Die Insel der besonderen Kinder - Kritik

Miss Peregrine's Home for Peculiar Children / AT: Peregrine's Home for Peculiars

GB/US/BE · 2016 · Laufzeit 127 Minuten · FSK 12 · Abenteuerfilm, Fantasyfilm, Drama · Kinostart
Du
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    999CINEASTOR666 02.05.2018, 22:15 Geändert 02.05.2018, 22:16

    Die Insel der besonderen Kinder (OT: Miss Peregrine's Home for Peculiar Children / AT: Peregrine's Home for Peculiars) / US/GB/BE / 2016

    >>> mit Vorsicht zu genießen /// enthält möglicherweise Spuren von leichten Spoilern <<<

    DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER hat mich an eine Mischung aus der X-MEN- und der HARRY POTTER-Filmreihe erinnert. Daher kam mir zwar dieses und jenes so oder so ähnlich bekannt vor, aber dennoch besitzt dieses Fantasy-Märchen samt Horrorfilm-Elementen genügend Eigenständigkeit, die zum Großteil durch herausragenden VFX realisiert worden ist, dass man seine Augen schwer abwenden kann.
    Da es ein Familienfilm ist, sollte man von der geradlinigen Story keine Tiefgründigkeit, Komplexität, Nervenkitzel oder verblüffende Wendungen erwarten. Da ich das nicht tat, bin ich mit DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER ganz gut Geisterbahn gefahren.
    Obwohl eine ganze Menge passiert, ist das Tempo doch etwas hölzern und hätte meines Erachtens mehr Pep vertragen können, um umso kurzweiliger zu sein.

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      YupYum 21.03.2018, 01:33 Geändert 02.04.2018, 04:02

      Erstaunlich zu wissen, dass dieser gotische und viktorianische Reigen aus den Händen sehr junger Leute stammt: Autor Ransom Riggs schrieb seinen Jugend-Roman 2011, als er kaum dreissig war, Screenwriter Jane Goldman hat die vierzig noch nicht überschritten - und zusammen entführen sie uns also ins verschrobene Wales des Jahres 1943. Und natürlich fischte Tim Burton den Stoff auf und zusammen sind sie die perfekte Mélange eines toll umgesetzten Märchenstoffes. Einen Film nur mit rein mystisch inspirierten Metaphern abzudrehen, geht im (Post-)Milleniumszeitalter kaum mehr (dafür sind wir mittlerweile zu sehr abgestumpft), das Publikum erwartet auch bei subtilen Stoffen ein ordentliches Mass an Kau-Wumm-Action. Doch touch wood, die fürchterlichen Fehler von "Alice im Wunderland" (mit einer überbordenden und nervigen Action, die die ganze Story unter sich begraben liess) wird einem hier von Burton gottseidank erspart. Hier punktet ganz klar die Mystik, die verschachtelte Geschichte, der Symbolismus und die der Charme der Kinder und ihrer beschützenden Gouvernante Eva Green - und lässt sie nachhaltiger wirken, als sämtliche später erscheinenden Pflicht-Monster.

      So zimmerte also Ransom Riggs ein tolles neuzeitliches Nostalgie-Buch zusammen - und seine Inspiration dazu waren lediglich alte und vergilbte Fotografien, die er sich auf Jahrmärkten als collective Junkie zusammen suchte. In den Extras auf der DVD sehen Sie die Original-Fotos (links) und dazu als Kontrast die damit entwickelten Charakteren und ihren abgeleiteten Abilities der Kinder dazu (rechts). Das extravagante Bild der jungen Lady, die gerne Pfeife raucht (also Eva Green), hatte es ihm besonders angetan. Genial, wie im ersten Teils des Films sämtliche Fähigkeiten dieser "Peculiar Children" witzig in der Story eingearbeitet werden und sie ihnen später als effektive Waffen gegen die bösen "Hollows" unverhofft sehr nützlich werden. Jeder Zuschauer entwickelt da ein Lieblings-Motiv: Mein Favorit war Milo Parker, der die Bienen versammelt - er fiel schon so toll auf neben Ian McKellen im Sherlock-Drama "Mr. Holmes" auf (als Bienen ebenschon ein Thema waren). Als Fazit macht "Miss Peregrine's Home for Peculiar Children" ziemlich alles richtig und bewahrt sich vor allem die vorgegeben Grundpfeiler von Mystik und liebevoller Rätselhaftigkeit.

