Berberian Sound Studio - Kritik

Berberian Sound Studio

GB · 2012 · Laufzeit 92 Minuten · FSK 12 · Drama, Thriller, Horrorfilm · Kinostart
Du
  • 3 .5
    WhityWolf 06.09.2018, 02:03 Geändert 06.09.2018, 02:03

    Gilderoy, ein Sounddesigner aus England, wird nach Italien eingeladen um einen Film zu vertonen. Am Anfang denkt er, dass es sich um einen Tierfilm mit Pferden handelt, wird dann aber mit einem Horrorfilm konfrontiert. Die Kollegen sind unfreundlich und ruppig, der Film nagt an seinen Nerven und langsam aber sicher verliert Gilderoy während der Produktion nach und nach den Verstand.

    Berberian Sound Studio hat eine wirklich interessante Idee. In den 70er Jahren waren italienische Horrorfilme ganz groß und auch heute feiern sie einen Kultstatus unter Fans. Dadurch entsteht natürlich eine Faszination wie diese Streifen gemacht wurden und woher nun der Horror kommt. Berberian zeigt das wirklich sehr authentisch wie Gilderoy im Studio sitzt und an Reglern so lange dreht, bis genau das raus kommt, was man für die Szene braucht. Die Aufnahmen von dem Equipment, dem Studio und der Machart der Geräusche ist wirklich genial umgesetzt und macht Spaß. Es sieht absurd aus, wenn man eine Szene aus dem Film hört, wo eine Frau ertränkt wird, aber man nur sieht wie ein Mann emotionslos einen Kohlkopf in einem Wasserbecken herum schwenkt. Auch Toby Jones spielt wirklich gut, allerdings bleibt er recht blass und macht keinerlei Entwicklung durch. Man hat den sensiblen Gilderoy am Anfang des Filmes und dann den etwas verrückteren am Ende. Die anderen Leute bleiben komplett uninteressant.

    Das Problem was ich mit Berberian Sound Studio habe, er hat mich absolut nicht abgeholt. Die Idee ist so gut und man könnte so viel Grusel erzeugen nur durch die Geräusche, aber der komplette Film ist für mich wirklich langweilig. Die Atmosphäre ist bedrückend und irgendwie isoliert, aber trotzdem wird kaum Spannung aufgebaut. Einige schreiben, dass sie die Schreie und Sounds als unangenehm empfunden haben und dadurch noch mehr Atmosphäre ausgelöst wurde. Ich empfand die Vertonung absolut nicht unangenehm, eher passend und wirklich gut. Daher konnte ich daher nicht wirklich etwas unangenehmes ziehen. Auch das Ende konnte mich leider nicht überzeugen, vielleicht habe ich es allerdings auch nicht verstanden.

    Fazit:
    Gute Idee, hat mich aber leider nicht abgeholt. Wer kein purer Giallo Fan ist, wird hier vielleicht enttäuscht werden. Habe mir wirklich mehr versprochen!
    3 1/2 Pfotenabdrücke für die armen Radieschen!

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    • 7
      lieber_tee 10.11.2017, 23:09 Geändert 11.11.2017, 02:15

      Der Film in mir.
      In den 70ern reist ein britischer Soundtechniker nach Italien um einen brutalen Inquisition-Horrorfilm zu vertonen und verliert sich zusehends in den blutigen Bildern.
      BERBERIAN SOUND STUDIO ist nicht nur eine nostalgische Hommage an den Giallo, sondern spielt referentiell mit seinen Ingredienzen und Motiven um Meta-Kino zu erschaffen, das suggestiv durch Töne und Stimmungen einen unsichtbaren Film im Kopf des Zuschauers erzeugt. Er nutzt die Codes des gelben Kinos, zunächst noch sanft humorvoll, dann zunehmend psychologischer und surrealistischer. Wenn der Reiz des Kinos in seinen Bilderwelten liegt, dann ist hier das Hören, das Vertonen von Bildern, die Magie. Ähnlich wie De Palmas BLOW OUT, oder Antonionis BLOW UP transzendiert Peter Strickland durch die faszinierende Montage aus Visualität und Klang-Welten das Giallo-Genre, erschafft etwas Eigenes.
      Die Atmosphäre ist dabei schizophren und gespenstisch. Unsere Wahrnehmung wird im selben Maße in Frage gestellt, wie der Tontechniker zunehmend mit dem Film verschmilzt. Seine introvertierte Persönlichkeit löst sich auf, die eh schon in der Fremde sich fremd fühlt und mit dem dort gelebten Sexismus, Chaos und der expliziten Gewalt nicht zurechtkommt.
      Mag manch Szenen repetitiv wirken, mag das Tempo zu entschleunigt sein, der Thrill ist hier unterschwellig, nicht auf den billigen Nervenkitzel gerichtet. Die langsame Höllenspirale bohrt sich Kafka-artig in den Zuschauer, einen Hang sich mit Halluzinationen und metaphorischen Monstern umgeben zu wollen ist von Nöten. Denn um rationale Erklärungen geht es nicht, es geht um psychotische Hirngespinste, die sich aus der Klangkammer des Studios in den Kopf des Protagonisten schleichen.
      7 gemetzelte Salatköpfe.

