Blade Runner 2049 - Kritik

Blade Runner 2049 / AT: Blade Runner 2

GB/US/CA · 2017 · Laufzeit 163 Minuten · FSK 12 · Science Fiction-Film · Kinostart
Du
  • 2 .5

    Ich check den Film mal son gar nich. Bin ich behindert oder muss man den Vorgänger gesehen haben?

    • 9

      [...] Es ist kein verstecktes Remake, nicht der eigene Replikant. Blade Runner 2049 ist ein echtes Sequel, das nicht ausschließlich und verbissen in der Vergangenheit schwelgt, sondern bereit ist sich logisch und vor allem sinnvoll weiter zu entwickeln. [...] Blade Runner 2049 ist autonomer als gedacht, stößt Fans dabei keinesfalls vor den Kopf. Er nimmt sie viel deutlicher ernst, indem er ihnen nicht einfach nur das Gleiche in so ähnlich noch mal gibt. [...] Warum nochmal unter vorgehaltener Hand in Gleichnissen sprechen, wenn kaum ein Film so sehr analysiert und seziert wurde wie Blade Runner über die Jahre? Wir wissen es doch alle, also gleich Klartext. Das ist reif, das zeugt von Größe und Verständnis. [...]
      Dekodiert vorzugehen heißt nicht automatisch weniger komplex zu sein. Auch Blade Runner 2049 stellt nach wie vor die bekannten Fragen, ohne so vermessen zu sein darauf die eindeutigen Antworten abliefern zu wollen. [...] Das alte Thema, neu angepackt, frisch aufgemotzt und da ist dieser Film ein Musterbeispiel, wie die Mittel des modernen Kinos verwendet werden sollten, ohne sich auf ihnen nur auszuruhen. Von seinen Bildern, seiner Soundkulisse, seinen Effekten und seinen Setpieces ist Blade Runner 2049 atemberaubend. Macht das, was vor 35 Jahren eben noch nicht möglich war, was heute nur legitim und vernünftig ist. Wenn man denn, ganz nebenbei, auch noch seine Geschichte wertschätzt, sollte man überhaupt eine besitzen. Das lässt sich vielen Blockbustern kaum unterstellen. Dieser hier schlägt die Brücke zwischen Staunen und Erzählen als wäre es so selbstverständlich, wie es leider selten der Fall ist. [...]

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      • 7
        ScheichHabib 23.10.2017, 14:53 Geändert 23.10.2017, 16:11

        DRIVE 2049: BORE RUNNER. Will ja nix sagen. Aber der is schon ne solide Stunde zu lang, oder? Vorschlag: Alles mit Leto raus (hä?), alles mit Tattergreis Ford raus (Mega-lol). Und gerne einfach direkt den Original-Score. Das hier klingt wie ne Vangelis-Session, bei der Hans Zimmer völlig besoffen ins Studio stürmt und wild gestikulierend seinen Inception-Button raped. Den Rest finde ich ordentlich! Als hätte jemand Nicolas Winding Refn nen Blockbuster drehen lassen. Die Alexa-Sex-Szene ist sogar ein wenig abseitig und erinnert an Zeiten, als Leute wie Cronenberg noch fettes Kino durften.

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        • 6 .5

          Harrison Ford taucht auf und der Film fällt zusammen. Fairerweise, das hat in diesem Fall nichts mit dem Vorruheständler als Schauspieler zu tun. Sein Deckard ist in dieser Geschichte schlicht unnötig wie ein Horn am Pferd. Am Ende geht der Film dementsprechend den Bach runter. Ana de Armas wunderbare Joi verschwindet, Ryan Gosling (Kategorie: Typecasting) wird an den Rand gedrängt wird. Mich hat "Blade Runner 2049" vor allem an die diesjährige Variante von "Ghost in the Shell" erinnert. Auch der Film hat sich zaghaft auf eigene Wege gewagte und stolperte schließlich über das große Vorbild. Ironischerweise war der als Remake beworbene "Ghost in the Shell" letztendlich eine konsequentere Fortführung, als dieser "Blade Runner". Denn Villeneuve konserviert vor allem gekonnt. Die Stadt als Höllenschlund, die harten Schatten, die kargen Wohnräumer voller Relikte einer vergangenen Zukunft - dazu noch Vangelis interpretiert von Hans Zimmer und Einstellungen von 1982 durch die Augen von Deakins. So viel eigenes steckt in "2049" nicht, dafür eine große Portion "Her" von Spike Jonze. "Blade Runner 2049" ist trotzdem stark. Wenn er kopiert und wenn er eigene Wege geht. "Blade Runner 2049" schafft es aber nie, diese beiden Ebenen zu einem stimmigen Ganzen zu verbinden.

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          • 7 .5
            BlueFox 23.10.2017, 00:15 Geändert 23.10.2017, 01:20

            Das mögliche "Style over Substance" ist natürlich eh garantiert, wenn man derartig Style macht. Villeneuve bleibt aus meiner Sicht weiter der Regisseur, der den ernstzunehmenden Teil des augenblicklichen Zeitgeistes auf die kontinuierliche Großindustrie überträgt und zusätzlich nicht selten einen der besten Genre-Blockbuster des jeweiligen Jahres über dem Nolan-Hype auspackt. Nach Stuss über Stuss sackt man hier fast erleichtert im Kinosessel zusammen wie in einer heißen Badewanne. Und Zimmer bringt seinen Kram gleichzeitig zur endgültigen Konsequenz - dahinter geht nichts mehr. Der Film ist faszinierend. Er ist faszinierend bis er sich leider in der letzten halben Stunde u.a. mit Harrison Ford verzettelt, dessen natürlich humoristischen Manierismen zusammen mit dem "Wiedersee-Effekt" durch die Decke einer tiefgrauen und mit Schwermut gefüllten Fuller-Kuppel donnern. Und auch sonst quietscht die Plot-Mechanik während sich das Mosaik zusammenfügt mehr als sie flutscht. Aber 7.5 ist eine harte Wertung für diesen gelungenen Film. Is die alte MP-Geschichte: Entweder man bewertet fair im Bezug auf andere Filme oder eben emotional. Und Letzteres scheint mir durch die oben erwähnte Situation zu verführerisch.

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            • 10

              Kurz:
              Do androids dream of electric oscars?

