Climax - Kritik

Climax / AT: Psyché

FR · 2018 · Laufzeit 96 Minuten · FSK 16 · Drama, Horrorfilm, Musikfilm · Kinostart
Du
  • 2 .5
    NZZ 14.12.2018, 11:11 Geändert 14.12.2018, 11:49

    In Climax [...] ist die Provokation reiner Selbstzweck. [...] In diesem Horror-Musical steckt hinter den ästhetisch mitreissend inszenierten Gewaltexzessen nur noch zynischer Menschenhass.

    • 7 .5

      Climax entpuppt sich als Noés ehrlichster Film und bringt ihn damit auf neue Art in eine Umlaufbahn zu einigen seiner Vorbilder.

      • 7 .5

        Vielleicht ist die Stärke von Climax [...] einfach seine fehlende Verkopftheit. Dinge passieren einfach. Ohne Ziel, ohne Grund. Das war schon immer Noés Filmphilosophie: niemals werten, nur zeigen.

        • 7

          Vielmehr ist Climax eine Art Summe der vorangegangenen Filme, ein irrer Albtraum, virtuos und extrem in seiner filmischen Sprache - ein Stachel im Mainstreamkino.

          • 5

            Mehr als einmal schleicht sich trotz des fiebrigen Höllenabstiegs ein Gefühl der Monotonie ein.

            • In seinem neuesten Werk bittet Skandal-Regisseur Gaspar Noé zum Tanz. Wir nehmen die Aufforderung an, probieren etwas vom köstlichen Sangria und freuen uns auf DJ Daddy. Hat der Film mehr als Schocks und Irritation zu bieten?

              • 6 .5

                Noé selbst bezeichnet die erste Hälfte seines Films als Achterbahnfahrt und die zweite als führerlosen Zug. Das ist mitunter genauso anstrengend, wie es klingt. Aber niemals langweilig.

                • 7 .5

                  "(...) Climax [hält das Publikum] über eine Brüstung und man ahnt nicht, wann der Film einen loslässt und in den Abgrund stürzen lässt. Und wenn er es dann tut, ist der Zuschauer bereits gefangen in einer Achterbahn der Bilder, rauschend durch ein Gruselkabinett der Seelen seiner Figuren. Debies Kamera ist überall, spuckt auf Steadycam-Gedöns und filmt Szenen von oben und unten oder schräg von der Seite. Die Desorientierung der Charaktere überträgt sich so geschickt aufs Publikum und erschafft mit dem Audio-Mix aus Musik, Geschrei und Echos eine einmalige Atmosphäre (...) Für seinen Regisseur repräsentiert Climax einen Film über das gemeinsame Erschaffen und das unabdingbare Scheitern, das daraus resultiert. Und in gewisser Weise sinnbildlich für die Menschheit selbst steht (...) Um Climax wirklich zu erleben, muss er wohl im Kino gesehen werden. Und wen er dabei nicht umbringt, den macht er stärker."

                  • 6

                    Die Geschichte bietet dem französischen Filmemacher [...] einen Rahmen, in dem er seine [...] Spleens ungehemmt [...] "ausleben" kann: Sex, Gewalt, Tabubrüche, gepaart mit den Attraktionen eines "cinéma du look".

                    • 8

                      Die Party einer Tanztruppe eskaliert völlig, weil jemand LSD in die Sangria gemischt hat. Regisseur Gaspar Noé findet hier den passenden Stoff für seinen stilistischen ­Anarchismus und übersetzt das verstörende Geschehen in ein Crescendo aus Musik und Bewegung. [Jens Balkenborg]

                      • 7

                        Wie bei Noé üblich fällt allerdings auch das Wegsehen schwer, da er menschliche Abgründe so radikal offenlegt wie niemand sonst.

                        • 6

                          [...] Wenn sich zum Filmende nur noch die übrigen Partygäste auf der Tanzfläche winden und der Kameramann samt Beleuchter anscheinend auch von der Spezialbowle genascht hat, fühlt man sich als Zuschauer nur noch gelangweilt zurückgelassen. Zum richtig großen Skandal will es für CLIMAX dann doch nicht reichen und zur Milieustudie der französischen Underground-Tanzscene gibt es zu wenig Dance-Performance. Somit fällt das Urteil überraschend Superheldenfilm-mäßig aus: Kann man sehen, muss man aber nicht. [...]

                          • 8
                            EmpireOnline 21.09.2018, 10:19 Geändert 21.09.2018, 10:20

                            [Climax] ist oftmals aufwühlend aber so kraftvoll und gutaussehend wie sein Cast.

                            • 8

                              Wenn in „Climax“ zwei Dutzend Tänzer und Tänzerinnen eine Höllennacht erleben, dann entzieht sich das den üblichen Kategorien eines Films. Es wird viel erzählt und nichts erzählt, künstlerische Rauschzustände wechseln sich mit individuellen Abgründen ab. Wer dafür empfänglich ist, sich öffnet für Filmerfahrungen, die über Geschichten hinausgehen, der wird diesen Ausflug auf die Tanzfläche so schnell nicht wieder vergessen.

