Der andere Liebhaber - Kritik

L'amant double / AT: The Double Lover; Amant Double

FR/BE · 2017 · Laufzeit 107 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
  • 3

    Hier doch einmal richtig schlechtes französisches Kino mit unrealistischer Dramaturgie, überzeichneten Charakteren und, speziell in der 2. Hälfte, absurden bis kranken Twists. Warum ein Könner wie Ozon sich für so einen Edeltrash hergibt, wird mir schleierhaft bleiben.

    • 7

      "(...) Die Geschichte bewegt sich dabei zumeist an der Oberfläche der Ereignisse, wird selten konkret. So soll das Mysterium am Leben erhalten, wenn nicht sogar befeuert werden. Im Vergleich zu einem ähnlichen Film wie Denis Villeneuves Enemy arbeitet Ozon dann aber doch weniger vage per Bildsprache, sondern versucht gegen Ende die Auflösung zwar mit Interpretationsspielraum zu versehen, zugleich aber dennoch mit ausreichend Antworten zu unterfüttern (...)"

      • Bewertung muss entfallen, da ich nach 32 Minuten abgebrochen habe.
        Ich unternehme gelegentlich sehr gerne einen Ausflug ins europäische Kino.
        Hier stelle ich fest, dass mir die Machart von "Basic Instinct" und anderen Vertretern des Genres "Erotikthriller" gefehlt hat. Das hätte mich viel eher bei der Stange gehalten...

        9
        • 6

          Eine Frau verliebt sich in zwei ungleiche Zwillinge, die als Psychotherapeuten arbeiten, selbst aber nichts von sich preisgeben. Das ist trotz des gemächlichen Tempos recht spannend, da hier nach Lust und Laune spekuliert werden darf, was hinter allem steckt. Der schick bebilderte Erotikthriller wird dabei jedoch immer absurder, verlässt sich mehr auf Spiegeltricks und nackte Haut als auf eine raffinierte Geschichte.

          • 1

            Nervig übertriebener, effekthaschender Zwillinge-Brei und langweiliger Pseudo-Tabubruch.

            • 5

              Obertrashiger Cronenberg-Klon, der gut anfängt, aber zunehmend leider völlig absurd wird. Schade, da hatte ich mich echt drauf gefreut, denn "Dans la maison" war ziemlich toll. Dass dieser Film im Wettbewerb von Cannes lief, ist ein schlechter Scherz.

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              • 5 .5

                das ende war jetzt nicht so überraschend...auch war der film echt schleppend

                • 7

                  François Ozon deckt mit seinen Filmen ein mehr als breites Spektrum ab, dabei häufig die sexuelle Natur der Menschen betreffend (mit all den dazugehörigen unbefriedigten Sehnsüchten), oftmals einer psychologische Aufbereitung und Auseinandersetzung mit Vergangenem gleichend, selten konventionell inszeniert und fast immer ohne dem Zuschauer die entscheidenden Hinweise mit an die Hand zu geben, wohin der nächste Schritt gehen mag.
                  Aber wissen wir im Leben denn immer, was als Nächstes auf uns wartet?
                  Wissen wir immer, wohin uns die Reise führen wird?
                  Wer zu viel plant, wird zu oft enttäuscht und ironischerweise überrascht werden. Voraussicht ist schön, doch zu selten besitzen wir eben genau diese in benötigtem Maße, um uns auf das vorzubereiten, was noch kommen kann oder kommen wird.

                  Auch in "L'amant double" gewährt uns Ozon keinerlei Voraussicht (wieso auch?) und so finden wir uns vielleicht viel schneller in den Wirrungen und Irrungen der Geschehnisse wieder, als uns lieb wäre - ohne zu wissen, ob wir einen Schritt nach vorne oder doch lieber wieder zurück wagen sollten.
                  Das thematisierte Doppelgänger-Motiv gehört zwar sicherlich zu keiner Neuerfindung seitens Ozon, doch trotzdem verbindet er Elemente (besonders im finalen Akt) in seinem Film gekonnt miteinander, sodass auch diese Fingerübung mit all seiner Verspieltheit und stellenweise brillanten Inszenierung die volle Laufzeit überzeugen kann - den Übergang von dem weiblichen Geschlechtsteil zu deren Pupille bereits in der ersten (!) Einstellung muss man schließlich erstmal so hinbekommen.
                  Die Richtung scheint also bereits früh vorgegeben, der Weg dahin bleibt hingegen ungewiss.