              Lang:
              Der Blade Runner, welcher 1982 ins Kino kam, war ein mehr oder weniger schlecht geschnittener und inkohärenter Film. Nichtsdestotrotz mochte sich dieser in den letzten 30 Jahren zum prägenden Kultfilm entwickeln. Die Erzeugung eines dystopischen Amerikas, gefärbt in einer nie dagewesenen Sci-Fi-Optik, blieb nicht nur im kulturellen Gewissen der letzten 30 Jahre hängen, sondern schien auch dessen Regisseur nie loszulassen.

              Nicht ganz frei jeglicher Ironie ist ausgerechnet jener Blade Runner, der dann in die Filmgeschichte einging, ein Replikant. Zehn Jahre nach dem ersten Wurf kam eine angepasste Version auf den Markt und fünfzehn Jahre darauf nochmals eine. Mit dem Final Cut veröffentlichte Ridley Scott 2007 die letzte (und beste) Version des Films und liess endgültig die direktorialen Finger ab der futuristischen Röschti. Scott verzichtete sowohl auf die lästigen Voice-Overs als auch das aus Luftmaterial von The Shining zusammengestohlene Happy Ending und fügte Szenen an, welche die wichtigste Frage überhaupt stellen: handelt es sich bei Harrison Fords misanthropischem Deckard um einen Replikanten? Soweit so ungeklärt.

              Nun hat man sich Denis Villeneuve zugewendet, um das schier Unmögliche möglich zu machen: ein Quasi-Sequel zu einem Film, dessen kulturelle Grösse die effektive Qualität in den Schatten stellt. Der Regisseur von “Arrival” und “Sicario” meistert aber das Undenkbare und serviert uns mit Blade Runner 2049 einen Film, welcher es schafft mit einer Mischung aus atemberaubenden Spektakel und stiller Poesie eine eigenständige Weiterentwicklung des Originals zu sein.

              Wir schreiben das Jahr 2049. Officer K (Ryan Gosling) ist ein Blade Runner der nächsten Generation. Wie Deckard vor dreissig Jahren ist auch er auf der Jagd nach unerwünschten Replikanten. Nach einem vermeintlichen Routinejob muss er sich auf die Fährte eines dreissig jährigen Mysteriums begeben, welches seine ganze Existenz in Frage zu stellen scheint. Begleitet auf seiner ödipalen Sinnsuche wird er von seiner virtuellen Freundin Joi (bezauberd: Ana de Armas).

              Optisch bleibt Blade Runner 2049 seinem Vorgänger treu. Zurück ist das im Regen untergehende multikulturelle Los Angeles mit seinen dauerhaften Neonwerbungen, 1980er Futurismus und sensorischen Überbelastungen. Die Optik ist das Schmuckstück des Streifens und so führt Ks Reise ihn durch karge Wüstenlandschaften, ewige Mülldeponien, ein verstrahltes Las Vegas und sonstigen grossangelegten Überbleibsel einer längst zerstörten Welt.

              Noch nie hat die dystopische Zukunft so umwerfend ausgesehen. Lorbeeren verdienen Production Designer Dennis Gassner und der ehrenwürdige Kinematograf Roger Deakins. Zweiterer führt die Kamera durch eine atemberaubende Welt, in welcher sich reale nicht von computergenerierten Szenenbildern unterscheiden lassen. Man möge dem Herren jetzt bitte seinen Oscar geben.

              Trotz einiger Ehrfurcht einflössenden Action-Sequenzen schreitet der Film in einem erstaunlich kontemplativen, ruhigem Tempo voran. Officer K läuft in nahezu filmischer Trance an einer Palette von dystopischer Kulturphilosophien vorbei. Sklaverei, Speziesismus, Kinderarbeit, ökologische und kapitalistische Zukunftslosigkeit, für einen Film, bei welchem es primär um Replikanten geht, hat Villeneuve ein äusserst menschliches Narrativ gesponnen. Auch dank einem gelungenen Diskurs über künstliche Erinnerungen, ist Blade Runner 2049 ein grosser Film voller Seele und Menschlichkeit.

              Untermalt wird die Wucht an Themen und Bildern mit einen dröhnenden Synthesizer-Soundtrack. Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch geben ihren besten Vangelis, nachdem der eigentliche Komponist Jóhann Jóhannsson vor einigen Monaten abgesetzt wurde, weil sein Soundtrack, naja, wohl zu wenig Vangelis war.

              Manchen mag das Narrativ zu langsam vorwärtsschreiten. Denn dieses brennt mit 164 Minuten doch eine beträchtliche Länge auf das Celluloid. Doch die imposanten Szenenbilder, die atemberaubende Kinematographie und die schon fast arrogante Stilsicherheit Villeneuves lösen das selten gewordene Gefühl aus, wieder einmal Filmgeschichte mitbekommen zu haben.

              Fazit:
              Mit Blade Runner 2049 hat sich Denis Villeneuve einem beinahe unmöglichen Filmprojekt zugewendet. Dies mit betörendem Erfolg. Blade Runner 2049 ist ein bestechender und grosser Film, welcher mit unerwartet wenig brachialer Action und überraschend poetischen Momenten zu überzeugen weiss. Villeneuve vermag es, wie andere Regisseure schon lange nicht mehr, mit einem Film sein Publikum zum Staunen zu bringen und die post-humane Frage des “Final Cut” gekonnt weiterzuspinnen.

              Als nächstes munkelt man ja, dass er sich dem (wie manche meinen) langjährigsten Hollywood Produktionsdesaster der Filmgeschichte zuwenden will. Nach Blade Runner 2049 wären wir jedenfalls schon mal sehr gespannt auf Villeneuve’s Dune.

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              • 9

                Und ich dachte, so etwas würde heutzutage gar nicht mehr hergestellt. Mensch.

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                • 5
                  JimiAntiloop 22.10.2017, 17:30 Geändert 22.10.2017, 17:41

                  Mir wird gerad immer n bisschen schlecht, wenn ich die Werbesequenzen für die Hartalk,Tabakindustrie und der Koffeincrackindustire in den Großproduktionen seh. Ist aber allgemeiner Virus dieser Welt, der einem an jeder Ecke angrinst.
                  Im Orignal hatte Deckert zumindest ein Alkoholproblem, im sequel wird Sucht nur noch mit Style in Szene gesetzt und schließlich sogar mit einem Witz (Hund) für die Alkoholaffinen zusätzlich positiv konnontiert.

