Babel - Kritik

Babel

US · 2006 · Laufzeit 144 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 9

    Iñárritus handwerklich virtuoser Episodenfilm zielt aufs Gefühl, nicht auf den Intellekt: Seine Themen und Motive - globale Verflechtung, kulturelle Differenz, menschliche Hybris - sind eher unspezifisch und manchmal sogar klischeehaft bebildert. [Kai Mihm]

    • 9

      “Babel” ist das eigengesetze Denkmal auf den Episodenfilm, der Mitte des 2000er-Jahrzehnts zur Mode von Sozialdramen wurde. Der Film stellt sich vor die große Herausforderung die ganze globalisierte Welt als Schauplatz des Geschehens zu machen und meistert es ohne in Gigantismus zu verfallen eindrucksvoll. Jeder Mensch ist gleich. Gleich macht- und bedeutungslos vor der Schicksalsfrage tod oder lebendig — vor Gott, wenn man so will. Wenn man den Film religiös auslegt, was man machen oder auch sein lassen kann. Iñárritu lässt gekonnt eine religiöse Note mitschwingen, ohne auch nur im Ansatz in Idealismus zu verfallen. So ist “Babel” eine ambivalent auslegbare, meisterhaft inszenierte Wucht des Realismus, die unvergessen und zeitlos bleibt. Ein famoses Meisterwerk ohne jegliche Schwäche. Es sind mehr die Bilder und weniger die Worte die bleiben. Mehr die Empfindungen, das Scheitern und Siegen gegen das Schicksal. Und die letzte Umarmung auf dem Balkon in einer 35-Millioneneinwohnermetropole. Glitzernde Lichter. Ich bin sprachlos — wie dieser Film.

      1
      • 8

        Der Abschluss einer Reise. Nach „Amores Perros“ und „21 Grams“ sprengen die Zufälle, die Schicksale und Verkettungen nun alle Ländergrenzen. Am Ende sind alle irgendwie miteinander verkittet. Da ist ein auslösendes Moment, ein dummer Zufall, kindliche Naivität und ein verheißungsvoller Kanonenschlag, der alles in Gang bringt. Eine Busfahrt, die zur Beziehungsprobe gerät. Ein Kindermädchen zwischen verhärteten Fronten. Und ein taubstummer Teenager zwischen sexueller Frustration und schmerzlicher Vergangenheitsbewältigung.

        Und nie war Iñárritu politischer: Wenn Grenzkontrollen zur latenten Demütigung geraten; bis zur verhängnisvollen und so dummen Eskalation, die schließlich ganze Existenzen in sich zusammenfallen lässt. Treffen tut es immer die Falschen - auch nach 16 Jahren noch. Oder wenn ein lokales Kaff zum Zufluchtsort mutiert, Kultur-geschockte Touristen in ihrem Bus verharren, große Augen, die Nachrichten haben ja schon so viel schlimmes berichtet. Es ist schließlich der aufgeklärte Westen, der seiner Frau Befehle erteilt; schließlich sei das eine Sache für echte Kerle. Freundschaft entsteht dann auch fernab der eigenen vier Wände, fernab dessen, was uns unter der Doktrin eines Gottesglaubens und politischen Differenzen in verschiedene Lager einzuteilen gedenkt; in dich und die Anderen.

        Wenn klar wird, was uns eint. Wenn Wunden heilen bedeutet, dem anderen den Toilettengang zu ermöglichen. Oder wenn der Schlüssel zu allem nur der Dialog sein kann, sich aufspielen, Aufmerksamkeit erlangen. In einer Welt, die soviel redet und doch nichts zu sagen hat, erübrigt Iñárritu alle Worte: In der pulsierenden Masse ekstatisch umherspringender Menschen zum Beispiel. Wenn die Erde bebt, die Lichtblitze verrückt spielen. „Earth, Wind & Fire“ ertönt, du schließt die Augen. Schwitzt, springst, lachst. Lebst.

        Wenn ein Junge eine Waffe vernichtet, sich seiner Verantwortung stellend. Oder einfach eine Hand eine andere ergreift. Dieser Film spricht eine universelle Sprache, eine die sich über die unendliche Kraft der Bilder zelebriert. Kein Name aus dem herausragenden Ensemble bekannter Gesichter und vielversprechender Entdeckungen hätte es verdient aus diesem hervorgehoben zu werden. Und am Ende schließlich steht keine bahnbrechende Erkenntnis und keine Absolution. Am Ende stehen zwei Menschen, Hand in Hand, inmitten pulsierender Lichtkegel. Die Lösungen unserer Probleme liegen im Dialog. Schlicht und ergreifend.

