City of God - Kritik

Cidade de Deus

BR/FR/US · 2002 · Laufzeit 130 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 10

    -Geschichten, die Geschichten schreiben und Geschichten nach sich ziehen in The City of God-

    In „City of God“ tauchen wir tief in die Fasern von Blut, Dreck, Ungerechtigkeit und dem Zerfall von jeglicher Moral, Ethik und Verstand ein. Fernando Meirelles schmeißt uns in die Geschichte eines Jungen mit dem Namen Buscape, der von klein auf bei der wohl grausamsten und traurigsten Geschichten aller Zeiten, ganz vorne mit dabei ist. In den Favelas von Rio de Janairo trägt sich unfassbares zu. Kleiner Kinder, die Menschen töten, Jugendliche, die Menschen töten und Erwachsene, die Menschen töten. Bandenkriege, Survival of the fittest, Geld, Drogen und Macht. Welche Rolle wird Buscape bei alle dem einnehmen und ist es möglich in solch einer Welt anständig und bodenständig Fuß zu fassen? Aus dem Teufelskreis auszubrechen und ein Mensch Gottes Abbild zu werden??

    Was uns Fernando Meirelles vorsetzt, ist abscheulich, makaber und genauso zynisch und brutal verharmlost, wie die einfache Tatsache, dass es in manchen Ländern dieser Welt eben ganz normal war und ist, dass Kinder mit Waffen, Gangs mit Waffen, alle mit Waffen um sich schießen und beinahe jeder zum großen Locke alias der Boss werden kann, wenn ihm die Mordlust nur groß genug überkommt.

    Aber er setzt uns auch die Konsequenzen vor, die entstehen, wenn auf Taten Taten folgen, auf Geschichten wieder Geschichten folgen, aus Dingen und Handlungen Gedanken werden, aus diesen Gedanken dann wieder Taten folgen und das unaufhörlich, pausenlos. Rache, Moral, Ethik, Menschlichkeit und ein Kampf ums Überleben in „City of God“.

    Und Fernando Meirelles hält voll drauf. Jeder Schuss, jeder Tote, die ganze Wahrheit. „City of God“ ist erbarmungslos, schockierend und hinterlässt einen rostigen Geschmack im Mund, wenn man bis zum Ende gucken konnte. Besonders gut gelingt es Meirelles aber Geschichten zu erzählen, während er sich gerade in einer Geschichte befindet, die sogar noch einer ausschlaggebenden Geschichte unterliegt. Ich empfand es ganz klar als Inception der Geschichten. Mehrere Ebenen, aber Parallel und stringent, glasklar erzählt. Erzählt er uns gerade noch über einen anbahnenden Bandenkrieg, ist dann plötzlich mittendrin drin, erzählt aber kurz und knapp in derselben Zeit auch noch etwas über die Intention, die Gefühle der Menschen und warum sie tun, was sie tun. Er erzählt in vielen Szenen mehrere Geschichten, ganz ohne, dass es dem Zuschauer unmöglich wird, diese zu verfolgen. Nein, man versteht alles und das, obwohl es eigentlich sehr anstrengend werden müsste, wenn man mehrere Geschichten gleichzeitig verfolgen muss. Kunst.

    Die Kamera ist immer mitten im Geschehen, wackelt, bewegt sich manchmal so schnell, wie ein verdammtes Projektil und wird in den richtigen Momenten wieder ruhig und fängt sowohl alles rasante, wie auch tragische famos ein. Kamera- und Schnitttechnisch auf allerhöchstem Niveau und auf einer Ebene mit einem Meisterwerk. Nach hunderten von Filmen saß ich da und musste mich fragen, ob ich so etwas schon einmal gesehen hatte. Klares Nein!
    Ein Meisterstück in der Erzählweise, den Farben, den herausragenden Schauspielern und zwar allesamt. Und auch die Musik..

    Die Musik erfüllt indes einen gehobenen Zweck und ist sauber durchdacht. Man betrachte die Kinder in „City of God“, und nicht nur die Kinder, sondern alle Einwohner, die an Leichen vorbei gehen, Witze reißen und über den Tod, Richtig und Falsch, nicht mehr nachdenken. Er ist so wahr, real und nah in ihrem Umfeld, dass es für sie zum Leben dazugehört, dass täglich Menschen sterben. Wenn die Musik dann bei einer Schießerei, dem durchlöchern von Körpern, dem fließen des Blutes, mit frecher und schamloser Musik um sich wirft, dann ist das ein Weg zu klarer Authentizität. Und Meirelles fängt sie ein, bannt die Menschlichkeit hinter Gittern und lässt ihr keinen Platz.