                  Rein sciencefictionphilosophisch hat die Geschichte nur wenig zu bieten. Allein die ausgebaute Idee des Erinnerungsimplantierens wusste mir zu gefallen, bleibt aber auch hinter ihren Möglichkeiten. Die schöne Optik und Kullisse kann mir das auch nicht schmackhafter machen. Nur Filme wegen ihrer Oberfläche zu schauen ist mir leider nichts mehr.

                  P.S.: Fand jemand anderes die Methode in der Liebesszene eigentlich auch völlig Banane?

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                  • 9 .5

                    Mehr geht nicht! Zugegeben hatte ich die Befürchtung, dass mein absoluter Lieblingsfilm, durch den Kakao gezogen würde, aber das ist Mitnichten der Fall.
                    Villeneuve hat alles richtig gemacht und einen Film geschaffen, der qualitativ weit über dem durchschnittlichen Schrott liegt, der heutzutage als "Blockbuster" durch die Filmpaläste zieht. Eine wahre Freude waren die Reminiszenzen an den BR von R.Scott. Trotz dieses Bezuges noch ein eigenes Design zu erschaffen, diese Gradwanderung hat Villeneuve bravourös gemeistert. Ich werde mir diesen Film definitiv noch mehrere Male anschauen, und bin überzeugt, dass ich noch mehrfach sagen werde: So soll Kino sein!! Bildgewaltig, philosophisch, magisch!

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                    • 8

                      Zum Glück kein Replikant, sondern ein waschechtes Baby des Originals, durchzieht Villeneuves zweiter großer Sci-Fi-Streich in zwei Jahren spürbar die DNA von Ridley Scotts Meisterwerk und anderen Genrevertretern, ohne, dass er keine eigenen Akzente zu setzen wüsste. Sein Blade Runner ist nun ganz ohne Ambivalenzen Replikant, der sich immer weniger heimlich nach Menschlichkeit sehnt und erstmal lernen muss, was das überhaupt heißen soll. Diese stille Selbstwerdung wird in der nur auf den ersten Blick simplen Geschichte in genuin überraschenden Twists und cleveren Einzelszenen entfaltet. Eine romantische Sehnsucht nach Identität und Erlösung scheint alle Bewohner dieser Welt des technologisierten Stillstands zu quälen, ob Replikant, Escort-Damen-Hologramm oder Harrison Ford. Der Film gewährt ihnen nur begrenzt Antworten, am wichtigsten davon vielleicht die, dass es auf die große Erkenntnis möglicherweise gar nicht ankommt, weil sich das “Ich” im unmittelbaren, eigenverantwortlichen Tun und Empfinden immer schon seiner selbst gewiss ist. Das muss Joe, Deckard und Descartes ausreichen.
                      So viel zum Philosophischen. Und weil es jeder schon gesagt hat, aber es halt stimmt, hier nur am Rande: Visuell (und, bis das Zimmersche Gedröhne Überhand nimmt, auch auditiv) ist das alles vermutlich das bombastischste cineastische Erlebnis dieses Jahres.

                      • 8

                        Ein immersives Filmerlebnis. Bild-und Soundgewalt haben dich deine Umgebung für 163 Minuten vergessen lassen und du warst gefangen in der düster dystopischen Welt des Officer K. Gemütlich war es nicht, aber das sollte es ja auch nicht sein.

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                        • 10
                          DoctorWho 22.10.2017, 08:51 Geändert 22.10.2017, 17:00

                          Einfach nur fantastisch. Nur der Charakter der Luv war mir zu klischeemäßig und nach dem Schema F.
                          Aber die gesamten restlichen 99% der Inhalte und Elemente des Films waren grandios. Der Ton war überwältigend, die Effekte atemberaubend, grade weil sie so zurückhaltend waren und nicht einem mit dem Vorschlaghammer ins Gesicht hauen. Die Sets sahen so lebensecht aus, dass ich mich bei jedes Szene gefragt habe, ob sie dieses nun echt gebaut haben, oder ob es aus dem Computer stammt.
                          Roger Deakins hinter der Kamera und Ryan Gosling vor der Kamera machen ihre Arbeit überragend, genau wie Denis Villeneuve auf dem Regiestuhl.
                          Selten habe ich so einen perfekt inszenierten Film gesehen.

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                          • 9
                            Toaster85 20.10.2017, 23:48 Geändert 21.10.2017, 12:16

                            Ich komme gerade von meinem zweiten Kinobesuch nach Hause!
                            Ich muss gestehen, dass mir der Film jetzt noch um einiges besser gefallen hat. Da ich da die Story schon kannte, konnte ich viel mehr auf Details achten etc. und das war einfach nur grandios. Ein, für mich, ausgezeichneter Film!
                            Allein die Entwicklung von K/Joe ist einfach nur gut gemacht. Viel besser als von Deckard im ersten Teil und Harrison Ford spielt seine Rolle so gut. Die Bilder, die Musik, das ganze Thema, wahnsinn!

                            Von 8,5 hoch auf 9/10

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                              Habe ihn gestern gesehen und nach 2 Stunden den Saal verlassen , denn sonst wäre Ich eingeschlafen. Nur eine geile Optik und Sound machen noch lange kein guten Film. Keine Spannung keine Action.
                              Ich weiss ja das Film immer geschmacksache ist. Aber so ein zäher Käse......... nein danke.

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                              • 7 .5

                                Die Fortsetzung des einflussreichen aber angestaubten Science-Fiction-Klassikers ist visuell und klanglich beeindruckend, hat aber zwei große Markel. Zum einen ist die Handlung recht vorhersehbar, entscheidende Hinweise werden früh gegeben und man hat genügend Zeit die Puzzleteile zusammenzusetzen, während die Charaktere noch Löcher ins Off starren. Denn zum anderen hat Blade Runner 2049 eine arg gemächliche Gangart. Besonders dieser Umstand dürfte ihm in Anbetracht seiner Überlänge für viele Kinobesucher das Genick brechen. Mehrmals wird Spannung aufgebaut, die sich dann aber einfach wieder verläuft. Fans des ersten Teils hingegen, werden sich freuen, wie gut er damit das Feeling reproduziert.
                                Ich für meinen Teil habe den Film jedenfalls sehr genossen. Er spricht einige Themen und Aspekte an, mit denen ich mich ohnehin viel beschäftige und die Atmosphäre empfand ich unglaublich eindringlich. Das entscheidende geschieht hier trotz aller "Vistas" ganz subtil und wird nicht zuletzt von Ryan Goslings Charakter getragen. Vor allem aber freut mich, dass sich Blade Runner 2049 an alle Schnittfassungen des ersten Teils anfügen lässt. Ich hatte mit einer Plumpen Anknüpfung an die Kinofassung gerechnet, aber tatsächlich ist die Fortsetzung intelligenter gelöst als erwartet. Vieles hätte zwar mit etwas mehr Dynamik erzählt werden können, aber für eine Reise in eine andere Welt, in der man auch mal von der Handlung abschweifen und sich einfach nur umsehen kann, ist das gerade recht.

