Chihiros Reise ins Zauberland - Kritik

Sen to Chihiro no kamikakushi (aka. Spirited Away)

JP · 2001 · Laufzeit 125 Minuten · FSK 0 · Animationsfilm, Fantasyfilm, Abenteuerfilm · Kinostart
Du
  • Was für ein Film! Bildgewaltig, phantasievoll, mit einem kulturell Gespür und dem Herz am rechten Fleck. Dazu eine wunderbare Protagonistin, die mit ihrer Intuition und ihrem Dasein eigentlich schon alles weiß, was es zu wissen gilt!

    • 8 .5

      [...] Das Betreten fremder Welten ist im Kino ein vertrautes Thema. In Der Zauberer von Oz war es Dorothy, die von einem Sturm in ein magisches Land befördert wurde, während es die titelgebende Figur in Alice im Wunderland nicht lassen konnte, dem sprechenden Kaninchen mit der Taschenuhr in dessen Bau zu folgen, woraufhin sie durch einen Tunnel in ein schräges Wunderland fällt. Auch Chihiro traut ihren Augen kaum, als sie all die Gestalten und Kreaturen erblickt, die ihr noch vor dem Betreten des Badehauses über den Weg laufen. [...] Genauso wie Chihiro wird der Betrachter in Chihiros Reise ins Zauberland im überbordenden Minutentakt mit einer Überraschung nach der anderen konfrontiert und kann sich der Flut an kreativen Einfällen kaum entziehen. Die visuellen Details, mit denen der Regisseur seine selbstgezeichneten Einstellungen füllt, lassen sich bei der ersten Sichtung kaum in Gänze erfassen, wobei vor allem die großartige Gestaltung der verschiedenen Fantasiewesen sofort ins Auge sticht. Ohne Fragen zu stellen fügt sich Chihiro umgehend den Vorschriften in diesem Zauberland, während Miyazaki sein Werk wie einen rasanten Traum in Szene setzt, in dem sonderbaren Entwicklungen keine Grenzen gesetzt werden. Dabei verkommt der Film keineswegs zur bunten Aneinanderreihung schriller Attraktionen, sondern nutzt die Geschichte als Reifeprozess für Chihiro, die durch das Beweisen von Mut, Stärke und Verstand zu einem viel reiferen Menschen und schließlich über sich hinaus wächst. Bezüglich der Herausforderungen, die sich dem Mädchen auf dieser Reise in den Weg stellen, verzichtet Miyazaki außerdem auf eine schlichte Einteilung in Gut und Böse und betrachtet viele der Figuren, auch die, die auf den ersten Blick einen eher gruseligen, finsteren Eindruck hinterlassen, von mehreren Seiten, wobei der typische Endkampf gegen einen ausgewählten Widersacher ebenfalls ausbleibt. Während Chihiro zu Beginn des Films noch das schüchterne Mädchen war, das von den Eltern an die Hand genommen werden muss, greift der Regisseur diese Szene am Ende noch einmal auf, doch nun zeigt er nur durch einen einfachen Blick, was aus Chihiro wirklich geworden ist. [...]

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      • 9

        Der Herr TheDrPepperPower (http://www.moviepilot.de/users/thedrpepperpower) und ikke haben in einem kleinen Podcast über Miyazaki geplaudert. Ab 4h 9min geht es um diesen Film hier. Viel Spaß!

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        • 10

          [...] Neben der Coming of Age Thematik finden sich hier auch zahlreiche andere Elemente, die in für Miyazakis Werken immer wieder durchschimmern, beispielsweise der Umweltaspekt, der durch den nahezu vergifteten und schrecklich stinkenden Besucher des Badehauses aufgegriffen wird. Besonders interessant ist bei Chihiro aber die auch in anderen Filmen vorkommende Zweiteilung zwischen kindgerechter Geschichte und Erzählung für Erwachsene. Oberflächlich betrachtet ist die Geschichte ja schnell erzählt: Chihiro muss sich nach einer Krise zusammenreißen und stark sein, wenn sie ihre Eltern wiedersehen will. Unterwegs findet sie ungewöhnliche Freunde, und am Ende wird natürlich alles gut. Doch unter diesem leicht bekömmlichen Dekor verbergen sich zahlreiche weitere Aspekte. Schält man die atemberaubenden und unfassbar detailreichen Bilder beiseite offenbart sich ein wahres Schatzkästchen. Das fängt schon damit an dass dem Kind die Zeit gegeben wird, zu trauern. Ihre Sorgen werden zumindest von einigen Bewohnern des Badehauses nicht einfach abgetan, und der reflektierte Umgang mit der Situation ermöglicht dem Mädchen, an der Lage zu wachsen.