        16
        • 8 .5

          [...] Es ist grandios, wie unaufgeregt und leicht „Babel“ in der ganzen Welt, zwischen ganz verschiedenen Kulturen hin- und herspringt. Die brillante Montage erzählt die vier Episoden verschachtelt, aber auch nicht unnötig komplex. Natürlich suchen sich die meisten Leute ihre Lieblingsepisode heraus, doch macht der Film spürbar, das auf jeder von ihnen das gleiche Interesse liegt. Ein glänzendes Timing erhält die ruhige Grundstimmung konstant aufrecht, lässt aber auch zu keiner Zeit Langeweile aufkommen. [...]

          4
          • 7

            [...] Babel' scheint in jedem Fall Iñárritus reifste Inszenierung zu sein. Er zeigt uns einen Film der wie von ihm gewohnt unzählige Dinge thematisiert. Da wäre die Kindliche Naivität und Unüberlegtheit. Die Gefühle zu Menschen, die man erst in extremen Situationen wieder fühlt. Die Bindung zur Familie und die daraus entstehenden Komplikationen, ob in der Pubertät oder im hohen Alter. Der Schmerz des Erwachsenwerdens, die damit verbundene Sucht nach Anerkennung und das Verlangen nach unbekannten und neuen Dingen. Das richtige Ziel finden, das meistens über den falschen Weg führt. Dazu ist 'Babel' ein Film, der uns zeigt, was es bedeutet durchzuhalten. Für das zu Kämpfen, dass man braucht und liebt. Zu dem zu stehen, egal wie schwer es in dem Moment auch scheinen mag. Wieder ist alles vertreten, von Liebe über Schmerz bis zum entdecken neuer Lebenslust. All das zieht, wie jeder von Iñárritu's Filmen, einige der besten Filmmomente überhaupt nach sich. Zu erwähnen wäre das Telefonat zwischen Richard und seinem Sohn nach unglaublich schweren Tagen der Verzweiflung und Angst, oder die absolut perfekt inszenierte Szene in der Chieko durch eine Disco wandert und der Zuschauer dabei immer wieder in ihre Situation gepresst und genau das fühlt wie sie. Ein junges Mädchen in ihrer leisen Welt zwischen greller Farben und extremer Lautstärke. [...]

            13
            • 4 .5

              Mag ja sein, dass man das als Kunst bezeichnen kann, für mich war es die große Kunst der zähen Langeweile. Ich seh mir gerne auch anspruchsvolle Filme an, der ist mir aber zu sehr auf Arthauskino gezimmert, das wohl unbedingt viele Kritikerpreise abgreifen wollte und dabei den grundlegenden Anspruch eines Films, das Publikum zu unterhalten, aus den Augen verliert. Die Idee des Films ist ja auch nicht uninteressant, die Umsetzung erzeugt für mich persönlich aber einfach keine Wirkung. Schade eigentlich. Total überflüssig war für mich die Japanepisode, deren Zusammenhang zum Rest ist absolut banal und zieht es nur noch unnötig in die Länge. Viele Hardcorekunstexperten klatschen dazu wahrscheinlich Beifall, ich fang an zu gähnen.

              9
              • 6

                Der Verkauf eines Gewehrs löst eine Reihe von äußerst heiklen Ereignissen los. Inárritu Globalisierungs-Drama ist ein Blick in unsere heutige Welt. Der Regisseur zeigt wie sich Angst, Argwohn, Misstrauen und Unverständnis von Japan über Amerika bis hin zum mittleren Osten ausbreitet, ungefähr so wie der Schlag eines Schmetterlingsflügel des einen Taifuns auslösen kann. Dabei ist Alejandro González Inárritu ("Amores Perros", "21 Gramm") äußerst konsequent und macht keinerlei Anstalten sein Drama mit verkitschten Nichtigkeiten zu verwässern, dabei sehr hilfreich sind vor allem die tollen Darsteller. Leider inszenierte der Regisseur "Babel" etwas zu zäh und langatmig, zu oft bleiben einem die einzelnen Geschichten und Figuren zu verschlossen und der Soundtrack zerrt oft am eigenen Nervenkostüm. "Babel" ist ein politisches Drama, ein Film der durchaus zur richtigen Zeit kam, doch trotz seiner wichtigen politischen Aussage bleibt er leider zu unfügsam und umständlich um vollends überzeugen zu können.

                3
                • 10

                  Jeder, der die Filme von Alejandro González Iñárritu (21 Gramm, Amores Perros – Hundeliebe) kennt, weiß wie genial und stilreich seine Dramen erzählt werden.