      "Bee-Ing" - Explaining the Tricks:
      https://www.fxguide.com/quicktakes/bee-ing-in-tim-burtons-miss-peregrines-home-for-peculiar-children/

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        Er hat ein Broadway-Musical verfilmt, vergilbten TV-Kult auf die Leinwand gebracht. Und jetzt ist er in Young-Adult-Bücher-Gefilden. Knickt Tim Burton etwa doch noch vorm Kommerz ein? Oder schnappt er sich dieses ausgereizte Genre und versetzt es mit seinem ganz eigenem morbiden Charme?

        "Die Insel Der Besonderen Kinder" ist dann ein bisschen was von beidem geworden. Der Film bietet Einblick in eine herrlich schräge, wie düster durchsetzte, Welt mit einer Schar Kinder, die wie eine Kreuzung aus Fabelwesen und X-Men anmuten. Ein bisschen wirkt das ganze dann auch wie eine Jugend-Version von Clive Barkers "Cabal".

        Was natürlich auch viel damit zu tun hat, dass sich hier viele mittlerweile zu bekannte Motive ausmachen. Angefangen natürlich beim adoleszenten Helden, der seine Unsicherheit in Gegenwart seiner neuen Freunde überwindet. Und der sich natürlich wiederum als eine Art Chosen One erweist, dem das Schicksal eine ganz besondere Aufgabe zugedacht hat. Und so weiter und so fort ...

        Selbstredend bleiben größere Überraschungen aus. Dafür erweist sich Tim Burtons bewundernswerte Vorstellungskraft als immer noch mächtig genug, um ausgetretene Story-Pfade und 08/15-Dramaturgien ordentlich aufzupeppen. Zum Beispiel mit Augäpfeln auf der Speisekarte, Horror-Marionetten oder einer schönen Hommagen an den Großmeister Harryhausen.

        Von daher erweist sich "Die Insel Der Besonderen Kinder" vielleicht nicht als das erhoffte Spät-Wunderwerk des Tim Burton. Es ist dennoch eine recht unterhaltsame Melange aus seiner mal grotesken, mal schaurigen und mitreißenden Phantasie und den Anforderungen des Geschmacks der breiten Masse geworden. Mit halt schwächeren Aspekten und vielen guten Einfällen (wie dem Humor von Samuel L. Jackson), die bisweilen sogar vergessen lassen, dass Burton sich hier eines Fremd-Stoffs angenommen hat.

        Und eine Sache ist geradezu erfreulich: es ist auch ein Film, dessen Vielzahl an guten Bildern und Momenten nicht schon im Trailer vorweggenommen wurden.

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          Es gab mal eine Zeit, da war es das Atemberaubendste, sich von Filmen in Traumwelten versetzen zu lassen. Man erinnere sich an den klangvollen Beinamen, den Hollywood einst innehatte: Dream Factory. Man denke nur an ‘Der Zauberer von Oz’, einen Film, der in den späten 1930er Jahren völlig ungeahnte Bilder eröffnete, die die Visionen einer fantastischen Welt auf der Leinwand sichtbar machten. Selbst die härteren, düsteren und kritischeren Werke, die unter den weißen Buchstaben der Hills entstanden, haben doch etwas wunderbar Magisches, Märchenhaftes - gehen aber bereits auf die frühesten Stummfilme zurück, in denen man unglaublicherweise bis zum Mond fliegen konnte. Auch, wenn die Zeit, in der die Filmschmiede ihre klassischsten, goldenen Träumereien veröffentlichte, 1967 endete und New Hollywood dem Pessimismus und dem Bruch mit eben jener Tradition frönte, so stieg gerade mit den technischen Neuerungen, mit denen ein jedes Jahrzehnt seitdem aufwarten konnte, auch die Treffsicherheit, mit der Träume eingefangen werden konnten und somit auch das Interesse, diese zu sehen. Ein historisch prägender ‘Krieg der Sterne’ und ein fliegender ‘Superman’ brachten uns Ende der 70er in weit entfernte Galaxien und zeigten uns, was Heldentum ist, und in den 80ern erlebte das märchenhafte Kino dann seine erste Blütezeit: ‘Die unendliche Geschichte’ ist das wohl bekannteste Werk einer Welle von Fantasyfilmen, in denen die Animatronic-Technologie die schier grenzenlose Vorstellungskraft der Filmemacher greifbar machen konnte. Filme wie dieser oder ‘Labyrinth’ waren außerdem eine Erweiterung des metaphorischen Erzählens, welches sich schon beim ‘Zauberer von Oz’ ankündigte - so toll die Abenteuer für Kinder auch waren, Erwachsene sahen darin noch ganz andere, tiefere Bedeutungen. ‘Der dunkle Kristall’ ist, meiner nicht allzu bescheidenen Meinung nach, dennoch der großartigste Film dieser Bewegung, und zwar schlicht und ergreifend weil er ein Märchen und nur ein Märchen ist, ohne besagte Meta-Ebene. Ja ja, jetzt wird’s interessant. In den 90er Jahren machte sich erstmals ein Hang zum Realismus bemerkbar. Science Fiction-Filme spielen auf der Erde und werden mit reichlich Action und Sozialkritik gekoppelt, und lediglich ein Ausflug in den ‘Jurassic Park’ befriedigt das Verlangen, sich in andere Welten zu träumen. Aber dann geht es mit einem Knall los: der gemeinsame Erfolg der ‘Harry Potter’- und ‘Herr der Ringe’-Reihe sorgte für eine Flut an Romanverfilmungen an Fantasyfilmen, welche sich allesamt ordentlicher Zuwendung erfreuen durften, während sich ideenreiche Animeserien zunehmend auch in unseren Breitengraden großer Beliebtheit erfreuten. In eben diese Zeit bin ich auch aufgewachsen, weshalb ich wohl auch heute noch über neue Genrevertreter über alle Maßen freue.

