City of God - Kritik

Cidade de Deus

BR/FR/US · 2002 · Laufzeit 130 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 9 .5

    Eigentlich ist „City of God“ nur die Geschichte von Buscapé, einem Jungen aus Rio de Janeiro. Eigentlich ist es ne Geschichte, wie sie viele kennen. Es werden das Aufwachsen mit Familie und Freunden gezeigt, seine Versuche Mädchen kennen zu lernen, den Traumberuf zu bekommen.
    Ja, eigentlich. Denn Buscapé wächst in der Cidade de Deus auf, einer Favela in Rio de Janeiro, die von Verbrechen, Gewalt und Drogen beherrscht wird. In verschiedenen Episoden erfährt man von Kindern, die sich in der Gangsterwelt nach oben morden, die zu einflussreichen und gewalttätigen Gangsterbossen werden. Man erfährt von Jugendkriminalität, von Rache, von Armut, von Verrat. Ungeschönt, knallhart.
    Und in dieser Welt muss sich Buscapé nun behaupten. Irgendwie klar kommen. Versuchen, seinen eigenen Weg zu gehen. Und auf dem richtigen Weg bleiben.

    Buscapé ist Erzähler und Bindeglied der Geschichten. Er ist der rote Faden.

    Die Schauspieler sind extrem authentisch, die Gewalt roh und brutal. Optisch ist es manchmal total abstoßend, auch vor den dreckigsten Orten wird kein Halt gemacht, auch die heftigsten Episoden werden ungeschönt gezeigt. Und der Film zieht einen wirklich in seinen Bann. Ich zumindest hab irgendwann gemerkt, dass ich mit offenem Mund auf den Bildschirm gestarrt habe. Wie lange? Keine Ahnung.
    Neben der Coming-of-Age-Geschichte und dem Gangsterdrama ist dieser Film aber auch Sozialstudie, die zeigt, wie Hilflosigkeit, Perspektivlosigkeit und Gewalt die Kinder in den Favelas selbst zu Gangster werden lassen. Wenn sie denn überhaupt überleben.

    City of God – dramatisch, faszinierend und brutal ehrlich. Ein überragender Film.

    16
    • 10

      "Wenn du wegläufst fangen sie dich, wenn du bleibst fressen sie dich."

      "City of God" ist einer der größten, kleinen Filme. Mit "groß" ist nicht (nur) seine Qualität gemeint, kleine Filme haben die oft genug. Nein, er will groß sein. Obwohl es sich hier immer noch um Independent-Kino handelt, Fernado Meirelles wollte ein Epos schaffen und das ist ihm in unglaublicher Form gelungen. "City of God" scheint eine Art brasilianische Mischung aus "Goodfellas" und "Menace II Society" zu sein, wobei das nur ein loser Vergleich ist, um sich eine Vorstellung machen zu können. Es wäre unfair, ihn als Plagiat oder sonst was von diesen Filme zu bezeichnen. Dafür ist er zu eigenständig und verleugnet seine Herkunft nicht. Im Gegenteil, er ist so authentisch, wie man es eben sonst nur von im ersten Moment eher unscheinbaren Nischenproduktionen kennt.

      Das kleinriminelle Leben in den Favelas von Rio de Janeiro, sowie eine klassische Coming-of-Age Geschichte, wird über Jahre hinweg erzählt, wirkt immer echt und beschönigt rein gar nichts. Der entscheidende Unterschied: Es wird präsentiert, wie man es sonst von den großen Vertretern des modernen US-Gangsterfilms kennt (was den "Goodfellas"-Vergleich durchaus rechtfertigt). Trotz seiner Thematik und seinen zum Teil knüppelharten Szenen soll der Zuschauer jederzeit unterhalten werden. Die Waage zwischen Anspruch und Unterhaltung hängt durchgehend im Gleichgewicht, das schaffen nicht viele. Flotte, impulsive und massentaugliche Erzählweise muss nicht auf Kosten des Lokalkolorits gehen. Kritiker- und Publikumslieblinge müssen nicht Welten trennen, sie treffen sich nur recht selten. In der Stadt Gottes dürften alle ein Zuhause finden.

      Maßgeblichen Anteil daran hat natürlich Regisseur Fernado Meirelles. Wie schon erwähnt, er wollte so einen Film hinbekommen und hat es geschafft. Seine verhältnismäßig geringen Mittel sind praktisch nie ersichtlich (oder eher im kommerziellen Sinn "störend"), was schlicht an seiner brillanten Inszenierung liegt. Das sieht immer nach großem Kino aus, obwohl es das ja eigentlich nicht ist. Die Umsetzung ist fast schon meisterlich, was ihm in der Folgezeit ja auch die Tür zu internationalen Produktionen öffnete. Vollkommen berechtigt, sonst wäre ein riesiges Talent wohl nie der gesamten Welt bekannt geworden.

