Brazil - Kritik

Brazil

GB · 1985 · Laufzeit 130 Minuten · FSK 18 · Science Fiction-Film, Komödie, Fantasyfilm · Kinostart
Du
  • 5

    Ich kann nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, der Film war eigentlich wie ich erwartet hatte: Terry Gilliam = abstrus/grotesk/surreal/bekloppter Scheiß
    Ich dachte mir, den muss man mal gesehen haben, aber mein Fall ist es nicht.
    Ich kann hinter dem Quatsch keinen tieferen Sinn erkennen und ich habe mich auch nicht unterhalten gefühlt, die Handlung ist öde. Nur die Weiber mit ihrem Schönheitswahn fand ich lustig.

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    • 8 .5

      wasfür ein grandioser tripp!

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      • 7 .5

        Schöne Persiflage auf eine futuristische Bürokratiediktatur. Mit irren Bildern (z.B. das Facelifting von Sams Mutter). „Brazil“ ist so abstrus, dass ich nicht so recht weiß, was nach heutiger Sichtung dazu sagen soll. Sehenswert in seiner ganzen Merkwürdigkeit ist er auf jeden Fall.

        ANFANG HANDLUNGSSPOILER
        Am Besten finde ich das kleine Büro, das Sam in der Abteilung information retrival bezieht. ENDE HANDLUNGSSPOILER

        Man findet ansonsten so einiges, was inzwischen zum Alltag gehört (einen in den Wahnsinn treibende Hotlines, angebliche Terrorbekämpfung und innere Sicherheit, Werbung, Dehumanisierung), anderes, worauf man im Grunde nur wartet. „Brazil“ ist ein Kunstwerk. Nur mit Kunst hab ich´s nicht immer so. Ein Genuss ist der Film für mich weniger gewesen. Vielleicht ja doch zu anspruchsvoll für mein armes kleines Hirn? Auf jeden Fall werde ich mir „Brazil“ nochmal anschauen und vielleicht dann noch meine Bewertung ändern.

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        • 9

          Noch mal ein Tipp von der Braut (Danke Susanne). Großartige Utopie bzw. Dystopie, erinnert vage vom Thema her an 1984, Überwachungsstaat und Menschen, die sich dagegen auflehnen. Hat mir super gut gefallen. Intelligent und interessant gemacht, traurig und humorvoll in einem und Robert de Niro noch als Sahnehäubchen obendrauf. Was will man mehr?

          5
          • 9 .5

            Das ist der tiefgründigste Film von Terry Gilliam, der immer noch nichts an Bedeutung verloren hat. Dabei kann er seine Herkunft von den Monty Pythons nicht verleugnen. Der Film erschreckt, und schockiert durch Grausamkeit und unterhält durch heillosen teils makabren Klamauk, der voller skurriler Szenen ist.
            Ausgehend von einem totalen Überwachungsstaat wird durch die Verwechslung eines Anfangsbuchstabens (Buttle und Tuttle) der falsche gejagt. Der mit dem T im Namen (Robert DeNiro) ist wirklich Terrorist, ein unbescholtener Familienvater kommt so versehentlich ums Leben. Sam Lowry (Jonathan Pryce) der im Informationsministerium arbeitet, soll die Sache aufklären und begegnet Jill (Kim Greist). Er wird sie den ganzen Film lang suchen, sie wieder finden und wieder verlieren. Er erlebt dabei witzige Abenteuer wie die Stützung eines pinkelnden Alten (Peter Vaughan) oder wenn Heizungsbauer Tuttle der Konkurrenz (Bob Hoskins) Abwässer aus der Kloake in die Schutzanzüge pumpt.
            Und immer wieder entflieht Sam dieser schrecklichen Welt und fliegt davon. (Ein Engel in schimmernder Rüstung!) Hier trifft er auch Jill wieder, die er eigentlich aus dem Register eliminiert hatte. Sam wird durch die abstruse Fantasiewelt des Terry Gilliam getrieben, wo es z.B. Liliputaner und fette, glatzköpfige Babyfratzen gibt. Sam muss mit einem Götzen in einem Samurai Kostüm kämpfen. Eine kalte Welt, in der man niemandem trauen kann. Sein Freund und Kollege Jack (Michael Palin) wird ihm nach dem Leben trachten, falls die Gehirnwäsche nichts bringt, doch Edelterrorist Tuttle ballert ihm den Weg frei. Die Szenen erinnern stark an Videospiele. Bevor es zum wuchtigen Finale mit vielen Explosionen kommt, sehen wir noch unvergessliche Szenen wie die Schönheits-OP von Sams Mutter mit Jim Broadbent oder wie Tuttle von haftenden Zeitungen im Sturm erstickt und beseitigt wird. Zwei überraschende Einfälle hat Gilliam noch: die eventuell wieder auferstandene Mutter, die ihre eigene Beerdigung feiert (sie ähnelt mal kurz Jill) und die finale Flucht von Sam und Jill in eine grüne Landschaft, die es real nicht gibt…
            Atemberaubend anstrengend, zeitlos aktuell. Food for Thought!

