Die Reifeprüfung - Kritik

The Graduate

US · 1967 · Laufzeit 105 Minuten · FSK 16 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • Im Podcast besprochen:

    "Mike Nichols schuf 1967 mit THE GRADUATE (dt. „Die Reifeprüfung“) einen unvergesslichen Klassiker des Weltkinos, der die Geburtsstunde des New Hollywood markierte. Die Satire verhalf Hauptdarsteller Dustin Hoffman zum Durchbruch und machte Popmusik als Filmscore salonfähig – „The Sound of Silence“ und „Mrs. Robinson“ sind die vielleicht bekanntesten Songs aus dem Film, doch das Songwriter-Duo Simon & Garfunkel schüttelte sich für den Film noch weitaus mehr Hits aus dem Ärmel. Die altbekannte Story handelt vom jungen Mann Benjamin, der nichts mit sich und seiner Zukunft anzufangen weiß, bis ihn die elterliche Freundin Mrs. Robinson verführt. Eine Affäre beginnt, in deren Verlauf er sich in die Tochter Elaine verliebt und sich tiefe Gräben zwischen den Generationen auftun."

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      [...] Die Hörner solle er sich erst einmal abstoßen, wird ihm von einem Gast auf der Party geraten. Ein anderer Besucher faselt irgendetwas von „Plastik“. Und da, in dieser beinahe beiläufigen Sequenz, liegt der Schlüssel zur Wahrhaftigkeit: Man darf kein „Plastikmensch“ werden, der sich und sein Glück stetig am materiellen Reichtum misst, sondern muss das Leben nach seinen individuellen Bedürfnisse auskosten, auch wenn das impliziert, einen Affront gegen das von weißhaariger Moral gesteuerte Establishment anzustiften: Es bringt nichts, den drögen Illusionen seiner Ahnen hinterherzuhinken. „Die Reifeprüfung“ fängt dieses Gefühl von Überforderung, Unsicherheit, den steinigen Schritt vom Erwachsen-werden und Erwachsen-sein so maßgeschneidert ein, dass sich jeder, der Zukunftsperspektiven schon einmal im Nebel verschwinden hat sehen, zwangsläufig wiederspiegelt. Im Kontext seiner zeitlichen Entstehung besitzt „Die Reifeprüfung“ als bravouröse Gesellschaftssatire eine schon subversive Dimension. [...]

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      • 9

        Eine Generation im Schwebezustand; und auf der Suche: nach einem Sinn, einer Bestimmung oder zumindest einem Weg. Dem sexuellen Reifeprozess als Ausdruck aufstrebender Rebellion folgt alsbald ein spiritueller, dem Ausbruch aus dem Vorstadt -Paradies als Metapher für den Wandel einer ganzen Gesellschaft folgt die offene Eskalation unter Gottes Pforten. Der Revision einstiger Konventionen folgt ein Sturm der Entrüstung, ein Aufschrei der geplatzten Träume, bitteren Schicksale und enttäuschten Affären. Eine Revolution in zwei Akten. Ein Film über Jugend und Zukunft; und darüber orientierungslos zu torkeln, zu schwanken und zu zweifeln. Ein Film über das Verloren-Sein und Überfordert-Sein, über das naive Streben nach Geistern, das Unverständnis und natürlich auch über die Liebe. Ein so warmer, herzlicher Film voller Symbolkraft und eruptiver Rauschzustände. Voller Rasanz und Wahrhaftigkeit. Ein unsterblicher, für ewig zeitloser Film über das Erwachsen-Werden und damit über einen jeden von uns. Wohl auch das, was man einen Klassiker nennt.

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        • 8

          Erstaunlich, ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass mir der Film so gut gefallen würde. Ich wollte eigentlich nur eine Klassikerwissenslücke schließen. Das klang für mich bisher nach einem so leicht angemotteten Zeitgeistfilm, der damals bestimmt ganz rebellisch und wegweisend war, aber heute nur noch für leichtes Schmunzeln sorgen kann. Ein Zeitgeistfilm ist das auf jeden Fall, aber angemottet, nicht die Spur. Einige Szenen sind so fantastisch geschrieben, ein Fest. Die Momente mit Hoffman und Bancroft enthalten umwerfende Dialoge und eine Situationskomik, die niemals albern, sondern zutiefst menschlich wirkt. Allein diese Hotelszene, mit dem eingeschüchtert, hektisch-überforderten Hoffman und dem abgebrühten Vamp Bancroft macht wahnsinnig viel Spaß. Das klingt jetzt nach einer reinen Komödie, aber der Humor ist nur eine Randnotiz. "Die Reifeprüfung" ist ein sehr humorvoller und leicht erzählter Film, der sich aber nicht als Komödie bezeichnen lässt. Ein Film über das Erwachsenwerden, über die Emanzipation von der Familie, über das Finden der Liebe, wie es der Titel schon sagt, eine Reifeprüfung. Noch so ein Grund, warum ich den gar nicht so auf dem Zettel hatte: Liebesfilme sind nicht so mein Fachgebiet. Speziell dieses hoffnungslos romantische Ende dürfte im Normalfall gar nicht meine Baustelle sein. Was soll ich sagen: Ich fand das toll. Sogar die Musik von Paul Simon und seinem frisierten Hündchen Art Garfunkel. Das hat so klasse gepasst. Auf meine alten Tage werde ich echt weich. Ich bin bereit zur Notschlachtung, und "Die Reifeprüfung" ist ein wunderbarer Film.