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      • 9 .5

        Was für ein ungewöhnlicher, abgefahrener Film! Was kriegen wir hier eigentlich geliefert? Einen Horrorfilm den wir nicht sehen, aber dessen Atmosphäre wir durch eine extrem verstörende Arbeitsatmosphäre fühlen? Oder eher ein düsteres Drama, für den ein Horrorfilm als Soundtrack dient? Hier werden Bilder durch Geräusche erschaffen. Geräusche werden durch Bilder kreiert. Eine Ode an die Synästhesie, und ein ganz großes Kunstwerk!

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          Ich konnte nichts damit anfangen und denke, ich habe den Film nicht verstanden.

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            shortybuster 05.02.2017, 09:11 Geändert 05.02.2017, 09:12

            "Berberian Sound Studio" ist eine Ode an das, was in Filmen unverzichtbar, also sozusagen immer da ist und trotzdem kaum bewusst wahrgenommen wird: die Soundeffekte. Dementsprechend widmet sich der Film dem Handwerk des Sounddesigns in der Postproduktion, unter welches alle akustischen Elemente außer die Filmmusik fallen.

            Doch anstatt sich wie üblich auf die Wirkung der Klänge auf den Zuschauer zu konzentrieren, geht es in "Berberian Sound Studio" vielmehr um die Rückwirkung auf den Sounddesigner selbst. So ist der Protagonist Gilderoy eigentlich ein friedliebender, gleichmütiger Tontechniker für Naturdokumentation, der aber zu Beginn des Films nach Italien reißt und dort damit konfrontiert wird, dass er einen blutigen Giallo nachvertonen soll. Visuelle Gewalt soll akustisch begleitet werden.

            In einem Strudel aus visueller Leinwand-Gewalt, eigens erzeugter Akustik für diese Gräueltaten und den real stattfindenden Mätzchen und Tiraden des herrisch-aggressiven Produzenten verliert Gilderoy zunehmend seinen Verstand. Die klare Unterscheidung von Realität und Traum bzw. Fiktion wird zunehmend schwieriger und droht den Protagonisten zu verschlingen. Toby Jones spielt diese Figur zwar gut und glaubhaft, aber auch etwas arg bieder und muttersöhnchenhaft. Gilderoys Strategie, in diesen menschlich kalten Studios seine Arbeit wie gewohnt durchzuziehen, verkommt bald zur Farce.

            Regie-Neuling Peter Strickland erzeugt in seinem zweiten Film eine beklemmende und bedrückende Atmosphäre, die sich über das kalte technische Design, die Sprachkonflikte zwischen Englisch und Italienisch und die Irrungen und Wirrungen im zerstrittenen Produktionsteam manifestiert. Leider fehlen "Berberian Sound Studio" gerade im letzten Drittel aber auch die memorablen Höhepunkte, in denen die gewollte Subtilität der psychischen Beeinflussung durch die Akustik einmal durch gleichsam echte Konflikte an der Oberfläche quasi eruptiv zum Vorschein kommt. Nicht ohne Grund ist der Film mit einer FSK 12 Freigabe erschienen, da der Film sich sehr stark in Gilderoy vergräbt und den Zuschauer damit ganz an diese schwache und fremdelnde Person bindet, ohne einmal einen Versuch zu starten, die spürbaren Fesseln aufzureißen.

            Kurzum: "Berberian Sound Studio" kommt zwar mit einer interessanten Grundidee daher, verpasst es jedoch diese im Finale auch wirkungsvoll zur Eruption zu bringen. So bleibt ein sehr ruhiger, oftmals langweiliger und kaum voranschreitender Film, der zwar stringent in den Abgrund steuert, aber auch wenig bemerkenswert ausläuft.

