich ein richtig guter Film zu sein, ist dann aber doch der fehlende Plot. Auf den verzichtet Boll zwar mit Absicht, aber man braucht eine Story und einige Charaktere, um mit mehr Substanz durch die Oberflächlichkeit dringen zu können. Und während der erste Abschnitt, der aus Interviews mit Hauptschülern, die erschreckend wenig über Auschwitz wissen, besteht, ja noch durchaus Sinn ergibt, so ist der letzte Teil sinnlos und unnötig. Hier werden dieses mal Gymnasiasten, die deutlich mehr Ahnung haben, befragt. Aber was soll das? In einer völlig beliebigen und sinnlosen Reihenfolge werden hier Vergleiche mit anderen, noch heute existierenden Massenmorden-, und Kriegen gezeigt. Damit möchte Boll wohl andeuten, dass auch heute noch ähnlicher Schrecken herrscht, aber das ist viel zu umständlich in Szene gesetzt und hat mit dem eigentlichen Ziel des Films auch nicht mehr wirklich was zu tun. Stattdessen macht sich Langeweile breit und die fehlende Länge des Streifens wird hier offensichtlich durch irgendwelche Kommentare der Schüler gefüllt.
                              Nichtsdestotrotz ist der Film als Gesamtwerk durchaus anzuerkennen und keinesfalls so schlecht, wie von Vielen dargestellt. Mit einem geringen Budget holt Boll das bestmöglichste heraus - auch wenn das Prädikat "überragend" keinesfalls erreicht wird. Der Film ist eher "gelungen" und verbreitet den nötigen Schrecken. Um wirklich "aufklärend" zu sein, fehlt hier jedoch die historische Treue zum Detail und eine dramatische Geschichte mit dramatischen Hauptfiguren. Klingt plakativ, sollte manchmal aber eben durchaus so sein.

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                                Wieder so ein gescheitertes Kunstprojekt das die fetten Deutschen aufrütten soll, sicher sehr tragisch und brutal das ganze da in Auschwitz und so aber doch nichts was ich als Filmunterhaltung sehen will oder? Null Action und Null Humor. Ne bissige Satire über den Führer , das wäre mal was an dem sich Boll versuchen sollte, das würd ihm sicher liegen. Helge Schneider hat das auch gut hinbekommen und da steht er locker mit auf einer Stufe als Künstler.

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                                  Mir fehlen die Worte.... einfach nur krass...

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                                    Niedlich89 16.04.2016, 00:42 Geändert 16.04.2016, 00:45

                                    Eigentlich scheitert Boll am eigenen Anspruch: Schonungslose Darstellung eines Vernichtungslagers bedarf keiner billigen Blur-, Überblend- oder gar Zeitlupeneffekte. Ebenso wenig "dramatischer" Musik. Trotzdem fühlte sich das, soweit man das beurteilen kann, realistisch an, da es tatsächlich keine hervorstechenden Personen oder hochtrabenden Dialoge gab. Trotzdem hätte man die beiläufigen Dialoge besser vertonen müssen. Bis auf den sogar ziemlich gut gelungenen im Edelmetall-Sortierraum kam da nicht viel KL-Alltagsprech rüber. Ein Einblick in die Köpfe der Lagerlogistik ergibt sich nicht.

                                    Die Verzweiflung der Todgeweihten hingegen war recht gut spürbar, sowohl im Zug und bei der Selektion als auch bei der Vergasung - allerdings weiß ich nicht genau, ob sich mein Magen nun wegen der Szenen selbst, oder eher wegen der "naturgetreuen" Leiber so zusammenzog. Wie auch immer, es wirkte jedenfalls nicht lächerlich. Dass es in den Reihen der Verurteilten allerdings so ruhig zuging, kann ich mir fast nicht vorstellen.

                                    Und Boll als KL-Wärter? Irgendwie ... passend.

                                    Ich erwartete nicht viel, jedenfalls finde den Ansatz, einen pathosfreien Vernichtungslager-Film zu drehen, lobenswert. Aber nicht so billig. Die Interviews mit den Schülern habe ich mir gespart, ich hasse Jugendliche auch so schon.
                                    Schauempfehlung für jeden, der wissen möchte, wie Selektion und Vergasung abliefen, aber die nüchterne Betrachtung des Lagers im vollen Umfang ist es nicht, oder nur sehr unzureichend.