          Aber nun, in den 2010er Jahren, ist wohl irgendetwas kaputt gegangen, oder aber das Publikum war schon übersättigt, denn wirklich fantasievolles, märchenhaftes Kino sorgt kaum mehr für ausufernde Begeisterung bei Jung und Alt.
          Die Leute interessieren sich nicht mehr allein für große Bilder und große Gefühle. Man will nicht mehr einfach Abenteuer erleben, man will eine gewisse Widersprüchlichkeit in der Psyche der Figuren, eine gewisse Kritik an unserer realen Welt, einen gewissen Twist im Altbewährten, eine gewisse Pointe, die den Besuch der Fantasiewelten rechtfertigt. Nicht selten darf sogar spekuliert werden, ob die Fantasy-Elemente nur im Kopf der Figuren entstehen. Ein Superheldenfilm, die heute wohl beliebteste Form des fantasievollen Kinos, darf nicht mehr einfach durch eine Achterbahn der Gefühle, hochtrabende Spannung, entlastenden Spaß, gesunden Grusel und pathetisch dargebrachte Werte wie Freundschaft überzeugen, während er uns Welten kredenzt, die unsere eigene bei Weitem übertreffen - stattdessen wird er an den Realismus oder ironische Brechung gekettet, um heute überleben können. So gut wie mir diese Werke in den meisten Fällen auch gefallen haben, ich habe es satt, dass es zur Regel wird und den reinen Unterhaltungsblockbuster verdrängt. Letzten Endes sieht man solches Kino doch, um träumen zu können.

          Burton sei Dank war “Die Insel der besonderen Kinder” noch relativ gut dabei. Solide schlug er sich an den Kinokassen und die Kritiker zeigten sich tendenziell wohlwollend. Zu behaupten, der Film wäre ein heiß ersehnter Publikumserfolg gewesen, liegt allerdings bar jedweder Realität. Zehn Jahre zuvor wäre er wohl in aller Munde gewesen wie Augäpfel in diesem Film. Die Geschichte dreht sich um einen Jungen namens Jacob, der seit jeher die engste Bindung zu seinem Großvater hatte, einem Abenteurer, der ihm immer wieder von seinem Heim auf einer englischen Insel erzählte, in dem “besondere Kinder” wohnten, welche übernatürliche Kräfte besitzen. Seit er ein kleines Kind ist, ist Jacob fest überzeugt, dass die Erzählungen wahr sind, allerdings wird sein Glaube über die Jahre auf eine Probe gestellt, da jeder sonst seinen Großvater für einen Fantasten hält. Eines Tages wird eben dieser jedoch in Anwesenheit seines Enkels tödlich angegriffen - von einem übergroßen, düsteren Monstrum. Durch seine Schilderungen und der festen Überzeugung, die Geschichten seines Opas wären real, wird Jacob für psychisch krank gehalten. Von seiner Psychiaterin wird ihm verordnet, das ehemalige Heim seines Großvaters zu besuchen, um zu erkennen, dass die Realität weit weniger mystisch ist, als sie sein Großvater dargestellt hat. Und es sieht erstmal tatsächlich nicht gut aus. Zunächst landet Jacob nämlich in einer vom zweiten Weltkrieg völlig zerbombten Ruine, wo einst das Waisenhaus stand. Aber, naja, es wäre kein Fantasyfilm, wenn sie recht behalten hätte, oder?