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            • 7 .5
              Onkel Fleischer 09.05.2018, 14:40 Geändert 09.05.2018, 14:44

              "Brazil" polarisiert, das sieht man schon an den Kommentaren weiter unten. Schon seinerzeit im Kino. Wozu der Regiseur Terry Gilliam selbst sagte, das sei bestens für ihn - er mache keine Filme für jeden. Übrigens schreibe ich über die normale europäische Originalfassung mit 142min Spielzeit.

              Was bietet der Film mir in der zweiten Sichtung (mit >10 Jahren Abstand)?
              - Starke Emotionen. Eine Mischung aus Humor, Terror, Faszination und Spannung.
              - Eine äußerst gewitzte Darstellung eines menschenverachtenden und hochbürokratischen Staates von innen. Gilliam sah übrigens den bürokratischen Aspekt im Vordergrund, nicht den Terrorstaat.
              - Auch heute noch besondere, geile optische Effekte. Die Visionen eines Terry Gilliam mit einer guten Filmcrew wiegen schwerer als so manche moderne Computer-Spezialeffektschlacht.
              - Gesellschaftskritik rauf und runter. Staat, Konsum, Arm und Reich und so weiter
              - SciFi von der dystopisch-schäbigen Sorte, in der aber auch garnichts richtig funktioniert oder glänzt
              - Charaktäre und Dialoge
              - Algemein super Darsteller, und DeNiro in einer großartigen Nebenrolle mit fesselnder Präsenz
              - Rohre

              Was ich dagegen klar bemängeln muss sind die Länge und Erzählweise. 142 Minuten. Ein Drittel hätte man für mich sparen können - und dabei ausschließlich der Vision des Regisserus geschadet und ein runderes Drehbuch verlangt. Von dem es übrigens drei Fassungen gab - plus das, was am Drehtag dann wirklich entschieden wurde. Dieses Chaos im Konzept merkt man dem Streifen an. Auch die visuell ansprechenden Traumszenen hätte man durchaus kürzen können.
              Dafür gibt es von mir knappe zwei Punkte Abzug, und ich lande bei 7,5. Somit einer der bestgemeinten Filme von Gilliam - aber für mich abgeschlagen hinter "12 Monkeys" oder "Time Bandits".

              Die Geschichte der zwei Schnittfassungen ist übrigens spannend. Auf Youtube gibt es dazu einiges. Dieser Film hat einen gewissen Kampf ausgelöst zwischen Hollywoodstudios und den Kreativen, ausgetragen von Terry Gilliam. Die Studios wollten die Traumszenen und das letzte Drittel weglassen (ab einer gewissen Szene in der Wohnung der Mutter). Letzendlich setzte sich Gilliam 100% durch. Für mich persönlich hätte wohl ein Kompromiss das beste Ergebnis geliefert.

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              • 7
                Gi4nn1 09.02.2018, 21:46 Geändert 09.02.2018, 21:58

                Ich bin sehr enttäuscht von Terry Gilliam. Nachdem ich mir bestimmt 20 Mal 12 Monkeys angeschaut habe und immer wieder aufs neue von dessen grotesken und verrückten Zügen begeistert bin, dachte ich, dass mir Brazil bestimmt genauso gut gefallen wird. - Weit verfehlt.