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              [...] Bereits mit seinem Setting offenbart Berberian Sound Studio eine Fülle an Referenzen. Zum einen steht er natürlich in der Tradition von auditiv geprägten Thrillern wie Der Dialog oder Blow Out, obgleich dieser Film deutlich stärker in psychologische Horrorregionen vordringt. Zum anderen merkt man auch den Einfluss von Gialli, auch wenn Berberian Sound Studio fast ohne Blut oder explizite Szenen auskommt zelebriert er bedrohliche Situation ähnlich wie seine italienischen Vorbilder. Damit schafft er es gleichermaßen funktionierende Hommage wie auch moderner, eigenständiger Horrorfilm zu sein, der stark mit einer Urangst, dem Zweifel am eigenen Verstand, spielt. [...] Der britische Regisseur arbeitet vermehrt mit Nahaufnahmen, fokussiert einzelne Elemente oftmals so stark, dass sie völlig losgelöst von ihrer Umgebung existieren und nutzt diese Einstellungen dann auch für dynamische Schnitte. Dadurch unterstützt er auch formal die Thematiken des Films und überträgt Gefühle wie Hilflosigkeit, Verwirrung und die Folgen von sozialer Isolation vom Protagonisten direkt auf den Zuschauer. [...] Vielmehr gelingt es durch die stilistische Gestaltung und deren Einbettung in ein überaus interessantes Milieu groteske Momente voller Verunsicherung und Verwirrung zu finden. Immer wieder sind es die angedeuteten Folgen, die Vagheit eines Moments, was zu Spannung führt. Ein Film, der wenig erklärt, dafür aber umso mehr bietet.

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                Dasprofil 05.10.2016, 02:23 Geändert 05.10.2016, 02:28

                HORRORCTOBER 2/13, 1. KOMMENTAR

                Horrorfilme sind doch was Feines. Man sitzt bei schummerigem Licht gemütlich vor dem Bildschirm und lässt sich in wohligen Schrecken versetzen, Dann nach 90 Minuten endet der, man schaltet den Bildschirm ab, legt sich ins Bett und schläft, als wäre nichts gewesen. Wenn man mal ehrlich ist, haben die wenigsten Filme dieses Genres wirklich eine Nachwirkung beim Zuschauer, sei es, weil das Gezeigte einfach zu Absurd ist, als das er sich tatsächlich damit auseinandersetzen könnte, oder weil er mittlerweile einfach zu abgehärtet ist. „Horror“ ist für viele Genre-Vertreter eigentlich der falsche Begriff, da sie vielleicht für den Moment Schrecken oder Ekel erzeugen, es aber nicht schaffen tiefergehende Ängste beim Zuschauer auszulösen, letztendlich bleibt eine starke Distanz zwischen dem Zuschauer und dem Film. Das Wissen „ dass das nicht mir passiert“, oder „dass es sowas in der Realität garnicht gibt“ ist einfach zu stark und insgesamt leidet der Horrorfilm wohl stärker als jedes andere Genre daran, dass die Grenze zwischen Fiktion und Realem eben nicht überwunden werden kann. Doch was ist, wenn ein Film mal nicht mit dem Abspann endet ? Wenn er dann erst wirklich beginnt ?

                Film ist reinste Fiktion – das weiß auch der britische Tonspezialist Gilderoy bevor er nach Italien fliegt, um für einen dort sehr bekannten Regisseur an einem Giallo zu arbeiten und schnell wird klar, das gerade bei dieser Produktion nichts echt ist. Der Klang von abgetrennten Köpfen, dem ertränken einer Frau oder dem herausreißen von Haaren wird durch Gemüse erzeugt, ja nichtmal die Stimmen der Darsteller sind im Endprodukt zu hören, sondern die von Synchronsprechern, die den Text neu einsprechen. Strickland führt uns ganz genau die technischen Mittel vor, die zur Fiktion führen, er entmythifiziert die Filmarbeit als bloßes Handwerk und sagt uns direkt ins Gesicht :“Alles, was du hier siehst sind nur billige Tricks, glaube ja nichts“. Verstärkt wird dieser Eindruck, dass man niemals Szenen aus dem Film sieht, sondern lediglich Aufnahmen, wie die Synchronsprecher ihren Text in ihren engen Sprecherkabinen nachsprechen oder besser gesagt nachschreien – und so kurios das klingen mag, aber gerade darin liegt er Schlüssel zum Film, denn hier beginnt er Film sich von der Vision des Regisseurs zu lösen und im Kopf des Zuschauers abzuspielen. Jeder dreht sozusagen seinen eigenen Film und auf einmal ist die Distanz, die Grenze zwischen realem und Irealem aufgehoben. Ein grausamer Mord, wirkt am Mikrophon nachgespielt viel realer, als wenn man ihn auf dem Bildschirm sieht.

