Das deutsche Kind - Kritik

Das deutsche Kind

DE · 2017 · Laufzeit 90 Minuten · Drama
Du
  • 5 .5

    Ich finde es etwas schwierig, den TV-Film "Das deutsche Kind" zu bewerten. Ich sehe in Umut Dağs Auseinandersetzung mit der hochaktuellen und leider auch brisanten Gesellschaftsproblematik unserer Zeit zunächst einmal den Wunsch nach einem friedlichen Miteinander der verschiedenen Gruppen und Religionen. Dies ist in meinen Augen fraglos positiv zu bewerten. Ob jedoch die hier gefundene Herangehensweise der richtige Weg ist, muss ich leider eher bezweifeln. Im Gegenteil: Personen, die sich keine gemeinsame Gestaltung der Zukunft wünschen oder sich überhaupt dies vorstellen können, dürften sich in ihren Gefühlen bestätigt sehen, da das Drehbuch von Paul Salisbury hauptsächlich auf ein Zusammenspiel von Konfrontation und heile Welt setzt. Entweder werden durch einige Szenen die Ängste aufgegriffen, was wahrscheinlich auch unvermeidbar ist - jedoch hier, wenn man ehrlich ist, schon etwas plakativ ausfällt - oder es wird leicht naiv verklärend auf die Vernunft gepocht. Da wirkt manches eher aufgesetzt und gut gemeint statt ehrlich und hoffnungsvoll.

    Über das Ende lässt sich zweifelsfrei kontrovers diskutieren; an sich ist es jedoch erst einmal nicht schlimm. Als problematisch empfinde ich jedoch die Hinführung von der konfrontativen Problematik (mitsamt der konstruiert anmutenden Ausgangssituation sowie den unglücklich gewählten Stereotypen) zur Auflösung eben dieser. Hoffnungsvoller macht mich das eher nicht. Etwas weniger Vertrauen in die menschliche Vernunft (von allen Seiten) wäre nach meiner Einschätzung wohl leider tatsächlich realistischer. So erscheint mir das Ganze eher naiv. Ich denke, "Das deutsche Kind" hätte in seiner Dramatik etwas heruntergekochter sein dürfen. Für mich nimmt beispielsweise die Religionsthematik noch einen zu prägnanten Platz ein. Hier wäre eventuell weniger mal wieder mehr gewesen. Aber ich will den Film auch nicht schlechter reden als er ist: Schauspielleistungen, Absicht und Inszenation sind durchaus ordentlich.

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    • Aaaaaaaarmselig. Was mich betrifft, können alle bisherigen Kommentare getrost gelöscht werden und damit nehme ich den meinen nicht aus. Dies ist eine Plattform für Filme und nicht für politische Meinungskundgebung. Und dies betrifft, bei allem Respekt(!) für eine differenzierte Herangehensweise, auch Personen, die zum Film letztlich nichts zu schreiben hatten. Eure politische Meinung interessiert mich, mit Verlaub, nicht die Bohne. Wenn diese bei der Filmkritik durchschimmert: sei's drum. Dann muss ich das für mich bewerten und kann entscheiden. "Don't feed the Trolls" ist leicht daher geschrieben, aber man sollte schon wissen, was es bedeutet. Auf die Kommentare "getarnter Nazis" zu warten, bedeutet es sicherlich nicht.

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      • DarkKnight93 08.04.2018, 12:11 Geändert 08.04.2018, 12:11

        Man muss nicht aus Trotz zu den Rechten diesen billigen 1000.sten "Integrationsfilm" der ÖR gut reden. Die Verhamlosung des Islam und der Ansichten seiner Anhänger werden ja mittlerweile auf die Spitze getrieben. Die linksliberale Welt begeht einen großen Fehler. Sie überlassen das Feld der Islamkritik fast vollständig den Rechten. Man kann sich in seiner naiven Blase von Friede Freude Eierkuchen Multi Kulti Welt sehnen. Da kann auch schonmal das Kopftuch aus freien Stücken getragen werden (eine Zwangsprostituierte würde ja auch niemals freiwillig zugeben dass sie von ihrem Zuhälter dazu genötigt wird.). Man kann sich aber auch der unangenehmen Realität annehmen und gegen jegliche Art von archaisch-reaktionärer Überzeugung ankämpfen. Ob es nun von Rechten oder Moslems kommt. Solche Filme wie dieser hier bewirken das Gegenteil und sind nur Wasser auf den Mühlen der Propaganda-Witterer.

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        • 0 .5

          Plump konstruierte Propaganda Geschichte, die sich für wirklich kein Klischee zu schade ist. Schon der zweite in kürzester Zeit. Man würde drüber schmunzeln, wenn man das ganze nicht selber zahlen müsste.

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            fujay 05.04.2018, 16:41 Geändert 11.04.2018, 10:07

            Hm, noch immer kein Kommentar von unseren rechten Hohlbacken... haben die da etwa was verpasst? Oder sind die einfach nicht so schnell? Man warte und staune... ;o) Vielleicht reagieren die sich ja noch bei Facebook ab.... und wenn das langweilig geworden ist, kommen die hier rüber... Honks

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            • 8

              Wenn empathielose Wutbürger in Facebookkommentarspalten Sturm laufen, kann man als Filmemacher ziemlich sicher sein, alles richtig gemacht zu haben.
              In leisen, sentimentalen aber nie kitschigen Tönen erzählt Österreichs Nachwuchshoffnung Umut Dag ein tragisches, cleveres Gesellschaftsdrama, welches auf unpathetische, ambivalente Weise die große Kiste Integration und "Multikulti" öffnet, Probleme ans Tageslicht befördert, aber auch ordentlich mit Vorurteilen aufräumt, die auf beiden Seiten, vor allem bei der älteren Generation, bestehen. Murathan Muslu ist der herausragende Akteur einer durchweg tollen Darstellerriege, sein Gesicht trägt und erzählt, wie auch schon in Umuts Film "Risse im Beton", den gesamten Konflikt.
              So gut kann tatsächlich ein Mittwochabendfilm in der ARD sein, wenn man nur fähige Leute ranlässt. Dass dieser Fernsehfilm auf den letztjährigen Hofer Filmtagen lief, ist ein weiteres Indiz für seine Qualität. Anschauen, solange er noch in der Mediathek ist!

