Die Taschendiebin - Kritik

Ah-ga-ssi / AT: Agassi; Ahgassi; The Handmaid; Mademoiselle; Lady; The Handmaiden

KR · 2016 · Laufzeit 145 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
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    nofuture 26.06.2018, 22:26 Geändert 27.06.2018, 10:31

    Ein Spiel mit Perspektiven der besonderen Art. Sämtlichen Protagonisten wohnt hier eine Macht inne, die einen ungetrübten und doch vernebelten Blick auf unsere Spezies ermöglicht.

    Ganz nah ist man an den Gefühlen aller Beteiligten, fast fühlt man ihre Esenz, ihre Energie, nur um im nächsten Moment sich der Ambivalenz aller Dinge begreifbar zu machen.

    Mancher Pinselstrich ist mehr als nur das Bild, es ist ein Gefühl eine Erzählung. Einzelne Einstellungen erscheinen in ihrer Wirkung unendlich befremdlich und doch so nah an ihrer Natur. Szenarien die zum Träumen zwingen. Fast magisch legt sich ein unheiliger Schleier um einen.

    Ein Gedicht, dem es darum strebt, beendet zu werden. Viele tiefe Töne, im Morast unserer Natur versöhnt. Echt anstrengend, fiebrig, ach Gott so verfickt menschlich. Ich atme manche Szene, kanalisiere, zelebriere. Ich lebe Film. Ich liebe Film!

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      Sinneast 01.06.2018, 23:22 Geändert 01.06.2018, 23:22

      Visuell ein traumhaft ästhetischer Film, der eine wunderschöne, sowie hässliche Geschichte an die Oberfläche trägt und zu erotisieren weiß. Ein bildsattes Märchen, dessen Kehrseite ungemein bitter schmeckt. Dennoch, habe ich in der Rachetrilogie und Durst stärkere Werke wahrgenommen. Für Ästheten mit Humor zweifelsohne ein zauberhafter Ausritt in dunkle Gefilde.

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        In "Die Taschendiebin" entführt uns Regisseur Chan-wook Park in das von japanischen Invasoren besetzte Korea der 1930er Jahre. Eingehüllt in Bilder von majestätischer Schönheit erzählt der Film die Geschichte der Taschendiebin Sook-Hee, die von dem Hochstapler Fujiwara angeheuert wird, um sich das Vertrauen der Millionenerbin Lady Hideko zu erschleichen und so durch eine Heirat an ihr Vermögen zu gelangen.

        "Die Taschendiebin" ist dabei in drei deutlich als solche erkennbare Akte unterteilt, die der Handlung jeweils eine neue Richtung geben. Der Film wartet dabei mit mehreren Wendungen auf, priorisiert jedoch nie den reinen Schockeffekt, sondern weiß seine Twists auf eine reifere (geradezu "vollreife") Art auszuspielen, als dies etwa noch bei "Oldboy" der Fall war. Der historische Kontext sorgt indes für einen zusätzlichen Reiz, steht jedoch nicht so sehr im Vordergrund, als dass sich der Film ohne Kenntnisse in der Geschichte Japans und Koreas nicht verstehen ließe. Ebenso wie das prunkvolle Anwesen, in welchem die Geschichte zu großen Teilen spielt, scheint der Film neben seinem östlichen Einfluss auch eine westliche Komponente zu haben. Die Verhaltensweisen der Figuren erscheinen jedenfalls auch mit dem Blick eines Mitteleuropäers beinahe immer nachvollziehbar. Ohnehin sind unterschiedliche Perspektiven von großer Bedeutung für "Die Taschendiebin".

        Herausstechend ist auch die exquisite Kameraarbeit, die Figuren und Schauplätze meisterhaft in Szene zu setzen weiß. Die Schönheit der Landschaft mit ihrer Kirschblüte, kleinen Teichen und grünen Wiesen wird ebenso elegant eingefangen wie jede Regung in den Gesichtern der Protagonisten. Dies gilt auch für die anmutigen wie kraftvollen Erotikszenen, welche die Beteiligten aus verschiedensten Winkeln zeigen und dabei dennoch die Grenze zum bloßen Softporno nie überqueren. Sehr gelungen ist auch, wie Spiegel, Balken oder Fensterbretter des Anwesens hier so zur Geltung kommen, dass sie immer eine Aussage über das Verhältnis der Charaktere zueinander, ihre Nähe und Distanz treffen.

