Blue Jasmine - Kritik

Blue Jasmine

US · 2013 · Laufzeit 98 Minuten · FSK 6 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
  • 9

    In seinem gar nicht komischen Film zeigt Woody Allen eine Fallstudie von pathologischem Realitätsverlust. Cate Blanchett brilliert als Jasmine, Exfrau eines betrügerischen New Yorker Geschäftsmannes, die nach dem Verlust von Status und Reichtum völlig den Boden unter den Füßen verliert. [Jeannette Mohr]

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    • 6

      Immerhin, hier scheint das verspannte Overacting von La Blanchett erstmals zu passen. Trotzdem ist es weniger ihre anstrengende Darstellung einer anstrengenden Figur, die an diesem zumindest nicht oberlehrerhaften Film gefällt, sondern die sehr natürlichen Supporter wie Sally Hawkins und, nanu, Andrew 'Dice' Clay. Daß der Film relativ bald seinen Punkt gemacht hat, versucht Allen mit seiner Rückblendenstruktur zu verschleiern. Irgendwann isses aber doch wie immer, mit dieser furchtbaren Dudelmusik aus Opa Woodys Gruft und den üblichen Dialogszenen (einer sagt was, der andere antwortet und geht dabei aus dem Bild). War mal wieder ein Versuch für mich mit Allen, aber irgendwie ist da nicht mehr so richtig viel im Topf für mich.

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      • 7

        [...] Der materielle Reichtum hat sein bitteres Ende gefunden und Jasmine, ein vollkommen aus der Spur geratenes Häuflein Elend, versucht mittels Rückzug in den Schoße der Familie ihrer Schwester ein neues Leben zu beginnen – Ohne Erfolg. „Blue Jasmine“ bekundet die sich ständig windende Abwärtsspirale, die gläsernen, alkoholgetränkten und tablettenverstrahlten Blicke Jasmines, ihre fragilen Wahrnehmungsstörungen, ihre Neurosen und Psychosen, durch eine sozial-satirische Tonalität, die sich gekonnt durch ironische, sarkastische und zynische Spitzen verständigt und gleichermaßen die Melancholie eines zwischenmenschlichen Zerwürfnisses greifbar macht. [...]

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        • 7 .5

          [...] Woody Allen hat es mal wieder geschafft. Nicht nur, dass er ohne naheliegende dramaturgische Gründe seine private Lieblingsmusik (New Orleans Jazz) verwendet und diese auf wundersame Weise funktioniert. Der Altmeister erklärt die stets fatalen Auswirkungen von Lügen und Verdrängung genauso ungekünstelt wie nachdrücklich. So verschieden seine Charaktere auch sind, er lässt stets in sie hineinblicken und mitfühlen. Da ist es auch verzeihlich, dass „Blue Jasmine“ einen etwas ratlos zurücklässt, denn was zählt, ist die Menschlichkeit in dieser unterhaltsam tragischen Studie.