    Buscape ist der Einzige, der den Namen der „City of God“ noch Ausdruck verleihen könnte. Auch er ist nicht fehlerfrei, ganz und gar nicht, aber der Einzige, der von einem normalen Leben träumt.
    „City of God“ enthält eine große Note „Scarface“ und perfektioniert sie. Der große Boss, im Film Locke genannt, ist skrupellos und steht im genauen Gegensatz zum Filmtitel. „City of Blood“ ist die Stadt, die er sich aufbaut. Auch der Titel ist Programm. Man könnte es klar als Paradoxon zur Handlung auffassen und auch das ist ganz groß und erzielt eine große Wirkung.

    Die Schauspieler, alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen spielen hier ganz groß auf und verleihen dem Ganzen grausame Authentizität, die mich absolut mit offenem Mund hat dasitzen lassen.

    „City of God“ ist eindringlich, schonungslos, zynisch, teilweise klar verspielt und weiß es mehrere Geschichten gleichzeitig zu erzählen, ohne dabei ins Stocken zu geraten.

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    • 9
      Chionati 07.10.2017, 19:45 Geändert 07.10.2017, 19:58

      Kann Spuren von Spoilern enthalten.
      City of God beruht auf wahren Begebenheiten. Der Film spielt sich in den Favelas von Rio de Janairo ab und zeigt auf erschreckende Weise den tödlichen Kreislauf des Verbrechens. Es ist dort, wo Kriminalität, Überfälle, Mord- und Totschlag, Vergewaltigungen, Verrat, Selbstjustiz, Korruption und Hinrichtungen an der Tagesordnung sind und ein Menschenleben nicht viel wert ist, wo bereits Kinder zu Mördern erkoren werden und man ein Mann ist, sobald man jemanden umgebracht hat, starke Drogen einnimmt und mit der besten Waffe rumläuft. Leider erwischt es wieder mal am häufigsten die Unschuldigen, denn einmal in den Kreislauf hineingeraten, gibt es kein zurück mehr. Voodoopriester werden heraufbeschworen, um die ganze Macht zu übernehmen im ewigen Kreislauf des Bandenkrieges. Und es scheint auch eine Zeit des Friedens in der "Hölle" zu geben, wenn der Anführer das Viertel unter Kontrolle hat und seine Geschäfte in aller Ruhe und ungestört erledigen kann. Doch bis dahin ist es ein blutiger Weg über unzählige Leichen, die nur darauf warten, gerächt zu werden. Viel Zeit bleibt nicht. Die Elite wächst heran, schmieden schon Pläne einmal die Macht zu übernehmen und alles zu killen was sich ihnen in den Weg stellt. Unter ihnen keiner über 12 Jahre alt. Man darf sich keinen Fehler leisten, sonst wars das. Der Waffendealer wird zufriedengestellt. Es läuft gut für ihn. Geschäfte auf der einen Seite wie auf der anderen. Die Öffentlichkeit juckts wenig, die Medien berichten kaum, die Polizei ist geschmiert und so kann alles weitergehen wie bisher, bis.... bis der "Boss" einen entscheidenden Fehler macht. Er legt sich mit den oberen Korrupten an!! Für diese Leute ist er auch nur ein Spielball des Verbrechens, ein Opfer und höchstens ein Geldlieferant. Das Morden in den Favelas interessierte bisher keinen, doch nun müssen die Oberen für Ruhe sorgen und mischen sich ein. Das Ende ist nur der Anfang von einem neuen Kreislauf. Die Geschichte wird von einem Mann namens Buscape erzählt, der selbst dort aufwuchs und mit den dortigen Gegebenheiten bestens vertraut ist. Als Zuschauer wird man in den Sog des Verbrechens mit hineingezogen von dem es kein Entkommen zu geben scheint. Buscape versucht zu entkommen, einen anderen Weg einzuschlagen, und dies scheint ihm auch gelungen zu sein. Der Film ist stark, aussagekräftig, schockierend, wahrheitsgetreu, kompromisslos und selbst mit Humor wird nicht gespart. Eine tolle Empfehlung meiner MP-Freunde.