                  Auch wenn dann im Laufe des Filmes nicht jeder unserer Schritte auf festem Untergrund landen, manche Steine zu wackelig und manche Pfützen zu groß erscheinen, gehen wir den Weg doch unbeirrt weiter, zu groß wäre schließlich die Enttäuschung, etwas verpassen zu können.
                  François Ozon bleibt also, still und heimlich, ein kleiner leuchtender Stern am Himmel der Kinolandschaft, welche sonst zu oft den vermeintlich einfachsten und profitabelsten Weg einschlägt - selbst wenn dieser einem Trampelpfad gleicht.

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                  • 8
                    Murxist 07.03.2018, 00:27 Geändert 23.06.2018, 13:11

                    Hitchcock (das Labyrinth der Schuld), De Palma (die Welt als Alptraum), Cronenberg (der Geist und das Fleisch) ruft Ozon auf den Plan, ohne die Meister zu kopieren, sondern um (selbst ein Meister) etwas Originäres aus den Musterbildern zu formen: eine doppelbödige Doppelgänger-Erzählung, eine vielfach gebrochene Lovestory um brüchige Identitäten, einen stilvoll-schaulustigen Psychothriller im Grenzbereich von (fragwürdiger) Realität und (wahnhafter) Imagination.

                    • 7 .5

                      Ein Stück weit kann man L'AMANT DOUBLE als Gegenstück zu JEUNE ET JOLIE verstehen, Ozons erster Zusammenarbeit mit der wunderbaren Marine Vacth. Wieder sehen wir eine junge Frau auf der Suche nach etwas, das sie ausfüllt. Wieder geht es um das Ausfüllen eines Mangels durch Ausleben der Sexualität. Allerdings haben sich die Vorzeichen geändert: War Sex in JEUNE ET JOLIE ein Mittel der Emanzipation gegen eine lieblose großbürgerliche Welt, so zieht ihr Begehren die Protagonistin Chloé in Ozons neuen Film in einen alptraumhaften Strudel hinein. Ozon nimmt das in seinen Filmen allgegenwärtige Motiv der selbstbestimmten Frau und wendet es ein weiteres Mal. Auf der Suche nach sich selbst, getrieben von dem Wunsch nach Vervollständigung und Erfüllung verliert sich Chloé zwischen ihren beiden Liebhabern, den Therapeuten Paul und Louis. Ozon spielt dabei mit dem Motivkosmos der Psychoanalyse und wendet seinen Film langsam von einer Amour-Fou-Erzählung in einen gelungenen Psychothriller mit Horrorelementen. Und das der Film dabei inszenatorisch stellenweise brilliant ist, versteht sich bei Ozon ja schon fast von selbst...