                Der schüchterne und unsichere Gilderoy, der sich nicht nur mit den äußerst zwielichtigen Produzenten, die ebenfalls einem Giallo entsprungen sein könnten (hinzu kommt noch, dass er kein Italienisch spricht und somit nicht verstehen kann, was um ihn herum gesagt wird), sondern auch in einem düsteren, engen, bedrückend wirkenden Tonstudio wiederfindet, erliegt immer mehr dem eigentümlichen Sog des Films. Von Anfang an werden ihm jegliche Informationen über die Handlung verweigert und doch vermischen sich Film und Realität immer mehr, der Film scheint sich irgendwann nichtmehr auf der Leinwand, sondern direkt im Filmstudio abzuspielen, irgendwann wird jeder zum Darsteller in einem immer beängstigender und realer werdenden Horror(film?) . Eine Unterscheidung zwischen dem, was Wirklich und was Fiktion ist, ist nichtmehr möglich – eine grauenhafte Situation, in der Gulderoy gefangen ist. Es ist nicht etwa die Handlung, die näher an den Film heranführt, sondern die Produktion (also das, was dahintersteckt), an der man selbst beteiligt ist, was es praktisch unmöglich macht, sie als irreal wahr zu nehmen.

                Peter Strickland inszenierte hier einen wahnsinnig atmosphärischen, effektiven Film, der weit mehr ist, als nur eine Hommage an den Giallo. Ich würde ihn irgendwo zwischen Cronenberg und Lynch einordnen … wobei, das ist Blödsinn. Es ist ein Strickland und ich bin mir sicher, dass das in einigen Jahren ein Prädikat von hohem Wert sein wird.

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                  Wirklich hübsche, kleine Gialo/Kino Liebeserklärung. Atmosphärisch dicht. Eigentlich hatte es alles, um mich vollends zu begeistern, aber am ende hat es mich dann doch nicht so gepackt. War echt Cool, aber blieb leider nicht länger haften.
                  Trotzdem, sehr empfehlenswert, wenn man mal was unkonventionelles sehen will.

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                    [...] „Berberian Sound Studio“ taucht in die 70er Jahre ein, um dem Giallo sowie dem Okkulthorror aus Italien Tribut zu zollen, und um die Kraft des Analogen zu zelebrieren. Tongestaltung – die ewig verkannte, da selten bewusst wahrgenommene Kunstform – macht Strickland auf kreative Weise greifbar. Bei der Hommage interessiert nie direkt die Gewalt des Giallo oder Horrors, sondern nur deren Effekt sowie die Poesie, die dem ‚Schund‘ innewohnen kann. So entsteht eine beklemmende Meditation, sympathisch zurückhaltend getragen von Hauptdarsteller Toby Jones („Dame, König, As, Spion“), gewürzt mit einem wohligen Schuss Ironie. [...]

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                      #Horrorctober 2015 - 9

                      Der Soundtechniker Gilderoy wird gefangen genommen und gemeinsam mit ihm wird auch der Zuschauer terrorisiert. Peter Strickland schafft mit „Berberian Sound Studio“ einen Film, der gerade nicht dem visuellen Medium, sondern der auditiven Welt Hommage ist. Dabei wird die Tatsache, dass sein Werk auf erzählerischer Ebene keine wirklichen Innovationen und nur einer Variation eines bekannten Themas zu bieten hat, von der perfekt inszenierten Stimmung übertönt.