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                                      Ich kann ja verstehen, dass Boll hier tatsächlich die Schrecken des Holocausts realistisch darstellen wollte. Aber er entwickelt in diesem Film absolut kein Feingefühl für diese Thematik und liefert nur kontroverse Szenen ab. Keine Handlung, keine Emotionen. Ein echter Fehlschlag.

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                                        Selten wurde der Terror und Horror Auschwitz so intensiv, so lebendig und packend verarbeitet.

                                        Ein überragendes Meisterwerk, dass seinesgleichen sucht und ich dachte bisher immer, dass Shoah, Night and Fog oder Polanskis Der Pianist den Ton in der Holocaust-Thematik im Film angeben.

                                        Danke Uwe ❤️

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                                          Aha 1944 konnten soldaten urlaub beantragen
                                          ja klar mein gott das glaubt er doch nicht selber
                                          da war es sogar verboten seine arbeit zu kündigen

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                                            ernsthaft ?????????

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                                              Martin Canine 03.01.2016, 15:47 Geändert 03.01.2016, 15:56

                                              (Enthält SPOILER)

                                              Das Problem an Uwe Bolls "Auschwitz" resultiert in erster Linie aus einer Mischung von geringem Budget, einer fragwürdigen Dramaturgie und überschäumenden Plakativität, dem Regisseur aber vorzuwerfen, er würde die Gewalt in seinen Filmen voyeuristisch aufziehen, ist, so bin ich mir sicher, eine der größten Fehlinterpretationen der letzten Jahre, nebst dem angeblichen Sexismus von 'Sucker Punch'. Und ja, ich bin mir der Tatsache bewusst, dass ich mich damit zur Zielscheibe mache, hier das kontroversiell diskutierte Beispiel von Zack Snyder gleich zu Beginn anzusprechen.
                                              Wobei ich durchaus einen hohen qualitativen Unterschied zwischen diesen beiden Filmen sehe.
                                              Denn vor Allem ist "Auschwitz" unsauber und hart inszeniert, was vor Allem dem Budget geschuldet ist.

                                              Der Film lässt sich schön in mehrere Abschnitte unterteilen. Zuerst gibt es eine Einleitung von Uwe Boll, der schildert, weshalb er diesen Film gedreht hat. Er meint, er habe feststellen müssen, wie wenige Leute wirklich wüssten, was im Holocaust passiert ist, und dass es ihm ein Anliegen war, diesen Film zu drehen, um ihnen zu zeigen, was damals wirklich vor sich ging. Es folgt eine Reihe von Interviews mit Hauptschülern, die Boll zum Thema 2. Weltkrieg, Holocaust und generell drittes Reich befragt. Die Antworten polarisieren hierbei, sodass manche von auswendig gelernten Phrasen und falschen Vorstellungen strotzen, während sich andere engagiert und differenziert mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben scheinen und das 3. Reich auch mit manch heutiger Sachlage in anderen Ländern ordentlich begründet vergleichen und kontrastieren können.
                                              Es folgt ein etwa 35 minütiges Spielfilmsegment, bei welchem Fragmente eines KZ-Alltags gezeigt werden. Juden werden mit dem Zug eingefahren, ausgezogen und vergast. Arbeiter schneiden den Leichen die Haare ab, ziehen ihnen die Zähne und "entsorgen" sie im Ofen. Die Kleidung wird eingesackt. Zu kleine Kinder werden erschossen. Ein Dialog zwischen 2 Offizieren zeigt, dass die Verantwortlichen dies eher als gewöhnlichen Beruf sehen.
                                              Nach diesen einzelnen Szenen geht es weiter mit den Interviews, immer wieder unterlegt mit Originalaufnahmen aus den KZs, bis Boll den Film abmoderiert und der Abspann einsetzt.