                                • 9

                                  9 von 10 elektronischen Schäfchen.

                                  Ich hatte ja so meine Bedenken im Vorfeld des Kinostarts von BLADE RUNNER 2049, vor allem der Kombination aus Stichwörtern wie „Fortsetzung“ und „Ridley-Scott“ wegen. Hat doch Scott mit seinen jüngsten ALIEN-Verwurstungen schmerzhaft bewiesen, dass er in seinem Zwang, aus alten Erfolgen profitable Franchise fähige Markennamen zu machen, dazu fähig ist, diese Namen ernsthaft zu beschädigen. Nach der mittleren Endtäuschung PROMETHEUS habe ich deswegen schon ALIEN:COVENENT erfolgreich im Kino boykottiert, zu recht, wie’s sich herausgestellt hat. Nun hatte ich bei BR ähnliches vorgehabt, hatte ich doch auch in diesem Fall die Befürchtung, dass einmal mehr einer meiner Lieblingsklassiker aus dem Sci-Fi-Genre mit einer dieser heute so obligatorisch wie geistlosen Fortsetzungen zwecks des Kuhmelkens wegen „gesegnet“ wird. Allerdings haben mich vor allem zwei Faktoren nun doch zum Kinobesuch bewegen können. Zum einen war es die überraschend positive Resonanz von BR2049 bei den Kritikern und zum anderen war es der Namen Denis Villeneuve, der mich mit seinen inszenatorisch wie erzählerisch herausragenden Werken wie PRISONERS, ENEMY und ARRIVAL bisher immer hat überzeugen können. Also bin ich doch ins Kino gegangen und muss es nun glücklicherweise nicht bereuen.

                                  BR2049 hat das vermieden, was viel zu viele Fortsetzungen von heute falsch machen, nämlich in den Geschichten der Originale herum zupfuschen, diese neu erzählen, oder deren narratives Gehalt umdeuten zu wollen (meine Gedanken kreisen dabei um Mist wie T-GENYSIS ect.), im Glauben, dem Publikum einen alles verändernden Twist servieren zu müssen. Nein, BR2049 ist eine klassische reine Fortsetzung die ihre eigene Geschichte erzählt und diese gekonnt an die des Originals anschließt. In diesem Sinne kann man BR2049 mit aller Berechtigung neben Fortsetzungen wie ALIENS oder TERMINATOR 2 einreihen.

                                  BR2049 erzählt eine eigentlich ziemlich deprimierende Geschichte. Wir folgen dem Replikanten K, der ohne Namen und Seele einfach seinen Job als Blade Runner im verseuchten Moloch namens LA erledigt und dafür als „Skinner“ weder von seinen menschlichen Kollegen, noch den Nachbarn im Block sonderlich geschätzt wird. Abseits des Jobs versucht er mit Hilfe eines Joi-Hologramms so etwas wie ein Sozialleben zu imitieren, was zu einigen Herz zerreisenden Momenten führt. Mich erinnerte diese Beziehung an jene, die so manche Leute heute zu ihrem Smartphone führen. Vor ein paar Jahren hatte ich mein USB-Stick mit hunderten Text- und Bilddokumenten für mein Studium verloren, was mich einige Zeit ziemlich niedergeschlagen hat. Eine ähnliche Szene wird hier gezeigt, nur das dieser Verlust sich für K wesentlich traumatischer gestaltet, geht damit doch das verloren was er bis dahin als „Leben“ erfahren hat. Wunderbar dann auch die Szene als er seine Liebste als Werbereklame wiedersieht, die sich dabei als wohl billiges Massenprodukt aus Bits und Bytes in Erinnerung bringt, dessen Liebe und Hingabe zu ihm sich nur aus der Programmierung eines Herstellers geniert hat. Und doch war dieses Produkt K’s einziger sozialer Anker. Ich bin mir sicher, dass es schon heute, in der von zunehmender sozialer Vereinsamung geprägten Gesellschaft wie der unseren, es Menschen gibt, die sich eine Träne haben verdrücken müssen, nachdem ihr Smartphone unter die Räder gekommen ist, oder der Hund, die Katze, oder die Fernbedienung.

                                  Wir sehen K, wie seine traurige Existenz mit Hoffnung gefüllt wird, als ihm während seiner Ermittlungen nach und nach dämmert, dass seine Kindheitserinnerungen vielleicht doch keine künstlich implantieren Bilder sind, dass er mehr als nur ein Replikant sein könnte der nicht hergestellt, sondern wie ein Mensch von einer Mutter unter dem Herzen kommend ins Leben „gepresst“ wurde. Nur um dann am Ende die bittere Erfahrung zu machen, dass er für alle doch nur das ist, was eine nützliche Maschine auszumachen hat. Das gilt für seine Vorgesetzten beim LAPD, dem Replikanten-Widerstand, wie auch für seine vermeintlichen Eltern. Die Jagd nach dem Replikantenkind ist der zentrale Handlungsstrang, an dem der Film seine Fragen zu Existenz und vor allem um Existenzberechtigung zur Diskussion anschlägt. Ab wann beginnt das Menschsein, oder auch das Leben? Für den Replikanten K, dem es im Rahmen seines vorprogrammierten Tätigkeitsfeldes keine Probleme bereitet seinesgleichen „in den Ruhestand zu befördern“, treten mit dem Kind wohl erstmals einige Widersprüchlichkeiten an seiner eigenen Bestimmung auf, geht er doch davon aus, dass etwas das geboren wird eine Seele haben muss und folglich nicht von ihm verfolgt werden darf. K nähert sich mit fortschreitender Handlung damit einer ketzerischen Position an, stellt sich dieser Widerspruch für seine menschlichen Vorgesetzten und gleichgearteten Mitarbeiter nicht. Eine Selbstreproduzierung von Replikanten wird von ihnen als ernsthafte Bedrohung der eigenen Existenzberechtigung erkannt, die folglich der Erhaltung der „natürlichen (menschlichen) Ordnung“ willen unterbunden werden muss. Als dritter Akteur mit ganz anderer Motivation tritt der Großindustrielle Niander Wallace auf, der als Produzent der Replikanten in der Nachfolge von Tyrell Corp. von Haus aus schon einem Gottkomplex erlegen ist nun aber dank des Kindes die Chance wittert, sich vollends in die Kontrolle über die Schöpfung zu setzen.