                  Wo in “21 Gramm”, die Episoden noch sehr verwirrend aufgebaut waren, erkennt man bei “Babel” sofort, oder schon nach kurzer Zeit wie die Episoden zusammen hängen. Aber der größte Unterschied zu “21 Gramm” ist, dass die 4 Episoden für sich allein schon 4 kleine Filme hätten sein können. So Bildgewaltig und stimmungsvoll erzählt Alejandro González Iñárritu seine Filme, das einem fast die Spucke wegbleibt.

                  2
                  • 10

                    Das Drama des Mexikaners Alejandro González Iñárritu ist einer der besten Filme von 2006. Ein eindringlicher Film.

                    1
                    • 8

                      In Babel, dem biblischen Namen für das alte Babylon verwirrte Gott die Sprachen der Menschen, weil sie sich anmassten, einen Turm bis in den Himmel zu bauen und damit Gott gleichkommen wollten. Nach der Verwirrung konnten sich die Menschen nicht mehr verstehen, weil plötzlich jeder in einer anderen Sprache redete. Genau dieses Thema der gestörten Kommunikation greift der mexikanische Regisseur Inárritu in seinem neuen und von der Kritik hoch gelobten Drama „Babel“ auf.

                      Der Amerikaner Richard (Brad Pitt) und seine Frau Susan (Cate Blanchet) sind auf einer Reise in der marokkanischen Wüste, um ihre kriselnde Ehe zu kitten, die nach dem Tod ihres jüngsten Kindes zu scheitern droht. Dort in den Bergen der marokkanischen Wüste hüten die Hirtenjungen Yusuf und Ahmad die Ziegenherde ihres Vaters. Um die Schakale zu vertreiben, hat er seinen Jungen das neu Erstandene Jagdgewehr mitgegeben. In kindlicher Naivität schiessen die Jungen auf den weit entfernten Reisebus und verletzen Susan schwer. Richard steht mitten in der Wüste alleine da und versucht, verzweifelt um das Leben seiner Frau kämpfend, Hilfe zu organisieren, was aufgrund der sprachlichen Barrieren gar nicht so einfach ist. Zu Hause in Kalifornien entschließt sich Richards Kindermädchen Amelia (Adriana Barraza) Richards Kinder unerlaubt mit zur Hochzeit ihres Sohnes in Mexiko mitzunehmen. Auf der Rückkehr über die Grenze gerät Amelias Neffe Santiago (Gael García Bernal) mit einem US-Zollbeamten in Streit und lässt seine Tante und die beiden Kinder schließlich in der Wüste zurück. Derweil kämpft in Tokio die junge taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi) um Liebe und Anerkennung. Ihr Vater, nach dem Tod seiner Frau selbst verzweifelt, kommt nicht mehr an seine Tochter heran, die sich durch den Selbstmord der Mutter und die eigene Behinderung verunsichert, Drogenkonsum und oberflächlichen sexuellen Kontakten hingibt um in der Gruppe der Gleichaltrigen anerkannt zu sein...

                      Diese vier Episoden, von den drei locker miteinander verwoben sind (die vierte nur symbolisch) beschäftigen sich jede auf ihre Weise mit dem Thema Kommunikation in tragischen Situationen. In jeder Episode sind 2 Sprachen vertreten, arabisch und englisch in der Wüste, spanisch und englisch in Mexiko und japanisch und die Gebärdensprache in Tokio, was den metaphorischen Vergleich zum Turmbau von Babel wieder aufgreift. Wie beabsichtigt macht dies die Konflikte, in denen die einzelnen Personen stehen, auch sichtlich greifbar. Die einzelnen Episoden werden nicht chronologisch, sondern zeitlich versetzt erzählt, was inzwischen ein Markenzeichen des mexikanischen Regisseurs zu sein scheint. Auch die von ihm immer wieder gewählten dramatischen Themen und die Drehbuchvorlagen des Autors Guillermo Arriaga um die Unfähigkeit der Menschen, in Beziehungen glücklich zu sein fügen sich zu einer losen Trilogie mit den Vorgängerfilmen „Amores Perros“ und „21 Gramm“ zusammen, die jedoch eigene und in sich geschlossene Geschichten erzählen.