          Ab hier wird es eigentlich erst wirklich interessant, wenngleich ich sagen muss, dass man bereits in der Einleitung eine ernstzunehmende Inhalte perfekt eingeflochten hat: die Eltern, die sich nicht viel Mühe machen, dem Kind zuzuhören, die Welt, die Träumer nicht mit offenen Armen empfängt, und der Krieg, dessen Auswirkungen, so lange er nun auch schon zurückliegt, immer noch zu fühlen sind. Fuck, selbst die Beziehung vom Großvater zum Vater des Teenagerjungen werden angeschnitten - so geht letzterer davon aus, dass die vielen Abenteuerreisen seines alten Herren eigentlich dazu da waren, andere Frauen kennenzulernen und seine eigene Gattin zu betrügen. In solchen kleinen Szenen wird erst richtig deutlich, wie unterschiedlich die Weltverständnisse pro Generation sind. Der Großvater ist ein Träumer, und jemand, der mutig die Gefahr sucht - der Vater kann das aber nicht verstehen, für ihn MUSS der Grund zwangsläufig ein “realistischer” und negativer sein. Jacob schlägt hier ganz nach seinem Großvater, da auch er an die Fantasiewelt glaubt, allerdings hat ihn der Realismus seines Umfelds teilweise entmutigt. Wir alle kennen das Kind, das sich in seiner Welt fehl am Platz fühlt, und hofft, einmal etwas Besonderes zu sein. Manche Personen vergessen es mit wachsender Lebensdauer zusehends, und wenige fühlen denselben Gedankengang bis ins hohe Alter. Somit ist Jacob, zu “anders” für die reale Welt und zu “normal” für die der Besonderen, die ideale Identifikationsfigur.

          Aber wie bereits erwähnt: erst jetzt geht es richtig los. Natürlich finden die besonderen Kinder Jacob, und bringen ihn mit in ihre Welt. Tatsächlich leben sie nämlich immer noch im Jahr 1943 am Tag, als die Bombe ihr Heim zerstörte, welcher sich durch eine von der Heimleiterin Miss Peregrine (Eva Green als eine brillante Mischung aus Mary Poppins und Morticia Addams) magisch angelegten Zeitschleife stets wiederholt. In dieser können die Besonderen quasi als Parallelgesellschaft sicher und ohne Konsequenzen leben, und altern niemals. Jacobs Großvater war einer von ihnen, verließ sie jedoch aus Gründen, die wir erst später erfahren werden. Überall auf der Welt existieren solche Schleifen, welche es Besonderen ermöglichen, unentdeckt zu bleiben - erschaffen werden sie von den sogenannten Ymbrymes, die die Zeit kontrollieren können und auf die anderen aufpassen. Aber es gibt auch Gefahren. Eine Gruppe Besonderer unter der Führung eines sadistischen Mannes namens Mr. Barron (ein wunderbar grotesker, schwarzhumoriger Samuel L. Jackson) hat es sich zur Aufgabe gemacht, auch außerhalb von Zeitschleifen unsterblich leben zu können. Dazu entführten sie eine Ymbryme, um sich in einem Experiment ihre Kräfte anzueignen - was allerdings darin resultierte, dass sie sich in Monster, die Hollowcasts, verwandelten. Um ihre wahre Gestalt zurückzuerlangen, sind sie darauf angewiesen, die Augen anderer zu verspeisen - während sie zeitgleich ihren Plan weiterverfolgen.