                Das dystopische Szenario ist großartig, keine Frage. Jedoch fehlt mir ein gewisser Bezug auf unsere reale Welt, denn es wird wenig zur Entstehung des vorhandenen Totalitarismus erzählt und die "soziale Kritik", wenn man es so nennen darf, wird nur oberflächlich angehaucht.

                Es wirkt mir alles mehr als eine lustige Satire. Dafür funktioniert der Film auch gut, er ist sehr lustig - aber wie gesagt: Er ist lange nicht so tiefgründig wie es behauptet wird (für mich). Wenn das jemand anders sieht, bin ich gerne bereit, darüber zu diskutieren. Ich lasse mich auch gern eines anderen belehren sofern man mich überzeugen kann.

                Vor allem gegen Ende bietet Brazil dann doch sehr starke Szenen und tolle Bilder.
                Die Masken sind super, vor allem die Babymaske am Schluss mit der dazugehörigen Szene. Davon hätte ich gern mehr gesehen!

                Trotz großer Enttäuschung meinerseits ist Brazil ein Klassiker der lustig, verrückt und visuell einzigartig ist.

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                • 10

                  Die Zukunft der totalen Überwachung, der totalen Dokumentation und der totalen Entmenschlichung. Regisseur Terry Gilliam erschafft eine Ebene zwischen völliger Absurdität und vollkommenem Realismus, wie sie nur mit britischen Charme möglich ist. Skurrile, unfassbar lustige Szenen stehen in diesem Film in keinem Kontrast zu der tristen, realen Zukunftsvision, die gezeichnet wird. Wenn der staatliche Verwaltungsapparat keinerlei Kontrolle unterliegt, Menschenleben nur noch auf dem Papier etwas bedeuten und man nur noch funktionieren muss, dann pflanzt der Staat den Terrorismus in die Köpfe der Bürger, die diese Welt nicht ertragen können. Träume werden in dem Film so lange bekämpft, bis sie endgültig erstickt sind. Alles, was der Staat macht, passiert hinter verschlossenen Türen. Unter dem Credo, Terrorismus zu verhindern, verkommt die Regierung zum eigentlichen Terroristen, der Andersdenkenden keinerlei Toleranz schenkt. In Zeiten der Möglichkeit auf unbefristete Präventivhaft in Bayern und dem Patriot Act in den USA ist der Film von 85' durchgehend aktuell geblieben. Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung hat das System in Brazil diese Macht erlangt, die es beinahe unanfechtbar macht. Der Terrorismus kommt da gelegen, um zu legitimieren.

                  Die Gesellschaft in Brazil ist bei der völligen Ignoranz angelangt. Bombenanschläge, die zwei Meter weiter Menschen töten, werden vollkommen ignoriert. Der technische Fortschritt in der Sicherheit führt zu immer mehr Abschottung und Kontrolle, doch keineswegs zu mehr Sicherheit. Diese Entwicklung präsentiert Gilliam so charmant und unterhaltsam, dass es Spaß macht, zuzuschauen. Viele lustige und verrückte Szenen, die sich nicht beschreiben lassen, sondern die man gesehen haben muss. Dass der Film dadurch keineswegs seine Relevanz oder Ernsthaftigkeit einbüßt, macht ihn absolut einzigartig.

                  Es gibt so viele Details in Brazil, die man entdecken möchte, es passiert so viel, dass man es unmöglich in eine Review pressen kann. Ein Mix aus Monty Python und Orson Welles Der Prozess klingt unmöglich, doch gelingt hier so reibungslos, dass man am Ende das Gefühl hat, einen Film von Monty Python und einen von Orson Welles gesehen zu haben. Beide Emotionen löst Brazil aus. Groteske Komödie und kafkaeske Dystopie, Monty Pythons Anarchie und George Orwells Zukunftsvision. Am Ende hilft nur noch der Rückzug in die eigenen Gedanken. Einer der besten Filme aller Zeiten.

                  - Übersicht über alle Reviews und mehr auf: derfilm.blog

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                  • 4

                    Ein äußerst cleverer Film, vollgestopft mit Symbolik und mit viel Liebe zum Detail in Bildern gefasst. Terry Gilliam hält der Gesellschaft den Spiegel vor und fängt dabei bei weitem nicht nur den Zeitgeist der 80er Jahre ein.