        Zwar ist die Zahl der handelnden Figuren sehr überschaubar, doch dafür sind diese umso besser ausgearbeitet und von ihren jeweiligen Darstellern stark gespielt. Insbesondere Tae-ri Kim und Min-hee Kim als Zofe und Herrin legen nach und nach die verborgenen Wesenszüge ihrer Figuren frei und geben ganz nebenbei auch noch vollen Körpereinsatz. Die Figuren des Lustmolchs von einem Onkel und des falschen Grafen sind derweil weniger vielschichtig angelegt, im Gesamtkontext der Handlung jedoch ebenso interessant und von ihren Darstellern ebenfalls gut verkörpert.

        Schwächen lassen sich lediglich in der Vielzahl erklärender Momente ausmachen. Hier hätte Park gut und gerne die eine oder andere Szene gegen Ende wegfallen und damit dem Zuschauer mehr eigenständiges Denken zutrauen können. Ansonsten jedoch ist "Die Taschendiebin" eine rundum sehenswerte Mixtur aus Erotikthriller und Drama, ein Film über starke Frauen und schwache Männer, der den Geschlechterkampf spannend und abwechslungsreich porträtiert, dabei jedoch auch humorvolle Auflockerungen nicht vergisst. Festgehalten in opulenten Bildern präsentiert Park eine raffinierte Erzählung, die, obwohl sie doch weitestgehend auf vertrauten Pfaden wandelt, sich angenehm unverbraucht und neu anfühlt.

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          The Handmaiden hat eine sehr geile narrative Struktur mit 3 sehr abwechslungsreichen Akten. Der Film nimmt einen überraschenden, interessanten Verlauf, in dem nur der letzte Akt ein kleines bisschen abfällt, weil man hier die merkliche Lauflänge etwas spürt. Die Schauspieler sind gut und es gibt viele bizarre Situationen, die manchmal echt komisch wirkten (und nur manchmal habe ich mich dabei unreif gefühlt als scheinbar einziger im Kino). Der Film ist sehr schön inszeniert, auch wenn der Film manchmal etwas voyeuristisch (Park Chan-Wook, der alte Lüstling) wirkt durch viele sehr explizite, aber meist sehr ästhetische Sexszenen. Die Aussage des Films wirkt etwas banal, aber der Film ist ein sehr spannendes Stück asiatisches Kino, das zu meinen Highlights 2017 gehörte.

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            Ein großartiger Film mit unfassbar schönen Bildern und diversen unvorhersehbaren Wendungen!

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              Whow, einfach nur whow!!

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                Meisterhafter Film.

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                  RoboMaus 20.03.2018, 21:49 Geändert 26.03.2018, 06:53

                  "Ente süß-sauer und dramatischer Edel-Kitsch" - aus dem grandiosen Kommentar von Kallekowsky (18 Stellen unter meinem), der im Hagel von Lobeshymnen zu 'Die Taschendiebin' (2016) wie eine zarte Pflanze der Häresie emporkeimt, die trotz oder wegen ihrer enthüllenden Eloquenz noch keinen Versuch hinnehmen musste, von Auswüchsen der Unverständnis zertreten zu werden. Ja, es gibt sie tatsächlich, die Kehrseite der Medaille in der Betrachtung von Filmen des koreanischen Kultregisseurs Chan-wook Park.

                  Immer wieder wird hier Parks Bildsprache ausgelobt, und die ist wirklich einnehmend. Die Frage ist: welche Bedeutung hat das beim Filmesehen, oberste Priorität oder wünschenswertes Beiwerk? Für meinen Teil trifft Letzteres zu, wobei die Priorität in Form, Inhalten und der aus beidem resultierenden Handlung liegt.