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          • 5 .5

            Woody Allen ist im Grunde ein sehr vielseitiger Regisseur. Von verträumten Liebeserklärungen a la „Midnight in Paris“ über waschechte Crime-Thriller wie „Cassandras Traum“ oder subversive Hommagen in „Manhattan“. In Allens Lebenslauf lässt sich für Jedermann etwas finden. Mit seinem neuesten Werk „Blue Jasmine“ schlägt der Ausnahmeregisseur jedoch einen etwas ernsteren Ton an.
            Hauptcharakter Jasmine ist ein seelisches und nervliches Wrack. Einst gehörte sie zur High Society. Doch nachdem ihr Mann verhaftet wurde, besitzt sie nichts mehr und muss zu ihrer Schwester ziehen. Die lebt auf kleinstem Raum mit ihren Kindern, ihr Verlobter will auch schnellstmöglich hinzuziehen. Jasmine selbst ist von der gesamten Situation überfordert, muss sie sich doch das erste mal wirklich Sorgen machen. Mit ihrer Arroganz und ihren ständigen Lügen geht sie fortan ihrer Familie auf die Nerven.
            Nun, nicht nur ihrer Familie. Es fällt schwer überhaupt ein wenig Zuneigung für Jasmine zu empfinden. Schließlich ist sie versnobbt, unausstehlich und versucht stets, ihre Schwester schlecht zu reden. Ihre Geschichte ist dem Zuschauer völlig egal. Die Schicksalsschläge sind verdient, Mitleid fühlt das Publikum in keinster Weise.
            Es ist nicht völlig klar, was Allen hier überhaupt erzählen möchte.
            Auch reiche Menschen leiden? Es ist schwer, sich als ehemals gut betuchte Frau im Mittelstand zurechtzufinden? Es hilft, weiterhin zu lügen und betrügen?
            Immerhin gönnt Allen seiner Figur kein Happy End. Schlussendlich sind ihre seelischen Wunden zu tief, ihre Neurosen zu ausgeprägt, als dass sie ihnen entfliehen könnte. Es handelt sich hier also nicht um die Geschichte einer Frau, die „From Riches to Rags“ zelebriert und den einfachen Lebensstil lieben lernt. Viel eher wird das Scheitern anhand der neugewonnenen Armut geschildert.
            Trotzdem schafft es die Geschichte zu keiner Zeit, das Publikum wirklich zu fesseln oder mitzureißen. Der Zuschauer ist stets nur außenstehender Betrachter. Er beobachtet die Gefühlsausbrüche der Figuren und fühlt sich wie ein Wissenschaftler, der gerade im Labor einer Ratte im Käfig zusieht. Keine Empfindungen, keine Regungen - nichts.
            Da tut es einem um den hervorragenden Cast fast schon leid. Cate Blanchett in der titelgebenden Rolle ist schlichtweg phänomenal. Sie vermag es scheinbar ohne Mühe die Neurosen des Hauptcharakters zu porträtieren und sie in all ihrer Selbstgerechtigkeit ordentlich hinfallen zu lassen. Auch ihre Filmschwester Sally Hawkins weiß sich ihr gegenüber zu behaupten und kann eigene Akzente setzen. Generell gehören ihre gemeinsamen Szenen zu den stärksten des Films. Gegensätze funktionieren auch im Kino immer noch am Besten. Schön auch zu sehen, wie gleich zwei Hauptcharaktere der HBO-Serie „Boardwalk Empire große Rollen ausfüllen dürfen.
            Es ist dennoch gut zu wissen, dass Woody Allen nicht faul auf der Leber liegt und denselben Film immer und immer wieder abdreht. Er versucht etwas Neues und bleibt mit Themen wie Finanzhai und Veruntreuung von fremden Geldern brandaktuell. Vielleicht schafft er ja das nächste mal, nun auch den Zuschauer emotional miteinzubeziehen. Das Portrait einer reichen Schnepfe ist dafür leider nur bedingt geeignet.

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            • 8

              Blue Jasmine schlägt einen existenzialistischen Tonfall an, den man von Allen nicht mehr kannte. Bei aller Penetranz verfällt er Jasmine gegenüber nie in Häme.

              • 7 .5

                Der ironische Kontrast mit Rückblenden in Jasmines New Yorker Luxusleben sorgen für eine humoristische Ebene, es gibt auch gelegentliche typische Dialogpointen, trotzdem gehört der Film zu Woody Allens ernsten Versuchen.

                • 5 .5

                  Gerade da, wo er das 'wahre Leben' zeigen will, erstickt der Film fast an der eigenen Künstlichkeit. Traurige Erkenntnis: Auch in Amerika ist Woody Allen inzwischen Tourist.

                  • 7 .5

                    Doch was sonst in seinen Filmen immer durch Leichtigkeit auflockert und erholsam wirkt, setzt Allen diesmal sehr reduziert ein, möglicherweise weil er nicht will, dass sich der Zuschauer erholt, weil er diese Wirkung des schwer Erträglichen erzielen möchte.

                    • 8

                      Blue Jasmine knüpft an Woody Allens ernstere Werke [...] an und ist dabei nicht nur bitter, tragisch, sarkastisch, sondern als vielschichtige Charakterstudie einer tief gefallenen Frau auch erschreckend konsequent.