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            "Sie versuchen doch jetzt, mich zu verführen, nicht wahr?"

            Der Film hat mich wirklich hin und hergerissen. Auf der einen Seite ist es verblüffend das ein so alter Film micht derart gut unterhalten hat. Was auf jeden Fall nicht jeder Film dieses Jahrgangs schafft. Doch auf der anderen Seite, war der Film auch recht klischeehaft, wo die erste Hälfte von "Die Reifeprüfung" noch sehr glaubhaft war, fiel der zweite Abschnitt in einen Pool voller Klischees. Ich jedenfalls würde keinen Partner nehmen der mich dauerhaft stalkt und verfolgt oder gar meinen Elternteil vögelt. Da wäre dann auch bei mir Schluss.

            Aber alles in allem ist das ein richtig gelungener Streifen der Ende der 60er Jahre anlief, die Inszenierungen haben mich verblüfft und die musikalischen Unterstreichungen waren immer passend und haben verzaubert. Dustin Hoffman fande ich auch ziemlich stark, in diesem Alter habe ich ihn zum ersten Mal gesehen, in späteren Filmen war er meiner Meinung nach besser, aber hier hat er auch sehr überzeugen können.
            Als Leckerbissen gab es Katharine Ross als Elaine, ihre Mutter war auch nicht schlecht aber sie hat wohl das perfekte, reiche, hübsche Mädchen verkörpert.

            Das Ende fande ich, nicht so wie die meisten, eher unbefriedigend, man starrt da auf den TV und wartet das noch mehr passiert, klar es bleibt nun ein Spielraum für Interpretationen, aber verdammt nochmal ich hasse Filme ohne richtige Enden. Und dann auch noch ein großes Lob an Hollywood das sie, obwohl noch Stoff da gewesen ist, keinen 2ten Teil gemacht haben. Das wäre heutzutage wohl undenkbar.

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            • 10

              Mrs. Robinson: "Benjamin, I am not trying to seduce you."
              Benjamin: "I know that, but please, Mrs. Robinson, this is difficult..."
              Mrs. Robinson: "Would you like me to seduce you?"
              Benjamin: "What?"
              Mrs. Robinson: "Is that what you're trying to tell me?"
              Benjamin: "I'm going home now. I apologize for what I said. I hope you can forget it, but I'm going home right now."

              Titel: 'Die Reifeprüfung'
              Status: Lieblingsfilm.
              Frage: Warum?
              Antwort: Unbeschreiblich!

              Ich werde stets, wenn ich das Wort "Plastik" höre, an diesen Film denken müssen. Warum genau der Ausdruck "Plastik" benutzt wird, das ist eigentlich egal, könnte auch jedes erdenkliche andere materialistische Gut sein. Es steht einzig und allein dafür, für was wir Menschen unser Leben verschwenden, an eine Ansammlung von Sachen, die uns letztendlich nichts einbringen werden. Geld, Karriere, Auszeichnungen, ein fettes Haus oder vielleicht doch ein Auto? Absolut egal, der 21-jährige Benjamin Braddock (Dustin Hoffman) erkennt darin zumindest nicht den Sinn seines Lebens.
              So werden in 'Die Reifeprüfung' auf grandiosem Wege Optimismus und Materialismus, zwei lebenswichtige Themen angesprochen. Dass dabei Simon & Garfunkels weltbekannte Songs, u.a. "Mrs. Robinson" diese Stimmung, den fehlenden Optimismus in unserer Gesellschaft perfekt verdeutlichen, ist nur einer der vielen herausragenden Punkte dieses Films. Die Darsteller Dustin Hoffman, Katharine Ross und Anne Bancroft spielen souverän und lassen den Zuschauer emotional direkt am Geschehen teilnehmen. Die verlorene Jugend, die nichts mit ihrem Leben anzufangen weiss, wird von Dustin Hoffman verkörpert. Ebenso war dies der erste Film der ganz offen mit dem Thema Fremdgehen in der Ehe umging. So ist 'Die Reifeprüfung' nicht nur ein Film, der mit seinem Humor, seinen Emotionen und seinen Dialogen überzeugt, sondern ebenso eine verdammt gelungene Studie und Gesellschaftssatire darstellt. Jede Szene ist grandios gefilmt und somit schafft es der Film, so gut wie nur wenige andere, im Gesamtbild nahezu die Perfektion zu erreichen. Sehr gut gefallen hat mir dabei, dass der Film nicht, wie viele andere, die Depri-Tour einschlägt, sondern einfach nur schön ist, ein schönes Meisterwerk, welches in seiner Bildkomposition und seiner Aussage einzigartig und zeitlos ist.

              Fazit: Habt ihr schon mal die Erfahrung gemacht, dass Emotionen jegliche Logik sprengen können. Nein? Das nennt sich Optimusmus und falls ihr diesen in Vollendung sehen möchtet, dann schaut euch Mike Nichols Lebenswerk an!

              "Ein Optimist ist jemand, der genau weiss, wie traurig die Welt sein kann, während ein Pessimist täglich neu zu dieser Erkenntnis gelangt." (Peter Ustinov)

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                Die Inszenierung von Regisseur Mike Nichols verschmilzt mit der Musik von Simon and Garfunkel zu einem zeitlosen Meisterwerk.

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