          Eine Sache macht “Die Insel der besonderen Kinder” bei seiner Gestaltung, die mir äußerst positiv auffällt: wenngleich er vor Allem in den ersten zwanzig Minuten durchaus reale Probleme anspricht, entsteht nie der Eindruck einer Allegorie; die Märchengeschichte ist zweifelsfrei filmische Realität und wird parallel zu diesen Ereignissen erzählt. Dabei ist der Kreativität trotzdem absolut keine Grenze gesetzt; der gute Herr Burton tobt sich hier richtig aus. Wenngleich es Geschichten um ein verborgenes Ensemble an Personen mit übermenschlichen Fähigkeiten bereits zuvor gab (bekannterweise die ‘X-Men’, aber auch ‘Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen’ oder sogar in gewisser Weise das ‘Harry Potter’-Universum), weicht man hier doch deutlich vom Schema F ab, und führt ein deutlich komplexeres Universum ein als es im durchschnittlichen Genrebeitrag der Fall ist. Gemeinerweise befindet sich die versteckte Fantasiewelt nicht an einem geheimen Ort, hinter einer verschlossenen Portal oder in einer Nebendimension - tatsächlich ist sie exakt hier, nur an einem anderen Zeitpunkt. Natürlich eröffnet einem der Einsatz von Magie vielerlei Möglichkeiten, die der metallische Bruder, der Science Fiction, nicht bietet, da nun einmal deutlich weniger Erklärungsbedarf herrscht. Nichtsdestotrotz bemüht sich “Die Insel der besonderen Kinder” sehr, eine eigene Mythologie und Funktionsweise zu erschaffen, die sich souverän bis zum Ende des Filmes erschließt (einzige für mich offene Frage: da sich die Besonderen lediglich in Zeitschleifen bewegen können, ohne rapide zu altern oder zu sterben, wie konnten sie Jacob erst zu sich holen? Vielleicht weiß es jemand aus den Buch?). Dabei macht der Film das, was alle grandiosen Werke machen, die uns eine neue Welt präsentieren: zunächst werden mit einer unsagbar großen Faszination alle Eigenheiten liebevoll vorgestellt, und dann mit fortlaufender Handlung etabliert, sodass am Ende die Story in den Vordergrund rücken kann. Und mann, verzaubert uns Burton mit seiner Vision von Luftblasen in Schiffswracks, Riesenkarotten und aus dem Körper schwirrenden Bienen - nicht aber, ohne ordentlich den Kinderschreck zu spielen.

          Trotz seines Grundtons ist “Die Insel der besonderen Kinder” für eine ganz junge Klientel an einigen Stellen fast schon zu unheimlich und brutal. Versteht mich nicht falsch: die meisten und besten Fantasie-Filme haben geisterbahnartige Momente, die den Kindern einen kalten Schauer über den Rücken laufen und sie sich unter die Decke verkriechen lassen - ‘Harry Potter’ hat den verbotenen Wald, ‘Jurassic Park’ die Küchenszene und ‘Fluch der Karibik’ seine Skelette - und dennoch finden sie sie klasse und können sie den Inhalt umrandet von der märchenhaften Geschichte bestens verarbeiten. Man darf aber nicht vergessen, wer hinter der ‘Insel’ steckt. Tim Burton ist einerseits bekannt für seine bunten, einfallsreichen und skurrilen Bilder und Figuren, die er hier auch zu genüge zu zeigen weiß, aber andererseits auch für seine düstere, morbide und schaurige Art, die er in den Szenen mit den Bösewichten auch deutlich ausschlachtet: groteske Verwandlung Szenen in bedrohliche Monster, hässliche Stop-Motion-Puppen, Berge von Augen, die verspeist werden, und auch die ein oder andere Gewaltspitze, die über die gewohnten und antrainierten Fantasy-Grenzen hinausgehen (also an ungewöhnlichen und nicht vorhersehbaren Stellen auftreten und weder off-screen noch rasch geschnitten sind) machen das hier nicht zu einem Alibi-12er-Kandidat, wie die meisten anderen der hier genannten mit Ausnahme des “dunklen Kristalls’ (mir ist zu Ohren gekommen, die Skekse werden wohl nicht überall als badass, sondern eher als gruselig angesehen), sondern sollten wirklich von niemand jüngeren als Personen dieses Alters gesehen werden.
          Für alle Teenager und Erwachsenen ist “Die Insel der besonderen Kinder” jedoch ein absolut großartiger Spaß, der von Märchenerzählung über humorvolle Einlagen bis hin zu echten Horrorszenarien alles bietet, was großartige Fantasy-Unterhaltung ausmachen kann.