                      7
                      • 4 .5

                        Kunstvolle Sinnlichkeit und zum Trash neigender Voyeurismus sind die beiden Gegensätze, von denen François Ozons „L’amant double“ beherrscht wird. Der französische Regisseur eröffnet seinen erotischen Psychothriller hierfür mit einem Schnitt, den schon Luis Buñuel als Vorreiter des filmischen Surrealismus in seinem stilbildenden Kurzfilm „Un chien andalou“ verwendete. Bei Buñuel war es das Bild eines kugelförmigen Vollmonds, das in das Auge einer Frau übergeht, welches mit einem Rasiermesser durchgeschnitten wird. Ozon lässt die Kamera hingegen gleich zu Beginn langsam aus einer Vagina herausfahren, um das Bild im selben Moment mit dem Auge der gleichen Frau zu überlagern, die dem Regisseur als Protagonistin dient.
                        Als Patientin sucht die 25-jährige Chloé den Psychiater Paul auf, da sie seit langer Zeit von chronischen Bauchschmerzen geplagt wird. Maßnahmen wie Diäten oder der Verzicht auf spezielle Lebensmittel haben nichts verändert, bis auf die Tatsache, dass die junge, sehr schlanke Frau durch ihr Erscheinungsbild nur noch verletzlicher und labiler erscheint. Ihr Leiden ist offenbar psychosomatisch bedingt, weshalb sie sich bei dem sensiblen, aufmerksamen Paul in Behandlung begibt und sich endlich Besserung erhofft.
                        In den anfänglichen Therapiesitzungen, die Ozon wie seinen gesamten Film in kühlen und doch anziehenden Einstellungen inszeniert, offenbart sich Chloé als depressive Frau, die ihre vergangene Karriere als Model aufgegeben hat und als Tochter unter einer Mutter leidet, zu der sie keinen Kontakt mehr hat, da sie kein gewolltes Kind war und von den Großeltern aufgezogen wurde. Wenig später muss Paul die Behandlung von Chloé abbrechen, da ihm das passiert ist, was zwischen Psychotherapeuten und Patienten niemals passieren darf: Er hat tiefe Gefühle für Chloé entwickelt und sich in sie verliebt.
                        Durch das Beziehungsverhältnis, das Paul und Chloé von nun an als Liebespaar eingehen, häufen sich die mysteriösen Geheimnisse zwischen den beiden Figuren. Zur gefährlichen Amour fou kommt es allerdings erst, nachdem Ozon Pauls Zwillingsbruder in die Geschichte seines Films einbaut, von dem die Protagonistin zufällig erfährt und den Paul vor ihr geheim hält. Louis sieht Paul nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern ist ebenfalls Psychiater, in dessen Behandlung sich Chloé fortan begibt, was sie wiederum vor Paul geheim hält. Im weiteren Verlauf der Handlung, für die der Regisseur auf düstere Dopplungen, trügerische Maskeraden und verhängnisvolle Affären zurückgreift, entwickelt sich „L’amant double“ fortwährend zu einem wirren Traumspiel zwischen kruden psychologischen Motiven, offensichtlichen Wendungen und weniger offensichtlichen, dafür umso abstruseren Wendungen.
                        Wie sich Ozon zwischen den klinisch sauberen Bildern immer wieder an schmutzige Abgründe und aufreizende Details heranwagt, wenn er in das sexuelle Spiel seiner Hauptfiguren beispielsweise einen Umschnalldildo als lustvolles Austesten von Grenzen integriert, weist durchaus Züge zu den an Alfred Hitchcock angelehnten Thrillern von Brian De Palma auf. Zwei Regisseure, über die sich Ozon keinesfalls überraschend als großer Fan geäußert hat. Dabei erinnert gerade die Figurenkonstellation der Zwillingsbrüder, die hier wie voneinander entfremdete Konkurrenten im gleichen Berufsfeld arbeiten, an das Gynäkologen-Zwillingspaar aus David Cronenbergs „Dead Ringers“, wobei Chloé in der Rolle des unklaren Objekts der Begierde oder auch anderer, wesentlich drastischerer Obsessionen als zunehmend überforderte Außenstehende zwischen Paul und Louis in ein undurchsichtiges Netz aus Lügen, Gewalt und Sex gerät.
                        Trotz des offensichtlichen Anbandelns mit lupenreiner Genre-Stilistik, die Ozon unter anderem in Form von unheilvoll dröhnender Musik wie aus einem verstörenden Horrorfilm bevorzugt unter die immer häufiger vorkommenden Traumsequenzen legt, bleibt der Franzose im Kern unübersehbar ein Drama-Regisseur. In dieser Hinsicht fällt „L’amant double“ enttäuschend banal aus, wenn Ozon das aus der Psychoanalyse bekannte Doppelgänger-Motiv lediglich für eine schlichte Unterteilung in Gut und Böse verwendet, während Chloé als einzige weibliche Hauptfigur überwiegend zum wehrlosen Spielball des Regisseurs mutiert. Die psychischen Belastungen der Protagonistin, die Ozon in erster Linie über ihre sichtbare Körperlichkeit regelrecht oberflächlich abtastet, bleiben kaum mehr als grob umrissene Impulsgeber für die erzählerischen Haken, die der Regisseur im Verwirrspiel der uneindeutigen Identitäten, verdrängten Zwillinge und traumatisierten Individuen bis zu einem finalen, grotesken Twist schlägt, der „L’amant double“ als unausgegorene Kombination von kühler Arthouse-Dramatik und freizügigem, schrillem Psycho-Horror endgültig in sich zusammenfallen lässt.

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                        • 8

                          Vorhin habe ich mir "Der andere Liebhaber", den neuen Film von Francois Ozon, gesehen. Ich fand ihn super, weshalb ich ihn Euch empfehlen möchte.
                          In Francois-Ozon-Filme gehe ich immer blind, Ihr kennt bestimmt den großartigen Schwarzweißfilm "Franz" oder "Der Swimminpool" oder "8 Frauen"?
                          Auch seine mittelmäßigen Filme sind immer noch auf hohem Niveau, im Vergleich zu dem, was sonst so im Kino läuft.
                          In "Der andere Liebhaber" geht es um eine junge Frau, die mit psychosomatischen Bauchschmerzen zum Therapeuten geht, in den sie sich verlieben wird. Später lernt sie auch noch seinen Zwillingsbruder, ebenfalls Psychotherapeut, kennen - und es geht rund.
                          Mehr möchte ich vom Inhalt gar nicht erzählen.
                          Es gibt Lügen und Geheimnisse, viele überraschende Wendungen, Erotik und Spannung, alles verwirrend und originell, tolle Locations, eine unglaubliche Katze, einen sexy Hauptdarsteller - die Inspiration Pedro Almodovar ist unübersehbar, aber mit eigener Bildersprache, etwas französich-kühler.