      "City of God" hat mich seinerzeit total überrascht und ich war nach einigen Jahren der Abstinenz eigentlich darauf eingestellt, dass sich meine Euphorie eventuell etwas relativiert haben könnte. Irrtum (Gott sei Dank), ein fantastischer Film, der einen jedesmal auf's Neue überrascht, fasziniert, fesselt und beeindruckt. Vor 10 Jahren ein ♥-Film, jetzt ein ♥-Film, wohl für immer ein ♥-Film.

      29
      • 10

        Teste dich und finde heraus welcher Film dein Herz erobern könnte:
        Frage 1:
        'Guckst du dir auch gerne Filme an die auch außerhalb von Hollywood produziert wurden?'
        ◊Ja/Nein -Ja!

        Frage 2:
        'Müssen bekannte Schauspieler vorhanden sein?'
        ◊Ja/Nein -Nein!

        Frage 3:
        'Gefallen dir Gangsterfilme die aber auch mit anderen Elementen spielen?'
        ◊Ja/Nein -Ja!

        Frage 4:
        'Interissieren dich Filme die auf wahren Begebenheiten basieren?'
        ◊Ja/Nein -Ja!

        Frage 5:
        'Sind Filme für dich OK die nichts verschönern sondern alles knallhart präsentieren?'
        ◊Ja/Nein -Ja!

        Genug anderer Fragen später: 'Unser System hat einen passenden Film für sie rausgesucht: "City of God". Beantworten sie bitte die letzte Frage nach der Sichtung.

        Frage 35:
        'Gefällt dir der Film "City of God"?'
        ◊Ja/Nein -Nein. Ich liebe ihn.

        Realismus in seiner puren Form. Fernab von schön und gut. Jungs die im Vorhof der Hölle aufwachsen. Jungs ohne Perspektive. Grandiose Schauspieler die keine Schauspieler sind. Eine Geschichte die das Leben geschrieben hat. Charaktere die vom Leben gezeichnet sind, Persönlichkeiten die man anfängt zu lieben, zu hassen.

        In der "City of God" haben Kinder keine Kindheit. Sie leben in einer Welt die man in seiner schlimmsten Zeit mit Vietnam vergleichen könnte, eine Welt aus der die Protagonisten entkommen wollen, eine Welt in der die Protagonisten herrschen wollen. Kein Glück. Keine Verherrlichung. Einfach die dreckige Realität in der "Stadt Gottes".
        Ein Film der vieles nicht bietet: Keine Stars. Kein großes Budget. Keine hübschen Schauplätze.
        Doch dafür bietet er viel mehr: Ein Film der von Herzblut erfüllt ist. Schauspieler die aus dieser Gegend kommen und deswegen so authentisch sind. Düstere Kulissen gemixt mit diesem unglaublichen Score.

        Die Geschichte? Erlebt es selber.

        "Vater unser im Himmel
        geheiligt werde unser Name
        unser Reich komme
        unser Wille geschehe
        im Himmel so auch auf Erden
        unser tägliches Brot nehmen wir uns heute
        und vergib uns unsere Schuld
        die wir nicht vergeben unseren Schuldigern
        und führe uns in Versuchung
        Denn wir lieben das Böse
        Amen."

        34
        • 10

          „City of God“ ist ein impulsives Meisterstück. Eine atemlose Reise durch die Slums von Rio. Dabei nimmt der Film kein Blatt vor den Mund und zeigt drastisch auch die dunkelsten und dreckigsten Episoden seiner Charaktere ohne jedoch zu einem plakativen Instrument der Charity zu verkommen, denn er verweigert sich vor einer allzu steifen Oberlehrer-Haltung sowie tränenziehender Rührseligkeit.

          23
          • 10

            "City of Gods" ist durch die Bank weg genial. Realismus und Detailtreue wird groß geschrieben. Gewalt, Drogen und Korruption stehen im Gegensatz zum trügerischen Touristenbild Brasiliens. Als Betrachter wird man einfach gefesselt und schockiert, ja teilweise auf eine Gefühlsachterbahn geschickt. Man sieht die zwei unterschiedlichen Wege zweier Armutskinder aus den Slums und die damit verbundenen Probleme, besonders für Buscapé, der versucht den ehrlichen Weg zu bestreiten. Vor allem die Vielfalt der komplexen Storyverflechtungen ist hier einzigartig. "City of God" beschreibt den Weg der brasilianischen Gangs in der Vergangenheit, der Gegenwart (Comando Vermelho) und wie er in der Zukunft sein wird. Ein wirkliches Must-See!

            9
            • 10

              "City of God" ist die Antithese zum klagenden Neorealismus des lateinamerikanischen Slum-Kinos der Sechziger. Dieser Film beginnt wie ein Video-Clip (Meirelles hat viele Werbespots inszeniert) mit raschen Schnitten: Eine Klinge wird geschärft, eine Trommel geschlagen, ein Huhn flattert durch die engen Gassen, verfolgt von seinen hungrigen Mördern. "City of God" badet in Lokalkolorit und Testosteron, genießt den Überschwang und die Exzentrizität, platzt wie seine Protagonisten vor ungezähmter Energie - anders als die millimeterscharf durchkalkulierten "Gangs of New York", denen dieser ansteckende Enthusiasmus fehlt.

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