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      • 10

        Immer noch einer meiner Lieblingsfilme. Die Story und deren Umsetzung sucht seinesgleichen. Ein Film, der einen nicht kalt lässt.

        • 6 .5

          Gut und authentisch aber der Film war trotzdem nicht nach meinen Geschmack. Das reale wird mir schon gezeigt aber auf dieser ganzen Welt gibt es solche Orte und die Medien zeigen uns oft Bilder von diesen Orten. Schon manche Dokumentation darüber. Der Film zeigt nichts Neues was man nicht schon weiss. Deswegen fand ich es auch nicht mehr so brutal. Wegen der Medien sind wir schon abgehärtet und finden solche Geschichten nicht mehr so Brutal, obwohl es schrecklich und brutal ist. Aber man hört täglich davon und deswegen fühle ich mit solchen Filmen weniger mit. Früher wars anders zB "Boyz n the Hood" fand ich sehr brutal und zeigte mir eine Welt die ich dazumal noch nicht kannte, darum war ich auch so erschrocken. Heute hätte"Boyz n the Hood" bei einer Erstsichtung keine Chance mehr. Das Ghetto Thema in denn Staaten ist schon längst bekannt und es gibt zahlreiche Dokumentationen darüber. Der Hip-Hop und die Medien spielten ebenfalls eine Rolle dabei. All dies zeigten mir täglich Bilder davon, man wird abgehärtet von solchen Geschichten.
          "City Of God" ist kein schlechter Film und auch von denn Darsteller gut gespielt aber solche Filme müssen mir einfahren und das tat er nicht, Also bei mir auf jedenfalls nicht.

          Der Film ist mit Sicherheit eine empfehlungswert. Man sollte denn schon gesehen haben. Aber einmal schauen reicht mir völlig aus.

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          • 9 .5

            Es ist mehr als sein Dokumentarfilm, obwohl der Film das Leben im Armenviertel von Rio dokumentiert. Die Laiendarsteller und das Ambiente sind absolut authentisch. Die Handlung ist voller realistischer Brutalität. Es herrscht das Faustrecht in einer Welt, die vornehmlich aus Mord, Totschlag, Raub und Razzia besteht. Und der Lebensunterhalt wird durch den Handel mit Drogen verdient. Wir erfahren vom hierarchischen Aufbau der Organisation, die von der Polizei geduldet wird. Jedem ist eines klar ‘Ehrlichkeit lohnt sich nicht.‘
            Es kommt zum Bandenkrieg zwischen dem ‘schönen Helden‘ Mané (Seu Jorge) und Locke (früher mal ‘Löckchen genannt) (Leandro Firmino da Hora), dem ‘hässlichen Bösen‘. Er verspürt richtige Lust am Töten. Es ist einerseits eine persönliche Abrechnung, andererseits ein Machtfrage. Das Foltern von Kindern ist hier ebenso an der Tagesordnung wie die rücksichtslose Ballerei. Der Colt sitzt locker. Bereits bei unliebsamen Äußerungen wird sofort getötet. Verbaler Höhepunkt ist das ‘Vater unser‘ der Gang. Hier wird jeder Bezug statt auf Gott auf die Bande bezogen. D.h. dann ‘geheiligt werde unser Name‘ und ‘unser Wille geschehe‘. Weiter heißt es ‘unser täglich Brot nehmen wir uns selbst‘ und ‘führe uns in Versuchung…‘
            Wenn das der ganze Film wäre, so bliebe es nur eine beeindruckende Dokumentation. Doch die Handlung enthält einen Nebenstrang, der zur Hauptsache wird. Buscapé (Alexandre Rodrigues) fotografiert. Er steht für den einzigen Ausweg aus dem Dilemma nämlich ‘Bildung‘. Obwohl er in der ‘Stadt Gottes‘ zu Hause ist, gelingt ihm durch seine Fotos der Ausstieg.
            Filmisch interessant ist die Wiederholung mancher Szenen, die bunt gemischt eingestreut werden und manche Aktionen nochmal aus einer anderen Perspektive zeigen. Dabei ist Buscapé kein Held. Er hat nur Verstand und ein Ziel vor Augen. Das Ende ist durchaus realistisch, wenn die Gang der ‘Zwerge‘ (kleinere Jungs) die Macht übernimmt, nachdem die älterere Generation tot ist. Muss man gesehen haben.