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            [...] Tim Burton begleitet mich im Grunde ja seit meiner Kindheit und hat mich schon häufiger in fremde, magische Welten entführt (wenn mir auch kein Film in so guter Erinnerung bleiben wird wie "Big Fish" seinerzeit), so dass neue Burton-Filme für mich über kurz oder lang auch zum absoluten Pflichtprogramm im Heimkino gehören, auch wenn "Dark Shadows" beispielsweise noch immer seiner Sichtung harrt. Nach "Big Eyes" verlegt Burton sich nun also in seinem derzeit noch aktuellsten Film "Die Insel der besonderen Kinder" wieder auf für sein Schaffen klassischere Leitmotive und erzählt im Grunde ein Kindermärchen für Erwachsene, denn auch wenn ein Großteil der Belegschaft aus Kindern und Jugendlichen bestehen mag, ist auch dieser Film wieder Burton-typisch ein wenig düsterer geraten, als man das von familientauglicher Film-Kost erwarten würde und folglich einem doch eher etwas älteren Publikum ans Herz gelegt. Insbesondere bei seinen Bösewichten beweist der umtriebige Regisseur auch wieder ein feines Gespür für düster-morbides Figuren-Design, während die namensgebenden "besonderen Kinder" angenehm abwechslungsreich gestaltet sind, was ihre Fähigkeiten betrifft, auch wenn die nicht in immer gleichem Maße auch Berücksichtigung in der Erzählung erfahren. [...]

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              Toller Film

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                littering 27.01.2018, 14:25 Geändert 27.01.2018, 14:51

                Ja was habt`s ihr denn mit dem Burton? So wie der mir eingeht ist er ein Gestallter der seinen Werkzeugen auch Eigenverantwortung zubilligt.
                Ich nehme mal an das die Unkenntnis der literarischen Vorlage den Filmgenuss fördert.( Ich bin gespalten ob des Glücks zuerst Peter Jackson oder R.R. Tolkien verkonsumiert zu haben, aber einem Unsereinen bleibt immerhin der Bombadil ). Sofern mag ich dann Kritik akzeptieren.
                Das Werk als solches lässt bei mir so gut wie keinen Wunsch übrig. Wunderschöne Geschichte, spannend bis gruselig, als auch actionreich, mit ganz feinfühligen Attributen versetzt, wird ein Fantasiemärchen a la bonheure erzählt. Dieses Werk werd` ich empfehlen!

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                  EudoraFletcher68 23.01.2018, 07:26 Geändert 24.01.2018, 10:47

                  Ich bin kein Tim Burton-fan, manche seiner Filme gefallen mir richtig gut („Beetlejuice“, „Edward mit den Scherenhänden“, „Mars Attacks“) und andere richtig schlecht („Dark Shadows“, „Corpse Bride“). „die Insel der besonderen Kinder“ fand ich ok.
                  Es fängt mit einem Jugendlichen an, der sich zu seinem anscheinend verwirrten Großvater fahren lässt. Relativ bald weiß man nicht, ob der Großvater verrückt ist oder nicht. Er stirbt in den Armen des Jungen, Jake. Dieser muss zum Psychotherapeuten und dissimuliert vermutlich.
                  (Exkurs: Mal wieder ein Psychotherapeut im Film mit Megaluxus-Praxis)
                  In Rückblenden erfährt man mehr über die Beziehung zwischen Großvater und Enkel. Es scheint so, als hätte der polnische Großvater seine Erfahrungen mit der NS-Zeit auf sehr fantasievolle „verarbeitet“. Bis zum Schluss ließe sich der gesamte Film auch so interpretieren. Die Darstellung der Familiendynamik finde ich schlüssig.
                  Jedenfalls unternimmt der Vater mit Jake eine Reise auf die englische Insel zu dem Heim, in dem der Großvater aufgewachsen ist. Die Geschichte entwickelt sich langsam, aber auf jeden Fall so spannend, dass ich wissen wllte, wie es weiter geht.
                  Er trifft auf die besonderen Kinder und ihre Aufseherin. Für Jake ist es zuerst eine Reise in die Vergangenheit seines Großvaters, dann wird es mehr und mehr seine eigene Geschichte. In der OV hat mir die Mischung aus für mich leicht verständlichem amerikanisch und schwer verständlichem aber schönem britisch sehr gut gefallen.
                  Peinlich fand ich Samuel L. Jackson als Barron: wegen seiner künstlichen Zähne kann er kaum sprechen. Das hätte man irgendwie anders lösen müssen. So konnte ich ihn als Bösewicht gar nicht ernst nehmen.

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                    Für mich doch eine positive Überraschung: sehr schöne visuelle Effekte, eine wunderbare Liebe auch für die Details, hervorragende Schauspieler und eine vielleicht schräge, aber sehr fantasievolle Story: endlich zeigt Tim Burton mal wieder, wozu er fähig ist.