                    BRAZIL ist ein Monstrum, das sich durch eine gänzlich scheußliche Optik auszeichnet und erschafft damit eine bedrückende, düstere Stimmung - der Einstieg in eine dystopische Vision, ein Alptraum. Neben der Thematisierung von Ängsten und Selbstverwirklichung, schätze ich an BRAZIL vor allem, dass er nicht nur plump das System anprangert und dagegen aufhetzt, sondern zeigt, dass wir das System sind und jeder seinen Teil dazu beiträgt, im guten wie im schlechten Sinne. Das World Building ist ein geschickter Mix von Anleihen bekannter pessimistischer und surrealistischer Romane, eingefasst in einer reizüberflutenden Gilliamschen Groteske.
                    An dem Punkt beginnt mein Dilemma, denn die Groteske und ich, wir sind nicht füreinander bestimmt. Hinzu kommt, dass die Geschichte in dem bizarren Werk einfach untergeht, was durch die ruppige Erzählweise zu einem zweifelhaften Sehvergnügen beitrug. Am Schluss ist BRAZIL für mich eher wie ein frisch gemixter, grüner Smoothie - wertvoller Inhalt, aber einfach nicht mein Ding.

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                    • 7

                      Der hat doch kein FSK 18?!

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                      • 4

                        Was bei Monty Python noch funktioniert hat wird auch hier ausgeschlachtet und vollkommen unpassend eingesetzt.
                        Ich persönlich hätte mehr erwartet als langweiligen, gehaltlosen Klamauk.
                        Man kann auch ernster verpackt schräge Geschichten erzählen und Kritik üben.

                        • 6

                          Brazil ist die perfekte Symbiose aus Orwells "1984" und Kafkas "Der Prozess". Der Zuschauer begibt sich in eine bizarre Dystopie, in der die Bürokratie so weit fortgeschritten ist, dass sie keinem erkennbaren Ziel mehr folgt und trotzdem vergleichsweise action- bzw. spannungslastig auf die Verfolgung von vermeintlichen Terroristen und Systemkritikern setzt.
                          Groteskerweise finde ich den Film an sich jedoch schrecklich langweilig inszeniert und die "Lovestory" verhunzt die Handlung. Vielleicht gefiele mir der Film mehr, wenn ich mir die Mühe machen würde, ihn so ausgiebig zu analysieren wie den "Prozess" in meiner Schulzeit. Vielleicht das nächste mal...

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                          • 10

                            Das(!) ist einer der Filme, der mich seiner Zeit so elementar berührte, daß ich mich, auch dreissig Jahre später bei allem Ekel und aller Resignation, noch (ausgesuchte) Fime zu gucken getraue..., hab von Terry Gilliam auch in Folge nichts Ungenießbares sehen dürfen...

                            • 10

                              Eigentlich wollte ich das ja nicht machen, Blu Rays die ich schon als DVD habe nochmal kaufen. Ja, eigentlich. Aber natürlich mach ich als vom Sammelwahn betroffener bei BRAZIL auf BD für 5€ gerne die Ausnahme. (Ich rede mir das schön, weil die DVD Version aus der SZ-Mediathek-Reihe eh so ein dermaßen blödes Format hat, dass es eh in kein einziges Regal passt ohne störend aufzufallen..) Und warum ich mir THE FRENCH CONNECTION von Friedkin auch noch auf BD kaufen musste, liegt daran, dass ich ihn einfach brauchte! :D ....argh, damn!!!

                              8
                              • 8

                                Die Kraft des Films liegt in dem Schmerz, der erst im Komischen seine volle Wirkung entfaltet und sich fortwährend steigert. Der Einstieg versprüht noch schlichten Humor: Wenn der von Jonathan Pryce wunderbar zurückhaltend gespielte Protagonist Sam Lowry am Morgen verschläft und dann auch noch alle seine Haushaltsgeräte verrückt spielen, entspricht das klassischem Slapstickkino und erinnert an die Arbeit Gilliams bei Monty Python. Auch der Arbeitsalltag Lowrys wirkt anfangs amüsant und karikiert das Beamtentum und den unfähigen Vorgesetzten stimmig.

                                Danach wird es schon ruppiger. Brazil zeichnet das Bild eines grauen, unpersönlichen Großstadtmolochs, in dem [...]

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                                • 9

                                  Bizarre satirische Groteske a la Terry Gilliam.