                      Das Drama „Babel“ kommt inhaltlich nicht ganz so hart und kompromisslos wie die erwähnten Vorgänger daher, die zum Teil tief erschütterten. Dies ist nicht unbedingt als Kritik gemeint, denn Momente der Verzweiflung gibt es auch in „Babel“ zur Genüge, allerdings sind deren Enden weitaus versöhnlicher, als man es von Innaritu aus den bisherigen Filmen gewohnt ist. Nichtsdestotrotz ist der Film sehr gut geworden, was vor allen Dingen an den hervorragenden Darstellern sowie den grandiosen Bildern des oscargekrönten Kameramanns Rodrigo Prieto liegt. Der Film ist durchgehend in blassen Grau-, Grün und Brauntönen gehalten, was die verzweifelte Lage der Charaktere hervorragend unterstreicht. Schauspielerisch beeindruckt vor allem Brad Pitt auf sehr hohen Niveau als verzweifelter Ehemann Richard. Möglichweise bringt ihm diese Leistung sogar seinen zweiten Golden Globe (und seinen ersten Oscar?) nach „12 Monkeys“ ein. Ebenfalls unglaublich dicht (und ebenfalls Golden-Globe nominiert) ist die Darstellung von Adriana Barraza als naives Kindermädchen Amelia. Wenn sie gegen Ende des Film mit ihrem roten Kleid weinend durch die Wüste stolpert, ist ihre ganze Verzweiflung nachzufühlen. „Babel“ gilt bei den kommenden „Golden Globe“ Verleihungen Ende nächster Woche mit sieben Nominierungen (u.a. Bestes Drama und Beste Regie) als der Top-Favorit und dürfte damit auch im Rennen um die Oscars gut dabei sein.

                      5
                      • 9 .5

                        Wenn ich den Film mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es sicherlich “intensiv”. Dieser Film ist intensiv wie in der letzten Zeit kaum ein anderer. Zum einen sicherlich dadurch, dass viel mit der “Original-Sprache” gearbeitet wurde: Mexikaner sprechen spanisch, Marokkaner arabisch und Japaner eben japanisch. Nur die wenigen Dialoge der Amerikaner kommen ohne Untertitel aus.

                        • 10

                          Der Film ist von Anfang bis Ende beeindruckend. Im Vordergrund steht das Unvermögen der Menschen zur Kommunikation, und zwar im doppelten Sinne. Auf der einen Seite Kommunikation im eigentlichen Sinne, sei es nun auf Grund unterschiedlicher Sprachen, oder Einschränkungen durch Behinderungen. Auf der anderen Seite dreht es sich um die Schwierigkeiten die in der Kommunikation im zwischenmenschlichen, sowie im interkulturellen Bereich auftreten.

                          3
                          • 10

                            Sehr gut gemachter Film, auch wenn ich von der Besetzung erst abgeschreckt war. Aber er hat sich wirklich gelohnt!

                            • 6 .5

                              Mit genauem Blick führt der Regisseur vor Augen, wie sehr die menschliche Kommunikation von Missverständnissen und daraus resultierenden Fehlperzeptionen geprägt ist.

                              • 2 .5

                                Ganz klar: Thema verfehlt! Hinter der bemüht anspruchsvollen Inszenierung, die sich dem untertitelaffinen Programmkinopublikum anbiedert und zum Langweilen neigt, verbergen sich unglaubwürdig konstruierte Zufalls-Ereignisse, die der vom Trailer suggerierten Thematik "Globalisierung - Sprachbarrieren - Probleme der modernen Welt" nicht ansatzweise gerecht werden. Die Schauspieler geben ihr Bestes, können Iñárritus gehaltlosen "Blabla"... tschuldigung: "Babel" aber auch nicht mehr retten.

                                4
                                • 8 .5

                                  "Babel" ist ein Film, der seine gesamte Wirkung einzig und allein im Kino entfalten kann. Er verdankt seine Qualität nicht etwa einer politisch besonders scharfen Beobachtung. Aber das ist auch nie das Ziel von Iñárritu gewesen. Schon "Amores Perros" war mehr Stadt-Porträt als radikale Sozialkritik und auch mit "Babel" geht es dem Regisseur mehr um eine Zustandsbeschreibung als um eine politische Zuspitzung. So sehr die Meinungen über die vermeintliche Botschaft des Films auseinandergehen: Der filmischen Qualität und Wahrhaftigkeit von "Babel" wird man sich nicht entziehen können. "Babel" jedenfalls ist der bisher herausragende Film des Kinojahres 2006 und ein weiteres Meisterwerk in der Filmografie eines der interessantesten Regisseure unserer Zeit.

                                  2
                                  • 4

                                    Kommt ihr dummen Kinder, ich erkläre euch mal die Globalisierung. Bis auf die Japan-Episode vermochte mich der Film nicht zu packen. Iñárritu macht eben das, was er immer macht. Und das wird zunehmend langweiliger und abgenutzter. Überschätzt. Und das Ethno-Geklimper nervt hier tierisch.

                                    4
                                    • 9

                                      Verwobene Episoden im Stil von "Magnolia", nur radikaler. Trotz vieler langsamer Momente nie langatmig. Fotografie und Musik unterstützen die erschreckende Authentizität.