                  Unter diesem Betrachtungswinkel ergeben sich schon nach einer halben Stunde gewisse Unannehmlichkeiten: obwohl klar ist, worum es in diesem Film zunächst gehen soll, nämlich das Ausrauben eines Anwesens mit Hilfe eines eingeschleusten Fake-Dienstmädchens, tritt die Handlung lange auf der Stelle. Dies vollzieht sich natürlich im typisch Parkschen Schneckentempo, durchsetzt von unnützem Geschwätz, womit sich die dünne Story ihrer Wendung entgegenschleicht. Schließlich muss das auf standesgemäß episches Format von zweieinhalb Stunden gezogen werden. Wer hier wen letztendlich austrickst, wird in diesem zähen Handlungsbrei schon vor der Mitte uninteressant.

                  Die zunehmenden Erotik-Szenen erhärten hingegen....... (nein....... nicht was ihr denkt, sondern) den Verdacht, dass die gestreckte, lahme Handlung eher den lose zusammengenagelten Rahmen für die Arthouse-typische Verklärung weiblicher Geschlechtsmerkmale und Lolita-artigem Sex mit entsprechenden Dialogen bildet: "....und ließ meinen Schwanz tief in ihre Votze gleiten".
                  Das ist natürlich ganz großes, anspruchsvolles Kino, garniert mit gekonnt von Park in Szene gesetzten Brüsten kleiner asiatischer Frauen. Hut ab und *Ironie off*.

                  Was auch immer andere in diesem Film erkennen, um die Basis ausschweifender Lobeshymnen zu bilden: meiner Wahrnehmung entzieht sich das - bis auf die Bildsprache, die mit 4 Punkten gewürdigt sei. Doch darüber hinaus präsentieren sich vor allem endlos in die Länge gezogene, überwiegend banale Inhalte, die als Softporno kulminieren, für die Blinden auch im Hörbuch-Format *stöhn*.

                  Somit türmt sich lediglich ein anspruchsvoller Haufen Langeweile vor meinem geistigen Auge, der sich in diesem Leben nicht mehr wegschaufeln lässt.

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                    Mekridi 20.03.2018, 17:26 Geändert 21.06.2018, 16:55

                    https://www.youtube.com/watch?v=bafQOb3MGhs

                    Den Regen auf meiner Haut gespürt. Den Film gerochen. Geschmeckt. Das fängt schon bei den asiatischen Darstellern und Darstellerinnen an. Diese Anmut, dieses Grazile. Fragil in der Erscheinung, pointiert in kraftvollem Schauspiel. Will mich spontan in güldenem Blütenstaub wälzen. Mehr Ästhetik wäre Überdosierung. Selbst Flora und Fauna ergeben sich in Filigranität. Interieur? Settings? Bilder? Enorm erlesen. Kamera protzt mit samtener Geschmeidigkeit. Score? Listiges Piano. Ein hundsgemeines Instrument. Kann zärtlich sein, zerbrechlich, dich aber auch hinterrücks an die Wand nageln. Und das Piano kommt hier nicht allein! Alles fließt harmonisch ineinandergreifend, gemütlich dahin, ohne auch nur den Hauch einer Langeweile aufkommen zu lassen. In seiner ganzen, sortierten Zartheit, so immens wuchtig und durcheinander. Stimmiger kaum möglich. Stimmig gar kein Ausdruck. Majestätisch schon eher. Zum Reinlegen schön. Auch schlimm! Klar. Park Chan-Wook weiß wo der Melodramatikhammer hängt. Er zeigt nicht nur wo er hängt, er nutzt ihn auch. Bittere Wendungen sind dem Film gegeben. Wie in Oldboy, so auch hier. Dort etwas knackiger, brutaler auf den Punkt und den letzten, markanten, alles 'zerstörenden' Twist ausgerichtet. Hier dafür das vielleicht etwas reifere, erwachsenere Werk? Was 'Die Taschendiebin' für mich aber garantiert ist: Erhabene, sinnliche, holzhammerfrei-erotische Performance, dialogstarke, durchdachte und üppig ausholende Dramastory, zum Niederknien schöne Bilder, veredelt mit einem, von Schmerzen und Hoffnungsschimmern durchtränkten Sound. Ein insgesamt reines: Bor!