                          • 6

                            Wenn der Erotikthriller zur Krankenakte wird: In Der andere Liebhaber versucht Regisseur François Ozon ins Innere seiner depressiven Heldin vorzudringen - mit den Mitteln eines Frauenarztes. [Christian Buß]

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                            • 6 .5

                              So wie Chloé eingerahmt von faszinierender Kunst als Museumswärterin Besucher beobachtet, bestaunen wir menschliche Irrungen in feinster Inszenierung. Mitreißend ist die Form, die Figuren lassen eher kalt. [Günter H. Jekubzik]

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                              • 5 .5

                                Bei Ozon kann man sich ja bis zur letzten Einstellung nie sicher sein, wohin die Reise geht. Das ist bei Der andere Liebhaber nicht anders. Allerdings verliert man im erzählerischen Metaphern-Wirrwarr seines neuen Werkes [...] komplett die Orientierung. [Andreas Fischer]

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                                • 7

                                  Der Doppelgänger ist vielleicht das Urbild filmischer Psychoanalyse. François Ozon lässt sich davon jedoch nicht beirren, sondern bedient sich dieses Motivs ungerührt. Sein Film ist vielleicht sogar am schönsten anzusehen, wenn er sich dem hypnotischen Verwirrspiel, das sich daraus ergibt, gänzlich verschreibt.
                                  In die eigene Psyche abzutauchen wird als Blick in einen Spiegel (derer es auch mehr als genug gibt) gedeutet, in dem alles verkehrtherum erscheint, in dem sexuelle Begierden wie Ängste Wirklichkeit werden, in dem aus Intimität Fremdheit und aus Geborgenheit Gefahr wird. Blick in die Seele, Blick in die Vagina - bei Ozon läuft das, nur begrenzt überraschend, auf dasselbe hinaus, und wer zum Psychologen geht, kann eigentlich nur mit ihm im Bett landen. Folgerichtig hängen im klinisch weißen Museum Gemälde von Blut und Fleisch und neben sterilen Bildern voller glatter Oberflächen stehen surreale Traumsequenzen.
                                  Diesem Sujet angemessen ist der Film zwar als Rätsel konstruiert, dem Ozon seine Ambivalenz auch nicht nehmen will, doch letztlich kann er es sich nicht verkneifen, die dunklen Ecken der Psyche nicht nur zu erkunden, sondern auch zu erhellen. Faszinierend ist sein unterhaltsamer Thriller aber vor allem so lange, wie er lediglich das unerklärliche Spiel der Erotik von Dominanz und Unterwerfung darstellt.

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                                  • 6 .5

                                    (..) obwohl in der Gegenwart verortet, fühlt sich „Der andere Liebhaber“ zudem wie ein Film aus den 90er Jahren an. Aber bis zur erwartbar wenig eruptiven Auflösung hat man sich als Zuschauer/in über 100 Minuten so sehr in das Spiel von Doppeldeutungen und Spiegelungen hineinziehen lassen, dass man Ozon die zahlreichen De Palma und Cronenberg-Verweise gerne verzeiht. Nach seinem vergleichsweise stringend erzählten Vorgänger „Frantz“ eine schöne, spielerische Ablenkung.

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                                    • 6

                                      In seinem neuen Film bringt François Ozon eine Vielzahl von Motiven unter: Psychoanalyse, Geheimleben, sexuelles Begehren, Doppelgänger, parasitäre Zwillinge, Mutterschaft und Bauchschmerzen. Die hat am Ende angesichts der Überfülle auch der Zuschauer. [Anke Westphal]

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                                      • 6 .5

                                        Kann man dieses merkwürdigen Frauenbild akzeptieren ist L'Amant Double allerdings ein großes, wenngleich flüchtiges Vergnügen. [Michael Meyns]

                                        • 6 .5

                                          Und trotzdem punktet sein Film dank einem unterhaltsamen Mix zwischen Erotik, Suspense und boshaftem Humor. Ein echtes "guilty pleasure". [Simon Eberhard]

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                                          • 6 .5

                                            "François Ozon glaubt an die Kunst der Penetration und die Wahrheit der visuellen Wahrnehmung. Seine Lust aber richtet sich auf etwas Drittes." [Frédéric Jaeger]