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                      Co-Pilot 19.12.2017, 13:33 Geändert 19.12.2017, 13:34

                      Ich, bzw wir beide in diesem Fall, mögen solche Filmchen halt sehr gern... Top in allem was wir erwartet haben; und Eva Green fand ich seltsamerweise hier erstmals so richtig sexy :()

                      *Sehenswert - Ja! / Empfehlenswert - Ja!*

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                        Einer meiner Lieblingsfilme

                        • Maxi D. Winhold 05.11.2017, 19:11 Geändert 05.11.2017, 19:11

                          Nein Mann ich fand den film echt nicht gut.
                          Der film hat so viel potenzial allein vom buch her das mega ist und dann noch tim burton dazu? Alter hatte ich mich gefreut aber leider wurde ich extrem entäuscht.

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                            War ganz nett anzusehen, kommt aber natürlich an die ganz großen Größen des Genres nicht heran.
                            Könnte ich mir an nem gemütlichen Sonntag durch aus nochmal vorstellen.

                            • 5

                              Der Film wich mir zu sehr vom Buch ab

                              • 4 .5

                                Ich vermiss den alten Tim Burton. Wo ist nur der Kinomagier, der dank skurriler Figuren und Geschichten gepaart mit optischer Finesse früher wahre Kunstwerke auf die Leinwand gezaubert hat?
                                Sein neuster Film ist (wieder einmal) ein modernes spannungsarmes Kinder-Märchen, das mich überhaupt nicht mitgerissen hat.
                                Trotz spielfreudiger Darsteller wie Eva Green und Samuel L. Jackson konnte mich der Cast nicht überzeugen. Die Figuren waren uninteressant und wirklich unterhaltsam wurde der Film erst am Ende, als Burton auf CGI-Action setzt. Das erklärt dann wohl ausreichend die dramaturgischen Defizite der Geschichte.
                                Ein Film, der optisch toll umgesetzt ist und eine schöne geheimnisvolle Atmosphäre bietet. Figuren und Story sind aber nicht der Rede der Wert.

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                                • 6 .5
                                  LivingDead 26.08.2017, 16:10 Geändert 26.08.2017, 16:11

                                  Über weite Strecken überzeugt die "Insel der besonderen Kinder" durch seinen mystischen Flair, welcher durch Tim Burtons Blick fürs Visuelle (hier sind auch und vor allem die tollen visuellen Effekte zu nennen, die zudem mit einer schönen Stop-Motion-Szene aufwarten) und einem feinen Score, der manchmal an Jerry Goldsmith erinnert, noch untermalt wird. In klarer Abgrenzung zu Superheldenfilmen der Marke "X-Men" besinnt sich Burton dabei auf eine märchenhafte Inszenierung, die wie aus einem Kinderbuch entsprungen scheint, gleichzeitig aber in ihrer Düsternis auf ein erwachsenes Publikum abzielt.
                                  Letztlich verpasst es Burton aber auf emotionaler Ebene zu berühren, sodass sich der Film gerade zum Ende hin in ähnlichen Effektschlachten zu verlieren droht wie die Superhelden aus dem Marvel-Universum.

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                                    Marc_McFly 25.08.2017, 20:37 Geändert 25.08.2017, 20:40

                                    Mensch, Tim ...
                                    Was als verträumte, interessante, kleine Mär beginnt, artet in seinem dritten Drittel völlig aus. Wie man es zuletzt viel zu oft von Burton sah, bleib dann nur noch absolut unbeeindruckender CGI-Schwachsinn. Aber wenigstens Eva und Samuel drehen ein bisschen durch.

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                                      Guter Anfang, mit schöner Musik. Verläuft sich jedoch zusehends in 0815 Hollywood Story, mit lahmer Action.
                                      Und die Hollows sind eine dreiste Kopie von TOOL´s Musikvideo SCHISM!

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                                        AvarTitan 21.08.2017, 16:52 Geändert 21.08.2017, 19:18

                                        Sehr schöner Film mit vielen Elementen in doch typischer Burton Art.
                                        Sehr angenehm erzählt und mit einigen schönen musikalischen Akzenten geschmückt.
                                        Fande ihn keinesfalls langweilig. Sehr unterhaltsam.

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                                          Kinder mit besonderen Fähigkeiten, von der Gesellschaft versteckt und von Abtrünnigen verfolgt. Genau der Stoff, aus dem Tim Burton Besonderes machen kann. Aber es fehlt an Magie. Die Geschichte plätschert für mich zu lange dahin, ohne dass man so richtig in die Welt der „besonderen Kinder“ eintaucht und ein Teil dessen wird. So stellt sich auch im weiteren Verlauf wenig Interesse ein. So richtig wirkt er nicht wie ein Burton-Film, fast schon zu normal.