                                  Villeneuve lässt uns an am Replikanten von der traurigen Gestalt und der Jagd nach dem Kind in bedrückenden Bildern und Tönen teilhaben, die den im Original gezeichneten Handlungsraum gekonnt erweitern. Wir sehen den Moloch LA, der sich wohl über gesamt Südkalifornien und darüber hinaus erstreckt, als eine einzige gigantische Müllhalde. Über diesen von Millionen von Menschen und Replikanten bewohnten Müll erheben sich die gewaltigen Komplexe der Herrschaft, das heißt der Konzerne, die allerdings nur noch Schemenhaft zu erkennen sind. Denn man braucht keine Messinstrumente mehr um die global vorherrschende Feinstaubbelastung in der Atmosphäre ermessen zu können. Dieselskandal ist hier nur ein Fremdwort aus der Vergangenheit, denn was ist an der Normalität schon skandalös. Ob es hier noch Leugner des Klimawandels gibt? Aber vielleicht sind diese gigantischen Zunamiwellen, die unentwegt gegen die hochhausgroße Staumauer von LA brechen ja nur eine liberale Fake-News. Ob ein Donald Trump für die Kalifornier so eine Mauer bauen würde, nachdem die Polkappen einmal geschmolzen sind?

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                                  • Luke Nightingale 20.10.2017, 09:21 Geändert 20.10.2017, 11:19

                                    Vielleicht hat der ein oder andere hier in letzter Zeit ein Video (https://www.youtube.com/watch?v=wWoP8VpbpYI&t=10s) oder einen Tweet von jemandem gesehen, der erwähnt, neulich bemerkt zu haben, dass es sich im originalen "Blade Runner" bei der ersten Annäherung Deckards an Rachel (von manchen als Start einer Beziehung interpretiert) eindeutig um eine Vergewaltigung handelt. Sich mit dem Umstand auseinanderzusetzen, dass das kaum jemandem aufgefallen ist, ist sehr interessant. Erwähnenswert ist in erster Linie, dass die angesprochene "Beziehung" in der Form gar nicht existiert. Rachel spielt nach diesem Ereignis bis zur letzten Szene des Films keine Rolle mehr, weshalb diese die einzige ist, in der danach überhaupt noch eine Interaktion zwischen ihr und Deckard gezeigt wird. Erstere Szene endet damit, dass jener ihr zweimal vorgibt, was sie zu sagen habe, und sie das dann einfach wiederholt, eben wie eine Maschine, die er programmiert. Er, der ihr überhaupt erst die Information gebracht hat, eine Replikantin zu sein, macht sie durch die Macht, die er aufgrund seiner Position über sie hat, auf diese Weise zu einer rein zweckdienlichen Sexpuppe, während in der darauffolgenden Szene die als ebensolche erschaffene Replikantin Pris umgekehrt "Sex" dazu nutzt, um sich einen Vorteil von der Position JF Sebastians zu verschaffen.

                                    Wichtiger ist in diesem Kontext aber erwähnte letzte Szene des Films, also die erste Interaktion Deckards mit Rachel nach der Vergewaltigung, in welcher er mit ihr ausschließlich auf exakt dieselbe Art kommuniziert: Nämlich legt er ihr zweimal nahe, eine bestimmte Aussage zu treffen ("I love You", "I trust You"), was sie dann auch tut. Auch hier kann man in keiner Form von sowas wie einer romantischen "Beziehung" sprechen.

                                    Ohne diese Szene jetzt deuten zu wollen, würde ich hier eher gerne ansprechen, auf welche überaus fragwürdige Weise die Fortsetzung mit dieser Thematik umgeht. Diese baut sich gänzlich darauf auf, durchaus eine in jeder Hinsicht romantisierte Beziehung zwischen Deckard und Rachel anzunehmen, um auf dieser Basis die Geburt deren Kindes als Wunder darlegen zu können, anhand dessen Replikanten vermenschlicht werden sollen. Nicht nur wird dadurch gerade Rachel, die in Anbetracht ihrer Rolle im Vorgänger einen respektvolleren Umgang verdient hätte, erst recht zu einem in diesem Fall rein der Geburt dienenden Objekt (Diesmal nicht als Sexpuppe, wofür der zwar digital gedrehte, aber sich gegen Digitalisierung aussprechende Film ein digitales Äquivalent hat) statt eines für sich selbst stehenden Subjektes (Von dieser Kritik möchte ich jetzt mal den Umstand, dass sie mittels CGI kurz wiederverwendet wurde, ausklammern, da man um sich an dem zu stören, wohl das Thema des Films vergessen haben muss), sondern "Blade Runner 2049" versucht auch noch zur Aufrechterhaltung dieses Konstruktes die Vergewaltigungsszene auf überaus denkfaule Weise zu rechtfertigen: Und das nicht mal aus ihrer Sicht, sondern aus der von K, der bei einer Videoaufnahme des an Rachel durchgeführtes Test einfach mal einwirft, in ihren Augen zu erkennen, dass sie auf Deckard stehe und ihn provozieren bzw herausfordern wolle. Wer meint, anhand dieser erst recht von männlicher Dominanz geprägten Ansicht Rachel ein Einverständnis für Deckards Tat andichten zu können, um damit nicht hinterfragen zu müssen, wieso man diesen Film auf der Annahme aufbaut, es hätte zwischen den beiden eine Beziehung gegeben, der sieht Frauen auch als Spinnen.