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            • 8

              "City of God" gehört zu den Filmen, denen ich irgendwann mitten in der Nacht beim rumzappen begegnet bin und die ich um´s Verrecken nicht mehr wegschalten konnte. Er hinterließ einen bleibenden Eindruck, heftig, beinahe traumatisierend - schließlich war ich absolut nicht auf einen solchen Film vorbereitet.
              Der Streifen schafft das, was nicht viele Gangwars-Filme erreichen: Nicht nur das gewalterfüllte und (meist positiv dargestellte) drogengesäumte Leben der um sich ballernden Gangmitglieder darzustellen, nein (!), sondern auch die trostlosen Einzelschicksale, die in den kargen, hoffnungsberaubenden Favelas, Slums und Ghettos an der Tagesordnung sind. Die Regie sorgt auf bravouröse Weise dafür, dass der Zuschauer beispielsweise Locke nicht nur als gewalthungrigen und koksaffinen Gangster mit verdrehten Moralvorstellungen wahrnimmt, sondern auch immer wieder erkennt, dass derselbe doch eigentlich sein ganzes Leben lang ein bemitleidenswerter Junge bleibt, der irgendwie nach ein bisschen Anerkennung bettelt.
              Die erzählende Off-Stimme, die wiederholt auftaucht, zieht einen noch tiefer in die Welt der Favelas hinein und sorgt dafür, dass der Zuschauer immer weiß, um was sich die Handlung gerade dreht. Schauspielerisch ist das größtenteils alles im oberen Bereich. Der ein oder andere mag womöglich zwischenzeitlich verwirrt sein, da im Laufe des Films doch relativ zahlreich neue Figuren auftreten, die sich auch noch optisch ständig verändern.

              Insgesamt auf jeden Fall ein lohnenswertes Stück Kinogeschichte!