                      So kann zwar jeder Zuschauer, der schon einmal in einem unangenehmen Arbeitsumfeld tätig war, Gilderoys Schicksal nachempfinden, doch eigentlich ist die Hommage, die Strickland anstrebt viel interessanter. „Berberian Sound Studio“ ist getrieben von toller Schnitttechnik, einem drangsalierenden Soundtrack und der präzisen Art und Weise, mit der Strickland seine Widmung an die Töne abgibt. Und diese Töne haben es in sich, denn Strickland schafft es allein durch das Sounddesign des Filmes Emotionen zu wecken und Gefühle zu beschwören. Da das Sounddesign ein essenzieller Teil des Kinos ist, unterstreicht „Berberian Sound Studio“ verstärkt die Möglichkeiten dieser Kunstform. Ein gut ausgeführter Film weiß schließlich ganz genau, welche Knöpfe gedrückt werden müssen, um ein bestimmtes Resultat im Publikum auszulösen.

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                        Maniac 13.05.2015, 16:19 Geändert 13.05.2015, 16:20

                        "Berberian Sound Studio", eine Hommage an die längst vergessene Tontechnik, eine Hommage an die Kunst alter Tage und die Kunst auf altmodische und einfachste Art Schrecken zu verbreiten.
                        Das auf was die Handlung hinaus will, nämlich einen schockierenden Film zu produzieren wird nicht gezeigt. Es werden dem Zuseher lediglich Tonaufnahmen vermittelt. Diese dabei produzierten Geräusche sind jedoch so speziell, das der Film im Film merklich spürbar im Ablauf ist, nämlich im Kopf des Betrachters.
                        " Berberian Sound Studio" feiert den italienischen Genre-Film und ist in seiner Art so eigen wie ein Fingerabdruck. Dabei entsteht ein hoch atmosphärischer Psychotrip der auch eine Prise schwarzen Humor beinhaltet.
                        Ein Film wie kein anderer, wahrlich ein Unikum.

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                          Die Tonspur hinter der Tonspur :
                          Wir sehen einem Foley-Artist bei der Arbeit zu, und werden uns plötzlich bewusst, das auch seine Bewegungen, sein Gang, seine Interaktionen "gefoleyt" sind.
                          Sound-Inception, und eine der klügsten Verdichtungen des Themas "Kino als unendlicher Kaninchenbau" überhaupt.
                          Stricklands Film nimmt die Doppelbödigkeit des surrealen Kinos und verschiebt sie ganz auf die Tonspur, lässt den Verstand dort akkustisch ficken, wo sonst Bilder herhalten müssen.
                          Keine kleine Leistung, zumal überzeugend in seiner Gänsehautdichte, funktionert "Berberian Sound Studio" doch sowohl als Kinohommage, denn auch als Schauermär.
                          Horrorfilm Off-Screen, bis man seinen Ohren nicht mehr trauen kann.
                          Erst an seinem Ende droht der Film in seine Einzelteile zu fallen, weiß Strickland doch keinen Weg aus seinem Kaninchenbau, kein Möglichkeit die Unendlichkeit der Töne zu einem Schlussstrich zu summieren, und bedient sich so bei den bildlichen Dualismen und Spiegelungen, die allesamt aus einem Werk wie "Mullholland Drive" entliehen zu sein scheinen, die aber in "Beberian" merkwürdig deplaziert und angetackert wirken.
                          Schöner wäre es gewesen, einfach die Kamera zurückzufahren, einen Trick den Lynch so ähnlich in "Inland Empire" verwendet hat, und die Crew und Foleys hinter "Beberian" offen zu legen. Wohlwissend, das auch sie wieder nur Teil eines unendlichen Filmkonzepts sind, die ihrerseits vertont, mit Leben gefüllt werden müssen.
                          Dennoch, unter dem Strich bleibt das Positive, das Gefühl hier tatsächlich etwas frisches, kaum erschlossenes gesehen zu haben, das in seiner Reduktion auf Geräusch als Sprache tatsächlich mehr Verstörung und Schock erzeugen kann, als der tausendste, aus dem Wald springende Boogeyman.

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                            Einerseits ganz beeindruckend, wie der Film mit eher subtilen Mitteln eine äußerst unangenehme, bedrückende Atmosphäre schafft. Andererseits muß man wahrscheinlich doch auf dem Feld des Giallo-Films mindestens ein bißchen bewandert sein (ich bin's nicht!), um diesen Film so richtig genießen zu können. Das Ende ist auf jeden Fall eher unbefriedigend...

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                              Im Grunde ein liebevoll gestalteter Film mit einem tollen Hauptdarsteller. Ein Film, der versteht, wie man durch Detailverliebtheit und Authenzität Athmosphäre erschafft, und ein konsequenter Film, der weiß, was er sein will und dies ohne Kompromisse auch ist. Aber, bei allen Göttern, war das langweilig.