                                  Die herausragende Bildersprache fühlt sich wie ein filmischer Traum an, in den man hineingezogen wird und der einen oft staunen lässt.

                                  Brillante Cast in absoluter Spiellaune, völlig losgelöst von irgendwelchen Mustern.

                                  EIN GROßES MEISTERWERK!

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                                  • 5 .5

                                    Ich stehe bestimmt ziemlich alleine da mit meiner Meinung, aber mir ist das zu konfus gewesen.

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                                    • 10

                                      Einer der besten Filme, die jemals gedreht wurden.

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                                      • 4

                                        Soll der Film lustig , Verwirrend was genau soll es sein kann es nicht fassen !

                                        • 8 .5

                                          Die beste Dokumentation darüber, wie es heute ist. Sollten jemals Aliens einen Film über die ausgestorbenen Menschen finden, der ganz genau zeigt, wie wir waren, dann ist es dieser.

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                                          • 6

                                            Rewatch nach fast 6 Jahren. Eines 31 Jahre alten Films, also ein kleines bisschen älter als ich. Von Terry Gilliam. Eine verrückte, aber unterhaltsame Geschichte. So richtig gekickt hat sie mich nicht, über 2 Stunden war meiner bescheidenen Meinung nach einfach zu lange. So war es nicht verwunderlich, dass ich "Brazil" in 2 Hälften aufteilte. Zu Gute spricht auf jeden Fall der Aufwand, für 1985 ist das immer noch stark, was für verrückte Bilder und Charaktere, schöner Score für die Filmatmosphäre. Die Story wirkte anfangs etwas diffus, kam dann aber schnell in die Gänge und wurde mir verständlich. Wobei ich nicht wirklich Auskunft geben kann, was genau die politische Botschaft des Films ist. Ein totalitäres System, wo die Angestellten nicht hinterfragen, warum es Terror gibt, sondern einfach radikal dagegen vorgehen und völlig auf Formulare ausgerichtet sind. Gab ein paar Lacher, einiges an spannenden Szenen, aber auch viel Verrücktes. Zum Glück war die Hauptrolle mit Jonathan Pryce wunderbar besetzt, stark gespielt. Der Rest allerdings braucht sich auch nicht zu verstecken. Viel mehr kann ich nicht sagen, zu lang, Inhalt etwas zu wenig, ein sehenswertes Werk.

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                                            • 8
                                              JW1 04.10.2016, 22:36 Geändert 06.10.2016, 17:24

                                              An diesem Film könnte sich so manch ein Regisseur der heutigen Zeit ein Beispiel nehmen.
                                              Da hat ein gewisser Herr Gilliam seine Gedanken sehr kreativ zum Ausdruck gebracht.
                                              Eine Welt, ein riesiger Überwachungsstaat - dass ist Brazil. Und eine einzelne Gruppe von Rebellen, die sich gegen ihr Schicksal zu wehren versucht. Doch können sie es schaffen?
                                              Brazil überzeugt mit einer riesigen Vielzahl an Ideen. Wobei mich vor allem die schrägen "Kindgestalten" sicher noch lange im Traum verfolgen werden.

                                              Tolle Science Fiction.

                                              PS: Robert De Niro hat nur eine sehr kleine Rolle, nicht so wie vielleicht angenommen.