                                          Auch hier fällt mal wieder ein Zitat aus „Ted 2“ ein: „Wer ist Samuel L. Jackson?“ „Hast Du je irgendeinen Film gesehen? Er ist der Schwarze.“ Scheint SLJ doch momentan (mehr denn je) in gefühlt jedem 2. Film mitzuspielen.

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                                          • 7

                                            Tim Burton is so a bissel back. Naja, zumindest hat er das CGI - verseuchte Wunderland, bzw. die dunklen Schatten hinter sich gelassen. Nach dem Trailer hatte ich noch das Gefühl, Tim Burton hätte eine uninspirierte Grundschulversion der X - Men gedreht. Aber weit gefehlt. Der Film bietet eine kurzweilige, interessante, zum Teil spaßige und in der zweiten Hälfte durchaus spannende Geschichte. Hat Spaß gemacht.

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                                              Grimalkin 22.06.2017, 14:23 Geändert 22.06.2017, 14:50

                                              Nicht untypisch für die jüngere Vergangenheit ist auch dieser Film sicher nicht auf dem Niveau von Burtons früheren Werken, dennoch kann man sich "Miss Peregrine's Home for Peculiar Children" durchaus mal anschauen, auch wenn das Pacing der Handlung etwas packender hätte sein können.

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                                              • 6
                                                Petr 10.05.2017, 00:23 Geändert 10.05.2017, 00:37

                                                Überraschenderweise garnicht mal so schlecht für einen neuen Burton.

                                                Die Kritik der letzten Jahre hat gefruchtet und auf GCI wurde, trotz des Namens Burton und des Genres Fantasy mit Superkräften, für heutige Verhältnisse fast schon asketisch größtenteils verzichtet. Das, was es an GCI noch gibt, erscheint schon legitim. Naja, außer der übertrieben blaue Filter für die Strandszenen in Echtzeit. Der hat mich genervt.

                                                So bleibt mehr Zeit für Charaktere, "Magie", Gefühle und vor allem Gruselmomente. In allem nicht besonders toll, aber auch nicht schlecht. Nur beim Grusel wurde nicht gespart. Selbst ich fand einiges ziemlich unheimlich und das FSK 12 ist nicht gerade übertrieben.

                                                Leider flacht zum Ende hin alles ab und ergibt sich den üblichen Konventionen, also dem Verzicht auf Handlung im letzten Viertel zugunsten von Action und einer Zuspitzung der Ereignisse mit anschließendem Happy End.

                                                Ups, habe ich jetzt etwas gespoilert? Nein, ist ja ein amerikanischer Familienfilm. ;)

                                                Burton konnte auch einiges an Stars anlocken. Shootingstar Asa Butterfield zeigt zwar keine besonders tolle, aber auch keine schlechte Leitung und wurde wohl eher wegen des Faktors niedlich besetzt. So eröffnet sich schon eine neue Klientel der 14_jährigen Mädchen. Samuel L. Jackson überzeugt als richtig unheimlicher Bösewicht. So gruselig habe ich ihn nicht erlebt. Eva Green erinnerte mich etwas an Heike Makatsch, überzeugte aber auch mit ihrer Präsenz. Lediglich bei einigen der Kindern kann man über deren Superkräfte froh sein. Aber Kinder sollten bei Schauspielbewertungen sowieso außer Konkurenz sein.

                                                Die Handlung ist dabei kreativer und komplexer als bei allen Herr der Ringe und Star Wars-Folgen gemeinsam. Das ist aber nicht Burton geschuldet, sondern der Romanvorlage.

                                                Es bleibt ein Burton, der wegen seiner Konventionen und etwas zu rasanten Handlung, nicht an seine frühen werke heranreicht, aber besser ist als der gefühllose Murks der letzten Jahre.

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                                                  Tanzveit 28.04.2017, 21:06 Geändert 28.04.2017, 21:07

                                                  Burton. Eigentlich ist der mir immer zu burtonesk, doch hält er sich in seinem neuen Film angenehm zurück und inszeniert einen fantastischen Kindergrusler, nicht frei von Längen, reich an Härten und wunderschönen Bilden. Wäre ich 10, ich hätte mal wieder nen Lieblingsfilm.

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