Die sieben Samurai - Kritik

Shichinin no samurai

JP · 1954 · Laufzeit 207 Minuten · FSK 16 · Eastern, Drama, Actionfilm · Kinostart
Du
  • 8 .5

    [...] Sobald es die Bauern vollbracht haben, eine siebenköpfige Gruppe an Samurai zu mobilisieren, die sich von nun an darum kümmert, das Dorf vor den Marodeuren zu beschützen, schält sich aus dem Inneren der Narration eine immer prägnantere Auseinandersetzung mit dem Wert der Zivilcourage an die Oberfläche. Die sieben Samurai beschreibt eine Welt, in der jeder für sich kämpft oder Gründe dafür vergessen wurden, warum man überhaupt in den Kampf ziehen sollte. Das mitmenschliche Handeln, welches hier von den Samurai ausgeht, gleicht einer zwischenmenschlichen Utopie, eben weil sie für eine gerechte Sache die Schwerte erheben, die sie letztlich nichts angeht. Sie handeln uneigennützig, appellieren durch ihr Agieren an den gesunden Menschenverstand, an das Gemeinschaftsgefühl, an Solidarität und hebeln somit den engmaschigen Gedankenhorizont innerhalb der zeitgenössischen Kastengesellschaft Japans aus.

    Nicht das Auseinanderdividieren der jeweiligen sozialen Stellungen erklärt eine gesunde Gesellschaft. Es ist das Aufheben jener Grenzen und das Zusammenwirken von Menschen, die in verschiedenen Realitäten existieren, in der vorurteilsfreien Kollektivierung aber beweisen, dass das gesellschaftliche System intakt ist. Das mutet nun, wie gesagt, ungemein utopisch und romantisch an, trifft die Tonalität von Die sieben Samurai aber auch „nur“ im gedanklichen Kern. Kurosawa glaubt an den Menschen, glaubt an das Bündnis, glaubt an das gegenseitige Vertrauen. Dass Die sieben Samurai dennoch ein bedrückendes Werk bleibt, liegt vor allem daran, dass Kurosawa in eindringlicher Klarheit aufzeigt, dass Menschen nicht immer zu retten sind, auch wenn man sich für sie einsetzt. Die Samurai scheinen Relikte, unzeitgemäß, anachronistisch. Wenn sie in die Zukunft blicken, sehen sie die Gräber ihresgleichen. Immerhin aber war der letzte Kampf von Bedeutung.

    Und Kurosawa setzt mit diesem Entscheidungsgefecht (oder allgemein mit den Kampfsequenzen) Maßstäbe. Mit dem Einsatz mehrerer Kameras, die ein ausgeklügeltes Spiel verschiedener Perspektiven erlauben und somit eine unvermittelte Dynamik erschaffen, war Kurosawa seiner Zeit weit voraus. Ohnehin ist Die sieben Samurai in erster Linie als visionäres Meisterwerk zu verstehen: Der Film hat die Struktur der kontemporären Actionfilms vorweggenommen, während er sich simultan dazu als ausdrucksstarke Gesellschaftskritik verdient gemacht hat und sich im nächsten Schritt auf wertschätzende, aber niemals verherrlichende Weise mit dem Kriegerstand der Samurai beschäftigt. Am Ende gibt Kurosawa zu verstehen, dass der Moralkodex der Samurai nicht von überzeitlicher Beschaffenheit ist. Vielleicht sollte man die Chance nutzen, noch einmal für etwas Bedeutsames einzutreten, denn bald schon muss man die Mythen Mythen sein lassen. [...]

    25
    • 8

      Das ist er also.
      DER Klassiker von Altmeister Akira Kurosawa.
      „Die sieben Samurai“, der auch gleichzeitig als Vorlage für den Westernklassiker „Die glorreichen Sieben“ Pate stand.
      Die Geschichte rund um eine Gruppe Samurai, die sich aufmacht um ein Dorf vor Banditen zu schützen ist schlicht und schnell erzählt.
      Was Kurosawas Film aber abhebt sind die grundverschiedenen Charaktere, von denen jeder unterschiedlich ist und seine eigenen Stärken besitzt.
      Hierbei sticht natürlich Mifune wieder deutlich hervor, hat er doch den prägnantesten Charakter von allen abgestaubt.
      Der Film wirkt an einigen Stellen leider schon überholt.
      Damit sind weder Darsteller noch Sets gemeint, sondern die technische Umsetzung.
      Die Kämpfe wirken hin und wieder arg langatmig und haben nichts gemein mit der heutigen Dynamik und Schnelligkeit. Dennoch ist „Die sieben Samurai“ immer spannend, weiß man doch nie wer am Leben bleibt und wer stirbt. Das wirkt insofern, da ja jeder der Protagonisten absolut glaubwürdig gezeichnet worden ist und sein Verlust deshalb beim Zuschauer nachwirkt.
      Da verzeiht man schon mal altertümlich wirkende Schnitte. Immerhin ist der Film auch schon gute 58 Jahre alt.
      Filmhistorisch ist „Die sieben Samurai“ ein Schwergewicht, obwohl er hier und da eine Länge aufzuweisen hat. Bei einer derartigen Überlänge ist das aber nicht verwunderlich.
      Zwar nagt der Zahn der Zeit weiter an ihm, doch ist er immer noch zu Recht ein Klassiker und bleibt in den Annalen der Filmgeschichte bestehen.

      16
      • 9 .5

        Filme, die einen solchen Grad an emotionaler und visueller Intensität erreichen wie „Shichinin no samurai“ (dt. „Die Sieben Samurai“) sind selten. Neben Akira Kurosawas mehr als 50 Jahre altem Meisterwerk erscheint vieles, was gegenwärtig in den Kinos läuft, lächerlich und belanglos. Welche Wirkungsmacht doch ein Film haben kann, wenn einer wie Kurosawa hinter der Kamera steht. Mit dem bis dahin teuersten japanischen Film war er 1954 zugleich einer der Mitbegründer eines neuen Genres im Kino: des Actionfilms. Doch „Die Sieben Samurai“ ist weit davon entfernt von dem, was man inzwischen unter einem Actionfilm versteht, wenn auch die entsprechenden Sequenzen selbst heutigen Sehgewohnheiten genügen (sogar die Zeitlupe setzt Kurosawa ein, wenn tödlich Getroffene zu Boden stürzen). Man spürt in diesem Werk einen kompromisslosen künstlerischen Willen, einen Anspruch an die Form, eine Ernsthaftigkeit, wie sie uns inzwischen im Kino leider kaum noch begegnet. (Götz für SchönerDenker)

        5
        • 8

          Nicht nur als Klassiker, sondern als spannender Unterhaltungsfilm absolut sehenswert und dabei um einiges mitreißender als Die glorreichen Sieben.

          3
          • 10

            In einem mittelalterlichen Bauerndorf werden Jahr für Jahr die Einwohner von Banditen überfallen, die ihre mühsam erarbeitete Ernte rauben. Verzweifelt vor Angst den Hungertod zu sterben, beschließen die Bauern, einige Samurai zur Verteidigung des Dorfes anzuheuern. Als schließlich nach langen Mühen sieben Samurai gefunden sind, die sich für nur eine Mahlzeit am Tag bereit erklären, mit den Bauern zu kämpfen, beginnt die mühsame Befestigung des Dorfes. Wild entschlossen, ums nackte Überleben zu kämpfen, werden die einfachen Männer von den Samurai für den bevorstehenden Kampf ausgebildet. Mutig und trotzig stellt sich das Dorf den überheblichen Räubern entgegen, die jedoch in der Überzahl ist. Ein mehrtägiger Kampf beginnt...

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