          Für Chihiro steht im Badehaus, obwohl sie ihre Eltern retten will, sie selbst an erster Stelle. Nicht weil sie besonders egoistisch wäre, doch die Hexe Yubaba herrscht mit eiserner Hand über ihr Badehaus. Sie stiehlt ihren Mitarbeitern den Namen und ersetzt ihn durch einen simplen, nichtssagenden anderen. Nun gibt es viele Kulturen in denen die Besonderheit des eigenen Namens hervorgehoben wird, in denen es immer ein Zeichen von Macht ist wenn man den wahren Namen des Gegenübers kennt. Yubaba nimmt Chihiro und allen anderen Mitarbeitern Stück für Stück ihre Identität und lässt sie nach und nach vergessen wer sie sind. Auch optisch gleichen sich die Mitarbeiter, sind von der Bekleidung her nicht zu unterscheiden und auch die Statur ist ähnlich. Auch andere Probleme, die nicht nur am Arbeitsplatz auftreten können sind hier vorhanden. Chihiro erfährt Diskriminierung weil sie ein Mensch ist, die Frauen im Badehaus müssen sich widerliche Sprüche der Männer anhören. Es gibt nur Yubaba und das Wohl der Gäste, dem sich alle mehr oder weniger freiwillig verschreiben. No-Face mit seiner Maske und seiner Unfähigkeit sich zu artikulieren repräsentiert die unterste Stufe, denn der Zugang zum Badehaus ist ihm verwehrt und er trägt nicht einmal einen vereinfachten Namen. Kein Wunder will Yubaba ihm den Zugang verwehren, denn in seinem späteren Verhalten reflektieren sich all die unschönen Triebe und Wünsche, welche die anderen Besucher, die Arbeiter und die Besitzerin heimsuchen.

          Diese Arbeiterthematik zieht sich bis in die Zugfahrt gegen Ende des Films hinein. Jeder, der schon einmal im Feierabendverkehr von der Arbeit nach Hause gependelt ist dürfte die leeren Gesichter kennen, die man in Bus und Bahn zu sehen bekommt. Wie die Geister im Film sind die meisten von ihnen gesichtslose Wesen die nachdenklich ins Nichts oder auf ihr Smartphone starren. In diesem Film wird diese Tristesse durch Chihiros Anwesenheit noch verstärkt, denn das alles fühlt sich für ein Kind einfach falsch an. Für Chihiro ist es ein Ausblick in eine unschöne Zukunft, für den erwachsenen Zuschauer ist es nur zu oft eine schmerzhafte Erinnerung an den eigenen Arbeitsalltag. Eigene Träume von dem Leben, welches man führen wollte, das nun aber in unerreichbarer Ferne liegt. Gedankenspiele nach dem Motto "was wäre wenn?", und man redet sich ein dass man, wie es in diesem Lied heißt, doch jederzeit die Sachen packen könnte und an Ferne Orte reisen kann. Aber am Ende bleibt man doch in seinem Alltag gefangen, freiwillig. Die Fahrt in die Nacht, die scheinbar ewig dauert ist extrem deprimierend und sie markiert den Abgang der Unschuld von der Bühne in den ruhigsten, umso mehr verstörenden Tönen. Es ist eine durch und durch beeindruckende Szene.

