Die feine Gesellschaft - Kritik

Ma loute / AT: Slack Bay

DE/FR · 2016 · Laufzeit 123 Minuten · FSK 12 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 7

    Die Natur ist schön, das Wetter ist es auch. Wären da nur nicht die Leute. Ob es der versnobte Landadel ist oder der brutale Pöbel, in „Die feine Gesellschaft“ wimmelt es vor eigenartigen Kreaturen, die innerlich wie äußerlich missgebildet sind. Das ist vor allem anfangs ein großer Spaß, wenn der surreal-komische Film immer wieder etwas anderes macht als erwartet. Mit der Zeit wiederholt sich die Komödie aber zu sehr, zieht sich gerade im Mittelteil unnötig.

    • 3 .5

      [...] An einer konventionellen Kriminalgeschichte ist Dumont allerdings ebenso wenig interessiert wie an einem subtilen Porträt des damaligen Klassenkampfs. Der Regisseur legt sämtliche Figuren in seinem Film als schräg überzeichnete Karikaturen an, für die er typische Gewohnheiten und Eigenarten der jeweiligen Milieus auf extreme Weise ins Lächerliche verzerrt und optische Erscheinungsbilder als knallige Klischees abbildet. So artikulieren sich einzelne Mitglieder der Brufort-Familie neben ihrem ungepflegten Äußeren wie grunzende Tiere, während die van Peteghems mitunter seltsame Ticks aufweisen und in hohen Tönen regelmäßig der Hysterie verfallen. Auch an den beiden Ermittlern, die unverkennbar als Laurel-und-Hardy-Spiegelbild angelegt sind, lässt der Regisseur kein gutes Haar, wenn der dickere Inspektor wiederholt durch die Dünen der Bucht rollt, weil ihm das Laufen so schwer fällt. Als groteskes Panorama einer eigentümlichen Welt, in der gewöhnliche Normen vollständig ausradiert werden, ruht sich Dumont jedoch zu sehr auf den Macken und Absonderlichkeiten der von ihm entworfenen Figuren aus. Nach einem gleichermaßen irrwitzigen wie irritierenden Auftakt scheint der Regisseur nicht verstanden zu haben, dass ein Witz nicht unbedingt besser wird, je länger man ihn erzählt. Der satirisch-parodistische Blick auf eine gespaltene Gesellschaft, mit der von der Vergangenheit aus ein Bogen zur Gegenwart geschlagen werden soll, verkommt viel zu schnell zur quälend in die Länge gezogenen Nummernrevue, die angesichts der Gesamtlaufzeit von zwei Stunden fast schon zur Zumutung für den Zuschauer wird. Trotz malerischer Einstellungen, vereinzelt bissiger Zuspitzungen, bei denen Dumont innerhalb der verschiedenen Familien schließlich Kannibalismus und Inzest zum Vorschein bringt, und einem mehr als motivierten Ensemble, das sich mit sichtlicher Spielfreude in die markant überzeichneten Rollen stürzt, entwickelt sich Die feine Gesellschaft zur regelrechten Geduldsprobe. Zwischen einer willkürlich eingeschobenen Liebesgeschichte im Stil von Romeo und Julia, Slapstick-Einlagen, die schier endlos oft wiederholt werden, und einer gesellschaftskritischen Aussage, die im Verlauf des Films neben dezent surrealistischen Höhepunkten gegen Ende unentwegt um sich selbst kreist, verliert sich Dumont in selbstzweckhaft ausgestellter Skurrilität, bei der jegliche Wirkung geradezu in Rekordzeit verpufft. [...]

      7
      • 4 .5

        Die feine Gesellschaft will bei aller ausgestellten Absurdität zusätzlich noch eine Liebes- und Kriminalgeschichte sein - und ist letztlich keines von beidem. [Johannes Bluth]

        • 8
          Oceanic6: CinemaForever 26.01.2017, 09:46 Geändert 26.01.2017, 10:27

          [...] Dumont ist und bleibt ein präziser Beobachter und hält uns einen Spiegel vor, der bis zum feinsten Sandkorn ein in liebevollen Details in Szene gesetztes, poetisches und schrill-schräges Abbild der nur selten Sinn ergebenden gesellschaftlichen Brüche zeigt. Alles wird von der großen Frage überschattet: "Warum das alles?" Hoffnungslose Romantiker (Binoche lässt es sich nicht nehmen permanent darauf hinzuweisen, wie “pittoresk” die Dünenlandschaften doch seien) kollidieren mit eiskalten Realisten, denen nur das eigene Überleben wichtig scheint. Und wieso die Welt so absurd ist, wie sie ist, darauf gibt Dumont dann glücklicherweise keine banalen Antworten, sondern überlässt den am Ende verwirrten Zuschauer seinen Gedanken. [...]

          5
          • 7

            "...Die feine Gesellschaft trägt zweifellos eine gewisse Eleganz zur Schau, nur aufrecht erhalten will er sie nicht. Denn so sehr die Herrschaften versuchen ihre Körper in edle Stoffe zu hüllen, ihre Diesseitigkeit hinter sozialen Gepflogenheiten und poetischem Gerede vergessen zu machen, so sehr drängen sich ihre Körper in den Vordergrund. Unentwegt stolpern und fallen sie über die eigenen Füße. Und ein besonders dicker Kommissar (Didier Desprès) lässt seinen massigen Körper absichtlich die Dünen herab rollen, weil der Abstieg zu Fuß zu anstrengend wäre. Unten angekommen steht sein Partner (Cyril Rigaux) bereit, der Laurel zu seinem Hardy, um den ächzenden, knarzenden Leib wieder aufzurichten..."

            • 5 .5

              Dumont macht kein Geheimnis daraus, dass er auch auf eine explizite Kapitalismus-Kritik abzielt, doch erweist sich diese intendierte Deutung als recht schwach. [Marius Nobach]

              • 8

                Mit anarchischem Slapstick-Humor attackiert Skandalregisseur Bruno Dumont in seinem neuen Film das französische Bürgertum. Seine eigenwillige Romeo-und-Julia-Interpretation an der idyllischen Normandieküste ist eine Parade grotesker Körper mit einer kannibalistischen Pointe. [Andreas Busche]

                • 7 .5

                  Bruno Dumonts Realismus ist auch in der Groteske das Zarte nicht abhandengekommen. [Martin Walder]

                  • 7

                    Frankreichs rigoroser Filmer Bruno Dumot bleibt seinem Ruf treu und präsentiert eine bitterböse Groteske der gesellschaftskritischen Art. [Dieter Oßwald]

                    • 6

                      Bruno Dumonts Slack Bay besticht zwar durch seine Ästhetik und Exzentrik, wirklich gut macht das den faszinierend seltsamen Film aber nicht. [Todd McCarthy]

                      • 6 .5

                        Mit Slack Bay kehrt ein Grießgram [Bruno Dumont] zur Komödie zurück und findet Vergebung im Humor. [Peter Debruge]