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                                loveissuicide 20.01.2015, 21:44 Geändert 20.01.2015, 21:44

                                Eigentlich hat der Film viel Gutes zu bieten, denn die Soundmacherei macht richtig Lust auf den Santini-Hexenhorror. Zu schade, dass es diesen Film gar nicht gibt. Ein großes Plus ist auch die Grundstimmung im Studio, diese permanente Unfreundlichkeit und Ablehnung, da kann einem der kleine Gilderoy richtig leid tun. oder aber man schüttelt den Kopf, wieso er sich das alles gefallen lässt. Aber Stimmung baut der Film jedenfalls auf, das muss man ihm lassen.
                                Zu dumm aber, dass ich den Film nicht verstanden habe. Keine Ahnung, was das gegen Ende für eigenartige Plottwists sein sollen oder wieso Gilderoy plötzlich fliessend italienisch spricht. Der Film ergibt am Ende eigentlich absolut keinen Sinn.

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                                  Hier nervt wirklich alles und jeder.

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                                    Ich versteh den Film nicht ... Warum z.b. kann Gilderoy am Ende perfekt italienisch sprechen ? u.s.w.

                                    • 8

                                      [...] Niemals sehen wir auch nur ein einziges Frame aus dem ultrabrutalen italienischen Hexen-Slasher. Nicht einen Tropfen Blut bekommen wir zu Gesicht, nicht eine brutale Schandtat. Lediglich ausführlichste verbale Beschreibungen der gezeigten Szenen und den dazugehörigen Sound. Immer und immer wieder. Gilderoy's penible Arbeit an Effekten und Klangflächen führt zu endlosen Schleifen aus Schreien, gruseligem Dröhnen und schleimig-blutigen Splatter-Vertonungen - ein ganz feinsinniger, effektiver Katalysator für die Formation der unschönsten Bilder im eigenen Kopf. [...] Von Anfang an weiß Gilderoy nicht, an welche Art Mensch er in besagtem Tonstudio geraten ist. Zwei schweigsame Männer namens Massimo hacken inbrünstig mit Macheten auf Melonen ein, ein mürrischer Tontechniker sagt kein Wort und guckt böse wann es nur geht, die zwei schmierigen Leiter der Institution wirken, gelinde gesagt, dubios, ein wenig sogar als ob die Killer ihres Filmes auch in ihnen schlummern und die Warnung einer der Synchronsprecherin vor Santini, dem Produzenten des Films, befeuert Gilderoy's skeptisches Unwohlsein noch weiter. [...]

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                                        Einer der wohl am schwierigsten zu bewertenden Filme, die ich je gesehen habe!
                                        Wärend des schauens empfand ich den Film schlicht als Tortur! Er wollte und wollte nicht enden. Alle meine Freunde fanden den Film schrecklich, das Kino hat Beifall geklatscht, nicht weil der Film gut war, sondern, weil er das lang ersehnte Ende fand. Doch genau, darin lag am Ende der Reiz! Der einzige, der dem Film etwas abgewinnen konnte, meinte nur, dass das schließlich alles so gewollt war. Er wollte den Zuschauer auf die Folter spannen und an seinen Nerven zähren und das hat er mit Bravour geschafft! Diese Qualität kann ich ihm nicht abstreiten, doch will man wirklich soetwas sehen? Einen Film, der einem nur wehtut beim betrachten und vor allem hören? Ich kann im Nachhinein nursagen, dass ich diese Erfahrung nicht missen möchte, doch ein zweites Mal wird er definitiv nicht geschaut. Es ist eine andere Art Horrorfilm, die vor allem ungewohnt ist und dadurch einen gewissen Reiz hat.
                                        Geht man nicht so unbefangen wie ich ins Kino kann es durchaus ein interessanter Filmabend werden, so war er auch interessant, doch auf eine negative Art und Weise.