          Doch die Wiederherstellung der Unschuld lässt nicht auf sich warten. Die Rückreise auf Hakus Rücken, die Wiederentdeckung der Namen und somit auch das erneute aufkeimen der Unschuld werden durch den Fall symbolisiert, dem keiner der beiden mit Angst begegnet. Möglich dass die Kindheit irgendwann zu Ende geht, doch es ist niemals zu spät um ihr einen kurzen Besuch abzustatten, und es ist sicher nicht zu spät für Chihiro, den Weg zurück in die Unbeschwertheit zu finden. Hier kommt dann auch wieder das Thema der Identität ins Spiel, denn auch wenn sie sich an Haku erinnert, so ist die Erinnerung an sich selbst doch verblasst. Dies erklärt vielleicht auch ihre Reaktion auf die präsentierten Schweine, aus denen sie ihre Eltern heraussuchen soll. Da Chihiro sich aber nicht an ihr vorheriges Leben erinnern kann dürfte auch die Erinnerung an die Eltern fehlen. Es ist fraglich, inwieweit sie sich überhaupt an die Eltern erinnert, und eigentlich spielt es ja auch keine Rolle. Selbst wenn sie ihre Eltern nicht erkannt hätte, selbst wenn die Eltern anwesend gewesen wären, Chihiro hat eine gewisse Schwelle übertreten die ihr unbeschwertes altes Leben in gewisser Weise überflüssig gemacht hat. Sie wäre auch in Zukunft ohne ihre Eltern zurechtgekommen, so wie Haku, Lin und Kamaji eben auch irgendwie zurechtkommen. So wie wir alle irgendwie zurechtkommen. Der Trick ist, tief im inneren an der Person festzuhalten, die man als Kind war, während man durch das oftmals triste Dasein als Erwachsener navigiert.

          Visuell ist das natürlich, wie gewohnt, absolute Spitzenklasse. Der Detailreichtum, die Vielzahl an skurrilen Figuren die scheinbar alle irgendwo in Miyazakis Kopf hausen und sich ab und an den Wegs auf das Papier bahnen, "Chihiros Reise ins Zauberland" kann man sich wieder und wieder anschauen, nur um auf Entdeckungsreise zu gehen. Das verwunschene Badehaus erinnert ein wenig an "Alice im Wunderland", nur noch ausschweifender. Da wird schnell mal eine Treppe ohne Geländer zu einer bedrohlichen Angelegenheit aus Kinderaugen, und selbst als Erwachsener ringt einem diese monströse Konstruktion Respekt ab. Einige Kreaturen, wie beispielsweise Kamaji mit seinen vielen, nach Bedarf unterschiedlich langen Armen kann man nur als verwunderlich bezeichnen. Jedes Mal wenn man davon ausgeht dass es nicht seltsamer werden kann kommt etwas Neues hinzu. Ein Schiff voller Geistermasken. Ein Zug, dessen Schienen unter Wasser liegen. Bis über den Bildrand hinaus ist das Zauberland bevölkert von Kreaturen, die einzigartig sind. Keine davon fühlt sich irgendwie geklaut oder ausgeliehen an. Das Badehaus präsentiert eine völlig abgeschlossene Welt in seinen vier Wänden, und das Innenleben scheint generell größer zu sein als die Außenhülle es vermuten lassen würde. Der Detailreichtum geht so weit, dass sich hunderte von Dingen im Haus finden lassen, die für die Geschichte völlig irrelevant sind. Aber sie sind da, machen das Haus lebendig und lassen einen wünschen, wenigstens für kurze Zeit auch auf Entdeckungstour gehen zu können. Die von satten Rottönen dominierte Farbpalette des Films ist unerschöpflich und komplettiert einen visuellen Stil, der mir bisher noch nie in dieser Form begegnet ist. Und weil all dies noch nicht reicht komponierte Joe Hisaishi erneut einen Soundtrack, dessen ruhige Töne allein dafür sorgen dass die Tränen fließen, während in aufregenden Momenten ein Gänsehautschauer den nächsten von den Zehen zum Scheitel und wieder zurück jagt.