                                              "Auschwitz" ist mein viertes Aufeinandertreffen mit Uwe Boll. Keines davon fiel zur Gänze negativ aus und wurde seinem miesen Ruf gerecht. Sowohl 'Rampage' als auch 'Assault on Wall Street' halte ich für grandiose und geniale Filme, perfekt inszeniert und geschrieben, wenngleich inhaltlich radikal, aber sicher nicht unintelligent. 'Alone in the Dark' ist in meinen Augen seelen- und lieblos, aber rein handwerklich solide. Ich verstehe aber das Betrübnis vieler Fans, die sich eine ambitionierte Umsetzung ihres Lieblingsspieles erhofften. Tatsache ist, Boll interessiert sich nicht für Games, aber durch Leinwandadaptionen bekannter Spielereihen lässt sich Geld verdienen, durch welches er seine Herzensfilme finanzieren kann. Was passiert, wenn man ohne Budget einen Film mit sensibler Thematik drehen will, sieht man hier.
                                              "Auschwitz" ist nun wirklich ein No-Budget-Film, was für dieses Thema sicherlich nicht gerade der beste Grundstein ist. Er hat aber wohl das gemacht, was er am Ehesten konnte.

                                              Viele sehen in der detaillierten Bebilderung der Holocaustszenen eine Ästhetisierung der Gewalt. Jedoch liegt darin nicht Bolls Absicht. Eher wollte er im Zuseher ein Gefühl von Abscheu hervorrufen. Die Gewalt wird nicht zelebriert, nein, sie wird so hart gezeigt, dass uns das Kotzen kommen müsste. Boll sagt ja, dass sich viele wohl der Ausmaße des Holocaust nicht bewusst sind, und dass er diesen Personen vermitteln will, wie grausam es war. Ob sein Verdacht bezüglich der geringen Allgemeinbildung stimmt oder nicht, sei dahingestellt, er erfüllt das, was er wollte, recht ordentlich. Sofern es ihm ohne Budget möglich war. Da muss er schonmal auf CGI zurückgreifen. Anhand der restlichen Inszenierung ist jedoch erkennbar, was er eigentlich damit bewirken wollte. Häufig wurde die Verwendung von Zeitlupe angekreidet.
                                              Zeitlupe ist aber nicht gleich Zeilupe. Super Slow Motion gilt seit jeher als ein ästhetisierender Kunstgriff. Bereits zu Zeiten von Leni Riefenstahl bishin zu modernen Werken wie 'Matrix' oder '300' stand diese Technik für Stil und Faszination.
                                              Die hier verwendete Zeitlupe ist jedoch nicht Super Slow Motion, sondern Bild-für-Bild-Zeitlupe. Besonders gerne verwendet für traumatische Erlebnisse oder verstörende Momente. Man denke an die Eröffnungsszene von 'Der Elefantenmensch' oder die Rückblende an Lily und James' Ermordung im ersten 'Harry Potter'-Film. Boll verwendet in "Auschwitz" ausschließlich letzteres. Und er ist sich dem Unterschied dieser Techniken bewusst, er hat sie schon in anderen Werken entsprechend eingesetzt.

                                              Francois Truffaut meinte einst, ein Antikriegsfilm wäre unmöglich zu inszenieren, da er immer aufregend anzusehen wäre. Sollte man es deswegen nicht versuchen? Und wenn selbiges für Antiholocaustfilme gilt, sollte man diese auch nicht versuchen, zu drehen? 'Nacht und Nebel', 'Schindlers Liste', 'Das Leben ist schön'?
                                              Ich persönlich fand die Szenen in "Auschwitz" abstoßend. Damit sollte Boll doch das erfüllt haben, was er wollte? Ich frage mich ernsthaft, ab welchem Zeitpunkt es als gewaltverherrlichend galt, grausame Gewalt zu zeigen? Sollte solche Brutalität nicht eher abschreckend und schmerzhaft wirken? Natürlich wird es immer jemanden geben, der Brutalität auch im realistischsten Kontext abfeiert, auf solche Leute zielt der Film jedoch nicht ab. Es wirkt hier vielleicht alles etwas streng, aber so ist nunmal Bolls Art. Bestimmt und radikal. Dennoch ist, bei genauem und unvoreingenommenem Hinsehen, klar ersichtlich, was Boll wollte. Nämlich das, was er zu Beginn des Filmes anklingen lässt: einen Aufklärungsfilm drehen. Und ja, dafür sucht er sich die plakativsten Antworten der Jugendlichen raus, um seine Meinung zu bestätigen. Das mag vielleicht arrogant sein, aber es erfüllt seinen Zweck.