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                                          Es ist der Ton, der uns bei Filmen so oft zusammenzucken, gruseln oder schaudern lässt. Die Bilder nehmen wir viel zu bewusst war, als dass sie ähnlich stark wirken könnten, denn die Bedrohung, die wir erklären können ist meistens nicht so bedrohlich wie die, bei der wir das nicht können. Die Geigen in PSYCHO, das Knarren der Kettensäge im TEXAS CHAINSAW MASSACRE, das schneidende Geräusch des Messers in SCREAM, das ist das, was wirklich wirkt und so brauchen wir in diesen Szenen auch gar kein Blut zu sehen, um es uns vorzustellen.
                                          In BERBERIAN SOUND STUDIO bekommt die Tonspur ihre wohlverdiente Würdigung. Und wer bisher dachte, ein Einkaufskorb voller Gemüse könnte nicht gruselig sein, der wird hier eines Besseren belehrt. Hier werden Melonen auf den Boden gepfeffert, um zersplitternde Schädel zu imitieren und Salat wird geschnitten anstelle von menschlichem Fleisch. Wer an dem Tag noch Kochen will, sollte BERBERIAN SOUND STUDIO vielleicht danach sehen, sonst könnten einfache Handgriffe allein ihres Tones wegen schnell den Appetit verderben. Wenn es nicht anders geht, wird aber hier aber auch mal eine Synchronisatorin mit unangenehmen Geräuschen gepeinigt, damit ihr Angstschrei realistischer wird, so ganz allein mit Großmuttis Wocheneinkauf geht die Sache dann also doch nicht vonstatten.
                                          Ich hatte vorher gedacht, dies sei ein Horrorfilm und war ein bisschen verblüfft, stattdessen (im ersten Drittel zumindest) eine sehr britische Komödie vorgesetzt zu bekommen. Wenn dem unbeholfenen Tontechniker, dem von dem düsteren Film auch gerne mal übel wird, von der Melone, die eben noch für einen grausigen Toneffekt verwendet wurde, ein Stückchen angeboten wird oder der selbstverliebte Regisseur sich an der vermeintlichen Deepness seiner Folterszenen aufgeilt, ist das schon ziemlich witzig.
                                          Giallo-Fans dürfte das Herz aufgehen, wenn in versifften Studios mit kuriosen Mitteln an einem Trashfilm gebastelt wird, ihnen dann aber auch gleichzeitig einen herben schlag verpassen, dass der durchgeknallte Regisseur in seinem Film keine blutige Unterhaltung sondern Sozialkritik sieht und unser geschätztes Entertainment nur das Produkt gescheiterter Vorsätze sein soll. Verehrung und Verachtung gegenüber den Giallos liegen in diesem Film nahe beieinander, was mir ein bisschen zu Schlucken gab...
                                          Nach dem recht vergnüglichen Anfang, der irgendwo zwischen Metahumor, britischem Understatement und Culture-Clash zwischen dem engländischen Muttersöhnchen mit Vorliebe für Tierdokus und den exaltierten Südländern und ihrem Gore liegt, fällt der Film bald ein bisschen ab. Gerade im Mittelteil hält er sich wohl ein bisschen für ein Mockumentary-Making-of und verliert sich in Abläufen an einem Filmset und an filmtheoretischen Diskussionen. Irgendjemand sollte Peter Strickland mal sagen, dass er diese Themen besser im Q&A NACH dem Film besprechen kann als währenddessen. Dabei feiert er natürlich die Arbeiter an einem Filmset wie mittelschwer Heilige (passend zum katholischen Italien liegen Heiligtum und Hurerei hier auch oft nebeneinander, was die Stilisierung aber nur noch verstärkt). Ein bisschen weniger Selbstbewichse und mehr Handlung wären da gar nicht mal schlecht gewesen. Damit kommt er dann im dritten Teil um die Ecke und will dann noch ein bisschen Mystery sein. Das ist nett, das funktioniert aber das fügt sich nicht so recht in den Rest des Filmes. Wenn die schrulligen Briefe der Helikoptermutter plötzlich bedrohliches Potenzial ausstrahlen und die liebenswert unliebsamen Italiener immer undurchsichtiger werden, ist das ein guter Clou aber nicht hundertprozentig stimmig. Zum Glück widersteht er der Versuchung am Ende mit einem Mindfuck um die Ecke zu kommen, was ich hier und da ein bisschen befürchtet hatte.