          Es ist immer so seltsam wenn man einen Film als perfekt bezeichnet. Doch wenn sich einer das verdient hat, dann "Chihiros Reise ins Zauberland". Mitreißend, tiefgründig, wunderschön animiert, versehen mit einem ergreifenden Soundtrack und so detailverliebt dass man ihn mehrmals hintereinander schauen kann und jedes Mal etwas Neues entdecken würde: Hayao Miyazaki ist mit diesem Werk etwas ganz, ganz Großes gelungen. Etwas, dessen vollen Umfang man so gar nicht in Worte fassen kann.

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          • 9

            Oscar als bester Animationsfilm, Goldener Bär der Berlinale, etliche weitere Auszeichnungen, zudem weltweit erfolgreich an den Kinokassen, in Japan sowieso – „Chihiros Reise ins Zauberland“ hat Anfang des noch jungen Jahrtausends die Welt im Sturm erobert und gilt als einer der ganz großen Würfe des Trickfilms.

            Das liegt nicht zuletzt an der überbordenden Fantasie. Wenn sich im Badehaus der Hexe Yubaba die sonderbarsten Wesen ein Stelldichein geben, dann hat dieses Panoptikum mythischer Kreaturen etwas Traumhaftes, auch Albtraumhaftes.

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            Festzuhalten ist aber, dass gerade Hayao Miyazaki unter anderem mit „Porco Rosso“, „Prinzessin Mononoke“, „Das wandelnde Schloss“ und eben „Chihiros Reise ins Zauberland“ ganz wunderbare Beiträge geliefert hat, die auch jenseits der Anime-Fangemeinde begeistern sollten und begeistert haben. Viel besser kann man Zeichentrick nicht machen.

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            • 7

              Eine bezaubernde Geschichte ist es ja. Chihiro gerät in eine wunderbare, fantastische und unheimliche Welt hinein, aus der sie sich selbst und ihre in Schweine verwandelten Eltern retten will und erlebt dabei zahlreiche wundersame Dinge, auf Fabeltiere, Monster, Geister und noch viele mehr. In dem Film geht es vor allem um Identität- Die Suche zu sich selbst, die Erkenntnis, wer man ist. Charakterlich ist dieser Film absolut herausragend, eine unheimliche Tiefe erfährt man bei Chihiro. Dazu zeigt der Film ein Leben im Einklang der Natur. Tiere, Menschen, Pflanzen, Wasser und was weiß ich alles muss harmonieren. Mäßigung, Bescheidenheit und Freundlichkeit, aber auch Güte und Mut werden als positive Aspekte des guten Lebens in den Vordergrund gestellt.

              Allerdings ist „Chihiros Reise ins Zauberland“ noch immer ein Film. Und zu einem Film gehört nun mal die Optik. Und hier frage ich: Was nützt es, wenn mir eine bezaubernde Geschichte erzählt wird, eine tolle, fantastische, liebevolle und emotionale Geschichte gezeigt wird, eine Geschichte, die auch noch aktuelle und wichtige Themen anspricht, wenn die Optik des Films mir über weite Strecken so gar nicht gefallen will? Übertrieben große Münder, Augen, Hände und sonstiger Körperteile. Gesichter, die zu mehr als übertriebenen künstlichen Fratzen entstellt sind. Körperteile, die sich in einer merkwürdigen Art und Weise bewegen. Dann kommen noch die merkwürdigen Viecher dazu, diese Hexe Yubaba sieht einfach lächerlich aus, das fette Riesenbaby ebenso. Ja, das ist subjektiv. Und ja, es mag vielleicht zu dieser fantastischen Welt passen, dieses ewig übertriebene. Und nein, optisch haben mir die Figuren eben über weite Strecken trotzdem nicht gefallen. Und mal so nebenbei: die Synchronstimme von Chihiro wird auch mit der Zeit immer nerviger.