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              • 10

                Guten Abend an alle Leute, die in meiner Freundesliste sind und auf dem Dashboard diesen Kommentar sehen. Vielleicht ist die Zeit etwas knapp, doch es gibt etwas, das ich jedem von euch - und generell jedem User auf Moviepilot - erzählen möchte. Er beginnt mit einer seichten Anekdote und wird währenddessen zu diesem Film übergehen.
                Nun, dieser Moment, er ist unglaublich. Ich versuche bereits die Worte zu fassen, um das auszudrücken, was dieser Film für mich bedeutet und welche Brillanz ich dahinter sehe. Nunmehr sind gut drei, vier Jahre seit der letzten Sichtung vergangen. Stets behauptete ich, dieser Film sei der in meinen Augen beste Film, den ich je gesehen habe. Gerade schaue ich ihn wieder, ich rauche eine Zigarette und denke bloß über das erste Drittel nach. Die Nostalgie tut ihr Übriges, die Begeisterung ist nicht weniger groß. Eines ist gewiss: Dieser Film zählt für mich, und ich hoffe doch sehr, dass es vielen auf einer gänzlich objektiven Hinsicht ähnlich ergeht, zu den wohl besten Filmen aller Zeiten. Ich bekunde hier meine persönliche Zuneigung, doch anders als bei anderen Favoriten wage ich zu behaupten, dass es hierbei allgemein um etwas weitaus Größeres geht.
                Coming-of-Age ist ein interessantes Genre mit sehr viel Potential. Wenn mich jemand nach einer Empfehlung fragt, schlage ich diesen Film vor.
                Drogendramen sind häufig erschütternd, und haben ebenso viele Vertreter, die als brillante Filme zählen. Wenn mich jemand fragt, ob ich eine Empfehlung hätte, so schlage ich diesen Film vor.
                Dies kann ich noch weiterführen, doch am Ende bleibt folgende Quintessenz: City of God, im Original "Cidade de Deus" ist einer der besten Filme aller Zeiten.
                Wie kommt es hingegen zu dieser Ansicht? Nun, wie ich schon sagte - es ist lange her, und wenn man etwas jünger, um nicht zu sagen pubertär ist, wird man weitaus leichter von solchen Streifen gepackt. Das Beste - ich habe schon diverse Absätze geschrieben und laber immer noch herum.
                Kommen wir zu der Handlung, spoilerfrei: Zwei Jungs sind Einwohner der Stadt Gottes, ein, wie man sagen würde, Gesindelviertel um Rio de Janeiro in Brasilien. Bandenkriege, Drogenhandel. Dieser Film gewährt uns einen Einblick in die Geschichte der Stadt, weit über die beiden, wenn man sagen möchte, Protagonisten hinaus. Wir erfahren viele Geschichten der Stadt Gottes, wovon die des Fotografen Buscapé und die von Löckchen, später Locke dem Boss im Mittelpunkt stehen. Weiterhin erfahren wir, wie sich die Drogenreviere in diesem Viertel entwickeln, einzelne Brennpunkte mithilfe von genialen repetitiven wie parallelen Kameraschnitten etabliert werden, die Vorgeschichten, die überhaupt zu der Anfangssituation des Films leiteten, sodass man beinahe von einer fantastischen Umsetzung des Schmetterlingseffekts reden könnte. Wir begleiten Menschen, mitunter Kinder, die es im Leben schwer haben, die in jüngsten Jahren mit Drogen und Waffen konfrontiert werden - und all dies ist die beinharte Realität.
                Mit den gezeigten Bildern wird man nicht verschont. Kinder werden von Gangstern geprägt, meist auf dem direktesten vorstellbaren Wege. Selbst, wenn man diesen Film nicht mag - solche Sequenzen bleiben hängen. Die Stadt Gottes scheint im eigenen Kopf zu bestehen, genauso wie die Wege der Protagonisten und der Nebenfiguren.
                Zum Beispiel eine umwerfende Alice Braga, deren Rolle der Angelica nicht nur eine Augenweide ist, sondern mit all den restlichen Figuren auf eine unglaublich lebensnahe Art und Weise verwoben ist. [Spoiler] Wo sie zuerst nur in der Gruppe von Buscapé präsent war, als die erste Liebe und das Streben, zu dem er sich hingezogen fühlt, wo sie doch einen Freund hat. Sie trennt sich von ihrem festen Freund, der sich mit Bené, dem besten Freund von Locke anfreundet - welcher mittlerweile der gefürchtetste Gangster der Stadt Gottes ist. Nicht genug, so kommt sie mit Bené zusammen, der sich mit Buscapé fantastisch versteht. All dies soll nicht wie ein billiges Drama klingen, denn es ist einfach eine wundervolle Darstellung der lebensechten Situation, die man selbst doch häufig erlebt und mit den Worten "Wie klein doch die Welt ist" kommentiert. Jeder, der den Film sieht, wird diese Faszination doch hoffentlich verstehen, denn all die kleinen Details nehmen eine Rolle in dieser Geschichte ein, der Geschichte jener, die in der Stadt Gottes aufwachsen.
                Bis auf wenige Ausnahmen sind nahezu alle Schauspieler zudem Laiendarsteller, Leute, die direkt aus dieser Gegend kommen und demzufolge ein realistisches Schauspiel hinlegen, das seinesgleichen sucht. Jede Figur scheint perfekt zu passen, mehr noch, man würde gar nicht mal merken, dass all dies geschauspielert ist, so nahe liegt es an der Realität. Wir scheinen sie direkt vorgeführt zu bekommen, als erzählte Geschichte; die Menschen sind real und haben ebenso Träume und Wünsche, jeder einzelne von ihnen: Von der Karriere als Fotograf über die Kontrolle über das gesamte Viertel bis hin zum endgültigen Schlussstrich, um das Elend der Stadt Gottes zu verlassen. Konflikte spitzen sich auf unzähligen Ebenen zu, nicht nur in den Szenen, den Verbrechen, sondern ebenso zwischen den Charakteren. Man kriegt mit, wie sie leben, denkt sich in deren Verhältnisse rein, in die Freuden und die Schockmomente, von Höhen und Tiefen. Menschen, die gut sind in ihrem Herzen - und das genaue Gegenteil.
                Doch gibt es weitaus mehr eindrucksvolle Elemente, die der Film mit sich bringt, gerade bei all diesen unterschätzten Bestandteilen. Ton und Schnitt, welcher gerade bei den unglücklichen Momenten, um nicht zu viel vorwegzunehmen, überaus einprägsam ist. Die Entwicklung nimmt einen mit, und wird von ebenjenem nur unterstrichen.
                Der Soundtrack, gerade bei den portugiesischen Liedern, passt schier 1:1 auf diesen Film und geht auch außerhalb desselben sehr gut ins Ohr. Ich bekomme immer noch eine Gänsehaut, wenn von Seu Jorge "Convite Para Vida" durch jede mögliche Art von Kopfhörern und Lautsprechern dröhnt.
                Bislang kenne ich den Film nur in der deutschen Synchronisation, mal sehen, ob ich ihn irgendwann im Original sehen kann, wenn ich meine Portugiesisch-Kenntnisse zu Genüge ausgebaut habe. Es wäre garantiert eine Erfahrung für sich, denn diese ist der Film ohnehin schon.
                In jedem Fall werde ich nicht drumherum kommen, diesen Film als einen der besten zu bezeichnen, die ich kenne und die es womöglich überhaupt gibt. Ich könnte dies noch in unendliche Weiten fortführen, doch lege ich euch allen ans Herz, euch selbst diese 130 Minuten zu nehmen, um einen Film zu sehen, der nicht umsonst einen solch hohen Status genießt. Allerlei Listen haben diesen vertreten, doch was sagt denn schon eine Qualitätsliste über die Filme aus? Man liest unzählige Titel und geht weiter, ohne sich näher damit auseinanderzusetzen. Doch hoffe ich, dass diese Worte hier bei einigen einen Nachdruck hinterlassen, und sollte meine Begeisterung nur zur Hälfte geteilt werden - City of God. Ihr werdet es nicht bereuen.

