Chinatown - Kritik

Chinatown

US · 1974 · Laufzeit 131 Minuten · FSK 16 · Kriminalfilm, Thriller, Drama · Kinostart
Du
  • Im Podcast besprochen:

    Im nasskalten Herbst kuscheln wir uns in den eigenen vier Wänden ein. Manch einer träumt von den heißen Sonnenstrahlen des vergangenen Sommers. Wir übertreiben es vielleicht ein wenig. Denn Jan, Michi und Niels stürzen sich ins Jahr 1937, Dürre in Los Angeles, die Sonne brennt auf die Häupter der Westküsten-Amerikaner. Zu allem Überdruss gibt es noch einen Mord und vielleicht noch einiges mehr aufzudecken.

    Mit seinem letzten in Amerika gedrehten Film setzt Roman Polanski in CHINATOWN 1974 einen Paukenschlag für den Neo-Noir, die Fortsetzung der „série noir“ bzw. des „film noir“ der 1940er und 50er Jahre. Welche Elemente der Detektivgeschichte um Hauptdarsteller Jack Nicholson und Femme Fatale Faye Dunaway uns besonders an Bogart und Co. erinnern und was CHINATOWN wiederum selbst zum Klassiker macht, das ist Thema unserer heutigen Folge – „Forget it, Jake: This is Chinatown“

    • 8

      [...] Roman Polanski nimmt sich viel Zeit, um seine verschachtelte Geschichte zu erzählen - keine Minute zu wenig und keine zu viel - und macht im Drehbuch sowie inszenatorisch so ziemlich alles richtig. Auf der einen Seite schafft er es ganz nebenbei seinen Figuren über kurze Kommentare, kleinere Handlungen und Reaktionen auf das umliegende Geschehen, ein unglaublich rundes Profil zu geben. Gittes beispielsweise lässt immer wieder Fetzen aus seiner Vergangenheit durchsickern - von damals, als er in Chinatown Detective gewesen ist - und erzeugt so eine vollkommen klare Nachvollziehbarkeit seiner Taten in der Gegenwart. [...] Dabei traut Polanski seinem Publikum genügend zu, um ihm immer nur die nötigen Häppchen zu zu werfen, anstatt lang und breit vor- und durchzukauen. Der Zuschauer muss am Ball bleiben, ebenfalls kleine Schnipsel zusammenfügen, um ein Gesamtbild zu entwickeln und wird dabei immer mehr mit dem tollen Gefühl belohnt, mit Gittes zusammen in Kalifornien unterwegs zu sein, gemeinsam zu ermitteln und langsam Fortschritte zu erzielen. [...]

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      • 8

        [...] Roman Polanski porträtiert konzentriert eine Welt, in der nicht nur der gute Wille ein nutzloses Gedenken darstellt, auch die Wahrheit ist nur ein übergangenes Anhängsel schrecklicher Verbrechen. Während Los Angeles zum symbolischen Metronom des Abscheulichen wird und den Takt des Inneren, Chinatown, vorgibt, bahnt sich ein Krater durch diese Stadt, der nicht nur politische und wirtschaftliche Schandtaten abdeckt, auch die Familien zerbrechen, stürzen in die desillusionierende Leere und werden im Zweifelsfall noch mit dem unehrenhaften Tod entlohnt. Eine Welt ohne Helden, aber mit Menschen, die zu unmenschlichen Taten in der Lage sind; mit Herzen, die nicht der Liebe wegen schlagen, sondern darauf warten, endlich gebrochen zu werden. Roman Polanski hat vollkommen Recht: Wenn man einen Film über gravierende Missstände inszenieren möchte, dann muss man diese auch siegen lassen, jeder Unzufriedenheit und Enttäuschung zum Trotz.

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        • 8 .5

          Ein bizarrer Film Noir über die "Vergeblichkeit guter Absichten" (Robert Towne), von Polanski, der die Versuchung zu Stilisieren klug umgeht, pointiert und konzentriert inszeniert. CHINATOWN ist ein makellos gespielter Klassiker ohne Patina, der seinen immer wieder aufblitzenden Humor mit einem erschütternden Ende pulverisiert. So werden sie heute nicht mehr gemacht.

          8
          • 9 .5

            «Chinatown» von Roman Polanski ist ein unumgängliches Meisterwerk, das in keiner sorgfältig sortierten DVD-Sammlung fehlen darf.

            • 10

              Für Polanski war „Chinatown“ eine Überwindung. Nach dem Mord an seiner Frau Sharon Tate durch Mitglieder der Manson-Bande war er einige Jahre zuvor nach Europa gegangen, wollte nicht zurück in die Staaten. Umso erstaunlicher ist, wie eng Polanski mit der Inszenierung der Geschichte den Betrachter kontinuierlich fesselt, in den Film einbezieht. Die Filme sind äußerst rar, in denen – positive wie negative – Identifikationen mit Figuren derart exzellent funktionieren wie in „Chinatown“. Jake, Evelyn, aber eben auch Cross sind einem wirklich nahe, man spürt förmlich ihre Nähe, ihre Wärme oder ihre Kälte. Die gesamte Komposition des Films ist stimmig. Das ist es eben, was man einen Klassiker nennt.

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