              Also, zusammengefasst ist „Chihiros Reise ins Zauberland“ auch eine Reise ins Innere des Mädchens Chihiros, eine wunderbare Geschichte mit Fantasie und toller Musik, die vielleicht manchmal etwas zu symbolisch, mysteriös und unklar bleibt und durch ihre Optik nicht für jedermann gemacht ist. Wer nicht auf diesen überzeichneten Anime-Stil steht, den wird das Aussehen des Films doch ziemlich stören. So wie mich, leider.

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              • 8

                Zwar ist „Chihiros Reise ins Zauberland“ Miyazakis bekanntester Film weltweit, sein Bester jedoch nicht.
                Trotzdem nagt der Film am Status des Meisterwerks, deshalb ist die Kritik an ihm auch auf einem vergleichsweise hohen Niveau.
                Die Welt, in der wir mit Chihiro eintauchen, ist fantastisch.
                Bunt, vielschichtig, originell, irgendwie knuffig und absolut liebenswert.
                Chihiro selbst ist, wie zu erwarten, grundsympathisch und in ihrer kindlichen Art einfach herrlich. Es ist schier unmöglich diesen Charakter nicht zu mögen.
                Die Geschichte um Chihiro, die versucht ihre Eltern und sich selbst aus diesem Zauberland zu befreien, ist detailverliebt und im Großen und Ganzen mitreißend. Dennoch hat sie nicht die immense Wirkung auf mich, wie vergleichsweise „Mein Nachbar Totoro“.
                Vielleicht fehlt mir einfach die tiefere Botschaft, die Miyazaki sonst immer in seine Filme einbaut. Die Natur spielt sonst ja immer eine gewisse Rolle in seinen Werken, hier jedoch ist sie nur Beiwerk.
                So ist die Reise in das Zauberland zwar fantasiereich und alles andere als langweilig, jedoch ohne erkennbare bzw. sich wirklich durchsetzende Moral. Damit will ich keinesfalls sagen, dass nicht auch dieser Miyazaki absolut sehenswert und wunderschön ist. Das hohe Niveau vorheriger Filme wird nur nicht gänzlich eingehalten.
                Trotzdem ist „Chihiros Reise ins Zauberland“ durchdrungen von einem kindlichen Charme, der einen in dieses Reich der Fantasie wunderbar eintauchen lässt. Das Design der Geister ist wie immer schrullig und skurril und sorgt für einige Schmunzler.
                „Chihiros Reise ins Zauberland“ versöhnt schlussendlich doch und weiß zu gefallen. Auch mehrfach.
                Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit den kleinen Kohlemännchen. Ein Film mit diesen schwarzen Knäueln muss allein deshalb hervorragend bewertet werden.

                10
                • 8

                  Hayao Miyazakis "Chihiros Reise ins Zauberland" ist eigentlich nichts anderes als die japanische Variante von "Alice im Wunderland". Trotzdem ist der Film soviel mehr und um so vieles gelungener. Es ist eine Geschichte von unvorstellbarer Fantasie. Eine simple Story wird hier zu einem Märchen mit den wunderbarsten Charakteren ausgedehnt, welche man sich vorstellen kann. Begleitet wird die unglaubliche animierte Bilderflut von Melodien, die wohl am einfachsten bei "einzigartig" einzustufen sind. Die liebevollen Animationen und Charaktere und dieser wunderbare Score ziehen einen förmlich in die Welt von Chihiro. Zu jedem Augenblick habe ich mich als Teil dieses Abenteuers gefühlt. Ich habe gebangt, gelacht und war zu Tränen gerührt. In diesem Strudel aus Gefühlen hat Miyazaki zum Glück nicht vergessen etwas über Liebe, Freundschaft, Mut, Weisheit, Lebensmut und so viele andere lebenswichtige Themen zu erzählen, und all das ohne kitschig zu wirken. Ich finde es schwer, das was ich für den Film empfinde, in Worte zu fassen. Sicher ist, dass "Chihiros Reise ins Zauberland" gerade der erste Film war, den ich von Miyazaki gesehen habe und ich mich schon jetzt riesig auf seinen nächsten freue. Das ist ein Märchenfilm fernab des Disney-Kitsches, der immer gleich klingenden Disneysongs. Hier wird noch gezeigt, zu was wirkliche Fantasie und wahrer Ideenreichtum führen kann, nämlich zu einem Film, welchen man nie wieder vergessen wird, welchen man für immer lieben wird, welchen ich persönlich später mal meinen Kindern immer und immer wieder zeigen werde. Jetzt aber genug des Lobes. Der Film ist Pflichtprogramm für Kinder als auch Erwachsene, und wer ihn noch nicht gesehen hat, dann ist das wohl spätestens jetzt der richtige Zeitpunkt. Warum ich dem Film letztendlich keine volle Punktzahl gebe, ist ganz einfach zu erklären. Die Synchro ist teilweise sehr lächerlich und passt überhaupt nicht ins Gesamtbild. Das trübt leider das Endergebnis ein wenig. Allerdings kann es das Bild nicht genug trüben, denn Miyazakis Geschichte ist ein Traum von Film, ein Meisterwerk!