                      • 7 .5

                        Nein, dies ist kein typischer Woody-Allen-Film! Blue Jasmine ist anders. Cate Blanchett in der Rolle ihres Lebens. Und doch: Etwas fehlt in diesem Film ...

                        • 9

                          Blue Jasmine ist Allens bestes Stück seit Match Point und strotzt nur so vor Zynismus, Dialogwitz und überspitzt geschriebener Gesellschaftskritik.

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                          • 8

                            Blue Jasmine ist Allens humanster Film seit langem. Die Figuren hier sind nicht nur Versuchskaninchen in einem sozialsatirischen oder Farce-haften Experiment, sie fühlen sich an und benehmen sich wie du und ich.

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                            • 9

                              Mit Blue Jasmine ist dem alten Schlawiner mal wieder ein echtes Sahnestückchen gelungen, das durch ein perfides, herrlich bitterböses Drehbuch, gezielte Figurenentwicklung und fabelhafte Schauspielleistung begeistern kann.

                              • 8

                                Nach einigen leichteren, romantischeren Komödien kommt Woody Allen hier wieder recht ernst daher. [...] Ein treffendes Sozial-Drama mit tragikomischen Momenten.

                                • 8

                                  Die ungemein schwierige Balance zwischen Verzweiflung und Komik gelingt Woody Allen virtuos. [...] Hinter dem brillant gespielten Porträt einer Frau [...] offenbart sich eine Abrechnung mit einer Gesellschaftsschicht.

                                  • 8

                                    Die psychisch und physisch so erschöpfend gute Darstellung von Cate Blanchett ist umwerfend. [...] Auch und vor allem wegen Cate Blanchett ist Blue Jasmine eine Wucht.

                                    • 8 .5

                                      Statt Geschlechterklamauk gelingt Allen mit Blue Jasmine eine scharfsinnige Tragödie über Anmaßung - und Hauptdarstellerin Cate Blanchett eine wahre Meisterleistung.

                                      • 8 .5

                                        Bereits der Song „Blue Moon“, der als Leitmotiv über dem Film steht, weist auf die melancholische Stimmung in „Blue Jasmine“ hin. Cate Blanchett spielt die tragische Figur ähnlich Radha Mitchell in Woody Allens „Melinda und Melinda“ (2004), wenn auch auf ungleich intensivere Art. Wie Melinda muss auch Jasmine einen Schicksalsschlag verkraften. Der Unterschied besteht indes darin, dass Jasmine die Realität einfach nicht anerkennen will. Obwohl die Verhaftung ihres Mannes sie auf den harten Boden der Wirklichkeit geworfen hat, schaut sie weiterhin auf ihre Schwester und deren Freund von oben herab. Zwar wird Jasmines Egozentrik von der ersten Szene im Flugzeug an spürbar. In ihrer preiswürdigen Darstellung schafft es aber Cate Blanchett, dass der Zuschauer mit ihr mitempfindet.

                                        Zwar bricht sich in „Blue Jasmine“ immer wieder der Humor Bahn, vor allem in den Szenen, in denen Jasmine mit ihrer ausgesuchten Kleidung und ihren Diva-Allüren unter den eher proletenhaften Freunden ihrer Schwester völlig deplatziert wirkt – dass sie in keinem Augenblick zu einer Karikatur verkommt, ist dem bei aller Tragik doch zurückgenommenen Spiel Cate Blanchetts zu verdanken. Diese Art Humor charakterisierte Woody Allen selbst vor Jahren folgendermaßen: „Es gibt nicht so etwas wie das Tragische und das Komische – alles ist tragisch. Die einen Menschen sehen das Leben als Tragödie und halten Tragödien aus, andere sehen das Leben so tragisch, dass sie darüber Witze machen.“ Genau diese Mischung aus tragischen und komischen Momenten macht die besondere Qualität der besten Filme des New Yorker Regisseurs aus. Damit schließt er an einen Film an, der als der atmosphärisch dichteste und wohl dramatischste Woody-Allen-Film seit der Jahrhundertwende gilt: „Macht Point“ (2005). Beide Filme verbindet es, dass ihre jeweilige Hauptfigur gar keine Läuterung erfährt. In „Macht Point“ spielen eine Reihe Zufälle eine wichtige Rolle. Auch in „Blue Jasmine“ führt ein Zufall dazu, dass das zum Greifen nahe neue Glück Jasmines letztlich scheitert. Der Unterschied ist allerdings gewaltig: Setzt sich in „Match Point“ am Ende der Zynismus durch, so verhindert in „Blue Jasmine“ gerade die letzte Wendung, dass der neue Woody-Allen-Film eine zynische Richtung einschlägt. Dadurch wird allerdings auch deutlich, dass schlussendlich nicht der Zufall für die Konsequenzen im Leben Jasmines verantwortlich gemacht werden kann. Ihre Tragik besteht vielmehr gerade darin, dass sie die Wahrheit, insbesondere die Wahrheit über sich selbst, verdrängt.