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                              • 7 .5

                                [...] In einer geradezu ausufernden Sequenz, die keine Schnitte erkennen lässt und in der sich die gewohnt ruhelos schwebende Kamera dem Takt der jeweiligen Körper anzupassen versucht, entfesselt Noé sein Ensemble daher umgehend in einer kollektiven Tanz-Performance, die wilde Ekstase mit einstudierter Kontrolliertheit verknüpft. Mit einem Mal ist der Regisseur wieder bei seiner bevorzugten Form des Kinos angelangt, die den abstrakten Rausch aus Bewegung, Farben und Klängen auf schwindelerregend-hypnotisierende Weise hervorruft. Während die konstante Melange aus pumpenden, dröhnenden Electro- und Techno-Beats auf der Tonspur niemals zur Ruhe kommt und der Soundtrack des Films daher einer unaufhörlichen Symphonie der Feierwütigen gleicht, verliert Noé in der ersten Hälfte des Films zwischenzeitlich den Kontakt zur Essenz seines eigenen Kinos. Mit Schnittfolgen, die wie auch schon in vorherigen Werken des Regisseurs dem Blinzeln des Auges gleichen, springt Climax von Tänzer zu Tänzerin und lotet sexuelles Verlangen, primitive Triebe sowie Eifersucht und Lästereien untereinander aus. Dabei bewegen sich die Charakterisierungen nie über bloße Randnotizen hinaus. [...] Das Problem hierbei ist, dass Noé Figuren mit Geschichten zu füllen versucht, wo eigentlich nur Körper als Skizzen existieren sollten. Bis die Drogen einsetzen. Was genau in die Sangria-Bowle vor Ort gemischt wurde, bleibt ungeklärt, doch die fatale Wirkung wird plötzlich umso konkreter. Mehr und mehr verlieren die Figuren in Climax die Kontrolle über ihre Körper, also darüber, wodurch sie sich primär definieren. Gemeinsam mit Regisseur Noé und Kameramann Debie stürzen sie in eine schier endlose Trip-Vorhölle. Erst ab diesem Moment scheint dem Filmemacher wieder bewusst geworden zu sein, dass er den Rausch nicht einfach nur abbilden, sondern sich mit dem Zuschauer mitten in diesen hinein begeben will. Als elektrisierendes Erlebniskino offenbart Climax spät, aber glücklicherweise nicht zu spät, doch noch eine überwältigende Ansammlung der audiovisuellen Sensationen. Ein LSD-Gewitter, in dem eine Texttafel ankündigt, dass der Tod eine außergewöhnliche Erfahrung sei. Wenn Boutella in Anlehnung an Isabelle Adjanis (Der Mieter) unvergessliche Performance aus Possession ebenfalls gegen ihren eigenen Körper kämpft und im Hintergrund die Klänge von Aphex Twins Windowlicker durch die Wände vibrieren, Figuren am Bildrand derartig miteinander verschmelzen, dass der sexuelle Akt nicht mehr von einem gewaltsamen zu unterscheiden ist, und die Kamera im unbeschreiblichen Finale vollends aus der Fassung gerät und nur noch geschlechterneutrale Schemen abtastet, kann einen nur noch das unaufhaltsame Ausbreiten eines gleißenden, alles verschlingenden Lichts aus diesem klaustrophobischen Albtraum geleiten. Mit einer erlösenden Wiedergeburt wie zuvor in Enter the Void hat diese apokalyptische Absolution jedoch nichts mehr gemeinsam. [...]

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                                • 6 .5

                                  [...] Da der Tanz aber weiterhin als universelle Sprache besteht, pulsiert tief im Inneren von Climax eine unerwartete Hoffnung auf Erlösung. Vertrauen können wir dieser Hoffnung allerdings nicht, da sie lediglich die Grenzen zwischen Spiel und Ernst verschwimmen lässt. Auch die Kamera wechselt ständig die Perspektive: Wo sie eben noch wie angewurzelt auf das fiebrige Geschehen starrte, stürzt sie sich kurz darauf in die Wogen des Menschenmeeres. Climax ermöglicht es uns, jeden Millimeter dieses glühenden Nachtmahrs zu entdecken und die echte Welt zu vergessen, während die Figuren ihre Körperteile herumschleudern und eins mit dem Bewegungsstrom werden, der schließlich als wütender Sturzbach auf ein vernichtendes Finale zusteuert. Die apokalyptische Dimension, die Climax im Zuge dieses tragischen Zerfalls von Schönheit und Zusammenhalt beobachtet, gehört wohl zu den niederschmetterndsten wie berührendsten Bestandteilen des Film, der sich vorzugsweise in Rastlosigkeit flüchtet. Im Morgengrauen verstummt die Musik und die Tore des Gebäudes werden aufgebrochen, um die letzten Überlebenden aus dem labyrinthischen Bunker zu retten. Die Frage ist nur, auf welcher Seite die Welt untergegangen ist.

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                                  • 8

                                    Körperkino obsessiv, musikalisch, kurzweilig, verdammt ernst und unbedingt komisch. Gaspar Noé ersinnt eine durchsexualisierte Tanzgruppe, bei der jeder Tänzer etwas dringend will. Climax setzt darauf, dass es schiefgeht. [Frédéric Jaeger]

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                                      Leider geht ihm allmählich die Tiefe seiner Sozialkritik etwas verloren. Seine neueren Filme deuten diese zwar immer noch an, führen sie aber nicht mehr so anschaulich aus. [Yannick Bracher]