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                  • 10

                    Wenn man mich nach meinem absoluten Lieblingsfilm fragen würde (nicht zu verwechseln mit "dem perfekten Film"), dann würde ich wohl nach längerem Überlegen CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND nennen. Kein Film hat mich je so verzaubern können und hielt auch noch der fünften Sichtung mit solcher Leichtigkeit stand, dass auch die finstersten zwei Stunden zu den sonnigsten fünf Minuten wurden. Und ja, Ihr denkt richtig, wenn Ihr jetzt vermutet, dass das nun eine höchst subjektive Review wird: Dieser Kommentar wird eine Liebeserklärung, die meine Gefühle zu diesem Kunstwerk in Worte zu fassen versucht, auch wenn ich glaube, dass mir das nicht einmal annähernd gelingen wird.

                    Jedes Mal, wenn ich mir diesen Film ansehe, werde ich für zwei Stunden in eine märchenhafte Welt entführt und merke erst, nachdem der Abspann mit seinem wunderschönen letzten Lied vorbei ist, dass ich mich eigentlich noch zuhause auf meiner Couch befinde und dies nicht real war. Ständig trieb mir dieses Wunder von einem Film (Freuden-)Tränen in die Augen und bereitete mir unglaubliche Gänsehaut aufgrund seiner unbeschreiblichen Schönheit. Sämtliche Figuren und Charaktere wurden hierbei mit solch unendlich scheinender Phantasie entworfen, dass man sie einfach nur bewundern kann (sowohl die Macher als auch die Figuren selbst) und auch die gezeichneten Schauplätze sind von solch gütiger Anmut, dass ich Hayao Miyazaki und Studio Ghibli einfach nur auf ewig dankbar bin.
                    Keinesfalls unerwähnt sollte ebenfalls der perfekte Soundtrack von Joe Hisaishi bleiben. Es ist erstaunlich und berauschend zugleich, was für eine Palette an Gefühlen er in seine Musik packen kann: von kindlich-naiven Stücken, über episch und feierlich anmutende Lieder, bis hin zu purer Traurigkeit und Melancholie, ist wirklich alles dabei. Diese Palette an Gefühlen, die mir der Score vermittelt (selbst, wenn ich keine Bilder dazu habe) und die mich auch nur beim bloßen Hören zu Tränen rührt, ist es dann auch, die diesen Soundtrack für mich zu meinem Lieblingssoundtrack avancieren lässt.
                    Der ganze Film gibt sich auch nicht der schnöden Einteilung in gut und böse hin, wie es bei vielen Märchen der Fall ist, nein, vielmehr folgt jedes Wesen in Miyazaki's Welt seiner eigenen komplexen Natur und so ist es auch jedem Zuschauer selbst überlassen, wen er als seinen "Lieblingscharakter" erwählt. Ich für meinen Teil finde wohl (natürlich neben Chihiro und Haku) das Ohngesicht in seiner Reflexion der menschlichen Gier am interessantesten; für mich hätte wohl sogar schon diese eher kleinere Nebenhandlung dafür gesorgt, den Film zu lieben.
                    Am Anfang der Geschichte scheint Chihiro selbst noch reichlich jung, unerfahren und ängstlich, doch schon bald lernt sie, auch ohne ihre Eltern auszukommen, sich nicht nur in Selbstmitleid zu wähnen und stattdessen ihr Schicksal in die Hand zu nehmen. Und auf ihrer Reise durch das Land der Götter und Geister verhält sie sich dann sogar oft reifer und erwachsener als ihre älteren Mitstreiter und beweist ständig unglaubliche Willensstärke und Mut.
                    Es ist auch der Film, der mich immer wieder daran erinnert, warum ich eigentlich (bestimmte) Filme liebe. Es ist die persönliche Bindung, die man zu einem Film hat und diese ist es auch, die sämtliche (möglichen) Fehler, Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten auf einmal völlig unbedeutend erscheinen lässt. Weil es nur zählt, wie man selbst zu einem bestimmten Film steht und in dieser Hinsicht sollte man sich auch nicht von anderen Meinungen beeinflussen lassen, weil es einfach falsch wäre.
                    Dieser Film erinnert mich immer wieder auf eine einzigartig sanfte und schöne Art und Weise an meine eigene Kindheit, auch wenn ich ihn das erste Mal erst mit ca. 11 Jahren gesehen habe (und somit nicht unbedingt direkt während meiner Kindheit). Und doch vermittelt er mir stets für zwei Stunden das Gefühl, wieder ganz klein zu sein und nimmt mich mit auf eine abenteuerliche und absolut zauberhafte Reise voll bildlicher Poesie und magischer Wesen.
                    Dabei ist CHIHIROS REISE INS ZAUBERLAND so vieles: Eine Parabel auf das Erwachsenwerden, ein Verweis auf die heutige Umwelt und das Zusammenleben von Mensch und Natur, eine sanfte und unschuldige Romanze und vor allem: ein zauberhaftes, bildschönes, fantastisches, rührendes, wunderbares und großartiges modernes Märchen. Und in all seinen Facetten verzaubert es mich jedes Mal aufs neue. Ich bin so dankbar, diesen Film kennen zu dürfen.