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              • 7 .5
                Der Siegemund 04.04.2018, 23:40 Geändert 05.04.2018, 00:18

                Cem ist spirituell, jung und liberal und er ist ein angesehener Imam in seiner türkischen Gemeinde. Er predigt Deutsch um die jungen Muslime zu erreichen, dabei muss er gegen die alten Konservativen bestehen, er setzt sich für den Dialog mit der deutschen Gesellschaft ein, er ist der Fels in der Brandung seiner Gemeinde, wenn es um die Finanzierung des Baus einer Moschee geht, den er in die Wege geleitet hat. Alles in allem gibt ihm die Gesellschaft wegen seinem Charisma einen Idiosynkrasiekredit.

                Wie selbstverständlich, als trennte sie keine Kultur, unterhält er und seine Frau eine Freundschaft mit der allein erziehenden Natalie, deren Tochter Pia häufig bei ihnen spielt. Beide gehören inzwischen zur Kernfamilie, eine Art Wahlverwandtschaft, aus der die jeweiligen türkischen und deutschen Eltern ausgenommen sind. Dann passiert das Unerwartete. Natalie kommt im Straßenverkehr ums Leben und hinterlässt ihre Tochter. Per Testament verfügt sie, dass die Vormundschaft auf das befreundete türkische Ehepaar übergeht und nicht auf die Großeltern von Pia, zu denen sie jeglichen Kontakt abgebrochen hatte.

                Cem kämpft noch mit sich selbst, da er schon ahnt, dass es zu Schwierigkeiten kommen könnte, während Shera sich ganz sicher ist. Schließlich entscheiden sich beide dafür, weil sie die engsten Bezugspersonen für Pia sind. Es soll ihre zweite Tochter werden. Doch damit setzen sie eine Verkettung von Umständen in Gang, die man keinem Menschen wünscht ertragen zu müssen.

                Die Großeltern von Pia wollen sich nicht fügen und halten sich nicht an die Absprachen, wollen das Kind nicht herausgeben, holen es einfach von der Kita ab und lassen es ohne die Pflegeeltern zu informieren taufen. Die Pflegeeltern haben vordergründig ein Problem mit dem Islam, aber das wahre Problem liegt viel tiefer. An dieser Stelle bräuchte man keine Angst um die Pflegeelternschaft zu haben, denn der Will der Mutter ist nahezu unumstößlich. Ein belastende Situation ist es trotzdem. Zu dem Gezerre hinzu kommt, dass Cem in seiner Rolle als Imam in die Medien gerät, weil bei der Infoveranstaltung zum Bau der Moschee die Großmutter von Pia öffentlich macht, dass ein türkische Familie ihr die Enkelin genommen habe und diese nun muslimisch erziehen wolle. Eine Boulevarzeitung greift das auf. Cem sucht den Kontakt zu den Medien, doch die Stellen in als Salafist hin. Ein PR-Desaster folgt, nachdem die Gemeinde ihn von seiner Funktion als Imam entbindet. In seiner Familie rumort es. Cems Vater und Bruder schütteln nur den Kopf über soviel Liberalismus haben sie doch gute Kontakt zu Ankara. Zu alledem kommt noch hinzu, dass ihre eigene Tochter Hanna sich durch die Pflegeelternschaft von Pia zurückgesetzt fühlt.

                Man hat sich sein Leben nicht ausgesucht, das wäre ich fast in Versuch gewesen zu sagen, doch Cem und Shera haben sich es sehr wohl ihr liberales Verständnis von Gesellschaft ausgesucht, dafür werden sie jetzt von allen Seiten beschossen. Die einen kritisieren das liberale, andere nehmen es gar nicht war.

                Diese Mischung aus vergifteter Atmosphäre, Missgunst, Ablehnung und Intoleranz führen Cem in eine Situation quälender Schwerlast von Gefühlen, eine ungute Melange drückender Stimmung, bei der man schon am Anfang weiß, dass die Entwicklungen keinen guten Ausgang nehmen werden. Ich konnte mich gut in die Situation von Cem hineinversetzen, erlebte seine Schwächen, seine Stärken, seine Versuchungen, seine innere Zerrissenheit, sein Gefühl in einem Dilemma zu stecken, Versager im Kampf für die Gerechtigkeit zu sein und nicht der Held.

                Alle Register der Dramatik wurden gezogen, um diese Situation des Ausgeliefertseins in einer Parabel fühlbar zu machen, so dass man Cem auf die Schulter klopfen möchte, um ihn zu bestärken durchzuhalten. Leider hat man dieses Möglichkeit als Zuschauer nicht, weshalb ich mir wünschte, an würde daraus ein episches Theaterstück nach Brecht kreieren.

                Ich hätte mir ein teiloffenes Ende gewünscht, aber das ist Geschmacksache.

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