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                      Fazit (Langfassung)

                      Mit "Die Taschendiebin" ist Regisseur Park Chan-wook nicht nur ein herausragend gut strukturierter und spannender Thriller gelungen, sondern vor allem auch eine wunderschöne, berührende Liebesgeschichte, die man so in der Regel nicht zu sehen bekommt.

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                        Park Chan-wook, der zuvor bereits mit u.a. „Oldboy“ und „Lady Vengeance“ auf sich aufmerksam machte, setzt nunmehr mit „Die Taschendiebin“ zu einem weiteren blutigen Verwirrspiel an, das in drei Teile untergliedert ist, wobei eine ziemlich ausgeprägte Erotik-Komponente das Geschehen maßgeblich bestimmt.

                        Nach dem die zunächst für Verwirrung sorgende umfangreich angelegte Einführungsrunde, die mit ihrer Bildsprache immer wieder anmutige Momente bereithält, den Zuschauer auf eine falsche Fährte lockt, enthüllt der zweite Teil einen äußerst perfiden Plan und lässt dabei meine fast schon abhanden gekommene Aufmerksamkeit wieder zurückkehren. Im letzten Kapitel werden noch mehr nackte Tatsachen sowie die blutige Zweckentfremdung einer Buchschneidemaschine präsentiert.

                        Aufgrund der zweiten Filmhälfte durchaus interessant, aber gewiss zwangsläufig kein Film, den ich mir zwingend nochmals ansehen müsste.

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                        • 10
                          GerritWuCha 17.03.2018, 22:33 Geändert 17.03.2018, 22:35

                          "Die Taschendiebin" ist ein fantastischer Film! Eine raffinierte Geschichte, die sowohl Eleganz, Erotik, als auch Thrill bietet. Dazu eine Prise schelmischer Humor. Natürlich ist das Ganze bisweilen auch sehr "krank", wie man es aus dem asiatischen Film ja gewohnt sein dürfte ;)
                          Die Bildsprache und der Score sind wirklich majestätisch. Auch alle Schauspieler sind herausragend!

                          Was soll man anderes, als die volle Punktzahl vergeben? Meisterhaft!

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                          • 9

                            Ich bin eigentlich kein Fan von asiatischen Filmen, aber die Bewertungen von "Die Taschendiebin" haben mich dann doch sehr neugierig gemacht. Vor allem, weil ich auch schon Wook-Parks Oldboy sehr außergewöhnlich fand.
                            Es ist ein Film voller Sinnlichkeit, traumhaft schönen Bildern, dezent garniert mit Humor. Das gilt aber hauptsächlich für den ersten Teil. Der Zweite, der die Story aus einem anderen Licht zeigt, ist wesentlich erotischer und auch ganz schön pervers.
                            Faszinierend fand ich auch den Plot des Filmes, es gibt mehrere Twists, die mich zum Staunen gebracht haben. Da weiß wirklich jemand, wie man Filme macht, an denen man auch konzentriert dran bleibt.
                            Auch das Ende ist nicht unbedingt, das was man erwartet. Vielleicht ist der Film nicht jedermanns Sache, ich kann ihn auf jeden Fall empfehlen.

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                            • 9

                              Was für ein sinnlicher, intensiver, teilweise auch krank-perverser Rausch von einem Film, in dem die Kreativität und Bildästhetik einen schon fast erschlägt.

                              Für mich ist das, was Chan Wook Park hier abliefert, ein Meisterwerk, weil er mich hier auf so vielen ebenen überrascht und erreicht, wie es einfach nicht mehr oft passiert heutzutage.

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                                MCsebi 04.03.2018, 18:03 Geändert 05.03.2018, 00:32


                                Vielleicht lag es an mir, aber so gerne ich dieses Werk von Regiegenie Chan-wook Park auch gemocht hätte, so sehr mir der auffällig schöne Soundtrack auch gefallen hat, so betörend, sinnlich und elegant der Film auch inszeniert und so großartig er auch von allen Beteiligten gespielt sein mag, inhaltlich hat mich DIE TASCHENDIEBIN seltsam kalt gelassen, konnte einfach emotional nicht zu mir durchdringen. Bleibt nur zu hoffen, dass er mich bei der Zweitsichtung, die früher oder später folgen wird, mehr erreichen kann...