                                              • Our Daily Free Stream: Terry Gilliams - Brazil. So wie Orwells 1984 eine Variation unserer Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit darstellt, genauso ist Brazil ein Spielchen mit Orwell. Brazil kreiert eine Welt, die unserer gar nicht unähnlich sieht - abgesehen davon, dass sie viel düsterer ist und einige technische Standarts schon weiter entwickelt wurden. Das politische System entspricht zum Glück auch nicht unserem. Die Gesellschaft in Brazil wird durch eine umfassende Organisation kontrolliert, so dass für den Bürger nur ein Leben voller Paranoia bleibt. Die Polizei gleicht einem Terror Kommando, um Andersdenkende zu jagen. Das Leben ist verdriesslich und gemein. Hier lebt Sam Lowry (Jonathan Pryce) sein jämmerliches Sein und arbeitet im Grunde immer am Computer-Bildschirm. Hin und wieder, wenn der Chef abwesend ist, gönnt er sich gemeinsam mit den Kollegen eine Auszeit, verdeckt den Monitur und schaut sich alte TV Klassiker an. Sam weiss genau, wie trostlos sein Leben ist. Ihm bleibt nur die Flucht in Tagträume, in denen ihm eine atemberaubend schöne Frau erscheint. Dann aber die Verwechslung: Statt des Terroristen Tuttle (Robert De Niro) wird ein unschuldiger Familienvater zu Tode gefoltert. Sam soll diesen "Unfall" für die Hinterbliebenen aufarbeiten. Bei dieser Mission trifft er auch schliesslich die Frau seiner Träume... Brazil wirkt wie ein Rückgriff auf das psychodelische Kino der 60er. Eine Anarcho Version, in der nach dem Rezept verfahren wird, einfach alles ins Monströse zu überdrehen! Regisseur und Co-Autor Terry Gilliam durfte frei schalten und walten. Ohne finanzielle Einschränkungen (was ihm danach nie wieder vergönnt sein sollte)! Gilliam inszeniert ohne jede Disziplin apokalyptische Szenarien, beeindruckende Special Effects oder traumhafte Sets! Es scheint, als hätte Gilliam all seine Fantasien niedergeschrieben, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, wie das alles auf die Leinwand gebracht werden soll. Mehr noch: Ganz gleich, ob das alles einen Sinn ergibt oder nicht. Brazil ist ein ausserordentlich schwieriger Film. Ich habe ihn nun zum zweiten Mal gesehen und konnte immer noch kaum folgen. Welche Charaktere erfüllen welchen Zweck? Wer ist wer? Klarheit ist nicht das endgültige Ziel dieser paranoiden Vision. Wir erleben sehr persönliche Momente des Autoren Gilliam, dann wieder grimmigen Humor, sich vom Geschehen zu distanzieren. Mir gefielen die simpelsten Szenen während des Büroalltags am besten. Ganz heimlich dachte ich, dass Einfachheit doch eigentlich eine Tugend ist - kein Feind, den es zu bekämpfen gilt... (Wir stellen nicht den Film, nur den link zur Verfügung) (Bild: imdb)

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                                                  Petr 27.07.2016, 21:45 Geändert 27.07.2016, 21:47

                                                  Der richtige Regisseur im richtigen Jahrzehnt mit dem richtigen Stoff.

                                                  So eine einmalige Dystopie kann nur in Verbindung der drei Elemente funktionieren. Hier finden alle drei zusammen und bilden eine grandiose und auf sovielen Ebenen anspruchsvolle und zum Nachdenken anregende düstere Zukunftsversion, dass man sich fragt, wieso sie nicht bekannter ist und als Exempel der düsteren Kultur der 80er herhält.

                                                  Überhaupt Gilliam! Ich weiß nicht wie er es schafft, aber er schafft es einfach. Er schafft Filme in einer Form zu produzieren, wie ich es bei sonst keinem anderen erlebe. Seine Regie vermittelt etwas bedrohlich-befremdliches, auch wenn er nur Räume oder Straßen im Bild hat. Er schafft es, sie abstrakt wirken zu lassen, es erinnert an furchtbare Fieberalpträume, die man als Kind hatte, die Angst einjagen, wobei man nicht einmal weiß warum. Alles sieht so furchtbar und verstörend aus. Ohne ihn wäre auch Der König der Fischer nur ein Drama. Durch seine Regie, wie auch bei eight Monkeys, wirkt alles so surreal-bedrohlich, selbst wenn man nur die Straßen New Yorks oder Baltimors filmt.

                                                  Darum ist er genau der Richtige für eine Dystopie, also das Genre, das in den 80ern seinen Höhepunkt hatte. Durch seine Regie wird der Stoff, der durch seine Entmenschlichung und der menschenverachtenden Bürokratisierung ohnehin ein erschreckendes Warnsignal für gelebten Horror darstellt noch furchteinflößender und verstörender.

                                                  Am besten funktioniert Brazil, wenn man ihn aus stilistischen Gründen unter genauer Beobachtung der Regie, des Szenenbilds, der Kamera und Kostüme anschaut UND (und noch wichtiger) als politischen Appell versteht.

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                                                    Ein fast schon prophetisches Meisterwerk

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