Die Lebenden reparieren - Kritik

Réparer les vivants / AT: Heal the Living

FR/BE · 2016 · Laufzeit 103 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 4

    [...] Katell Quillévérés Die Lebenden reparieren beginnt wie ein Film, der so auch von Xavier Dolan (Mommy) stammen könnte. Ähnlich wie der Frankokanadier, der trotz seines vergleichsweise jungen Alters seit einer ganzen Weile in cineastischen Kreisen als Ausnahmetalent gefeiert wird, vermittelt die französische Regisseurin eindringliche Gefühle vorwiegend über audiovisuelle Montagen, in denen Bilder und Songs möglichst aufregend zu einer Einheit verschmelzen. Wie der 17-jährige Simon in den ersten Szenen des Films vor Sonnenaufgang durch die Stadt rennt und skatet, auf dem Fahrrad durch Straßen rast oder über Dächer klettert, hat ebenfalls etwas von der lebensfreudigen Körperlichkeit, in die manche Figuren aus Dolans Werken teilweise verfallen. [...] Wirkte der Auftakt noch, als würde sich Quillévéré ausschließlich dem 17-Jährigen widmen und einzelne Momente bewusst ausdehnen, um deren Wirkung möglichst intensiv auszukosten, entfalten sich die nachfolgenden Szenen nach Simons fatalem Unfall mit auffälliger Sprunghaftigkeit. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Maylis de Kerangal entwirft die Regisseurin im Verlauf von Die Lebenden reparieren ein ganzes Ensemble an Figuren, das von den weiteren Ereignissen betroffen ist. [...] Die einzelnen Figuren in Die Lebenden reparieren, die neben Simons Eltern vom Arzt und der Krankenschwester über Mitarbeiter der Transplantationszentren bis hin zu einer Frau reichen, die sich als Bedürftige eines Spenderherzens entpuppt, erfüllen zunehmend einen funktionalen Zweck und sind kaum mehr als Glieder in einer Kette von Ablaufprozessen, die den vollständigen Kreislauf einer Organtransplantation veranschaulichen sollen. Unter den sentimentalen Klaviertönen von Alexandre Desplats Score, der zunächst eher dezent im Hintergrund platziert ist und schließlich immer penetranter eingesetzt wird, verkommt der Streifen zu einer gefühlsseligen Mischung aus einem Drama, in dem die entscheidenden Figuren kaum mehr als flüchtig angerissene Abziehbilder bleiben, und einem überdeutlichen Plädoyer zur Organspende, für das Quillévéré erzählerische Komplexität der unkomplizierten Verständlichkeit unterordnet. Der Handlungsverlauf, welcher zunehmend mechanischer wirkt und Emotionen zwischen einzelnen Figuren nur in kurzen Szenen andeutet, steuert bereits im darauffolgenden Moment die nächste Station im Kreislauf des Organspende-Prozesses an. Als Drama, für das noch dazu talentierte Namen wie Emmanuelle Seigner (Das Lächeln) oder Anne Dorval (I Killed My Mother) verpflichtet werden konnten, wirkt Die Lebenden reparieren daher wie ein aufgeblähtes, manipulatives Werbevideo, dem immerhin gute Absichten zu entnehmen sind, während dramaturgische Feinheiten, differenzierte Zwischentöne und ehrliche Emotionen, die nicht durch die aufdringliche Inszenierung erzwungen werden, völlig auf der Strecke bleiben. [...]

    5
    • 8

      So rundet sich der Film zur intensiven, schmerzlich-schönen Betrachtung des Lebens mit dem Tod – und zum Hymnus auf die Tragekraft des komplexen, professionell und privat geknüpften Netzes aus menschlicher Fürsorge. [Felicitas Kleiner]

      • 8

        Doch auch wenn es tatsächlich als starkes Plädoyer für den eigenen Spenderausweis wirkt, ist Die Lebenden reparieren die Toten vor allem ein umwerfender Film mit viel mehr und stärkeren Emotionen als laute Produktionen, die mit viel (künstlichem) Gefühl werben. [Günter H. Jekubzik]

        • 8

          Selten ging es in letzter Zeit auf der Kinoleinwand so natürlich und wahrhaftig menschlich zu wie in Die Lebenden reparieren. [Christopher Diekhaus]

          • 8

            Die Adaption des Romans von Maylis de Kerangal erzählt vielstimmig von den Konsequenzen, die eine Organspende für das Leben der betroffenen Familien hat. [Gerhard Midding]

            • 6 .5

              Stimmig erfasst das bewegende Organspende-Drama der Regisseurin Katell Quillévéré als ergreifendes Protokoll eines viel zu frühen Todes ein Panorama an Lebens- und Arbeitswelten. [Luitgard Koch]