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                                  VisitorQ 03.03.2018, 17:45 Geändert 03.03.2018, 17:49

                                  Schon nach einer Minute habe ich mich hardcore in den Popposs gebissen, dass ich diese stylische Wucht nicht im Kino gesehen habe. Park Chan-Wook hat mit DIE TASCHENDIEBIN mal wieder unter Beweis gestellt, dass diesem Mann handwerklich so gut wie nicht das Wasser gereicht werden kann. Der Film ist ein derartiger optischer Leckerbissen, dass es mir auch überhaupt nichts ausmacht, dass er mich in der letzten halben Stunde etwas verloren hat. Dafür waren die Bilder und das tolle Schauspiel einfach viel zu fesselnd. Schon jetzt freue ich mich auf die kommende Werke von Park Chan-Wook. Dann werde ich auch wieder im Kino dabei sein, ganz sicher.
                                  Herzchen.

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                                    War ganz nett für zwischendurch.

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                                      Hmm, ich bin ein bisschen verwundert, dass dieser Film qualitativ mit Oldboy verglichen wird. Oldboy hatte mich damals einfach komplett umgehauen und ist für mich persönlich ein Meisterwerk. Die Qualität sehe ich bei Die Taschendiebin nicht. Vielleicht liegt es daran, dass irgendwann während des zweiten Teils die Twists für mich relativ klar waren und ich dann zwar wissen wollte wie der Film genau endet, aber so richtig gefesselt hat es mich dann nicht mehr.
                                      Eine sehr positive Erscheinung war die Darstellerin Tae-ri Kim. Ich hoffe, dass man in Zukunft mehr von ihr sieht in Deutschland.

                                      Der Film kriegt von mir gute 7 Punkte.

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                                      • 6 .5

                                        Vom Oldboy-Regisseur hatte ich doch etwas ganz anderes erwartet. Der Film hat sehr gute, einfühlsame Bilder und alles was dem Oldboy-Regisseur bekannt gemacht hat. Leider fehlt mir dann doch die Poesie und die Story eines Oldboys. Aufkeinenfall ein schlechter Film, aber mich hat er nicht so unterhalten wie ein Oldboy z.B.

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                                          RolfMuller 17.01.2018, 15:46 Geändert 17.01.2018, 16:05

                                          Mit „Oldboy“ (2003) hat sich Park Chan-Wook in mein Hirn gebrannt und in mein Herz gefilmt. Eine absolute Ausnahmeerscheinung von einem Film und dementsprechend groß sind die Erwartungen, die ich an seine weiteren Filme gestellt habe. Sein Ausflug nach Hollywood mit „Stoker“ (2013) überzeugte mich optisch aber lieferte eben nicht den brillianten inhaltlichen Input ab, der sich in „OldBoy“ herauskristallisierte. Mit „Die Taschendiebin“ hat sich der südkoreanische Regisseur wieder seiner Heimat gewidmet und einen Film nach der Vorlage von Sarah Waters Roman „Fingersmith“ kreiert, der komplex angelegt ist und aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.

                                          Eine Gaunergeschichte im Korea und Asien der 1930er-Jahre handelnd, welche sich aber immer mehr zu einem Liebes- und Intrigenspiel wandelt. Gefühle werden ergaunert wie Geld. Es wird darum gefeilscht, gehandelt. Virtuos erzählt und absolut berauschend dargestellt entdecken die beiden Frauen Sook-Hee und Hideko inmitten einer von Männern dominierten Lebens- und Gefühlswelt wahrhaftige Lust und Leidenschaft füreinander. Selten hat man Sexszenen als so anregend, ästhetisch und verführerisch empfunden. Demgegnüber stehen alte Säcke die sich sabbernd und lechzend Schmuddelheftchen vorlesen lassen und sich an ihren Fantasien ergötzen. Plumpe, naive, egoistische, machterprobte Pornografie (Männerwelt) trifft auf leidenschaftliche, gemeinschaftliche, gerissene, sexuelle Befreiung (Frauenwelt).