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                • 7 .5

                  Interessant.

                  • 8

                    So jetzt hab ich dieses Meisterwerk auch endlich gesehen. Sehr guter Film, vor allem der dokumentarische Stil durch die Kamera sorgt für ein Gefühl, als wäre man mitten drin. Ich hab mich gegen Ende etwas geärgert, da ich die ganzen Jungs und Namen nicht mehr alle unter einen Hut gebracht hab. So war dann doch öfter die Frage im Raum gestanden, wer jetzt wer ist. Der kleine Plot am Ende hat Spaß gemacht, war aber zu erahnen. Emotional kann der Film einen nicht immer abholen aber oft. Schauspielerisch und auch die Synchro waren gut bis sehr gut. Ein Film den ich mir definitiv mehrmals anschauen muss, um alles mit zu bekommen, aber da er beim ersten mal schon Spaß macht, werden die weiteren Sichtungen eine angenehme Sache...

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                    • 10
                      JimiAntiloop 12.12.2016, 19:30 Geändert 17.02.2017, 17:59

                      - DIESER KOMMENTAR IST TEIL DER USER-KOMMENTARE-WICHTEL-AKTION 2016 und ein Wichtelgeschenk für PaulthePirat

                      Messer, Gabel, Schere, Licht .... so geht der alte Reim los und würden in Rio die Menschen diesen Spruch kennen, wären auf jeden Fall noch Waffen mit aufgezählt, welche nicht in Kinderhände gehören. Was passiert, wenn ungebändigt, empathieungelehrte wilde Kinder in Besitz genau solcher kommen, kann man sich in in "City of God" in 2 Stunden vor Augen führen lassen. Das dies nicht schön sein wird, sondern traurig und erschreckend ist wohl kein Geheimnis. So wie "Buscape" der Hauptcharakter des Filmes mit seiner Kamera das erstemal Licht aus den Straßen der verwinkelten Kriminalitätsschwerpunkte Rios auf den Schirm der Presse und der Bevölkerung Brasiliens gebracht hat, so ermöglicht dieser beeindruckende Film(wie zuvor die Romanvorlage) dem Internationalen Kinopublikum einen authentischen, schmerzlichen und schließlich durchaus mahnenden Blick in die Abgründe und Verstrickungen, des Bandendschungels der brasilianischen Weltmetropole.
                      Dieser Tauchgang in ferne Realitäten strotzt dabei vor Dynamik und intelligenter Bildkomposition, dass auch bei wiederholter Sichtung dieses Juwels keine Langeweile aufkommen vermag. Sich erneut damit auseinanderzusetzen, welches negative Potential unregulierte Verbrechesaktivitäten über die Zeit entfalten, wie viele Unschuldige darin verwickelt werden und wie sich zwangsläufig ein von einer korrupten Sicherheitsmacht untergrabener Apparat gebärt, kann damit einhergend ebenfalls nicht Schaden.

                      P.S.: Kennt jemand, ähnlich intensive Filme über die Gewalt in Mexiko ?