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                                      DerDude_ 20.10.2017, 03:52 Geändert 20.10.2017, 05:41

                                      Es war wohl das Beste, BLADE RUNNER 2049 noch ein paar Wochen sacken zu lassen. Viele Dinge wirken mit etwas Distanz klarer, als nach dem direkten Seherlebnis.
                                      Denis Villeneuve hat einen Film gedreht, der nun 35 Jahre nach seinem Vorgänger erschienen ist und ihn, in Sachen Laufzeit, um 50 Minuten überholt. Wie ich in meinem letzten Kommentar bereits schrieb : Die Welt, die Philip K. Dick einst schuf ist eine, in der wir einen relativ kurzen Einblick werfen, die sich aber gigantisch anfühlt, einfach weil jedes Detail des Original BLADE RUNNER wie ein eigenständiges Kunstwerk fungieren kann. Gleichzeitig aber ist sein philosophisches Thema ein unabstreitbar zeitloses, gerade wenn der Fluss an Informationen unserer, immer digitaler werdenden, Welt nicht anhält und alles um uns herum immer künstlicher wird.
                                      Wenn es um das Design geht, so überzeugt der Film ab der ersten Minute. Roger Deakins BIlder sind wie immer eine Wucht, anders kennt man es von ihm auch nicht, aber sie haben ein entschiedenes Problem : Ihnen fehlt die Tiefe. Man kann den Original BLADE RUNNER auch noch weitere hundert mal sehen, man entdeckt in fast jedem Frame immer wieder neue Details. Es ist ein Film, der über eine völlig einzigartige Architektur verfügt, die sowohl ins futuristische, wie ins klassische driftet. Bei BLADE RUNNER 2049 hingegen habe ich das Gefühl, nach dem ersten Mal schauen wirklich alles gesehen zu haben. Die Atmosphäre ist steril, die Umgebung kahl. War die Welt des Original BLADE RUNNER von einem Chaos geprägt, ist hier alles perfekt geordnet. Gerade in den Fabriken der Replikanten ist dies spürbar : Leuchtete das Büro von Tyrell noch goldend, triumphierend über der Stadt und war bis in die tiefsten Ecken mit Zeug vollgestopft, so besteht die Firma von Niander Wallace aus Gängen und Sesseln. Thats it.
                                      Vielleicht ist das Alles so gedacht, aber ansprechen tut es mich deswegen leider nicht mehr. Genau das ist das gesamte Problem dieses Filmes : Er fühlt sich zu gewollt perfekt an. Seine Schönheit ist eine erzwungene, der Film lässt sie kaum atmen. Dasselbe gilt für die Story. So tiefschürend das Thema von BLADE RUNNER auch ist, seine Story ist eine eigentlich relativ simple. Der erste Teil legt eigentlich von Anfang an all seine Informationen auf den Tisch. Hier hingegen werden wir lange Zeit im Dunkeln gehalten, nur um einen Christopher Nolan-ähnlichen Mindfuck zu generieren, so scheint es zumindest.

                                      ACHTUNG SPOILER
                                      Thematisch gesehen baut dieser Film sehr auf seinem Vorgänger auf, führt ihn aber kaum weiter. Beide Filme handeln von Replikanten, die sich wünschen, Menschen zu sein. Der einzig vorhandene Unterschied ist der, das Roy Batty auf seiten der Bösen zu stehen scheint, während Officer K unsere Sympathien genießt. Am Ende entscheiden sich beide, einen Menschen, Deckard, zu retten und sorgen damit dafür, das ihre Flamme, zumindest in irgendeiner Weise, für immer brennen darf. Die Sterbeszene von Officer K. ist übrigens die beste des gesamten Filmes, nicht nur weil man Vangelis Score, leicht abgeändert, noch einmal hören darf, sondern auch weil in ihr die Erkenntnis inne wohnt, das alleine durch die Tatsache, das er überhaupt stirbt, er bereits menschlicher wird. Warum man die Replikanten nun durch die Tochter von Deckard und Rachel auf einer biologischen Ebene vermenschlichen muss, erschließt sich mir übrigens immer noch nicht. Das CGI-Replika von Sean Young am Ende war nicht weniger unnötig.
                                      SPOILER ENDE

                                      Warum dennoch solide 7 Punkte ? Weil in BLADE RUNNER 2049 zumindest mehr philosophischer Zündstoff vorhanden ist, als in sämtlichen hochbudgierten Blockbustern der letzten Jahre und der Film darüber hinaus sich, trotz seiner langen Laufzeit, sehr kurz anfühlt. Mit Leben füllen den Film aber erst seine Darsteller. Ryan Gosling spielt den stummen Einzelgänger ja inzwischen routiniert und überlässt das Feld eher seinen Nebendarstellern. Das Highlight unter ihnen bildet aber glasklar Harisson Ford, der zwar erst im letzten Drittel des Filmes überhaupt auftaucht, dann aber seine wohl beste Schauspielleistung des 21.Jahrhunderts ablegt, was aber auch nicht zu schwer gewesen sein sollte. Weiterhin sei eine wunderbar diabolische Sylvia Hoeks als feindlicher Replikant Luv zu erwähnen.
                                      Ja man kann mit BLADE RUNNER 2049 viel Spaß haben und man taucht auch gerne in seine Welt ein. Aber es wird wohl kein Film bleiben, der in irgendeiner Weise neuen Diskussionsstoff entfachen wird und stattdessen Kernelemente seines Originals lieber in ein, für heutige Verhältnisse, spektakuläreres Gewand hüllt.

                                      Schade das diese Fortsetzung nicht bleiben wird.
                                      Aber welche tut das schon ?

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                                      • soilent 20.10.2017, 01:56 Geändert 20.10.2017, 01:57

                                        UPDATE DER QUANTI-ANALYSE
                                        -------------------------------------------------
                                        (Hier für Toaster85 das Update zu https://www.moviepilot.de/movies/blade-runner-2049/comments/1725491 )

                                        Jene, welche das Original (BR) besser* finden, sind extremere Fans, als die Liebhaber des neueren Sequels (BR2049):

                                        46,4%** bewerten BR besser: Ø9,1 (BR) v.s Ø7,4 (BR2049)
                                        15,9%** bewerten beide gleich: Ø8,9 (BR/BR249)
                                        37,7%** bewerten BR2049 besser: Ø8,8 (BR2049) vs. Ø7,4 (BR)
                                        ─────────────
                                        * "besser" = mind. 0,5 Punkte höhere Wertung, als beim anderen Film.
                                        ** Grundgesamtheit: 334 Freunde soilents, die beide Filme bewerteten.

