Die bleierne Zeit - Kritik

Die bleierne Zeit

DE · 1981 · Laufzeit 107 Minuten · FSK 16 · Historienfilm, Drama · Kinostart
Du
  • Unser täglicher youtube stream. http://cinegeek.de/featured-movies Margarethe von Trotta hat das immer wieder verneint und doch nenne ich sie eine feministische Filmemacherin. Sie ist eine der grossen feministischen Autorenfilmerinnen des Kinos schlechthin! Ihre Werke erinnern uns unmittelbar (und sehr eindringlich) an die glorreiche Zeit der zweiten Welle des Feminismus. Am liebsten nähert sich von Trotta ihren Figuren und deren Zweifeln auf humanistische Weise an; sprich: Es ist der menschliche Fall, der sie fasziniert. Im Herzen des Films, die beiden Schwestern Juliane (Jutta Lampe) und Marianne (Barbara Sukowa) alias Christiane und Gudrun Ensslin. Vorneweg: Weder Stammeim, noch die RAF interessiert von Trottas Film dabei sonderlich. Die Angeklagten sind tot, die Anklagen bereits im Archiv. Das hier ist das Portrait zweier Schwestern. Juliane kann sich nicht damit abfinden, dass die Schwester Selbstmord verübt haben soll. Verzweifelt forscht sie nach der Wahrheit - als Konsequenz aus einer unzerstörbaren Schwestern-Beziehung. Juliane kann und will den Tod von Marianne nicht hinnehmen! Es ist eine genauso tiefe wie unmögliche Schwestern-Beziehung(...)

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    • 6

      Der Film ist an die Biographien der Ensslin Schwestern Gudrun und Christiane angelehnt. Eine war bekanntlich RAF-Mitglied und die andere EMMA-Mitbegründerin; jetzt kann man sich aussuchen, was schlimmer ist. ;-)

      Christiane (im Film Julianne genannt, gespielt von Jutta Lampe) besucht Gudrun (im Film Marianne, gespielt von Barbara Sukowa) regelmäßig im Gefängnis. Trotz der Meinungsunterschiede hinsichtlich der Art des politischen Widerstandes kommen sich die beiden Frauen zunehmend näher.

      Ich sehe das Bemühen, allerdings war mir das etwas zu wenig, sowohl das Politische als auch das Psychologische. Das Ausbrechen aus dem konservativen Pfarrerelternhaus und der Hingang zur 68er-Bewegung wird noch schön im Rückblick aufgezeigt, einiges danach aber, das erzählenswert wäre, findet sich nicht. Vermutlich war bei der Filmproduktion 1981 das Wissen um den Deutschen Herbst von 1977 noch in allen Köpfen so stark präsent, dass man nicht näher darauf eingehen musste. Die heutige Jugend wird vieles davon vermutlich kaum bis nicht mehr wissen und sieht den Film damit womöglich anders als gedacht (oder wahrscheinlich ohnehin gar nicht), man muss das also im zeitlichen Kontext einordnen.

      Ich hatte etwas mehr vom Film erwartet, der sich wie ein Durchschnittsfernsehspiel präsentiert.

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      • 5 .5

        Nach dem Lesen der Inhaltsangabe, dachte ich, dass das Genau das Richtige für mich ist, die Story sprach mich absolut an. Es gab dann auch einiges Gutes an dem Werk, im Großen und Ganzen jedoch fand ich die letztendliche Umsetzung doch ziemlich schwach. Zum Einen dauerte es mir einfach zu lange, bis es richtig losging. Erst als die Errinnerungen an die Jugend der Beiden anfingen, wurde es interessant, man erfuhr etwas über die Gedanken der beiden Schwestern und warum sie sich so unterschiedlich entwickelten, aber davon gab es einfach zu wenig und ich blieb unbefriedigt. Vielleicht ist aber auch eine Zweitsichtung vonnöten. Allerdings sagte mir auch das Schauspiel nicht zu, zu bleiern und zu ausdruckslos. So befürchte ich, wird sich das Werk auch nach einer Zweitsichtung nicht in die Reihe meiner Lieblingsfilme aus der deutschen Heimat einreihen. Aber mit 5,5 Punkten noch gerade so im positiven Bereich.

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        • 10

          Mag er auch auf Gudrun Ensslins Schicksal anspielen, so geht dieser Film doch weit über die damals aktuelle Thematik gesellschaftlichen Engagements weit hinaus, was nicht nur Lampe, Sukowa und von trotta zuzuschreiben ist. Wer sie selbst erlebt hat, die bleierne Zeit, den lässt der FIlm lange nicht los. Auch wenn man ihn heute vielleicht anders machen würde, er bleibt ein Meisterwerk.

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