                                              Ich dachte nicht, dass ich das jemals sage: Bolls Ambitionen sind besser als seine Inszenierung.
                                              "Auschwitz" erinnert etwas an besseres Schulfernsehen, und genau wie solches arbeitet er mit erhobenem Zeigefinger, plakativ und schwarzweißmalerisch.
                                              Ich habe dagegen aber wenig einzuwenden. Denn jeder Versuch, die unvorstellbaren Gräueltaten des Naziregimes nie vergessen zu lassen, ist von Grund auf gut.
                                              Von Bolls "ernsthaften" Filmen ist es aber sicherlich einer der, oder der schlechteste. Trotzdem empfinde ich "Auschwitz" als zu hart kritisiert. Teilweise kommt mir Boll wie ein öffentlich akzeptiertes Mobbingopfer vor. Und alleine durch Filme wie 'Rampage' hat er das nicht verdient.

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                                                Für diesen Film gibt es Rache, Boll. Glaub mir, irgendwann finde ich dich...

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                                                  Ich gebe es zu, seit "Der Untergang", den ich hervorragend fand, habe ich mich mit dem Filmthema "Nazi-Deutschland" nicht mehr auseinander gesetzt.
                                                  Auschwitz hat mich im Handel neugierig gemacht, gekauft, angeschaut... zu keiner Zeit wollte sich bei mir ein Filmerlebnis einstellen.
                                                  Weder die Ansprache von Boll zu Anfang, wo besonders nervig war das man nach den deutschen auch den engl. Ausführungen lauschen musste, noch die Interviews mit den Schülern waren passend. Sowas gehört für mich ins Extra oder ist besser zu machen.
                                                  Die Filmsequenzen sind derart schwach erzählt, außer einem "Vorwärts", "Weiter" oder "Schneller" ist ja kaum mal ein ordentlicher Dialog vorhanden. Die Gaskammer-Szenen sind recht "geschmackvoll" gestaltet, aber es reißt einfach nicht mit. Man kann zu keinem Filmcharakter eine Bindung aufbauen, weil es kein Film ist.

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                                                    [...] Problematisch ist in diesem Fall nun nicht mehr nur Bolls klaffende Absenz jeder Kunstfertigkeit, sondern auch, dass der Mann offensichtlich absolut bildungsfern ist. Zu Anfang meldet sich Boll selbst zu Wort, erklärt seine Absichten und wird dann einige Schüler zum Interview bitten, die er über den Holocaust ausfragt. Dass es sich beinahe ausschließlich um Hauptschüler (oftmals noch mit Migrationshintergrund) handelt, die keinen geraden Satz formulieren können, entbehrt sich jedwedem Kontext, weil es Bolls Anliegen zur verlogenen Farce erklärt. [...] Wäre Uwe Boll aber in der Lage, nur einen Funken Reflexionfähigkeit zu besitzen, würde er wissen, dass man diese „Wahrheit“ in keinem Film der Welt abbilden kann, dass Verbrechen an der Menschheit über das zelebrierte Sterben im Close-Up hinausgeht und die Shoah sich nicht nur in Täter und Opfer zergliedern lässt, in Töten und Verenden. [...] Aufgrund seiner überheblichen Aussagen aber sollte man der Annahme erliegen, Boll hätte sich mit dem Holocaust tieferliegend auseinandergesetzt, immerhin attestiert er seinem Werk doch die absolute Wahrhaftigkeit, die sich über die Ikonographie des Schreckens der Konzentrationslager hinauswagt. Dem ist allerdings nicht so. Uwe Boll spielt genau die Szenen ab, die voyeuristische Befriedigung versprechen, lässt Kindern in Zeitlupe Kopfschüsse verpassen und folgt den vergasten Leibern sogar bis in die Flammen des Hochofen. [...] Um vermitteln zu können, muss man fähig sein, unter die Oberfläche zu blicken, anstatt permanent zu verspotten.

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