                                        Das zeigt sich auch bei den Einstufungen als Lieblingsfilm:

                                        24,5% der BR-Präferenten markieren BR als "Lieblingsfilm", unter den BR2049-Präferenten markieren nur 8,7% BR2049 als "Lieblingsfilm". Die Gruppe ohne Präferenz (BR=BR2049) markiert zu 30,2% BR und zu 28,3% BR2049 als Lieblingsfilm.

                                        Wer zum neuen Film eine Meinung hat, hat meistens auch eine zum Original. Nur 13% der Sequel-Bewerter (BR2049) haben das Original (BR) nicht bewertet. Hingegen 84% derer, die den Klassiker bewertet haben, haben BR2049 noch nicht bewertet.

                                        Dass es ein Sequel gibt, hat sich herumgesprochen. So ist die Anzahl derer, welche BR schon bewertet haben und sich nun BR2049 vormerken, in den letzten drei Monaten von 16,6% auf 38,6% gestiegen (36,4% wenn BR "Lieblingsfilm" ist). In die andere Richtung sieht es so aus: 1,8% derer, welche den neuen Film bewerten, wollen auch dem Klassiker nachspüren. → https://www.moviepilot.de/movies/blade-runner

                                        Zu guter Letzt die klassischen Histogramme, wie ihr es von mir kennt. Sie zeigen, dass BR2049 ein mehrheitlich überdurchschnittlich gut bewerteter Film ist, der trotz höherer Durchschnittswertung jedoch nicht so viele ❤ erobern konnte, wie das Original.

                                        Bewertungshistogramm BR2049 ***
                                        ────────────────────────────
                                        10! | ███████████|▓▓▓▓▓▓ 12,2% (7,5%❤)
                                        9.5 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 9,3%
                                        9.0 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 17,1%
                                        8.5 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 15,5%
                                        8.0 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 17,9%
                                        7.5 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 6,5%
                                        7.0 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 8%
                                        6.5 | ▓▓▓▓▓ 3,4%
                                        6.0 | ▓▓▓▓ 3,1%
                                        5.5 | ▓ 1%
                                        5.0 | ▓▓▓ 1,8%
                                        4.5 | ▓▓ 1,3%
                                        4.0 | ▓ 1%
                                        3.5 | ▒ 0,3%
                                        3.0 | ▓ 0,8%
                                        2.5 | 0%
                                        2.0 | ▒ 0,3%
                                        1.5 | 0%
                                        1.0 | 0%
                                        0.5 | 0%
                                        0.0 | █ 0,5%(0,5%☠)
                                        ────────────────────────────
                                        *** Verteilung von 386 Wertungen (Ø8,1|★278|∅3) der Freunde soilents

                                        Bewertungshistogramm BR ****
                                        ────────────────────────────
                                        10! | ███████████████████|▓▓▓▓▓▓ 16,3% (12,3%❤)
                                        9.5 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 5,8%
                                        9.0 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 14,7%
                                        8.5 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 13%
                                        8.0 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 15%
                                        7.5 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 9,5%
                                        7.0 | ▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓▓ 9,8%
                                        6.5 | ▓▓▓▓▓▓▓ 4,3%
                                        6.0 | ▓▓▓▓▓ 3,4%
                                        5.5 | ▓▓ 1,4%
                                        5.0 | ▓▓▓ 2,3%
                                        4.5 | ▓ 0,7%
                                        4.0 | ▓▓ 1,5%
                                        3.5 | ▓ 0,5%
                                        3.0 | ▓ 0,7%
                                        2.5 | ▒ 0,1%
                                        2.0 | ▒ 0,2%
                                        1.5 | 0%
                                        1.0 | 0%
                                        0.5 | 0%
                                        0.0 | █ 0,6%(0,6%☠)
                                        ────────────────────────────
                                        **** Verteilung von 2031 Wertungen (Ø8,0|★78|∅249) der Freunde soilents

                                        · mp aktuell zu BR2049: Kritiker 7,7 | 54 Bewertungen | Community 8,1 | 1265 Bewertungen | 227 Kommentare
                                        · mp aktuell zur BR: Kritiker 8,6 | 115 Bewertungen | Community 7,6 | 21367 Bewertungen | 408 Kommentare

                                        science bitch!? befriend http://www.moviepilot.de/users/soilent

                                        20
                                        • 8 .5

                                          Blade Runner 2049 liefert ein fantastisches Sci-fi Kinoerlebnis mit einigen Schwächen ab. Die Story überzeugt leider mit einigen Lücken nicht ganz und die Schauspieler sind bis auf ein paar Ausnahmen zB. Ryan Gosling und Harrison Ford nicht sonderlich hervorzuheben, doch das audiovisuelle Erlebnis das den ersten Teil auch schon zu einem Meisterwerk gemacht hat ist hier auf einem bisher unerreichten Niveau. Vor allem will ich hier nochmals die fantastische Kameraarbeit hervorheben, die Einstellungen kreiert, die meiner Meinung nach als Kunstwerk an die Wand gehören. Ob der Film Zuhause solch einen Eindruck hinterlassen kann, wird sich zeigen.

                                          • Der richtige Film für ein Schlaflabor. Die Stimmung passt aber nach der hälfte
                                            braucht man erstmal einen Expresso.
                                            Den Film hätte sich mal Al Pacino in Insomnia anschauen sollen... dann
                                            hätte es auch mit dem Bettchen geklappt.

                                            4
                                            • 8 .5

                                              Blade Runner 2049 has an massive impact on the audience, mostly due to his stunning visuals and an amazing sound design. Denis Villeneuve shows an incredible eye for details in this movie. The viewer, who pays attention to these details, is rewarded with, the potential best movie of 2017.
                                              And it's been a long time, since Harrison Ford, has been given such a good role, as in this movie.

                                              • 8
                                                Ecto1 19.10.2017, 12:04 Geändert 19.10.2017, 12:05

                                                Audiovisuell ein tolles Spektakel welches hier von Denis Villeneuve serviert wird und ein Film welcher einem im Kino auf beeindruckende Weise in seine Welt zieht und nicht mehr loslässt.

                                                Der Stil des Vorgängers wird konsequent weitergeführt und erweitert und ich musste oft an "Ghost in the Shell" denken. Genau so hätte die Real-Verfilmung des Manga's aussehen können und nicht im Bonbon-Look ohne Nippel.
                                                Durch das überzeugende Production Design in Verbindung mit dem dröhnenden Soundteppich, hatte ich an manchen Stellen echte Gänsehaut!