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                      • 10

                        Wow, wow, wowww!

                        Was für eine Überraschungshit!
                        Er zeigt die harte Realität in den Straße der brasilianischen Favelas und mitten drin ein armere Junge mit seinem Fotoapparat. Stark besetzt, starke Story, starke Regie, ein in jeder Linie perfekter Film.

                        UNBEDINGT sehen!!!

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                        • 8 .5

                          Wahnsinnsfilm, der den Abgrund von Rio de Janeiro zeigt, den sogenannten Slums.
                          Hab ich so noch nicht gesehen, welch Brutale Härte mit Kindern hier gezeigt wird.
                          Einer der besten seines Genres.
                          Der Platz 21 der IMDB lügt nicht, der ist zureicht so weit oben !!!

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                          • 10

                            mann kann nur sagen, ein junge mit seiner kamera der geschichte macht, in unterschiedlichen gebieten,. einfach ein toller film

                            • 10
                              Moviegoer 06.05.2016, 22:03 Geändert 06.05.2016, 22:04

                              City of God ist der FILM aus Brasilien wo selbst Regiegrößen wie Martin Scorsese oder Steven Spielberg den Hut ziehen. Der Film erzählt nicht nur die Geschichte des jungen Buscape sondern zeigt auch das harte Leben in der Stadt Gottes wo es nur für die meisten Jugendlichen in den Favelas ein Leben in der Kriminalität gibt. City of God spielt in Sachen Darsteller, Kamera und Schnitt in der ersten Liga. Der Film vergeht trotz seiner langen Spielzeit (130 Minuten) recht schnell und langweile kommt gar nicht auf. City of God ist ein perfektes Beispiel dafür das es auch außerhalb von Hollywood möglich ist mit einem kleinen Budget einen Film zu drehen der von hoher Qualität ist. City of God ist jetzt schon ein echter Klassiker und braucht sich nicht vor den großen Produktionen aus Hollywood zu verstecken.

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                              • 8 .5

                                Was für ein genialer Film mehr muss dazu glaube ich nicht gesagt werden.

                                • 7 .5
                                  MultiChrizzz 26.09.2015, 16:27 Geändert 26.09.2015, 16:29

                                  na kla, plötzlich achten alle auf den schnitt, is kla...

                                  düster,brutal,realistisch,nüchtern und viele szenen die erinnerungswürdig sind, aber mein lob will sich irgendwie in grenzen halten da ich meine das der film doch etwas krass überbewertet wird.

                                  • 9 .5

                                    Einer der furiosesten Filme, die ich je gesehen habe. Perfekt geschnitten und gefilmt, gut besetzt und sehr packend!

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                                    • 9

                                      Packendes und zugleich verstörendes Portrait einer Gesellschaft, für die der Tod zum alltäglichen Geschäft gehört und die gezwungen ist, die Kindheit bei Zeiten hinter sich zu lassen. Fast schon nüchtern erzählt „City of God“ die Geschichte zweier junger Männer (Locke und Buscape), die in den Straßen des gleichnamigen Stadtteils unterschiedliche Wege gehen und deren Schicksal sich in einem einzigen Moment entscheiden wird. Teilweise in Rückblenden erzählt, zeigt „City of God“ sehr treffend, wie rau das Leben sein kann und wie gnadenlos das Gesetz der Straße durchgesetzt wird, wo eine Kamera mehr wert sein kann, als das eigene Leben.
                                      Da wird einem erst einmal wieder bewusst, wie gut es uns eigentlich geht.

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                                      • 7 .5
                                        Mackey 25.07.2015, 01:42 Geändert 25.07.2015, 01:47

                                        Fernando Meirelles, der ursprünglich Architekt war, schuf mit City of God ein kleines Meisterstück; ein verstricktes, faszinierendes Bauwerk, so brutal schön, dass man nicht wegsehen kann. Ein Film, der nicht leicht durchzustehen, doch umso schwerer zu ignorieren ist.

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                                        • 8
                                          smartbo 28.06.2015, 18:55 Geändert 28.06.2015, 18:58

                                          Guter Film. Brutal und sehr realistisch schildert er - fast schon im Doku-Stil - den Alltag in den Favelas in Rio. Schaut man genauer hin, ist der Film auch eine heftige Gesellschaftskritik, der die Perspektivlosigkeit und Chanchenlosigkeit der Jugendlichen in den Favelas in einem relativ so reichen Land wie Brasilien aufzeigt. Am Ende bleibt nur die Alternative übrig, in die Kriminalität abzugleiten, um im täglichen, rauen Überlebenskampf zu überstehen.