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                                        • 7

                                          [...] Aber erst Allens atypische Effektivität im wiederum häufig unfilmischen Dekor, ob er die Situation persifliert oder prüfend inspiziert, lässt „Blue Jasmine“, obwohl durchaus nur überdurchschnittlich, doch exakt in die „Nöte“ der Oberschicht steigen. Gerade weil er einen nur leicht komödiantischen Stil einschlägt und das Folgende einer Selbstverständlichkeit unterwirft, leuchtet der Charakter Jasmines als umso kraft- und schmerzvoller Aspekt. Das Drehbuch jedoch käme kaum ohne Cate Blanchett in dieser immens unverkennbaren Rolle des zwanghaften, frustrierend-ratlosen und doch äußerst tragischen Abbilds Blanche DuBois’ aus. Beide, Allen und Blanchett, kehren die Werke bedeutender Dramaturgen um, explizit jene von Tennessee Williams und darin gesondert „Endstation Sehnsucht“. Das moderne Königtum und nicht der Durchschnittsbürger markiert wieder ein Opfer der Tragödie. Trotzdem ist es keine Tragödie shakespearischer Dimensionen. Kein Blut fließt auf den Straßen. [...]

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                                          • 7 .5

                                            [...] Als hätte sich Noah Baumbachs Frances Ha in die tristen Straßenzüge von San Francisco verirrt, stolpert Jasmine als ungebetener Gast von einem Rendezvous zum anderen, versucht ihrer Lage Struktur und Ordnung zu verleihen und scheitert am Ende dennoch an den einfachsten Dingen. Ein verzweifelter Schrei nach Geborgenheit, der jedoch allseits missverstanden wird. Was sowohl das übrige Figurenkabinett als auch das Publikum erst mit fortschreitender Laufzeit erfährt, trägt Jasmine von Beginn an mit sich herum. Ein düsterer Grundtenor, der selbst für einen Stadtneurotiker wie Woody Allen äußerst deprimierend ausfällt. [...]

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                                            • 7 .5

                                              Cate Blanchett hat Blanche DuBois mit ebenso großem Erfolg am Theater verkörpert, wie sie hier in eindrucksvoller Weise den unendlichen Blues einer Frau darstellt, die ihren hysterischen Wettkampf gegen die Realität verliert.

                                              • 9 .5

                                                Bissige Dialoge, exzellente Figuren und eine fabelhafte Cate Blanchett machen Blue Jasmine zum Film des Jahres und zu einem der Besten von Woody Allen.

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                                                • 6 .5

                                                  Diesen arm/reich-Kontrast kupfert Allen zwar bei anderen ab, doch wie Blanchett seine Jasmine spielt, gibt dem Film einen ganz eigenen Charme.

                                                  • 8 .5

                                                    Blue Jasmine ist Woody Allens überzeugendster Film seit Match Point. Das Grandiose an Blanchetts Performance ist, dass sie uns nicht nur zeigt, wie der Wahnsinn Jasmine zerstört, sondern wie er sich auch in ihr Schicksal fügt.