                                                Dank der visuellen und inszenatorischen Wucht, vergehen die 160 Minuten recht fix und man verzeiht dem Film gerne so manche Länge welche sich doch eingeschlichen hat. Denis Villeneuve kann da nur bedingt etwas dafür, hatte er doch mit dem Drehbuch eher wenig zu tun.

                                                Gerne hätte man die Story etwas kompakter erzählen dürfen, denn so viel Fleisch am Plot-Knochen ist da auch wieder nicht. Auch wenn die Detektiv Geschichte spannend und emotional berührend erzählt wird, sind einige Dinge mehr oder weniger aus der Luft gegriffen, was im SciFi Genre aber wohl zum guten Ton gehört.

                                                Enttäuschend war vor allem die Figur des Niander Wallace (Jared Leto) welcher leicht überzeichnet und ohne echte Motivation zu sein scheint. Zumindest ist sein Antrieb nur schwer zu erkennen und seine "Assistentin" Luv (Sylvia Hoeks) wirkt weitaus spannender. Überhaupt sind die Parteien welche schlussendlich hinter K (Ryan Gosling) her sind - im Guten wie im Schlechten - völlig austauschbar und gefühlt recht schnell beeindruckt, was manches fernbleiben von der Handlung in Schlüsselszenen erklären könnte. Aber in einem visuellen Porno darf man sich eben keine Ablenkungen erlauben.

                                                "Blade Runner 2049" lässt also auch hier manches Film-Klischee nicht aus und legt sich die Ereignisse oft so zurecht, dass sie das stimmige Gesamtbild nicht beeinträchtigen. Leider ist das Ende durch solche Überlegungen alles andere als Rund und in meinen Augen der schwächste Part des Films.

                                                Aber dies ist meckern auf hohem Niveau, denn "Blade Runner 2049" ist pures Science-Fiction Kino höchster Güte. Auch wenn der philosophische Aspekt, wo beginnt Leben und ob Maschinen träumen, etwas auf der Strecke bleibt oder nur oberflächlich angekratzt wird um der Ermittlungsarbeit von K nicht im Weg zu stehen. Aber dadurch lässt einem der Film auch genügend Luft um sich seine eigenen Gedanken zu machen, auch wenn ich nach Filmen wie z.b "Ex: Machina" beeindruckter vor dem Schirm gesessen bin.

                                                Hier war es weniger die Geschichte, sondern das Gesamtwerk welches mich mit einem Schmunzeln in den späten Abend entlassen hat. Ob mich der Film auch im Heimkino, ohne die grosse Bühne noch einmal auf die gleiche Weise abholen kann, muss er aber erst noch beweisen.

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                                                • Habe ihn vor ein paar Tagen im Kino gesehen. Kulissen und Schauspieler überragend. Die Stimmung ist auch super aber das Drehbuch ist ein sehr langatmig. Dennoch würde ich ihn ein zweites Mal schauen.

                                                  • 10

                                                    War gerade nochmal im Kino und habe mich entschieden, den Film auf 10 Punkte hochzuwerten. Gut möglich, dass ich wieder einen halben oder gar ganzen Punkt abziehen werde, wenn ich ihn das erste Mal auf dem Fernseher oder Computer schaue, aber derzeit scheint mir die Höchstwertung das richtige Mittel, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Klar, der Film selbst ist kein unsterbliches Gesamtkunstwerk à la Herr der Ringe oder Mononoke und ich sehe auch seine Mängel, aber die beiden Sichtungen gehören für mich zu den geilsten Filmerfahrungen aller Zeiten. Selbst die Zweitsichtung, bei der ich nicht annähernd erwartet hatte, erneut so beeindruckt zu werden, hat mich komplett weggeblasen.
                                                    Am Anfang noch hatte ich tatsächlich eine Zeit lang das Gefühl, dass der Film etwas anstrengend werden könnte, wenn man schon weiß was kommt, gerade wenn man ihn nach so kurzer Zeit erneut schaut. Doch dann kam die Szene, in der man erstmals die Sea Wall sieht und es war um mich geschehen. Der Synthesizer setzt ein und nicht nur auf der Leinwand öffnen sich die Schleusentore. Ich lasse die Tränen einfach fließen und gebe mich völlig der perfektionierten audiovisuellen Pracht des Filmes hin, staune später erneut über den traumartigen Schnitt von fliegenden Funken zu Lichtern der Großstadt und sitze mit offenem Mund vor einem der beeindruckendsten Filmfinale, die ich je erlebt habe. Wie hier Set-Design, Kamera, tosender Ton und Musik ineinander spielen, ist in meinen Augen (und Ohren) Neuland! Alle paar Jahre erscheint ein Film, der mir einfach so gut gefällt, dass ich nach dem Verlassen des Kinos kurzzeitig die Welt mit anderen Augen sehe, innerlich vor Freude strahle, ein gewaltiges Maß an Zufriedenheit spüre und gedankenverloren (und vermutlich mit einem leicht debilen Grinsen) durch die Straßen spaziere. Plötzlich kommen mir normale Ereignisse nicht mehr trivial vor und ich stelle mir vor, mein Leben wäre von Roger Deakins, Emmanuel Lubezki oder Edward Lachman gefilmt. Wie würde Deakins wohl den Regen ablichten, durch den ich heute nachdem Kinobesuch gelaufen bin? Oder ich summe in meinem Kopf Carter Burwells Carol-Filmmusik, während ich mit der Straßenbahn durch fallenden Schnee fahre. In solchen Momenten bin ich einfach nur froh, in einer Zeit zu leben, in der solch wunderschöne Meisterwerke im Kino erlebt werden können. Vielen Dank an alle Filmschaffenden der Welt, die mir mit ihrem unermüdlichen Einsatz den Alltag so versüßen ♥

                                                    PS: Oscars für Szenenbild, Kamera, Spezialeffekte und mindestens eine der Tonkategorien (der andere geht dann an Dunkirk) sind für mich Pflicht, sonst bin ich echt sauer (mich haben schon dieses Jahr die Oscars für Hacksaw Ridge entgeistert). Schnitt wäre schön, aber da hat Dunkirk wohl (zurecht) die Nase vorn und ich hoffe sehr auf Nominierungen für Bester Film, Regie und adaptiertes Drehbuch.

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