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                                          • 7 .5

                                            [...] BERBERIAN SOUND STUDIO ist eine höchst vergnügliche kafkaeske Komödie mit vielen Thriller-Elementen, die einem immer wieder das Lächeln im Gesicht einfrieren lässt. Der Zuschauer ist dabei ein bisschen wie das Gemüse, das an einer Stelle immer wieder in ein Wasserbecken getaucht wird: Zwischen schier grotesk und bedrohlich schwankt die Atmosphäre – man weiß es nie genau, und dadurch wird alles umso beunruhigender, zumal fast der komplette Film in einem klaustrophobisch engen Tonstudio spielt. Einen Blick auf „The Equestrian Vortex“ haben nur Figuren, nicht der Zuschauer, der alles über diesen Film-im-Film über den Ton und die handwerklich produzierten Geräusche erfährt.
                                            BERBERIAN SOUND STUDIO ist nicht nur eine gelungene Hommage an das italienische Genre Kino der 1970er Jahre, sondern eine Verbeugung vor dem Filmton – und den Handwerkern und Künstlern, die diesen seit über 80 Jahren gestalten.

                                            • 5 .5

                                              Ein unscheinbares Muttersöhnchen soll einen Hexenhorror vertonen und fühlt sich sichtbar unwohl dabei. Außer geilen Soundeffekten und viel Machogehabe unserer südlichen Nachbarn kommt dabei aber nicht heraus.

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                                              • 8

                                                BERBERIAN SOUND STUDIO ist nicht nur eine gelungene Hommage an das italienische Genre Kino der 1970er Jahre, sondern eine Verbeugung vor dem Filmton – und den Handwerkern und Künstlern, die diesen seit über 80 Jahren gestalten.

                                                • 8

                                                  "Berberian Sound Studio" ist ein absolutes Lehrstück in Sachen Atmosphäre und handwerklicher Finesse.
                                                  Die Geschichte eines Toningenieurs, der sich in den nervenzehrenden Klangaufnahmen eines Horrorfilms verliert, wurde von Regisseur Strickland extrem effektiv inszeniert. Dadurch, dass sich der gesamte Film fast ausschließlich in und außerhalb des titelgebenden Tonstudios abspielt, entsteht schon mal eine äußerst dichte, kammerspielartige Kulisse. Zudem beweist der Streifen, dass die Soundkulisse bei einem Horrorfilm immer noch mit das wichtigste ist. Deshalb funktioniert er einerseits als Hommage an große italienische Klassiker aus den 70ern , gleichzeitig regt er aber auch das Kopfkino des Zuschauers extrem an, da nie wirklich Szenen aus dem Film im Film zu sehen sind, sondern nur das Entstehen der Geräusche.
                                                  Über 2/3 der Laufzeit hinweg ensteht hierdurch eine bedrückende Stimmung, in die man sich nach und nach hineinzufinden scheint, bis der Film im letzten Drittel dann schließlich vollständig in surreale, bizarre Gefilde kippt. Realität und Wahnvorstellungen der Hauptfigur scheinen sich zu vermischen und der Film verwandelt sich in einen Trip á la David Lynch, der einen wohlig mindfucked in den Abspann entlässt.
                                                  Durch das konzentrierte Spiel des Hauptdarstellers, die reduzierte Kulisse und die unglaublich dichte, bedrückende Inszenierung des Regisseurs ist "Berberian Sound Studio" ein atmosphärisches Highlight sowie eine tolle Hommage an hoffentlich nicht längst vergessene Klassiker.

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                                                  • 8

                                                    [...] Wenn sich die schwarzen Handschuhe langsam vom unteren Rand in das Bild schieben, dann grinst der Giallo-Liebhaber. Wenn Melonen, Radieschen, Auberginen und Kopfsalate zu Gunsten des perfekten Sounds manisch massakriert und zerrupft werden, dann ist das nicht nur auf bizarre Art und Weise amüsant, es ist gleichwohl Hofknicks vor der Nostalgie des Kinos, aber auch Mahnmal vor der Kraft der Illusionen, denen Gilderoy höchstpersönlich verfällt: Willkommen im Reich der Täuschungen. „Berberian Sound Studio“ definiert sich dabei als Referenzfilm und Hommage mit all seinen offensichtlichen und versteckten Querverweisen. Gleichwohl inszeniert Strickland – lyncheske Schlüsselassoziationen hin oder her – einen autarken Psychotrip, der mit unserer auditiven wie visuellen Resonanz spielt, Ohren spitzt, Augen schärft, die Sinne sensibilisiert, natürliche Reaktionen auf das Unbestimmte, das Mysteriöse erweckt und den Zuschauer am Ende dann doch alleine lässt: Ein Vexierspiel, dessen knisterndes Zelluloid kein Zufall bedeutet. [...]

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