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                    • 4

                      Viel behyped konnte mich Miyazaki hier wegen der etwas wirren Story nicht überzeugen.

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                      • 8

                        Dieser 2003 mit dem Oscar ausgezeichnete Zeichentrickfilm ist ein außergewöhnliches Märchen mit unglaublichem Einfallsreichtum und etwas undurchsichtiger Handlung, aus der sich bei Bedarf einiges herausziehen lässt. Einem klaren Zielpublikum lässt sich der Film kaum zuordnen. Fest steht, dass dieses Fantasy-Abenteuer mit schmerzlichem Anime-Kitsch à la „Sailor Moon“ nichts gemein hat, auf eine klare Einteilung in Gut und Böse verzichtet und keinen erhobenen Zeigefinger erkennen lässt, sondern jedem einen gewissen Interpretationsraum oder einfach nur einen vergnüglich schönen Bilderrausch ermöglicht. [...]

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                        • 9 .5

                          "Chihiro" ist ein von einem Opiumraucher geträumtes "Alice im Wunderland", bloß mit Fröschen statt Kaninchen. ... Dies ist ein Mädchenabenteuer und ein Ökogleichnis, eine groteske Komödie und eine zarte Liebesgeschichte, ein politischer und persönlicher, ein Autoren- und Publikumsfilm. Es ist ein Wunder.

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                          • 8

                            Gleichwohl führt Hayao Miyazaki, der Meister des japanischen Animationskinos, zumal seine westlichen Zuschauer zunächst einmal auf ganz unwägbares Terrain. Fremdartig und unvorhersehbar erscheint, was seiner Heldin und uns dort passieren kann ... Bei aller Putzigkeit haben diese Gestalten wenig gemein mit der zwanghaft ins Ironische gewendeten Niedlichkeit der Disney-Geschöpfe, die vornehmlich als Gagmaschinen fungieren müssen. Ihre Leinwandaura steht im Zeichen einer drolligen Vieldeutigkeit.

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