                                          Absolut sehenswert.

                                          • 10

                                            Leider kennen viele den Film nicht. Dabei ist "City of God" ohne zu übertreiben eines der besten Filme aller Zeiten. 3 Jungs wachsen in den Favelas von Rio auf. Besser gesagt in der Favela Gottes. Und sie haben alle verschiedene Ziele vor den Augen. Aber was sie auch tuhen, sie können der "Stadt Gottes" nicht entfliehen.

                                            „In meinem Viertel gibt es ein Sprichwort. Wenn du weg läufst, fangen sie dich und wenn du bleibst fressen sie dich. So war es schon immer, seit ich denken kann!"

                                            Am Anfang erwartet man noch einen billigen Ghettofilm. Doch dieser entpuppt sich als atemberaubender Thrill durch die Straßen von Rio.

                                            Der Schnitt ist unheimlich gut. Es kommt einem so vor als wäre man selbst dort. Und der Cast besteht bis auf 2-3 Ausnahmen ausschließlich aus Laiendarstellern. Vielleicht auch deswegen fühlt sich dieser Film so realistisch an. Jedenfalls sind die Charaktere grandios gezeichnet.

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                                            • 10
                                              drahdinedum 17.05.2015, 10:35 Geändert 17.05.2015, 10:40

                                              Ja, so Kommentare schreiben und so ist ja eigentlich nicht so schwer....

                                              Doch! Manchmal schon! Denn das ist einer dieser Filme, die mich vor Ehrfurcht erstarren lassen...

                                              Was ein Meisterwerk aus Brasilien!
                                              Werde Ihn erst nochmals sichten, bevor ich hier endgültig Kommentiere! Das hat CoG nur verdient!
                                              Nur so viel.... fesselnd, packend, gnadenlos Realistisch und Schauspieler, denen das Talent "god"gegeben erscheint!

                                              Ein Meilenstein!

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                                                Im Vorfeld war ich ein wenig skeptisch über den Film, da ich Tsotsi, wie ich hörte ein Abklatsch von God of City, gesehen habe und er als Jugendfilm sehr romantisiert und schlimme Handlungen heruntergespielt wurden. Und dann kam God of City und WOW, es hat mich völlig überrascht! Die Taten, welche nicht übertrieben dargestellt wurden und die teilweise gutgeschrieben Charakteren, welche überwiegend von Laiendarsteller gespielt wurden, machen den Film richtig authentisch. Es kam mir wie ein Dokufilm rüber, nur das er mit der spannende Erzählerstruktur zum Spielfilm wird. Auch der passende Soundtrack und die Wackelkamera an der richtige Stelle machen den Film für mich zum Klassiker. Der einzige Minuspunkt im Film, war die übertriebene Darstellung von "Locke", Er wird als ein, von Natur aus, mordender Gangführer dargestellt, aber der Einfluss von der Vergangenheit wurde mit keinem Wort erwähnt. Die klischeeüberladene Figur nimmt ein Teil vom Realismus des Films weg. Aber wenn man dieser Punkt nicht hinzunimmt ein echter Meilenstein.

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                                                  Was für ein fesselnder Film, Goodfellas trifft auf Slums von Rio de Janairo, unglaublich überzeugende Laiendarsteller

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                                                  • 8

                                                    Wow!
                                                    City of God hat mich ehrlich gesagt fast umgehauen. Dieser Streifen hat eigentlich alles was man sich wünscht. Eine mitreißende Geschichte, talentierte Darsteller und einen tollen Soundtrack. Doch ein Aspekt fand ich ganz besonders entscheident. Der Film wirkt unglaublich realistisch und echt. Womit er sich meilenweit von den typischen Gangsterfilmchen a la Hollywood entfernt. Was auch daran liegt das der Film zum Teil in den Favelas von Rio de Janeiro gedreht wurde und auch auch Leute mitspielen die dort aufgewachsen sind. Auch wenn ich zugeben muss das ich für diesen Streifen mal locker 3 Anläufe brauchte. Sollte man ihn unbedingt gesehen haben um die Faszination zu verstehen.

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