                                          Der wenig raffinierte, aber herausragend erzählte Thrillerplot unterstreicht den Ausbruch der beiden tragenden Frauenfiguren aus dem unterkühlten Männerzirkus voller Raubtiere und Clowns. „Die Taschendiebin“ ist ein betörend-sinnlicher Bilderrausch um das Erwecken und Entdecken von Lebens-und Liebeslust und dem Losreißen und Lossagen daran hinderlicher Dinge.

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                                          • 7

                                            Die ungewöhnliche Geschichte, die sinnliche Intensität und die wunderbaren Darsteller machen The Handmaiden zu einem echten Schmuckstück aus Fernost.

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                                            • 9

                                              Ein einziger Triumphzug, der neue Chan-wook Park. Formell wie gewohnt von beinah schon übermenschlicher Eleganz, manchmal an der Grenze der Überstilisierung, bleibt ein ästhetisches Feuerwerk zurück, das nicht heult und kracht, sondern gleitet, schwebt, beobachtet und unterwandert. Passend zum Inhalt, der sowohl ein zeitlich-politisches Gesellschafts- und Sittengemälde darstellt. Von Geschlechter-, Schichten- und Herkunftsdominanz erzählt, jedoch mit seinen Täter/Opfer-Löwen/Lämmer-Rollen geschickt spielt, vorliest wie aus einem guten Buch, stetig bewusst das der Zuschauer so ausgeliefert und abhängig ist von der Narration wie die Protagonistinnen offenkundig vom starken Geschlecht. Chan-wook Park liefert mit Die Taschendiebin nicht nur einen der besten Filme (wenn nicht vielleicht sogar den besten Film) des vergangenen Jahres ab, er durfte definitiv mit einem der besten Drehbücher arbeiten. Zwischen ineinander verschachteltem, sich behutsam schälenden Thriller, verbotener Romanze und galligem Geschlechterkampf, der eindeutig aus parteiischer Perspektive teilweise stark überspitzt, aber nie unpassend vorgetragen wird. Selbst den Vorwurf des Voyeurismus lässt sich so kaum aufrechterhalten. Denn nur weil die Weiblichkeit nicht in ihrer zärtlichen Sinnlichkeit und Grazie dem Zuschauer ausgespart wird, während die hässliche Männlichkeit in letzter Konsequenz nur im ihren Schwanz fürchtet, ist es nicht automatisch gleichzusetzen mit einem Blick durchs Schlüsselloch. Der Ton macht die Musik und wer sich bei einem so ergreifendem Lied eines heimlichen, aber gerechten Sieg in einer grausamen Welt voller Intrigen, Hochstapler und brutaler Unterdrückung doch noch in den Schritt greifen zu meint, hat irgendwas leider nicht verstanden.

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                                                Mein Platz 3 der besten Filme des Jahres: The Handmaiden

                                                Park Chan-wook, Regisseur von Old Boy, konnte in diesem Jahr sein nächstes Meisterwerk in die deutschen Kinos bringen und zeigt einmal mehr, wie gut das asiatische Kino ist. The Handmaiden erzählt mit wunderschönen Bildern eine unfassbar interessante, völlig innovative Geschichte. In drei Kapiteln offenbart sich immer mehr von der Handlung und viele unerwartete Wendungen überraschen den Zuschauer so sehr, dass M. Night Shayamalan daneben verblassen würde. Die ersten beiden Kapitel zeigen die gleichen Geschehnisse aus unterschiedlicher Perspektive. Ein inszenatorischer Kniff, der so gut funktioniert, dass er den ganzen Film auf ein neues Level hebt. Diese Geschichte wird dann im dritten Akt zu Ende gebracht und ließ mich staunend zurück. Ein inszenatorisch wie inhaltlich beeindruckender Film.

                                                Meine 10 Filme des Jahres gibt es auf: http://derfilm.blog/

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                                                  Geld oder Liebe, oder vieleicht beides?

                                                  Spannend erzählter Krimi bis zum Schluss, und optisch ein
                                                  photograpischer wie auch erotischer Leckerbissen. ;)

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                                                    Ein Meisterwerk. Ein düsteres Meisterwerk.

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